(Berechtigte?) Empörungswelle: Gymnasium muss Impf-Aktion für seine Schüler absagen

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MÜNCHEN. Mit der Impfung gegen das Corona-Virus sind viele Freiheiten verbunden. Doch wer darf zuerst geimpft werden? Und wann sind Schülerinnen und Schüler dran? Ein heiß diskutiertes Thema, wie ein Gymnasium bei München nun erfahren musste. Das hatte eine Impf-Aktion für seine Über-16-Jährigen geplant – musste den Plan aber nach heftigen Reaktionen nun begraben.

Die Arztpraxis verfügt über genügend Impfstoff – zieht sein Angebot für die Schüler aber nun zurück. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Dienstag bekräftigt, dass den 12- bis 18-Jährigen bis zum Ende der Sommerferien in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden soll.

Zumindest für die älteren Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums bei München wäre es bereits am Freitag soweit gewesen, wie News4teachers berichtete: Nach Monaten des Wartens hätten sie endlich die Erstimpfung gegen das Corona-Virus erhalten und damit die Aussicht auf ersehnte Lockerungen. Doch Impfstoff ist immer noch rar und so gab es erregte Debatten. Warum die Jungen und nicht die vielen Älteren und Kranken, die immer noch auf einen Termin warten? Nun ist die Impfaktion in Planegg geplatzt. Aufgrund der öffentlichen Diskussion habe die Gemeinschaftspraxis ihr Angebot zur Impfung der Jugendlichen zurückgezogen, teilte das Gymnasium im Landkreis München am Dienstagabend mit.

„Ich kann jedoch niemandem vermitteln, dass gesunde Jugendliche geimpft werden“

«Wir bedauern das, können aber die Entscheidung nachvollziehen», sagte Schulleiter Matthias Spohrer. Deutliche Kritik war zuvor von dem Münchner Landrat Christoph Göbel (CSU) gekommen. Er hatte im Umgang mit Impfungen mehr Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität gefordert. Auch wenn diIme Rechtslage „ein Schlupfloch“ biete und für die Aktion kein Impfstoff aus dem Kontingent des Landkreises München zum Einsatz komme, sollten Mediziner den Impfstoff für diejenigen bereit halten, die ihn am nötigsten brauchen.

Göbel sagte, er könne den Wunsch von Eltern und Schülern nachvollziehen, schnell zu einem halbwegs normalen Schul- und Alltagsleben zurückzukehren. „Ich kann jedoch niemandem vermitteln, dass gesunde Jugendliche geimpft werden, wenn ich noch eine Vielzahl vulnerabler Personen auf der Warteliste habe.“ Das Landratsamt erhalte viele Bürgereingaben. Er habe unzählige frustrierte Rückmeldungen auf dem Schreibtisch, so der Landrat – auch in Reaktion auf die Nachricht aus Planegg. „Viele Praxen erhalten viel zu wenig Impfstoff gemessen am Bedarf für eigene Patienten und geraten so täglich in Erklärungsnöte. Sie verstehen nicht, wo nun so viel Impfstoff für eine Impfaktion an der Schule herkommt.“

Dabei hatte sogar Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kürzlich vorgeschlagen, auch Jugendliche ab 16 Jahren vermehrt zu impfen, da gerade bei ihnen die Inzidenz am höchsten sei. In Bayern ist der Weg dafür frei: Von diesem Donnerstag an dürfen Hausärzte Patienten unabhängig von der Impfreihenfolge mit sämtlichen Corona-Impfstoffen impfen dürfen. Auch Jugendliche ab 16 können sich dann von einem Hausarzt impfen lassen, allerdings momentan nur mit dem Impfstoff der Firma Biontech. Bei Kindern ab 12 Jahren sei mit einer Zulassung für das Vakzin von Biontech im Laufe des Juni zu rechnen, sagte ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums. „Wir bereiten uns intensiv darauf vor, hierfür ein Konzept zu erarbeiten.“

