Streit ums Mathe-Abitur: Ministerium räumt „Veränderungen“ gegenüber den Vorjahren ein – jetzt sollen Lehrer „Spielraum nutzen“

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DÜSSELDORF. Im Netz tobt ein Sturm. Schüler haben gleich zwei Petitionen gestartet, in denen Konsequenzen gefordert werden. Das Schulministerium NRW spricht lediglich von „mehreren Nachfragen zur schriftlichen Abiturprüfung im Fach Mathematik“, die es erreicht hätten. So oder so: Diese „Nachfragen“ haben das Ministerium zu einer Stellungnahme veranlasst. Kernaussage: Die Anforderungen seien im Vergleich zu den Klausuren in den Vorjahren nicht erhöht worden. Gleichwohl gab es tatsächlich „Veränderungen“. Jetzt sollen die Lehrkräfte ihren „Spielraum“ nutzen.

„Spielraum nutzen“: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) steht – mal wieder – unter Druck. Foto: Land NRW

„Allen Schülerinnen und Schülern wünsche ich viel Erfolg bei den Abiturprüfungen“, so schreibt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf der Homepage des Ministeriums. „Sie können sich gewiss sein, dass dieses Jahr viele Menschen mit ihnen mitfiebern und ihnen besonderen Respekt zollen. Unsere Leitlinie war und ist, dass den Schülerinnen und Schülern auch in diesem Jahr durch die Pandemie für ihre Bildungs- und Berufswege keine Nachteile entstehen dürfen.“

Keine Nachteile? Das sehen Tausende von Schülerinnen und Schülern anders, die sich im Netz über den Schwierigkeitsgrad der in dieser Woche geschriebenen Mathe-Abi-Klausuren beschweren („Versuchter Mord“) und zwei Petitionen gestartet haben, in denen eine angepasste Bewertung oder neue Klausuren gefordert werden.

„Im Fach Mathematik haben die Lehrkräfte erweiterte Aufgabenauswahlmöglichkeiten erhalten“

Das Schulministerium hat dazu nun eine Stellungnahme herausgegeben. In der wird weit ausgeholt: „Um in dieser insgesamt herausfordernden Situation faire Abiturprüfungen zu gewährleisten, hat das Land die Aufgabenauswahl für Schülerinnen und Schüler beziehungsweise für Lehrkräfte grundsätzlich erweitert. Ob die Auswahlmöglichkeit für Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler besteht, hängt vom jeweiligen Fach ab“, so heißt es in der Erklärung. „Im Fach Mathematik haben die Lehrkräfte erweiterte Aufgabenauswahlmöglichkeiten erhalten: Sie konnten bestimmte Themenbereiche auswählen, die zu den unterrichtlichen Voraussetzungen an der jeweiligen Schule passen, sodass sie angesichts möglicher Einschränkungen durch die Corona-Pandemie im Interesse der Schülerinnen und Schüler Prüfungen mit Blick auf den tatsächlich erteilten Unterricht ermöglichen konnten.“

Und weiter: „Die Abituraufgaben wurden von erfahrenen Lehrkräften entwickelt, von der Fachaufsicht Mathematik der Bezirksregierungen geprüft, von Wissenschaftlern begutachtet und nicht zuletzt im Rahmen eines so genannten Praxischecks von erfahrenen Lehrkräften bearbeitet und eingeschätzt. Auf Grundlage dieser Maßnahmen zur Qualitätssicherung wurde also auch durch externe Expertinnen und Experten sichergestellt, dass die Mathematikaufgaben für das Abitur 2021 den Abiturvorgaben im Fach Mathematik entsprechen, dass sie fachlich korrekt gestellt sowie eindeutig und verständlich formuliert wurden und insbesondere, dass sie bezüglich des Anspruchsniveaus und des Bearbeitungszeitrahmens grundsätzlich angemessen sind.“

Der entscheidende Punkt allerdings: „Aufgrund der 2016 beschlossenen verbindlichen Vereinbarung innerhalb der Kultusministerkonferenz (KMK) und der daraus resultierenden Anpassungen wurde die Klausurdauer in den Abiturprüfungen zwischen den Ländern angeglichen, was in Nordrhein-Westfalen seit diesem Jahr zu einer Verlängerung der Klausurdauer in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik geführt hat. Über diese Verlängerungen in den Abituraufgaben wie zum Beispiel Klausurdauer sowie Länge der Texte inklusive Wortanzahl in den Fremdsprachen bzw. eine Veränderung der Struktur der Aufgaben im Fach Mathematik wurden die Schulen in Form von Hinweisen in den Vorgaben sowie Dienstbesprechungen der Schulleitungen und mit den Vertreterinnen und Vertretern der Oberstufe an Schulen bereits ab 2018 informiert. Hinzu kamen Implementationsveranstaltungen für Lehrkräfte und Veröffentlichung von Beispielaufgaben, die diesen Veränderungen Rechnung tragen.“ Schülerinnen und Schüler seien neben dem Unterricht in der Qualifikationsphase und nicht zuletzt mit den so genannten Vorabiturklausuren, die vor den Osterferien geschrieben wurden, auf diese Veränderungen vorbereitet worden.

„Es kann das Gefühl entstanden sein, dass die Aufgaben (…) einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen“

Wörtlich heißt es: „Durch die Veränderung der Klausurzeiten und der damit einhergegangenen Veränderung der Aufgabenformate in Form von Textlängen oder Veränderungen in der Struktur der Aufgaben kann bei Abiturientinnen und Abiturienten das Gefühl entstanden sein, dass die Aufgaben im Vergleich zu den Abituraufgaben der vorangegangenen Jahre einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen. Grundsätzlich wurden aber nicht die Anforderungen erhöht, sondern aufgrund der veränderten Vorgaben durch die KMK der Umfang lediglich an die verlängerte Dauer der Klausur angepasst.“ Warum diese Anpassung ausgerechnet für den Corona-Abitur-Jahrgang nötig war, dazu schweigt sich das Ministerium aus.

