Özdemir: NRW-Schulministerin Gebauer «gibt Erdogan Zugang zu deutschen Schulen»

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DÜSSELDORF. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat die geplante Wiederaufnahme der Kooperation der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit der Islam-Organisation Ditib bei der Ausgestaltung des islamischen Religionsunterrichts scharf kritisiert. «Ich könnte vor Wut explodieren und verstehe die Naivität nicht», sagte Özdemir der «Welt am Sonntag».

„Unfassbar“: Der Grünen-Politiker Cem Özdemir. Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ditib sei Teil einer hierarchischen Organisation, deren Zentrale in Köln der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara unterstellt sei, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende. «Und die bekommt ihre Anweisungen vom türkischen Staatspräsidenten.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und die CDU dort haben dafür gesorgt, dass Erdogan Zugang zu deutschen Schulen bekommt. Das ist unfassbar», so Özdemir weiter. Nordrhein-Westfalen verrate gerade diejenigen islamischen Gruppen, «die sich zum Grundgesetz und zu unserer offenen Gesellschaft bekennen».

In der vergangenen Woche hatte FDP-Schulministerin Yvonne Gebauer mitgeteilt, dass die Ditib als größte Islam-Organisation künftig Mitglied einer neuen Kommission sein soll, in der insgesamt sechs Islamverbände über den Ausbau und die künftige Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts an den Schulen im Land mitentscheiden.

«Wir wollen keine Papageien, die die Agenda Ankaras oder Teherans nachplappern»

In den Jahren zuvor hatte das Land die Kooperation wegen ihrer Nähe zu Ankara auch im Schulbereich auf Eis gelegt. Gebauers Angaben bei der Vorstellung der Pläne am Montag zufolge hatte die Ditib aber zuletzt «intern, aber auch öffentlich» eine «Staatsferne» dargelegt. Konkret geht es um eine Beteiligung bei der Genehmigung von Lehrbüchern.

Özdemir betonte im «Welt am Sonntag»-Interview, Muslime hätten jedes Recht, ihre religiösen Bedürfnisse zu artikulieren. Die islamischen Verbände erfüllten jedoch nicht die «Voraussetzungen für die Anerkennung». Özdemir weiter: «Wir wollen keine Papageien, die die Agenda Ankaras oder Teherans nachplappern. Was wir brauchen, ist eine Vertretung der in Deutschland lebenden Muslime auf dem Boden des Grundgesetzes.» So gebe es inzwischen auch Abspaltungen der Ditib, die einen «vernünftigen Kurs verfolgen». dpa

Islamunterricht: Ditib entscheidet wieder mit. Regiert Erdogan in deutsche Schulen hinein?

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16 KOMMENTARE

  1. Frau Gebauer ist halt ein bisschen naiv … Für sie ist die Pandemie bei einer Inzidenz von 100 vorbei . Und sie lässt bei der Gestaltung des Islam – Unterrichts eine sehr fragwürdige Organisation mitbestimmen . Und am Ende wundern sich alle über die Resultate.

  2. Ohne Zweifel, diese Frau macht quasi alles falsch, was man falsch machen kann.
    Lasst mich mal raten…der Dumpfbacke ist wahrscheinlich in der Nähe von Antalya ein kleines Ferienhaus angeboten worden, worauf hin sie nicht nein sagen konnte.
    Der Blick, den Yvonne Gebauer täglich in die Welt wirft wird durch den Horizont ihres eigenen Egos resp. ihres Bankkontos definiert.
    Mit kenntnisreicher Beratung oder einer realitätsbezogenen Einschätzung des Wirklichen hat das nix zu tun.
    Robinson Crusoe war näher am Alltäglichen als die Kultusministerin von NRW…also kann es auch nicht schaden, wenn wir sie auf eine einsame Insel im Süd-Atlantik verbannen – auf St Helena soll noch was frei sein.

  3. Wieso tut man sowas? Denken die nicht nach? So Angst vor negativen Reaktionen und Keulen? Muss man in Richtung Islam alles absegnen? Kann man nichtmal Nein sagen? Ich verstehe sowas einfach nicht.

