Nach Bayern öffnet nun auch Niedersachsen Schulen. Bis die Bundes-Notbremse greift

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HANNOVER. Vom 10. Mai sollen wieder deutlich mehr Schüler in Niedersachsen zum Unterricht in die Klassenräume kommen. Das Land verabschiedet sich von seinem strikten Corona-Kurs an den Schulen und verschiebt die regionale Inzidenz-Grenze für den Distanzunterricht von 100 auf 165. Unterhalb dieses Werts greift künftig das Wechselmodell mit geteilten Klassen. Die Kindertagesstätten wechseln dann in den eingeschränkten Regelbetrieb, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover bekanntgab. Gestern hatte bereits Bayern angekündigt, seine Grundschulen bis zu einem Inzidenzwert von 165 öffnen zu wollen.

Praktisch alle Länder nutzen jetzt den Spielraum, den ihnen die Bundes-Notbremse bei den Kitas und Schulen bietet. Illustration: Shutterstock

«Wir können jetzt endlich wieder allen Kindern und Jugendlichen ein Angebot auf Bildung und Betreuung machen», sagte der Minister. Die Öffnung sei auch notwendig, weil sich die Kontaktbeschränkungen negativ auf die Entwicklung der Jugendlichen auswirkten. Gleichzeitig seien die Lockerungen an Sicherheitsmaßnahmen wie die verpflichtenden Selbsttests geknüpft, sagte Tonne. Auch die übrigen Hygienemaßnahmen, etwa das Lüften, Masketragen und Abstandhalten, sollen weiter gelten. Dann sei ein sicherer Schulbesuch möglich. «Wir haben keine Massenausbrüche in Schulen», behauptete Tonne.

„COVID-19-bedingte Ausbrüche betreffen insbesondere private Haushalte, aber auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stellt unterdessen – bundesweit – sehr wohl Ausbrüche an Kitas und Schulen fest. „Beim Großteil der Fälle ist der Infektionsort nicht bekannt. COVID-19-bedingte Ausbrüche betreffen insbesondere private Haushalte, aber auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld“, so heißt es im aktuellen Lagebericht.

Eine vollständige Rückkehr in den Präsenzunterricht stellte Tonne jedoch noch nicht in Aussicht – auch nicht für Regionen mit besonders niedrigen Inzidenzwerten. Dafür sei bis auf Weiteres der landesweite Inzidenzwert entscheidend, der aktuell knapp unter 100 liegt.

Niedersachsen setzt mit der Änderung die erweiterten Möglichkeiten für den Schulunterricht um, die der Bund im Rahmen der sogenannten Notbremse festgelegt hat. Derzeit liegen nach den Daten des RKI nur der Landkreis Vechta sowie die Städte Salzgitter und Delmenhorst über 165 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Der Landkreis Grafschaft Bentheim liegt mit 164,0 minimal darunter. Die bisher entscheidende 100er-Marke übertreffen dagegen insgesamt 16 Regionen, darunter etwa die Region Hannover.

Viele Schüler in Niedersachsen befinden sich inzwischen seit knapp fünf Monaten im reinen Distanzunterricht und haben ihre Schule seit Mitte Dezember nicht mehr besucht. Beim Wechselunterricht, dem sogenannten Szenario B, wird immerhin eine Hälfte der Schüler in der Schule unterrichtet, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Die beiden Gruppen wechseln sich mit dem Präsenzunterricht ab.

Grundschulen in Bayern dürfen ab nächsten Montag auf breiter Front wieder für alle Klassenstufen im Wechselunterricht öffnen – nämlich schon bei einer regionalen Sieben-Tage-Inzidenz bis 165. Das kündigte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Montag an. Die Lockerungen für Grundschulen begründete Söder damit, dass dort Distanzunterricht zum Teil mit Schwierigkeiten verbunden sei. Bei den weiterführenden Schulen dagegen sei dies anders: «Das funktioniert.» Hier will Bayern beim Distanzunterricht ab einem Inzidenzwert von 100 festhalten.

Die Bildungsgewerkschaft GEW erklärte zu der geplanten Öffnung in Niedersachsen, der Unterricht könne nach der langen Pause nicht einfach weitergehen als sei nichts gewesen. «Die Schülerinnen und Schüler, die schwere Zeiten hinter sich haben, benötigen nun dringend intensive pädagogische und psychologische Unterstützung», sagte Landeschefin Laura Pooth. Auch viele Schulbeschäftigte seien zermürbt. Minister Tonne mahnte ebenfalls eine Übergangsphase an und rief dazu auf, die Schüler nach ihrer Rückkehr nicht sofort mit Tests und Klausuren zu überhäufen. «Die Schule soll nicht mit Druck starten», sagte er. Der seit Pandemiebeginn verpasste Stoff könne auch in den nächsten Schuljahren noch aufgeholt werden.

