Das Kernproblem im Distanzunterricht scheint die Motivation der Schüler zu sein

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ESSEN. Mehr als 60 Prozent der Eltern von Grundschülern haben sich durch den Distanzunterricht infolge der Corona-Pandemie immer oder sehr häufig gestresst gefühlt – wobei die Berufstätigkeit der Mütter eine wichtige Rolle spielte. Das ergab eine Befragung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Mehrzahl der Familien mit der Unterstützung und dem Informationsangebot zufrieden war. Ein wesentliches Problem: die Motivation der Kinder.

Rund 30 Minuten konnten die Grundschülerinnen und Grundschüler im Schnitt am Tag allein lernen – mehr war nicht drin. Foto: Shutterstock

Die Corona-Pandemie hat die Familien in Nordrhein-Westfalen stark getroffen. Dabei ergeben sich aus der RWI-Befragung insgesamt nur wenige Unterschiede zwischen Familien aus wohlhabenderen und ärmeren Stadtvierteln. Die Mehrheit der Eltern von Grundschulkindern hatte Probleme, die Kinder zu Hause zum Lernen zu motivieren. Diese Motivationsschwierigkeiten traten besonders häufig bei Kindern auf, denen von der Schule keine oder kaum digitale Lernmittel zur Verfügung gestellt wurden.

Fast zwei Drittel der befragten Eltern fühlten sich durch das Distanzlernen immer oder sehr häufig gestresst

Das sind Ergebnisse einer Befragung von knapp 6.000 Eltern von Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen im Juni und Juli 2021 zur Lern- und Alltagssituation während der zweiten Phase der Pandemie. Für die Analyse wurden die Befragungsergebnisse durch kleinräumige Daten etwa zum Einkommen in den jeweiligen Stadtvierteln der Schulen ergänzt. Die Studie kann als repräsentativ gelten. Ergebnisse im Detail:

  • Während des Distanzlernens verbrachten die Grundschulkinder täglich durchschnittlich nur drei Zeitstunden mit ihren Aufgaben. Dabei fällt auf, dass der Lernumfang mit nur bis zu zwei Stunden täglich bei 38 Prozent der Kinder deutlich unter der normalen Schulzeit liegt. Auffallend ist zudem dass von den durchschnittlich drei Stunden der Schulkinder diese durchschnittlich 2,5 Stunden von den Betreuungspersonen unterstützt wurden. Die Kinder haben durchschnittlich also nur eine halbe Stunde allein gearbeitet. Insgesamt unterscheiden sich Kinder mit und ohne Migrationsdauer oder in Nachbarschaften mit unterschiedlich hohem Einkommen kaum bei der Lerndauer und der Dauer der Unterstützung durch die Eltern.
  • Die Wahl der eingesetzten Lernmittel scheint auch einen Einfluss auf die Lernmotivation der Kinder zu haben. Wurden nicht regelmäßig (das heißt einmal die Woche oder seltener) digitalen Medien (Videomeetings und -unterricht, Apps oder Lernvideos) eingesetzt, zeigt sich, dass die Eltern häufiger berichten, dass sie Probleme hatten, das Kind zu motivieren und sich häufiger gestresst fühlten. Für 64 Prozent der Befragten ist es zutreffend, dass die Kinder schwierig zu motivieren waren, wenn keine digitalen Lernmittel eingesetzt wurden. Dies gilt im Gegensatz dazu nur für 56 Prozent der Befragten, wenn entsprechende digitale Lernmittel genutzt wurden. Grundsätzlich ist die Problematik, die Kinder zum Lernen zu motivieren, aber in beiden Gruppen hoch.
  • 62 Prozent der befragten Eltern fühlten sich durch das Distanzlernen immer oder sehr häufig gestresst. Dies galt besonders für Familien, in denen die Mütter mehr als 25 Stunden pro Woche arbeiteten. Auch tägliches oder fast tägliches Homeoffice wirkte sich negativ auf das Stressempfinden aus.
  • Insgesamt fühlte sich die Mehrheit der Eltern sehr gut oder gut von den Schulen unterstützt. 21 Prozent der Eltern stimmten der Aussage zu, sie fühlten sich sehr gut von der Grundschule unterstützt, 33 Prozent, sie fühlten sich sehr gut informiert, als „gut unterstützt“ bezeichneten sich 36 Prozent, als „gut informiert“ 40 Prozent. „Einigermaßen gut unterstützt“ bezeichneten sich 31 Prozent, „einigermaßen gut informiert“ 22 Prozent, ausdrücklich „schlecht unterstützt“ nur 12 Prozent und „schlecht informiert“ nur fünf Prozent.
  • In den meisten Klassen wurden digitale Lerninhalte angeboten. Allerdings haben 13 Prozent der Grundschulkinder im Frühjahr 2021 keine digitalen Möglichkeiten wie Videounterricht, Apps oder Lernvideos regelmäßig genutzt. Dies gilt besonders für Schulen in ärmeren Stadtvierteln: Dort wurden durchschnittlich weniger (digitale) Lernmittel regelmäßig eingesetzt.
  • So wurden Lernvideos, Videounterricht und Videomeetings in Nachbarschaften mit hohem Einkommen häufiger regelmäßig oder sogar täglich eingesetzt. In diesen Nachbarschaften gaben außerdem nur 7 Prozent der Familien an, dass gar keine digitalen Lernmedien verwendet werden. In den Nachbarschaften mit geringem Einkommen gaben jedoch sogar 18 Prozent der Familien an, dass für die Vermittlung des Wissens auf keine digitalen Lernmedien zurückgegriffen wurde.
  • Viele Familien haben sich speziell für das Distanzlernen digitale Endgeräte angeschafft. Familien in Vierteln mit geringerem Einkommen mussten sich häufiger Geräte anschaffen als andere Familien. Dies führte zu stärkeren finanziellen Belastungen – zusätzlich zu möglichen pandemiebedingten finanziellen Einbußen, von denen insbesondere Familien von Kindern mit Migrationshintergrund häufiger betroffen waren.
  • In ärmeren Stadtvierteln wurden außerdem häufiger Smartphones für das Distanzlernen genutzt. Durch das kleinere Display wurde eine aktive Teilnehme am Distanzunterricht erschwert.

