Pensionäre, Referendare und Studierende sollen für zusätzliche Förderung sorgen. Und Schüler

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MÜNCHEN. Inzwischen gibt auch Bayerns Kultusminister Piazolo unumwunden zu, dass manche Schülerinnen und Schüler in der Pandemie den Anschluss verloren haben. Um Lernrückstände aufzuholen, soll deshalb zusätzlicher Unterricht angeboten werden – zwei Wochen lang in den Sommerferien. Auch die Förderung im Schuljahr soll intensiviert werden. Rentner, Referendare und Studierende sollen die zusätzlichen Angebote realisieren. Und Schüler.

Lassen sich pensionierte Lehrkräfte für den Förderunterricht gewinnen? Foto: Shutterstock

„Unsere Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrkräfte haben in den vergangenen Wochen im Distanzunterricht Großes geleistet“, meint Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler. „Dafür verdienen sie großen Respekt. Dennoch muss man ehrlich sein: Distanzunterricht ist nicht dasselbe wie Präsenzunterricht – der direkte Draht fehlt einfach. Manche Schülerinnen und Schüler tun sich schwer, wenn sie allein vor dem Rechner sitzen. Da sinken Motivation und Leistungsbereitschaft.“ Zudem habe der Kontakt zu Gleichaltrigen gefehlt, der im Kinder- und Jugendalter ganz besonders wichtig ist: „Deswegen kommt es mir in den kommenden Monaten vor allem auf zwei Bereiche an: Förderung des Lernens und Unterstützung der sozialen Kompetenzen“, so der Minister weiter.

„Wir werden die Zusatzangebote nach den Pfingstferien schrittweise hochfahren und bis weit ins kommende Schuljahr beibehalten“

Heißt konkret: Mit zwei Wochen zusätzlichen Unterrichts in den Sommerferien will das bayerische Kultusministerium die pandemiebedingten Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler auffangen. Über das freiwillige Angebot hinaus soll es auch an anderer Stelle mehr individuelle Förderung geben, etwa durch eine Differenzierung je nach Leistungsstand im Pflichtunterricht, geteilte Gruppen oder Zusatzkurse am Nachmittag. Zugleich sollen Aktivitäten wie Orchester, Chor oder Fußball-Schulmannschaften baldmöglichst wieder hochgefahren werden, um die sozialen Kompetenzen zu stärken.

„Wir werden die Zusatzangebote nach den Pfingstferien schrittweise hochfahren und bis weit ins kommende Schuljahr beibehalten“, sagt Piazolo. Die Schulen erhalten dafür zusätzliche finanzielle Mittel, um pensionierte Lehrkräfte, Referendare oder Studierende an die Schule holen zu können. „Damit kann individueller auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingegangen, die Binnendifferenzierung im Pflichtunterricht je nach Leistungsstand gestärkt oder können auch Gruppenteilungen im Fachunterricht vorgenommen werden. Alternativ bzw. ergänzend können am Nachmittag zusätzliche Kurse angeboten werden. Der Fokus liegt dabei – je nach Schulart – auf den Kernfächern wie Deutsch, Mathematik oder den Fremdsprachen – wo nötig aber auch auf der Vermittlung grundlegender Lern- und Arbeitsstrategien“, so heißt es beim Ministerium.

Eingerichtet werde auch ein Tutorenprogramm, bei dem „ältere, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler die jüngeren begleiten und ihnen so nicht nur fachliche, sondern auch soziale Kompetenzen aktiv vorleben“. Piazolo erhofft sich eine vierstellige Zahl von älteren Schülern, die den Jüngeren unter die Arme greifen.

Für bayerische Schüler ganz neu ist das Konzept der Sommerschulen. «Es sollen zwei Wochen in den Sommerferien sein, entweder zwei Wochen am Stück, oder eine Woche am Anfang der Ferien und eine am Ende. Das bleibt den Schulen vor Ort überlassen», erklärt Piazolo. Dort würden vor allem Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen geschlossen. Bei Bedarf könne es aber auch Angebote etwa zur beruflichen Orientierung, zur Persönlichkeitsbildung oder zu Lernstrategien geben.

Das Angebot sei freiwillig, schließlich hätten manche Familien schon Urlaubspläne, erläuterte Piazolo. Allerdings sei es das Ziel, dass gerade auch von den schwächeren Schülern möglichst alle die Sommerschulen besuchten. Der Unterricht dort soll ebenfalls von eigens angeworbenem Personal gestemmt werden.