Der Landeselternrat kritisierte indes die Anhebung des Grenzwerts auf 165 als unverantwortlich. Die Fallzahlen bei Kindern und Jugendlichen hätten sich zuletzt dramatisch erhöht, zudem gebe es für die Schüler bisher kaum Aussicht auf Impfungen.

„Es ist ein Trugschluss, Selbsttests als sicheres Mittel zum Schutz vor Corona anzusehen“

Auch der Lehrerverband VNL/VDR bezeichnete die Öffnung als «große Gefahr» für Lehrer und Schüler. „Die Aufgabe des bislang geltenden Inzidenzschwellenwerts zur Schließung der Schulen von 100 und die Erhöhung auf 165 können von uns zurzeit noch nicht mitgetragen werden, so sehr auch wir eine Normalisierung des Schulbetriebes herbeisehnen“, so erklärte Vorsitzender Torsten Neumann.

Er betonte: „Es ist ein Trugschluss, Selbsttests als sicheres Mittel zum Schutz vor Corona anzusehen. Es handelt sich jeweils um ein Momentergebnis, das bereits kurze Zeit später anders ausfallen kann. Die Impfung der an den Schulen im Sekundarbereich I und II Tätigen ist erst angelaufen. Impfangebote und Impftermine bedeuten noch lange keinen Schutz vor Corona. Ein noch nicht vollständiger Schutz vor Corona nach einer Erstimpfung setzt erst nach durchschnittlich drei Wochen ein, so dass von einem Gesundheitsschutz an unseren Schulen derzeit nicht gesprochen werden kann. Die zunehmenden gefährlichen Mutationen des Corona-Virus haben bei der Einschätzung des Kultusministers offenbar keine Berücksichtigung gefunden.“ News4teachers / mit Material der dpa

Wieler: „Wir bremsen erst, wenn es zu spät ist!“ Wie sich das Infektionsgeschehen an Schulen ausbreitet – ein exemplarischer Fall

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37 KOMMENTARE

  1. So hat Angela Merkels Grenzwert von 165 die Möglichkeit gegeben , die Schulen zu öffnen . Kann man das als “ Notbremse “ bezeichnen . Immerhin nennt der Landeselternrat das Vorgehen “ unverantwortlich “ . In fast ganz NRW mussten die Schulen zuletzt in den Distanzunterricht . Jetzt sind deswegen die Zahlen gefallen . Also Montag wieder Präsenz . Für wie lange ? 3 Tage ? Oder 5 ? Die Politiker verstehen es nicht .

    • Bei uns (zum Glück?) zu hoch noch.
      Aber sobald geöffnet wird, ist in spätestens 10 Tagen wieder dicht.

      Was ist wohl schädlicher für Schüler? Dauernder Systemwechsel in der Schule oder kontinuierlicher DU.
      Meine Schüler fallen bei Regeländerungen sofort auseinander. Es ist Anfang des Schuljahres schwer genug, denen einen Tagesstruktur wenigsten im Schulalltag zu geben. Dann habe ich es geschafft den DU einigermassen zu gestalten, usw.
      Alles für die Nüsse.
      Jetzt kommen immer mehr zum Videounterricht. Wechselunterricht wird wieder Katastrophe, da die sich viele nicht merken können, wann jetzt Unterricht ist.

      Aber das Wohl der Jugendlichen ist wichtiger als die Gesundheit der Eltern.

      Tjoa, ich habe die Erstimpfung erhalten.

      • Bei mir in NRW ist noch kein Termin in Sicht. Aber wir durften uns im Nachbarort für die Resterampe registrieren.
        Man munkelt aber bereits über Schulöffnungen in 2 Wochen…

  2. BY öffnet die _Grundschulen_ bis 165. Das ist in NDS seit Mitte Januar der Fall.

    JETZT öffnet NDS auch _alle_ anderen Schulen bis 165, da galt bisher der Wert von 100 nach den Zahlen des Landesgesundheitsamtes, seit einer Woche gelten die Zahlen des RKI.

