Philologen appellieren an Kretschmann, Maskenpflicht im Unterricht zu erhalten

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STUTTGART. Der Philologenverband Baden-Württemberg steht der von der Regierung Kretschmann geplanten Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht ab kommende Woche nach eigenem Bekunden skeptisch gegenüber – angesichts von Inzidenzen bei den Fünf- bis Vierzehnjährigen von 505 in Pforzheim, 327 in Heilbronn, 320 in Ulm und 318 im Kreis Sigmaringen. „Ich halte einen solchen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht“, erklärt Landesvorsitzender Ralf Scholl. Die Erfahrungen aus Thüringen, wo vor drei Wochen die Maskenpflicht in Schulen aufgehoben wurde und jetzt die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen explodiert (Spitzenreiter ist dort der Unstrut-Hainich-Kreis mit einer Inzidenz über 1.200, wie News4teachers berichtete) sprächen gegen eine solche Maßnahme.

Lässt lockern: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Scholl plädiert dafür, die derzeit geltende Maskenregelung zumindest bis zu den Herbstferien fortzuführen und mögliche Lockerungen frühestens am 8. November 2021 vorzunehmen – wenn die Corona-Situation dies dann zulasse. Zudem spricht er sich dafür aus, nur in der sogenannten „Basisstufe“ auf eine Maskenpflicht am Platz zu verzichten und bereits in der „Warnstufe“ (und nicht — wie geplant — erst in der „Alarmstufe“) das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorzuschreiben. Das Land Baden-Württemberg unterscheidet die Stufen durch eine „Hospitalisierunginzidenz2 (also die Quote der Krankenhausfälle) sowie die Anzahl der mit Corona-Patienten belegten Intensivbetten.

Scholl weist darauf hin, dass die Kinder unter 12 Jahren nach wie vor komplett ungeimpft sind und die Jugendlichen bis 17 Jahre momentan nur zu einem Drittel vollständig geimpft sind, dass aber alle Schüler im Unterricht ohne jeden Abstand über Stunden dicht gedrängt zusammensitzen. „Wenn die Schulen offengehalten werden sollen, sind möglichst umfangreiche Schutzmaßnahmen unumgänglich. Dazu gehören neben den vom Philologenverband seit über einem Jahr geforderten Raumluftreinigungsgeräten auch und gerade Masken.“ Eine Aufhebung der Maskenpflicht würde die Ansteckungsgefahr in Klassenzimmern um den Faktor drei erhöhen, wie eine Studie ergab, die die Stadt Stuttgart hatte durchführen lassen (News4teachers berichtete auch darüber).

„Die Landesregierung wäre gut beraten, dem Rat des Robert-Koch-Instituts zu folgen“

Der Philologen-Landeschef betont: „Präsenzunterricht ist die wirksamste Unterrichtsform. Das weiß mittlerweile nach den eineinhalb Corona-Jahren jeder von uns. Dementsprechend müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit die Schulen auch ununterbrochen in Präsenz geöffnet bleiben können.“ Es sei für ihn daher unverständlich, warum sich die baden-württembergische Landesregierung jetzt erneut über die dringende Empfehlung des Robert-Koch-Instituts hinwegsetzen wolle. Das RKI spreche sich dafür aus, die Schutzmaßnahmen an Schulen inklusive des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes bis zum Frühjahr 2022 beizubehalten. „Die Landesregierung wäre gut beraten, dem Rat des RKI zu folgen, um in der jetzigen Phase konstant hoher Inzidenz die Zahl der Infektionen an den Schulen zu minimieren und Schulschließungen zu vermeiden“, so Ralf Scholl. Er hält die Masken für ein notwendiges Übel, an dem in der aktuellen Situation festgehalten werden müsse – auch wenn sie aus pädagogischer Sicht mit starken Nachteilen verbunden, zudem unbequem und deswegen verständlicherweise unbeliebt seien.

„Es ist Aufgabe der Lehrkräfte, stets und zuerst das Wohl ihrer Schutzbefohlenen im Blick zu haben und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Deshalb spricht sich der Philologenverband als Vertretung der gymnasialen Lehrkräfte zum gegenwärtigen Zeitpunkt für eine vorläufige Beibehaltung der Maskenpflicht an den Schulen aus“, erklärt Ralf Scholl. „Jetzt mitten im laufenden Schulbetrieb und relativ kurz vor den Ferien eine Neuregelung vorzunehmen, halte ich für unklug und leichtsinnig.“ Ob die Maskenregelung nach den Herbstferien gelockert werden könne, solle anhand der dann vorliegenden Coronasituation entschieden werden. Zur Zeit sind mehr als 1.700 Schüler positiv getestet und über 1.500 weitere in Quarantäne. Corona-Fälle gibt es an rund einem Viertel der Realschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen.

