Hürde beim Deutschlernen: Gendern ist kniffelig für Migrantinnen und Migranten

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KARLSRUHE. Mal sind es Lehrer*innen, mal SchülerInnen, dann wieder Manager_innen und Teilnehmer:innen. Beim Gendern im Deutschen gibt es keine klare Linie. Nicht mal die klare Ansage, dass es gemacht werden soll. Wie erklärt man das Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen?

Wie sollen Migrantinnen und Migranten verstehen, wie sie gendern sollen – ohne allgemeingültige Regeln? Illustration: News4teachers

Gendern ist nichts für Anfänger, sagt Natascha Krüger. Erst in den höheren Deutsch-Kursen tauche inzwischen mal ein Gendersternchen auf, sagt die Dozentin an der Volkshochschule (VHS) Karlsruhe. «Sprachlich ist das das i-Tüpfelchen auf C1.» Wer dieses Sprachniveau erreicht hat, soll lange Texte und implizite Bedeutungen verstehen können und spontan fließend reden. Ist also sehr weit.

Seit Jahren wird in Deutschland diskutiert, wie die männlichen Formen in der Sprache durch weiter gefasste Begriffe ersetzt werden – um Frauen, aber auch etwa Transmenschen einzubeziehen. Das Gendersternchen wie bei Lehrer*innen ist eine Möglichkeit. Manche setzen an die Stelle auch einen Doppelpunkt oder einen Unterstrich.

Krüger ist froh, dass das sogenannten Binnen-I inzwischen oft ersetzt werde. In gedruckten Texten wie den Unterrichtsmaterialien gleiche das große I einem kleinen L. Wörter wie KundInnen seien für Nicht-Muttersprachler daher schwer zu lesen, sagt die Lehrerin.

«Da muss man es nicht noch komplizierter machen, als es für Nicht-Muttersprachler sowieso schon ist»

Die VHS nutzen laut Sprecherin Beatrice Winkler in der Regel die weibliche und die männliche Form zusammen – also Schülerinnen und Schüler – oder Partizipkonstruktionen wie Studierende. «Um es nicht noch schwerer zu machen, als es eh schon ist», sagt Winkler. Die Grammatik stecke schließlich voller Tücken. Und gerade feminine Formen seien schwieriger, ergänzt Krüger. «Da muss man es nicht noch komplizierter machen, als es für Nicht-Muttersprachler sowieso schon ist.» Zumal sich selbst die Deutschen nicht einig sind beim Gendern.

Für die Lernenden wären klare Regeln einfacher, sagt auch Dejan Perc, Vorsitzender des Landesverbands der kommunalen Migrantenvertretungen Baden-Württemberg. Bei den verschiedenen Formen situativ die richtige zu wählen, sei kaum möglich, und ebenso wenig, das korrekt zu lernen. «Es wirft ja auch Fragen auf, wie Trennungsregeln aussehen. Steht da der Doppelpunkt am Ende einer Zeile und es geht mit innen weiter?»

Ein Thema, das eine ganze Branche betrifft, die sich mit Deutsch als Fremdsprache befasst. Das Goethe-Institut etwa macht die Details im Unterricht vom jeweiligen Sprachniveau abhängig: «Wir bereiten unsere Sprachkursteilnehmer*innen mit unserem Unterricht darauf vor, die tatsächlich in Deutschland verwendete Sprache zu verstehen», erklärt Sprecherin Viola Noll. Ab einem bestimmten Niveau gehörten dazu regionale oder fachsprachliche Eigenheiten sowie die verschiedenen Formen des Genderns. Das Lernen einer Fremdsprache sei immer komplex. «Unsere Erfahrung ist: Wer unregelmäßige Verben gemeistert hat, der versteht auch schnell, was ein Gendersternchen bedeuten soll.»

Der Ernst Klett Sprachen Verlag aus Stuttgart achtet nach eigenen Angaben darauf, alle Personengruppen gendergerecht anzusprechen. Grundlage seien Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung und dessen Leitfaden zu gendergerechter Schreibung. «Da wir bei den Lehr- und Lernmedien besonders unsere fremdsprachlichen Zielgruppen berücksichtigen müssen, versuchen wir nicht laut lesbare Formen wie Unterstrich, Sternchen, Binnen-I oder Gender-Gap zu vermeiden, um eine gute Lesbarkeit zu gewährleisten», erläutert Sprecherin Adriana Akin. Die geschlechtergerechte Schreibung dürfe das Erlernen der geschriebenen deutschen Sprache keinesfalls zusätzlich erschweren.

«Im Bildungsbereich sind wir bei der Verwendung von Formulierungen an die amtliche Rechtschreibung gebunden»

Ähnlich hält es der Cornelsen Verlag, der einen Leitfaden für einen gendersensiblen Sprachgebrauch in Cornelsen-Werken erstellt hat. «Im Bildungsbereich sind wir bei der Verwendung von Formulierungen an die amtliche Rechtschreibung gebunden und können neue Schreibformen zur Bezeichnung von mehr als zwei Geschlechtern nicht nutzen», erklärt Sprecher Sven Haedecke. In aktuellen Werken würden genderneutrale binäre Formulierungen genutzt: beispielsweise bei Arbeitsaufträgen, wenn die Lernenden direkt adressiert werden.

Bei Deutsch als Fremdsprache gehe es aber auch um das Vermitteln von Landeskunde. Daher werde in Texten gelegentlich die Formulierung für diverse Geschlechter – wie «m, w, d» in abgedruckten Stellenanzeigen – genutzt, um die derzeitige sprachliche Vielfalt zu verdeutlichen.

Ob Genderstern, Binnen-I oder Schrägstrich: Ein großes Thema sei das bei den Deutschschülern und -schülerinnen eher selten, berichten die Befragten allesamt. Probleme scheint es also deswegen keine zu geben.

Es könne aber in Kursen durchaus ein Anlass sein, tiefer über damit verbundene Aspekte wie Gleichstellung zu sprechen, sagt Krüger. Gesprächswert habe zum Beispiel immer wieder, wenn im Buch ein Hausmann oder eine Müllfrau auftauche. Perc geht zudem davon aus, dass das Thema künftig eine größere Rolle spielen wird: «Das scheint eine Generationenfrage zu sein.» Vielen jüngeren Menschen mit Migrationsgeschichte sei es wichtiger, mitgenannt zu werden, sagt er. «Es hat für sie einen hohen Stellenwert, dass Sprache diverser wird.» Von Marco Krefting, dpa

Von Schülern zu „Lernenden“: Wie viel geschlechtergerechte Sprache braucht die Schule?

 

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46 KOMMENTARE

  1. Doppelpunkt: Um ehrlich zu sein, finde ich den neuerdings verwendeten Doppelpunkt die schlechteste Lösung. Warum? Der Doppelpunkt hat als Satzzeichen eine andere Funktion. Man stelle sich einen Text vor, mit normalen Doppelpunkten und Gender- Doppelpunkten. Das verwirrt doch nur und sieht optisch komisch aus.
    Stern: Ein Stern heißt ja eigentlich, dass hier noch etwas eingefügt wird, was unten steht. Das finde ich auch nicht optimal.
    Unterstrich: Der Unterstrich ist doch relativ neu – den könnte man verwenden, wenngleich er sehr auffällig ist.
    Die bisher geschilderten Varianten wirken wie Anhängsel und nicht wie etwas Eigenständiges.

    Ich selbst bevorzuge das Binnen -I, für mich sprachlogisch, da man hier die 2. Möglichkeit durch die Großschreibung eines Buchstabens deutlich kennzeichnet und hier eine optische Gleichberechtigung schafft ohne als Anhängsel (wie bei den anderen Genderkennzeichnungen) zu wirken. Das würde ich jetzt auch nicht der besseren Lesbarkeit opfern. Man gewöhnt sich dran.

    Ansonsten schreiben wir eben: Lehrer- und Lehrerinnen.

    • @ysnp

      „Unterstrich: Der Unterstrich ist doch relativ neu – den könnte man verwenden, wenngleich er sehr auffällig ist.“
      Das gilt nur für maschinell erstellte Texte.
      In der Handschrift-Variante ist das – je nach individueller Handschrift – dann nur schwer oder gar nicht zu unterscheiden, also untauglich.

    • Das Binnen-I läuft mir auch schneller von der Hand, es tippt sich am einfachsten, finde ich, ist sicher aber auch eine Frage der Gewöhnung.
      Allerdings ist es in vorgelesenen Texten nicht hörbar, weshalb wohl auf den Doppelpunkt ausgewichen wurde. Dieser lässt sich auch als Lücke in Sprachbeiträgen wahrnehmen.

      • Die gendersprachlichen Begriffe der Coronaleugner*innen, Mörder*innen, Mitarbeitervertreter*innen bedeuten ebenso wie alle anderen schriftsprachlichen, gendersprachlichen Begriffe keine inhaltliche Spracherweiterung .
        Auffallend in den Sprachkommentaren aller öffentlich zugänglichen Nachrichtenportale ist deren fehlende Anwendung.
        Warum ist das wohl so ? Diese Wort-Neuschöpfungen sind negativ besetzt .