    Zu den Klassenarbeiten:
    Herr Tonne ist derjenige, der es in der Hand hat. Er kann die die Klassenarbeiten komplett aussetzen, dann müssen sie nicht geschrieben werden.
    Bleibt es bei einer Pflicht, die das Ministerium setzt – nicht die Schule, dann müssen die Schulen sehen, wie sie in den verbleibenden 6-8 Wochen bis zu den Zeugniskonferenzen die entsprechenden Leistungsnachweise zusammen zu haben.

    • @Palim

      Der aktuelle Abiturjahrgang arbeitet in Kooperation mit Sturmtief Eugen an wieder steigenden Fallzahlen, … 😉

      Während der heutigen Mathe-Abiturprüfungen hat ‚EUGEN‘ die Lüftungsvorgaben von Herrn Tonne vollkommen ignoriert.
      Wie kann EUGEN nur?
      Beim Querlüften schlugen die Fenster und Türen bei Sturmböen von 70 – 100 km/h einfach zu. Die Abiklausur konnte somit
      – nur bei geschlossenen Fenstern
      – OHNE verpflichtenden Selbsttest am Prüfungstag
      – OHNE Maskenpflicht am Platz während der Prüfung
      geschrieben werden.

      Das Ergebnis – steigende Fallzahlen(?) – wird sich dann ggf. nächste Woche im Abijahrgang zeigen!
      —> Bis > 165 benötigen wir nur noch 43/100.000 …

      • Einfach kompletter Irrsinn. Und keiner der Anwesenden hatte den Mut, die ganze Veranstaltung einfach abzusagen. Wenn das tatsächlich zu Ansteckungen mit Folgen (Tod, Tod von Angehörigen, Langzeitfolgen) führt, dann dürfte die Schulleitung ein sehr ernstes Problem bekommen.

  3. Endlich ein Angebot auf Bildung und Betreuung machen???

    Was war denn in den letzten Monaten?
    Scheinbar null Bildung und keine Betreuung.

    Warum tut man uns das an? Setzt doch bitte für alle Zeiten diese verdammte Schulpflicht aus und lasst uns Familien selbst und eigenständig entscheiden, was WIR für UNSERE Kinder tun und lassen wollen.

    Es kotzt mich nur noch an.
    Ich hoffe jeden Tag, dass sich in meinem Landkreis genug Menschen anstecken, damit wir unser Kind zu Hause lassen können. Wie pervers ist das?? Liebe Mitmenschen: bitte werdet krank. Wir wollen nämlich gesund bleiben.

    Es ist unfassbar, was hier in diesem Land im Jahr 2021 von den Familien erzwungen wird.
    Von den Lehrern, dem ganzen Schulpersonal.

    Da sitzen diese SchlipsträgerInnen und erlauben sich ein Urteil über MEINE Familie, über MEINE Fähigkeiten, über MEINE Situation??

    Mit welchen Rechten???

    Wenn es schlecht läuft, dann geht mein Kind bis zu den Sommerferien noch 16 (!) Tage in den Präsenzunterricht. Vorausgesetzt, dass die Inzidenz unter 165 bleibt.

    Für 16 Tage, an denen hauptsächlich Nebenfächer stattfinden, sollen wir LongCovid und/oder einen schweren Coronaverlauf riskieren?

    Ekelhaft! Ich finde das alles nur noch ekelhaft!

    • @ Mutti-NRW

      „Ich hoffe jeden Tag, dass sich in meinem Landkreis genug Menschen anstecken, damit wir unser Kind zu Hause lassen können. Wie pervers ist das?? Liebe Mitmenschen: bitte werdet krank. Wir wollen nämlich gesund bleiben.“

      Wie gut kann ich Sie verstehen!!! Sie sprechen mir aus dem Herzen! Ja, es ist pervers. Trotzdem… jeden Morgen habe ich gleiche Gedanken…

      • Gibt es denn bei Euch nicht die verpflichtenden Selbsttests? Ich würde an eurer Stelle denen einfach nicht zustimmen – somit „dürfen“ Eure Kinder dann ja ganz offiziell nicht in die Schule gehen. Nachteil ist dann natürlich, dass der jetzige DU nicht mehr angeboten wird und die Kids sozusagen auch nicht mehr per Videokonferenz unterrichtet werden würden. Sie müssten dann wahrscheinlich den Stoff, den die anderen im Unterricht durchnehmen, alleine zu Hause machen, oder? Das wäre dann natürlich auch nicht optimal 🙁
        Aber dem Gesundheitschutz zu Liebe wäre das doch evtl. ne Möglichkeit!?