Die Organisation der Förderangebote liegt in den Händen der jeweiligen Schule

In Summe stehen für das bereits in groben Zügen bekannte Förderprogramm, das auch Ferien-Angebote des Bayerischen Jugendrings beinhaltet, zunächst rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Der Großteil davon fließt in das Zusatz-Personal für die Sommerschulen. Die Zeit für Förderangebote während der normalen Unterrichtszeit sollen die regulären Lehrkräfte etwa durch den Wegfall von zu korrigierenden Schulproben gewinnen. Die Organisation der Förderangebote – auch klassenübergreifende Kurse oder in Einzelfällen auch Kooperationen mehrerer Schulen sind denkbar – liegt dabei in den Händen der jeweiligen Schule. News4teachers / mit Material der dpa

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30 KOMMENTARE

  1. „Allerdings sei es das Ziel, dass gerade auch von den schwächeren Schülern möglichst alle die Sommerschulen besuchten. Der Unterricht dort soll ebenfalls von eigens angeworbenem Personal gestemmt werden.“
    Und genau hier wird das Problem liegen. Die Eltern einiger leistungsstarker Kinder werden diese anmelden (Bildung ist ja wichtig und bitte so viel Schule und so wenig Freizeit wie möglich – natürlich denken zum Glück nicht alle Eltern guter SchülerInnen so), aber die Kinder aus sozialschwachen Familien, die oft Probleme haben, werden eben meist nicht angemeldet, weil diese den Wert der Bildung nicht erkennen können/wollen.

    • Die Honorare sollte man nicht überschätzen. Viel mehr als 15-20€/45min werden es nicht sein. Dafür gibt es dann einen bunten Haufen meist wenig bis nicht motivierter Schüler unterschiedlicher Schulen, Schulformen und Klassenstufen in einem Raum. Die Wirksamkeit solcher Programme halte ich für überschaubar, wenn man von einem gezielten Training für die dann bestandene Nachprüfung absieht.

      • „Die Honorare sollte man nicht überschätzen. Viel mehr als 15-20€/45min werden es nicht sein.“
        Für Studenten, denen ihr Job weggebrochen ist und/oder die kein Bafög beziehen, ist das erheblich mehr, als sie anderswo verdienen können, um ihre Existenz sichern zu „dürfen“. Und 15-20€/45min mehr, als es vom Staat gibt… nämlich nichts. Kein Hartz IV, ist ja angeblich keine Notlage.

        • 15-20€/45min ist für ungelernte Kräfte unrealistisch, die gibt es nicht.
          Bei jeder Einstellung gibt es eine Einschätzung und es gibt in jedem Land andere Kriterien, wer als Vertretungskraft arbeiten darf. Ohne pädagogische Vorbildung ist man eher bei 10€, manchmal nicht einmal das.

          Dass man zudem nicht von 45 min ausgehen kann, weil man sich auch vorbereiten muss, dürfte jeder Lehrkraft klar sein. Bei den pädagogischen MitarbeiterInnen in Niedersachsen, die die Aufsicht zur Vertretung übernehmen, ist das für den Einsatz im Unterricht inzwischen vertraglich geregelt, sodass nicht allein die reine Unterrichtszeit abgerechnet wird, obwohl diese Stunden von Lehrkräften geplant werden müssen.

          • Ahja. Und Lehramtsstudenten im Master sind absolut ungelernt? Manche haben im Studium bereits Erfahrungen gesammelt.
            Erst sind 15-20€/45min zuwenig Honorar, für die anderen aber dann doch zuviel?
            Und dazwischen soll es nichts geben?
            Auf der einen Seite sucht man händeringend Personal, auf der anderen Seite lässt man Studenten, die vielleicht schon Erfahrung gesammelt haben im Regen stehen und gewährt ihnen noch nicht mal Hartz IV. Sollen sie doch weiter an Existenzängsten leiden und schauen, wie sie ihr Studium so beenden, wenn ihnen das Geld zum Leben fehlt. Tolles Management!

