Wie können Lehrer der zunehmenden Heterogenität erfolgreich begegnen? bak-Seminartag macht deutlich: Nur im Team!

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HEIDELBERG. Die Welt wird bunter, unübersichtlicher; die Gesellschaft driftet auseinander. Wie können Lehrerinnen und Lehrer der zunehmenden Heterogenität begegnen? Und was können Lehrerausbilderinnen und -ausbilder tun, um den Berufsnachwuchs darauf vorzubereiten? Der Bundesarbeitskreis (bak) Lehrerbildung, in dem sie organisiert sind, lud zu seinem 55. Seminartag online nach Heidelberg – und nahm sich im Rahmen des Kongresses des Großthemas an. Hunderte von Lehrerausbilderinnen und -ausbilder aus ganz Deutschland nahmen teil.

Lehrer als Einzelkämpfer? Das Modell hat über kurz oder lang ausgedient. Foto: Shutterstock

Als man sich vor drei Jahren Gedanken darüber gemacht habe, welches Thema der bak-Seminartag 2021 haben sollte, wurde der Wunsch laut, sich über eine zunehmend komplexere (Schul-)Welt auszutauschen, über eine Gegenwart, in der zunehmende Heterogenität und stetige Veränderung zum pädagogischen Alltag geworden sind, so berichtete Helmut Klaßen, Bundesvorsitzender des bak Lehrerbildung – seinerzeit nicht ahnend, dass kurz darauf mit der Corona-Krise das System bis an die Grenze der Belastbarkeit herausgefordert werden würde. Der gewählte Titel beschreibt den (hohen) Anspruch der Veranstaltung: „Lehrkräfteausbildung: Komplexität erleben, Stabilität gewinnen, Haltung zeigen“.

Vorweg: Dem wurde der Kongress gerecht – eine Riege von Wissenschaftlern, darunter der renommierte Bildungsforscher Prof. em. Olaf-Axel Burow („Dieser Wandel eröffnet Chancen, ruft aber auch Ängste und Widerstände hervor“), und nicht zuletzt die in einer „Kreativzone“ engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst machten die Dimension der Aufgabe deutlich. Gleichzeitig wuchs, mit zunehmendem Praxisbezug, der Mutmach-Faktor. So schwer erschien es dann am Ende doch nicht mehr, den Herausforderungen zu begegnen.

„Handlungsbedarfe für die Lehrkräfteausbildung gab es auch schon vor Corona“, sagte Klaßen. Entsprechend groß sei die Notwendigkeit nun, nach den Erfahrungen der vergangenen anderthalb Jahre Pandemie, „gemeinsam in einen Denk- und Entwicklungsprozess zu gehen und Strategien für eine zeitgemäße Lehrkräfteausbildung in einer sich schnell wandelnden Zeit gewinnen“, wie der bak-Chef betonte. Positiv gewendet klang das dann so: „Wir haben den besten Beruf der Welt“, so befand Markus Popp, Landessprecher Baden-Württemberg des bak Lehrerbildung. „Wir lernen von der Expertise der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und werden von den Fragestellungen der Referendarinnen und Referendare herausgefordert. Langeweile ist für uns ein Fremdwort.“

„Lehrkräfte haben den blöden Job, auf eine Welt vorbereiten zu müssen, die heute kein Mensch kennt“

Stoff zur Orientierung bot dann der 55. bak-Seminartag, der online aus der Universität Heidelberg übertragen wurde, reichlich. Zunächst auch unfreiwillig lustige Anschauung – als nämlich Moderator Heinz Hinz versuchte, den Vortrag „Zurechtkommen in einer Durcheinanderwelt“ einzuleiten und dabei von einem digital erzeugten Echo gestört wurde, das ihn übertönte. Alltags-Durcheinander eben. Nach der kleinen Technik-Panne übernahm dann der Organisationsberater und Coach Wolfgang Looss den Part, theoretisch in den Umgang mit Turbulenzen und Ungewissheiten einzuführen. „Lehrkräfte“, so stellte er dabei fest, „haben den blöden Job, auf eine Welt vorbereiten zu müssen, die heute kein Mensch kennt“. Sein Rat: sich dabei auf sich selbst zu besinnen und ins „Palaver“ mit Kolleginnen und Kollegen zu gehen. „Wir haben immerhin uns selbst und einander“, so Looss.

