Kultusminister streicht Lehrerstellen, die angeblich gar nicht existieren („imaginäre Stellen“)

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Der im Haushaltsentwurf der niedersächsischen Landesregierung vorgesehene Wegfall unbesetzter Stellen vor allem im Kultusbereich soll den Schulbetrieb in Niedersachsen nicht beeinträchtigen. Wie das Kultusministerium in Hannover mitteilte, werde keine einzige Stelle gestrichen oder abgebaut, sondern ein ungenutztes Überhangvolumen zeitweilig gesperrt. Es handele sich gewissermaßen um «imaginäre Stellen».

Saß offenbar jahrelang auf ungenutzten Lehrerstellen: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Foto: Foto-AG Melle, derivative work Lämpel is licensed under CC BY 3.0

Bei den zusammengerechnet 1.300 Stellen im Kultusbereich gehe es um die Hälfte des Beschäftigungsvolumens, das in den letzten Jahren ungenutzt geblieben sei, hieß es. Gründe dafür seien die verstärkte Inanspruchnahme von Teilzeitbeschäftigung oder auch der Umstand, dass Stellenbesetzungen aufgrund des Lehrkräftemangels nicht vollzogen werden konnten. Dennoch wurden die entsprechenden Stellen bislang immer im vollen Umfang in den Haushalt eingestellt.

Die andere Hälfte der bisher ungenutzten Stellen, also 1300 freie Einstellungsmöglichkeiten, ständen weiterhin im Haushalt des Kultusministeriums bereit, erläuterte ein Sprecher. Auf die Einstellungsverfahren oder die Unterrichtsversorgung habe das keine direkten Auswirkungen. Es bleibe das Ziel, eine Unterrichtsversorgung von hundert Prozent zu erreichen. Ebenso solle der umfangreiche Zusatzbedarf an Personal, der durch das Ganztagsangebot und die Inklusion besteht, weiterhin abgedeckt werden. Neben den Stellen der ausscheidenden Lehrkräfte in 2022 stehen 1300 derzeit nicht besetzte Stellen weiterhin für Einstellungen zur Verfügung.

Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling bemängelte, dass das Stellenpotenzial nicht längst für eine Verbesserung des Bildungssystems genutzt worden sei. «In den letzten Jahren hat der Kultusminister immer wieder betont, dass im Haushalt zusätzliche Stellen geschaffen worden sind.» Nun müsse er einräumen, dass es sich um «Luftbuchungen» gehandelt habe. «Die Frage bleibt, warum diese Stellen nicht längst umgewandelt worden sind in multiprofessionelle Teams, mehr Schulsozialarbeit und zusätzliche Budgets für den Ganztag», sagte Försterling. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. Stellen erst imaginieren und dann vor den Augen des Publikums diese imaginären Stellen auflösen . – Houdini wäre beeindruckt.

  2. Kein Wunder, dass die Stellen nicht besetzt werden können. Einerseits bezahlen umliegende Bundesländer besser bei weniger Arbeitszeiten und andererseits haben zahlreiche niedersächsische Universitäten die ihre Lehramtsstudiengänge zusammengeschrumpft.

  3. „Imaginäre Stellen“ – Stellen, die nicht besetzt werden konnten, weil Lehrkräftemangel herrscht, und Stellen, die gar nicht erst ausgeschrieben werden, weil man vorab schon weiß, dass man sie nicht besetzen kann.

    Aber auf diese Weise muss man keinerlei Entlastungen umsetzen, die die Arbeitszeitkommission vor 3 Jahren angemahnt hatte, man kann ja besser weiterhin auf die fehlenden Lehrkräfte verweisen.

    Deshalb erteilen wir dann „imaginäre Stunden“ in den Schulen,
    das sind Stunden, die zwar in Erlassen benannt werden, den Schulen aber nicht zugeteilt werden, z.B. die Grundversorgung von 2 Std pro Woche pro Klasse für die Inklusion, die nicht in den Schulen realisiert wird, obwohl die SchülerInnen durchaus in den Schulen sind,
    die Stunden für Deutsch als Zweitsprache oder Alphabetisierung in der Zweitsprache, die nicht erteilt werden können, weil die Schule die Stunden beantragt und bewilligt bekommen hat, aber nicht genug Stunden erhält,
    die Stunden für Förderung bei LRS oder Dyskalkulie, Sportförderung, Begleitung beim Schwimmen…

    Alles Stunden, die sofort gestrichen werden, wenn es in der Schule eine Langzeitvertretung braucht, was auf Grund des Lehrkräftemangels und ohne notwendige Lehrkräftereserve ständig der Fall ist.

    Da gehen also die „imaginären Lehrkräftestunden“ wo auch immer hin, nicht aber in die Schulen, während der Finanzminister die Stellen streicht und der Kultusminister in seiner Fürsorge für die Lehrkräfte darauf verweist, dass Entlastungen nicht möglich sind und dass doch 90% der ausgeschriebenen Stellen besetzt wurden.
    Allerdings erfährt man nicht, was die Schulen der nicht besetzten Stellenausschreibungen nun machen und wie die Schulen die Not retten, für die trotz Bedarf nicht einmal ausgeschrieben wurde.

    Ob der Lehrkräftemangel erst auffällt, wenn die Kinder ohne Lehrkraft vor der Schule stehen bleiben müssen?
    Oder hat im vergangenen Jahr noch jemand bemerkt, dass es allein um Betreuung geht, wer braucht schon Unterricht?

    • Guter Kommentar, vielen Dank! Kleine Erweiterung in Bezug auf die Lehrkräfteausbildung an Unis und Hochschulen: Ihren Satz: „Oder hat im vergangenen Jahr noch jemand bemerkt, dass es allein um Betreuung geht, wer braucht schon Unterricht?“, könnten man hier leider auch anwenden: „Oder hat in den vergangenen Jahren noch jemand bemerkt, dass es allein um Betreuung der Studierenden geht, wer braucht schon professionelle Lehre und Forschung?“

  4. Hat der kleine Grant Hendrik mal wieder mit dem Rotstift gespielt? Eine große Fantasie hat er ja schon immer gehabt! Er kann sichere Schulen durch unsichere Maßnahmen imaginieren, sich vorstellen, dass Unterricht im Dauerdurchzug bei Kälte gesund ist und nun sogar fanasierte Stellen streichen, die aber eigentlich nur nicht besetzbar waren.

    Ich hoffe, er hat seine eigene gestrichen, denn so toll, wie er seinen Job macht, ist seine Arbeit auch nur Illusion!
    Könnte ihn bitte jemand aus dem Spieleparadies abholen, ehe er anfängt auch noch die Wände zu bemalen?

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