        • Wir haben Kinder abgemeldet. Bei uns kann man das noch machen. Aber für wie lange?
          Lernen zu Hause klappt prima! Bei dem Grunschulkind gibt es mehrere, die auch zu Hause bleiben. Im Gymnasium aber ist unser Kind das einzige beim „Lernen-zu-Hause“. Ab Montag gibt es, wahrscheinlich, wieder Schule. Und „endlich“ Klassenarbeiten…

    • Fahrlässige Körperverletzung?

      Nein, von dem Gesetz sind die Politik und Wirtschaftsinteresse ausgenommen.

  4. Bei der aktuellen Öffnungsorgie ist es anscheinend schwierig, schärfere Regeln als der Bund umzusetzen.

    Jeden Tag kommen weitere Geimpfte hinzu, die zum großen Teil nicht mehr infiziert werden können und nur selten andere anstecken.

    Bis zum 10. Mai wird die Inzidenz ohnehin in den meisten Landkreisen wieder unter 100 sein.

    Daher dient die Maßnahme in erster Linie zur Beruhigung der Arbeitgeberverbände, die ständig Druck gegen Distanzunterricht machen.

    Besser wäre es gewesen, die aktuelle Regelung aufrecht zu erhalten, damit auch die Landkreise mit hoher Inzidenz eine Chance haben, diese zu reduzieren.

    • „Jeden Tag kommen weitere Geimpfte hinzu, die zum großen Teil nicht mehr infiziert werden können und nur selten andere anstecken.“

      NTV-Online 05.05.2021
      +++ 03:35 Öffnung für Geimpfte: Einzelhandel erwartet kaum bessere Geschäfte +++
      Von den geplanten Lockerungen für Geimpfte und Genesene verspricht sich der Einzelhandel keinen nennenswerten Effekt: „In den vergangenen Wochen haben die Händler, die für Kunden mit Negativ-Test geöffnet hatten, im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit mehr als die Hälfte ihrer Umsätze verloren“, Stefan Genth, der Chef des Branchenverbandes HDE der „Rheinischen Post“. Er halte es zwar für richtig, dass die Politik Geimpfte, Genesene und negativ Getestete gleichsetze, wirtschaftlich lohne es sich seiner Meinung nach aber nicht.“

      Bei 300 durchgeführten Schnelltests in einer Stadt mit 50.000 Einwohnern, kein Wunder.
      Die Rennerei nach Schnelltests mit offiziellem Negativ-Nachweis mit teils 4-wöchiger Voranmeldung, macht echt keinen Spaß.

      Daher wäre es wirklich besser, endlich die Zahlen konsequent und drastisch zu senken, diese Jojo-Lockdowns in Dauerwell ist doch jeder leid.

  5. Aussitzen; Inzidenswerte anheben ( und Notbremse nennen);so tun, als sei Corona fast besiegt; Glücksgefühle bei Geimpften und Fastgeimpften durch Aussicht auf Erleichterungen wecken und den Rest ignorieren. Das ist also der niedersächsische Weg.

    Die Werte sinken seit einigen Tagen, jedoch längst nicht auf ein Niveau, dass Ungeimpften ausreichend Sicherheit bieten könnte. Die Testung zweimal wöchentlich wird als Freitestung mit Sicherheitsgarantie verkauft oder soll zumindest so ähnlich verstanden werden, um einen Wohlfühleffekt in Schule zu erzeugen. Ich fühle mich weiterhin von den verantwortlichen Politikern für dumm verkauft. Die dritte Welle ist auf Kosten der Allgemeinbevölkerung, und Schonung bestimmter Wirtschaftszweige, ausgesessen worden. Jetzt setzt Armin’s erhoffter Wettereffekt zusammen mit einer höheren Impfquote ein.
    Die Schüler werden jedoch weiter unzureichend geschützt, während ihnen eine sinkende Inzidenz mehr Sicherheit vorgaukeln soll,wobei bewusst das zunehmende Infektionsgeschehen unter ihnen ignoriert und schöngeredet wird. Die Kinder und Jugendlichen sind auch hin- und hergerissen. Einerseits sind sie angesichts des monatelangen Lockdown müde und zermürbt und sehnen sich danach wieder unbeschwert Freude zu treffen und auch mal wieder im Klassenverband zu sein. Andererseits bemerken viele auch, dass es noch nicht ausgestanden ist, sie selber auch gefährdet sind und mit den Schulöffnungen kurz vor Schuljahresende ein enormer Leistungsdruck angesichts noch nicht erbrachter Leistungsnachweise auf ihnen liegt.
    Diese Politik wird sich hoffentlich irgendwann bei den zukünftigen Wählern für die Missachtung dieser, während der Pandemiezeit, verantworten müssen. Es ist mehr als schändlich, dass den Verantwortlichen über einen so langen Zeitraum nicht viel mehr als Schulschließung vs. Schulöffnung mit Anleitung zum Fensteröffnen eingefallen ist. Die mangelnde Bereitschaft für die Durchsetzung konsequenter, jedoch zeitlich begrenzter, Maßnahmen zugunsten des Allgemeinwohls, wird vielen sicher in Erinnerung bleiben. Die Jugendlichen wissen auch, wieviel mehr TUI und die Lufthansa der Politik wert waren, als die sichere Ausstattung der Schulen.

