Schleicher fordert, Lehrerberuf attraktiver zu machen (aber nicht mit mehr Gehalt)

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BERLIN. Schulen und Kitas sollen nicht mehr schließen, wird immer wieder betont. Zahlen der OECD zeigen nun, wie sehr die Schließungen und Einschränkungen in der Vergangenheit den Unterricht eingeschränkt haben. Deutlich wird aber auch: Deutschland gibt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, weniger für die Bildung aus als viele andere Industrieländer. OECD-Bildungsdirektor Schleicher mahnt zudem, den Lehrerberuf hierzulande attraktiver zu gestalten – allerdings nicht mit mehr Gehalt.

«Es geht weniger daum, den Lehrerberuf finanziell attraktiver zu machen, das ist er schon“: PISA-Koordinator Andreas Schleicher. Foto: OECD

Zwei Drittel der Unterrichtstage waren in den ersten Corona-Wellen in Deutschland durch geschlossene oder nur teilweise geöffnete Schulen beeinträchtigt. Diese Zahlen hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag vorgelegt. Die rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler im Land hatten seit Beginn der Pandemie bis zu diesem Frühjahr im Schnitt an mehr als 180 Tagen sogenanntes Homeschooling, Wechselunterricht oder andere Unterrichtsformen, weil Schulen zu oder nur zum Teil geöffnet waren. Das sind 67 Prozent der rund 270 Schultage im untersuchten Zeitraum zwischen Januar 2020 und 20. Mai 2021.

Grundschulen waren demnach im Schnitt 64 Tage geschlossen und 118 Tage nur teilweise geöffnet. Weiterführende Schulen waren an 85 Tagen geschlossen und an 98 Tagen nur eingeschränkt in Betrieb, Gymnasien oder Berufsschulen waren 83 Tage zu und 103 Tage nur teilweise geöffnet. Kitas waren im Untersuchungszeitraum im Durchschnitt 61 Tage vollständig geschlossen. Zahlen zum Teilbetrieb bei Kitas liegen nicht vor.

«Man muss bei zukünftigen Krisen sich Gedanken machen, was die Prioritäten sind»

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, Koordinator der PISA-Studien, sagte am Donnerstag: «Man muss bei zukünftigen Krisen sich Gedanken machen, was die Prioritäten sind.» Er verwies darauf, dass andere OECD-Länder bei ähnlicher oder noch schwierigerer Infektionslage, die politische Entscheidung getroffen hätten, die Schulen offenzuhalten.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) begründete das Vorgehen in Deutschland mit der starken Rolle der Gesundheitsfrage im Abwägungsprozess, «was übrigens auch von der Gesellschaft ja lange, lange so auch mitgetragen wurde.» In Umfragen habe man weitestgehende Akzeptanz dafür gesehen, dass man sehr restriktiv rangegangen sei. Schleicher sagte, es sei international keinerlei statistischer Zusammenhang zwischen der Höhe der Infektionsraten und der Länge der Schulschließungen zu sehen.

Was Schleicher außen vor lässt: Es gibt sehr wohl statistische Untersuchungen, die einen starken Effekt von Schulschließungen in der Pandemie belegen, wie News4teachers berichtete. Dies zeigt eine Studie im Auftrag der Kultusministerkonfernz auf. Die bisherigen drei Corona-Wellen in Deutschland konnten allesamt erst nach Schulschließungen beruhigt werden – die (vorerst) letzte davon nach Einführung der Bundesnotbremse. Frankreich, das Schleicher in der Vergangenheit als vorbildlich wegen seiner offenen Schulen bezeichnet hatte, weist mit 177 Corona-Toten auf 100.000 Einwohner eine signifikant schlimmere Corona-Bilanz auf als Deutschland mit 111.

Die OECD legte die Daten im Rahmen ihrer jährlich veröffentlichten Erhebung «Bildung auf einen Blick» vor. In der mehr als 500-seitigen Studie werden die Bildungssysteme der 38 OECD- und weiterer Länder miteinander verglichen. Unter anderem wird untersucht, wie viel Geld die Länder für Bildung ausgeben oder wie Schulen und Kitas personell aufgestellt sind.

Hervorgehoben wird für Deutschland, dass sowohl in der Altersgruppe unter drei Jahren als auch im vorschulischen Bereich mehr Kinder an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung teilnähmen als im OECD-Durchschnitt. Die jährlichen Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler seien zudem höher als im OECD-Durchschnitt. Allerdings gibt Deutschland dem Bericht zufolge bezogen auf sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) weniger Geld für Bildungseinrichtungen aus als die OECD-Länder im Schnitt. 2018 waren es demnach 4,3 Prozent des BIP, verglichen mit einem OECD-Durchschnittswert von 4,9 Prozent.

Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt müsse deutlich wachsen, forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Mit den bisher eingesetzten Mitteln schaffen wir es in Deutschland bis heute nicht, für Chancengleichheit zu sorgen», sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. Die Gewerkschaft erneuerte zudem ihre Forderung nach besserer Bezahlung für Lehrkräfte und verwies auf einen «dramatischen Lehrkräftemangel» an Grundschulen. Nur so werde der Lehrkräfteberuf für junge Menschen bei der Berufswahl wieder attraktiver.

«Es geht eher darum, das Berufsfeld der Lehrkräfte intellektuell attraktiver zu machen»

OECD-Bildungsdirektor Schleicher sieht andere Gründe: «Es geht weniger darum, den Lehrerberuf finanziell attraktiver zu machen, das ist er schon. Es geht eher darum, das Berufsfeld intellektuell attraktiver zu machen». Laut OECD-Bericht sind die Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland höher als in allen anderen OECD-Ländern mit verfügbaren Daten. Schleicher plädierte für neue Karrierestrukturen, die Lehrkräften eine Weiterentwicklung ermöglichten. Schule müsse ein spannendes Arbeitsumfeld sein. In Deutschland sei der Lehrerberuf immer noch sehr auf Unterricht im Klassenzimmer beschränkt. News4teachers / mit Material der dpa

„Bin beeindruckt, was sich an vielen Schulen entwickelt hat“: PISA-Chef Schleicher zieht zur didacta eine (optimistische) Corona-Bilanz

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33 KOMMENTARE

  1. Mir würde es einfach nur reichen, dass ich endlich wieder NUR unterrichten dürfte (=meinen eigentlichen Beruf ausüben), vielleicht eine Ermäßigung für die Klassenleitung und ebenso Ermäßigungsstunden für meine Deutschklassen bekommen würde.

  2. Intellektuell attraktiver könnte man durch Reaktivierung des Leistungsprinzips und der äußeren Fachleistungsdifferenzierung erreichen. Nur müsste man sich dafür vom Abitur für mindestens 50% des Jahrgangs verabschieden, was auch Schleicher widerstreben dürfte.

  3. Angleichung der Deputatsstunden von GS Lehrern. Ich finde 28 h als volles Deputat bei den heutigen Zusatzaufgaben (Inklusion/Vera/Differenzierung/Digitalisierung…) zu hoch. 26 wäre auch ausreichend. Eine Klassenlehrerermäßigung wäre auch fair (die Elternarbeit hat enorm zugenommen).
    Dann brauche ich auch nicht mehr Gehalt.

    • @Lehrerausüberzeugung und Konfutse
      Sehe ich genauso und dazu noch multiprofessionelle Teams an allen Schulen zur Entlastung der LuL von zu vielen Zusatzaufgaben (genügend Erzieher, Sozialarbeiter, Sonderpädagogen, Schulhelfer, IT-Fachkräfte …)

    • Ja, oder einfach die Zusatzaufgaben wieder reduzieren. Vieles ist unnötig / sinnfrei und Eltern mischen mittlerweile dermaßen mit überall, dass ich mich manchmal frage, ob wir LehrerInnen, die ja eigentlich die Profis in diesem Beruf sind, überhaupt noch was selbst entscheiden sollen/dürfen…

  4. „Laut OECD-Bericht sind die Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland höher als in allen anderen OECD-Ländern mit verfügbaren Daten. “
    Und dabei hat man genau welche Daten verglichen? Wie sieht es aus mit Ausbildung, Fächern, Unterrichtsstunden und Arbeitszeit? Welche Gehälter hat man denn verglichen?

    „OECD-Bildungsdirektor Schleicher sieht andere Gründe: «Es geht weniger darum, den Lehrerberuf finanziell attraktiver zu machen, das ist er schon. Es geht eher darum, das Berufsfeld intellektuell attraktiver zu machen».
    Was ist denn gemeint mit „intellektuell attraktiver“? Noch ein paar Zusatzaufgaben zu den bisherigen?

