Corona-Krise: Saarland streicht Maskenpflicht in Schulen – erste Schule geschlossen

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SAARBRÜCKEN. Wegen eines Corona-Ausbruchs ist eine Grundschule im saarländischen Völklingen für den Präsenzunterricht geschlossen worden. 17 Fälle seien dort aufgetreten, darunter sind zwölf Kinder, wie der Regionalverband Saarbrücken laut dem Regionalportal sol.de mittteilte. Außerdem seien fünf Bezugspersonen infiziert. Im Saarland liegen die Infektionszahlen unter Schülerinnen und Schülern auf hohem Niveau – der Landkreis Neunkirchen etwa verzeichnet bei den Fünf- bis 14-Jährigen eine Inzidenz von 463. Trotzdem hatte die Landesregierung erst unlängst die Maskenpflicht in der Schule komplett gestrichen.  

Makenpflicht in Schulen komplett gestrichen: Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Foto: © Christian Hell / Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

Auslöser für das Ausbruchsgeschehen in der Völklinger Grundschule ist angeblich eine Fahrt von zwei vierten Klassen in ein Schullandheim im September. Dort war ein erster Fall registriert worden. Mittlerweile seien auch andere Jahrgänge betroffen, so der Regionalverband. In den vergangenen Tagen sei die Situation akuter geworden, daher habe das Gesundheitsamt nun den Heimunterricht empfohlen. Bei der Grundschule handele es sich um eine Ganztagsgrundschule, in der die Kinder auch klassenübergreifend betreut werden. Das Homeschooling sei zunächst bis zu den Herbstferien angesetzt, die am Freitag beginnen.

Seit zwei Wochen gilt an den Schulen im Saarland keine Maskenpflicht mehr – sowohl in den Klassenzimmern als auch in allen anderen Bereichen. Auch auf die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in feste Gruppen wird verzichtet – ebenso auf feste Wegeführungen in den Schulgebäuden oder die Aufteilung des Schulhofes in getrennte Bereiche. Zum Beschluss des Ministerrates, die Maskenpflicht in der Schule komplett aufzuheben, äußerte sich der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) kritisch.

„Die Beschlüsse könnten in der Bevölkerung den Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei ist“

Verbandsvorsitzende Lisa Brausch erklärte: „Die Beschlüsse könnten in der Bevölkerung den Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei ist. Wissenschaftler allerdings warnen weiterhin vor zu schnellen Öffnungen. Zudem gibt es bislang keine offiziellen Zahlen dazu, wie sich die Infektionen an den Schulen entwickelt haben nach Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht.“ Der SLLV halte es für fahrlässig, einzig auf das vernünftige Handeln der Bevölkerung zu setzen. Nicht jeder wird mit Bedacht und rücksichtsvoll handeln und damit könnten die neuen Regelungen ad absurdum geführt werden.

Trotz regelmäßigem Lüften der Klassen und Einhalten aller Hygienevorschriften würden Infektionen in der kühleren Jahreszeit in den Schulen weiterhin unvermeidbar sein. Die gelockerten Quarantänebestimmungen stellen nach Auffassung des Verbandes ein weiteres Risiko dar.  Für die Schulen sind einheitliche Handlungsvorgaben zum Schutz aller wichtig: z.B. dass bei Rückkehr nach Krankheit ein negatives Testergebnis vorgelegt werden bzw. nach den Herbstferien in der Schule ein Test vor Betreten des Klassenzimmers durchgeführt werden muss. Lisa Brausch zeigt Verständnis für die Bestrebungen, wieder Normalität in der Gesellschaft und den Schulen einkehren zu lassen, der Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie des Lehrpersonals stehe für sie aber an erster Stelle.

In Thüringen steigen die Inzidenzen unter Schülerinnen und Schülern deutlich, nachdem Corona-Maßnahmen in Schulen gelockert wurden. Auch in anderen Bundesländern wie Bayern deutet sich die Entwicklung an. News4teachers

In einer früheren Version des Beitrags war zu lesen, dass nach den Herbstferien wieder strengere Maßnahmen im Saarland geplant sind. Das ist offenbar so nicht richtig – und wurde von uns korrigiert.

Absurde Quarantäne-Regeln, Unterricht ohne Masken, Klassenräume ohne Luftreiniger: Wie Corona unter Schülern aufblüht

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6 KOMMENTARE

  1. Über eine Maskenpflicht nach den Ferien, habe ich als Lehrerin keine Information. Aber die getesteten Schüler haben – auch in den Ferien – über die Schulen einen Negativ-Test bis 22. Dezember, ob getestet oder nicht. Und im Freien fallen Ende Oktober alle Maßnahmen. Kein 3 G. Martinsumzüge, Weihnachtsmärkte – alles normal. Mal sehen, wie sich die Zahlen in den Altersklassen entwickeln.

    • „In den vergangenen Tagen“ – also nach Aufhebung der Maskenpflicht – „sei die Situation akuter geworden.“ Das hat es offensichtlich damit zu tun.

  2. Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot … streicht Maskenpflicht …

    STREICHert-Clivot …
    Genialer Künstername!

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