  2. Die deutsche Sprache ist auch so schon schwer genug zu lernen. Dann muss man sich mit den Befindlichkeiten einer lautstarken Twitterblase nicht noch weitere Baustellen ins Land holen. Der durchschnittliche afrikanisch-arabischer Flüchtling interessiert sich für Genderismus noch viel weniger als für die Gleichberechtigung oder -stellung der eigenen Tochter.

  3. Gendern erschwert nicht nur den Spracherwerb von Nichtmuttersprachlern. An Berufsschulen ist es z. B. eine wahre Herausforderung, den Schülern die geltenden Rechtschreibregeln beizubringen, Gendern ist eine Hürde mehr. Gendersprache entwickelt sich immer mehr zu einem Idiom für die Bildungselite, die andere Gruppen der Sprachgemeinschaft benachteiligt und als ‚moralisch minderwertig‘ stigmatisiert. Soviel zum Thema Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle.

    • „Idiom für die Bildungselite“
      Dabei ist es doch das leidenschaftliche Anliegen jener „Bildungselite“, für eine „Bildungsgerechtigkeit“ und für „Chancengleichheit“ zu sorgen, indem man rot-rot-grün wählt. Allein das Wort „Elite“ ist dabei schon verdächtig. Man glaubt nicht, eine „Elite“ zu sein, sondern man hat einfach das „richtige“ politische Bewusstsein, so wie bei der 1968er Studentenbewegung auch. Dann wird bekanntlich alles gut.
      Da gibt es „Lifestyle-linke“ und „Lifestyle-grüne“ Akademiker-Ehepaare mit zusammen über 10.000 € Monatseinkommen, die ganz stolz auf ihr korrektes Gendern im Sinne der Chancengleichheit sind. Sie fühlen sich als Avantgarde eines neuen Sozialismus.

  4. Niemandem scheint aufzufallen, dass diese Art des Genderns mit der Zweiteilung auch als Diskriminierung für den „Regenbogen“ bzw. das dritte, vierte usw. Geschlecht interpretiert werden könnte. Wenn man aber dafür Bezeichnungen sucht, wird’s wirklich kniffelig. 🙂 Dafür gibt’s das schöne „Lehrerx“, das nur leider niemand aussprechen kann. Bei Ausschreibungen von Stellen steht deshalb auch schon vorsorglich immer m/w/d, und im Computer der Personalabteilung wird das gewiss vermerkt. Ob Leute mit einem „d“ das dann als Diskriminierung empfinden, scheint unbekannt zu sein. In Statistiken über Schüler, Lehrer, Studenten usw. gibt’s jedenfalls immer nur zwei Spalten, auch PISA definiert die geschlechtsbedingten Disparitäten international nur zwischen m und w und ignoriert d vollkommen.
    Eine andere Alternative wäre die Einführung des Englischen als obligatorische Sprache in Europa, weil die meisten Begriffe für m/w/d ohnhin dieselben sind (Ausnahme: King vs. Queen, was wäre das dritte?). Aber weil dann ja niemand mehr gendern kann, ist das vielleicht bei den Aktivistx gar nicht so erwünscht.

  5. Die Kernproblematik in der Debatte um vermeintl. geschlechtergerechte Sprache ist die Ideologisierung derselben.

    Und um das klarzustellen: Prinzipiell kann ja im privaten Bereich und der freien Wirtschaft (z.B. bei N4T) jeder machen, was er will. Ungeachtet dessen erachte ich, der ich tendenziell linksliberal bis liberal links vermeintl. geschlechtergerechte Sprache aber nicht als progressiv, sondern im Gegenteil als das Resultat einer essenziell reaktionär-ideologischen Verzerrung von Sprache, die ggü. der Intention einer Zunahme von Gerechtigkeit kontraproduktiv ist und diese konterkariert. Und ja, das ist mein copy & paste-ceterum censo für solche Gelegenheiten:

    Neben grammatischen Argumenten (Genus vs. Sexus; Partizip I etc.) existieren weitere Gründe gg. die Verwendung „geschlechtergerechter“ Sprache, mindestens jedoch gg. den Zwang zur Nutzung derselben: Die historisch-genetische Sprachentwicklung/-geschichte, Semantik, Sprachästhetik, Sprachökonomie, Probleme der einschlägigen Forschung zu vmtl. reduzierter ‚Sichtbarkeit‘ dank nicht-inkl. Sprache (d.h. die mangelnde empirische Fundierung des Phänomens),* die Existenz des generischen Femininums, (’natürlicher‘) Sprachwandel vs. präskriptivem Oktroyismus und generell ökonomische Kosten (mehr Zeichen kosten bspw. ggf. mehr Geld) und i.w.S. soziale Kosten** des Letzteren. Die Frage, warum man gendern sollte, ist ja der Knackpunkt. Gendern tropediert den Kommunikationsprozess grammatischer, semantischer und ästhetischer Unzulänglichkeiten einerseits und (sprach-)ökonomischer und sozialer Kosten andererseits. Was bleibt also als Argument für die Nutzung vermeintl. geschlechtergerechter Sprache und insb. als Argument für einen Zwang zu Dgl.? M.M.n. nicht viel… nur die mglw. falsch verstandene Rücksichtnahme auf die idiosynkratischen, oft emotional-irrationalen und regelmäßig ideologisch aufgeladenen Befindlichkeiten einiger (lautstarker) weniger. Mithin exponiert das Gendern eher Unterschiede, kann als reaktionär wahrgenommen werden und ist damit dem skizzierten Ziel der Inklusion ggü. kontraproduktiv (hier auch ein Hinweis auf einschlägige Kommentare von Nele Pollatschek).

    Die Problematisierung des generischen Maskulinums als vermeintl. nicht exklusiv wird vom Gros der dt. Sprachanwender berechtigterweise nicht mitgegangen, weil die Problematisierung desselben ein gewisses Mindset, vulgo einen (ideologischen) Bias i.V.m. der Negierung der grammatischen sachlich-faktischen Ebene erfordert und im ausschl. Rekurs auf (mit Rekurs auf die eigene Geschlechtsidentität als Maxim identitätspolitisch motivierte) idiosynkratische Befindlichkeiten funktioniert, die es nicht schaffen, Bedeutung als ‚objektives‘ Problem zu erlangen: Die Proponenten des Genderns posutlieren, dass durch das generische Maskulinum alle Menschen, die keine biologischen Cis-Männer sind, marginalisiert würden. Diese Marginalisierten möchten sprachlich mehr Beachtung finden…
    … diese finden mit dem generischen Maskulinum aber faktisch exakt dieselbe Beachtung, wie alle anderen Menschen auch – das Problem ist mit dem Streben nach „mehr Beachtung“ unbewusst klar benannt. Dass man durch das generische Maskulinum faktisch weniger beachtet würde, wenn man kein Cis-Mann ist, verfängt nicht, so dass hier „mehr“ auch denklogisch nicht eine Angleichung an das Beachtungsniveau meinen kann, sondern im Endeffekt in einer Exponierung von Unterschieden mündet, die – ich wiederhole mich – ggü. dem Anliegen, mehr soziale Gerechtigkeit (die abermals nicht dasselbe ist, wie Gleichberechtigung) zu produzieren, kontraproduktiv ist.
    Das Agitieren gg. das generische Maskulinum wirkt halt im besten Fall linguistisch unsensibel bis uninformiert, für subjektives Empfinden hypersensibilisiert (s. die immer wiederkehrende Verwechslung von Empathie mit Mitgefühl und den Anspruch, mehr oder weniger bedingungslos affirmativ ggü. diesem Empfinden zu sein) u./o. (evtl. auch gruppenbezogen) egozentrisch… oder einfach nur wirr, wie ein Streitgespräch, bei dem A eine eigtl. unmissverständliche Äußerung von B vollkommen verzerrt und falsch als Angriff interpretiert und im Furor einen unbremsbaren Wutanfall bekommt.

    Die Debatte ist damit geprägt von…

    …. (a) einerseits unfundierten Präsuppositionen (vulgo: Ressentiments) über die Intentionen derjenigen, die vermeintl. geschlechtergerechte Sprache ablehnen, bspw. dass die Ablehnung von Gendern in Wahrheit weniger salonfähige Motive (z.B. eine gewisse Minderheitenfeindlichkeit) kuvrieren würde oder dass diese Ablehnung seitens Frauen das Resultat internalisierter Misogynie, gewollter Selbstabwertung o.ä. ihrerseits wäre. Andererseits wird vermeintl. geschlechtergerechte Sprache als bewusst menschenfreundliche Sprache inszeniert, so dass die Ablehnung von Gendern nur noch menschenunfreundlich sein könnte; non sequitur!