Den Schülern aus Planegg hilft das aber erst einmal nicht. Die Organisatoren zogen Konsequenzen aus den Protesten – und sagten die Impf-Aktion ab. Man müsse das Angebot für die Schüler „aufgrund des enormen Drucks seitens des Landrates Göbel und einiger Pressevertreter leider schweren Herzens zurückziehen“, teilte der Planegger Arzt laut „Süddeutscher Zeitung“ mit, auch wenn man das Impfangebot als „ein gutes Zeichen in Richtung sinnvollerer Verteilung des Impfstoffes“ gesehen hätte. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis hatten ihr Angebot damit erklärt, dass sie alle priorisierten Menschen ihres Patientenstammes geimpft hätten.

„Hätte ich das Angebot ausgeschlagen, hätte es auch heftige Reaktionen gegeben“

Schulleiter Spohrer bedauert dem Bericht zufolge, dass die Aktion so hohe Wellen geschlagen hat. „Das habe ich mir nicht gewünscht.“ Er hätte in der Aktion ein „Pilotprojekt“ gesehen. Jugendliche hätten in der Regel viele Kontakte, mit der Impfung würden sie nicht nur sich, sondern auch andere schützen. Die Resonanz in der Schülerschaft auf das Angebot war laut Direktor „gewaltig“. Spohrer ist überzeugt: „Hätte ich das Angebot ausgeschlagen, hätte es auch heftige Reaktionen gegeben.“

Der Versorgungsarzt für den Landkreis, Friedrich Kiener, hatte die Impfaktion seiner Kollegen in Planegg pragmatisch gesehen. Wenn die Patienten in den höheren Priorisierungsgruppen versorgt seien, könne damit begonnen werden, jüngere Menschen zu impfen. „Die WHO empfiehlt die Impfung für Kinder und Jugendliche, der Hersteller sowieso, und die Staatsregierung denkt darüber nach.“ Grundsätzlich sei jeder Geimpfte gut. „Und Jugendliche sind viel unterwegs, sie haben ein erhöhtes Risiko, sich oder andere anzustecken als Ältere, die mehr zuhause sind.“ Wenn Impfstoff in einer Praxis übrig bleibe, sollte er auch so schnell wie möglich verimpft werden, findet Kiener. „Oder sollen die den wegschmeißen?“

Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, hält laut „Süddeutscher Zeitung“ dezentrale Impfaktionen an Schulen wie in Planegg zwar für möglich. Sie dringt aber darauf, dass Bayerns Landesregierung ihrem Versprechen nachkommen müsse, flächendeckend allen Lehrern ein Impfangebot zu machen. Dies funktioniere noch nicht in allen Regionen. Am Gymnasium in Planegg sind laut dem Direktor bis auf zwei Kollegen alle geimpft. News4teachers / mit Material der dpa

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36 KOMMENTARE

  1. Asoziale Gesellschaft. Solange Schüler in die Schule gezwungen werden (darunter einzelne Idioten, denen diese wieder ausgesetzt werden wie bei uns an der Schule) und viele „Vulnerable“ absolut nicht mobil sein müssen, ist das wieder nur ein Schlag ins Gesicht der jungen Generation.

    Dieses Land und seine ach so „wir wollen uns ja um die Schwächsten kümmern“ ist langsam nur noch zum Kotzen, wenn es um moralische Fragen geht. Schön alte Wählerstimmen mitnehmen, bevor die abkratzen.

    Lasst uns schön gemeinsam weiter auf die Jugend scheißen und die dann unsere Rente zahlen! -_-

    P.S.: Im Text steht auch explizit, dass die Dosen nicht Sortiment XY kämen. Ist nicht Fehler der Schüler oder der Schule, wenn was „übrig“ bleibt, was anders hätte verplant werden sollen.

    • Sehr clever. ….“und viele „Vulnerable“ absolut nicht mobil sein müssen…“

      Nur seltsam, dass sich so viele immobile alte Menschen in den Pflegeheimen infiziert haben.