Scholl betont, dass eine Maskenpflicht weniger dem Schutz der Lehrkräfte diene, die an den meisten Gymnasien zu über 95 Prozent geimpft seien, sondern vielmehr im ureigensten Interesse der weitgehend ungeimpften Kinder und Jugendlichen liege. So gebe es in vielen Landkreisen enorm hohe Inzidenzen unter den Fünf- bis Vierzehnjährigen, und in der letzten Woche wurden an 53 Schulen Ausbrüche mit insgesamt 246 positiv getesteten Kindern vom Landesgesundheitsamt registriert – trotz Maskenpflicht und drei Schnelltests pro Woche. „In dieser Situation auch noch komplett auf Masken in den Klassenzimmern zu verzichten, wäre fahrlässig“, so der Verbandschef.

„Die Maßnahmen an den Schulen, wozu die Masken gehören, tragen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Schüler bei“

Gegen die Maskenpflicht werde oft angeführt, dass Schüler über Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme klagen. „Das mag bei FFP2-Masken zutreffen. Aber medizinische OP-Masken, die ja ebenfalls erlaubt sind, haben nachgewiesenermaßen keinen Einfluss auf die Sauerstoffkonzentration im Körper“, erklärt Ralf Scholl. Das zweite Argument gegen eine Maskenpflicht in der Schule, wonach Kinder und Jugendliche keine Pandemietreiber seien, ist nach Überzeugung des PhV-Landesvorsitzenden durch die aktuellen Daten schlicht widerlegt. Er stellt klar: „Zur Zeit ist knapp ein Drittel aller positiv Getesteten unter 20 Jahre alt!“ Die Gruppe der 5-14-Jährigen zeigte in den letzten zwei Wochen in Baden-Württemberg zudem auf Kreisbasis Inzidenzen von teilweise über 500. „Das ist absolut alarmierend!“

Auch das dritte Argument gegen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an Schulen, wonach Kinder selten schwer an Covid-19 erkranken würden und das Virus für sie weitgehend ungefährlich sei, hält Ralf Scholl für widerlegt. Er weist darauf hin, dass zwischen 0,6 Prozent und 0,9 Prozent der infizierten Kinder unter zehn Jahren in Baden-Württemberg hospitalisiert würden; 10 Prozent aller Hospitalisierten hätten zudem mit Long-Covid-Folgen zu kämpfen. „Die Maßnahmen an den Schulen, wozu die Masken gehören, tragen somit zum Schutz des Lebens und der Gesundheit der Schülerinnen und Schüler bei.“ Sein Appell an die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): „Werden Sie Ihrer Verantwortung für die Schüler gerecht!“ News4teachers

Absurde Quarantäne-Regeln, Unterricht ohne Masken, Klassenräume ohne Luftreiniger: Wie Corona unter Schülern aufblüht

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17 KOMMENTARE

  1. Ach, wie sogar Philiogen so hinters Licht geführt werden können.

    Am Anfang forderte man Abstand- Wechselunterricht, Masken, Hygienemaßnahmen usw.
    Die Bildungsminister haben sich gesträubt, gewährt mit Händen und Füßen, wollten nur Präsenz, Präsenz, Präsenz. Ich sehe Kretschmann vor meinem geistigen Auge, wie er bei Lanz per Video hinzugeschaltet wurde.. wie er dort gepoltert hat und regelrecht ausgetickt ist!
    Der Trick: Man nehme alle Maßnahmen peu à peu weg. So dass möglichst wenige etwas sagen und es bloß keiner auf Anhieb merkt, wie beschissen die Lage ist. Bis sich alle daran gewöhnt haben. Dann nimmt man die nächste Maßnahme weg. Bis es keine Maßnahmen mehr gibt.

    Jetzt fordert der Philologenverband nur noch die Maskenpflicht. Mehr nicht.
    Versteht ihr?

    Bei solchen Zahlen, müssten die Philologen doch den sofortigen Distanzunterricht fordern. Alternatives!

    Ich würde sagen: Dieser Trick funktioniert immer. Erfolg für die KM.

