Start Digitale Bildung Hoffnung oder Drohung? Berlin kündigt ein eigenes zentrales Schulportal an

Hoffnung oder Drohung? Berlin kündigt ein eigenes zentrales Schulportal an

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BERLIN. Berlin soll ein zentrales Schulportal bekommen. Es ist für Schulen, Schulaufsicht, Schulträger, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern gedacht, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung der «Digitalisierungsstrategie Schule» sagte, die die Bildungsverwaltung in einer mehr als 40-seitigen Broschüre zusammengefasst hat. Das Portal unter www.schulportal.de soll das zentrale Mittel für die Digitalisierung der Schulen sein. Einige Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, hatten in der Vergangenheit große Probleme damit, eigene Schulportale zu entwickeln.

Ein Schulportal ist eine komplexe Angelegenheit – Berlin wäre nicht das erste Bundesland, das sich daran verhebt. Illustration: Shutterstock

An der digitalen Ausstattung Berliner Schulen hat es schon viel Kritik gegeben. Gerade in der Corona-Pandemie, als während der Schulschließungen digitaler Unterricht unverzichtbar war, traten die Schwachstellen schnell zu Tage. Viele Lehrkräfte waren überfordert, die zentrale Plattform Lernraum brachte Eltern und Schüler zumindest an einzelnen Tagen zur Verzweiflung. Manche Kinder und Jugendliche hatten gar nicht die Möglichkeit, ins Internet zu gehen.

Das neue Schulportal wird laut Scheeres viele verschiedene Angebote bündeln, etwa die dienstlichen E-Mails für Lehrkräfte zum Beispiel. Auch von Pädagogen entwickelte Lehrmaterialien sollen dort zu finden sein, beispielsweise Lernprogramme für Mathematik und Fremdsprachen, das Videokonferenzsystem Big Blue Button und ein sogenanntes digitales Assessment-Center, mit dem Lernstandserhebungen online durchgeführt und ausgewertet werden können.

Die derzeit zentrale Plattform für digitalen Unterricht in Berlin, der sogenannte Lernraum, ist bereits Bestandteil des neuen Portals. Auch die Lernplattform itslearning, mit der viele Berliner Schulen arbeiten, hat dort ihren Platz.

Die gesamte Digitalisierungsstrategie Schule soll Scheeres zufolge bis 2025 umgesetzt sein. Sie nannte dabei zwei Hauptziele: Eine verlässliche digitale Infrastruktur für die Schulen und die Förderung digitaler Kompetenzen beim pädagogischen Personal und den Schülern. Dazu zählt für sie auch die Verpflichtung, sich entsprechend fortzubilden.

Die Pläne für solche Schritte sind älter als die Corona-Pandemie. Die Erfahrungen in dieser Zeit hätten der Digitalisierung aber noch einmal einen Schub gegeben, sagte die Senatorin. Zusätzliche IT-Kompetenz komme im Übrigen auch über manche Quereinsteiger, die vorher an Hochschulen oder bei IT-Unternehmen gearbeitet hätten, in die Schulen.

«Das hat das Land Berlin aber gut gemacht, wenn auch mit technischen Schwierigkeiten an der ein oder anderen Stelle»

Der Präsident der Technischen Universität und Sprecher des Landesbeirats Digitalisierung, Christian Thomsen, bescheinigte erste Fortschritte. Viele andere Länder seien mit Blick auf digitalen Unterricht bereits weiter gewesen. «Deutschland hat erst mit der Pandemie intensiv damit begonnen», sagte Thomsen. «Das hat das Land Berlin aber gut gemacht, wenn auch mit technischen Schwierigkeiten an der ein oder anderen Stelle.»

Der Professor lobte unter anderem die einheitlichen E-Mail-Adressen für Berliner Lehrkräfte und nicht zuletzt auch die Absicht, Serviceangebote und Technikberatung an den Schulen auszubauen, damit Lehrerinnen und Lehrer bei Problemen mit Routern, Rechnern und Breitbandzugängen nicht alleine gelassen werden.

Scheeres räumte ein, dass noch viel zu tun sei, es sei aber auch schon viel passiert. Dazu zählen für sie die 51.000 Tablets, die während der Corona-Pandemie an Schülerinnen und Schüler ausgegeben wurden. Das soll es aber noch nicht gewesen sein: Laut der SPD-Politikerin sollen alle Berliner Schülerinnen und Schüler in den nächsten fünf Jahren mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.

Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, warf der Bildungssenatorin vor, erst 18 Monate nach Beginn der Pandemie und geschlossener Schulen darüber nachzudenken, wie digitales Lehren und Lernen funktionieren könnte. Stettner bemängelte außerdem fehlende konkrete Zeitvorgaben für bestimmte Ziele. «Wir fordern vom rot-rot-grünen Senat weniger schöne Worte und lange Texte, sondern Umsetzung.»