    … (b) unfundierten Axiomen (Stichwort: Das Gespenst des Patriarchats) i.V.m. einer idiosynkratischen (und kontrafaktischen) Gefühligkeit (Bsp.: Man fühlt sich vom generischen Maskulinum nicht mitgemeint, marginalisiert, devalviert etc., wo dies alles faktisch nicht der Fall ist). Zum Ausdruck kommt das bspw. in regelmäßigen Bekundungen, dass einige Proponenten des Genderns das generische Maskulinum ja auch als etwas Negatives begreifen, als Ausdrucksform eines ominösen Patriarchats.

    Beides resultiert in einer kontraproduktiven Emotionalisierung der Debatte, denn wer Debatten i.w.S. arbiträren Idiosynkrasien preisgibt, also die Gefühlsebene der Sachebene voranstellt, ja letztere gar verächtlich macht, entkoppelt sie von einer nüchtern-rationalen Perspektive, öffnet sie für subjektive Deutungshoheiten und macht sie letztlich arbiträr. Deshalb ist diese Gefühligkeit auch bereits ohne die ideologische Verzerrung problematisch, bei jedem mehr oder weniger öffentlich diskutierten Thema (bzw. Thema mit sozio-/kulturpolitischer Bedeutung). Ja, das kann man als akademisch-kalte Betrachtungsweise bezeichnen, ich kann da aber nichts erkennen, das negativ wäre, resultiert doch aus dem Geschriebenen, dass diese Betrachtungsweise eben entideologisiert, ohne unfundierte Präsuppositionen, Implikationen, Axiome etc. auskommen soll – das ist nicht menschenunfreundlich, das ist nüchtern. Und mithin: Der Elfenbeinturm ist auf der Gegenseite zu verorten, also dort, wo die Maxime der Primat der (subjektiv empfundenen) Betroffenheit ist und (ideologischer) Bias nicht mehr kritisiert und dekonstruiert wird, sondern valide scheint, auch wenn er im Extremfall nicht mehr von Egozentrismus differenzierbar ist und [un-]bewusst die menschlichen Bedürfnisse aller anderen Menschen ignoriert und nur auf eine gewisse Schnittmenge mit anderen ‚Betroffenen‘ hoffen kann; egal wie die Menschen sich damit fühlen, sie haben gefälligst die Meinung aus dem Elfenbeinturm zu akzeptieren.

    Die Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache schaffen es nicht, das generische Maskulinum als valides Problem zu positionieren, weil sie es (aus naheliegenden Gründen) nicht schaffen, allen anderen ihre ideologische Brille überzustülpen. Warum auch sollte man biasbasierten Partikularinteressen entgegenkommen, wenn sich bei nüchterner Betrachtung außerhalb verzerrter Wahrnehmung i.V.m. falschen / fehlerhaften Präsuppositionen, Axiomen und Co. kein Problem ergibt? Wenn ich morgen um die Ecke komme und gerne hätte, dass es justiziabel wird, mich nicht mit meinem akademischen Grad anzusprechen, weil ich mich diskriminiert fühle und meinem Ggü. unterstelle, er wolle durch die Vermeidung der Gradnennung mich diskriminieren, dann ist das erstmal mein Problem, das i.d.R. auch nicht in der Welt der Fakten verankert sein wird.
    Das erinnert mich an Theisten, die es nicht verstehen, dass Menschen nicht nicht an ihren Gott glauben oder Kommunisten, die nicht verstehen, dass andere nicht bei ihrem ‚Klassenkampf‘ mitmachen wollen (weil die jeweils anderen die entsprechenden unfundierten Vorannahmen eben nicht mitmachen). Es ist schon klar, dass das generische Maskulinum für die Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache problematisch ist (und dass man argumentieren könnte, dass es ein Problem ist, dass Menschen mit dem generischen Maskulinum ein Problem haben), aber ich möchte (kontrafaktische) Gefühligkeit, subjektive Deutungshoheiten und Co. ungern zur Maxime meines (und erst recht nicht staatlichen) Handelns machen.
    Sicher, man kann den Standpunkt vertreten, dass man niemandem irgendwie auf den Schlips treten, dass man maximale Konfratationsvermeidung praktizieren möchte (was sich mit dem Beharren auf Gendern natürlich beisst), weil sich ja niemand schlecht fühlen soll etc., egal wie unnachvollziehbar das ausschlaggebende Fühlen ist, ob es bspw. auf Missverständnissen oder komplett falschen Annahmen basiert, reine Ideologie oder komplett arbiträr ist – aber ich nehme ja auch nicht auf religiöse Gefühle von Menschen Rücksicht, den Verschwörungsglauben der Aluhutfraktion o.ä.; warum sollte ich? Ich muss jetzt nicht jeden dem ich begegne in den Grundfesten seiner Selbstwahrnehmung erschüttern, aber prinzipiell sehe ich mich den Idealen der Aufklärung und der Perpetuierung unserer pluralen, säkularen (ja, eine Wunschvorstellung, ich weiß…), freiheitlich-demokratischen Grundordnung, dem Humanismus und der Progression zum Zwecke der Verbesserung der objektiven Lebensumstände der Menschen verpflichtet, da schmerzt dann schon, wenn entsprechender Druck aufgebaut wird, sich doch bitte Irrationalitäten zu beugen.

    Und dass das nichts mit einem immer wieder vorgeworfenen Empathiemangel o.ä. zu tun – ich bin halt nicht Teil einer Echokammer. Warum sollte man eine vermeintl. bessere Alternative für das generische Maskulinum finden wollen bzw. im Zugzwang ggü. den Proponenten einer vermeintl. geschlechtergerechten Sprache sein? Das generische Maskulinum ist bereits de facto inklusiv. Wenn man als Proponent vermeintl. Geschlechtergerechter Sprache das eigene Problem nicht so vermitteln kann, dass es ein gewisses Maß an Intersubjektivierbarkeit erlangt, dann ist das Problem vielleicht gar kein Problem?!

    Im Gegenteil: Trotz unzähliger (redundanter) Versuche ist es den Proponenten des Genderns bislang komplett misslungen, überhaupt irgendwelche Vorteile des Genderns außerhalb eines essenziell reaktionären Ziels oder außerhalb der Psychohygiene von Personen zu skizzieren, die ein irrationales, nicht (über die eigene Blase hinweg) intersubjektivierbares Problem mit dem generischen Maskulinum (auch ganz dezidiert entgegen des faktischen Bedeutungsgehalts desselben) haben (das empirische Fundament des oft postulierten dritten Nutzens, des vermeintl. ‚Sichtbarmachens‘, wird im Folgenden infrage gestellt).

    Und btw: Wenn ich jetzt an aktive Versuche soziopolitischer/-kultureller Sprachgestaltung denke, fällt mir (Abseits von Plansprachen und fiktionalen Beispielen eines J. R. R. Tolkien) echt kein Beispiel ein, das in mir nicht fragwürdigste Assoziationen evoziert. Ich finde solche Bestrebungen, insb. wenn dort Zwang (ob direktem oder indirektem) irgendwie das Wort geschrieben/geredet wird, vielmehr sehr erschreckend (sorry für Godwyn, aber ich habe da spontan die Lingua Tertii Imperii, den Sprachgebrauch der KPdSU und – doch ein fiktionales Beispiel – G. Orwells Neusprech im Kopf).

    * Ganz interessant in diesem Zusammenhang: „Im Gegensatz zum Geschlecht der Befragten erwies sich die Einstellung der Befragten zu geschlechtergerechter Sprache als relevante Moderatorvariable [….].: Die Sprachversion hatte primär dann einen Einfluss, wenn die befragte Person eine positive Einstellung besaß. Dieser Befund ist insbesondere deshalb interessant, da er nahelegt, daß Änderungen in der gesellschaftlichen Einstellung zum Gebrauch geschlechtergerechter Sprache bzw. ausschließlich generisch maskuliner Formen zu unterschiedlichen Interpretationen des generischen Maskulinums führen können“ [Stahlberg, Dagmar; Sczesny, Sabine (2001). Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen. Psychologische Rundschau, 52, 131-140, hier: S. 138]. Das ist eine Variable, die ich im Gros der einschlägigen Forschung vermisse. Sie demonstrierte, ohne jetzt die m.E. evidenten methodischen Defizite z.B. der Studie insb. hinsichtlich ihrer Operationalisierungen zu diskutieren (Stichwort: Konstruktvalidität) und auch ungeachtet dessen, dass die absoluten Messwerte zwischen den Versuchs- und Kontrollgruppen ggf. zwar statistisch signifikant divergieren, aber wohl kaum einen substanziell signifikanten Unterschied markieren und die Demonstration rein statistisch signifikanter Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppen ohnehin nicht sehr brauchbar erscheint (was ist bspw. mit den Effektstärken, bevor wir überhaupt beginnen, die Ergebnisse zu interpretieren und diese dann vielleicht sogar zu diskutieren?), das Folgende: Das generische Maskulinum wird erst dann zum Problem, wenn wir es zu einem machen… das individuelle Mindset scheint das Problem zu sein.
    Ich habe dafür einen anderen Namen: Bias. Wenn sich eine Person durch Verwendung des generischen Maskulinums per se persönlich verletzt, angegriffen o.ä. fühlt(!), weil sie sich (bspw. dank eines ideologischen Bias, der darin eine Ausdrucksform des Patriarchats sieht) exkludiert fühlt(!), wo diese Exklusion und erst recht eine verletzende, angreifende o.ä. Intention aber de facto nicht existiert (und das generische Maskulinum per definitionem inklusiv ist), ist dieses Fühlen sachlich nicht fundiert, ohne diesen Bias undenkbar. Das zeugt nicht von einem Mangel an Empathie i.e.S. oder der Unfähigkeit zu empathischem Nachvollziehen, dafür muss man sich lediglich denktheoretisch-emotional in die entsprechende Biasperspektive hineindenken. Diesem Empfinden muss und sollte m.E. aber – im Rekurs auf meine Kritik an die Ideologisierung der Debatte –, insb. in einer öffentlichen Debatte / einem öffentlichen Diskurs, u.U. mit Bezug auf eine anonyme Masse (anstatt im direkten, ggf. freundschaftlichen Gespräch), kein Mitgefühl (mit dem Empathie regelmäßig fälschlich synonymisiert wird), keine Affirmation, Sympathie, ja Rücksichtnahme o.ä. evozieren, warum auch? Ich kann mich auch in das Mindset eines Reichsbürgers hineindenken und dessen Gefühle und die biasbasierten Ursachen derselben empathisch Nachvollziehen, Mitgefühl gibt es trotzdem nicht, im Gegenteil.

