Bund fördert Luftfilter in Bildungseinrichtungen mit 200 Millionen. Das reicht nicht!

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Die Bundesregierung will den Einbau mobiler Luftfilter in Kitas und Schulen mit 200 Millionen Euro fördern. Ein entsprechender Beschluss wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett gefasst. Das Geld soll den Ländern zur Verfügung gestellt werden. Bisher fördert der Bund nur den Einbau fester Anlagen. Das nun bereitgestellte Geld ist aber bei Weitem nicht genug, um bundesweit alle Klassenzimmer und Kita-Gruppenräume auszustatten. „Die zur Verfügung gestellten 200 Millionen Euro reichen nicht mal für einen Taschenventilator für jedes Kind“, ätzt der VBE Baden-Württemberg.

Im Winter wird’s in den meisten Klassenzimmern und Kita-Gruppenräumen wieder kalt werden. Foto: pxhere

«Wir haben heute im Kabinett einen wichtigen Beschluss für Schulen und Kitas getroffen», sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). «Wir stellen den Ländern Geld zur Verfügung, um diese finanziell bei der Beschaffung von mobilen Raumluftreinigern zu unterstützen. Gemeinsam mit den Ländern wollen wir damit einen Beitrag dafür leisten, den Präsenzunterricht und die Kinderbetreuung im Herbst und Winter auch bei Verschlechterung der Infektionslage aufrecht zu erhalten.»

Die Verwendung der Mittel solle über Verwaltungsvereinbarungen geregelt werden, hieß es. Der Förderanteil des Bundes betrage bis zu 50 Prozent. Die Beantragung der Mittel und die Durchführung der Förderung erfolge über die Länder. Antragsberechtigt seien Einrichtungen, in denen Kinder unter 12 Jahren betreut werden, weil ihnen in absehbarer Zeit kein Impfangebot gemacht werden könne. Das gilt auch für Schulen, die zugleich auch von älteren Kindern besucht werden – also auch für weiterführende Schulen.

Seit Mitte Juni können Schulen und Kitas Fördermittel für den Einbau von festen Luftfilteranlagen beantragen, wie das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mitgeteilt hatte. Die Förderung ist begrenzt auf Räume und Einrichtungen für Kinder bis 12 Jahren, da für diese Altersgruppe bisher kein Impfstoff gegen Corona zugelassen ist. Es gibt maximal 500.000 Euro je Standort. Dieses Programm hat sich allerdings als Flop erwiesen, wie News4teachers berichtet. Kein Wunder: Feste Anlagen lassen sich nicht mal eben in ein paar Wochen einbauen. Mobile Luftfilter hingegen, deren Wirksamkeit mittlerweile auch vom Umweltbundesamt anerkannt wird, lassen sich sofort platzieren und in Betrieb nehmen.

Mit dem Geld können bis zu 155.000 mobile Luftfilter beschafft werden – für 500.000 Klassenräume und nochmal so viele Gruppenräume

Angesichts der Maßgabe, dass 50 Prozent der Kosten vom Bund übernommen werden, könnten – entsprechende Anträge vorausgesetzt – mit den 200 Millionen Euro vom Bund und 200 Millionen von den Schulträgern beziehungsweise von den Bundesländern knapp 135.000 mobile Luftfilter angeschafft werden. Es gibt aber geschätzt 500.000 Klassenzimmer in Deutschland – plus womöglich ebenso viele Kita-Gruppenräume. Heißt: Die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland bleiben weitgehend ungeschützt vor Infektionen durch Corona-belastete Aerosole.

Einzige Schutzmaßnahme gegen möglicherweise Corona-belastete Aerosole für sie: offene Fenster. Im Betrieb wird, wie im vergangenen Winter, immer wieder stoßgelüftet werden müssen – es wird wieder kalt in den meisten Kitas und Schulen. Schulschließungen hatte das bekanntlich nicht verhindert.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hatte bereits am Sonntag – wie News4teachers berichtete – angekündigt, Bund und Länder arbeiteten an einem Programm für mehr Luftfilter in Klassenzimmern. Nachdem das Umweltbundesamt seine kritische Meinung gegenüber den Filtern geändert habe, würden die Länder nun beraten, wie man die Bundesförderung ergänzen könne, so verlautete der Kanzlerkandidat der Union in der ARD.