    • @ECHT

      Nach dem gestrigen Mathe-Abitur in Niedersachsen sind alle Sprüche von GHT: „faire, sichere und hochwertige Abiturprüfungen“ sowas von verlogen …

      Meine Gedanken zum gestrigen Mathe-Abitur in Nds. mit Sturmtief ‚Eugen‘:
      ————–
      Deutschland, Niedersachsen, Dienstag 04.05.2021 pünktlich um 08:00 Uhr beginnt für die Prüflinge des Leistungskurses-Mathematik eines Gymnasiums die Abiturklausur 2021.

      Der Mathelehrer eröffnet den Klausurtage für die Prüflinge mit den Worten: „Man hätte sich gestern – im Vorfeld des Prüfungstages – länger mit den Kollegen der parallelen LK-Mathe-Kurse der Schule ausgetauscht, welcher Prüfungsvorschlag am besten auszusortieren sei. Verwundert seien die betreffenden Fachkollegen gewesen, ob des Schwierigkeitsgrades der einzelnen Prüfungsaufgaben für die Prüflinge des EA-Mathematik-Kurs 2021, der für das aktuelle Schuljahr weit über dem Niveau der Abiturprüfungen der Vorjahre anzusiedeln sei. Es bestünde bereits vor Ausgabe der Prüfungsaufgaben die einhellige Auffassung, dass es im Nachgang der schriftlichen Mathematik-Abiturprüfungen 2021 in Niedersachsen mit Sicherheit zu juristischen Auseinandersetzungen, die Bewertung der Mathe-Abiturprüfung 2021 betreffend, kommen wird – aufgrund des extrem hohen Anforderungsniveaus in 2021 könne man dies auch aus Lehrersicht nachvollziehen.“
      Es folgte der aufmunternde Hinweis – des von den Schülern sehr geschätzten Mathematiklehrers -: “Bitte verzweifeln Sie nicht gleich, wenn die Bearbeitungszeit nicht ausreicht und Sie einige Aufgaben unbearbeitet lassen müssen.“

      Alle Prüflinge schwitzten über den Mathe-Abitur-Aufgaben 2021 bis zur letzten Sekunde, … und es war, wie vom Lehrer vorhergesagt, kaum zu schaffen.

      Erinnert man sich doch an die beruhigenden Worte ‚im Politiker-Sprech‘ des Niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne: „Sollten es 2021 doch laut Erlass zur 10-Punkte-Agenda: faire, sichere und hochwertige Abiturprüfungen“ geben.
      ‚H ö h e r‘-wertige Abiturprüfungen als in den vorangegangenen Abiturjahrgängen – laut Aussage der LK-Mathematik-Fachlehrer – mit Sicherheit.
      Ob diese allerdings noch als ‚f a i r e‘ Prüfung unter Corona-Bedingungen mit: Quarantäneauflagen, Wechselmodell, teilweisem Distanzunterricht sowie für Einzelne auch mit Schulausfall wegen Corona-Erkrankung, zu bezeichnen ist, mag für das Niedersächsische EA-Mathematik-Abitur 2021 eher fraglich sein.
      Na, und mit den ‚s i c h e r e n‘ Abiturprüfung am 04.05.2021 unter ‚strikter‘ Einhaltung aller Hygieneauflagen dürfte es auch nicht zu 100% geklappt haben. Sturmtief Eugen hat mit Windgeschwindigkeiten von 70 – 100 km/h dafür gesorgt, dass eine Querlüftung des Prüfungsraums mit offenen Fenstern und Türen unter Unwetter-Bedingungen nicht mehr möglich war.
      – Laut Vorgaben des Niedersächsischen KM besteht vor den Abiturprüfungen keine Selbsttestpflicht und am Platz während der Prüfung auch keine Maskenpflicht -.
      Wie sich das Sturmtief Eugen und die – dadurch bedingt – geschlossenen Fenster während der Prüfung wohl auf das Infektionsgeschehen innerhalb des Abiturjahrgangs in der nächsten Woche auswirken wird, bleibt abzuwarten!