    ** Anekdote am Rande aus diversen persönlichen Gesprächen mit befreundeten Betroffenen etc.: Es gibt bspw. nicht wenige in der pen & paper-Rollenspielbranche auf Autoren- und Verlagsebene, die sich über massivsten (oft kampagnenartigen) Druck und Anfeindungen (ad hominem) beklagen, wenn sie nicht gendern. Und aus eigener Erfahrung: Nach meinem Drittstudium hätte man mir Notenpunkte abgezogen, hätte ich für meine zweite Staatsexamensarbeit keine geschlechtergerechte Sprache genutzt.

    tl:dr
    Es gibt keine strapazierbaren Gründe für das Gendern.

    • Nein, es gibt tatsächlich „keine strapazierbaren Gründe für das Gendern“, sondern nur ideologische.
      Danke, PaPo für Ihren für Ihren sachgründlichen Kommentar!

  6. Das Problem ist, dass die Verwendung von „Schülerinnen und Schüler“ grundsätzlich unsinnig ist, da mit dieser Verwendung der Unterschied zwischen dem natürlichen und dem grammatikalischen Geschlecht geleugnet wird. „Der Leichnam“ ist genau so wenig zwangsweise männlich, wie „die Leiche“ zwangsweise weiblich ist.

    Es gibt zwar in der deutschen Sprache durchaus Fälle, wo Genus gleich Sexus ist. Das ist zum Beispiel „Damen und Herren“, „Bruder und Schwester“, „Onkel und Tante“, „Großvater und Großmutter“ und ähnliches. Und nicht zu vergessen fast alle Begriffe mit „innen“ am Ende. Hier werden ausschließlich Personen weiblichen Geschlechts gemeint. Man kann also sagen, es werden Frauen einzig und allein auf ihr Geschlecht reduziert. Denn: Wenn ich sage „Ich kaufe mir beim Bäcker eine Breze“, spielt es überhaupt keine Rolle, welches Geschlecht der Bäcker hat. Es ist einfach völlig unerheblich. Wichtig ist, dass man Brezen bekommt und dass die schmecken und vielleicht noch zu einem fairen Preis verkauft werden. Wenn ich aber sage „Ich kaufe mir bei der Bäckerin eine Breze“ wird der weibliche Bäcker auf sein Geschlecht. welches für den Beruf völlig unerheblich ist, reduziert. Wie nennt man das heute so schön? Achja, „Sexismus“.

    Genau so schlimm sind die Konstruktionen mit dem Partizip I. Ein sterbender Studierender ist jemand, der beim Studieren, studierend also, stirbt. Ein sterbender Student hingegen kann dem Tod beim Essen, beim Gendern, beim Schlafen, beim Streiten, kurz gesagt, bei jeder beliebigen Aktivität begegnen. Wer also Studenten als „Studierende“ bezeichnet, zerstört die schönen Möglichkeiten der deutschen Sprache und macht sie ärmer.

    Es gibt keinen sachlichen Grund zum Gendern. Die einzig geschlechtergerechte, nicht diskriminierende Form ist das sogenannte „generische Maskulinum“. Kein „innen“ und kein Partizip I und schon gar keine Kunstsprache mit irgendwelchen Sonderzeichen, die durch unterschiedliche Verwendung nur verwirren. Wie schrieb sogar die taz am 3.7.2021 so treffend: “Die angeblich diskriminierungsfreie Sprache ist nicht nur antifeministisch und sexistisch, sie ist auch diskriminierend.” Dem ist nichts hinzuzufügen.

      • …die Gärtin, bitte! Soviel Zeit muss sein!

        In Vorlesungen oder ähnlichem nutze ich die weibliche und männliche Form (natürlich nur, wenn es um Personen geht) meist abwechselnd… sorgt für Gerechtigkeit, ist knapp und bleibt aussprechbar.

        • @Jan aus H

          Die „Gärtin“ wäre nur konsequent und zeigt schon gut das eigentliche Problem (, das wird eine große Freude für alle, die Deutsch – vielleicht als Fremdsprache lernen), wobei sich ja auch noch trefflich über die Ääääh-Pünktchen streiten ließe …
          Grüße von einem Autofahrenden. – Nein, keine Sorge, in diesem Moment nicht, ich bin jetzt gerade ein Tastatur-Tippender und beides zugleich geht ja nicht. …

        • Dann passen Sie aber bitte ganz besonders auf, dass Ihre Autokorrektur nicht noch beim Absenden „Gärtnerin“ draus macht.
          Dann wär aber was los auf Metoo

          • Übrigens gefällt mir die Tatsache, dass damit jetzt auf einmal die Verrichter und Ausführer der ungeliebten Arbeiten wieder weiblich werden, weit weniger: Geschirrspülerin, Staubsaugerin,…
            Passte mir bisher ganz gut, dass wenigstens das von einem männlichen Part erledigt wurde 😉

          • @Caro 11. August 2021 um 09:09

            Trefflich beobachtet, aber:
            O oh!
            Wenn sich das auch noch rumspricht …!
            (Ist schon blöd, dass man die Dinge nicht wenigstens dann zu Ende denkt, wenn sie so richtig wichtig sind.)
            😉

    • „Es gibt keinen sachlichen Grund zum Gendern. Die einzig geschlechtergerechte, nicht diskriminierende Form ist das sogenannte „generische Maskulinum““

      Ist das so?

      Wer legt das fest?

      Wenn in den Vorständen zu gleichen Teilen Frauen sitzen und Vorsitzende sind, können wir vielleicht über eine allgemein gültige Form sprechen, die dann alle gleichermaßen inkludiert.

      Bis dahin wird es notwendig sein, Frauen und andere Nicht-Maskuline als solche in der Sprache sichtlich in Erscheinung treten zu lassen.

      • Wenn in den Vorständen das Geschlechterverhältnis bei Mitgliedern und Bewerbern übereinstimmt, hat man gleichermaßen inkludiert. Da sich allerdings erfahrungsgemäß sehr viel mehr Männer als Frauen für Vorstandsjobs bewerben, ist eine Gleichteilung eine Benachteiligung der Männer. Nach derselben Logik müssten Sie dann auch eine Gleichteilung bei Gefängnisinsassen und Kanalarbeitern fordern.

      • Wenn Sie Nicht-Maskuline explizit in der Sprache in Erscheinung treten lassen wollen, dann bitte konsequent, also auch Corona-Leugner*innen, Impfgegner*innen, Täter*innen, Terrorist*innen, Sadist*innen, Raser*innen, usw.

        Und was die Frauen in Vorständen (oder auch Parteiämtern, Ministerien, Bundestag etc.) angeht: Da sollte definitiv Chancengleichheit herrschen. Das ist aber nicht automatisch gleichbedeutend mit Zahlengleichheit. Solange es z.B. in den Parteien (selbst bei den Grün*innen:innen, bei denen Frauenthemen zu den wichtigsten Themen überhaupt zählen, und die als einzige Partei eine Bevorzugung von Frauen in ihren Regeln haben) viel weniger Mitgliederinnen (w/d) als Mitglieder (m) gibt, obwohl Frauen und Männer die gleichen Rechte haben, in Parteien einzutreten, kann man nicht fordern, dass in den entsprechenden Ämtern (mindesten) so viele Frauen wie Männer sitzen: Das ist das Gegenteil von Chancengleichheit, auch wenn es als genau diese angepriesen wird.