    • Das Overton-Fenster wird in vielen Bereichen langsam immer in dieselbe Richtung verschoben, bis gemeckert wird. Dann geht es so weit wieder zurück, bis Ruhe herrscht. Dann wiederholt sich das Spiel. Irgendwann wundern sich die Kritiker, wie sie dort gelandet sind, wo sie auf keinen Fall hinwollten.

      Wieso beim Thema Corona die Kritiker noch immer protestieren, weiß ich nicht. Sie kriegen ja weitgehend ihren Willen.

  2. Kretschmann und Schopper werden vom PHV-BW abgemahnt und die Mogelpackung der Lernrückstände bleibt unerwähnt. Wem kann man nocht trauen oder welches Spiel wird jetzt unterreinander gespielt! Klarheit und Ehrlichkeit wir den letzten in der Reihe gegenüber nicht vertreten. Frau Schopper hat sich versteckt und hat Ihre Hausaufgaben nicht erledigt und auch kurz vor den Herbstferien keine Stellung bezogen, wie anghäuften Rückstände in den einzelnen Fächern aufgearbeitet werden können. Die Notlage der Schüler wird von Frau Schopper nicht anerkannt und alle haben die Mogelpackung von Frau Schopper hingenommen. Keiner fordert mehr für die Schulen bzw. eine adequate und angemessene Aufarbeitung. Jetzt erscheint es einem die KM habern freie Hand und können mit den Schulen machen was Sie wollen. Die vergessene Generation bleibt weiterhin vergessen und alle Forderungen verlaufen im Sand! Spieglein an der Wand…….

  3. Bildungspolitik: Meidinger häufig gebrauchte Wörter Flickenteppich und Hausaugaben und diese Wörter haben sich bei mir tief eingeprägt. Frau Schopper und Herr Kretschmann haben in dieser schweren Krise von Schulen Blendwerk und Augenwischerei betrieben und dies bis zum Anschlag!https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/hausaufgabenliste-der-kultusministerin/ Dieses Bild von Frau Schopper und dieser Beitrag spricht Bände und erneutes Märchen wird erzählt und aufgetischt! In Mannheim werden die Ausbrüche an Schulen Geheim gehalten und komische Quarantäne Regeln werden ausgesprochen.

  4. Während für große Teile der Bevölkerung die Pandemie momentan quasi vorbei zu sein scheint, als Geimpfter hat man in BW quasi keine Einschränkungen mehr, steht den Eltern mit Kindern U12 der nächste Horrorwinter bevor. Und da die Politik nicht mehr gewillt ist Gegenzusteuern, wird dieser für uns noch viel dunkler werden als der letzte…

    Erst verabschiedet man sich in geistiger Umnachtung vom Frühindikator Inzidenz, läßt die Pandemie laufen und will erst wieder Gegensteuern, sobald die Intensivstationen wieder voll und dann führt man dazu noch die Präsenzpflicht wieder ein und schafft zwei Wochen vor den Herbstferien die Masken im Unterricht ab bei Inzidenzen teils größer 500 in der AK U14. Was für ein Wahnsinn.

    Die Alten sind geimpft und die Kinder werden zum Dank für ihren erheblichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung von den Alten nun der Durchseuchung überlassen. Ich könnte nur noch k***

    Präsenzpflicht aussetzen bis alle ab sechs Jahren eine Impfmöglichkeit hatten. Dann kann jede Familie selbst zwischen Infektion oder Impfung entscheiden.

    Der aktuelle Kurs dagegen ist Schwachsinn im Quadrat und wird dafür sorgen, dass uns das Thema Schulen bald wieder komplett um die Ohren fliegen wird. Der dritte Coronawinter und die KM haben nichts gelernt.

    Da hilft nur jeden Tag aufs Neue den Unmut darüber zur Geltung bringen, in der Schule, beim Schulamt, im KM, der Staatskanzlei. Ich bin mir sicher, dass die Anzahl derer, die ihre Kinder bestmöglich geschützt in der Schule wissen wollen mit zunehmendem Infektionsgeschehen im Herbst wieder steigen wird.

    Hier ein paar Anlaufstellen in Staatskanzlei, Gesundheitsministerium und Kultusministerium in BW:

    arne.braun@stm.bwl.de
    sandra.boser@gruene.landtag-bw.de (Staatssekretärin im KM)
    buergerreferentin@km.kv.bwl.de
    Buergerreferent@stm.bwl.de
    buergerreferent@sm.bwl.de

    Jede Mail zählt.