„Die Studie zeigt, wie stark Eltern und ihre Kinder durch die Schulschließungen belastet waren“, sagt Studienautorin Sandra Schaffner, Leiterin des Forschungsdatenzentrums Ruhr am RWI. „Weitere Schulschließungen sollten unbedingt vermieden werden. Zudem braucht es nach wie vor höhere Investitionen in die digitale Ausstattung von Schulen, insbesondere in ärmeren Stadtvierteln.“

„Der Einsatz digitaler Lernmethoden sollte dort erhöht werden, wo sie noch wenig oder gar nicht zum Einsatz kommen“

Aus den oben Ergebnissen der Studie ließen sich folgende Empfehlungen für das aktuell beginnende Schuljahr und mögliche zukünftige Schulschließungen ableiten: „Die Berücksichtigung der elterlichen Belastungen, speziell des empfundenen Stresslevels, sowie die Motivation der Kinder während des Distanzunterricht sollte im Vordergrund stehen. Andernfalls könnte dies zu dauerhaften negativen Auswirkungen innerhalb der Familien kommen. Der Einsatz digitaler Lernmethoden sollte dort erhöht werden, wo sie noch wenig oder gar nicht zum Einsatz kommen, da dies die Motivation der Kinder zu steigern scheint. Auch muss gleichermaßen darauf geachtet werden, dass Kinder in weniger privilegierten Stadtteilen ebenso Zugang zu entsprechenden Endgeräten kommen wie in anderen Stadtteilen und Nachbarschaften.“ News4teachers

Hier geht es zum vollständigen Untersuchungsbericht.

Schule bekommt einen Grimme-Preis – für ihre YouTube-Show während der Schulschließungen

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43 KOMMENTARE

  1. Die Kernaussage lautet: Hut ab, liebe Lehrer, wie schafft ihr es bloß, eine Klasse von 30 Schülern zum Arbeiten zu motivieren, wenn ich es mit meinem eigenen Kind nicht schaffe?

    Außerdem wurde von den befragten Eltern die Arbeit der Lehrer nicht so schlecht bewertet, wie an anderer Stelle behauptet. Der geringe zeitumfang mit den Aufgaben sollte mal mit der Nettolernzeit in der Schule nach Abzug von Pausen, Unterrichtsstörungen usw. verglichen werden. Der Unterschied wird sich in Grenzen halten.