          • Für diejengien, die sich für eine solche Aufgabe interessieren, sollte es ein Vorteil sein, das Honorar realistisch einschätzen zu können.
            Eine Lehramtsstudierende mit Master hat das Praxissemester hinter sich und kann in NDS als Vertretungslehrkraft eingestellt werden und wird anders eingruppiert, als eine Studierende mit Bachelor fernab von Pädagogik.
            Je nach Eingruppierung hat man am Ende weniger Geld oder muss auf den gleichen Verdienst mehr Stunden erteilen.
            Womöglich gilt es abzuwägen, ob man bei einem Nachhilfeinstitut arbeiten möchte oder zu welchen Konditionen man _2 Wochen in den Sommerferien (!) _ für Förderprogramme in den Schulen zur Verfügung steht.

            In den Schulen braucht es weiteres Personal, da geht es aber nicht darum, 2 Wochen Ferien-Förderung zu besetzen und zu meinen, das sei nun besonders hilfreich, sondern Schulen generell mit geschultem Personal auszustatten.

          • @ Palim:
            Ich verstehe nicht, wo das Problem für einen Lehramsstudenten ist, „in den Sommerferien (!)“ zur Verfügung zu stehen.
            Für mich waren die Sommerferien (bzw. Semesterferien – Plural) IMMER die Gelegenheit, mein finanzielles Polster aufzufüllen. SELBSTVERSTÄNDLICH!!! Nicht jeder fährt in Urlaub und kann sich den Luxus erlauben, abzuwägen, ob man nun arbeitet, oder nicht. In habe mir diesen „Luxus“ ein einziges Mal dennoch erlaubt und finanzielle Einbußen hingenommen, die ich danach ausgleichen wollte. Das war ausgerechnet kurz bevor die Krise losging. In den Sommerferien danach ist mir genau diese Möglichkeit und dieses erhoffte Polster „dank“ Corona weggebrochen und hat mein Fortkommen erschwert. Da bin ich sicherlich nicht der einzige.

    • Hinzu kommt noch in Brennpunkt standorten und auch in dörflichen Gemeinschaftschulen, dass dort das Personal jetzt schon nicht ausreicht, während das in Vorort-Gymnasien eher nicht der Fall ist. Grundschulen haben schon seit Jahren zu wenig Personal. Und in Hauptschulen, die ja nun in größerer Zahl in Brennpunkten stehen, gibt es zudem nicht genügend ältere Schüler, die Tutorensysteme stemmen könnten. Das geht in erster Linie an Gymnasien. Also die ganz weit abgehängten und Erstklässler werden nicht erreicht, während die Schüler, die ausnahmsweise mal ne vier in Mathe hatten oder Kinder, deren Eltern den Besuch des Gymnasiums für ihren Sprössling eingeklagt haben, totgefördert werden können.
      Und dann ist ja noch längst nicht geregelt, dass der Unterrichtsstoff, der in einzelnen Klassen komplett entfallen ist, aufgeholt wird. Nachhilfe regelt doch nur das schwache Schüler den Stoff, der schon vermittelt wurde, aufholen. Wir brauchen doch aber eine langfristige Lösung für die Klassen, die immer wieder in Quarantäne geschickt wurden, wo Unterricht komplett entfallen ist, ob nun tageweise oder für die kompletten zwei Wochen.

  2. „Die Schulen erhalten dafür zusätzliche finanzielle Mittel, um pensionierte Lehrkräfte, Referendare oder Studierende an die Schule holen zu können. “

    Die Vergütungsfrage sollte vor solchen Überlegungen geregelt sein. Zum „Mindestlohn“ für geringfügig Beschäftigte plus Pauschalversteuerung wird sicher niemand zu finden sein.
    Für Beamte im Ruhestand gibt es dann erst einmal Bürokratie (Genehmigung) und bei Frühpension weitere Beschränkungen.
    Bleiben neben den in Rente gegangenen Angestellten (Hinzuverdienstgrenzen) die Referendare und Studierende.
    Um dies alles für ein paar Tage Sonderbeschulung zu regeln ist die verbleibende Zeit mit Bürokratiebewältigung eine sportliche Aufgabe für eine Schule.

    • Ehe man an bereits pensionierte Lehrer denkt, die sich keine Sorgen um ihre Existenz machen müssen, wäre es nett, an die Studenten zu denken, die man vergessen hat, und die damit beschäftigt sind, in erster Linie ihre Existenz zu sichern.

  3. Nicht selten sind diese Kinder in den Sommerferien schlicht nicht da. Die haben gar keine Chance, ein, zwei oder drei Wochen Sommerschule mitzumachen, da sie mit ihren Eltern 6 Wochen lang in ihre Heimat zurückfliegen und dort Ferien machen.