      • Nein, das ist nicht notwendig! Ich habe mich als „Nicht-Maskuline“ von der Sprache nie ausgegrenzt gefühlt und alle Frauen, die ich kenne auch nicht. Alle schütteln nur den Kopf.
        Warum sprechen für uns Frauen immer Leute (insbesondere Feministinnen), die bessere Frauenversteher sein wollen als die große Masse selbst. Das nenne ich ideologische Bevormundung unter dem Deckmäntelchen von „Gleichstellung“ bzw. „Gleichberechtigung“.
        Ich und viele andere Frauen wollen zu ihrem „Glück“ nicht gezwungen werden. Ist das so schwer zu verstehen?

      • Papo, ein großes Danke für ihren umfassenden Kommentar.
        Ja Palim, es ist so, denn diese merkwürdigen Sprachkonstruktion stören und erschweren den Sprachfluss und die Kommunikation untereinander in einem nicht unerheblichen Maße.
        Diese neusprachlichen Ausdrucksformen werden vom Großteil der Bevölkerung nicht verstanden, die konstruierte Problematik wird von der Mehrheit nicht verstanden und auch das ernannte Ziel der geschlechtergerechten Sprache nicht als solches verstanden, dass in der Lage wäre, deren wirtschaftliche und soziale Situation zu verbessern.
        Es sind wieder die Lampenputzer am Werk, die sich aus ihrem Elfenbeinturm heraus in die Öffentlichkeit heraustrauen, um ihre elitären Ideen in die Welt hinauszutragen.
        Die gewachsenen grammatikalischen Strukturen zielen nicht auf die Ausgrenzung von Frauen oder von Minderheiten ab, sondern sie entspringen sprachentwicklungsgeschichtlich bedingten Ausdrucksformen.

      • @ Palim:
        Zu Ihrer Frage: „Wer legt das fest?“
        Bitte lesen Sie doch meinen Beitrag v. 10. August 2021 um 11:42 Uhr, der sollte Ihre Frage hinreichend beantworten.

        Sie schreiben außerdem: „Wenn in den Vorständen zu gleichen Teilen Frauen sitzen und Vorsitzende sind, können wir vielleicht über eine allgemein gültige Form sprechen, die dann alle gleichermaßen inkludiert.“ Ich mahce Ihren thematischen Sprung von vmtl. geschlechtergerechter Sprache zu Quoten-/Paritätsregelungen einfach mal mit und antworte Ihnen mit einem weiterem (umfassenden) ceterum censeo…

        Parität ist nicht gleich Gleichberechtigung.

        Der Begriff Gleichberechtigung impliziert bereits, dass die Frage, ob wir Gleichberechtigung haben oder nicht, primär eine rechtliche Frage und eine Frage dessen ist, ob dieses Recht konsequent realisiert wird. Die Gleichberechtigung garantiert hierzulande der Art. 3 GG. Das einzelne Personen/Personengruppen einschlägig rechtswidrig handeln (z.B. der sexistische Unternehmer, der Frauen nciht einstellt, weil sie Frauen sind), stellt aber nicht die Faktizität der Gleichberechtigung in Frage. Mord ist auch nach § 211 StGB strafbar, dass wird doch nicht dadurch negiert, dass es trotzdem Mörder gibt. Gleichberechtigung(!) ist eben nicht erst hergestellt, wenn wir eine allumfassende Etablierung eines egalitären, diskriminierungsfreien Mindset in den Köpfen der Menschen, bei dem im sozialen Miteinander Kategorien wie gender, sex, Ethnie, Alter etc. keine Rolle spielen sollen, erreicht haben, sondern für den rechtlichen Aspekt irrelevant.

        Ungeachtet der (im Folgenden skizzierten) verfassungsrechtlichen Probleme sind weitere fundamentale Falschannahmen der Paritäts- und Quotenproponenten, (a) dass letztlich ausschl. eine 50:50-Geschlechterparität, u.a. auch expl. ungeachtet des tatsächlichen prozentualen Geschlechterverhältnisses in der betroffenen Institution, gerecht bzw. Indikator einer faktischen Gleichberechtigung sei, (b) dass i.d.S. ein höherer Anteil von Frauen in (Führungspositionen der) Unternehmen einfach mal pro forma mit höherer Gleichberechtigung der Geschlechter synonymisierber wäre (je mehr Frauen, desto mehr Gleichberechtigung bzw. desto geschlechtergerechter etc.) und (c) dass für jede qualifizierte Person des einen Geschlechts eine identisch geeignete Person des anderen Geschlechts existere (was umso unrealistischer wird, je höher die notwendigen Qualifikationsanforderungen werden). Nimmt man bereits eines dieser Probleme als gegeben, werden Frauenquoten bestenfalls selbstzweckhaft, eher aber kontraproduktiv, weil sie neue Ungerechtigkeiten gleicher Couleur erzeugen… und ich würde sagen, alle drei Probleme sind im aktuellen Diskurs gegeben.

        Frauenquoten haben mit Gleichberechtigung nichts zu tun, sondern mit verfassungswidriger Gleichstellung und Priorisierung (s.u.). Deutsche Landesverfassungsgerichte kassierten bereits zwei Mal evident verfassungswidrige Paritätsgesetze (in Thüringen und Brandenburg) als… ja, welche Überrachung, verfassungswidrig. Dass das heutzutage überrascht, sollte einem zu Denken geben.

        Tatsächlich irritiert, dass bspw. (a) im Fall des Paritätsgesetzes in Brandenburg ausgerechnet die örtliche Landtagspräsidenten (Ulrike Liedtke) als ein Spiritus Rector des Gesetzes auftrat, dies vehement vor Gericht verteidigte und als Vorstand der demokratischen Legilsative eines Bundeslandes fabulierte, dass angesichts des Umstands, dass die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind, „die gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen ein demokratisches Gebot“ sei (eine eindrucksvolle Demonstration fehlender demokratischer Bildung), sowie dass in Thüringen (b) eine praktizierende Anwältin und Hochschullehrerin für Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht (Silke Laskowski) ausgerechnet Art. 3 Abs. 2 GG als Gebot(!) einer Parität interpretiert und dass (c) selbst eine ehem. Verfassungsricherin (Renate Jaeger) offenbar eine Gleichberechtigung gem. Art. 3 Abs. 2 GG sprachlich und infolgedessen auch semantisch mit einer Gleichstellung synonymisiert – der Kardinalfehler dieser Debatten:

        (I.) Das GG gebietet lediglich eine Chancengleichheit (d.h. Gleichberechtigung) der Geschlechter, keine Ergebnisgleichheit (d.h. Gleichstellung)!

        (II.) Auch Satz 2 der Norm („Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“) kann unter grammatischer, teleologischer und rechtssystematischer Analyse der Norm nicht als Legitimation forcierter Ergebnisgleichheit interpretiert werden: Die Beseitigung bestehender Nachteile kann gem. Wesensgehaltsgarantie (s. Art. 19 Abs. 2 GG) nicht die verfassungsrechtlich illegitime Bevorzugung wegen des Geschlechts sein, denn die Förderung der Durchsetzung der Gleichberechtigung darf unter keinen Umständen den Kern von Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 Satz 1 GG verletzen.

        (III.) Nach rechtssystematischer Analyse verstößt ein Paritätsgesetz aber definitiv gg. Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und insb. gg. Art. 3. Abs. 3 Satz 1 GG: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes […] benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Eine Frauenquote ist aber eine verfassungswidrige Bevorzugung von Frauen (resp. Benachteiligung von Männern) des Geschlechtes wegen. Dies wäre auch der Fall, protegierte man einer Frauenquote von 50 % bei einem parteininternen Frauenproporz von ebenfalls 50 %. Das ist nicht in einer Demokratie geboten, sondern allenfalls in der französischen Nationalversammlung des 18. Jahrhunderts (Stichwort: Ständewesen). Das Problem wird aber umso evidenter (und für jedermann auch ohne dezidierte Expertise nachvollziehbar), je niedriger der tatsächliche Frauenproporz ist (s. aktuell bspw. bei der CDU, die einen Frauenanteil von ca. 26 % hat).

        (IV.) Ungeachtet dessen ist auch ein quantitatives Ungleichgewicht der Geschlechter innerhalb einer Partei nicht hinreichend für die Attestierung „bestehender Nachteile“ für das mindervertretene Geschlecht, will man in diesem Fall nicht bspw. das Gespenst des Patriarchats in Form von innerparteilich vmtl. prävalentem Chauvinismus/Sexismus, geschlechterbasiertem Nepotismus o.ä. empirisch nicht verifzierten Behauptungen bemühen.

        Gegner von Paritätsgesetzen führen zudem Art. 38 Abs. 1 GG ins Feld (und daran scheiterten die Paritätsgesetze in Thüringen und Brandenburg, da musste man nicht mehr expl. mit Art. 3. Abs. 2 & 3 GG kommen), den Eingriff in den Grundsatz einer gleichen Wahl. Man könnte auch noch anführen, dass Parteien natürlich des Wesensgehalt des Grundgesetzes (und insb. der Art. 1-20 GG) zu wahren haben, u.U. auch speziell Art. 21 Abs. 1 Satz 2 GG, der zu Parteien ausführt: „Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen.“

        Passend dazu habe ich gerade auch mal ein aktuelles einschlägiges Rechtsgutachten des Ministeriums für Justiz und GLeichstellung des Landes Sachsen-Anhalt rausgekramt, das – oh wunder – meine Ausführungen bekräftigt: https://mj.sachsen-anhalt.de/filead…MJ/MJ/gutachten/gutachten-paritaetsgesetz.pdf (für Zusammenfassungen s. insb.: S. 45 f.; 94 f.; 117 f.).