In die gleiche Kerbe schlug der Soziologe und Psychologe Prof. Heiko Roehl von der Universität Freiburg. Die Welt habe sich in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten massiv verändert. Wer in den 90-er Jahren in einem Café Kaffee bestellte, bekam bestenfalls die Auswahl „Tasse oder Kännchen“ angeboten – heute, Roehl illustrierte das mit einem Auszug aus der Karte von Starbucks, werde man herausgefordert, zwischen 64 Kaffeesorten auszuwählen. Ob in Politik, Gesellschaft oder eben Schule: Die Welt sei früher übersichtlicher gewesen.

Auch für Schülerinnen und Schüler. In den 80er-Jahren gab es klar definierte Jugendkulturen, von Poppern über Müslis bis hin zu Punks. Und heute? Feste kulturelle Milieus gebe es unter jungen Menschen nicht mehr. „Identitätsbildungsprozesse bei Jugendlichen haben sich grundlegend verändert. Heute gibt es multiple Zugehörigkeiten, eine Pluralität der Lebensformen. Jedes eigene Subsystem bildet eigene Filterblasen aus, es herrscht eine hohe Spezialisierung. Gleichzeitig ist alles fluide.“

Für die Gesellschaft – und die Schule – heiße das: „Einfache Wahrheiten haben ausgedient.“ Was bedeutet das konkret für die künftigen Lehrerinnen und Lehrer? Roehl: „In diesen Zeiten rasanter Veränderung geraten Berufsrollen immer stärker unter Druck. Erwartungen und Anforderungen werden komplexer, widersprüchlicher und diffuser.“ Umso wichtiger sei es, die stetige Reflexion der eigenen Rolle – der Lehrerrolle also – voranzutreiben. „Niemand verführt so sehr auf die Privatebene wie Schülerinnen und Schüler“, erklärte Roehl. Hier erfordere die Rolle aber: klare Distanz.

Andererseits auch, das machte der Vortrag von Prof. Anne Sliwka von der Universität Heidelberg deutlich: enge Kooperation – und zwar mit Kolleginnen und Kollegen. „Collective Efficacy“ – die kollektive Wirksamkeit von Lehrkräften ist mit 1.57 die höchste gemessene Effektsstärke in der vielzitierten Hattie-Studie. „Trotz dieses so klaren Befundes, der auch von anderen internationalen Studien bestätigt wird, werden die Implikationen in Deutschland viel zu wenig diskutiert“, erklärte Sliwka. „Wenn die kooperative Professionalität von Lehrkräften der Schlüssel zum Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern ist, wie können wir sie an Schulen ermöglichen und stärken? Was genau können Lehrkräfte gemeinsam erreichen? Worauf kommt es bei der Zusammenarbeit an?“

„Dort gibt es keine Einzelarbeit von Lehrkräften mehr, Lernen wird als kollaborativer Designprozess verstanden“

Sliwka berichtete von Erfahrungen aus Japan, von der Partner-Universität in Kyōto, die regelmäßig Fachtage für Lehrkräfte organisiert – bei denen sich Lehrerinnen und Lehrer (auch über Fächergrenzen hinweg) gegenseitig im Unterricht besuchen und über ihre praktischen Erfahrungen austauschen. Sie erzählte von einer australischen Partner-Schule, einer Schule mit MINT-Schwerpunkt, wo Unterricht in den Stufen 10 und 11 ausschließlich in hybriden Projekten stattfindet, für die feste Lehrer-Teams verantwortlich sind. „Dort gibt es keine Einzelarbeit von Lehrkräften mehr“, sagte sie. „Lernen wird als kollaborativer Designprozess verstanden“ – womit die Bildungsforscherin zum Konzept des „Deeper Learning“ führte.

