Es gibt mehr Ganztagsbetreuung für Grundschüler als angenommen – im Osten

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MÜNCHEN. Die westdeutschen Flächenländer müssen ihre Ganztagsangebote für Grundschüler noch kräftig ausbauen, um den Rechtsanspruch auf einen Platz erfüllen zu können. Aber die Lücke ist insgesamt neuen Berechnungen zufolge kleiner als gedacht.

Auch in Deutschland ist es möglich, das Kinder ein falsches Etikett als ADHS-Patienten bekommen. Foto: Pezibear / Pixabay (CC0 1.0)
Können die nicht rechnen, wenn sie ein Gesetz beschließen? Foto: Pezibear / Pixabay (CC0 1.0)

Ab 2026 wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule schrittweise eingeführt – so haben es Bundestag und Bundesrat im September beschlossen. Nach Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund aber «ist der zusätzliche Ausbaubedarf geringer als bislang angenommen»: Denn «zuletzt besuchten bereits über 1,6 Millionen Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Das bedeutet, dass drei von vier der benötigten Plätze aktuell bereits vorhanden sind», teilten die Forscher am Dienstag in München mit.

Bis zum Schuljahr 2029/30 müssten bundesweit noch rund 600.000 zusätzliche Ganztagsplätze für Kinder im Grundschulalter geschaffen werden. Dafür seien nur noch etwa 35.000 Vollzeitstellen zusätzlich nötig. Damit seien auch die Ausbaukosten geringer als bislang angenommen.

Ausbaubedarf bestehe vor allem in den westdeutschen Flächenländern, wo noch 30 bis 40 Prozent der Plätze geschaffen werden müssten. «Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern, werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden, damit der vollständige Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2029/30 erfüllt werden kann», sagte Professor Thomas Rauschenbach, wissenschaftlicher Leiter des Dortmunder Forschungsverbunds. In den beiden bevölkerungsreichsten Ländern fehlten noch 7500 beziehungsweise 7000 Vollzeitstellen.

«Bundesweit wird nun von Investitionskosten zur Schaffung neuer Plätze von rund 4,6 Milliarden Euro ausgegangen»

In Thüringen dagegen werde bis 2030 überhaupt kein zusätzlicher Bedarf erwartet; in den anderen ostdeutschen Flächenländern bestehe nur noch geringer Personalbedarf. «Hier ist das Angebot bereits gut ausgebaut, und die Kinderzahlen gehen teilweise in wenigen Jahren zurück», erklärten die Forscher. Auch in Hamburg fehle nur noch ein kleiner Teil der Plätze.

Der insgesamt geringere Bedarf führe dazu, dass auch «die anfallenden Kosten geringer sein werden, als bislang angenommen», teilten die Forscher mit. «Bundesweit wird nun von Investitionskosten zur Schaffung neuer Plätze von rund 4,6 Milliarden Euro ausgegangen.» Außerdem rechnen die Studienautoren für das Schuljahr 2029/30 mit zusätzlichen Betriebskosten von maximal 2,6 Milliarden Euro. Die höchsten Kosten entstünden in Nordrhein-Westfalen mit etwa 575 Millionen und Bayern mit 531 Millionen Euro.

Der Bund hat den Ländern zugesagt, den Ganztagsausbau mit bis zu 3,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur zu unterstützen und sich an den laufenden Kosten dauerhaft zu beteiligen. Die Mittel wachsen laut Bundesregierung auf bis zu 1,3 Milliarden Euro pro Jahr ab 2030. Das Projekt Ganztag sei «eine bildungspolitische Herausforderung», erscheine aber machbar, sagte Rauschenbach. News4teachers / mit Material der dpa

Einjährige (und Jüngere) haben einen Ganztagsplatz in der Grundschule sicher – aber: Auch mit genügend Personal?

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3 KOMMENTARE

  1. Traut sich denn auch irgendwer, den Effekt dieser Maßnahme ungefähr vorherzusagen? Oder ist es ein politisches Prestige-Projekt, das um seiner selbst willen durchgezogen wird, um sagen zu können „wir tun doch was“? Wo ist zum Beispiel der nachgewiesene Effekt der in den letzten 10 Jahren enorm gestiegenen Zahl von Ganztags-Grundschulen? Leben wir nicht in Zeiten, in denen alles und jedes evaluiert werden muss?

    • Ich tippe vorrangig auf Prestigeobjekt. (Arbeitsplatzsicherung der Eltern natürlich nicht zu vernachlässigen).
      Sonst würde meiner Ansicht nach auch ausreichend Geld reingesteckt, um inhaltlich Qualität zu bieten.
      Sehe ich nicht wirklich.
      Ich sprach hier schon des Öfteren von einem „Aushängeschild“ der Politik.

  2. „Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern, werden noch deutliche Anstrengungen notwendig sein, um ausreichend qualifiziertes Personal zu finden“. Es gibt ja jetzt schon kaum noch qualifiziertes Personal im Nachmittagsbereich (und morgens auch nicht, bei den ganzen Seiteneinsteigern). Also wird dann wohl jeder eingestellt, der nicht bei 3 auf dem Baum ist. Ist bestimmt ganz besonders pädagogisch wertvoll, so eine Verwahranstalt.

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