    • Liebe Palim,

      in dem am Fuß des Beitrags verlinkten Interview, das wir mit Schleicher geführt haben, wird er diesbezüglich deutlicher: Er kritisiert, dass es in Deutschland „zu wenig Gestaltungsfreiraum vor Ort in den Schulen gibt. In Deutschland werden lediglich 17 Prozent aller Entscheidungen in den Schulen selbst getroffen. Im Nachbarland Niederlande sind es über neunzig Prozent. Aber in so einer Pandemie ist es ganz entscheidend, dass ich als Schule sagen kann: Okay, so setzen wir jetzt soziale Distanzierung um, so richten wir Technologie ein und so weiter. Wenn ich dann aber erst mal im Ministerium nachfragen und sehr komplexe Verweisungsvorgänge initiieren muss, dann dauert das Monate und stellt ein Hindernis dar. Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel dafür, wie man in Echtzeit reagieren können muss und man darauf angewiesen ist, dass die Verantwortung vor Ort liegt.“

      Hier geht’s zum kompetten Interview: https://www.news4teachers.de/2021/05/was-bedeutet-gute-digitale-bildung-andreas-schleicher-im-interview-zur-didacta-digital/

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Oh, ich bin eigentlich ganz froh, dass die Verantwortung nicht vor Ort liegt. In manch einer Schule rennt doch die SL in der ersten Reihe der Aluhutträger mit oder unterlässt schon aus Gründen der Bequemlichkeit Schutzmaßnahmen.

      • Eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen ich einem dieser Bildungsforscher mal zustimmen kann. Dass der aktuelle Steuerungsmechanismus des untergeordneten Bereichs überholt und obsolet ist hat das Agieren des HKM spätestens während der Pandemie gezeigt und zeigt es noch. Die Schulen werden gesteuert wie im 19. Jahrhundert, ein Grundmisstrauen durchzieht die Kommunikation. Schulen, die weitgehend selbst agieren und entsprechend rechtsfähig sind brauchen jedoch eine ganz andere Personalaustattung, z.B. eine Geschäftsführung neben der eigentlichen Schulleitung. Wird niemals passieren, kostet Geld (komme mir schon vor wie ein Papagei…)

  5. „«Man muss bei zukünftigen Krisen sich Gedanken machen, was die Prioritäten sind.» Er verwies darauf, dass andere OECD-Länder bei ähnlicher oder noch schwierigerer Infektionslage, die politische Entscheidung getroffen hätten, die Schulen offenzuhalten.“

    Na, jetzt ist der Lehrerberuf doch gleich viel attraktiver.

    • Ich hoffe, dass er und seine Kinder und Enkel „bei ähnlicher und noch schwierigerer Infektionslage“ demnächst als Lehrer oder Aushilfskräfte in der geöffneten Schule arbeiten werden!
      Tut er das nicht und auch seine Familie nicht, könnte ich ihn dann als Heuchler bezeichnen?

    • So ein Schwurbler und Verdreher
      In D waren die Schulen vergleichsweise weniger zu als in anderen Ländern.
      Die meiste Zeit als Lehrkraft gehen für Sachen ausserhalb des Klassenzimmers oder für Sachen, die im Klassenzimmer eigentlich nix verloren haben (Corona Tets) drauf.
      Usw.
      Höhe der Infektionszahlen steht nicht im Zusammenhang von Länge der Schulschliessungen,… aha…
      Kann man so sagen, oder man spricht folgenden Klartext: In allen Ländern gingen die Inzidenzen rapide runter mit den Schulschliessungen. Da reichte eine bis zwei Wichen für aus. Und dass die Zahlen unten blieben lag auch an den geschlossenen (also den DU), bzw. nur teiloffenen Schulen.

      Also diese Verdreherei und Schönrednerei geht mir sowas von auf den Keks.
      Der weiss wie man Lehrkräfte aufbringt und Interessenten vertreibt.

  6. Ich würde schon gerne so viel verdienen wie der Sonderpädagoge, der an unserer GS ohne Klassenleitung die Eier schaukelt.
    Dazu haben wir beide die fast gleiche Ausbildung, beide einen Master, beide Ref, beide arbeiten an der GS.
    Warum soll ich weiterhin 500 Euro weniger verdienen? Wird das nicht bald geändert, werde ich wohl auf Sonderpädagogik in der GS umschulen

    • Wollte ich auch, war aber schon zu alt um noch umschulen zu dürfen.
      Inzwischen bin ich froh darüber! Ich verdiene zwar weniger, aber die Förderpläne darf ich trotzdem schreiben und ansonsten ist der Job definitiv intellektuell nicht attraktiv!