        Aber naja, auch das ist wieder eine extrem ideologisch geführte Diskussion… und da haben wir nur die verfassungsrechtlichen Probleme tangiert, aber nicht thematisiert, was denn der Mehrwert dieser vmtl. ‚weiblicheren‘ Parlamante sein soll, was denn ein Unterschied zwischen vmtl. ‚weiblicher‘ und „männlicher“ Politik sei resp. ob Frauen andere Politik machen als Männer (Stichwort: Repräsentation), wie Paritätsgesetze die letzten Reste des Leistungsprinzips vollends ad absurdum führen (geläufiges Gegenargument: Bereits aktuell werden politische Posten nicht nach Leistung, sondern nach Vitamin B vergeben… klasse, statt diesen Fehler zu beheben, soll das Leistungsprinzip also komplett zur Disposition gestellt werden – man stelle sich diese Argumentation beim Strafrecht vor: ‚Strafen haben kaum/keine Abschreckungswirkung, also […].‘) etc.
        Ich bin selbstverständlich voll und ganz dafür, Besetzungsverfahren u.ä. ganz i.S.d. Art. 3 GG zu gestalten. Ich sehe regelmäßig auch einen großen Nutzen in kultureller, sozialer Vielfalt, der Vielfalt der Lebenserfahrungen und Weltwahrnehmungen etc., sehe auch, dass Frauen und Männer hier und da natürlich durchaus unterschiedliche Erfahrungen machen und einbringen können. Ich sehe aber keinen zwingenden Nutzen von Geschlechtervielfalt in einem Job,** in Führungspositionen u.ä., ganz i.S.d. Gleichheit von Frau und Mann und dem Leistungsprinzip sehe ich nicht, was eine Frau substanziell an Mehrwert ggü. einem Mann mitbringt (und umgekehrt), wo da also das gerade Geschriebene so wichtig würde, dass das Geschlecht wichtig wäre. Das Geschlecht ist einfach egal. Und teilweise ist ja auch eher Homo- statt Heterogenisierung gefragt.

        Mutatis mutandis gilt das auch für die Vorstandsposten bspw. der „Dax30“-Unternehmen.

        Mithin: Von dem Umstand eines (auch erheblichen) Ungleichgewichts der Geschlechter zuungunsten der Frauen auf das gespenstische Wirken eines ominösen Patriarchats zu schließen (der eigtl. Vorwurf hinter der Behauptung, fehelnde Parität sei gleich fehlender Gleichberechtigung), ist ein non sequitur-Fehlschluss. Die Behauptung, dass dieses Ungleichgewicht Resultat einer Ungleichberechtigung ist, benötigt konkrete Belege und nicht lediglich ad hoc-Vermutungen, erklären kann man das nämlich auch mit der Struktur bspw. des konrketen Unternehmen (Bsp.: Familienunternehmen) u./o. derjenigen der Bewerber (insg. weniger Frauen als Bewerber etc.) – Ockhams Rasiermesser gilt auch hier. Mithin ist ja auch ein eklatantes quantitatives Ungleichgewicht der Geschlechter in konkreten Fällen nicht hinreichend, salopp prävalenten Chauvinismus/Sexismus, geschlechterbasiertem Nepotismus o.ä. empirisch nicht verifzierten Behauptungen zu stützen. Und mit Behauptungen möchte ich sehr ungern Maßnahmen begründen,

        Selbst wenn wir es in einzelnen Unternehmen mit entsprechend sexistischer Grundstruktur zu tun haben – die es ja zu belegen gälte (und daran wird es wohl scheitern) -, rollen sich bei mir als Demokraten bei der Erwähnung von Quoten die Zehennägel auf.

        Wir garantieren hierzulande die Gleichberechtigung staatlicherseits rechtlich(!) normiert, so bspw. in Art. 3 GG – d.h. natürlich nicht, dass es keine Verstöße dagegen gibt, sondern dass diese Verstöße dort, wo sie festgestellt werden, bereits hinreichend geahndet werden (können), justiziabel sind. Ich wüßte jetzt auch nicht, wo die Gleichberechtigung staatlicherseits systematisch ignoriert würde (außer bspw. beim ausgesetzten Wehrdienst o.ä.). Wo das doch der Fall ist, rennst man bei mir mit dem Anliegen um die Herstellung von Gleichberechtigung offene Türen ein. Ein Verstoß gegen die Gleichberechtigung ist aber eben nicht bspw. im Fehlen einschlägiger Paritätsgesetze, Frauenquoten o.ä. gegeben, die evident verfassungswidrig sind, weil sie u.a. gegen Art. 3 GG verstoßen (Gleichberechtigung mit Gleichstellung verwechseln). Und das heißt auch nicht, dass in der freien Wirtschaft dagegen hier und da (ohne das quantifizieren zu wollen, dafür fehlen die empirischen Daten) verstoßen wird, aber auch das ist justiziabel. Und was im Privaten in diesem Rahmen konsensual(!) veranstaltet wird, geht weder den Staat, noch den Rest etwas an (so sehr auch ich selbst bspw. patriarchalen Familenbildern u.ä. definitiv nicht zugeneigt bin).
        Da, wo ein konkretes Problem eindeutig identifiziert wurde, haben wir ein hinreichendes Instrumentarium zur Korrektur des Problems. Wo Probleme im Einzelfall oder systematisch übersehen oder gar aktiv ignoriert werden u./o. wo das Instrumentarium nicht hinreichend sein sollte, da kann und soll natürlich nachgebessert werden. Allerdings ist dafür in einem ersten Schritt ja zunächst erst notwendig, die illegitime Ungleichberechtigung eindeutig zu identifizieren, denn dort ist nicht bereits die bloße Behauptung / Unterstellung von Ungleichberechtigung auf Basis von vermeintl. face validity o.ä. hinreichend: Bspw. ist eine realiter nicht paritätische Stellenbesetzung nach Geschlechtern in Aufsichtsräten von Unternehmen in der freien Wirtschaft nicht hinreichend für den pauschalen Vorwurf der Ungleichberechtigung, auch bei einer überdeutlichen Ungleichverteilung der Stellen auch über mehrere oder gar das Gros der Unternehmen hinweg – auch statistisch überproportionale Auffälligkeiten bedürfen einer eindeutigen Beweisführung.

        Und ernsthaft. Wenn ich Quotenproponent wäre, würde ich mich doch verarscht fühlen. Wieviele Menschen in diesem Land betrifft denn eine Quote in Aufsichtsräten und Vorstandsposten? Letztere betrifft nur börsennotierte Unternehmen mit mind. 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorstandsmitgliedern. Wir haben hierzulande ca. 160 börsennotierte Unternehmen, 66 davon mit über 2000 Beschäftigten und mehr als drei Vorstandsmitgliedern: Wieviele Frauen betrifft denn dann diese Quotierung in absoluten Zahlen? Bei konsequenter Umsetzung der Quote am Ende mind. 66, aktuell sind es wohl 101. Und: Aktuell haben wohl nur 25 der 66 Unternehmen keine Frau im Vorstand, sprich: Unbedacht dessen, dass der Wert zur Einführung der Quote wohl geringer war, hat man diese Quote für mind., aber vielleicht auch letztendlich nur 25 Unternehmen und evtl. auch mind. aber vielleicht auch letztendlich nur 25 Frauen gemacht (vgl. https://www.haufe.de/personal/hr-management/frauenanteil-in-aufsichtsrat-vorstand-und-fuehrungspositionen_80_482366.html).
        Es geht“große schmelzen von Unternehmen“ geht es ja gar nicht, wüßte auch nicht, wo ich diese Befürchtung irgendwo mal ernsthaft artikuliert gesehen hätte. Es geht um den verfassungsrechtlich nicht legitimierbaren Eingriff in die Unternehmen, der Art. 3 GG konterkariert. Ich würde nämlich behaupten wollen, dass die Quote „Deutschland definitiv […] geschadet“ hat – steter Tropfen höhlt den Stein, lange Wellen und so. Ich möchte die Verfassung auch im Kleinsten nicht aufgeweicht sehen, Art. 79 Abs. 3 GG steht ja nicht ohne Grund in derselben.