  4. Frau Gebauer und Herr Laschet können einfach nicht zwischen Leichtsinn und Mut unterscheiden. Sie sind die zwischenzeitlich größten Unruhestifter in NRW. Hauptsache medienwirksam oder wie? Mutige Politiker: ja! Leichtsinnige: nein! Wenn sich nun herausstellt, dass Ditib entgegen ihrer Beteuerung nun doch nicht unabhängig von Erdogan agiert, kann man Ditib zwar wieder aus dieser Kommission entlassen, die Unruhe und die Konsequenzen aber sind wieder ein unnötiger Kraftakt, der mit weiteren Vertrauensverlusten einhergeht. Vertrauen muss man sich erstmal verdienen. Das gilt nicht nur für Ditib, sondern auch für unsere Politiker(innen). Frau Gebauer und Herr Laschet können und wollen offensichtlich einfach keine Sicherheit in NRW. Ist ihnen ein Leben mit Vorsicht in Absicherung des Friedens (und der physischen und psychischen Gesundheit) zu langweilig? Kann auch deshalb Wechselunterricht zum Schutz aller Beteiligten nicht bis zu den Sommerferien stattfinden? Einfach mal probieren…zur Not tut es dann der gutversorgte Rückzug ins Private, während andere ihre Scherbenhaufen zusammenkehren und unter den Spätfolgen leiden. Da fragt man sich wirklich, auf welche Pferde sie so setzen. Sie bedenken nicht, dass die Bürger(innen) bei ihren Zick-Zack-Entscheidungen nicht mitkommen. Sie bedenken nicht, dass Signale zur falschen Zeit, erheblichen Vertrauensverlust bedeuten. Was aber bedenken sie überhaupt? Kein Mensch weiß es, da sie ihre Entscheidungen nicht (ausreichend) erklären. Sie erklären sich den Wähler(innen) nicht, aber offensichtlich tun sie es in ihren eigenen politischen Reihen und parteiübergreifend auch nicht. Ist das nun auch der Kulturhoheit zuzuordnen? Wie passt das in unsere Demokratie? Wie passen (politische) Entscheidungen ohne Rückhalt der anderen in unsere Verfassung? Reagieren sie überhaupt auf Kritik? Ach, ich vergaß, das brauchen sie nicht. Sie DÜRFEN zwingen und was sie dürfen, machen sie auch – auch entgegen der Interessen derjenigen, deren Leben sie mit ihren Entscheidungen belasten. Bestes Beispiel: Abschaffen der Abstandsregel in Schulen bei Inzidenwerten unter 100, Auflockerung des Infektionsschutzes für Nicht-Geimpfte bei Inzidenzwerten unter 100 … einfach, weil sie es dürfen und so wollen. Wer an Covid-19 erkrankt, findet ein Bett im Krankenhaus. Wer schlimm krank wird und stirbt, hat einfach Pech. So ist es in Deutschland eben. Und offensichtlich kann niemand etwas dagegen tun… selbst Fachleute nicht.

    • @ Viva
      Vielen Dank für diesen treffsicheren Kommentar…so stellt es sich dar, so sehen wir es jeden Tag, so ist es offensichtlich….und der Aushilfshobbit will immer noch Kanzler werden…damit potenziert sich seine Macht und vervielfacht sich die Zahl der Menschen, die er mit seinem eratischen Kurs unter seine Fuchtel bekommt und die er entsprechend mit seinem Stuss bedrängen kann.

  5. Für mich ist das ganz klar: Religionsunterricht, egal, welcher Religion, hat in Schulen absolut nichts zu suchen. Wer daran Bedarf hat, kann sich an seine jeweilige Glaubensgemeinschaft wenden.

    • Das habe ich auch nie verstanden, warum findet Religionsunterricht in der Schule statt. Wir haben doch eine Trennung Staat / Kirche. Ohne Reli wäre es einfacher die Stundenpläne zu bauen und die frei werdenden Stunden könnten für Kernfächer genutzt werden.