      Viele Menschen aus Priorisierung 1 und 2 warten noch auf ihre Impfungen! Impfungen wurden aus unerklärlichen Gründen verschoben! Bei Coronaausbrüchen in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen gab es im April etliche Todesfälle, die vermeidbar gewesen wären durch rechtzeitige Impfungen.
      Dagegen erfährt man von Menschen in nicht systemrelevanten Berufen, dass sie geimpft sind, mit Biontech.
      Ich rede jetzt nicht von Lehrern, denn Lehrkräfte und Erzieher sind in Präsenz einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt.

      Wie wäre es eigentlich, wenn man ältere Schüler mit geistiger Behinderung statt Gymnasiasten bevorzugt impfen würde? Das wäre echte Inklusion, denn sie sind von schweren Verläufen mit oft tragischem Ausgang bedroht.

      • Ich möchte gerne mal erklärt haben, was ein systemrelevanter Beruf ist und was nicht.
        Ich arbeite zwar nicht in einem systemrelevanten Beruf, aber ich arbeite trotzdem täglich und zahle Steuern mit denen man systemrelevante Berufe bezahlt. Also bin ich ebenfalls systemrelevant.
        Jeder der es möchte, hat er verdient geimpft zu werden. Egal welche „prio“!
        Eine Bevorzugung der Alten fand nicht statt, weil man sie schützen möchte, sondern weil man rausfinden wollte, welche Nebenwirkungen die Impfungen haben und wie hoch das Sterberisiko ist. Bei den Alten lässt sich der Tod durch Impfung leichter aufs Alter schieben.
        Und trotzdem finde ich, dass man die Priorisierung so langsam mal aufgeben. Jeder ist systemrelevant.

  2. Schade. Wenn man scharf drüber nachdenkt, dann wird einem klar, dass auch das Impfen von gesunden 16jährigen dazu beiträgt, Personen mit größerem Risiko zu schützen.

    Tatsächlich ist ein 16jähriger, der „dank“ Schulpflicht einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt wird, aktuell derjenige, der mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Infektion in eine vorsichtig lebende Familie bringt. Wenn es in dieser Familie mehrere Personen mit erhöhtem Risiko (aber nicht so hoch, dass es für eine der Prioritätsgruppen reicht) gibt, dann ist die Wirkung EINER Impfung am höchsten, wenn der 16jährige sie bekommt. Das verhindert nämlich den Eintrag in die Familie, während das Impfen einer beliebigen anderen Person aus der Familie zwar diese Person schützt, aber niemanden weiter.

    • „… dann ist die Wirkung EINER Impfung am höchsten, wenn der 16jährige sie bekommt. Das verhindert nämlich den Eintrag in die Familie, während das Impfen einer beliebigen anderen Person aus der Familie zwar diese Person schützt, aber niemanden weiter.“

      Das ist falsch. Die Impfung verhindert in erster Linie schwere Verläufe, nicht abschließend geklärt ist die Weitergabe des Virus an andere Personen.

      • „nicht abschließend geklärt ist die Weitergabe des Virus an andere Personen.“

        Das stimmt, aber da auch die Anzahl der Infektionen unter Geimpften deutlich sinkt (siehe Zahlen von Menschen, die trotz Impfung positiv getestet wurden – gegenüber dem Rest der Bevölkerung etwa 90% weniger), ist selbst dann ein positiver Effekt vorhanden, falls die trotz Impfung Infizierten ebenso ansteckend sein sollten wie alle anderen. Das wäre der Worst Case, vermutlich werden sie im Mittel weniger ansteckend sein.

        • @Jan aus H: könnte es nicht auch sein, dass die Zahl der positiv getesteten Geimpften sinkt, da sie gerade NICHT mehr getestet werden?

          • @BlueCat: Genau richtig beschrieben. Infizierte Geimpfte haben natürlich (allermeisten) keine Symptome. Daher fallen sie noch weniger auf.
            Die meisten Virologen haben gewarnt, Geimpfte nicht mehr zu testen. Es ist politisch aber so gewollt… warum auch immer…

      • Es gibt bereits unzählige Studien, dass Geimpfte andere so gut wie gar nicht anstecken.

