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Philologen fordern: Mehr Mut für eine anspruchsvolle Klima-Diskussion an den Schulen!

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BERLIN. Gerade in der jüngsten Vergangenheit konnten wir feststellen, dass komplexe und hoch vernetzte Themen vereinfacht und vereinzelt diskutiert werden“, kritisiert die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Susanne Lin-Klitzing, vor allem mit Blick auf die Zusammenhänge zwischen den beiden globalen Herausforderungen Klima und Demokratie. „So können und werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern!“ Der Philologenverband fordert deshalb: Mehr Rückhalt von der Politik, um große Themen der Zeit an Gymnasien wissenschaftlich weiterzudenken.

Beklagt zu wenig Raum für die Themenbereiche Klima und Demokratie im schulischen Alltag: Prof. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Foto: DPhV

Vor allem am Gymnasium mit seinem wissenschaftspropädeutischen Auftrag sollte es darum gehen, bedeutsame Themen in ihrer Komplexität und Vernetztheit zu begreifen und zu verstehen – meint Lin-Klitzing. Auf diese Weise sollen Schülerinnen und Schüler zum Weiterdenken und konkreten Handeln befähigt und ermutigt werden.

Tatsächlich kommt das Thema Klimawandel im schulischen Alltag nach wie vor zu kurz, wie Schulpraktiker und Bildungsforscher beklagen. „Der Klimawandel ist ein epochales Thema, weil es uns zentral betrifft und die Welt verändert, deswegen ist es enorm wichtig, dass es auf die schulische Agenda gesetzt wird“, sagt etwa der Leiter des Instituts Futur der Freien Universität Berlin, Prof. Gerhard de Haan, gegenüber der „Deutschen Welle“. De Haan berät die „Nationale Plattform BNE“, das oberste Lenkungsgremium für die Umsetzung der UN-Ziele im Bereich der nachhaltigen Bildung in Deutschland.

In einigen Fächern, wie etwa in Erdkunde, findet man den Klimawandel laut de Haan teils in den neueren Bildungsplänen verankert. Einheitliche Standards, wie intensiv der Wandel und andere Nachhaltigkeitsthemen im Unterricht vermittelt werden, gebe es aber nicht. „Wenn man junge Menschen fragt, ob sie dem Komplex von Nachhaltigkeit im schulischen Kontext begegnet sind, dann sagen nur wenige ja – aber mehr als ein Drittel sagt, er sollte zentrales Thema innerhalb der Schule sein“, berichtet de Haan. Und: „Die meisten Schüler geben an, ihre Informationen darüber aus den Medien zu haben.“

Das möchte der Philologenverband ändern. Bei seiner Fachtagung „Demokratie und Klimadebatte als Gegenstand gymnasialen Unterrichts“, die am heutigen Freitag in Leipzig stattfindet, zeigt er deshalb die Verknüpfung zweier wichtiger globaler Themen auf, die in Sachen Nachhaltigkeit im engen Zusammenhang miteinander stehen: Klima und Demokratie.

„Eine vernetzte gymnasialen Bildung schafft für die Schülerinnen und Schüler die Voraussetzungen, um sich in dieser Welt zurechtzufinden“

Lehrkräfte und Studierende, Verbandsmitglieder und Ministeriumsmitarbeiter gehen dabei den Fragen nach: Was macht die Klimadebatte mit der Demokratie? Was macht die Demokratie mit der Klimadebatte? „Diese beiden Themenkomplexe gilt es im Interesse einer breiten und vertieften Allgemeinbildung im gymnasialen Unterricht zu vernetzen“, erklärt Susanne Lin-Klitzing. Die Philologen-Vorsitzende betont: „Wir müssen dafür die naturwissenschaftlichen Grundlagen, ebenso wie die gesellschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse zum Gang der politischen (Entscheidungs-)Prozesse in unserer Demokratie reflektieren. Das sind die Elemente einer vernetzenden und vernetzten gymnasialen Bildung, die für die Schülerinnen und Schüler die Voraussetzungen schafft, um sich in dieser Welt zurechtzufinden und Voraussetzungen für begründete (politische) Aktivität bietet. Wir wollen mehr als Aktionismus.“

Dabei sei klar, so die Verbandsvorsitzende, dass diese Art der Auseinandersetzung zunächst einmal mühsam und schwer ist. Aber zum einen werden durch eine stark vereinfachte Behandlung der Themen den Schülerinnen und Schülern Einsichten verwehrt, die doch zum Verständnis und zu begründeter eigener Meinungsbildung nötig sind. Zum anderen befinden sich an den Gymnasien kluge, leistungsbereite Schülerinnen und Schüler und bestens ausgebildete Lehrkräfte und damit hervorragende Voraussetzungen, die schweren Themen unserer Zeit angemessen – und nicht künstlich vereinfacht – zu behandeln.