Wink mit dem Zaunpfahl? Aus Sicht des Schulministeriums sei es „angesichts der in diesem Jahr deutlich größeren Unterschiede zwischen den Schulen und Kursen für die Vorbereitung auf die zentralen Abiturprüfungen nicht nur zulässig, sondern ausdrücklich gewünscht, dass die Lehrkräfte innerhalb der ihnen vorgegebenen Bewertungskriterien im Zweifelsfall ihren vorhandenen Beurteilungsspielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler nutzen.“ Soll wohl heißen: Großzügig benoten! News4teachers

Aus dem Leserforum

Im Leserforum von News4teachers hat sich zu den Prüfungsaufgaben eine rege Diskussion entfaltet, die das Problem anschaulich macht. Ein Schüler schreibt:

„Ich als betroffender Schüler kann ihnen so viel sagen, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt jede Klausur ohne Probleme im 1er Bereich bearbeitet habe und zur Übung die vorherigen Klausuren in rund 2h vollkommen Fehlerfrei schaffen konnte. Die Abiturprüfung in diesem Jahr hatte allerdings ein vollkommen anderes Niveau und man kann uns dabei nicht vorwerfen, dass wir mehr Zeit hatten, wenn die anderen Klausuren aufgrund deutlich geringer Komplexität und Quantität in rund zwei Stunden und die jetzigen in knapp 4 Stunden bearbeitet werden konnten. Zudem war der Sachzusammenhang, besonders in der Analytischen Geometrie komplett verwirrend und hatte keinerlei Berührungspunkte zum Unterrichtsgeschehen.“

Eine Lehrkraft erklärt dazu:

„Als betroffene Lehrkraft eines Grundkurses in NRW kann ich folgendes mitteilen:
– Die Aufgabentexte waren in diesem Jahr wie immer umfangreich, aber deutlich anspruchsvoller formuliert als in den letzten Jahren. Die erste Hürde war also die Lesekompetenz.
– Es wurde im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr stark in die Breite geprüft. So wurde deutlich detaillierter in Bezug auf alle vorgegeben Kompetenzen geprüft und dabei der Bereich der Qualifikations- und der Einführungsphase betrachtet. Besonders der Umgang mit Gleichungen und Variablen in komplexen Situationen war gefordert – deutlich mehr als in den letzten Jahren.
– Die einzelnen Aufgabenteile waren sehr komprimiert und verlangten diverse Zwischenschritte (ohne Kontrollösungen).
– Die Bepunktung war diesbezüglich sehr gering. Nicht selten waren für 6 bis 8 Zwischenschritte nur 3 bis 5 Punkte zu vergeben – halbe Punkte gibt es nicht.
– Die teilweise fehlenden Zwischenergebnisse machten es nicht möglich bei kleinen Fehlern einen Aufgabenteil oder den darauffolgenden Aufgabenteil zu lösen.
– Die Kontextualisierung der Aufgaben war besonders im Bereich der linearen Algebra unverständlich, nicht anschaulich und und wirkte stümperhaft übergestülpt.
– Die sonst immer empfohlene Vorbereitung über die Aufgaben der letzten Jahre und der Beispielaufgaben des Ministeriums war sinnlos, da die diesjährige Prüfung fast grundlegend anders aufgebaut war – auch im Hinblick auf die Aufteilung nach den Anforderungsbereichen.
-> Während ich also in den vergangenen Jahren die Petitionen gegen die Aufgabenschwierigkeit belächelt habe, stimme ich in diesem Jahr der Kritik zu.“

«Versuchter Mord»: Abiturienten starten Petitionen wegen Prüfungsaufgaben in Mathe

 

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58 KOMMENTARE

  1. Gut verkaufte moderate Mogelpackung

    „Abituraufgaben sind > > > in der Regel < < > > GGF.< < Zwei Jahre vorher ggf. Veranstaltungen? Da sollte man mal nachhaken!

    „Der zentrale Leitgedanke der Umsetzung in Nordrhein-Westfalen besteht darin, dass die zusätzliche Bearbeitungszeit in den Abiturklausuren nicht in erster Linie eine Erhöhung der quantitativen Anforderungen nach sich zieht, sondern primär eine vertiefte Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema bzw. Gegenstand der Prüfung ermöglicht. “
    „Das bedeutet, dass sich die Aufgaben des Zentralabiturs ab 2021 jeweils fachspezifisch moderat von den Aufgaben früherer Abiturjahrgänge unterscheiden werden. “

    https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/zentralabitur-gost/uebersicht/dauer-2021.php

    • Vollständig: (Texteingabe mit Sonderzeichen verursacht scheinbar Chaos)
      „Abituraufgaben sind in der Regel inhaltsfeldübergreifend … Darüber hinaus können die Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler im geschützten Bereich dieser Webseite die Aufgaben der letzten drei Abiturjahrgänge einsehen.“

      „Inhaltlich beziehen sich die Aufgaben auf den Unterricht des vorangegangenen Quartals. … Die Beurteilung sollte auf der Basis eines kriterienorientierten Bewertungssystems vorgenommen werden.“

      Eine Lehrerin dazu: „…teilweise fehlenden Zwischenergebnisse machten es nicht möglich bei kleinen Fehlern einen Aufgabenteil oder den darauffolgenden Aufgabenteil zu lösen.“

      Also nicht nur Pandemie, sondern dazu noch anspruchsvollere Aufgaben aus Unterricht des letzten Quartals, mit moderat erhöhtem Anspruch, die es in der Art zuvor nie gab, eher auch nicht einmal als Musterlösung. Ein beschleichendes Geschmäckle hat das Ganze für mich schon.

      „In Abhängigkeit von fachspezifischen Notwendigkeiten werden GGF. im Laufe des Schuljahres 2018/2019 Dienstbesprechungen und Implementationsveranstaltungen durch die Fachaufsichten der Bezirksregierungen durchgeführt.“

      Zwei Jahre vorher ggf. Veranstaltungen? Da sollte man mal nachhaken!

  2. Den „Beurteilungsspielraum im Sinne der Schülerinnen und Schüler“ gaaanz weiiit auuusdeeehnen?
    Wenn ich richtig verstehe, geht es im Grunde doch eher darum den üblichen Bewertungsspielraum
    „sehr gut“ bis „ungenügend“ einzuschränken auf
    „sehr gut“ bis „grad so haarscharf ein wenig oder fast kaum noch ausreichend“
    … aber was weiß ich schon.

    • Ist doch schon seit Jahren so. Die Noten werden besser und besser. Sind die Kinder intelligenter geworden als vor 20 Jahren? 😉

      • @Marc

        Alles andere ist völlig ausgeschlossen!!!
        Darum schon verbietet sich weiteres Nachfragen oder gar Nachdenken in diese Richtung.
        😉

      • Hallo, ja Studien zeigen tatsächlich das Kinder in der Regel um 3 bis 4 IQ Punkte klüger als ihre Eltern sind.
        Quelle: Focus online

      • Wenn du magst, kann ich dir eine Mathe Klausur aus dem Jahr 2008 schicken. Dann kannst du sehen, wie einfach die Klausuren im Vergleich zu den letzten 5 Jahren waren…

  3. >>Am Zentralfriedhof is‘ Stimmung, wia’s sei Lebtog no net wor<<

    ("Es lebe der Zentralfriedhof" – Wolfgang Ambros)

  4. Es würde helfen, wenn sie die Aufgaben sehr zeitnah veröffentlichen würden. Außerdem kann man davon ausgehen, dass das Mathe- und Englischabitur 2022 einfacher werden wird.