        Das war so zu erwarten. Und es hätte von vornherein in der Impfstrategie berücksichtigt werden müssen.

        Das gleiche Drama gab es bei Masken und gibt es immer noch bei Luftfiltergeräten.

        Es ist zum Kotzen.

  3. Ich empfehle einen Besuch auf der Website der Schule:

    https://www.flg-online.de/site/index.php

    Hier sind wohl inzwischen alle Klassenräume mit Luftreinigern ausgestattet, d.h. man engagiert sich für die Gesundheit der SchülerInnen und Lehrkräfte.

    Das alles verwundert mich nicht, beherbergt der Ort Planegg doch zwei Max-Planck-Institute, eins für Biochemie und eins für Neurobiologie.
    Da haben sich höchstwahrscheinlich nicht allzu viele Eltern mit dem Gerede von den „ sicheren Schulen“ an der Nase herumführen lassen, da wurde auch schon vor den Impfankündigungen verantwortungsvoll gehandelt.

    • @NRW-Lehrerin

      Außerdem trägt die Schule auch (einsehbar auf der von Ihnen verlinkten Website der Schule) in Verbindung mit dem Schulnamen den Zusatz „Referenzgymnasium der TU München“.

      Das ist mit Sicherheit kein Nachteil, wenn es um den kurzen Weg zur Wissenschaft geht.
      Sicher gibt es in der Elternschaft etliche Menschen, die in der Lage sind, Sachinformationen von „Meinungen“ und Studien von „Gefälligkeitsgutachten“ zu unterscheiden.
      Wo denkende Menschen sind, können Informationen gezielt genutzt werden.
      Und Wissenschaftler sind untereinander vernetzt, man darf auch davon ausgehen, dass etliche ihre eigenen Kinder (oder Enkel, Nichten/Neffen …) dort auf der Schule haben. Das wird sicher geholfen haben bei der Anschaffung von Luftreinigern ect.
      Dagegen ist absolut nichts zu sagen.
      Im Gegenteil, ist erfreulich zu sehen, dass all das also möglich ist – anders als es die KM(K) seit Monaten gebetsmühlenartig plappert.

  4. Nur so ein Gedanke……
    ob es auch eine Hauptschule hätte sein können???? Aber da gibt es sicher nicht so eine gut vernetzte Elternschaft…. Und deshalb sehe ich das Vorhaben auch kritisch.
    (Bitte jetzt nicht sagen, da sind die SuS nicht alt genug für die Impfung. Geschenkt.)

  5. Kann es auch sein, dass die Lehrerschaft nicht geschlossen dahinter steht, dass Schüler geimpft werden? Meine Töchter wurden im April durch ihre Mitgliedschaft im DRK geimpft. Bei ihren Lehrern stieß das auf Unverständnis, als sie dafür jeweils eine Stunde den Unterricht verlassen mussten. Die 2. Impfung erhielten die Beiden vor 2 Wochen, es ist immernoch schlechte Luft deswegen, weil einige Lehrer noch auf ihre 2. Impfung warten. Ähnlich geht es Schülern, die beim THW oder der Feuerwehr aktiv sind. Hätten sich die Lehrer an die zuerst vorgegebene Impfreihenfolge gehalten hätten sie keine Wartezeit von 12 Wochen sondern wären jetzt ALLE komplett durch…

    • „Hätten sich die Lehrer an die zuerst vorgegebene Impfreihenfolge gehalten hätten sie keine Wartezeit von 12 Wochen sondern wären jetzt ALLE komplett durch…“

      Hätten wir uns an unserer Schule an die Impfreihenfolge gehalten, hätten wir jetzt nicht einmal die Erstimpfung und dürften uns in der Folge mit 60 Mio. Konkurrenten um die Impfung kloppen. Wir sind nur deswegen geimpft, weil eines Tages das Impfzentrum bei uns im Sekretariat angerufen hat, daß noch Rest-Impfdosen für die Prio.-Gruppe 3 übrig sind. Daraufhin ist unser Schulleiter durch das Berufskolleg gerannt, hat alle Kollegen aus dem Unterricht geholt und sofort zum Impfen „abkommandiert“. Das Impfzentrum liegt ja auf dem Schulgelände.