    • Danke, mein Gedanke. In einem vollgestopften Klassenzimmer ist die Lernzeit eventuell noch niedriger als 30 Minuten aufgrund des Wuselfaktors. Zudem geht auch Zeit drauf für Anwesenheitskontrolle, Hausaufgabenkontrolle, etc.

      Hier werden für den Vergleich wieder Annahmen über Präsenzunterricht getroffen, die nicht wirklich belastbar sind.

  2. Wie wirkte es sich aus, wenn die Väter berufstätig waren? Der Distanzunterricht offenbart (nicht nur an dieser Stelle) veraltete Rolkenklischees und leider auch Rollenzuordnungen.

    • Genügend Väter waren auch im Homeoffice…

      Die Motivation dürfte bei den Kindern kaum davon abgehangen haben, ob Papa oder Mama zugegen war.

      Abgesehen davon scheinen die veralteten rollenklischees nicht so schlimm gewesen zu sein, als das viele Familien darauf zurückgegriffen haben. Finanzielle Gründe mögen ein Grund gewesen sein, jedoch sollten harte Ideologen die ignorieren, wenn sie es damit ernst meinen.

        • Vor allem, weil die Mütter im Homeoffice stets für die Kinder verantwortlich waren, daneben saßen, erreichbar. Die Papas machten stundenlang die Türen zu und forderten Ruhe für ihre Meetings ein.
          Habe sehr viele Online-Seminare durchgeführt- die Unterbrechung, Störungen, Kinder auf dem Schoß gab es immer nur bei Frauen.
          Übrigens- soll sich keine von ihnen wieder über Gendersprache usw. echauffieren- sie befördern sich selbst zurück ins Rollenklischee.
          Aber die Schule richtet es ja.

          • An der Stelle sind aber auch die Mütter und Väter selbst verantwortlich. Wir haben uns von Geburt der Kinder an die „Kinderarbeit“ und den Haushalt geteilt. Das blieb auch im Distanzunterricht/Home Office so.

          • @ Katinka 19. September 2021 um 17:02

            „Ja aber wie jetzt?!
            Ich finde schon, das hätten die Schulen aber besser organisieren müssen, wie es bei den SuS Zuhause läuft!
            Die Schulen hätten da viiiieeeeel besser unterstützen müssen – mit Hausbesuchen auch im Lockdown, und zwar zeitgleich bei allen Familien!!!“

            Hier und da ein bisschen Ironie. 😉

  3. An Redaktion, Überschrift des Artikels:
    Nicht „Motivation der Schüler zu sein – …“, sondern „Motivation der Grundschüler zu sein – …“.

    Leider werden diese wissenschaftlichen Untersuchen immer wieder politisch ausgenutzt und auf das ganze Schulsystem übertragen. Es deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Auf Gymnasien und Berufsschulen sind die Ergebnisse und Schlussfolgerungen nicht übertragbar.

    • Pubertierende Gymnasiasten leiden oft genug auch an Motivationsdefiziten (bzw. Fühlen sich ausgezeichnet damit)…

      In der Sache gebe ich Ihnen aber recht.

      • nicht nur pubertierende, auch später noch, und das auch in Zeiten des Präsenzunterrichts… Hausaufgaben machen oft nur 3 von 25! Dass sie jetzt, wo sie wieder voll im heissersehnten Präsenzunterricht sind, dankbar und begeistert mitmachen, hält sich erstaunlicherweise sehr in Grenzen!

      • Was ich so spannend finde, ist dass das halbe Jahr Distanzunterricht, in der 10 Klasse/EF, an einem Gymnasium in NRW für mich und viele andere im Prinzip das am wenigsten stressige Schuljahr überhaupt war. Durch die gewonnene Zeit (Wegfallen des Schulwegs etc.) bestand die Möglichkeit Dinge zu machen, für die nach der Schule oft keine Zeit bleibt. Das Unterrichtsklima war deutlich besser, weil alle in ihrer gewohnten Umgebung waren, auch mal einen Kaffee mehr trinken konnten, und durch das nutzen digitaler Geräte eine völlig andere Art des Unterrichtes möglich war, die Recherche zu bestimmten Themen und eine Einbindung anderer Arten des methodischen Arbeitens (nicht immer nur Texte analysieren, sondern auch Podcasts, Filme usw.). Jeder hatte die Möglichkeit den Unterricht mitzugestalten, und selber darüber entscheiden zu können, wie selbst mit dem Unterrichtsstoff umgegangen wird. Dabei wurde sich auch Übung im täglichen Umgang mit digitalen Endgeräten angeeignet, da viele z.B. Mitschriften digital angefertigt haben.
        Alles in allem ein eigentlich sehr motivierendes Jahr mit dem besten Notenschnitt den ich jemals hatte.