„Wir erwarten, dass Bund, Land und Kommunen die Bildungseinrichtungen in den Sommerferien sicher aufstellen“

Und das soll jetzt auch umgehend dazu führen, dass mobile Luftfilter in Kitas und Schulen kommen – wie der VBE NRW fordert. „Wir erwarten, dass Bund, Land und Kommunen die Bildungseinrichtungen in den Sommerferien für die Pandemie sicher aufstellen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Wibke Poth. „Die Strategie kann nur aus einem Bündel vieler Maßnahmen bestehen, der Einsatz von Luftfiltern ist eine davon. Dies können aber nur geprüfte und hochwertige Geräte sein, die von Fachleuten installiert und aufgestellt werden und deren Wartung auch langfristig sichergestellt ist. Hier sind Bund, Land und Kommunen gefragt, nachhaltig und zielgerichtet zu handeln, und zwar jetzt.“ News4teachers / mit Material der dpa

Sie haben uns ein Jahr lang hinters Licht geführt! Umweltbundesamt räumt plötzlich ein: Mobile Luftfilter in Klassenräumen helfen doch

 

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8 KOMMENTARE

  1. Ich schlage vor, die Arbeitgeber beteiligen sich mit weiteren 200 Millionen.

    Den Rest können die Bundesländer übernehmen.
    Schließlich ist Bildung und Schulausstattung LänderHoheit.

    • Wenn man bedenkt, wie viele Arbeitsausfälle es vermittelt durch Übertragungen in Schulen/Kitas geben wird, klingt Ihre Idee plausibel.

  2. Nachdem monatelang so breit Zweifel gestreut wurden, sind vermutlich nicht wenige (Kommunal-)Politiker gar nicht daran interessiert, ihre Schulen überhaupt mit Luftfilteranlagen auszustatten… Dann reicht das Geld locker für die paar, die ein Einsehen haben.

    Sorry, bin ziemlich desillusioniert! Zuviel Blablabla gehört seit März 2021. Und jetzt geht der tollste Wahlkampf los, ganz doll viele leere Versprechungen, die gar nicht eingehalten werden können.
    Hach ja…

  3. Es gibt weiterhin viel Gerede um Luftfilter und Taten erfolgen erneut nicht. Der Wahlkampf läuft und keine Verbesserungen sind in Sicht. Die Politik und KM betreiben schamlose Augenwischerei auf dem Rücken der Schulen, Schuleitungen, Lehrer, Schüler und deren Eltern. Die Politik und KM haben es immer noch nicht geschafft sich den Schulen gegenüber ehrlich zu machen.https://www.phv-bw.de/phv-bw-zum-thema-raumluftfilter-fuer-schulen/ Ein Armutszeuhnis von der Politik und KM

  4. Mitstreiter/innen gesucht für gemeinsame Klage für Luftfilter für alle Schulen und Kitas in Deutschland!
    Liebe News4Teachers Redaktion, liebes Forum,
    ich möchte eine gemeinsame Klage für den bestmöglichen Gesundheitsschutz für Kinder in Schulen und Kitas einreichen und suche möglichst viele engagierte Klägerinnen und Kläger um das gemeinsam durchzuziehen und ein starkes Signal auch an die Politik zu senden.
    Für eine Erstberatung konnte ich die renommierte Kanzlei Baumann aus Leipzig „gewinnen“, eine der Kanzleien, die erfolgreich die Klimaschutzklage vor dem Bundesverfassungsgericht durchgeführt haben.
    Wer möchte mitmachen?
    Ich weiß nur noch nicht, wie man sich „vernetzen“ kann…
    Hat jemand eine Idee?

    Tobias Schramm

    • @Tobias Schramm,klingt gut!Ich habe leider als Alleinerziehende keine finanziellen Mittel,werde aber hier vor Ort versuchen,Mitstreiter zu generieren.

  5. Luftfilter kann man einbauen, gerne. Wenn ich aber den Tenor dieser Publikation verfolge, geht es Euch um immer neue Forderungen, da Unterricht immer noch nicht sicher sei. Daher meine Frage: Warum redet Ihr erneuten Schulschließungen das Wort? Wir Eltern und Lehrkräfte sind geimpft. Jetzt gilt es das zu tun wofür wir da sind. Zunächst einmal die Schäden des Lockdown bei den SuS aufarbeiten.

    • Lieber Chris,

      sind wir damit angesprochen? Wir reden „erneuten Schulschließungen“ nicht das Wort – wir sind Journalisten, die Politik kritisieren (dafür sind Medien da) und dabei die wissenschaftliche und die schulpraktische Perspektive in die Debatte bringen. Solange WissenschaftlerInnen und Schul- bzw. KitapraktikerInnen begründete Kritik an konkreten Maßnahmen äußern, werden wir darüber berichten. Wenn breiter Konsens darüber besteht, dass die Kitas und Schulen unbedenklich ohne Einschränkungen arbeiten können – dann werden wir auch das berichten. Einen solchen Konsens sehen wir aber nicht.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

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