    • Genau, die Aufgaben veröffentlichen.
      ABI22 einfacher, Glaube oder Prinzip Hoffnung? Die Landtagswahlen NRW sind nach dem ABI22

    • Woher nehmen Sie diese Einschätzung, dass es leichter werden wird? Die längere angesetzte Zeit wird bleiben, und in diesem Durchgang wurden die Höchst-Wortzahlen der Texte maximal ausgereizt, dazu enthielten sie inhaltlich Aspekte, die Schüler/Studierende nicht wissen können, da sie zu speziell waren bzw. das Verfolgen aktueller Diskussionen zu Themen betraf (einen Aspekt musste ich erst selbst recherchieren, um zu verstehen, was der Autor eigentlich sagen will, und ich bin Profi!), die den SuS absolut fern sind – also keine wirklich curriculumnahen und vorbereitbaren Inhalte. Ich war entsetzt! Wir haben die Studierenden in der Pandemie hervorragend zum Abitur begleitet und das Curriculum dabei geschafft – und dann eine solche Zumutung! Wir haben uns schon abgesprochen das durch unseren Beurteilungsspielraum auszugleichen…

        • Englisch ist irrelevant, da hier erstens Mathe und sich zweitens die Schüler die Klausur aussuchen durften. Wer sich mit Mut zur Lücke auf den Sachtext beschränkt hat, ist zu einem guten Teil selbst schuld.

          • @Georg, ich beschreibe Ihnen wie die Auswahl aussah. Oben ist ‚Rabe‘ darauf eingegangen.
            1.Auswahl: Eine Gedichtsanalyse zum einen völlig neuen Thema „Nigeria“. Es entpuppt sich jedoch, dass in zahlreichen Schulen die Gedichtsanalyse nicht behandelt wurde. Die Lehrer sind schuld? Kaum, da die Gedichtsanalayse seit 6-7 Jahren kein Bestandteil der Abiturprüfungen in Englisch war. Die Auswahlmöglichkeit war nur Verschwendung der wertvollen Prüfungszeit.
            2.Auswahl: Ein Text mit einem bestimmten Sachzusammenhang über Geschehnisse im Sommer 2020 in Bristol, Statue Edward Colston. Keine gute Auswahl, wer die Ereignisse nicht oder nur am Rande verfolgt hat. Das war kein Bestandteil des Englisch-Unterrichts. Dazu doppelte Textlängen.
            3.Auwahl: Wieder doppelte Textlängen für 15 Min Zeitverlängerung. Wenigstens mit Amerika kann man was anfangen, auch wenn es in der letzten Aufgabe über die deutschen Schrebergärten ging, was eine Entfaltung der Fantasien unter Zeitdruck erforderte.

            So viel zu „erweiterten Aufgabenauswahl“…

          • @Kathi: Das sind alles durchaus machbare Themen. Es gehört mehr zu guten Englischnoten als die Sprache grob zu beherrschen. Nigeria ist ein durchaus schlüssiges Thema, ein Gedicht sollte seit Ende der Sek I interpretiert werden können. Deutsche Schrebergärten sind ebenso typisch als Thema, da es sich hier wieder um die Sprachmittlungskomponente bei kulturellem Bezug handelt (wie erkläre ich fremdsprachlich Dinge, die in anderen ländern nicht bekannt sind?).
            Abgesehen davon, dass diese Aufgaben durchaus machbar waren wie auch der Text „Let’s quit fetishizing the single family home!“ (Warum weiß man nach 12/13! Jahren Englischunterricht nicht, was suburban sprawls sind?) geht es hier schwerpunktmäßig um das Mathe-Abitur.

          • Englisch ist irrelevant? Es ging um die aktuelle Abiklausuren allgemein, klar, ausgelöst durch die Mathe-Debatte, aber es gab auch Hinweise auf die anderen Fächer, die unter ähnlichen Problemen leiden. Der Sachtext in NRW war tatsächlich noch das geringste Problem!

          • An lehrer002 Studierende, die nicht in Amerika waren, können den Unterschied zwischen ‚Single family homes‘ und ‚townhouses‘ nicht wissen, da es ihn in Deutschland so nicht gibt. Wenn man außerdem bedenkt, dass viele der Studierenden keinen wohlbetuchten Hintergrund haben, kommt ihnen das beschriebene kleinere Haus, das auch nach unserem Verständnis ein typisches Einfamilienhaus ist, wie ein Palast vor. Also, von wegen. Es geht ja nur um die Dimensionen. Der/die ErstellerIn hat sich an der hierzulande laufenden Diskussion um neue Einfamilienhaussiedlungen abgearbeitet (man hat oft den Eindruck, bei den Abithemen will sich jemand mit Spezialthemen profilieren – zum Nachteil der Studierenden), die aber mit den amerikanischen Verhältnissen nicht zu vergleichen ist!

  5. Hier zeigt es sich Mal wieder, wie gescheitert der Föderalismus ist und wie komplett unfähig, untätig und ohne Empathie die ‚gute‘ Frau KM ihre Aufgaben erledigt. Ich sollte besser sagen sich des Problems entledigt. Wann wird die Gesellschaft endlich dieses Thema mit der Ablösung erledigen???

    • Was wir in Deutschland an Politiker aufgefahren haben, passt auf keine Kuhhaut. Korrupt, unwissend und aalglatt. Hochrangige Politiker werden von Wirtschaftslobbyisten beraten, füllen sich ohne Skrupel die Taschen und gehen, so wie in dieser Pandemie, ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen.
      Der Föderalismus hat gezeigt, dass die 16 kleinen Prinzen und ihr Gefolge regiert haben, wie es ihnen passt. Und das ganze, weil sie es konnten. Erst die Notbremse hat diese Klientel dazu bewegt, etwas sinnvolles gegen die Pandemie zu unternehmen.

  6. Ein Sinnbild für die letzten Monate:
    Die Politik lehnt JEGLICHE Verantwortung ab und welzt alles auf die Schulen ab!
    Die sollen dann ihre „Spielräume“ nutzen! Eine Phrase, die nichts anderes bedeutet als: Schaut, wie ihr’s hinbekommt! Euer Problem!

    Wechselunterricht: Spielräume nutzen!
    digitaler Fernunterricht: Spielräume nutzen!
    Ungleiche Arbeitsbelastung: Spielräume nutzen!
    Organisation des Abitur mit freiwilligen Testungen: Spielräume nutzen!
    Notengebung in der Pandemie: Spielräume nutzen!
    und jetzt Mathe-Abi: Spielräume nutzen!

    Vielleicht sollten die verantwortlichen(!) Politiker mal realisieren: Schulen sind keine Spielplätze oder in diesem Fall vielleicht ganz nach Sartre: „Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein.“

  7. Bei den Abituraufgaben Mathematik NRW zeigen sich auch Lehrkräfte vom Umfang und den Anforderungen überrascht, obwohl sie seit 2018 informiert sind. Grundsätzlich gilt: Lehrer, die die Anforderungen nicht kennen, können Schüler nur bedingt auf Prüfungen vorbereiten.