        • Lieber Felix,

          sehr schön, dass Ihre (wohl besonders auch Ihre intrinsische (=innere)) Motivation sich so positiv und fruchtbringend ausgewirkt hat!
          Das ist sehr erfreulich, sicher auch für Ihre LehrerInnen!

          Dennoch – kleiner Wermutstropfen!: zur realistischen Selbsteinschätzung!

          coronabedingte Noteninflation (!!!) durch erschwerte Lern- und Vorbereitungsbedingungen für Leistungsmessungen und Prüfungen!

          Denn Ihre (zwar auch) sehr verständnisvollen Lehrkräfte waren – da auch von ganz Oben sehr ermuntert – , sehr bereit bzw. auch angewiesen, das verlangte Anspruchsniveau, die Stoffmenge und auch den Erwartungshorizont erheblich runterzuschrauben, also weniger Leistung für eine bestimmte Note zu verlangen!

          Dessen müssen Sie sich bewusst sein.
          Realistische Selbsteinschätzung Ihrer Kennnisse, Ihres Könnens!

          Wenn Sie zum Beispiel Ihre Kenntnisse bezüglich unerlässlichem Vorwissen einschätzen, für zum Beispiel Beginn eines (für später vielleicht angedachten) Hochschulstudiums.

          Trotz aller wohlverdienten Freude und Euphorie über den „besten Notenschnitt, (sic!) den (Sie) je hatten“:

          ich will Ihnen die Freude wirklich nicht verderben, aber vielleicht ist das Notenergebnis gerade auch (zumindest zum Teil) bedingt durch die oben genannten Umstände.

          Fremd- und Selbsteinschätzung divergieren meistens, unter Corona umso mehr.

          Seien Sie aber bitte nicht traurig, zu enttäuscht, Felix! Lassen Sie sich bitte durch meine warnenden Worte nicht entmutigen!

          Im Gegenteil: Weiter so!!! Nicht nachlassen, Felix!!!

          • Das war überhaupt nicht das, worum es mir ging.
            Mein Punkt war, dass während dieser Zeit Schule und Lernen schlicht Spaß gemacht hat, was im „regulären“ Unterricht schlicht selten der Fall ist. Aber wenn sie unbedingt meinen, den letzten Nebensatz meines Kommentars mit einer so emotionalen und nichtssagenden Antwort zu zerpflücken, dann bitte. Meine Klausuren sind übrigens mit den der letzten Jahre inhaltlich vergleichbar, doch dies nur am Rande.
            Ach, und für sie Herr Diesmann.

    • Kinder bis Klasse 7 können nicht stundenlang allein und selbständig arbeiten. Auch und schon gar nicht digital.
      Hinzu kommt, dass Kinder es nicht mehr gewohnt sind, (Haus-)Aufgaben allein zu machen. Entweder GTS, Hort Nachhilfe oder Mutti sitzt die ganze Zeit daneben.
      Sonst wird’s nicht gemacht.
      Auch ein Ergebnis falscher Schulwahl!

  4. Mich stören an solchen Auswertungen die Verallgemeinerungen! Für Grundschüler ist Distanzlernen eine ganz andere Herausforderung als für Oberstufenschüler. Von letzteren erwarte ich eine gewisse Eigenmotivation. Gepaart mit regelmäßigen Videokonferenzen (nach Möglichkeit nach dem regulären Stundenplan) sehe ich dort grundsätzliche Lernrückstände als marginal an. In der Grundschule ist das komplett anders.

    • In der GS waren die Schulen zum Glück auch nie geschlossen. In den 5 Wochen DU nach Weihnachten haben über 30% der Kinder ihre Aufgaben in der Notbetreuung erledigen können, wo sie von Lehrern unterstützt wurden. Auch die OGS betreute diese Kinder weiter, sofern sie angemeldet waren.
      „Systemrelevant“ galt nur für wenige SuS, diese Eltern haben oft nach anderen Betreuungsmöglichkeiten gesucht, da sie dem „Hygienekonzept“ der Schule nicht vertrauten!