  7. So ein Quatsch. Das BVerfG hat doch deutlich gemacht, dass die Besoldung von Beamten verfassungsrechtlich deutlich zu niedrig ist – auch das von Lehrern.

    Der Staat drückt sich seit Jahren davor, die Beamten amtsangemessen zu besolden. Es gibt zahlreiche Beamte, die weniger als 115% dessen haben, was Hartz-IV-Empfänger bekommen.

  8. Die Corona Bilanz von 177 Tote auf 100.000 Einwohner ( Frankreich) dürfte Herrn Schleicher herzlich egal sein, handelt es sich doch überwiegend um Rentner und ärmere oder vulnerable Menschen!
    Uninteressant für die OECD!

    „In Deutschland sei der Lehrerberuf immer noch sehr auf Unterricht im Klassenzimmer beschränkt“.
    Hääää? Aber genau den Unterricht im Klassenzimmer vermisste er doch in der Pandemie!!!

    Aber vielleicht meint er ja auch, dass LuL jetzt, da die Pandemie vorbei ist, die Klassenzimmer verlassen sollten um etwas Nützliches und Produktives zu tun!
    Z.B. im Kultusministerium zu arbeiten?
    Ach nee, das ist ja intellektuell noch weniger attraktiv!

    Eine Tätigkeit als Ingenieur/in wäre vielleicht eine Maßnahme, die der OECD genehm sein dürfte! Oder im IT-Bereich, da herrscht doch Fachkräftemangel!
    So ein Lehrer sollte doch alles können! Oder zumindest an 3 Nachmittagen Fortbildung lernen können!

    Grundschullehrer könnten auch mit der ganzen Klasse raus aus dem Klassenzimmer und Obstbäume bestäuben oder auf dem Biohof Kartoffelkäfer absammeln. Nicht intellektuell herausfordernd, aber gut für die Umwelt! Und die Eltern könnten dann weiter Vollzeit arbeiten. Sogar die Kinder würden sich noch nützlich machen!

    • „In Deutschland sei der Lehrerberuf immer noch sehr auf Unterricht im Klassenzimmer beschränkt“.
      Schleicher könnte sich auch mit der Arbeitszeitstudie der Uni Göttingen auseinandersetzen: Lehrkräfte haben immer mehr außerunterrichtliche Aufgaben. Auf „Unterricht im Klassenzimmer“ ist man nun wahrlich nicht beschränkt.
      Aber ja, vermutlich wünscht er sich nicht nur in der GS und auf dem Biohof ein Schüler-Jahres-Langzeit-Praktikum im Gewerbe, damit die SchülerInnen früher lernen, wie man Arbeit verrichtet ohne angemessen entlohnt zu werden.

  9. Ich hätte gerne nur Unterricht im Klassenraum. Und nicht den ganzen anderen Krempel. Fortbildung pro Jahr: so um die 5Tage pro Schuljahr reichen mir.

  10. 1) Von Wertschätzung kann ich mir nichts kaufen. Mein Lohn ist inflationsbereinigt sogar gefallen. Das sagt die OECD-Pflaume Schleicher nicht.

    2) Viel wichtiger wäre, dass ich nicht noch mehr Aufgaben neben dem Unterrichten bekomme, sondern einfach mal unterrichten kann und alles vernünftig Nachbereiten kann. Damit wäre ALLEN geholfen.

  11. Attraktiver würden Schulen auch mit kleineren Klassen und Luftfiltern sein. (Schweden)
    Und Zeit bekommen, um wirklich mal Fortbildungen machen zu kennel.

  12. Ich würde mir eine Arbeitsplatzbeschreibung mit allen Tätigkeiten wünschen und dazu noch die jeweils benötigte Zeit. Dann wüsste ich endlich, warum ich immer länger brauche, als meine eigentliche Arbeitszeit ist.
    Attraktiver wird mein Beruf mit mehr Geld nicht, aber er wäre gerechter bezahlt. Wirklich attraktiv würde er werden, wenn der ganze Müll um das Unterrichten herum (Pflicht Diagnosebögen auszuwerten, aber nie Förderstunden oder ähnliches für die Unterstützung der Kinder zu bekommen; Fortbildungen die beschämend primitiv sind, da den Fortbildnern auch die Ideen ausgehen; ausufernde Bürokratie;…) wegfallen würde.

    Auch Arbeitsschutz wäre der Motivation hilfreich. Vielleicht sogar Luftfilter?