      … die Luftfilteranlagen standen sturmgeschützt in der Niedersächsischen Staatskanzlei.

      Die ‚faire‘ Mathematik-Leistungskursklausur unter Pandemiebedingungen 2021 mit – dem im Vergleich zu den Vorjahren weit höheren Anforderungsprofil – wird den Prüflingen in ewiger Erinnerung bleiben. *Achtung Ironie*
      —————————

      Wird abzuwarten sein, wie die Lehrer die Klausur bewerten und welche Wellen das Thema noch schlagen wird.

      • Ich kann dem Gesagten nur zustimmen. Das Anforderungsniveau der Prüfung war derartig hoch, dass bestimmte Aufgabenteile von keinem einzigen Schüler/-in unseres Leistungskurses vollständig gelöst werden konnten. Ich gehörte eigentlich immer zu den Einser-Schülern unseres Kurses und hatte im Vorfeld viele Abituraufgaben der vorherigen Jahre gerechnet, doch bei dieser Klausur kann ich einfach nur die Stirn runzeln. Zudem äußert sich momentan der Verdacht, dass eine der Aufgabenteile schlicht nicht lösbar war (Algebraisches Berechnen der Lösung für x einer Gleichung der Form c = x*e^x).

      • @Wunder SAM:

        Vielen Dank für den Einblick in die (nur in diesem Falle?) gnadenlose Praxis!
        Ich werde heute auf meinen geliebten Kaffee verzichten müssen, bekomme sonst meinen
        Blutdruck nicht mehr runter! 🙁

  6. In Niedersachsen sind die Grundschulen seit einer Woche nach den Weihnachtsferien durchgehend im Szenario B geöffnet, teilweise auch bei Inzidenzen knapp unter 200. Jetzt sollen schon die weiterführenden Schulen dazukommen.

  7. Niedrige Zahlen hatten wir schon einmal in September 2020. und was geschah bald darauf durch die Schulöffnungen? 50 000 Toten und unzählige Opfer der Langzeitfolge der Coronavirus-Krankheit .

    Wie viel uns das Leben und die Gesundheit der Anderen wer ist?

    Eigentlich nicht viel mehr, als seit immer in der menschlichen Geschichte.

    • @Monika, BY:
      DURCH Schulöffnungen 50.000 Tote?
      Also dabei vergessen Sie aber, dass die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen, Öffnungen sämtlicher Geschäfte, Kinos, Freizeitparks, Kneipen, Bars, Veranstaltungen, Partys mit erlaubt 50 Personen, usw., die es zu diesem von Ihnen genannten Zeitpunkt gab, einen erheblichen Teil zu diesen Zahlen beigetragen haben.
      Klar haben die offenen Schulen einen wesentlichen Beitrag zu diesen Zahlen geleistet, aber man kann die Toten doch nicht ausschließlich den Schulöffnungen zuschreiben!?

      • Natürlich, nicht alleine, aber doch überwiegend. Die Menschen machen Partys nicht jeden Tag.

        Fast 11 Millionen Schüler dagegen sind jeden Tag dicht einander in der Schule und mit öffentlichem Verkehr unterwegs.

        Und ab September bis Dezember galt voll Präsenzunterricht.

        • @Monika, BY:
          Ja, stimmt, mit dem vollen Präsenzunterricht zu dieser Zeit haben Sie Recht. Das hatte ich schon verdrängt 🙂 Gefühlt kenne ich nur noch maximal Wechselunterricht bzw. Distanzunterricht die letzten Monate 🙂
          Die Virusmutationen sind natürlich auch noch hinzugekommen. Das alles zusammen führt natürlich zu diesen Zahlen. VG

  8. Herr Tonne:SIE!!!!! und ihre ach so tollen Kollegen haben VERSAGT!!!! AUF GANZER LINIE!!!!

    Durch IHRE STURHEIT UND ENGSTIRNIGKEIT sind die Schulen bis JETZT! nicht mit Filteranlagen ausgestattet und SIE!!!! sind im allerhoechsten Mass GROB FAHRLAESSIG! im Gesundheitsschutz unserer Kinder, Lehrkraefte, von uns allen.

    HERR TONNE, SIE!!! spielen Russisch Roulett mit unseren Kindern!!!!

