„Unterm Strich etwas weiter als im Sommer 2020“: Schulstart in drei Bundesländern

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Für Kinder und Jugendliche in drei Bundesländern geht er wieder los: Der Schulbesuch unter Corona-Bedingungen. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein starten schon an diesem Montag, Hamburg folgt am Donnerstag. Viele Klassenkameraden werden zusammentreffen, denn alle drei Länder starten mit Präsenzunterricht. Wie die Bundesländer den Neustart angehen.

In drei Bundesländern beginnt die Schule wieder in Präsenz. Foto: Shutterstock

Wie es weitergeht, wird von der Entwicklung der Corona-Zahlen abhängen – und die steigen derzeit stetig, wenn auch auf niedrigem Niveau. Weder Eltern- noch Lehrervertreter geben sich Illusionen hin. «Es wird absehbar auch im neuen Schuljahr wieder zu Wechsel- und Distanzunterricht kommen», sagt Sabrina Wetzel aus dem Vorstand des Bundeselternrats. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, betont: «Wir werden mit weiter steigenden Infektionszahlen rechnen müssen und werden deshalb auch noch über Monate hinweg Sicherheitsvorkehrungen brauchen.»

ZURÜCK IN DIE SCHULEN: Zum Schulstart dürften sich die Klassen füllen. Alle drei Länder starten mit Präsenzunterricht, auch wenn die Präsenzpflicht in der Hansestadt vorerst ausgesetzt bleibt. So können beispielsweise Schüler, die ein erhöhtes gesundheitliches Risiko tragen oder sich nicht testen lassen wollen, weiterhin zu Hause lernen.

MASKEN: Mund-Nasen-Bedeckungen sind auch im neuen Schuljahr ein vertrauter Anblick im Klassenzimmer. Hamburg bleibt bei der Maskenpflicht in den Gebäuden. Schleswig-Holstein hält für die ersten drei Wochen an der Maskenpflicht in Innenräumen fest, auf Schulhöfen fällt sie weg. Die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern müssen in den ersten beiden Wochen im Unterricht eine Maske tragen, später nur dann, wenn die landeseigene Corona-Warnampel, die sich aus mehreren Werten zum Infektionsgeschehen speist, Orange zeigt.

IMPFAKTIONEN: Schleswig-Holstein will älteren Schülern das Impfen leicht machen. Ab 19. August können sich laut Bildungsministerin Karin Prien (CDU) an den 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien die Schülerinnen und Schülern ab zwölf Jahren sowie alle Beschäftigten von mobilen Teams der Kassenärztlichen Vereinigung gegen das Coronavirus impfen lassen. Mecklenburg-Vorpommern will in der zweiten Woche mobile Impfteams für 16- und 17-Jährige in die Schulen schicken, zuvor soll der Bedarf ermittelt werden. Hamburg plant mobile Impfangebote zunächst nur für Berufsschüler.

TESTS: In Schleswig-Holstein und Hamburg gilt für Lehrer und Schüler gleichermaßen: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich zweimal pro Woche selbst testen. In Mecklenburg-Vorpommern müssen sich Schüler und ungeimpfte Lehrer zwei Mal pro Woche testen lassen. Lehrervertreter Meidinger würde sich Schnelltests eigentlich jeden Tag wünschen, mindestens aber drei Mal pro Woche. Elternvertreterin Wetzel mahnt, Tests müssten an den Schulen aber außerhalb der Unterrichtszeit durchgeführt werden. «So etwas frisst sonst jedes Mal eine Unterrichtsstunde.»

LERNLÜCKEN: Das Lernen unter erschwerten Bedingungen hat viele Schüler zurückgeworfen. Schleswig-Holstein versucht, die Lücken durch ein über das ganze Jahr laufendes «Lernchancenprogramm» zu schließen. Für schwächere Schüler wurden 20 000 Bildungsgutscheine bereitgestellt und davon bisher 1500 abgerufen.

In den Sommerferien gab es in Hamburg 1100 Ferienlerngruppen, die Schülerinnen und Schülern helfen sollten, pandemiebedingte Lernrückstände aufzuholen. Während das Angebot im vergangenen Jahr in den Sommer- und Herbstferien nur Schülern mit entsprechendem Bedarf offenstand, konnte es nun von allen genutzt werden. Die Behörde verlängerte das Projekt um weitere fünf Lernferien – bis Ende 2022.