        Bei den angemahnten Problemen geht es ja um diejenigen des Diskurses, des Mindset eines mglw. Gros der Quotenproponenten resp. die Argumentationsbasis hinter der Forderung dieser Quoten, nicht um die Probleme der konkreten gesetzlichen Umsetzung der Quoten: Eine gesetzliche Quote von 30 % werden viele der Quotenproponenten wohl nur als ersten, aber nicht hinreichenden Schritt in die vermeintl. richtige Richtung verstehen, eben weil sie – so spekuliere ich – Gleichberechtigung mit Gleichstellung synonymisieren und diese vermeintl. Gleichberechtigung natürlich erst bei 50:50-Parität hergestellt sein könne. Mit einer simplen „Förderung“ wird man sich auf lange Sicht – so diese nicht zeitig in 50:50-Parität mündet – wohl eher kaum zufrieden geben.

        Hmmm… wobei ich gestehen muss, dass ich wohl auch bei einer simplen geschlechterbasierten Förderung (expl. nicht durch Quoten) staatlicherseits mehr als nur leichte Magenschmerzen habe. Ich hätte ja auch schon Kritik für den Girl’s Day, spezielle Frauenförderungen bei Doktoranden u.ä. auf Lager. Hinzu kommt, dass ich ein Mehr an Frauen in Branche XYZ gemeinhin nicht automatisch als Mehrwert realisiere, ich bin da voll und ganz dem Leistungsprinzip verschrieben. Deshalb ja auch meine Anmerkung, doch lieber dafür zu sorgen, dass Nepotismus und Co. ein Riegel vorgeschoben wird.

        tl:dr
        Paritäts-/Quotenregelungen sind antidemokratisch, verfassungswidrig und kontraproduktiv. Paritätische Repräsentation wird in unserer Demokratie aus guten Gründen nicht(!) angestrept, entspricht nicht dem Geist der Verfassung.

        ** Wenn es jetzt nicht um das Abtasten bei der Flugzeugkontrolle o.ä. geht.

      • Palim
        Gesetze, die auf eine geschlechtliche Parität abzielen widersprechen dem Artikel 3 des Grundgesetz, Absatz 3 : Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.
        Wenn sie jemanden auf Grund seines Geschlechts zur Erzielung einer geschlechtergerechten Parität einstellen, dann gilt dies juristisch und verfassungsrechtlich als Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz aller.

    • Ich auch!! Es ist doch Quatsch, eine Sprache zu verhunzen und noch schwieriger zu machen, weil sie mit ihrem generischen Maskulinum angeblich die Frauen benachteilige?
      Mal ehrlich: Haben sich die Frauen früher auf Grund der Sprache benachteiligt gefühlt? Für den Eindruck von Benachteiligung gab es andere Gründe, die auch berechtigt waren.
      Aber wenn die Gerechtigkeitsapostel erst einmal in Fahrt sind, können sie anscheinend nicht mehr aufhören und suchen emsig und spitzfindig nach weiteren „Ungerechtigkeiten“, seien sie auch noch so künstlich herbeigeredet.

      Ich als Frau pfeife auf Gender-Gaga und meine angebliche Gleichstellung in der Sprache. Ich fühle mich durch das herkömmliche Deutsch nicht benachteiligt, sondern nur frustriert von dem ganzen ideologischen Quatsch, der meine Muttersprache hässlich macht und die Sprachverhunzung voran treibt.

      • Guten Tag Frau Störchin,
        umgekehrt wird ein Schuh draus!
        Nicht das sprachliche Gendern benachteiligt Frauen, aber die benachteiligenden Strukturen- die Sie sicher nicht wegdiskutieren wollen- manifestieren sich auch in der Entwicklung der Sprache.
        Und Gendersprache ins Lächerliche zu ziehen- wie das hier viele tun- ist der Gleichstellung nicht dienlich. Und Totschlagargumente oder Anzüglichkeiten auch nicht.

  7. Jeder darf, von mir aus, leben wie er mag.
    Ob ein Mann lieber als Frau, oder umgekehrt, ob als irgendwas dazwischen oder wie auch immer. In unserer Gesellschaft kann doch nun wirklich jeder nach seiner Facon selig werden.
    Das ist auch gut und richtig so.
    Trotzdem werde ich auch weiterhin nicht jede evtl. mögliche Form der Geschlechtsidentität in meinem Sprachgebrauch berücksichtigen. Wenn sich deshalb jemand von mir nicht angesprochen fühlt, kann ich’s auch nicht ändern. Ich finde diese ganze Diskussion zeigt, daß es vielen in unserer Gesellschaft immer noch zu gut geht.
    Wer von früh bis spät damit beschäftigt ist, gerade so seinen Lebensunterhalt zu verdienen, interessiert sich eher weniger dafür, ob er als Raumpfleger.in, als Fensterputzer.in, als Verkäufer.in oder als Kassierer.in bezeichnet wird. Da ist es wichtiger, daß am Ende des Monats genug Geld für die Miete und den Rest der Lebenshaltungskosten da ist. Die Gender-Debatte ist ein Thema für abgehobene Großstadtakademiker, die derart priveligiert sind, daß ihnen die echten Probleme ausgegangen sind.
    Ich empfehle zum runterkommen die Lektüre des Buches „Die Selbstgerechten“ von Sarah Wagenknecht.

  8. In der FASZ gefunden:

    Sie: Der Kollege, bei dem du gestern Abend warst, ist eine Kollegin!

    Er: Jetzt fängst du auch noch mit diesem Genderquatsch an.

    • @Pensionist

      Ich fürchte, vor lauter Gender-Diskussionen und Rund-um-die-Uhr-Gutmenschen-Perfektions-Zwang werden Viele den eigentlichen Gag nicht mehr erkennen können.
      Aber vermutlich hat das dann nur Zeitgründe …

  9. Vorschlag zur Erweiterung der deutschen Grammatik:
    Singular: bleibt wie im Duden
    Plural: Gruppen werden unterschieden, wenn es reine Männer-, Frauen- oder gemischte Gruppen sind.
    M               W                 M/W/D

    Schüler Schülerinnen Schülis („SuS“)
    Lehrer   Lehrerinnen   Lehris („LuL“)
    -er           -erinnen          -is

    Ärzte     Ärztinnen        Ärztis

    Finde weitere Beispiele,  insbesondere solche, die zu Missverständnissen führen oder nicht so charmant klingen,  wie die oben genannten.

  10. Wenn die Gender-Aktivist*innen ihre Ideologie unbedingt durchsetzen wollen, können sie das meinetwegen machen. Aber dann bitte konsequent bei allen Begriffen, also auch bei negativ besetzten. So wird in den Nachrichten z.B. in einem Beitrag erst von einer Demonstration von Corona-Leugnern und dann von Gegendemonstrant*innen geredet, oder in einem anderen Beitrag von Expert*innen, Umweltschützer*innen, aber von Tätern und Hundehassern. Auf eine E-Mail an den Sender, dass doch bitte entweder gar nicht oder eben auch bei negativen Begriffen gegendert werden solle, habe ich als Antwort erhalten, dass man sich allen Menschen gegenüber respektvoll verhalten wolle. Auf meine Nachfrage, ob es respektvoll den Männern gegenüber sei, bei negativen Begriffen nur die männliche Form zu nutzen, habe ich keine Antwort erhalten. Das ist in meinen Augen das Gegenteil von Respekt. Stattdessen wird von denen, die für sich reklamieren, Rollenbilder abbauen zu wollen, ein neues Rollenbild aufgebaut: Das von der Frau als unschuldigem Opfer und vom Mann als bösen, an allem schuldigen Täter. Aber so ist es leider mit vielen Themen im Bereich von „Chancengleichheit“ (die dann erreicht ist, wenn eine Frau auf keinen Fall schlechtere Chancen hat als ein Mann, aber gerne bessere Chancen haben darf) oder „Gleichstellung“ (die auch nur da angestrebt wird, wo Frauen bislang schlechter dastehen, aber keinesfalls dort, wo Frauen dann etwas „abgeben“ müssten).

    • „… oder eben auch bei negativen Begriffen gegendert werden solle …“
      Es ist ein beliebter rhetorischer Trick, positive Begriffe mit der einen Seite der Argumentation zu verknüpfen und negative mit der anderen. Dadurch erweckt man Assoziationen, die eigentlich nicht richtig begründet sind. Das ist dann gewissermaßen die „Sprache der Werbung“.

  11. @Thomas
    Genau das frage ich mich auch immer. Ich habe noch nie gehört, daß Genderaktivisten jemals gefordert hätten, von Verbrecher*innen, Mörder*innen, Täter*innen, Betrüger*innen, Impfverweiger*innen, Coronaleugner*innen, zu sprechen. Ich habe diese Wortwahl auch noch nie in irgendwelchen Nachrichtensendungen, Talkshows oder anderen Beiträgen gehört. Was ich dagegen höre sind Bezeichnungen wie Journalist*innen, Akademiker*innen, Redakteur*innen, Chef*innen, Lehrer*innen usw.
    Warum wird das in den Medien überhaupt nicht thematisiert? Warum wird keine Frauenquote für Berufe wie Bauarbeiter, Fassadenreiniger, Müllabfuhr o.ä. gefordert? Das zeigt doch, wie verlogen diese ganze Debatte ist.
    Man hätte schon gerne die Rosinen für sich herausgepickt. Die unangenehmeren Jobs können ja weiterhin die ungebildeten, abgehängten
    Kerle machen.