„Deeper Learning beschreibt eine Pädagogik, in der Lernende sich tiefgreifend mit Wissen auseinandersetzen und selbst Wissen generieren, indem sie es sowohl über instruktiv gesteuerte Prozesse der Aneignung als auch über selbstregulierte Prozesse der Ko-Konstruktion und Ko-Kreation verarbeiten“, so heißt es bei der Heidelberg School of Education, dem Mitveranstalter des bak-Kongresses. „Die Aneignung von Wissen einerseits und den vier zentralen überfachlichen Zukunftskompetenzen Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität andererseits, gehen beim Deeper Learning Hand in Hand. Beim Deeper Learning werden Wissensaneignung und kreatives Problemlösen in einem Lernarrangement verknüpft und aufeinander bezogen. Es geht jetzt um die Weiterentwicklung dieser Pädagogik für das digitale Zeitalter.“

Kreiert werden dabei hybride Lernsettings, bei denen von der Instruktion bis zur Übung unterschiedliche Phasen vorgesehen sind. Lehrkräfte nehmen im Verlauf einer Sequenz unterschiedliche Rollen ein. Zunächst geht es darum, den Prozess zu planen, Wissen zu strukturieren und anschaulich zu vermitteln, später stehen eher das Coaching der Lernenden und das „Bauen von Lerngerüsten“ im Vordergrund. Auch Feedback an die Schülerinnen und Schüler und Formen der gemeinsamen Reflexion gehören zu den zentralen Aufgaben der Lehrkräfte im Prozess. „Teamstrukturen braucht man dabei, weil eine einzelne Lehrkraft die Komplexität nicht gestalten kann“, betonte Sliwka.

„Kann unser Schulsystem ohne ein Mehr an Kooperativer Professionalität mit der rasanten internationalen Entwicklung mithalten?“, so fragte sie. „Oder müssen wir damit rechnen, dass wir weiter abfallen?“ Stand jetzt hinke Deutschland enorm hinterher. Das Chaos, das in der Corona-Krise hierzulande im Schulbetrieb herrschte, scheint die These zu bestätigen.

Allerdings, betonte Sliwka, könne beim Aufholen durchaus auf die Lehrkräfte gesetzt werden. Denn die würden – einmal losgelassen – schnell feststellen, dass ein Konzept wie „Deeper Learning“ zu einer sehr viel größeren Berufszufriedenheit führe. Das Unterrichtsdesign werde flexibler und kreativer, die pädagogische Aufgabe deshalb spannender. Von denen, die Erfahrungen mit dem Unterrichten im Team gemacht hätten, „kenne ich niemanden, die oder der wieder zurück will. Allein in der Black Box – das ist eben auch eine sehr reduzierte Art von Arbeit.“ Andrej Priboschek / News4teachers

„Das ist nicht mal eben zu machen“: Warum der schulpraktische Teil der Lehrerausbildung so wichtig ist – ein Interview

 

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84 KOMMENTARE

  1. Die zunehmende Heterogenität in Schulklassen ist nicht über uns gekommen wie schlechtes Wetter, sondern sie ist ja geradezu herbeigeredet und herbeigeholt worden durch schulische Maßnahmen in Richtung des „längeren gemeinsamen Lernens“. Wenn man Homogenität für schlecht erklärt, soll man sich nicht über Heterogenität beschweren.
    Bei dem oben gelobten Lernen in Japan darf man sich aber keine Rosinen herauspicken, sondern man muss dann den dort üblichen enormen Leistungsdruck auf die Schüler wenigstens mal erwähnen. Ob der wohl der sozialen Gerechtigkeit dient? Oder ob vorwiegend Schüler aus höheren Schichten dem Leistungsdruck standhalten können? Oder warum ist dieser Leistungsdruck kein Modell zur Nachahmung für unsere Grundschulen?

    • Es geht nicht um Rosinen in Japan – es geht um den engen statistischen Zusammenhang von Kollaboration im Lehrkräfteberuf und Lehrerfolg, bestätigt durch Hattie (dessen Meta-Studie bekanntlich Daten aus der ganzen Welt einbezieht) und andere Studien.

      Hier wird mal tatsächlich der Finger in die Wunde gelegt: In Deutschland sind Lehrkräfte immer noch wie im 19. Jahrhundert weitgehend Einzelkämpfer – schon die Arbeitszeit ist so angelegt, dass eine gemeinsame Unterrichtsentwicklung kaum stattfinden kann. Kein Unternehmen, das so strukturiert wäre, könnte heute noch bestehen: Kollaboration und Teamfähigkeit gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten in der Wirtschaft. In der Schule macht jede/jeder vor sich hin. Das kann nicht klappen.

