GEW: Mehr ausländische Abschlüsse anerkennen, „mehr migrierte Lehrkräfte an Schulen“!

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FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich dafür stark, dass deutlich mehr migrierte Lehrkräfte an die Schulen in Deutschland kommen. Dafür sei es notwendig, die Hürden abzubauen, die im Ausland ausgebildete Lehrkräfte nehmen müssen, um in der Bundesrepublik in den Schuldienst zu kommen. Wie hoch diese Hindernisse sind, hat die GEW in einer Studie nun ermitteln lassen.

Nur jede fünfte Lehrkraft mit ausländischem Abschluss, die sich um Anerkennung bemüht, landet am Ende im deutschen Schuldienst. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

„Jahr für Jahr könnten bundesweit nach unseren Schätzungen bis zu 1.375 migrierte Lehrkräfte eine volle Lehramtsbefähigung erhalten. Das Potenzial zur Unterrichtsversorgung ist noch größer. Trotz des dramatischen Lehrkräftemangels wird jedoch tausenden zugewanderten Lehrerinnen und Lehrern der Weg an die Schulen verbaut. Die Länder sollten diese Ressourcen nicht länger verschleudern, sondern wertschätzen und als zusätzliche Chance für die Schulen, für die Kinder, für mehr Vielfalt im öffentlichen Dienst nutzen“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern während der Vorstellung der Studie „Verschenkte Chancen?!“ zur Anerkennungs- und Beschäftigungspraxis migrierter Lehrkräfte in Deutschland in einer virtuellen Pressekonferenz am Montag.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen und migrierten Lehrkräften adäquate Beschäftigungsperspektiven zu bieten, sei es dringend notwendig, die Anerkennungsverfahren sachgerechter und transparenter zu gestalten, Zugänge zu erforderlichen Nachqualifizierungen zu erleichtern und zielgruppenspezifische Angebote auszubauen.

Bislang gelingt jährlich nur etwa 500 Lehrkräften mit ausländischen Abschlüssen die volle Anerkennung für das Lehramt

Der Handlungsbedarf sei den zuständigen Beratungsstellen und Behörden durchaus bekannt, sagte die GEW-Vorsitzende mit Blick auf die in der Studie ausgewerteten Daten und Informationen. Die Zahlen sprächen für sich. So wurden von 2016 bis 2018 mindestens 12.000 Menschen beraten, die ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen für den Lehrkräfteberuf anerkennen lassen wollten. Im gleichen Zeitraum wurden 7.365 Erstanträge auf Anerkennung registriert. Bei 11 Prozent wurde im jährlichen Durchschnitt die volle Gleichwertigkeit mit einem in Deutschland erworbenen Abschluss festgestellt, 17 Prozent erhielten ablehnende Bescheide und 68 Prozent sollten eine Ausgleichsmaßnahme beginnen. Bislang gelingt jährlich nur etwa 500 Lehrkräften mit ausländischen Abschlüssen – entweder unmittelbar oder über eine erfolgreich absolvierte Ausgleichsmaßnahme – die volle Anerkennung für das Lehramt. Das sind lediglich 20 Prozent derjenigen, die einen Antrag auf Anerkennung stellen.

Deshalb sei es dringend erforderlich, die Anerkennungsquote und vor allem den viel zu niedrigen Anteil der erfolgreich abgeschlossenen Ausgleichsmaßnahmen zu erhöhen, betonte Finnern. Dafür sei ein Bündel an Maßnahmen notwendig. „Anerkennungsverfahren und Ausgleichsmaßnahmen müssen niedrigschwelliger gestaltet, die damit verbundenen Kosten für migrierte Lehrkräfte gesenkt werden. Auch beim Erwerb der erforderlichen Deutschkenntnisse und Sprachnachweise müssen diese besser unterstützt werden“, sagte die GEW-Vorsitzende.