      Nach 30 Minuten stand ich dann wieder vor der Klasse und habe weitergemacht. Impfpaß muß ich entsprechend nachhreichen, weil ich morgens noch nicht damit gerechnet hatte, daß ich mittags geimpft bin.

      • So ist es.
        Das Märchen der durchgeimpften Lehrer hält sich genauso hartnäckig wie die Parole ‚Die Schulen sind sicher‘.

        Wenn jetzt die Schüler vor den in Gruppe 3 eingeteilten Lehrern geimpft werden, gibt das schon ein Geschmäckle. Auch die Aufhebung der Prio vor dem durchgeimpften Lehrpersonal ist auch irgendwie vorhersehbar gewesen.

        Ich bin dankbar für jeden geimpften Menschen, aber um mich herum sterben Leute um die 40 bis 50 Leute oder haben schwere Verläufe.
        Da ist man etwas empfindlich, wenn plötzlich Impfdosen ‚übrig´ sind. Die kommen doch auch irgendwoher? Und irgendwo werden diese sicherlich auch mehr gebraucht als für Gymnasialschüler EINES Gymnasiums.
        Wobei durchaus denkbar wäre, dass es auch dort Bedarf für den einen oder anderen Schüler gegeben hätte (Risiko-Eltern).

        Aber es gibt einfach keine gerechten Lösungen bei Mangelverwaltung.

        Doch von „die Schulen sind sicher“ und „Kinder sind nicht ansteckend“ hin zu „wir impfen die Schüler“ (für Lockerungen) ist der Weg plötzlich sehr kurz geworden.

        Ich habe dafür nur noch Kopfschütteln über. Es ist nicht dabei hilfreich, wieder Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu vermitteln.

        • „Hätten sich die Lehrer an die zuerst vorgegebene Impfreihenfolge gehalten…“

          Haben sie doch?? Was sonst hätten sie tun sollen?

    • Ich weiß nicht, aus welchem Bundesland Sie berichten, aber in NRW wurde die Priogruppe 3 (Lehrkräfte an weiterführenden Schulen) erst am 07.05. geöffnet, d.h. erst dann konnte man sich am Impfzentrum anmelden bzw. durften die Hausärzte aktiv werden.
      Ich verstehe jeden Sportlehrer – besonders wenn er Ü50 ist – der sauer ist, wenn SchülerInnen, die in den Sommerferien (!) für den DLRG aktiv werden, schon Wochen vor ihm geimpft werden, während er aktuell Sportunterricht ohne Maskenpflicht erteilen soll.
      Der DLRG hat da gut Lobbyarbeit geleistet, dass die deutlich jüngeren SchülerInnen bei geschlossenen Schwimmbädern eher geimpft wurden als die Lehrkräfte, die täglich in Präsenz unterrichten.

      Und ich wäre dankbar, wenn nicht immer wieder behauptet würde, die LehrerInnen könnten längst alle geimpft sein. Vorgezogen in die Prio 2 wurden nur die Grund- und FörderschullehrerInnen.

        • Für Die Sommerferien wäre ich gerüstet.

          Was für ein Witz. Wenigstens für das neue Schuljahr passt es.

        • Mein Grundschulkind (NRW) hat mir grade heute erzählt, dass die Klassenlehrerin gestern ihre 2. Impfung hatte.

          Bei den Erzieherinnen sind viele schon voll geimpft aber noch nicht alle.

          • Na das passt ja genau. Wenn sie den Astra-Impfstoff erhalten hat, dann sind das genau die 3 Monate Wartezeit seit Mitte Februar.