Der Bildungsexperte der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf, sagte, eine «Digitalisierungsstrategie Schule» aufzusetzen, sei ein enorm wichtiger Schritt. Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonal und Eltern seien mehr denn je auf eine reibungslose Digitalisierung angewiesen. «Es ist zu hoffen, dass es hier nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt.» News4teachers / mit Material der dpa

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9 KOMMENTARE

  1. Wo sind die seit langem versprochenen digitalen Endgeräte für LuL? Wann bekommen alle Klassenräume meiner Schule (Berlin) endlich Internet in allen! Klassenräumen (ebenfalls seit Monaten versprochen)? Wann werden die Smartboards (immerhin schon geliefert) endlich angebaut und angeschlossen? Letzteres dauert, da Handwerker fehlen. In Zukunft werden noch mehr ausgebildete Handwerker fehlen auf Grund unseres fantastischen Bildungssystems. Leere Versprechungen schaffen keine gute Bildung und Ausbildung. Langsam beschleicht mich der Verdacht, unsere Politiker glauben, ein dummes Volk regiert sich leichte. Es genügt ihnen eine kleine Elite an Privatschulen gut zu bilden. Hoffentlich bekommen sie nicht die Rechnung dafür zu den anstehenden Wahlen!

    • „Zusätzliche IT-Kompetenz komme im Übrigen auch über manche Quereinsteiger, die vorher an Hochschulen oder bei IT-Unternehmen gearbeitet hätten, in die Schulen. […] Der Professor lobte unter anderem die einheitlichen E-Mail-Adressen für Berliner Lehrkräfte und nicht zuletzt auch die Absicht, Serviceangebote und Technikberatung an den Schulen auszubauen, damit Lehrerinnen und Lehrer bei Problemen mit Routern, Rechnern und Breitbandzugängen nicht alleine gelassen werden.“

      Das Serviceangebot reicht nicht aus! Wenn schon neben den Geräten die Infrastruktur, wie WLAN, defizitär ist, sollte zumindest stellentechnisch Nägel mit Köpfen gemacht werden. 1 – 2 volle Supportstellen an jede Schule, je nach Größe. Gemeint sind Mitarbeiter*innen, die sich, wie am Beispiel Dänemark, ausschließlich um den Support von ICT bei Lehrer*innen UND Schüler*innen kümmern. Das kann und darf nicht mehr nebenbei laufen – das dürfen nur zusätzliche Kontingente sein, die von mir aus auch gerne mit Quereinsteiger*innen besetzt werden können.

      Jede halbwegs funktionierende Firma hat einen solchen IT-Support, weil er das Herzstück der Digitalisierung darstellt und die Leistungsfähigkeit des Systems erhöht, was gleichbedeutend mit der Wettbewerbsfähigkeit am Markt ist.

      Das größte Problem liegt aber m. E. ganz woanders. Und zwar in den Netzwerkverbindungen. Wir bauen die tollsten Schiffe mit den raffiniertensten Funktionen und liegen die meiste Zeit auf dem Trockendock, weil kein Wasser da ist. Der Auftrag geht an die Bundesregierung, das zu beheben, was vor 40 Jahren verbockt wurde. Sorgt endlich für verlässliches Internet in unserem Land und sorgt dafür, dass nicht ein einzelner Konzern mit dieser Struktur Monopole aufbaut, die letztlich allen schaden (nur nicht der Firma). Der verzockte Aufbau mit Glasfasernetzen und schnellem Internet für alle ist überfällig!

      Das hat übrigens auch was mit Bildungsgerechtigkeit zu tun und passt prima zum Thema ‚Privatschulen‘ …

  2. Wenn man zugrundelegt, wie erfolgreich das Berlin mit dem Administrationstool für SuS und LuL hinbekommen hat, würde ich sagen, Drohung. Au weia.
    Es ist ja so wie immer: gute, benutzerfreundliche und durchdachte Software kostet und im Bildungsbereich ist immer alles billig billig und mit heißer Nadel gestrickt.

  3. Tja, Berlin ist die Blaupause für eine gelungene Transformation im Bildungsbereich ;-). Zum Thema Administrationstool: Nicht die Software ist das Problem sondern die Leute, die mit dem Tool arbeiten! Die können es einfach nicht.

  4. In der Broschüre zur Vorstellung der Neuköllner Grundschulen steht bei etlichen Schulen der Satz „Unsere Schule ist kreidefrei.“
    Donnerwetter, da scheint ja eine rasante Digitalisierung im Gange zu sein.
    Überdies kam mein Mann, Lehrer in Berlin, vorgestern mit einem Surface Go 2 von der Schule nach Hause. Das Type Cover war auch dabei. Das Gerät war für eine Anmeldung mit einer Senbjs-Adresse vorbereitet. Man kann es kaum glauben.
    Kürzlich wurden die schon 7 Jahre lang schief hängenden unbeweglichen Jalousien an der Schule entfernt. Neue gibt’s nicht, dann müssen die Kinder halt genau hingucken, wenn das Smartboard grell beleuchtet wird. Südseite halt.
    Dit is Berlin.

    • „Dit is Berlin“ und bald in ganz Deutschland! Unser Regierender Müller will sich ja, nach der Wahl, im Bund für Bildung und Wissenschaft engagieren. Ick freu mir drauf! (Ironie) – zum Glück ist das mein letztes Schuljahr.

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