Susanne Lin-Klitzing: „Ich wünsche mir an manchen Stellen in Politik und Gesellschaft mehr Vertrauen in die Leistungsfähigkeit unserer Gymnasien und entsprechend mehr Rückendeckung, schwere Themen auch wirklich im Unterricht anzupacken, statt sie fast entstellend zu vereinfachen und damit den Schülerinnen und Schülern nur scheinbar entgegenzukommen.“

Auf der Fachtagung machen die renommierte Klimaforscherin und Leiterin des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Dr. Antje Boetius, sowie Prof. Uta von Winterfeld, Projektleiterin „Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen“ am Wuppertal Institut, Zusammenhänge zwischen der Klimadebatte und gesellschaftlicher Teilhabe deutlich. Anschließende Workshops zeigen Lehrkräften und Lehramtsstudierenden Umsetzungsmöglichkeiten in ihren Fächern. News4teachers

Das Programm

Das Programm der Workshops der Tagung macht anschaulich, wie sich der Philologenverband die Vermittlung des Themas Klimawandel in der schulischen Praxis vorstellt.

Karl Walter Hoffmann, Gymnasiallehrer für Geographie und Evangelische Religion,  Seminarleiter am Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Speyer,und Vorsitzender des Verbandes deutscher Schulgeographen  (VDSG e.V.): Der Beitrag des Faches Geographie am Gymnasium zur Bewahrung der Zukunftsfähigkeit der Erde

Das Schulfach Geographie zentriert ganz bewusst das Prinzip der Zukunftsorientierung und damit ein Handeln aus entstehender Zukunft heraus. Der Workshop fokussiert – am Beispiel „Das Klima, das wir wollen.“ –  den Wertmaßstab Nachhaltigkeit als ein (geographisches) Basiskonzept im Kontext von Lehr-Lernprozessen im und für den Geographieunterricht. Konkret wird dabei das erweiterte Nachhaltigkeitsviereck auf seine didaktische Relevanz hin befragt und als ein Planungs- und Reflexionswerkzeug bei der Gestaltung komplexer und mehrphasiger  Lernaufgaben präsentiert und diskutiert.

Andreas Böhm, Peter-Jörres-Gymnasium Ahrweiler, Lehrer für Biologie und Chemie,  Mitbegründer der Initiative „Lebensnaher Chemieunterricht“, Gregor von Borstel,   Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Bornheim, Lehrer für Chemie, Geschichte und Physik, Seminarausbilder Chemie am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Düren,  Mitbegründer der Initiative „Lebensnaher Chemieunterricht“: Wider die alternativen Fakten zum Klimawandel! Ein Beitrag des Chemie- und Biologieunterrichts zur diskursiven Auseinandersetzung mit dem größten Menschheitsproblem des 21. Jahrhunderts

Wie lassen sich für die Schülerinnen und Schüler die grundlegenden wissenschaftlichen Zusammenhänge zum Klimawandel so durchschaubar machen, dass Fake-News schneller erkannt und dass mögliche Handlungsoptionen deutlich werden? Es werden praxiserprobte Materialien und Methoden vorgestellt, die den Chemie- und Biologie-Unterricht betreffen und die den Bezug des Unterrichts zur Erfahrungswelt der Schüler steigern. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf der Anknüpfung der Thematik an die unterrichtliche Behandlung des chemischen Gleichgewichts in der Sekundarstufe II.

Annalena Stöger, Vorstandsmitglied des SV-Bildungswerks (Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteiligung), Engagement-Botschafterin des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement 2020, und Sven Mohr, ehemaliges Vorstandsmitglied des SV-Bildungswerks und freiberuflicher Moderator: Die schülerzentrierte fächerverbindende Gestaltung eines Projekttages zum Schlüsselproblem Klimawandel (Impulse für den Unterricht)

Der Klimawandel beschäftigt die junge Generation wie kaum ein anderes politisches Thema. Die Schule ist gefragt, einen Raum für die Auseinandersetzung mit Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten im Kontext des Klimawandels zu schaffen. Im Workshop wollen wir uns der Frage nähern, wie diese Auseinandersetzung fächerübergreifend und mit Fokus auf die Interessen und Bedürfnisse von Schüler*innen gut gelingen kann. Wie kann das „allumfassende“ Thema Klimawandel Eingang in den Schulalltag finden? Auch für den Austausch über erfolgreiche Praxisbeispiele wird Gelegenheit sein.