  12. Die neue Rechtschreibung war schon der Anbeginn der Auflösung der deutschen Sprache.
    Jetzt sollen alle also auch noch grunzen und stottern (lernen)…
    Spontanität vs langes Zurechtlegen der Worte.
    Am Ende verschlägt es womöglich allen die Sprache.
    Sind da eigentlich Päderasten am Werk oder lediglich Loser, die mit Sprache noch nie etwas anfangen konnten?

    • @Rotta

      „Sind da eigentlich Päderasten am Werk …“
      Wie bitte?

      Zur Definition:
      „Päderastie (altgriechisch παιδεραστία paiderastía, von παῖς pais „Knabe“ und ἐραστής erastés „Liebhaber“) oder Knabenliebe bezeichnet eine institutionalisierte Form von Homosexualität im antiken Griechenland zwischen Männern (Päderasten) und männlichen älteren Kindern oder Jugendlichen. Neben der sexuellen Komponente, die unterschiedlich stark ausgeprägt war, nahm zugleich ein pädagogischer Anspruch eine zentrale Rolle ein.[1] Dieses Verhalten wurde teilweise zumindest bei Jugendlichen noch positiv bewertet, denn die betroffenen älteren Kinder und Jugendlichen hatten dadurch zumeist eine soziale Absicherung.[2] “
      https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4derastie

      Und was fangen Sie so mit Sprache an?

      • War so gemeint! Beziehe es darauf, von welcher Personengruppe dieses Thema durch gesetzt wird. Hier fallen leider seit nicht erst jetzt, sondern bereits seit den 70ern bestimmte Personengruppen auf, die z.B. in Jugendämtern, Kirche etc. saßen und von dort aus solche Netzwerke ausgebaut haben. Glauben Sie, solche Machenschaften gibt es nicht mehr? Einige Urgesteine lassen sich z.B. bei Politikern der Grünen finden, welche solches schon früh „salonfähig“ machen wollten. Aktuell betrifft es aus diesem Bereich wieder ein junges Exemplar aus Brandenburg.
        Wenn Sie mit Sprache auch gerne an anderen Stellen etwas anfangen wollen, belesen Sie sich diesbezüglich doch gerne auch außerhalb Wikipedia. Das kann richtig interessant sein!

  13. Gesellschaft und Sprache wandeln sich.

    Frauen sehen sich darin benachteiligt, nicht erwähnt zu werden, und bemühen sich stärker als früher darum, gesehen zu werden und mit ihren Anliegen Gehör zu erhalten.

    Es ist erstaunlich, wie vehement schon diese Anfänge negiert und ins Lächerliche oder Abstruse gezogen werden sollen.
    Wenn diese kleinen Änderungen schon so viel Verunsicherung hervorrufen, wie stark wird die Abwehr sein, wenn weitere gesellschaftliche Bereiche betroffen sein werden?

    Dank an die Kritiker, die einen Einblick gegeben haben und Abgründe aufzeigen, wo Brücken längst gebaut sein könnten.

    • Palim, jedem deutschen Mitbürger ist bewusst und immanent bewusst , dass bei der sprachlichen Anwendung der allgemein bekannten und sprachlich tradierter Berufsbezeichnungen immer alle Geschlechtsgruppen gemeint sind und diese mit einbezogen sind.
      Gendersprachliche Wort-Neuschöpfungen blockieren den Sprachfluss des Sprechenden ohne dass sich eine Begriffserweiterung in der haptischen Wahrnehmung ergibt.
      Gleichberechtigung und Chancengleichheit aller erreicht man nicht durch Gesetzte, die auf die Geschlechterparität in allen gesellschaftlichen Positionen abzielen.
      Was können heute lebende junge Männer dafür, dass vor 20 Jahren gegebenenfalls einseitig Männer bei der Besetzung von leitenden Positionen bevorzugt wurden.
      Der Artikel 3, Abs, 3 des Grundgesetzes stellt die individuellen Grundrechte des Individuums in den Vordergrund, und sie dürfen niemanden wegen seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Anschauungen seiner Religion und seiner Abstammung wegen benachteiligen oder bevorzugen.
      Die vielerorts in öffentlichen Institutionen neu geschaffenen und vorwiegend mit Frauen besetzten Gleichstellungsstellen, die geschaffen wurde um bevorzugt Frauen eine Einstellung in leitenden und anderen Positionen zu ermöglichen, sind entsprechend unserer Verfassung bedenklich und bedürfen dringend einer verfassungsrechtlichen Abklärung auf ihre verfassungsgemäße Rechtmäßigkeit.

    • Das betrifft die Frauen, aber wo bleibt das dritte, vierte usw. Geschlecht bzw. die Inter- oder Transsexuellen? Ist es nicht gerade diese hergebrachte Zweiteilung, die von den Gender-Aktivistx angegriffen wird?

    • Sie sagen: „Gesellschaft und Sprache wandeln sich.“
      Das stimmt. Sie tun es normaler Weise jedoch auf natürlichem Weg,, also von unten nach oben, was lange Zeit braucht.
      Gender geschieht jedoch von oben nach unten, also per „Anordnung“, und zwar in kürzester Zeit. Das hat nichts zu tun mit „SICH wandeln“, sondern mit „Wandel durch Befehl“.

    • @ Palim:

      Sie können natürlich weiterhin kaum verhohlen insinuieren, die Ablehnung von vermeintlich geschlechtergerechter Sprache, Quoten- und Paritätsregelungen wären lediglich die konservativen Abwehrreaktionen alter, weißer Cis-Männer (und von Personen ähnlichen Mindsets), die ihre Felle davonschwimmen sehen (so doch der Kern des Vorwurfs der „Verunsicherung“, oder?)… oder sie bleiben auf der Sach- und Faktenebene, bei den hier artikulierten (und auch konkret an Sie adressierten) Kommentaren und deren Argumenten gegen Dergleichen.

      Dann realisieren Sie vielleicht, dass diese Ablehnung nicht ausschließlich Resultat konservativer Abwehrreaktionen ist, sondern gerade auch durch ein antireaktionäres, tatsächlich progressives Streben um und den Erhalt von Gleichberechtigung, Pluralität, Inklusion und freiheitlich-demokratischer Grundordnung geprägt sein kann und in vermeintlich geschlechtergerechter Sprache, Quoten- und Paritätsregelungen eine Konterkarierung all dessen, ja im Rekurs nicht auf Gusto, Gefühle u./o. Ideologie, sondern auf Sachargumente (historisch-genetische Sprachentwicklung/-geschichte, Semantik, Sprachästhetik, Sprachökonomie, empirische Forschung, Verfassungsrecht etc.) eine Gefahr für Dergleich enerkennt.

      Also… machen Sie sich daran, diese Argumente sachlich(!) zu kritisieren, dekonstruieren, relativieren etc., d.h. ohne ad hominem-Unterstellungen u.ä. logische Fehlschlüsse. Meinungen, Gefühligkeit und ideologische Stereotype interessieren in dieser Debatte nicht, es geht ausschließlich um Sachargumente; wie sagte Harry Callahan: „Opinions are like assholes. Everybody has one.“ Andernfalls müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, eine ideologische Brille zu tragen, die Sie nicht mehr absetzen können und sollten sich nicht wundern, dass das Gros der Bevölkerung, also auch diejenigen, die eben nicht in das Feindbild konservativer, alter, weißer Cis-Mann und Co. fallen (ich bin übrigens ein linksliberaler bis liberal linker Progressiver), nicht von Ihrem Anliegen zu überzeugen ist (ich verweise da auf meine Ausführungen zu Theisten, Kommunisten und Co).

  14. @Palim
    Es geht aber in der Gender – Debatte nicht nur um Frauen, die wahrgenommen werden wollen. Es geht auch um die sog. Diversen.
    Ginge es nur um Frauen und Männer, könnte man jeweils die weibliche UND die männliche Form verwenden. (Z.B. Lehrerinnen u. Lehrer, Damen u. Herren etc.) Aber so einfach wollen es uns die Gender – Aktivisten ja nicht machen. Wir sollen zukünftig JEDE mögliche Geschlechtsidentität in unserem Sprachgebrauch berücksichtigen, egal wie klein diese Minderheit auch sein mag. Daß ich mich dem verweigere hat nichts mit Verunsicherung zu tun. Es hat damit zutun, daß ich diese Art zu sprechen einfach künstlich, gestelzt und krampfig finde. Es geht mir einfach nicht über die Lippen. Von mir aus gendern Sie doch. Aber hören Sie bitte damit auf, anderen eine derart verhunzte, unästhetische Sprechweise überstülpen zu wollen.
    Ich bin jetzt seit 52 Jahren als Frau auf dieser Welt. Ich hatte NOCH NIE den Wunsch, daß wegen mir unsere Sprache auf den Kopf gestellt werden muß, weil ich mich sonst nicht wahrgenommen fühle.

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