Mecklenburg-Vorpommern will nach Angaben von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) in den ersten Schulwochen zunächst den Lernstand ermitteln. Beim Schließen von Lücken hofft das Land auf Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrer, die gebeten sind, in den Schulen zu unterstützen. Auch für private Nachhilfe gibt es Geld.

LUFTREINIGER: Über Chancen und Nutzen von Luftreinigungsgeräten und Anlagen wird weiter gestritten. Die Förderkriterien des Bundes seien sehr streng, merkt Schleswig-Holsteins Ministerin Karin Prien (CDU) an. Demnach kommen nur Räume infrage, die nicht oder schlecht belüftet werden können. Das bemängelt auch Lehrervertreter Meidinger, dem das Bundesprogramm zudem zu spät kam. Er fürchtet, dass von 650 000 Unterrichtsräumen in Deutschland zum Schulstart allenfalls jeder zehnte mit mobilen Raumluftfiltern ausgestattet sein wird.

Elternvertreterin Wetzel warnt vor allzu großen Hoffnungen. «Insbesondere stationäre Anlagen, die eventuell virenlastige Luft ab- und passiv neue Luft antransportieren, sind gut, aber auch aufwendig zu installieren.» Mobile Lüfter wiederum – die auch eine gewisse Lärmbelästigung mit sich brächten – müssten richtig platziert werden, zudem brauche es Beratung durch Fachleute. Ohne Masken, regelmäßiges Lüften und die Beachtung der Hygieneregeln werde es nicht gehen.

Hamburg drückt derweil aufs Tempo: Bis zu den am 4. Oktober startenden Herbstferien soll dort in jedem Unterrichtsraum eine Luftfilteranlage stehen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein Förderprogramm für Luftfiltergeräte und CO2-Messgeräte, wobei die meisten Schulträger auf Letzteres setzen.

DIGITALISIERUNG: Wetzel zieht eine gemischte Bilanz. «Leider ist die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten noch nicht so weit, wie sie sein sollte», sagt sie mit Blick auf das gesamte Land. Es seien längst noch nicht alle Gelder abgerufen und auch beim Wlan hapere es an manchen Schulen noch. Für Lehrer und Lehrerinnen brauche es verpflichtende Fortbildungen zum digitalen Distanzunterricht. Meidinger berichtet: «Die Lehrkräfte sind deutlich besser geworden im Umgang mit Videokonferenzen und digitalen Tools.» Er beklagt aber, knapp die Hälfte der Schulen habe immer noch kein schnelles Internet.

Unter dem Strich sei man heute etwas weiter als im Sommer 2020, findet Meidinger. «Im Vergleich zur Lage vor einem Jahr haben wir heute mehr Instrumente wie Schnelltests, um die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen.» Wetzel wünscht sich für das neue Schuljahr, dass Behörden nicht pauschal über Schulschließungen entscheiden. «Manche Schulen haben sehr gute Schutzvorkehrungen, andere nicht – das sollte eine Rolle spielen.» Von Martina Herzog, Martin Fischer, Iris Leithold, Wolfgang Schmidt, dpa

Aktualisiert am 30.7.2021, 14.48

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11 KOMMENTARE

  1. Die Minister schauen sich das in diesen drei Bundesländern mal an, bevor sie am 10. beraten, um für NRW ab dem 17. das zu beschließen, was ohnehin schon feststeht:

    Volle Präsenz, Test- und Maskenpflicht unabhängig von den Infektionszahlen, höchstens bei extremer Ausbreitung kurzzeitig lokaler Wechselunterricht.

  2. Das wird leider so kommen . Und damit die Schulen nicht sofort wieder schließen müssen , möchte Joachim Stamp nur noch Infizierte in Quarantäne schicken . Die symptomlosen Lehrer und Schüler werden Delta dann weiter verbreiten . So bleiben die Schulen 2 Wochen länger auf . Dann ist aber eh Feierabend .

  3. Genauso ist es in Bbg ab dem 09.08.
    Wichtiger wäre doch zu erfahren, ob die Quarantänebestimmungen so bleiben, denn dann sind ganz schnell viele SuS wieder zu Hause. Beim Kurssystem gibt’s dann wieder viel Extraarbeit für uns, weil ja immer nur ein Teil der SuS in Präsenz ist (noch nicht positiv getestet) während der Rest digital bespaßt werden muss (positiv bzw. in Quarantäne). Gerne auch mehrmals in schneller zeitlicher Abfolge bis die vollständige Durchseuchung erreicht ist.

  4. Das klingt doch alles recht vernünftig und ausgewogen, die Mitte sozusagen zwischen hysterischer Panikmache und leichtsinniger Sorglosigkeit.