      • Bernd, das ist aber, wie Sie selbst schrieben, maximal eine Korrelation, keine Kausalität und falls doch, ist die Frage in welche Richtung. Es könnte ja auch sein, dass aufgrund der sehr lernwilligen Schüler die Lehrer überhaupt erst die zeitliche Kapazität zur Teamarbeit haben.

        • Deutsche Lehrkräfte arbeiten also deshalb nicht im Team, weil die Schülerinnen und Schüler in Deutschland zu doof sind – steile These.

          • Stimmt, aber von Ihnen aufgestellt. Mit Intelligenz oder Dummheit hat das auch nicht viel zu tun, viel mehr mit dem Ansehen von Schule in der japanischen Gesellschaft.

      • Auch bei Hattie picken sich manche Leute die Rosinen heraus. Und immer wird uns erzählt, was in anderen Ländern angeblich so viel besser ist. dabei wird aber immer nur ein kleiner Ausschnitt überhaupt erwähnt, und dann noch von jedem Land was anderes. In welchem Land ist denn Schule rundherum so, dass unsere Theoretiker (Bildungsforscher) zufrieden sind, die gern von Heterogenität schwadronieren? dDie wird’s nicht geben. Von japanischen Schulen reden und den Leistungsdruck auf die Kinder vergessen ist unredlich. Und auch in einer australischen Schule mit MINT-Schwerpunkt sitzen bestimmt nicht diejenigen „heterogenen“ Schüler, die bei uns als problematisch gelten, weil aus bildungsfernem Milieu. Woher soll eigentlich die Zeit kommen, in der die Lehrer sich miteinander beschäftigen (um „Prozesse zu planen“ und „Wissen zu strukturieren“), wenn sie sich zusätzlich mit den Schülern beschäftigen müssen? „Teamwork“ und „Multiprofessionalität“ sind längst zu Phrasen degeneriert, die die wahren Probleme verdecken sollen, genau wie die „individuelle Förderung“ und die „Heterogenität“ und das „Lernen in der globalisierten Welt“.

      • @Bernd, Einzelkämpfer?? Sie meinen damit, dass jede Lehrkraft seine individuelle Prägung und damit einen ihm eigenen Unterrichtsstil hat, das hat mit Einzelkämpfertum aber wenig zu tun, sondern fördert die Vielfalt im Unterricht, sonst könnte man Roboter hinstellen, sehr kostengünstig.
        Und haben Sie tatsächlich noch nie etwas von vernetzter Jahresplanung, fächerübergreifendem Lehrplan, Kollegenhospitation, Multiplikation von Fortbildungen, gemeinsam erstellten Klassenarbeiten, internen Fortbildungen, Fachsitzungen, Klassenbesprechungen mit fachlichem und pädagogischem Austausch etc. gehört? Ist das keine Teamarbeit? Also bei uns klappt das wunderbar. Teamwork im Unterricht kommt in Ausnahmefällen vor, aber es gibt nun mal nicht 3 Lehrer pro Unterrichtsstunde, schön wärs, aber auch das würde Probleme kreieren. Teamwork in der Unterrichtsvorbereitung kann für die Jahresplanung funktionieren, aber sonst möchte doch jeder seine Marke setzen. Mangelnde Kooperation unter Kollegen habe ich bisher nur an Gymnasien erlebt, aber das hat sich mitterweile vielleicht auch gebessert. Davon abgesehen, man muss eine gesteigerte Heterogenität in den Klassen nicht künstlich herbeiführen, denn das ist in der Vergangenheit oft passiert, ohne die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dass dies nicht funktioniert, muss wohl jedem klar sein, nur den Bildungsministern offenbar nicht.

  2. Träumt weiter, wird aus Kostengründen “ nie!“ kommen!
    Schöne Traumschlösser, die Realität sieht anderst aus, Vorgaugeln von schönen Vorstellungen, wie Schule sein könnte! Geht man damit auf Lehrerfang bei Studierenden, könnte es sogar bewirken, dass einige auf Lehramt studieren würden und danach hart aufschlagen!