      Die allermeisten anwesenden Kinder waren Migranten (mit schwachem WLAN zu Hause), Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und sehr verhaltensoriginelle SuS, deren Eltern damit überfordert waren, sie 24/7 zu ertragen.

      ViKos waren für die Kleinen 1. und 2. Klässler als Unterrichtsersatz nicht wirklich effektiv, sondern eher eine Möglichkeit, sich auszutauschen. Zum Glück ist das Arbeitsmaterial so gestaltet, dass sie selbstständig damit arbeiten können, da ja auch die Klassen sehr heterogen sind Und eine gewisse Selbständigkeit unabdingbar ist .

      Apps und Lernvideos waren schon eine Hilfe, aber auch eine neue Herausforderung für die Eltern, da in der Schule keine Tablets oder Smartboards für die 1. und 2. Klassen vorhanden sind und der Umgang damit somit nicht eingeübt war.
      In den Klassen 3 und 4 klappte das schon besser, da zumindest in den meisten Klassen der Umgang mit Lernvideos auf dem Smartboard geübt wurde. Ok, Tablets gibt es bis heute in der Schule nicht, aber es klappte dann bei den Großen schneller, sich einzuarbeiten!

      Allerdings war das Motivieren der Kinder für einige Eltern ein großes Problem, das ich auch in „Familien-Vikos“ nicht immer zufriedenstellend lösen konnte.

      Da überwiegend die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Sachunterricht verpflichtend waren und Fächer wie Englisch (nur ViKos, an der die Kinder nicht zur Teilnahme verpflichtet werden DÜRFEN), Sport, Kunst, Musik, Religion nur ein Angebot, sind 3 Stunden pro Tag völlig normal!

      Digitale Tools verlieren bei einigen Kindern recht schnell ihren Motivationscharakter, wenn sie merken, dass auch diese eine gewisse Anstrengungsbereitschaft voraussetzen!

      • Danke für den Beitrag,
        es deckt sich mit meinen Beobachtungen.

        Familien ohne digitale Möglichkeiten oder Kenntnisse waren mit herkömmlichen Aufgaben besser bedient. Die bessere digitale Ausstattung der Familien wie auch der Schulen kann man sich als Lehrkraft wünschen, aber kaum beeinflussen.

      • „In der GS waren die Schulen zum Glück auch nie geschlossen.“

        Das trifft aber nicht auf alle Bundesländer zu. In BY waren sie von Januar bis März geschlossen; danach bis Pfingsten Wechselunterricht.

  5. @Küstenfuchs: Diese Beobachtung würde ich bestätigen. Mein Gymnasiast war zwar nicht stets motiviert, hatte aber min. 3 Schulstd. am Tag guten digitalen Unterricht und zusätzlich eine gute digitale Plattform in die Aufgaben der jeweiligen Lehrer eingestellt wurden. Als Mutter musste man leider trotzdem hinterher sein, dass das Kind nicht vom vorgegebenen Youtube Video des Lehrers weiter gezappt wurde aus spannende Youtuber. Insgesamt war es für Kinder mit älteren Kindern sicher einfacher. In BW sollte in der Grundschule keine richtiger digitaler U stattfinden, eher ein Kontakt halten, da viele Kinder keinen Zugang zu digitalen Geräten hatten (in meiner Klasse ca. die Hälfte). Kinder die Zugang hatten, haben nebenbei ferngesehen, sind ständig aufgestanden und verschwunden, haben Musik aufgedreht, gefrühstückt etc. Erzieherisch einwirken war schwierig, das wäre Aufgabe der Eltern gewesen. Da aber auch kein konkreter Unterricht stattfand, war es für die Kinder auch schwierig, das Ganze ernst zu nehmen. Das lag nicht zuletzt daran, dass viele Kollegen sich neben Notbetreuung (musste das Gymnasium meines Sohnes nicht leisten) und Wochenplänen, Materialkopieren etc. oft nur die Nacht blieb, um sich digital weiter zu bilden. Wir durften nur ein bestimmtes Programm nutzen für unseren Videochat und das hatte nur wenig wirklich sinnvoll nutzbare Tools.
    Insgesamt ist digitaler Unterrichtfür Kinder die noch auf „Begreifen“ im wahrsten Sinne angewiesen sind und erst Schreiben, Lesen und Rechnen lernen denkbar ungeeignet.
    Natürlich hat alleine zu Hause, ohne Sport und ohne Freunde die Lust am Lernen gelitten.