Dr. des. Steve Kenner, ausgebildeter Lehrer für Politik und Spanisch, derzeit geschäftsführendes Mitglied des Forschungszentrums Center for Inclusive Citizenship (CINC), wiss. Mitarbeiter am Institut für Didaktik der Demokratie (IDD, beides Leibniz Universität Hannover), Landesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) in Niedersachsen: Klima-Aktiv. Politisches Handeln für Klimagerechtigkeit als Bildungserfahrung

Am Beispiel verschiedener Studien bspw. zum Sozialpraktikum, aber auch zur Rekonstruktion von Bildungsprozessen in politischer Selbstorganisation (bspw. im Kontext der Bewegung Fridays for Future) wird zunächst aus empirischer Perspektive der Frage nachgegangen, inwiefern die Schule ein Erprobungsraum für soziales und politisches Handeln sein kann. Im zweiten Teil des Workshops werden Rahmen- und Gelingensbedingungen für die Bildungspraxis vorgestellt und mit den Erfahrungen der Teilnehmenden abgeglichen. Dabei wird auch Bezug genommen auf erste Erkenntnisse aus dem Transferprojekt klima-aktiv.org.

Astronautin und Klimaforscherin Thiele-Eich: „Das Thema Klimawandel passt in alle Fächer“

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24 COMMENTS

  1. Das Wahlalter zu senken wäre hier vielleicht die geeignetste Maßnahme – Kinder brauchen HANDLUNGsmöglichkeiten! Solche Themen theoretisch zu vertiefen, führt beobachtbar auch zu Zukunftsängsten und depressiven Verstimmungen … es ist nicht zu unterschätzen, was Fridays for Future für die psychische Regulation dieser Generation leistet.

  2. Finde ich gut, diese komplexen Themen angemessen und nicht vereinfacht in der SEK 2 zu behandeln.
    Finde ich gut, dass sie den Lehrern die Kompetenz zutraut.
    Hoffentlich bringen die Schüler eine gute Basis aus der SEK 1 mit.
    Wenn ich die Klagen der Gymnasiallehrer hier höre, bin ich mir dabei aber nicht ganz so sicher …..

    • „Finde ich gut, dass sie den Lehrern die Kompetenz zutraut.“

      Ich finde diese Zuschusterung von Kompetenz nicht gut, denn mir selbst und den wahrscheinlich allermeisten anderen Lehrkräften traue ich sie nicht zu.
      Mir kommt dieses Zutrauen eher wie eine weitere Lobhudelei vor, mit denen wir Lehrer mal wieder „geködert“ werden sollen.

  3. Ehrlich gesagt: Mir geht die undifferenzierte Klima“diskussion“ mit ihrer permanenten Erzeugung von Angst und Panik (insbesondere bei Kindern und Jugendlichen!) nur noch auf die Nerven.
    Was ist nur mit unserer Gesellschaft los, dass wir meinen, alle möglichen Probleme vermehrt in die Schulen hineintragen, die Kinder damit ängstigen und zum Druck auf die Politik anregen zu müssen? Gilt das neuerdings als kinderfreundlich?
    Lasst den Kindern doch bitte etwas undbeschwerte Kindheit, liebe Erwachsene, und kümmert Euch selbst um politische Fragen und Probleme. Lasst sie noch ein wenig darauf vertrauen, dass Ihr es schon bestmöglich für sie richten werdet und tut nicht so, als ginge es Euch ums Kindswohl, wenn Ihr Kinder ängstigt, um sie für Eure Anliegen und Parteiinteressen einzuspannen.

    • Äääähm, ja:

      https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/un-klimaziele-verfehlt-erderwaermung-101.html

      Es wird wirklich Zeit, das Wahlalter zu senken, schon allein wegen der Schieflage der Altersstruktur in Deutschland „jung-alt“. Wie man Ihrem Kommentar entlesen kann, scheinen nämlich gerade die Älteren der Meinung zu sein, dass es sich beim Leben um einen Ponyhof handelt. Ein höheres Alter impliziert offensichtlich nicht gerade, den „Durchblick“ zu haben.

