SPD will Lehrer für Brennpunktschulen „gewinnen“ – durch ein Listenverfahren

13

DÜSSELDORF. Die nordrhein-westfälische SPD-Landtagsfraktion hat ein Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Lehrkräften vorgelegt, um auch die Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche abzufedern. Besonders die Brennpunktschulen bekämen nicht das notwendigen Personal, sagte der SPD-Bildungsexperte Jochen Ott am Montag. Durch ein neues Listenverfahren sollten Lehrkräfte diesen Schulen zugewiesen werden und auch deutlich höhere Zulagen bekommen.

Die SPD bläst zur „Jagd“ auf Bewerber für unbeliebte Schulstandorte. Foto: Shutterstock

Zugleich versuchte Ott Befürchtungen zu zerstreuen, die SPD wolle eine Zwangsrekrutierung von Lehrern in sozial benachteiligten Stadtteilen. Wenn Lehrer einmal an solche Schulen kämen, seien viele nach kurzer Zeit begeistert. «Aber diese große Einstiegshürde ist nun mal da.» Vorstellbar sei, dass junge Lehrkräfte zwei oder drei Jahre nach der Berufsausbildung an eine Schule mit besonders hohem Lehrermangel gingen. Eine Zwangsrekrutierung werde auf Dauer nicht erfolgreich sein. Schulleiter sollten ihre Teams auch selber aussuchen können.

Dem Studienabbruch in den naturwissenschaftlichen und technischen MINT-Fächern solle gezielt mit Anreizsystemen und finanziellen Fördermaßnahmen begegnet werden, heißt es weiter in einem SPD-Antrag für das Plenum. In den nächsten zehn Jahren fehlten in NRW fast 26 000 Stellen für Lehrkräfte in den MINT-Fächern. Bis 2025 fehlten mehr als 26.000 Absolventen für das Grundschullehramt fehlen.

Jedes Jahr bekomme das Finanzministerium Millionen Euro für nicht besetzte Lehrerstellen zurück, sagte Ott. 2019 seien es rund 226 Millionen Euro gewesen, 2020 sogar 266 Millionen Euro gewesen. Diese Ressourcen würden den Schulen vorenthalten. Das Lehramtsstudium müsse flexibler gestaltet werden, so dass Studenten nach dem Bachelor noch in verschiedene Masterstudiengänge für das Lehramt wechseln könnten.

Der Jugend- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School in Berlin sagte, die Corona-Pandemie habe «wie in einem Brennglas» die Schwachstellen im Schulsystem gezeigt. Fast 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen seien Studien zufolge in der Pandemie nicht nur leistungsmäßig, sondern auch sozial zurückgeblieben. Es sei eine Spaltung der Schülerschaft eingetreten: Einige hätten von der Pandemie profitiert, weil die Eltern sie unterstützen konnten, andere hätten nur Nachteile erlitten. Die Krise habe gezeigt, dass Familien und Schulen in ihrem Zusammenspiel systemrelevant seien. Schulen müssten stärker zu kommunalen und Quartierszentren werden. dpa

Personalmangel an Schulen spitzt sich zu – Schulleiter schlagen vor dem neuen Schuljahr Alarm: «Lehrer sind knapp wie Goldstaub»

Anzeige


13 KOMMENTARE

  1. Was ist denn ein „Listenverfahren“ ohne „Zwangsrekrutierung“ ? Wenn Lehrer nicht an die Brennpunktschulen wollen, weil sie ihre Nerven schonen wollen, dann helfen auch „Listen“ nichts. Und wenn nur die kommen, denen es ums höhere Einkommen geht, wird das wohl kein voller Erfolg werden.
    Unsere lieben verantwortungtragenden Politiker hätten wohl besser diese „Brennpunktschulen“ gar nicht erst entstehen lassen sollen. Vom Himmel sind die jedenfalls nicht gefallen. War man vielleicht in früheren Jahrzehnten etwas naiv bei solchen Fragen, gerade in der SPD? Nicht vergessen: Es war die neue Bundesregierung unter Willy Brandt, die genau gegen Ende der Gastarbeiterzeit für einen massiven Familiennachzug gesorgt hat. 10 Jahre früher hätte das Sinn gemacht, nach 1970 aber nicht mehr, denn es kam eine Zeit der Arbeitslosigkeit. Zusätzlich zu den deutschen Arbeitslosen gab’s dann noch zugewanderte. Und heute gibt’s (trotz relativer Vollbeschäftigung) Schulen mit über der Hälfte Hartz-IV-Anteil, wobei die Familien in gemütlichen Hochhäusern leben.