    Ich hoffe es kommt nicht nochmal dazu.

    • „Da aber auch kein konkreter Unterricht stattfand, war es für die Kinder auch schwierig, das Ganze ernst zu nehmen.“

      Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Alles was Kinder ernst nehmen oder nicht kommt von zu Hause, und Gesellschaft.

      Heute ist sowieso auf der erste Stelle Spaß angesagt und nicht Wissen und Bildung.

      Wie sollten Kinder z.B. Bücher lesen (je verschiedenste Thematik desto besser) ernst nehmen, wenn es noch immer in 5. Klasse Gymnasium keine Pflichtlitertür gibt.

      In vielen Länder, viel ärmeren Länder gibt es jedoch Pflichtlektüre schon ab 1. Klasse.

      Sorry, aber reine Präsenzunterricht hat rein gar nichts mit Motivation nach Wissen zu tun.

      Vielen Kinder verstehen heute nicht mehr, warum sie eigentlich in der Schule gehen.
      Besonderes Grundschüler, wo alles bunt mit viele Süßigkeiten und Ausflügen gemalt wird.
      Und dann auf einmal in 5. Klasse ganz reif und den Aufgaben gewachsen sein sollen.

      Es ist kein Wunder, dass Privatschulen blühen, und das sollte es nicht der Weg sein.

  6. Wir beobachten gerade das Gegenteil. Immer mehr Kinder machen die digitalen (Haus-)Aufgaben nicht und haben keine Lust mehr auf digital.

  7. Bei meinen 3 Kindern war die Motivation nicht anders als zu Präsenzzeiten. ( das Grundschulkind sehr motiviert, die beiden Pubertiere eher wechselnd) Was bei uns gestresst hat, war der ständige Wechselkurs zwischen Präsenzunterricht, Wechselmodell und kompletten DU. immer dann, wenn man gerade wieder einen Rhythmus gefunden hatte, wurde alles über den Haufen geworfen. Wir sind uns sicher, dass mehr Planungssicherheit vielen Eltern Stress erspart hätte.

    • Und den Lehrkräften. Bei fast allen Schülern ist Kontinuität und das Eingespieltsein das wichtigste. Mit jeder Änderung der Unterrichtsart nach ministeriellen Vorgaben fielen Schüler einfach weg. Also alle zwei Wochen wurden die Schüler weniger weil diese abtauchten.

  8. „Als Mutter musste man leider trotzdem hinterher sein, dass das Kind nicht vom vorgegebenen Youtube Video des Lehrers weiter gezappt wurde aus spannende Youtuber. “

    Natürlich, dass muss man immer, weil Kinder, solange Kinder sind, befinden sich in einem langen Lern- und Steuerungsprozess. So war es auch seit der Steinzeit.

    Solange sich Kinder mit den Schulaufgaben beschäftigen, sollten sie keine Handys und Computer im Zimmer haben. Falls man nicht zu Hause ist, kann man das haute ziemlich einfach digital kontrollieren (Konferenz aus, auch Kind von dem Coputer raaus), und Handys einfach einsperren, es gibt immer noch Festnetz.

    Und Handys in der Schule sollte man ganz verboten und Kinder fördern, dass sie im Bus, Bahn, unter der Pause sich unterhalten oder lesen, statt surfen und sich Selfies schicken.

    Wie man gleich merkt, Konsumgesellschaft bestimmt heute. Und genau da fällt die Gegensteuerung schwer, weil es sich um die Gesellschaft und um so gepreiste Sozialleben und Anpassung immer mehr und lauter handelt, und nicht um Wissen und Bildung.