      Und es soll doch tatsächlich Jugendliche geben, die sich über die Probleme in der Welt auch jenseits der Schule von sich aus informieren und sich eine Meinung dazu bilden. Sie sollte man in den Schulen mit den schweren Themen dieser Zeit nicht allein lassen! Aus den Schüler(innen) von heute werden die politisch Agierenden und Verantwortlichen von morgen und das glauben Sie mal, dass da niemand bei ist, der in den nächsten Fluten untergehen möchte, auch wenn so manch´ Ewiggestriger das offensichtlich für seine Kinder gern in Kauf nimmt (für „seine Anliegen und Parteiinteressen“ ?, wie Sie sagen) … vielleicht, weil es IHN SELBST nicht mehr betrifft („nach ihm die Sintflut“ trifft es da sehr,sehr gut!).

      Mehr Mut zur Diskussion in Sachen „Klima und Demokratie“ wird den Jugendlichen insbesondere der Sekundarstufe II (und die sind zum Teil sogar schon volljährig) durchaus gerecht! Alles andere holt sie im Leben und der Schule nicht da ab, wo sie stehen!

      • @Viva
        Beim beliebten Slogan „Mehr Mut zur Diskussion“ ist mir oft nicht klar, ob es bei sehr komplexen Themen nicht letztlich auf „Mut zur Indoktrination“ hinausläuft.
        Ich traue mir jedenfalls nicht zu, bei komplexen Themen einen so objektiven und umfassenden Durchblick zu haben, dass ich Diskussionen sach- und wahrheitsgerecht moderieren kann.

        Sie schreiben: „Es wird wirklich Zeit, das Wahlalter zu senken, schon allein wegen der Schieflage der Altersstruktur in Deutschland.“
        Es gibt viele bekannte Argumente gegen Ihren sehr oberflächlichen (weil rein mathematisch begründeten) Standpunkt. Mit einer Frage möchte ich nur den Gedanken herausgreifen, den Sie in den Raum stellen: Wollen Sie wirklich behaupten, dass Jugendliche vor den Ansichten älterer Menschen, die angeblich mangelnden „Durchblick“ haben und das Leben für „einen Ponyhof“ halten, geschützt werden müssen?
        Abgesehen davon, dass Sie Jung gegen Alt ausspielen und damit einer weiteren gefährlichen Spaltung der Gesellschaft das Wort reden, frage ich mich nach dem Bild, das Sie von älteren Menschen haben. Alles Omas und Opas, die mehr oder weniger gaga sind, ihr Nachkriegsleben als „Ponyhof“ in Erinnerung haben und denen die Zukunft ihrer Enkel völlig egal ist.
        Wenn ich an meine betagten Eltern denke, die weit schwerere Zeiten erlebt haben als wir Kinder und die sich jetzt auch noch rührend um die Enkel kümmern und für sie mitdenken, schmerzt mich Ihre mangelnde Wertschätzung älterer Menschen, deren Lebenserfahrung und -klugheit.

        • Also, nur weil SIE es sich nicht zutrauen, den Themenkomplex „Klima und Demokratie“ in den Schulen zu behandeln, heißt es nicht, dass es niemanden gibt, der das kann!

          Was das Wahlalter betrifft, so würde sicherlich nicht die alte gegen die junge Generation gegeneinander ausgespielt werden, sondern die junge Generation würde überhaupt erst verstärkt ins Spiel kommen. Wovor hat die ältere Generation Angst, frage ich mich.

          Sie fragen sich nach dem Bild, das ich von älteren Menschen habe? Zwischen 1940 und 1970 hatten die älteren Menschen hier neben den „schweren Zeiten“ (wie Sie selbst sagen), die unter ihrer scheinbar durch Geburt in die Wiege gelegten Weisheit überhaupt erst für sie schwer wurden, damit zu kämpfen, dass die Erdatmosphäre kälter wurde! Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war geprägt von massivster Industrialisierung und maximaler Schwefeldioxid-Belastung! Was folgte? Umweltgesetze in den Industriestaaten, die zu einer besseren Luft führten und eine weitere Abkühlung der Erde verhinderten.

          Nun müssen Treibhausgase reduziert werden und das erfordert entsprechendes Handeln. Die Notwendigkeit dazu überhaupt erst einzusehen und erkennen zu wollen, sich entsprechend zu verändern und sogar auch unvermeidbare Opfer zu bringen, dazu scheinen mehr junge Menschen bereit als ältere! Woran mag das liegen? Vielleicht daran, dass jeder Mensch (ungefähr ab dem mittleren Alter beginnend) sich über seine eigene Endlichkeit real bewusst wird und man deutlich sein eigenes Ableben vor Augen hat? Und vielleicht daran, dass dieses Restleben möglichst unbekümmert – von Bequemlichkeit und Wohlstand begleitet – stattfinden soll bis der Hintern dann in den Sarg muss? Ich frage mich, wie der ewiggestrige Mensch wohl in seinen politischen Entscheidungen gestrickt wäre, wenn er sein eigenes (!) biologisches Leben durch sorgsames, der Erde und seinen Mitmenschen gegenüber verantwortungsvolles Handeln, verlängern könnte, diese eigene, individuelle Endlichkeit – von klugen Entscheidungen abhängig – nach hinten verschiebbar wäre?