„Bereits bei der Antragstellung ein C2-Zertifikat zu verlangen, ist weder angemessen noch zielführend“

Hürden und Diskriminierungen im Anerkennungsprozess solle entschlossener entgegengewirkt werden – dann verbesserten sich auch die Beschäftigungschancen. Dazu müssten zielgruppengerechte Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangeboten ausgebaut werden. „Mit Blick auf die hohen Kompetenzanforderungen in der deutschen Sprache muss sowohl bei den Anerkennungsregelungen der Länder als auch bei der Angebotsstruktur und Qualität von Deutschsprachkursen nachgesteuert werden. Bereits bei der Antragstellung ein C2-Zertifikat zu verlangen, ist weder angemessen noch zielführend. Außerdem gilt es, Kompetenzen in den Herkunftssprachen und berufliche Erfahrungen der zugewanderten Lehrkräfte stärker wertzuschätzen. Dafür gibt es bereits einige gute Ansätze und positive Erfahrungen“, sagte Finnern.

Zielgruppenspezifische Qualifizierungsangebote an einzelnen Hochschulen und auf regionaler Ebene sollten entsprechend weiterentwickelt und ausgebaut werden. Grundsätzlich sollte auch der Zugang zu Ausgleichsmaßnahmen vereinfacht, Eignungsprüfungen sowie Anpassungslehrgänge stärker an den Bedarfen migrierter Lehrkräfte ausgerichtet werden. „Viele migrierte Lehrkräfte schrecken die oft hohen Kosten für die Anerkennung und Nachqualifizierung ab“, unterstrich Finnern. Daher müsse die Förderung durch Zuschüsse auf Bundes- und Länderebene ausgeweitet werden.

„Für die schnellere Bearbeitung, eine höhere Transparenz sowie bessere Koordination und Begleitmaßnahmen im Anerkennungsprozess brauchen die zuständigen Stellen mehr personelle Kapazitäten. Die Verantwortlichen von Bund und Ländern müssen stärker an einem Strang ziehen und Butter bei die Fische geben“, mahnte die GEW-Vorsitzende. Als sinnvoll bewertete sie das Knowhow und die Angebote im Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“. Sie stellte abschließend weitere Aktivitäten der Bildungsgewerkschaft in Aussicht und betonte das Interesse an mehr Austausch und Kooperation mit Politik und Behörden. News4teachers / mit Material der dpa

Rassismus ist ein Alltagsphänomen – auch in der Schule. Dort betrifft er Lehrer und Schüler mit Migrationshintergrund gleichermaßen

 

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9 KOMMENTARE

  1. Also die Anforderungen an Sprache runterzuschrauben halte ich für einen riesen Fehler. Wir brauchen Sprachvorbilder. Gerade in den heutigen Zeiten mit vielen SuS mit Sprachproblemen unfd Daz

    • Das sehe ich genauso. Einzige Ausnahme wäre für mich jemand, der eine Fremdsprache unterrichtet und die sprachliche Kompetenz auf entsprechendem Niveau dort mitbringt. Auf keinen Fall darf man die Qualitätsstandards senken. Wir brauchen qualifizierten Nachwuchs aus den Universitäten. Damit die Besten wieder auf Lehramt studieren, müssen auch entsprechende Anreize gesetzt werden. Lehrermangel kann nicht hauptsächlich mit der Rekrutierung von Quereinsteigern oder Migranten angegangen werden, auch wenn sich das toll als „Vielfalt“ verkaufen lässt. Letztlich geht das auf Kosten der Bildung und der Lernenden.
      Offenbar gibt es ja noch die Möglichkeit der nachträglichen Anerkennung, wenn die Voraussetzungen später noch erworben werden. Von daher ist das System durchlässig genug.

  2. Ich vermute mal, die moderne pädagogische Einstellung eines gewissen Laissez-faire ohne Konsequenzen für SuS wird bei Zuwanderern aus den allermeisten Ländern nicht vorhanden sein. Die werden meist einen autoritären Unterricht gewöhnt sein, und deren Verständnis für die „Diversität“ des Regenbogens wird wohl nicht sehr ausgeprägt sein. Heißt es nicht immer, wir sollten zugewanderte Traditionen wertschätzen? Mal sehen, ob die GEW solche Lehrer später noch haben will, wenn sie zu konservativ sind.

  3. Für die GEW ist Gutmenschentum schon lange wichtiger, als sich um die brennenden Probleme der Schule zu kümmern. Und was macht es schon , wenn die Kinder von Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden,die die deutsche Sprache nicht beherrschen ? Die GEW schwimmt ja auch auf der Genderwelle mit, durch die die Sprache verändert und verhunzt wird. Es gab einmal das Prinzip, dass (korrektes) Deutsch in jedem Fach Grundlage zu sein habe. Ist wohl lange her.