    • Umgekehrt ist es richtig – Einzelkämpfertum ist ein enormer Kostentreiber, weil jede/jeder das Rad stets aufs Neue erfinden muss, also Synergien nicht genutzt werden. Unternehmen praktizieren Kollaboration ja nicht deshalb, weil’s so lustig wäre. Es geht ums Geld.

      • Und deshalb gibt es nur noch Kernlehrpläne, die die Schulen selbst bzw. die Lehrer unbezahlt zu richtigen Lehrplänen ausarbeiten müssen?

      • @Bernd,
        Teamwork ist ein Traum, wenn das Team multiprofessionell zusammengesetzt ist und auch ein Arbeitsplatz vorhanden ist, gerne mit Rechner, Drucker, Arbeitsmaterial und WLAN. So kenne ich das zumindest aus Unternehmen.
        Arbeitsplätze für Lehrer sind, zumindest an den meisten Schulen, nicht vorgesehen. Und Nein, ein Tischanteil im Lehrerzimmer, 0,5 m breit, ist kein Arbeitsplatz, sondern nur ein Sitzplatz mit Ablage. Und haben Sie schon mal versucht, nachmittags in Klassenräumen auf Kinderstühlen an Kindertischen zu arbeiten? Nach spätestens 30 Minuten denke ich dann nur noch an den schmerzenden Rücken!
        Alles ist darauf eingerichtet, dass ein Lehrer sein Arbeitszimmer zu Hause hat, mit privaten Geräten und eigenen Schränken für das benötigte Material. Auch bei Neubauten gibt es zwar ein Lehrerzimmer aber keine Arbeitsplätze.
        Arbeitsgruppen für Projekte treffen sich deshalb meist privat bei einem Kollegen am Esstisch. Das Material schleppt ein Lehrer sowieso die ganze Zeit mit sich herum. Deshalb sind „Lehrertaschen“ auch so groß! Ich habe noch nie einen Angestellten mit so riesigen Rucksäcken täglich zur Arbeit gehen sehen!
        Inzwischen heißt Teamwork eher Coaching der vielen Aushilfskräfte, fachfremd eingesetzter Kollegen und Seiteneinsteigern. Von Multiprofessionalität ist da wenig zu spüren, dem Lehrermangel sei Dank!
        Aber vielleicht ist das in der SEK2 ganz anders! Zumindest sind die Schülermöbel größer als in der GS.
        Teamwork ist eine ganz große Hilfe für jeden Lehrer! Aber dazu wäre es wichtig, vernünftige Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz zu haben.
        Das ist aber so in deutschen Schulen nicht vorgesehen, da Vorbereitung, Nachbereitung, Korrekturen usw zu Hause stattfinden sollen. Das ist billiger!

        • Dass die Bedingungen nicht gegeben sind, bestreite ich ja gar nicht – nur ändert das ja nichts daran, dass Teamwork nunmal in den Arbeitsprozessen des 21. Jahrhunderts essenziell ist.

          • @Bernd
            – Bedingungen nicht gegeben
            und
            – Teamwork nunmal in den Arbeitsprozessen des 21. Jahrhunderts essenziell ist
            Das sind also bildlich dargestellt 2 Endpunkte von 1 Fahnenstange.
            Mit dem Benennen ist es ja nicht getan.
            Soweit ist die Erkenntnis wohl schon lange vorher gewesen.

            Und was ist – sachlich ( ! ) formuliert – Ihr ( ! ) Konzeptvorschlag um die beiden Enden der Fahnenstange aneinander heranzurücken?
            Fangen wir konkret an, z.B. mit dem Beispiel Grundschule, weil @Alla auch dort ansetzt. ( Das ist ja auch sinnvoll, wenn von der Primarstufe ausgehend die Veränderung einsetzen würde. )

          • Das ist wie bei der Inklusion! Erstmal kommen alle Förderkinder in die GS, um vernünftige Voraussetzungen kümmert man sich später. Oder halt gar nicht, denn es klappt ja auch so! NICHT!