          MICH schmerzt der Egoismus, mit dem Menschen dulden, die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstören zu lassen, nur, weil der absehbare und sogar zeitweise bereits sicht- und spürbare Schaden sie selbst nicht mehr in den Maßen betrifft wie es für die nachfolgenden Generationen zu erwarten ist. Selbstverständlich ist aber der Egoismus nicht die einzige treibende Kraft, die Füße still zu halten, sondern oftmals ist es auch eine Überforderung, die gerade die ältere Generation (gezeichnet von schweren Zeiten) unempfänglich macht für die Probleme dieser Zeit!

          Auch deshalb gehört meiner Meinung nach die Jugend vollumfänglich mit ins Boot!

        • @Viva
          Was heißt „Auch deshalb gehört meiner Meinung nach die Jugend vollumfänglich mit ins Boot!“ ?? Welches besondere Boot meinen Sie denn?
          Ich kenne niemanden, der in einem anderen Boot als dem von Umwelt- und Klimaschutz säße. Keiner, der dagegen wäre, dass wir mit unserer Erde, unserem Wasser oder unserer Luft sorgsamer umgehen müssen. Ich kenne auch keine Partei, die sich Umweltzerstörung auf die Fahne geschrieben hätte. Sie etwa?
          Ich kenne nur Menschen und Parteien, die zwar dasselbe Wunschziel haben, aber verschiedener Meinung sind über die Wege dorthin.
          Soll in den Schulen nun rein sachlich über diese verschiedenen Wege diskutiert werden oder wollen Sie die Schüler nur ins Boot einer bestimmten Partei (z.B. das der Grünen) holen?
          Ohne Zusammenhang mit Parteiwerbung kann ich Ihr Bild vom „vollumfänglichen-mit-ins-Boot-Holen“ nicht verstehen.

          • Mit „vollumfänglich“ meine ich: mit Wahlrecht (ab 16), Verstehen und Reflektion der wissenschaftlichen Fakten rund ums Klima und Diskussion (insbesondere des internationalen, politischen Bestrebens) als Teil einer Crew in einem Boot, das das Ziel hat, die menschlichen Lebensgrundlagen zu bewahren.

            In den Schulen ist politische Neutralität geboten und Parteiwerbung somit verboten. Wissen Sie das nicht?

            Der Klimawandel ist darüber hinaus vor allem ein globales Problem! Unter uns: Was eine demokratische Partei sich hier – das Handling der Klimakrise auf nationaler Ebene betreffend – auf die Fahne schreibt, obliegt der Verantwortung der jeweiligen Partei. Wo Bürger(innen) ihre Kreuze machen und aus welchen Gründen, bleibt Privatangelegenheit der Bürger(innnen). Es obliegt doch jeder Partei in Eigenverantwortung, das Tempo der Fahrgeschwindigkeit und auch die Seewege des Bootes in Eigenregie vorzuschlagen. Die Wähler(innen) nehmen an oder lassen es. – Wo Sie aber gerade die Grünen erwähnt haben, vermutlich, weil diese sich den Klimaschutz schon immer auf die Fahnen geschrieben haben, so glaube ich, dass gerade die Grünen da gar keine Probleme mit Konkurrenz bezüglich ihrer Ziele hätten. Man munkelte ja hier und da in den Medien sowieso schon, dass auch die angestrebten Ziele der Grünen noch nicht ausreichend seien. Also nur zu. 😉

          • @Viva
            Gerade weil ich das Neutralitätsgebot kenne, habe ich auf Ihre (von mir vermutete) Parteiwerbung hingewiesen.
            „…als Teil einer Crew in einem Boot, das das Ziel hat, die menschlichen Lebensgrundlagen zu bewahren.“
            Na, dann sitzen wir doch alle im selben Boot und haben keinen Dissens. Warum müssen dann noch die Kinder und Jugendlichen gezielt mit Zukunftssorgen und -ängsten belastet werden?
            Um es noch krasser zu fragen: Brauchen wir wirklich noch „Kindersoldaten“ in unserem ohnehin schon randvollen Boot für den Kampf um die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen?