  8. Mich wundert, dass noch niemand die angebliche erweiterte Aufgabenauswahl hinterfragt hat. Es gab nicht mehr Aufgaben, aus denen der Lehrer auswählen konnte, sondern es konnte lediglich ein Thema ausgelassen werden. Da aber die Obligatorik der Lehrpläne weiterhin galt, wurden natürlich im Unterricht alle Thema hinreichend behandelt.
    Wo war also die große Auswahl, von der das Ministerium immer noch spricht.
    Dass die Lehrer nun ihren Spielraum ausschöpfen sollen, sagt schon alles.

    • So ist das.

      @Lehrer002: Um kurz auf Englisch-Prüfung einzugehen, da Ihre Behauptungen falsch sind. Sie sind bestimmt kein Q2-Lehrer.

      Es geht weniger um die einzelnen Aufgaben, die einzeln gesehen für gute Schüler machbar sein können, wenn entsprechende Themen auch behandelt wurden. Es geht um die Gesamtheit und die Zusammensetzung der Aufgaben und Texten, die jegliche Verhältnismäßigkeit im Hinblick auf Inhalte und Umfang weit überschritten haben. Ebenso geht es darum, dass es keine tatsächliche „erweiterte Aufgabenauswahl“ war. Darauf sind nun alle Lehrer sich einig. Selbst die Englischmuttersprachler und zugleich leistungsstarke SuS waren einem enormen Stress des Zeitdrucks ausgesetzt.
      Hessen hat es geschafft, eine angemessene Prüfung zu erstellen. Sollen unsere NRW-Abiturienten von der eindeutig nicht vergleichbaren Prüfung nun Nachteile erleiden? Gerecht und vorbildlich wäre, die unangemessene Erstellung der Prüfungen einzustehen, wie die SuS in den Petitionen Englisch LK und Mathe GK fordern.

      • @Kathi Danke, ich freue mich, eine Gleichgesinnte zu finden – und ja, schon der Umfang der Klausuren hat mich schockiert. Vor Jahren haben die SuS in der gleichen Zeit nur Teil A behandelt, dann ist für die gleiche Arbeitszeit ein Teil B dazugekommen (ab der 11 schon, das ist sehr viel verlangt) und nun wurde die Länge heraufgesetzt. Ich bin sehr für Leistung und fordere von meinen SuS viel, aber diese Aufgaben waren einfach unfair!

        • Kann ich nur unterstützen. Für den Erwartungshorizont einer Grundkursklausur, die die Schüler*innen in 135 Minuten schreiben sollen, sitze ich in der Regel selbst mindestens 120 Minuten (ohne Formatieren). Dabei kenne ich die Texte allerdings schon intensiv und bin natürlich viel schneller und präziser im Formulieren. Irgendwie fehlt mir da die Verhältnismäßigkeit. Mein Eindruck ist, dass in NRW bei der Leistungsbewertung zunehmend Qualität durch Quantität ersetzt werden soll.

  9. Ich fasse die Verlautbarung des Schulministeriums einmal komprimiert zusammen:
    1) Eine umfassende Anpassung der Abitur-Modalitäten (mehr Zeit, mehr Aufgaben, mehr aufeinander aufbauenede Aufgaben, andere Aufgabentypen als zuvor) zur Standardanhebung wurde in 2018 geplant und in 2021 ausgerollt;
    2) Die Antwort auf die Pandemie lautet: ein mehr Auswahl bei den Aufgaben;

    Als erfahrener Projekt-Manager kann ich dazu sagen, dass ein so großes Projekt wie der Rollout der Standardanhebung in NRW nicht ohne Risiken und Unwägbarkeiten ist. Manchmal müssen Rollout-Termine schon allein der Rahmenbedinungen wegen angepasst werden, um einen erfolgreichen Rollout zu erreichen.

    Schon unter normalen Umständen ist der Rollout des Großprojektes „Standardanhebung“ geeignet, einen größeren Schluckauf nach der ersten Anwendung in Abiturprüfungen zu verursachen.
    Einen solchen Rollout allerdings ungebremst in Zeiten einer Pandemie durchzuziehen und als Feigenblatt etwas mehr Auswahl zu verwenden, ist ganz klar ein Zeichen entweder von bürokratischer Dickfelligkeit oder Chuzpe.

    Jetzt im Nachgang den Ball an die Lehrkräfte weiter zu spielen mit dem Hinweis „Spielraum in der Bewertung nutzen“, zeugt von politischer und bürokratischer Abgehobenheit. Wie sollen die Lehrkräfte viele nicht gelöste Aufgabenteile wohlwollend bewerten?

    Als Projektleiter muss man auch vor Ort an die Front gehen, um sich die Ergebnisse des eingenen Planens und Handelns zu vergewärtigen und für die nächsten Rolloutwellen bessere Rahmenbedingungen und verbesserte Qualitätssicherung zu gestalten.
    Der im der Verlautbarung untergebrachte Hinweis zu all den Maßnahmen, die man im Rollout durchgeführt habe, ist nur die halbe Miete, wichtig ist nämlich zu verstehen, was von all den Maßnahmen wirklich vor Ort angekommen ist.

  10. Egal , was Yvonne Gebauer macht : Es gibt fast schon eine Garantie dafür , dass es nicht klappt . Und immer haben die Schulen die Verantwortung . Aber wofür braucht man dann ein Ministerium ?

  11. Vielleicht sollte man einfach mal akzeptieren, dass zu Prüfungen auch schicksalshaftes Pech oder Glück gehören. Die Welt ist ungerecht und auch ein Abitur bildet nicht tatsächlich die „reinen“ Fähigkeiten des Abiturienten ab.

    Das war aber auch schon vor 40 Jahren bei meinem Abitur so. In Deutsch hatte ich Glück und bekam 13 Punkte, was über meinen sonst üblichen 10 Punkten lag. Und in Mathe war’s genau das Gegenteil. Da bekam ich gnadenhalber noch 7 Punkte (statt sonst 9 – 10 Punkten), weil ich mich auf das falsche Thema vorbereitet hatte. Such is life …

    • Vielleicht sollten Sie ihre Aberglaube des Schicksals für sich behalten. Unmöglich, dass heute solche Gedanken noch existieren.
      Oder war das Missgunst?

  12. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, musste ich einen eigenen Kommentar schreiben.
    Allein als betroffene Mathematik LK Schülerin ist dies meine Pflicht.
    Ich habe die letzten Monate durchgebüffelt- in allen 4 Fächern fürs Abi. Zum Teil Stoff der niemals Unterrichtet wurde, also selbst beigebracht werden musste.
    Ich war nicht unvorbereitet auf die Klausur, aber Mathe hat mir ein Trauma gegeben. Die Aufgabentexte passten zum Teil nicht zu den Aufgabenstellungen diese passten nicht zu den vorgegebenen „Lösungen“ Formulierungen waren sehr verwirrend und sehr undurchsichtig.
    Im Vergleich zu den Aufgaben der vorhergehenden Jahre, welche ich bearbeitet und mit anderen besprochen habe, waren diese Aufgaben nicht nur viel umfangreicher, sondern auch zu komplizierter formuliert. Besonders problematisch wird es, wenn Prüfungsdruck und die eingehende Panik das Lesen und kompliziertes Denken nicht möglich macht.
    Ich bin zwar keine der besten in meinem Mathe Kurs, aber auch diese waren kurz vor einer Panikattacke oder mentalen Zusammenbruch.
    Schüler*innen aus den Grundkursen Mathematik haben es nach eigenen Erzählungen noch härter erwischt- einige sollen auf der Stelle in Tränen ausgebrochen sein oder nach einigen Minuten schon abgegeben haben.