    • Schon eine korrekte Arbeitszeiterfassung hätte was… Das machen die Länder aber nicht, dann wäre nämlich offiziell zu sehen, dass die (meisten) LK deutlich mehr als 41 Stunden arbeiten.

    • @Frusti: 100%ige Zustimmung!
      Vor allem auch das Niveau der offiziell angebotenen Fortbildungen….
      Ich habe schon seit Jahren das Gefühl, zwei Vollzeitstellen zu bedienen: 1 Lehrkraft, 1/2 Sekretärin ( alles notieren, ablegen, nachfassen…der gesamte Bürokram halt, es muss ja alles im Zweifelsfall nachzuvollziehen sein) und 1/2 Sozialarbeiter, bei der Problemlast der SuS.
      Das ist wie mit der Postkorbaufgabe bei Einstellungstests: man weiß von vornherein, dass die Arbeit nicht zu schaffen ist und will nur sehen, wie clever sich die Kandidaten anstellen.
      Auf die Dauer ist das nicht auszuhalten. Digitalisierung kann unterstützen, indem man viele Prozesse effektiver gestaltet, aber die Kinderkrankheiten dabei haben wir ja hinlänglich diskutiert.

  13. Nur Unterrichten? Nur? Ja gerne! Endlich mal Zeit für gut vor- und nachbereitete Lehre! Keine Verwaltungstätigkeiten mehr….und das ganze tägliche Drumherum, was ein enormer Zeitfresser ist. Ich hätte auch gerne mal richtige „Pausen“. Und Zeit für Fortbildungen. Eingeplante Zeit für pädagogische Gespräche. Die „fressen“ nämlich einen erheblichen Teil des Unterrichts…..

  14. Interessant! Auf S. 299 dieses neuen OECD-Berichts findet man eine spannende Tabelle: In Deutschland wird 0,7 % des Bruttosozialprodukts für den Primarbereich ausgegeben, im OECD-Durchschnitt über das Doppelte: 1,5 %. Das ist schon eine Armutserklärung für Deutschland! Bildungsfragen spielen auch im gesamten Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle! Schlimm! Besonders für alle schwächeren Lerner!

  15. Stellen Sie sich vor, sie wollten schon immer Konditorin werden. Sie haben ihre Ausbildung gemacht, freuten sich auf ihren Job und plötzlich als sie eingestellt wurden, stellten Sie fest, sie sind Fleischverkäuferin.
    So ähnlich geht es mir nach 20 Berufsjahren in der Schule.
    Ich bin Psychologin, Sozialarbeiterin, Erzieherin, Eventmanagerin, Bürokauffrau, inklusionsbeauftragte, medizinische Fachangestellte…..und nur noch zum kleinen Teil Lehrerin. Ich könnte einfach nur noch heulen….traurige Realität!!!
    Warum versteht die Politik nicht, dass wir nicht alles in der Schule auffangen können.
    Ich habe meinen eigenen Kindern vom Lehreeberuf dringend abgeraten, obwohl das seinerzeit mein Traumberuf war….
    Und nein, da hilft auch das 14 Wochen Ferien Argument nicht, denn meine Kinder sehen ja, was ich in den Ferien leiste und vor allem sehen sie, dass ich praktisch nie ein freies Wochenende hab.

  16. Unterrichten. Und zwar konstant. Ja: ich bin für weniger Ferien. Die Sommerschmelze und das ständige Wiederanfangen nervt. Der Arbeitsflow endet zwangsläufig in Belastungsspitzen, das Gefühl für das eigentlich gearbeitete verschwindet. Ich will auch 40 Stunden arbeiten und 6 Wochen frei haben!
    Kann sein, dass manche Beamte sehr wenig verdienen. LuL gehören nicht dazu. Ein bißchen mehr Kontinuität und weg vom „Zwischen-die-Ferien-Gequetsche“ und gut ist.

  17. Mit Pisa und Schleicher begann eine Zeit, in der deutsche Lehrkräfte nur noch mit schlechten Gewissen rumlaufen, weil sie alles falsch machen.
    Leider gibt es nicht wenige Schulaufsichten und Schulleitungen, die diesen Hype mittragen und Schule zu einem Ort gestalten wollen, in dem letzendlich alle überfordert werden.

    Wie Meidinger in seinen Buch „Die 10 Todsünden der Schulpolitik“ schon schreibt, werden die Schulen im Sinne eines „Machbarkeitswahns“ (Kap. 1) komplett überfordert.

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