            Sie sagen: „Die Grünen haben da gar keine Probleme mit Konkurrenz bezüglich ihrer Ziele“. Von den allseits gleichen Zielen habe ich in meinem Kommentar auch gesprochen. Im Unterschied zu Ihnen habe ich aber die verschiedenen Wege erwähnt, um die es im politischen Wettstreit geht. Die unterschiedlichen Vorstellungen und Marschrouten sind doch der eigentliche Knackepunkt in den Diskussionen und Auseinandersetzungen.
            Zu einer „komplexen“ Behandlung des Umwelt- und Klimathemas gehören auch die WEGE. Wer sie unter den Tisch fallen lässt und nur die Marschroute der Grünen herausstellt, betreibt das Gegenteil von komplexer Erörterung und Diskussion.
            Mit „Wahlrecht heruntersetzen“ und „Kinder an die Front“ betreiben Sie meiner Meinung eine gefährliche Vereinfachung des „komplexen“ Themas, was letztlich doch auf Wahlwerbung hinausläuft, auch wenn sie verboten ist.

          • Oh je, Sie scheinen sich mit Ihrem Anliegen auf einem anderen Boot, einem Kriegsboot, zu befinden (Kindersoldaten, Kampf, Marschrouten…).und obendrein sehen Sie scheinbar überall „grüne Männchen“.

            Nee, auf den Klimawandel muss man die junge Generation nicht erst schulisch stoßen. Die beschäftigt sich sowieso schon damit und Zukunftsängste und -sorgen entstehen nicht allein durch die Thematik an sich, sondern erst recht dadurch, wenn man selbst handlungsunfähig bleiben und dem politischen Handeln – die eigene Zukunft betreffend – ohnmächtig zusehen muss und nicht teilhaben kann bzw. leider damit warten muss bis man 18 ist. Besorgte Menschen brauchen im Allgemeinen Ventile, besorgte Demokraten eben Wahlen!

            Apropos „Wege der Parteien“ … auch da gibt es kein Lese- und Denkverbot für die Jugend:
            https://www.tagesschau.de/inland/btw21/programmvergleich-klimaschutz-107.html

            Und trotz politischer Neutralität in den Schulen werden die Schüler(innen) auch in den Schulen auf ihre (künftigen) Wahlen vorbereitet. So aktuell mit der „Junior-Wahl 2021“. Vorab haben die Schüler(innen) natürlich den Wahl-O-Mat oder Vergleichbares gemacht, das eine oder andere Triell gesehen und den Stimmzettel in die Probeurnen gegeben. Wir befinden uns eben nicht im Krieg! Nur in einer Demokratie.;-) Das Thema „Klimawandel“ übrigens ist bereits selbstverständlich auch schon lange in den Schulen präsent, aber vom Umfang her sicher noch weiter ausbaufähig … so beurteilt es zumindest mein Kind (mit Ponyhof nur in der Freizeit). 😉

          • „…so beurteilt es zumindest mein Kind“ höre ich oft von Eltern, wenn sie ihr Kind für die eigene Meinung vorschieben.
            „Mein Kind findet, dass Sie zu streng sind — dass Sie es nicht leiden können — dass Sie andere vorziehen — dass Sie ihm immer die Schuld geben — dass andere bessere Noten kriegen“ …usw.
            Im Übrigen finde ich auch, dass bei so großer Übereinstimmung der Erwachsenen bezüglich des Umweltschutzes nicht auch noch die Kinder in den mit Ängsten spielenden Wahlkampf der Parteien hineingezogen werden sollten.
            Lasst die Kinder möglichst unbeschwerte Kinder sein. Sie nehmen zwar viel Unschönes außerhalb der Schule wahr, doch wenn auch ihre Lehrer und Lehrerinnen noch mittrommeln, bekommen die Zukunftsängste ein ganz anderes Gewicht.
            Wir brauchen doch die Wahlstimmen der Heranwachsenden unter 18 Jahren für den Schutz von Klima und Umwelt gar nicht.

          • @ Maja
            Jesses, muss der AfD der A…. auf Grundeis gehen bei dem Gedanken, dass die Jugendlichen bereits ab 16 wählen könnnten.

            Der Unterschied zwischen Ihrem Bild von Jugendlichen und meinem liegt wohl in der Tatsache begründet, dass ich fast ausschließlich nur persönlichkeitsstarke Jugendliche kenne … vom Verstand, ihrer Willensstärke, ihrer Reife und auch ihren sozialen Kompetenzen her. Ich habe keinen realen Grund, Jugendliche zu unterschätzen. Sie offensichtlich schon. Sie wissen schon, wie verhaltensauffällig und unglücklich (pubertierende) Jugendliche werden können, wenn man sie unterfordert, rauslässt, nicht ernst nimmt, für doof verkaufen möchte? Die lassen sich nicht „klein“ halten … schon gar nicht in der Oberstufe … so um die 18 herum! Und wer außer den Ewiggestrigen möchte das auch?