    Hinterher kommt noch die Auswirkung dieser Prüfungen, welche einigen das Abi aus der Hand schlagen werden. Viele meiner Mitschüler*innen leiden unter einer sozialen Angst oder haben andere mentale Probleme. Mündliche Nachprüfungen kommen bei denen nicht in Frage und hat große Auswirkungen.
    Allgemein der Umgang mit Mentalen Problemen und Krankheiten ist an den meisten Schulen ungenügend, was ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
    Besonders in der Corona Pandemie sind Depressionen usw. bei den Abiturient*innen zufinden. Mir wurde selbst gesagt, nur da ich „zu gute Vornoten“ habe dürfte ich nicht wiederholen, außer ich befinde mich aktiv in einer Klinik. Auch diese Klausur hilft nicht bei den Zukunfts- und Existenzängsten vieler.
    Am 14.05 habe ich meine letzte Prüfung. Am 28.05 bekommen wir unsere Noten und am 18.06 haben wir unseren „Abschluss“.
    Unsere Zeit ist dann vorbei- aber die letzten zwei Jahre werden uns für immer zeichnen, uns verfolgen und unsere Zukunft bestimmen.

    • Ich, der Opfer der Matheprüfung, stimmte die Aussage aus dem Leserforum zu.
      Die Klausuren waren unnormal kompliziert. In den letzten Jahren konnte man direkt verstehen, was gesucht ist und was man rechnen muss. Auf die Klausur habe ich mich sehr gut vorbereitet, sodass ich das Gefühl hatte, dass ich bereit bin, eine eins zu schreiben.
      Schon beim ersten Teil der Prüfung war ich unter Schock. Die nächsten Aufgaben waren noch komplizierter zu verstehen. Ich weiß, dass ich mit meinem Wissen alle Aufgaben lösen kann. Aber man muss sie erst mal verstehen, damit man checkt, was zu tun ist.
      In den anderen Fächern bin ich schlecht. Mein Plan war, dass meine „gute“ Mathe Note die anderen Noten ausgleicht, damit ich das Abitur kriege.
      Nun sind alle meine Träume verschwunden.
      Es ist echt Schade, dass unsere Zukunft in den Händen von ein paar Personen liegt.

  13. Mich wundert, dass immer die SchülerInnen aus NRW diejenigen sind, die nach den Abiturprüfungen so herumjammern. In anderen Bundesländern ist das Abitur tendenziell sowieso schwieriger und trotzdem hört man aus diesen Bundesländern nicht ansatzweise so oft Klagen. Auch in Neidersachsen haben dieses JAhr wohl viele SchülerInnen die Prüfungen in Mathe, Geschichte und Englisch als übermäßig schwer empfunden. Trotzdem wird da sowohl in Englisch als auch in Mathe nicht ansatzweise so ein Aufstand gemacht. Unfair wird es vor allem dann, wenn dort, wo die SchülerInnen nur am lautesten jammern, nachher auch bessere Noten vergeben werden. Ein gutes Beispiel ist auch die letzte Matheprüfung in Bremen gewesen – Anhebung um 2 Notenpunkte, und das, obwohl Bremen wie NRW bereits zu den Bundesländern mit einfacherem Abi gehört. Dass das Lernen auf Distanz eine Belastung war, weiß wohl jeder, aber da ging es den SuS aus anderem Bundesländern ja zu großen Teilen nicht besser.

    • Bitte sich zuerst richtig informieren. Die Tatsache ist es, dass es in allen Bundesländern in vergangenen Jahren große und kleine Wellen von Beschwerden gab. Tatsächlich positiv reagiert haben andere Bundesländer als NRW, wie Bremen, Sachsen, Bayern usw. Jetzt dürfte NRW an der Reihesein

      Bzgl. der Coronazeit: Es geht (leider) gar nicht mehr um Distanzunterricht, sondern um angemessene Aufgabenerstellung und -auswahl in jeweiligen Bundesländern. Hessen hat es gelungen, die Abiturierenten sind zufireden, da behandelte Themen kamen. In Baden-Württemberg wurde die Prüfungszeit um 30 Min verlängert, einfach so, ohne inhaltliche oder andere Änderungen. Und jetzt sollen die Abiturienten mit unterschiedlichsten Erschwernissen und Erleichterungen um gleiche Studienpläte konkurrieren. Passt nicht.

      • Bitte richtig lesen! Ich habe nie geschrieben, dass NRW die Noten angehoben hat. Aber die angebliche Gleichwertigkeit, die sowieso nicht existent ist (Abischnitt TH: 1,8; NDS: 2,6 (sind aber auch zugegebenermaßen die beiden Extreme)), wird endgültig ad absurdum geführt, wenn Poolaufgaben verwendet werden und dann letztlich diese unterschiedliche streng gewertet werden, weil in einem Bundesland mehr Protest aufkommt und das Kultusministerium nachgiebiger ist als in einem anderen.

        • lehrer002 Was unterstellen Sie uns eigentlich in NRW? Haben Sie schonmal hier gearbeitet, aktuell Abiturvorbereitung gemacht und Erfahrung gesammelt? Glauben Sie Vorurteilen, ohne sie zu prüfen? Sagen Sie wenigstens fairerweise, aus welchem Bundesland Ihre eigenen Erfahrungen und Vergleiche stammen!

    • Liegt an der Masse, dass sie eher wahrgenommen wird als die vergleichbar geringere Zahl der Abiturienten in anderen BL.

      Der Tipp in NRW für LuL und Sus seitens des MSB war doch sich wegen des corona-bedingten ausgedünnten Unterrichtes mithilfe der alten Abi-Klausuren, die im Netz einsehbar sind, auf die Prüfungen vorzubereiten. Warum dann – wie vom MSB bestätigt – eine geänderte Struktur der Aufgabenstellungen? Wenn selbst Lehrkräfte sich aufgrund der geänderten Struktur irritiert zeigen und Zweifel hegen, ob ihre Vorbereitung im Unterricht mit Blick auf die geänderte Struktur hilfreich gewesen sein könnte, spricht allein dies schon Bände.