    DANKE !!!

  5. Was für ein Quatsch das testen eine ganze Unterrichtsstunde fressen soll.
    Die Schüler/innen sind inzwischen so geübt darin das geht Zack zack.
    Ich teile aus und wenn ich bei den letzten angekommen bin sammle ich den Müll bei den ersten ein und kann dabei schon mal gucken.
    Dann Unterricht machen und nach 15 Minuten noch mal gucken – alles klar!!

    Das ist doch besser als Wechsel oder gar Distanzunterricht

    • Genau, so ist es. Wir hatten im Haus ein Testzentrum und in spätestens 15 min waren alle meiner großen Klasse durch. Bei Einführung der Testpflicht hatten wir am Anfang, als der Wechselunterricht losging, bei 500 Grundschülern einen Fall positiv herausgefischt, dann hatten wir nie einen Fall, obwohl wir bei höherer Inzidenz dreimal wöchentlich und später bei Inzidenzen unter 35 zweimal wöchentlich getestet hatten. Bei uns sind alle Lehrer geimpft, die es wollten und das ist die große Mehrheit. Erkältet waren die Schüler immer wieder, das war ungewöhnlich zur Sommerzeit, die brachten aber immer vom Arzt einen negativen Test mit, als sie wieder in die Schule kamen. Außerdem wurden sie bei uns auch nochmal getestet.
      Ohne Test durfte eh keiner die Schule besuchen. Die Maskenpflicht im Klassenzimmer und im Schulgelände – auch im Freien – wurde in Bayern unverhältnismäßig lange aufrecht erhalten, denn die galt unabhängig von den Inzidenzen für ganz Bayern.

  6. Ergänzen möchte ich noch Folgendes: In SH fällt das Kohorten-Prinzip in den Pausen komplett weg. Ab Montag laufen zeitgleich 350 Schüler*innen ohne Maske über den Pausenhof. Die armen Pausenaufsichten. Wie soll denn verhindert werden, dass sich Kinder unterschiedlicher Klassen zu nahe kommen? Es ist überhaupt nicht mehr nachvollziehbar wer mit wem Kontakt hatte. Auch gut! Dann wird einfach keiner in Quarantäne geschickt und alles läuft normal weiter? Ich freue mich auf Montag …

    • Die Kinder in SH dürfen sich in den Pausen doch mischen, das muss die Aufsicht ja gar nicht verhindern!
      Und Quarantäne gab es bei uns schon seit Oktober NUR für Infizierte.
      Weder bei infizierten Kindern noch Lehrern wurden Kontaktpersonen getestet noch in Quarantäne geschickt.
      Das Testen geht inzwischen auch bei den Kleinen schnell. Positive Tests gab es in der Schule nicht. Allerdings wurden einige Kinder dann nachmittags beim Schnelltest, der gemacht werden musste, wenn die Kinder eine Bescheinigung brauchten, positiv getestet ( durch PCR bestätigt). Da wir inzwischen selbst Bescheinigungen ausstellen müssen falls gewünscht, wird das auch nicht mehr passieren.
      Luftfilter werden vom Schulträger abgelehnt, solange ein Raum Fenster oder Lüftungsklappen hat.
      Alle Lehrer bei uns sind geimpft, außer denen, die noch als Genesen gelten.
      Wenn Eltern ihre Kinder vom Präsenzunterricht befreien lassen wollen, brauchen sie nun ein ärztliches Attest, das amtsärztlich bestätigt werden muss. Außerdem muss eine 4seitige schriftliche Vereinbarung zwischen den Eltern und Lehrern ausgefüllt werden, die alle Details des Distanzlernens individuell regelt.

      Ich sehe also für einen durchgehenden Präsenzunterricht in diesem Schuljahr gute Chancen.

  7. „Demnach kommen nur Räume infrage, die nicht oder schlecht belüftet werden können.“

    Ich frage mich, warum man diesen Satz immer wieder zu lesen bekommt. Solche Räume sollten auch ohne Corona bestenfalls als Abstellkammer genutzt werden.

    Zum Merken für Politiker:

    A: LUFTFILTER filtern Viren aus der Raumluft

    B: FENSTER oder Lüftungsanlagen sorgen für Frischluft

    B ist ZWINGEND, auch ohne Pandemie. In der Pandemie kommt A dazu. A kann B aber nicht ersetzen. Räume, bei denen B nicht gegeben ist, muss man also einfach sperren.

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