  4. Es ist auch ein Problem überhaupt Personal zu finden.
    Das gilt schon im Alltag gerade an den Schulen mit den Benachteiligten und schwächeren SchülerInnen: weniger Geld im SekI-Bereich, erheblich mehr Aufgaben und Aufwand in der Betreuung der SchülerInnen, schwierigere Unterrichtsszenarien, mehr Inklusion und Integration. Genau hier zeigt sich der Lehrkräftemangel seit vielen Jahren.

    Studierende finden sich in Städten, auf dem Land weit weniger, dort gibt es aber dennoch auch benachteiligte Kinder und Jugendliche.

    In manchen Bundesländern sind die pensionierten Lehrkräfte längst als Vertretungsreserve gefordert, wenn sie denn wollen.

    Wieder einmal werden bestimmte Konstellationen gefördert, ob das Geld dort ankommt, wo es dringend gebraucht würde, ist fraglich.
    Vor allem aber lässt man die Schulen weiterhin mit viel zu vielen Aufgaben allein, statt endlich landesweit für eine bessere Ausstattung zu sorgen, die im Alltag hilft, allen gerecht zu werden.

    • Genau so ist es.
      Wer macht den Job für die paar Euro Honorar?
      Wer tut sich das an?
      Schüler aus Klassenstufen 1 – ca 7/8 , zu Zeiten in denen andere den Sommer und die Ferien genießen.
      Aus Erfahrung letztes Schuljahr: viele die es nötig hätten kommen nicht, die die angemeldet werden sind absolut lust- und motivationslos.
      Ergo, gefrustete SuS , gefrustete Hororarkräfte, und das bei evtl bestem, heissen Sommerwetter.
      Nein, das funktioniert so nicht.
      Das ist Gewissensberuhigung der Politik , sagen zu können wir tun ja was!!
      Es muss während den Schulzeiten zusätzliche Kräfte geben, die unterstützten, kleinere Gruppen möglich machen, um so Stoff nachholen und vertiefen zu können. Alles andere empfinden Kinder als Strafe!!!
      An alle, die jetzt von benachteiligten Kinder sprechen: engagiert euch bei Arche, Kinder Hilfsprojekten etc. Vergesst es nicht!
      Dort wird diesen Kindern wirklich geholfen, Mittagessen, Spiele, Sozialkompetenz, Lernhilfen, Hausaufgaben, Ansprechpartner, Ort der Zuneigung und Wertschätzung etc…..
      Dort kommt Hilfe an, wenn es wieder möglich ist. Dort wird dringend Unterstützung gebraucht, mit Tat und Geld!

      • Die paar Euro Honorar sind mehr, als Studenten anderswo verdienen und sind das, was manche Studenten zusammenkratzen müssen, um ihre Existenz zu sichern. Manche haben nämlich wegen Corona ihr Einkommem verloren und bekommen keinerlei Unterstützung.

  5. Bei uns fehlen täglich zwischen 30 – 50% der Schüler im Unterricht. Wenn ich diese Krankenquote, bzw. Verschlafen und ähnliches auf 10 Schuljahre hochrechne, haben viele Jahre verpasst… Wo bleibt eigentlich die Eigenverantwortung?

  6. Das ganze ist zwar schön und gut aber aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die schwächeren keine Lust auf Sommerschule oder Nachhilfe haben, da zuhause das Nicht-ernstnehmen der Bildung vorgelebt wird. Wie oft höre ich das in der Nachhilfestunden: „alles schuld der Lehrer“ und wenn es drum geht etwas zu machen, dann kommen tausende Ausreden. Außerdem, war ich persönlich letztes Jahr sehr enttäuscht von der ganzen Sache. Es wurde viel geredet und recht wenig getan. Hier spricht man davon, dass in den ländlichen Gegenden und Brennpunkten die Situation schlecht aussehe. Komisch, dass ausgerechnet dort die Lehramtstudierenden eher nicht genommen werden.

  7. Glauben diese Herren (Damen sind es ja meist icht) denn, dass zum Beispiel Referendare ihren Jahresurlaub opfern, um Nachhilfe zu geben, die sie nicht mal anständig bezahlt bekommen? Referendare, die ein Jahr lang 50 Stunden die Woche gearbeitet haben?