    Gern wuerde ich Sie im Falle einer Infektion meines Kindes und/oder eines Familienmitgliedes ueber den Schulweg in ganz persoenlichen Regress nehmen und Anzeige erstatten.

    UNGLAUBLICH DIESE ENGSTIRNIGKEIT!!!!!

    In der freien Wirtschaft waere ihr Posten sicher schon weg.

  9. @Herr Tonne:glauben SIE persoenlich echt den Schwachsinn, der im Elternbrief steht, vorallem „die Schule ist ein sicherer Ort“?

    Diese daemliche Aussage wurde und wird immer durch Infektionsgeschehen und Ausbrueche in den Schulen /Kitas widerlegt.

    Nach ueber einem Jahr Pandemie immer noch nichts dazu gelernt!!!!

    Echt, man fragt sich, was fuer einen Schul-und Ausbildungsabschluss der/die Kultusminister *innen haben….

  10. Warum macht man immer den gleichen Blödsinn wieder und wieder? Sollte nicht – frei nach Einstein – genau diese Lernfähigkeit die Intelligenz von Menschen ausmachen?

    Die Inzidenzen sinken… daran dürfte die steigende Quote der Geimpften einen deutlichen Anteil haben. Vielleicht auch die Ausgangssperren. Das führt dann insgesamt zu geringeren Inzidenzen, was aber im Umkehrschluss bedeutet, dass die Inzidenzen unter den SuS noch viel weiter ansteigen können, bis das auf die Inzidenz nennenswerte Auswirkungen hat.

    Es gibt nur zwei Wege:

    A: Für wirklich sicherer Unterricht sorgen und nicht immer wieder die Ausrede bemühen, dass die Pandemie ja fast vorbei ist und sich das angeblich nicht lohnt (die Luftfilter werden auch bei der nächsten Grippewelle helfen!).

    B: Schulen zu und in den Distanzunterricht, bis alle beteiligten Impfwilligen geimpft sind, also auch die Kinder und deren Eltern.

    Das Steinzeitmodell „Präsenzpflicht“ gehört in den Müll und muss durch eine Bildungspflicht ersetzt werden. Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass es durchaus Gruppen von SuS gibt, die sich im Distanzunterricht wohler fühlen und dort besser und effektiver lernen. Warum muss man diese in Präsenz zwingen? Man könnte jede Menge wirklich innovative Schulmodelle ausprobieren, die von der reinen Präsenzschule über diverse Zwischenstufen bis zum reinen Distanzunterricht reichen.

  11. In RLP galt als „Notbremse“ vor der bundesweiten „Notbremse“ 5 Tage über 200. In Mainz, das wochenlang um die 200 pendelte, ist die Inzidenz mit geschlossenen Schulen sehr schnell gesunken.
    Nächste Woche können die Schulen wohl wieder aufmachen. Ob dann die Inzidenz wieder schnell ansteigt? Man wird es sehen. Vermutlich pendelt sie sich in Mainz in den nächsten Wochen um die 100-150 ein. Da werden dann noch jede Menge Eltern ins Krankenhaus kommen. Dass die Infektion aus der Schule stammt, wird man dennoch nicht nachweisen können, weil keine verpflichtenden PCR-Tests für positive SuS vorgesehen sind, sondern nur verpflichtende Schnelltests.
    Tja, und nach den Pfingstferien: da steht dann vermutlich in RLP voller Präsenzunterricht an, sofern wir dann bei unter 100 Neuinfektionen (vor allem im ländlichen Raum) angekommen sind. Tolle Gelegenheit auf den letzten Metern vor den Sommerferien noch einmal das Infektionsgeschehen unter den nichtgeimpften Menschen hochschnellen zu lassen. Zumal es dann ja „neue Normalität“ gilt für alle Geimpften. Schon jetzt hält sich unter den Geimpften in meiner Nachbarschaft keiner mehr an Abstandregeln, Masken, Personenbeschränkungen. Es wird dann sehr eng für die Ungeschützen werden. Leider.

  12. @S.:

    In meinem Landkreis (Nds) ist die Altersklasse, in der man gewöhnlich zur Gruppe der Eltern zählt, mit Abstand die mit den höchsten Infektionszahlen.
    Man KÖNNTE Rückschlüsse ziehen….

    • Ja, echte „Sch..e“.

      Tut mir leid, anderes kann ich inzwischen nicht mehr sagen. Wenn alle Menschen, die es wollen, bereits geimpft wären, wäre dieses Szenario ja erträglich – dann hätten andererseits auch nicht mehr die hohen Ansteckungszahlen. Bei den derzeit hohen Infektionszahlen die Schulen mit Präsenzpflicht wie in RLP aufzureißen, halte ich für Harakiri.