    • Ich habe jetzt auf youtube einen Teil der LK-Aufgaben aus dutzenden Gedächnisprotokollen gefunden. Wenn diese denn so stimmen, muss ich mit der jahrzehntelangen Erfahrung aus Zentralabitur und Besprechungen mit der ministeriellen Fachaufsicht (jährliche Vor- und Nachbesprechung mit jeweils dem Vorsitzenden der Fachkonferenz) in S-H sagen

      Stochastik-Aufgabe (Fahrschule): Zeitlich gut, inhaltlich gut, Schwierigkeitsgrad eher gering
      Analysis-Aufgabe, insgesamt für den Corona-Jahrgang eine gute Aufgabe

      Analysis-Aufgabe (bezeichnet mit LK B1): Zeitlich zu lang, inhaltlich mittel, Schwierigkeitsgrad eher hart, insgesamt nicht sonderlich gut, weniger wäre mehr gewesen.

      Analysis-Aufgabe (Modelleisenbahn, nicht vollständig): Zeitlich nicht zu beurteilen, da nicht vollständig, inhaltlich vermutlich eine IQB-Aufgabe (viel Text zur Verwirrung), Schwierigkeitsgrad in Ordnung, insgesamt frag ich mich, warum man solche bundesweiten Aufgaben nicht von Kollegen erstellen lässt, die das auch wirklich können.

      Anal. Geometrie (Verschlüsselung, nicht vollständig): Zeitlich nicht zu beurteilen, aber: Was muss man eigentlich genommen haben, um so einen Kontext zu bauen? Mit auszurechnenden Punkten einer Pyramide wird ein Verschlüsselungscode erstellt! Dieser Unfug führt dazu, dass Schüler völlig den Überblick verlieren! Was soll das, wo doch absolut klar ist, dass niemals irgendjemand auf diese Art eine Verschlüsselung baut. Auf solche Ideen kann man doch nur besoffen oder bekifft kommen.

      Insgesamt kann ich den Unmut nachvollziehen. Warum geht man nicht (wie z.B. in meinem Bundesland) auf Nummer sicher und macht solide, mittelschwere Aufgaben ohne unsinnigen Schnick-Schnack, die zeitlich alle schaffen können und die sich (jedenfalls an meiner Schule) im Ergebnis von den letzten Jahren kaum unterscheiden (vielen Dank an Dr. K.N. und sein Team in Kiel)?

      • Danke für Ihre Expertise!
        Stellen Sie sich mal noch vor, dass sich die Rekonstruktion auf YouTube aus den Teil-Verständnissen von unterschiedlichen SuS wie ein Puzzle zusammensetzt, meistens von leistungsstarken SuS. Die unnötig verkomplizierten Texte der Aufgaben sind natürlich nicht zu rekonstruieren, diese mussten zunächst verstehen, um an diesen Teil-Verständnissen überhaupt zu kommen.
        Insofern haben Sie auch darin Recht, dass die Prüfungsersteller evtl besoffen waren, sodass nicht mehr zusammenhängend denken konnten.

        • Vermutlich besoffen – da im letzten Jahr die Soester Allerheiligen Kirmes ausgefallen ist, müssen da noch Unmegen „Bullenauge“ nachträglich zur Anwendung am Paradieser weg gekommen sein.

  14. an lehrer002 ich bin gerade zu schockiert über ihren Kommentar.
    Die aus NRW sind also die ewig Jammernden, vielleicht sollte man auch mal die Unterrichtsstunden mit ein beziehen, wenn man sich so äußert. Ich habe den direkten Vergleich, mein Kind (Leistungskurs Mathe) war in NRW ca. 10 mal in diesem Jahr im Präsenzunterricht in der Schule, dazu gab es Emails mit Aufgaben, manchmal Skype Unterricht. Das andere Kind geht in Niedersachsen zur Schule, dieses Kind ging seit Januar, fünf Tage die Woche mit mindestens 6 Unterrichtstunden zur Schule.
    Was meinen sie? Haben die beiden die gleichen Voraussetzungen im Abitur 2021?
    Ich denke nicht, ich hoffe und wünsche allen Abiturienten in diesem Jahr das sie es irgendwie schaffen zu bestehen. Und hoffe das auch die Lehrer den Spielraum so großzügig wie möglich ausnutzen.

    • Ja, aber das ist so eine Sache mit dem Ausschöpfen der Spielräume.
      Wenn man aufgrund der Zeitnot und der Schwere der Aufgabenstellung wenig hingekriegt hat, kann ein Lehrer auch keinen Spielraum ausnutzen.
      Wenn eine Teilaufgabe nicht gelöst wurde, kann man ja keine Punkte geben.
      Frau Gebauer verschleiert Mal wieder ihre eigene Unfähigkeit.
      Wir hatten wirklich gehofft, dass die Aufgaben wenigstens fair gestellt werden nach diesen unfairen Bedingungen der Vorbereitungen!!

    • Danke!Das sehe ich genauso!
      Hatte auch ein Kind in NRW und eins in Niedersachsen
      Wenn ich ihre Kommentare lese „Lehrer 002 “ bin ich froh daß das Letzte 2020
      ein super stressiges CoronaAbi geschafft hat und sich mit sowas wie ihnen nicht mehr auseinander setzen muss

      • 2020 war kein stressiges Corona-Abitur. Im Februar, als es mit dem Lockdown losging, waren die meisten Abiturkurse mit dem Stoff weitestgehend durch und nur noch am Wiederholen. Das geht auch ohne Präsenzunterricht in Eigenverantwortung.

        Ich habe aber da schon das viel problematischere Abitur 2021 vorhergesagt, ohne zu wissen, dass das gesamte Schuljahr 2020/21 weitgehend unter Pandemiebedingungen durchgeführt wurde. Abitur 2022 wird auch noch spannend, weil dann der Jahrgang dran ist, er mindestens 1,5-2 Schuljahre pandemiebeschränkt arbeiten musste.

        An den Sek I-Schulen dürfte der Effekt noch dramatischer sein, weil deren Schülerschaft im Mittel deutlich bildungsferner sozialisiert ist als die am Gymnasium. Dazu kommt die Unlust verstärkende Pubertät in den Klassen 8 bis 10.

  15. In NRW hat die KM doch wirklich alles getan um den Abschlußklassen auch 2021 doch für jeden SuS zum Abschluß zu verhelfen. Wie kann man sich ddenn da als SuS das Recht nehmen, sich zu beschweren oder Kritik zu üben? Die Pandemie und Risiken wurden so gut es ging irgendwie ignoriert und Präsenz auch bei wissenschaftlichen Bedenken stringent durchgesetzt.

    Geänderte Prüfungen wurden bereits 2018 weit vor Corona auf den Weg gebracht. Wer konnte denn 2018 ahnen, dass 2021 ein so besonderes Jahr wird und da ist wieder einmal der fehlende Plan B in diesem Theater, der mögliche abweichende Szenarien umfasst. Diesen Plan B sucht man immer und überall vergebens und das ist die Schwäche dieser Politik insgesamt.