    • Es soll Studenten geben, die selbstverständlich in den Ferien (mehr) arbeiten und händeringend solche Jobs suchen…

      • Nicht mitbekommen? Vielen Studenten sind diese Möglichkeiten „so nebenbei“ dank der Corona-Krise weggefallen! Und nicht jeder Student kann von Geld leben, das „man so nebenbei“ verdient. Vermieter und Krankenkassen nehmen nicht bei allen Studenten Rücksicht darauf.
        Ergo bieten sich die Ferien doch wunderbar dafür an.

  8. Wenn man auf Nicht-Ausgebildete setzt, die die Nachhilfe geben, frage ich mich, wozu Ausbildung dann eigentlich noch nötig ist?

    Wenn etliche Pensionäre wieder als Lehrer arbeiten, warum ließen sie sich dann pensionieren? Auf Stundenbasis weiterarbeiten ging doch bisher auch schon.

  9. Vielleicht gehen Nicht-Ausgebildete manchmal anders an die Themen heran und sehen dabei eher die Probleme der SchülerInnen, weil sie sich selber noch einmal von Grund auf mit einem Thema beschäftigen. Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass mein Sohn mir oft gesagt hat, so habe ihm das noch niemand erklärt. Indem ich manche Dinge mit ihm hergeleitet habe oder anschaulich erklärt habe, fiel bei ihm der berühmte Groschen. Oft ist es, glaube ich, so, dass man bei Sachverhalten, die einem selbst sonnenklar sind, bei den SchülerInnen zu hoch ansetzt und Dinge voraussetzt, die einfach nicht da sind, obwohl man sie für selbstverständlich hält. Das ist in einer Nachhilfesituation natürlich viel einfacher, weil man nicht gleichzeitig verschiedene Leistungsstände berücksichtigen und sich zudem nicht vorrangig als „Löwenbändiger“ betätigen muss, was im normalen Schulunterricht ja wohl das Hauptproblem ist. Ich habe selber einen Sohn, der unter anderem durch den ständigen Lärmpegel im Unterricht immer „zugemacht“ hat, jegliche Motivation verloren hat und dadurch komplett den Anschluss in den Fächern verloren hat, die ihn nicht wirklich interessieren. Wir haben über die Jahre auch in Absprache mit der Schule Konzentrationstraining, verschiedene Formen der Nachhilfe innerhalb und außerhalb der Familie, Lerncoaching und positive Verstärkung in allen möglichen Varianten ausprobiert, nichts hat geholfen. Es ist bei den Kindern, die wirklich abgehängt sind und um die es hier geht, fast unmöglich, sie wieder einzufangen, weil die Motivation fehlt und diese Motivation kann man unter keinen Umständen mit Druck in den Ferien erreichen. Es mag sich jetzt ungewöhnlich anhören, aber in Schweden und in den USA gibt es teilweise Projekte, die solche SchülerInnen für Motivation und Leistung bezahlen. In unserer Leistungsgesellschaft lernen die Kinder schon früh, dass Leistung bezahlt wird und das fordern sie auch für sich ein ( „Was bekomme ich dafür?“ ) Eine positive Verstärkung mit Belohnung am Ende eines Halbjahres zum Beispiel bringt in diesem Fall viel weniger als eine direkte Belohnung nach einer konzentriert und motiviert absolvierten Schulstunde. Wir haben das Problem am Ende gelöst, indem ich wirklich nach jeder Nachhilfestunde, die ich selber gegeben habe, eine Belohnung gezahlt habe. Das hat sich im Endeffekt als die günstigste und effektivste Methode herausgestellt und den erwünschten Erfolg gebracht. Natürlich hat es mich neben meinem Vollzeitjob viel Zeit gekostet, weil ich in Mathematik sämtliche Aufgaben vorab gerechnet habe, um nicht ins Stocken zu kommen, aber es hat sich definitiv gelohnt und es ist ein Beispiel dafür, dass man auch als Nicht-Ausgebildeter innerhalb kürzester Zeit (Februar bis zur Abschlussprüfung im Mai) mehrere Jahre Mathematik und Englisch mit einem Schüler aufholen kann, wenn es einem gelingt, entsprechende Motivation aufzubauen.

  10. Keine Panik!

    Niemand meiner bereits pensionierten Kollegen:innen wird in diesen Wahnsinn zurückkommen. Die sind alle froh, diesem Chaos entronnen zu sein.