          • @Viva
            Jugendliche werden nicht unterschätzt, wenn man sie nicht schnellstens in die Rolle von kleinen Erwachsenen steckt. Sie werden auch nicht künstlich „kleingehalten“, sondern in ihrem Heranwachsen ernst genommen. Kinder wollen nicht nur SEIN, sie wollen auch WERDEN.
            Also lassen wir ihnen doch ihre Entwicklungszeit und konfrontieren sie nicht mit Aufgaben, Rechten und Pflichten, die zum Erwachsenenleben gehören.
            Dieser Ansicht sind übrigens nicht „Ewiggestrige“, sondern moderne Kinderärzte und Psychologen. Aber mit dem Schimpfwort „ewiggestrig“ kann man natürlich auch versuchen, Punkte zu sammeln.

            Diese Art zu punkten ist übrigens typisch für viele Kinder und Jugendliche. Wir Lehrer versuchen täglich, ihnen Gesprächsregeln beizubringen und sie diesbezüglich gut zu rüsten für ihr späteres Leben. Die Arbeit ist zwar mühsam, aber mit der Zeit lohnt sie sich. Sachliche Diskussionsfähigkeit verspricht fürs spätere Leben mehr Erfolg und Zufriedenheit als persönliche Attacken. Besonders in einem Land und einer Gesellschaft mit demokratischen Spielregeln!!

            Demokratische Dikussionsfähigkeit kann man an vielen Themen üben, nicht nur an politischen. Man kann sie aber nicht herbeizaubern durch eine Herabsetzung des Wahlalters.

          • @ Bettina
            Ach, das freut mich ja, dass Sie „ewiggestrig“ als Schimpfwort und persönliche Attacke empfinden. Dem berühmten Deutschen, Friedrich von Schiller, sei Dank für diese schöne Wortkombination!

            Wenn Sie jetzt noch Jugendliche wahrnehmen könnten, die schon sind, bevor sie dann werden, top! Aber nein … pssst … sie entwickeln sich doch noch bevor sie dann mit 18 zu Soldaten auf einem Boot an die Front auf eine Marschroute einer Partei müssen, um Lebensgrundlagen zu bewahren. Und vorher am besten lernen die Kinder und Jugendlichen deutsche Gedichte rauf und runter auswendig, damit die Zeit in der Schule auch sinnvoll und dem deutschen Kinde gerecht gefüllt werden kann, nicht wahr?

            Ganz ehrlich, wundern Sie sich nicht, wenn insbesondere völlig normal entwickelte Jugendliche Ihnen einen Vogel zeigen!

            Ich schenke Ihnen nun, falls Sie noch mögen, das letzte Wort und gehe mit diesem und den enthaltenen Worthülsen genauso um wie dieses es im Sinne der Sachlichkeit und Demokratie verdient, behandelt zu werden. Versprochen!

      • Darum geht es Robert nicht. Er kritisierte die fehlende Diskussion im strengen Sinne, weil eine bereits feststehende Meinung aller Beteiligten nicht mehr diskutiert werden braucht.

        Dass sich das Klima erwärmt, sollte auch der skeptischste Mensch erkennen. Woher allerdings die 2,7 Grad (und nicht 1,9 oder 3,2) kommen, darf angesichts der vor 100 Jahren noch sehr viel ungenaueren messmethoden und -Geräte durchaus fragen. Ich beziehe mich dabei ausschließlich auf die Zahl und nicht die Ursache. Abgesehen davon müsste die Jugend oder zumindest der Teil von ihnen, die wirklich Angst vor dem Klimawandel in den kommenden 30 Jahren haben, den individuellen Stromverbrauch drastisch reduzieren, also insbesondere den Medienkonsum an Smartphone auf nahe Null reduzieren und nie mehr in ein Flugzeug steigen.

        • Den Eindruck habe ich auch, Georg: Es geht gar nicht um eine ergebnisfreie Klima- und Demokratiedebatte, sondern um „eine bereits feststehende Meinung“, die den Schülern beigebracht werden soll.

          @Robert
          Mit Ihrem Kommentar sprechen Sie mir aus der Seele. Dem Dank dafür und dem treffenden Kommentar dazu von Tina+2 schließe ich mich an.