      • Aus BW. Bei uns im Kreis wurden im März auch die Lehrer der beruflichen Schulen und Gymnasien zum ersten Mal geimpft.
        Zu Ihrem Kommentar von wegen Lobbyarbeit beim DLRG: Ich kann da beim besten Willen keine Lobbyarbeit erkennen. Im Gegensatz zu den Lehrern, die Anfang des Jahres kein Medium ausließen um die vorgegebene Impfreihenfolge in ihrem Sinne aufzuweichen. Leider wurde dem entsprochen und machte damit dieses Vorgehen lächerlich. Wann hat denn die DLRG sich diesen Mitteln bedient?

        • Oh nein, es waren nicht „die Lehrer“. Es waren die Kultusminister, die schlagartig ihre Verantwortung für die Lehrergesundheit entdeckten, als es galt, den von Polizisten, Krankenpflegern, DLRG (!) und anderen abgelehnten ungeliebten Astraimpfstoff an den Mann/ die Frau zu bringen!!

      • Keine andere Berufsgruppe hat sich gegen alle sachkundigen Fachgremien durchgesetzt um bevorzugt zu werden. So etwas nenne ich erfolgreiche Lobbyarbeit. Ob das dem Lehrerimage mittelfristig nützt wird sich zeigen.

        • Die gleichen sachkundigen Gremien wie die, die Luftfilter für Firlefanz hielten?

          Zudem sind nur Erzieher und Grundschullehrer vorgerückt. Alle anderen blieben in ihrer Gruppe.

          • In BW konnten ALLE Lehrer gehen, auch die an den beruflichen Schulen und Gymnasien. Das können Sie auch problemlos nachschauen in den Medien. Diese Regelung galt im März bundesweit, also nicht nur in BW. Wenn natürlich die Schulleitung nichts organisiert und die Lehrer warten bis sie jemand an der Hand nimmt, kann es natürlich länger gehen. Eigeninitiative ist manchmal auch gefragt und für viele eine unbekannte Grösse.

          • @ Stefan
            „ In BW konnten ALLE Lehrer gehen, auch die an den beruflichen Schulen und Gymnasien. Das können Sie auch problemlos nachschauen in den Medien. Diese Regelung galt im März bundesweit, also nicht nur in BW.“
            Sorry, das ist Bullshit! In Brandenburg und vielen anderen Bundesländern galt es eben nicht!
            Dessen ungeachtet: wie soll ein Schulleiter Impfungen organisieren, wenn die Prio nicht freigegeben ist? Schnell selbst bissel Impfstoff zusammenrühren? Eigeninitiative- meinen Sie damit, die Lehrer hätten impfdrängeln sollen, obwohl sie nach Prio noch nicht dran waren? Aber genau dass finden Sie doch verächtlich, wenn ich Ihren Post „ Keine andere Berufsgruppe hat sich gegen alle sachkundigen Fachgremien durchgesetzt um bevorzugt zu werden. So etwas nenne ich erfolgreiche Lobbyarbeit. Ob das dem Lehrerimage mittelfristig nützt wird sich zeigen.“ richtig interpretiere…
            Und abschließend: das an der frischen Luft arbeitende Rettungsschwimmer ein höheres Infektionsrisiko haben sollen als Menschen, die mit 15 – 30 Kindern oder Jugendlichen über Stunden in einem Raum sind und genauso zur Hilfeleistung im Bedarfsfall verpflichtet sind wie Rettungsschwimmer, erschließt sich mir nicht mal im Ansatz. Ich habe als Lehrkraft an einer weiterführenden Schule meinen Erstimpfungstermin in der nächsten Woche. Und ich hab mich sofort gekümmert, als die Prio 3 für uns freigegeben wurde. Und in meinem Bundesland war ich durchgehend! im Präsenzunterricht: Abschlussklassen unterrichten. Nix Homeoffice oder so!

  6. Jugendliche hätten in der Regel viele Kontakte, mit der Impfung würden sie nicht nur sich, sondern auch andere schützen. Die Resonanz in der Schülerschaft auf das Angebot war laut Direktor „gewaltig“. Spohrer ist überzeugt: „Hätte ich das Angebot ausgeschlagen, hätte es auch heftige Reaktionen gegeben.“

    Junge Leute sind smart, aber man will sie nicht beachten. Und dann werden sie leider irgendwann Erwachsene.