  6. Herr Özdemir sollte sich in diesem Punkt lieber nicht so aufplustern. Auch die Grünen haben mit erzreaktionären Funktionären geflirtet, sogar von Milli Görüs:
    https://jungle.world/artikel/2020/37/mit-allahs-hilfe-den-stadtrat
    Bekanntlich ist Milli Görüs noch nationalistischer und als Organisation noch zweifelhafter als Ditib. Überhaupt: grün ist auch die Farbe des Islam. Man spekuliert bestimmt auf die Stimmen eingebürgerter muslimischer Zuwanderer.

  7. Nein, ist nur einfach scheiß egal!
    Hauptsache die Blagen sind verwahrt.
    Egal ob beim Imam oder bei Vorsitzenden der AfD oder egal von wem.
    Hauptsache in der Schule und nicht bei den Erzeugern.

  8. Der Islamunterricht hat nichts mit der türkischen Politik zu tun und sollte folglich nicht politisiert werden. DITIB ist das größte muslimische Verband und der Islamunterricht ist bekenntnisorientiert, da ist es nicht vorstellbar, DITIB auszuschließen. Erdogan ist heute Präsident, morgen weg. DITIB existiert in der Türkei seit einem Jahrhundert und hat viele Regierungen unterschiedlicher Ausrichtungen erlebt. Die Grundzüge des Islamunterrichts sind bekannt und nicht einer partikularen Einflussnahme anfällig. Erst recht keiner politischen!

    • Erzählen Sie das mal der türkischen Regierung: „… sollte nicht politisiert werden“. Es ist doch die türkische Regierung, die Ditib politisiert.
      Bei Wikipedia steht zu Ditib, dass seit 2018 der Verfassungsschutz prüft, ob die Ditib-Zentrale als Verdachtsfall eingestuft werden soll. Erinnern Sie sich noch daran, was hier bei news4teachers alles gesagt wurde, als dasselbe für die AfD zutraf?

    • Die DITIB ist eine der türkischen Politik unterstellte und von der Türkei finanziete Organisation.
      Die Imame an den DITIB-Moscheen werden in der Türkei ausgebildet und von dort entsandt, und je nach politischer Situation dort auch abberufen und ausgetauscht – ich weiß es aus der Großmoschee in Köln, die vor Erdogan als moderner Bau geplant war und nun notgedrungen übernommen, aber konservativ eingerichtet wurde. Der moderner denkende Imam wurde, als Erdogan an die Macht kam, gegen einen genehmeren ausgetauscht.
      Der türkische Islam ist eine eigene Variante, die Inhalte der Predigt und des Unterrichts incl. Schulbüchern gibt das türkische Religionsministerium vor.
      Wir haben aber in Deutschland nun auch sehr viele Syrer, Ägypter, Palästinenser, afrikanische Muslime, asiatische Muslime …. all die würden sich in einer türkischen Moschee nicht willkommen fühlen, man ist unter sich und die Freitagspredigt wird auf Türkisch gehalten.
      Die Ditib ist der verlängerte Arm Erdogans in Deutschland: hier erreicht er seine Exilbürger,viele davon glühende Anhänger.
      Politisch? Und ob!!

    • @ A.Y.: Laut Wikipedia ist Ditib erst 1984 gegründet worden, kann also nicht schon 100 Jahre alt sein. Sie verwechseln da wohl etwas.

  9. @A.Y. Hessen hat jahrelang mit Ditib im Rahmen des bekenntnisorientierten Unterrichts kooperiert und diese Kooperation kürzlich aufgekündigt. Es geht also, wenn man möchte. Und die entsprechenden Verlautbarungen lassen vermuten, dass das ein dickes Brett war.

    @all Im Allgemeinen fragt man sich, welch hohe Mauern zwischen den Bundesländern existieren müssen, wenn einerseits Hessen mittels mehrerer Rechtsgutachten die Ditib als Kooperationspartner ausschließt, NRW diese gleichzeitig neu einbezieht.

    Mein Tipp: man kann von Lorz halten was man will, hinsichtlich juristischen Sachverstands ist er Gebauer sicherlich überlegen. Vermutllich gilt das auch für die Etage „drüber“.

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