    • Fassungslos,bei uns in Niedersachsen habe ich mit dem Schulamt sogar telefoniert.Alles nur Weichspüler blabla.Ich könne meinem Lind ja eine Decke einpacken,im Lüften seien wir doch jetzt versiert.Sprachs aus ihrem warmen Einzelbüro.Danke für nichts.Und besorgte Eltern seh ich hier leider auch nicht.Ebensowenig Lehrer.Alles wird protestlos mitgemacht.

    • Danke für den Link.Man sieht mal wieder, dass aus Kosten- und Betreuungsgründen für überwiegend ungeimpfte Kinder mit anderen Maßstäben gearbeitet wird…

  5. Es ist zum kotzen!https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-donnerstag-257.html#Regional-hohe-Inzidenzen-bei-Kindern-und-Jugendlichen Frau Schopper und Herr Kretschmann Sie stehen in einer Verantwortung den letzten in der Reihe gegenüber. Dieser Verantwortung sind Sie nicht gewachsen und haben keine Handlungsfähigeit erbracht für die letzten in der Reihe. Eine vergessenene Generation wird von Ihnen zur Durchseuchung frei gegeben und für dumm verkauft. Welchen Wert hat der Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen bei Ihnen??? Ehrlichkeit ist gefragt und dies vermitteln Sie der jungen Generation und deren Eltern nicht! Die ALTEN hat man geschützt und die jungen heranwachsenden Kinder bekommen keinen Schutz zugesprochen. Jeglichen Respekt haben Sie Herr Kretschmann und Frau Schopper verloren. Sie behandeln Kinder und Jugendliche nicht respektvoll und zeigen kein Mitgefühl für Ihren Schutz. https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-donnerstag-257.html#Regional-hohe-Inzidenzen-bei-Kindern-und-Jugendlichen

  6. (Im Folgenden werden der Einfachkeit halber gerundete Zahlen angenommen!)

    In Bayern werden alle Grundschüler derzeit 2 Mal pro Woche per PCR-Pooltest (klassenweise) getestet. Bei derzeit ca. 450000 Grundschülern in Bayern und ca. 20 Schüler pro Klasse ergibt dies 450000/20×2=45000 PCR-Tests nur allein durch die Reihentestungen an Grundschulen.
    Derzeit werden pro Woche in Deutschland ca. 900000 PCR-Tests pro Woche durchgeführt, anteilig auf Bayern mit den 13,1 Mio. Einwohnern von insgesamt 83 Mio. in Deutschland ergibt dies ca. 140000 PCR-Tests pro Woche in Bayern.
    Somit entfallen von den 140000 PCR-Tests pro Woche allein 40000, also ca. 30 %, aller Tests auf die Reihentestungen in der Schule. Es verbleiben ca. 95000 Tests für die restlichen bayrischen Einwohner. Würde man diese auch 2 Mal pro Woche testen könnten damit 95000/2 = 48000 Einwohner Bayerns 2 Mal pro Woche getestet werden. Das sind 48000/12.6 Mio. Einwohner, also ca. 0,4 %.
    Fakt ist also, dass alle bayrischen Grundschüler 2 Mal pro Woche getestet werden, während es von den anderen bayrischen Einwohnern nur ca. jeder 260 ist.
    Bezogen auf die Testhäufigkeit entspricht eine Inzidenz unter den bayrischen Grundschülern von 1000 also einer Vergleichsinzidenz von 1000/250 = 4.
    Die bayrischen Grundschüler werden also 250 Mal so häufig getestet wie die weiteren Einwohner in Bayern.

    Bayrische Grundschüler werden ca. 260 Mal häufiger getestet wie weitere bayrische Einwohner.Die vergleichsweise hohen Inzidenzen bei Grundschülern sind klar ein Effekt der häufigen Testens, und belegen keine erhöhte Ansteckung in Schulen, ob nun mit oder ohne Maske!

    • Seltsame Logik: Weil das Problem auch andere betrifft, gibt’s keins?

      Tests können nur aufdecken, was existiert – die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen sind real, ebenso die vielen Ausbrüche an Schuen. Dass Erwachsene nicht genauso oft getestet werden, ändert daran gar nichts.

  7. Wenn d. Pandemie im März vorbei sein soll, muss eine schnelle Immunisierung her – Drittimpfung od. Durchseuchung (auch Impfdurchbrüche tragen dazu bei) – u. Weihnachten sind dann viel mehr genesen bzw. haben b. Feiern d. Chance, ihr Immunsystem zu testen. Masken u. Abstand stören eine Durchseuchung bzw. d. Darwin’sche Auslese nur! (Ironie off)

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