  7. In Israel hatte man sofort damit begonnen, SuS in Abschlussklassen zu impfen. Eben aus dem von Jan aus H genannten Grund: Das schützt die gesamte Familie.

    Was man immer mehr sieht ist: Jugend zählt nicht, Familien zählen nicht.

    Hat sicherlich auch etwas mit unserem kapitalistischen System zu tun: Kinder, Jugendliche und Familien sind diejenigen, die kaum Kaufkraft haben.

    Fehlende Wertschätzung und daher kein Geld für Schulen: kein Geld für Luftfilter, kein Geld für zusätzliche Räume und Hilfskräfte, kein Geld für saubere Sanitäranlagen, kein Geld für digitale Infrastruktur (bzw. überbordende Bürokratie, die diese verunmöglicht), kein Geld für IT-Beratung etc.

    Stattdessen: billige Mantras von „sicheren Schulen“ und „hervorragenden Hygienekonzepten“ (Hubig! und Konsorten).

  8. Die Maßnahme wurde publikumswirksam angekündigt, also kann nicht von einem Aufbrauchen von Impfdosen gesprochen werden. Ich kenne ein paar Arzthelferinnen, die sich auch fragen, wie es sein kann, dass eine Hausarztpraxis soviel Impfstoff übrig haben, während andere ncits bekommen.
    Gleichzeitig zur Freigabe der Priorisierung in den Arztpraxen, verkündet das Gesundheitsminitserium, dass sich die Impfzentren mit Erstimpfungen zurückhalten sollen, weil in nächsrer Zeit die Zweitimpfungen anstehen und es nicht genug Impfstoff gibt. Das passiert halt, wenn die Politiker auf Everybodys Darling machen, jeder nur gut dastehen möchte, sich aber über die Folgen ihr Aussagen keine Gedanken machen.

    Zur Zeit herscht wieder mal Chaos pur.

  9. Ich denke auch, dass das derzeitige Chaos und die Intransparenz das Problem sind. Warum gibt es Priorisierungsstufen, wenn sich keiner daran hält. Impfstoffe an die Gruppe Prio 4 zu vergeben, wenn man im gleichem Landkreis im Impfzentrum gerade von Prio 2 auf Prio 3 übergeht – dann kann man sich das ganze Gedöns auch gleich sparen und wie in den USA First-come-first-serve machen. Das ist wenigstens ehrlich.

  10. Ich verstehe das alles nicht mehr!
    Die Prioritäten wurden eingerichtet, um vulnerable Gruppen und kritische Infrastruktur zu schützen. Das ist in Ordnung. Auch, dass Lehrer nachträglich in Gruppe 3 aufgenommen wurden.
    Danach sollten alle gleichberechtigt sein.
    Wir alle haben verzichtet im letzten Jahr. Ich bin Mutter einer 10 Jährigen, in einem systemrelevanten Beruf tätig (nicht „kritisch“) und Risikogruppe (allerdings nichts, was auf dieser Liste steht).
    Nun sollen plötzlich alle Jugendlichen auch noch vorgezogen werden? Vor vier Wochen hieß es noch „Eltern vor?“. Die Kids waren 5 Monate nicht in der Schule. Ab nächste Woche wieder volle Stärke. Wer schützt dann die vulnerablen Eltern der Kinder unter 12???? Oder sind die egal?
    Unser Nachbar ist in Elternzeit und sitzt mit dem Baby im Garten, weil er bei einer Krankenkasse im Büro angestellt ist…Wenn er nicht in Elternzeit wäre.
    Die Ärzte bekommen keinen Impfstoff – und in HH soll das Impfzentrum für 4 Wochen für Schüler und Biontech reserviert werden…
    Dass sich Unmut breit macht, ist irgendwie verständlich…
    Niemanden mehr verlassen, alles für alle öffnen. Und Impfstoff besorgen…sollte doch richtig losgehen im Mai! Oder war es Juni, Juli oder doch August?

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