  2. Über Zuweisung kriegen sie Lehrer, die ansonsten keine Stelle gefunden hätten. Wenn diese Kandidaten die Stelle annehmen, kann man von einer sehr hohen Fluktuaton ausgehen. Wie hoch die Zulage ist, habe ich in dem Artikel nicht gelesen. Jedoch kann ich mir eine Größenordnung von 10% brutto von Arbeitgeberseite schon nicht mehr vorstellen. Für die Arbeitnehmerseite wäre eine Zulage von 10% bei vorhandener Alternative viel zu wenig.

  3. Also ich habe über zehn Jahre an einer sogenannten Brennpunkt Hauptschule in einer Großstadt gearbeitet und trauer ihr noch heute hinterher. Leider musste ich wegen Umzug die Schule wechseln, jetzt bin ich auf einer Gesamtschule aufm Dorf.
    Ich vermisse den Pragmatismus von Schulleitung und Kolleg:Innen, die Vielfalt und die vielen verschiedenen Kulturen.
    Hier aufm Land hat mich der überall vorhandene latente Rassismus und die Engstirnigkeit schon sehr erschreckt. Außerdem beobachte ich, dass vielen deutschen Eltern hier ihre Kinder eher egal sind.
    Muss man halt wollen. Als Ewig Gestriger kann man das halt nicht verstehen.

      • Zumindest sehr, sehr selten.

        Vielleicht auch ein Ausdruck von Frust, weil auf einmal fachlich anspruchsvoll unterrichtet werden muss und nicht mehr überwiegend der Sozialarbeiter im Lehrer gefragt ist.

        • Euch zwei ist nicht mehr zu helfen. Was nicht in Euer beschränktes Weltbild passt, glaubt ihr einfach nicht oder macht es nieder. Erbärmlich, einfach erbärmlich.

          • Nennen Sie doch einfach die Regionen, in denen Sie tätig waren bzw. aktuell sind. Ihre Geschichte klingt ohne weitere Belege eigentlich schon zu gut, um wahr zu sein. Ihr sehr aggressiver Kommentarstil macht die Geschichte nicht glaubwürdiger.

          • Bestimmt nicht lieber Georg.
            Das hat mit der Region überhaupt nichts zu tun. Ich muss dir hier doch nichts belegen, das wird ja immer schöner. Du stellst hier Mutmaßungen an und ziehst meinen Kommentar in Zweifel, das ist aggressiv und total unverschämt. Ob du mir was glaubst oder nicht, ist mir übrigens total egal.
            Vielleicht solltest du akzeptieren, dass nicht jeder so ist wie du selbst. Dann klappt’s auch wieder mit dem Mitmenschen.

          • In dem Fall müssen Sie sich bei einer so seltenen Geschichte und so einem Kommentarstil Skepsis gefallen lassen. Es hätten auch vergleichbare Regionen gereicht wie z. B. vom Ruhrgebiet in die Eifel. Ich hoffe allerdings, dass Sie bei Elterngesprächen im Gegensatz zu hier den notwendigen Anstand wahren.

          • Deine Art ist herzallerliebst Liebster Georg. Ich wünsche dir, dass du irgendwann jemand findest, der dich so liebt wie du bist. Werde deine Kommentare zukünftig ignorieren.

  4. Tja (…): Man kann halt jemanden aus dem Ghetto auf’s Land holen, aber nicht das Ghetto aus jemandem. Nennt man auch umgangssprachlich „abgestumpft“ (…). Übrigens: Jede Schulform kann Brennpunktschule sein!

    Und wenn einem das Klientel fehlt, einfach sich auf die Liste schreiben lassen, der Särgebauer-Clan findet bestimmt etwas, das angemessen „hart/ hart genug ist.

    back-2-topic: „deutlich höhere Zulagen“

    Besser bezahlte Lehrer erzielen also erst einen Lernerfolg bei Brennschulkindern?
    Andersherum: Schlechter/ Normal bezahlte Lehrer erzielen keinen Lernerfolg?

    Vielleicht sollten die Lehramtsanwärter sich dann nicht doch mal überlegen, ob der Job überhaupt richtig, für sie angemessen bezahlt ist. Oder?

Schreibe einen Kommentar zu Carsten60 Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here