    • Danke Robert, genau meine Meinung.

      Die Kinder haben genug eigene unmittelbare Sorgen und psychische Probleme. Man muss sie nicht zusätzlich auch noch mit dem Klimathema indoktrinieren und aufhetzen.

      Dass man ihnen Mülltrennung, die Vermeidung von Wasserverschwendung und ähnliche Themen erklärt ist selbstverständlich. Aber wenn schon Grundschüler oder Kita-Kinder zu FFF-Demos angestachelt werden (und sich dem auch teilweise in Vor-Corona-Zeiten nicht entziehen konnten weil es eine Klassenveranstaltung war), dann schießt das weit über das hinaus, was ich als Mutter denke, worüber sie sich schon den Kopf zerbrechen und auch noch zusätzliche Sorgen machen sollen!

  4. Was soll dieser Blödsinn? Die meisten SuS verfolgen keine Nachrichten und sind nicht an Politik interessiert, auch nicht am Gymnasium. Meine Jungs träumen von dicken Autos und finden die Grünen blöd …

    Der Klimawandel lässt sich nicht durch Schulen oder von Schülern aufhalten. Das sind politische Entscheidungen die jetzt von Poltitikern getroffen werden müssen, die nicht mehr unter den Auswirkungen leiden werden.

    .

    • Na, da haben Sie ja interessanten Nachwuchs …

      Ich beobachte seit Jahren am Gymnasium im Fach Biologie ein großes Interesse der SchülerInnen an Klima- und Umweltthemen und gleichzeitig ein großes Erstaunen darüber, dass laut Lehrplan nur sehr wenig zum Thema, z.B. im Kurshalbjahr Ökologie, dazu vorgesehen ist.
      Da soll man sich en Detail mit dem Stickstoffkreislauf beschäftigen (der auch einen Anteil an der Klimaproblematik hat), während das CO2-Problem mal so nebenbei abgefrühstückt wird. Viele Möglichkeiten zur Schwerpunktverschiebung hat man wegen der Abituranforderungen nicht, zeitlich ist sowieso alles sehr eng getaktet.
      Ich würde es durchaus begrüßen, wenn in den Schulen sachlich-fachliche Grundlagen für aktuelle politische Diskussionen geschaffen werden könnten.

      • Um eine wirklich fundierte Diskussion zu ermöglichen, müssen sich viele verschiedene Fächer zusammenschließen. Geografie, Physik, Chemie, Biologie aber auch Mathematik, Wirtschaft und Gesellschftwissenschaften.
        Aber es würde sich durchaus lohnen, zum Beispiel um die Sonntagsreden unserer Politiker zu durchschauen.

  5. An der GS meiner Kinder ist der LuL-Parkplatz voll mit SUVs. Ich denke nicht, dass es da eine sinngebende Klimadiskussion geben wird.

  6. Zur Kompetenzfrage: Wie wäre es denn damit, das Fach Erdkunde deutlich aufzuwerten und die Lehrpläne im Sinne der aktuellen und wichtigen Klimathematik zu überarbeiten?
    Andernfalls laufen wir weiterhin Gefahr, die gesamte (gymnasiale) Bildung mit Zeitthemen zu überziehen, sodass am Ende die geschichtsbezogene Allgemeinbildung noch mehr leidet, als sie es ohnehin schon tut.
    Dieser Trend, der gerne mit der Erziehung zur demokratischen Mündigkeit begründet wird, ist ja schon seit Jahren und Jahrzehnten manifest: „Aktuelle Themen“ und ihre Diskussion – Umweltzerstörung, Rassismus, Homophobie etc. – sind immer gut und aufgrund ihrer Dringlichkeit ausreichende Rechtfertigung für zeitraubende Unterbrechungen des eigentlichen Fachunterrichtes (auch und gerade am Gymnasium), was neben vielen anderen Faktoren zu einer Erosion valider Allgemeinbildung geführt hat.
    Das soll nicht heißen, dass wichtige Themen nicht im Sinne vernetzten Denkens und vernetzter Bildung in allen Fächern auch ihren Platz haben, aber der muss sich im Rahmen halten und der eigentliche Ort müssen die Fächer sein, die von vornherein die größte Schnittmenge mit den jeweiligen Themen aufweisen – Geschichte, Politik, Erdkunde, Biologie -, und dort müssen die Themen dann entsprechend der Fachkompetenz der Lehrkräfte mit fachübergreifenden Ansätzen verbindlich so behandelt werden, dass sie für die Schüler nicht wieder nur ein weiteres lästiges Unterrichtsthema darstellen.

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