      Aber das Kopfschütteln über so viel unvernünftigen Unfug geht ja vielen so – zumindest auf dieser Kommentarseite 🙂

  13. Glücklicherweise bleibt in Nds wenigstens die Präsenzpflicht (noch..) ausgesetzt. Trotzdem hab ich mir nach dem Satz „Schulen sind sichere Orte“ aus dem gestrigen Ministerbrief so dringend wie noch nie einen Boxsack gewünscht…
    Genauso auch die Behauptung, wir Eltern würden das ja genauso sehen, denn es hätten ja nur weniger bisher Gebrauch gemacht von der Abmeldung aus der Präsenz.-Klar, es gab bisher ja auch noch keine Notwendigkeit dazu, weil die meisten LK eh meilenweit von der 100 entfernt waren und somit Präsenz ja/nein gar nicht zur Debatte stand.
    Wie kann man derart dreist lügen?
    Kann man Politiker nicht iwie für solche Falschaussagen belangen??

  14. Und GHT so schön schreibt- von der Präsenzpflichtbefreiung haben wenige Gebrauch gemacht….Nachdem 2 meiner Klassen nach den Osterferien flott in Quarantäne gelandet sind hat sich jeweils die Hälfte der Klasse befreien lassen. Jetzt gibt es noch Restgruppen mit jeweils 6 und 4 SuS im Wechselunterricht. Da können wir ja Abstand halten….aber im Moment sind wir ja eh in Distanz, bis pünktlich zum 10. Der Landkreis die Allgemeinverfügung geändert hat. In der Praxis in der Kita gibt es schon die ersten Ausfälle. Praxisprüfung entfällt. Prüfling hat Corona. 2 Gruppen in Quarantäne..Wir dürfen unsere Prüfungen nur noch draußen abhalten. Die Innenräume der Kita und anderer Einrichtungen sind nich länger als 10 Minuten zu betreten, damit wir nicht noch durch Praxisbesuche ( in der Regel dauern diese 2h) in Quarantäne gelangen. Führt zu so „lustigen“ Situationen, dass die Lehrkraft bei Regen außen durchs offene Fenster die Prüfungssituation beobachtet und das Prüfungsgespräch nachmittags über Viko läuft. Unsere Schule hat leider versäumt den sozialpädagogischen Lehrkräften eine Impfberechtigung zu erteilen. Wir hätten mit der Erzieher*innen-Prio schon durch sein können. Zum Glück sind einige unserer Schüler*innen schon über die Einrichtungen mitgeimpft werden. Aber das Chaos geht weiter. Dank GHT. Nur 25% der Praxisstunden dürfen für die SuS ausfallen. Da reicht schon eine Quarantäne aus. Da muss man auch mal bedenken, dass etwas über 20% in Nds geimpft sind. Bedeutet, dass sich die jetzigen „fallenden“Inzidenzen ja „nur“ auf 80% beziehen. Also fällt nix…..

  15. Thüringen ist seit Monaten trauriger Inzidenzspitzenreiter. Und was tut sich für nachhaltige Sicherheit in den Schulen?

    „Thüringens Schulträger haben bislang noch keinen Cent der zur Verfügung stehenden Landesmittel für die Beschaffung von Luftfilteranlagen in Schulen abgerufen.
    Die Schulträger in Thüringen haben nach Angaben des Bauministeriums noch keine Landesmittel für die Beschaffung von Luftfilteranlagen für Schulen abgerufen. Die entsprechenden Bescheide liegen den staatlichen Schulträgern allerdings vor, so dass man zeitnah mit Mittelabrufen rechne, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Dafür haben die Träger noch bis 31. Oktober Zeit.
    Insgesamt stellt das Land rund fünf Millionen Euro zur Verfügung. 4,5 Millionen Euro können davon für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung im Kampf gegen die Corona-Pandemie abgerufen werden – etwa für Trennwände oder Co2-Sensoren. Gut 500.000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.“

    https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/gesundheit-medizin/thueringen-hat-bisher-keine-foerdermittel-fuer-schul-luftfilter-abgerufen-id232222319.html

  16. Es ist einfach grauenhaft…Nun sind wir so kurz davor, dass auch die Kinder durch Impfung geschützt werden können (zumindest ja die älteren), die Sommerferien sind nicht mehr weit, das Schuljahr eh schon gelaufen. Und trotzdem wird auf Durchseuchung gesetzt..

    Zum Heulen.

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