  9. Ich finde es gut, dass auch mal gesagt wurde, dass das Gelingen des DU auch eng mit der Motivation der SchülerInnen zusammenhängt. Vorher wurden die Fehler in den meisten Artikeln immer nur bei den faulen/unfähigen/verbeamteten-und-damit-logischerweise-völlig-motivationslosen* Lehrkräften gesucht, wenn was nicht geklappt hat. Eine Umfrage an meiner Schule hat ergeben, dass vor allem die SchülerInnen in den mittleren Klassen und in der Oberstufe starke Motivationsprobleme hatten.
    Jedoch kann ich aus meiner Erfahrung nicht wirklich bestätigen, dass die Motivation mit dem vermehrten Einsatz digitaler Tools stieg. Oft gab es technische Probleme, bei den Kleineren (5./6. Klasse) meldeten die Eltern, dass die Kids damit überfordert seien und doch lieber mit ihren Büchern und Heften arbeiten sollen. In Videokonferenzen wurde gemault, wenn sie zu lange dauerten (auch wenn sie kürzer waren als der eigentliche Unterricht) oder alle Naselang flog einer raus, und Hausaufgaben, die sonst auch immer zu Hause gemacht werden, wurden auch viel unzuverlässiger gemacht. An dieser Stelle geraten die LehrerInnen aber einfach an Grenzen; sie können schlecht zu allen nach Hause fahren, um sie noch mehr zu motivieren, was man dann auch mal akzeptieren muss, weil es nunmal einfach nicht das gleiche ist wie vor Ort in der Schule von Angesicht zu Angesicht, wo man auch direkt reagieren kann, wenn was nicht gemacht wurde oder es ein Problem gibt.

    Außerdem wird viel von den gestressten Eltern geredet und dabei vergessen, dass sehr viele LehrerInnen auch Eltern sind und deren Kinder parallel daheim im DU waren. Die hatten das Problem dann quasi doppelt. Für mich persönlich steht es in keinem Verhältnis, was mir als Lehrerin und Mutter da abverlangt wurde und was im Endeffekt dabei rauskam (Wissenslücken etc. trotz Nutzung aller Möglichkeiten, die man im DU bieten kann…).

    *Ironie

  10. Habe inzwischen von mehreren freien Schulen gehört (zb Montessorischule), dass der Distanzunterricht sehr gut funktioniert hat.
    Das finde ich interessant. Mein Gedanke war, dass die Kinder hier ja selbstbestimmter Aufgaben/Lernmaterial etc wählen können und es ihnen deswegen leichter fiel „allein“ zu lernen, weil sie die selbstorganisation schon aus der Schule kennen.

    Vielleicht hat es aber auch mit der Motivation zu tun, die ja sicher größer ist, wenn hier Wahlmöglichkeiten bestehen… Das ist mir nur bei dem Artikel eingefallen…

    Interessant ist, dass der Schluss von „niedrige Motivation“ auf „Schulen unbedingt offen halten“ ist.
    Vielleicht gibt es andere Wege Motivation zu erhöhen? Da gibt es bildungspsychologisch etliche Erkenntnisse, die noch wenig im aktuellen Schulsystem umgesetzt werden…

    Das mit den Stunden finde ich wenig aussagekräftig… Vielleicht schafft ja ein Schüler zu Hause in 3 Stunden Einzelbetreuung auch mehr zu lernen als in der Schule in 5 Stunden… Da hat ein Lehrer 20 bis 30 Schüler…

    • „Vielleicht schafft ja ein Schüler zu Hause in 3 Stunden Einzelbetreuung auch mehr zu lernen als in der Schule in 5 Stunden… “

      Nicht vielleicht, sondern bestimmt. Eigene Erfahrung.Diese Liestung von zu Hause lernen wird sich nie wieder in der Schule wiederholen, das kann ich wetten. Die Klassen sind dafür zu voll, der Stoff zu dicht, Erholungszeit zu kurz und der Tag dauert immer noch 24 Stunden.

      Und auch Year-Round School ist überflüssig geworden, aber so fest in Bevölkerung gepregt, die nicht mal merkt, wie das auf kein Fall das beste Schulsystem sei.

  11. Motivation ist nicht nur das Problem im Digital- sondern auch im Präsenzunterricht. Es kommt, wie viel Glück man mit einem Lehrer hat oder nicht. Andersrum, muss auch die Bereitschaft von den Schülern kommen, sich motivieren zu lassen. Die Pandemiezeit ist (nicht war – oder sind wir schon durch damit?) für beide Seiten extrem anstrengend. Sicher ist, leider nur Digitalunterricht. Die Unterschiede im Alter der Schüler müssten in dem Bericht berücksichtigt werden. Hinzu, wer in der Oberstufe nicht fähig ist, Digitalunterricht zu folgen, wird nach dem Abi kaum studieren können, oder er/sie muss eben seine Einstellung ändern, Studium erfordert Selbständigkeit und digitale Kompetenz weit übers social media hinaus. Leider haben auch etliche Lehrer diese Kompetenz nicht, was dann auch für alle frustrierend ist.