    • Wer sagt denn, dass es mangelhaftes Deutsch sein muss? Die Mutter eines syrischen Schülers, mit der ich mich problemlos (kaum Akzent) unterhalten konnte wurde (nach hier in D abgelegter Prüfung als Krankenpflege-Helferin (in Syrien war sie Krankenschwester) in mehreren Kliniken abgelehnt. Begründung stets (einmal nach nur schriftlicher Bewerbung, die wir durchgesehen hatten(!):mangelhafte Deutschkenntnisse.
      Wäre es nicht so tragisch und die Frau möchte, wie ihr Mann auch, endlich die Familie mit 4 Kindern ohne Hartz 4 durchbringen, wäre es die totale Lachnummer.
      Ähnlich mag es auch bei Lehrern und -innen sein: sicher oft Scheinargumente aus (vielleicht) nationalistischen Gründen.

      Wer diese Menschen kennt weiß, wie diese sich förmlich in das Erlernen des Deutschen „hineinknien“. z.B. die o.g. Frau bat mich beim ersten Elterngespräch darum, sie immer zu korrigieren, wenn sie falsche Wörter verwende oder Deutsch falsch ausspreche.
      Pauschalisieren ist nie gut!

      Und Lehrer „die die deutsche Sprache nicht beherrschen“?
      Kommen Sie zu uns nach BaWü. Ich kenne jede Menge Kollegen, die ausschließlich im schwäbischen Dialekt unterrichten.
      Hochdeutsch? Fehlanzeige bei sehr vielen und wenn, dann verfärbt oder mit Dialektwörtern die ins vermeintliche Hochdeutsche konvertiert werden, quasi „hoch-gedeutscht“( Beispiel: „Brestlinge“. „Breschtling“ [bräschdling gesprochen] sind im schwäbischen Erdbeeren. Ich habe selbst gehört, wie er in einem privaten Gespräch „Brestlinge“ angewandt hat-und sich über eine Nachfrage, was das bedeute, wunderte…
      Sicher mag es in allen anderen Dialekt sprechenden Gegenden ähnliche Beispiele geben. Diese KollegenInnen unterrichten auch erstklassig schwäbisch-tönendes Englisch an der Grundschule. Spätestens nördlich Frankfurt versteht das Deutsch dieser KollegenInnen keiner mehr- und viele Menschen, v.a. auch ausländische Kinder, die diese Lehrer als Vorbild für ihre neue Sprache benutzen müssen, was in der GS dramatisch ist, imitieren die Aussprache und erwerben den Wortschatz. Migranten können teils recht gut schwäbisch sprechen, hier im Land, allein durch den täglichen Umgang.

      Aber bei Ausländern dann bei den Berufen andere Kriterien ansetzen?!

      Reicht da der Begriff „unfair“, @Nika?

      • Vergleichen Sie jetzt ernsthaft mangelnde Sprachfähigkeiten mit Dialekt?
        Schön, dass sie Beispiele kennen, die gut Deutsch sprechen. Mit solchen Leuten hat ja auch keiner ein Problem. Es geht eher um die Mehrzahl, die wohl kein perfektes Deutsch spricht. Und solche Leute sollten nicht unbedingt als Lehrperson in eine Schule, wo die Kinder Sprachvorbilder brauchen.

      • Alter Pauker
        Mein 2. Klässler hat eine neue Mathelehrerin, Thailänderin, von der die Kinder behaupten, sie verstehen sie nicht. Ihre Elternmails waren ok?
        Auf dem Elternabend, auf dem sie sich vorstellte, könnte ich meinen Sohn aber verstehen, auch wir Eltern hatten größte Schwierigkeien mit dem Akzent !

  4. Die Klassen sind zu groß, die Ferien zu kurz, die Bezahlung zu schlecht (weil kurze Ferien und große Klassen und so viele Elterngespräche), die Anforderungen zu hoch (so viel außerunterrichtliches).
    Aber bitte keine Quereinsteiger, keine Fachfremden, keine LuL aus anderen Bundesländern, keinen Einsatz von Studierenden, und um Himmelswillen bitte keine Migranten… das senkt die Qualität! Das einzige, was hilft sind weniger Deputatsstunden und mehr Besoldung!

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