  11. Nach den tollen Luftfiltern, unzähligen Plexiglasscheiben und Flut digitaler Endgeräte eine neue Luftnummer, die zwar für Wirbel sorgt nach dem Motto „wir machen und tun“ und das Ergebnis der Aktion ist doch schon mit der Ankündgung in den höheren Etagen als gescheitert in Akte „P“ abgelegt worden.

  12. Ich bin Lehrer an einer Sek I. Ich wollte gern bei dem Programm mitmachen. Der Berliiner Senat hat die Ferienschule an Nachhilfefirmen vergeben. Das Honorar wären 12,50 Euro gewesen. Dafür war ich nicht bereit. Die verdienen sich wahrscheinlich eine goldene Nase und fertigen die wirklich arbeitenden mit einem Almosen ab. Nicht mit mir.

    • Berlin wollte nur 3 Mio € für die Ferienschule (inkl. diverser anderer Freizeitaktivitäten) ausgeben. Viel mehr als Mindestlohn ist da nicht drin. Mich würde es allerdings ebenso wie Sie nicht wundern, wenn die Nachhilfefirmen dem Land 5-10€ pro Schüler und Unterrichtsstunde berechnen, davon aber nur 12,50€ pro Gruppe und Unterrichtsstunde als Honorar an die Dozenten weitergeben.

    • @Arca

      Diese Nachhilfefirmen sind Wirtschaftsunternehmen, darum müssen sie sich wirtschaftlich am Markt behaupten, sie müssen sich also „rechnen“.

      Letztlich ist es für ein wirtschaftlich rentables Unternehmen egal, was es „verkauft“.
      Darum gibt es von den großen „Firmen“ am Nachhilfemarkt auch eigenes Unterrichtsmaterial (manches ist auch wirklich ganz gut) wie Bücher (oft überschaubarer als so manch überfrachtetes Schulbuch) und mittlerweile auch modernere Medien, was schon vor Jahren mit CDs anfing, die diesen Lernbüchern beilagen.
      Die Nachhilfe-Institute vor Ort mit Unterrichtsräumen waren vor Jahrzehnten bei den ersten am Markt der „Türöffner“, mittlerweile sind sie nur noch eines von vielen Standbeinen zum Geldverdienen.
      Da nimmt man halt die Gelegenheit wahr, die einem jetzt vom Schicksal hinterhergetragen wird.
      Das Personal hat dort natürlich schon immer rasch gewechselt, weil es eben oft Studenten waren oder Lehrer, die in Zeiten von „Lehrerschwemme“ auf eine freie Stelle warten mussten.
      Dementsprechend ist die Wertschätzung, auch finanziell.

  13. Eigene Erfahrung!
    Als pensionierte Realschullehrkraft von der örtlichen Mittelschule um Hilfe gebeten, Arbeitsvertrag unterschrieben.
    Dann 1 Woche vor Beginn der Maßnahme Mail von der Regierung mit der Bitte, 15 Formulare mit über 30 Seiten herunterzuladen, auszufüllen und per Post zurückzuschicken, darunter ein Formular zur Ausstellung eines erweiterten Führungszeugnisses, das das Schulamt unterschreiben musste. Am Montag organisiert, gedruckt… Am Dienstag Führungszeugnis beantragt, Alles zur Post gegeben. Dann Stunden vorbereitet. Am Montag pünktlich als „Pontifex“ = „Brückenbauer“ angetreten, 3 Stunden gehalten. War toll, Schüler sehr motiviert mitgearbeitet. Dann kam der Rektor: „Sie dürfen leider nicht arbeiten“. Begründung wusste er selber nicht.
    Inzwischen vermute ich, dass meine vertraglich festgesetzten Stunden das Budget der Schule überschritten hätten. Das wäre für diese spezielle Schule 42 Wochenstunden für, aufgeteilt auf 2 Wochen a 21 Stunden. Da wir jetzt 3 Honorarkräfte für den Mittelschulbereich waren, dürfte jeder nur 7 Stunden pro Woche unterrichten. Aber selbst die wurden mir nicht genehmigt.
    Die Betreuung und Förderung der Grundschüler an dieser Schule musste ebenso nach dem ersten Tag ersatzlos gestrichen werden.
    Viel Lärm um nichts!
    Mir tun nur die wirklich willigen Schüler leid!

    rfalio
    Dabei hatte die zuständige Schulrätin noch groß in der Presse für diese Maßnahme geworben.

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