  12. Ich mag mich irren, aber ist das Lernen in der Grundschule nicht vor allem dadurch geprägt, dass viel in Gruppenarbeit und auch eher spielerisch gelernt wird? Das ist nunmal nicht auf zuhause übertragbar, wenn da EIN Kind mit EINER Betreuungsperson (egal ob Mutter oder Vater, Oma oder Babysitter) vor den Blättern sitzt. Und die Betreuungsperson dann leider gelegentlich keine Ahnung hat, wie sie da sinnvoll vorgehen soll. Ich bin schließlich keine Lehrerin…

    Zudem sich das Ganze ja relativ spontan entwickeln musste – innerhalb weniger Tage mussten Familien ihre Jobs rund um die Betreuung der KITA- und Schulkinder organisieren, Lehrer:innen ging es da mit ihren Kindern auch nicht anders.

    Wo soll denn da Motivation herkommen, bei diesem Hoppla?
    Und in jedem weiteren „Lockdown“ war Familien UND Kindern UND Lehrer:innen schließlich klar, dass sie doch eher scheißegal sind. Bitte hübsch weiterlernen und nicht aufmucken!

    Da bleibt die Motivation schon auch auf der Strecke… Nicht nur bei Schüler:innen.

    Und nö – das ist nicht schon wieder die Schuld von berufstätigen Müttern!

    Ganz ehrlich – was für eine wahnsinnig interessante Analyse (NICHT). Ich bin mütend!

  13. Das interessanteste an der ganzen Coronazeit ist doch, dass auf einmal alle feststellen, sie seien keine Lehrer! Und das, obwohl Generationen von Eltern uns Lehrern erzählt, vorgeschrieben und bemäkelt haben, was die ausgebildeten Lehrer so tun.
    Bin mal sehr gespannt, ob mit dem Präsenzunterricht jetzt wieder alle wissen, was in der Schule zu tun ist .

  14. Motivation? Ist hier wohl jetzt in Präsenz wieder besser. Denn am Ende wurde der Ganztag fast komplett vor dem PC verbracht. Stundenplan 1 zu 1 am PC umgesetzt, abgesehen von Sport. Da mussten sie Videos hochladen. Nachdem Unterricht teils noch mehr PC, wenn sie z.B. Videos von Terra X schauen sollten. Das war anstrengend. Das wär sogar für mich total anstrengend.

    • Ich verstehe das nicht.

      Natürliich, dass Bildung anstrengend ist, aber immer noch viel weniger als die ganztägige Arbeit auf den Feldern.

      Ja, so ist es, heute ist Bildung für alle erreichbar und somit auch bagatellisiert, wie jede Ware im Überfluss.

      • Außerdem leben wir im digitalen Zeitalter.

        Komisch finde ich, dass jedes Kind heute schon in der GS unbedingt ein iPhone, eigenes TV im Zimmer und eigenes Tablet haben muss, aber gleichzeitig wird die Umsetzung des digitalen Unterrichts in der Schule stark kritisiert.

  15. Motivation braucht auch Rückmeldung und das Gefühl, dass die eigene Anstrengung zu einem Ergebnis führt. Meine Kinder haben im Distanzunterricht kaum Rückmeldung bekommen. Ob es an den Möglichkeiten oder dem Willen der LuL liegt, kann ich nicht bestätigen. In der GS hat das tägliche Aufgabenvolumen nicht mehr als 45 Minuten ausgemacht, die Ergebnisse sind dann Wochen später mit einem Stempel versehen worden, als die Kinder schon gar nicht mehr wussten, was sie gemacht haben. Später ist nicht mal mehr was zurückgekommen. Weil der DU so anstrengend war und die L*in schließlich auch Kinder zu betreuen hat. Das war ein Schlag ins Gesicht für alle Eltern, die sich einen abkaspern, um die 45 Minuten Schule zu betreuen und den Rest der Zeit – neben dem eigenen Job – für die Bespaßung gesorgt haben.
    Ich bin froh, dass es wieder Präsenzunterricht gibt. Nicht, weil ich Digitalisierung überflüssig finde (ganz im Gegenteil), sondern weil es nicht funktioniert. Möglicherweise an der Ausstattung, möglicherweise an der Ausbildung, möglicherweise an der Haltung der LuL. Letztenendes muss das das KM bewerten und gegensteuern. Oder wir machen einfach so weiter wie die letzten 40 Jahre…

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