    Zeitungsente? „Bayern: Wegen Corona-Stress: Keine Schulaufgaben mehr bis zum Sommer

    Keine „großen Leistungsnachweise“ bis zu den Sommerferien: Darüber dürfen sich Schüler an vielen weiterführenden Schulen in Bayern freuen. Kultusminister Piazolo betont, dass man Zeitdruck und übermäßigen Leistungsdruck vermeiden wolle.“

    https://www.br.de/nachrichten/bayern/wegen-corona-stress-viele-schulaufgaben-in-bayern-entfallen,SX16n6n

  16. Falsch. So eine Ausrede!
    Im Sommer 2020 müsste das Ministerium die Prüfungsaufgaben überprüfen und anzupassen. Und gerade im Sommer 2020 waren die Aufgaben bei der Erstellung.

    • Die haben die Obligatorik aller drei Teilgebiete gestrichen. Wer als Lehrer das genutzt und damit vermutlich die Wahrscheinlichkeitsrechnung gestrichen hat, stand vor dem Problem, eine extrem einfache und dankbare Aufgabe nicht nehmen zu können, eine rechnerisch ebenfalls nicht schwierige, aber deutlich längere und vom Kontext ungewohnte Aufgabe nehmen zu müssen.

      Die Aufgaben waren insgesamt lang und teilweise für den Grundkurs unangenehm, aber durchgehend konform mit dem Lehrplan. Ich persönlich hätte die zusätzliche Analysisaufgabe genommen und die Geometrieaufgabe ganz schnell beiseite gelegt, vorausgesetzt ich hätte alle drei Teilgebiete geschafft. Da die Matrizen und damit mindestens ein Drittel des Wahrscheinlichkeitsstoffes weggefallen sind, wäre das auch in Pandemiezeiten gut machbar gewesen. Allerdings hatte ich dieses Jahr keinen Abiturkurs, was auch mal ganz angenehm ist.

      • Die beschriebene Konstellation habe ich genauso genutzt, weil ich den Stoff geschafft habe, und ich war tatsächlich froh, das so tun zu können. Der Parallelkurs bei eminem Kollegen hatte sich komplett gegen Stochastik entschieden und musste die Geometrieaufgabe nehmen, der Kollege hat sehr gestöhnt und war neidisch, dass ich mir das offengehalten habe …
        Allerdings hat es trotzdem einen gegenüber der Vorabiturklausur schlechteren Durchschnitt gegeben, auch in meinem Kurs mit der dankbareren Stochastik-Aufgabe, weil die Problematik der veränderten Aufgabenstellungen mit nochmals erhöhten Anforderungen an Lesekompetenz gegenüber „normaleren“ (Sprich: bisherigen) Abituraufgaben dazu geführt hat, dass die Schüler teilweise gar nicht erfasst haben, was mathematisch zu tun war. Es gibt eben auch Schüler mit Migrationshintergrund, die nicht erst Germanistik studieren, bevor sie sich ans Abitur wagen … Wenn ich eine Prüfung in Mathematik haben möchte, sollte ich nicht eine versteckte Deutschprüfung einbauen. Das ist gemein und unfair gegenüber den Schülern, und genauso war die diesjährige Abiturprüfung NRW im Mathematik-GK.
        Außerdem gab es die Auswahl für die Lehrer nicht so, wie von Frau Gebauer behauptet. Im hilfsmittelfreien Teil gab es mehrere Analysis-Aufgaben, die nicht „abgewählt werden konnten, weil sie in allen drei Auswahlmöglichkeiten für diesen Teil identisch enthalten waren. Und warum man dann im Grundkurs – wohlgemerkt im hilfsmittelfreien Teil – gleich zwei zusammengesetzte Funktionen mit Produkt- und Kettenregel und e-Funktion einbaut, das erschließt sich mir überhaupt nicht. Tut mir leid, aber ich hatte von Anfang bis Schluss der Aufgaben das Gefühl, dass sich hier jemand auf Kosten der Schüler mit Spitzfindigkeiten in jeder Aufgabe profilieren wollte.

        • Nicht nur für Migranten mit eventuell noch vorhandenen Lücken in Deutsch können die Kontexte schwierig sein, auch für die wirklich guten Mathematiker unter den Schülern sind sie es. Die wollen und können abstrakte Mathematik und nicht hingezweckte Textaufgaben.

  17. Seit Anfang 2018 befindet sich meine Petition (siehe Quelle) in der Mitprüfung.

    Der o. b Bericht ist eines von vielen Beispielen, die mich zur Erkenntnis geführt haben, dass das Schulwesen in Landesverantwortung von Anbeginn ein klarer Verstoß gegen Artikel 3 Grundgesetz ist, weil Schüler:Innen aufgrund ihrer bundeslandbezogenen Heimat und Herkunft bevorteiligt oder benachteiligt sind aber auch Lehrkräfte.
    Die eine Gruppe aufgrund der unterschiedlichen Lehrpläne, Schulformen und unterschiedlichen Qualifikationshintergründe des Lehrpersonals, die andere Gruppe aufgrund der unterschiedlichen Einstiegsvorraussezzungen, der unterschiedlichen Bezahlung trotz gleicher Leistung, der unterschiedlichen technischen und infrastrukturellen Unterstützung durch die landesherr:innen, der unterschiedlichen Möglichkeiten der Weiterbildung.

    All das, weil die Kultusministerkonferenz ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.

    Wer glaubt, nur Anpassungen bezüglich der Abschlussarbeiten machen zu müssen, der täuscht gewaltig.

    Das Schulwesen ist wie ein Haus.

    Das Fundament ist klassisch die Grundschule (Kindergarten leistet einen wichtigen und nicht zu unterschätzende Beitrag zur Vorbereitung auf die Grundschule)
    Wer also im Lehrplan einer Grundschule nicht bereits die ersten Schritte zum Abitur im Blick hat, vergeudet Zeit in der Auswahl und Besetzung von Schulklassen.

    Das Ziel muss sein, auf höchster Ebene Abiturient:innen zu generieren mit der Fähigkeit studieren zu können und nicht nur mit der Berechtigung dazu aufgrund eines Stück Papiers auf dem dann Abitur steht.
    Auf der Ebene darunter ist es die Aufgabe des Schulwesens, Absolvent:innen zu generieren, die die Fähigkeit haben, einen kaufmännischen oder anderen Beruf zu erlernen, der etwas mehr Denk-und Schreibarbeit erfordert, als ein rein handwerklicher Beruf (an alle Handwerker:innen, bitte nicht falsch verstehen, habe selbst vor hundert Jahren mal Kfz-Mechaniker gelernt und es nie bereut)
    Daneben muss das Schulwesen absolvent:innen generieren, die in der Lage sind, einen handwerksberuf zu erlernen.

    Wer also auf Biegen und Brechen ausblendet, dass ein Staat alle drei Gruppen an Absolvent:innen benötigt, um insgesamt zu funktionieren, beteiligt sich am systemischen Verfall.

    Fragen Sie sich einfach, warum es einen Mangel an Fachkräften im Handwerk oder im Gewerbe gibt.

    Weil die Politik in der Vergangenheit durch eine schleichende Reduktion von Anforderungen den Weg zu einem Abitur erleichtert hat.

    Bitte nicht falsch verstehen.
    Ich bin überzeugter Europäer, stehe ein für die freiheitlich demokratische Grundordnung, befürworte ohne wenn und aber die Diversität, so wie sie sich zeigt.

    Aber persönlich möchte ich, dass das Schulwesen mehr in Richtung Leistungsfähigkeit getrimmt wird.
    Persönlich möchte ich wieder Kopfnoten in den Zeugnissen sehen:
    Ordnung
    Mitarbeit
    Fleiß
    Betragen

    Warum?

    Weil das im Grunde auch eine Benotung der Eltern ist, wie diese ihre Kinder in diesen Tugenden erzogen bzw gefördert haben.

    Schulausbildung ist eine gemeinschaftliche Aufgabe zwischen Eltern, Schulen und Schüler:innen.

    Es kann also nicht sein, dass nur Lehrkräfte kritisiert werden von den Eltern oder nur Schüler benotet werden von den Lehrkräften.
    In den Kopfnoten benoten die Lehrkräfte im Grunde auch die Eltern.

    Und das ist auch gut so.

    Ob in diesem Großen Ganzen Mathearbeiten zu schwer oder zu leicht empfunden werden, das ist u a dadurch verständlich zu machen, weil der Weg zu diesem Test, zu diesem Gewerke bereits im Fundament auf Sand gebaut wurde.

    Quelle:
    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_01/_25/Petition_76370/forum/Beitrag_562323.$$$.einsprung.562323.html

  18. Ich bin absolut dagegen, durch die Bewertung von Tugenden auch die Eltern mitzubewerten. Schüler:innen, die das Pech hatten, ein Kind von schlechten Eltern zu sein, wird das für ihr Berufsleben an die Stirn geheftet und sie werden deswegen stigmatisiert und evtl. diskriminiert. Nicht jedes Kind hat das Glück, Eltern zu haben, die ihm diese Ideale vorleben. Dann muss ein in dieser Weise unterpriviligiertes Kind gegen deutlich größeren Widerstand versuchen, sich diese Tugenden anzueignen, während sie einem priviligierten Kind quasi schon in die Wiege gelegt wurden. Das verstärkt die Bildungsungleichheit und verschlechtert somit die Aufstiegschancen.
    Das Ziel des Abiturzeugnisses ist es nicht, alle an der Schulbildung beteiligten Parteien zu bewerten und zu kritisieren, sondern das Bildungsniveau und die Fähigkeiten des Schülers/der Schülerin zu bezeugen. Eine indirekte Bewertung der Eltern schießt somit mMn komplett am Ziel vorbei.
    Dazu kommt auch, dass das, was letztendlich von den Lehrkräften wahrgenommen wird, nicht zwingend dem entspricht, was wirklich los ist. Beispielsweise fällt im Unterricht auf, dass ein Schüler häufig müde und unkonzentriert ist. Eine Lehrkraft, die mit gewissen Voreinstellungen behaftet ist, wird zu dem Schluss kommen, dass der Schüler bis tief in die Nacht Computerspiele spielt, weil er der Schule keine ausreichende Priorität einräumt und sich auch im Unterricht lieber mit den Gedanken an die nächste Spielrunde als mit dem Unterrichtsstoff beschäftigt und sie wird ihn dementsprechend bewerten. In der Realität kann da aber mehr dahinterstecken: Vielleicht fordert ein Elternteil bis abends spät seine Aufmerksamkeit und er kann danach erst mit den Hausaufgaben anfangen und ist dann im Unterricht aufgrund von der Müdigkeit unkonzentriert. Vielleicht halten ihn Gedanken an vergangene traumatische Ereignisse nachts wach und hindern ihn tagsüber am Konzentrieren auf den Unterricht. Vielleicht hat er ein undiagnostiziertes Asperger-Syndrom und schafft es aufgrund von dessen Auswirkungen auf die exekutive Funktion abends nicht, von seinen Spezialinteressen abzulassen, während er sich im Unterricht wegen der vielen Reize im Klassenzimmer nicht auf die Aufgaben konzentrieren kann. Was die letzten drei Beispiele gemein haben, ist, dass er es genauso sehr versucht wie alle anderen, dass er genauso fleißig ist, aber dass er aufgrund von Faktoren, auf die er keinen Einfluss hat, nicht genauso weit damit kommt. Das weiß man aber bei der Schule nicht und gibt ihm eine schlechte Bewertung im Bereich Fleiß, was nicht nur falsch ist, sondern auch einen weiteren Faktor, der ihn am Erfolg hindert, darstellt. Klar, sowas soll der Schüler dann den Lehrkräften sagen, aber in der Realität wird er durch Stigmata, Scham, Unwissen oder Vorurteile der Lehrkraft daran gehindert.
    Es ist also nicht gut so.

    Klar, man kann den empfundenen zu hohen Schwierigkeitsgrad des Mathe-Abis darauf schieben, dass den Schüler:innen nicht schon ab der Grundschule die nötigen Fähigkeiten für die Vorbereitung auf eine 12 Jahre später erfolgende Abiturprüfung vermittelt wurden. Dass eines Tages in der Prüfung Aufgaben vorkommen würden, die in Englisch Wissen aus Erdkunde und in Mathe große sprachliche Kompetenz erfordern, konnte da aber keiner wissen. An den Grundschulen in Syrien, an denen manche der SuS, die jetzt Abi machen, unterrichtet wurden, konnte auch keiner wissen, dass es eines Tages so schlimmen Krieg geben würde, dass viele der dortigen SuS nach Deutschland fliehen und dort für ihren Abschluss gute Deutsch- und Englischkenntnisse benötigen würden. Die Welt ist einfach zu unvorhersehbar, als dass man 12 Jahre vor dem Abi schon die Aufgaben dafür und somit die für diese Aufgaben benötigten Kompetenzen festlegen könnte und die Schüler:innen schon ab der 1. Klasse genau darauf vorbereiten könnte, zumal die Schule in meinen Augen in erster Linie der Vorbereitung auf das Berufsleben und nicht der Vorbereitung auf die Abiturprüfung dienen sollte. Man sollte selbstverständlich an den Grundschulen und auch an den weiterführenden Schulen die für die Abiturprüfungen in den verschiedenen Fächern benötigten Kompetenzen kennen und die Schüler:innen dementsprechend vorbereiten, aber diese Kenntnisse sollten dann auch bei der Erstellung der Abiturprüfung respektiert werden. Dass das dieses Jahr nicht geschehen ist, ist nicht Fehler der Grund- und weiterführenden Schulen, und es darauf zu schieben, hilft den Abiturient:innen von 2021 nicht weiter.

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