          • Mein Konzeptvorschlag? Viel interessanter ist doch, was Grundschul-Kollegien bereits praktizieren – es gibt ja Modelle (ist übrigens auch eine Form von Teamwork: Mal zu schauen, was andere Schulen machen).

            Hier zum Beispiel ist ein hochspannendes Konzept: http://rheinschule.de/wp-content/uploads/2018/10/2018_Teamarbeit-Partizipation.pdf

            Die Schule schreibt darin über sich selbst: „Kollegiale Kooperation und Teamarbeit bedeutet, dass das Denken, das Können und die Fähigkeit jedes Gruppenmitglieds so genutzt wird, dass das Ergebnis der Teamarbeit besser ist, als das des Einzelnen. Dieser Synergieeffekt wirkt sich sowohl auf die Qualität des Unterrichts als auch auf die Professionalität der Lehrkräfte positiv
            aus. Teamarbeit ist für uns an der Rheinschule selbstverständlich. Nur dadurch, dass alle an der Erziehung unserer Rheinschulkinder Beteiligten vertrauensvoll und wertschätzend zusammenarbeiten, sind optimale Förderung der Kinder und stetige
            Weiterentwicklung von Unterricht und Schule möglich.“

            Und dann folgen 37 Seiten (sic!), wie das im Detail abläuft – m. E. vorbildlich!

          • Ich hoffe, dass diese 37 Seiten auch tatsächlich so umgesetzt werden. Es ist ja allgemein bekannt, dass Schulprogramme und Realität zwei verschiedene Hausnummern sind.

          • Meine Güte – darum geht’s doch gar nicht. Es geht darum, dass auch viele Schulen/Lehrkräfte die Notwendigkeit zum Teamwork erkennen und in den (zugegeben engen) Möglichkeiten, die das System bietet, nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen.

            Natürlich kann ich in alles Reinunken. Geht nicht, klappt nicht, haben wir noch nie so gemacht, haben wir schon immer so gemacht.

            Kein Wunder, dass Lehrkräfte bei einer solchen Einstellung Burnout kriegen. Wenn ich so miesepetrig unterwegs wäre, hätte ich auch schon längst Magengeschwüre.

          • Doch, darum geht es. Vom Pferd erzählen und alles in den höchsten Tönen loben tun die Bildungstheoretiker und die am erfüllten Klassenteiler interessierten Schulleiter in den Schulprogrammen.

          • Ein 37-Seiten-Konzept zum Teamwork (sic!) schreibt doch keine Schulleitung allein – allein die Idee ist absurd (und zeigt, dass Sie sich gemeinsames Tun nicht mal vorstellen können. Traurig für Sie, meine ich ernst. Die im Beitrag beschriebene größere Berufszufriedenheit von Menschen, die in ein Team eingebunden sind, ist Fakt.)

          • @Bernd: Es ist nicht so, dass die Kolleg*innen sich Teamwork nicht vorstellen können oder wollen, sondern darum, dass die Voraussetzungen nicht geschaffen werden. Die Planung und Durchführung von Teamarbeit muss zur Arbeitszeit zählen und in der Schule stattfinden können. Und daran hapert es nun einmal. Die Länder als Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass die Gegebenheiten geschaffen werden, so wie es auch draußen in der Wirtschaft ist. So lange das nicht passiert, müssen Lehrkräfte improvisieren und zu dem, was sie sowieso schon alles machen, auch das noch on top erledigen. Teamarbeit ist nicht so ohne, sondern auch sehr anstrengend und zeitaufwendig, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

          • Da bin ich bei Ihnen. Nur: Dass Lehrkräfte Teamwork wirklich wollen, lassen viele der Posts hier gerade nicht erkennen. Wenn jeder lieber weiter in seinem eigenen Saft schmort, wird sich, erstens, nichts ändern, weil kein politischer Druck entsteht und, zweitens, würde sich selbst dann nichts ändern, wenn die Strukturen plötzlich doch nicht mehr entgegenstünden. Teamarbeit fängt erst einmal im Kopf und im Selbstverständnis an.

          • @Bernd: Ich bin nun über 25 Jahre im Schuldienst und kann Ihnen versichern, dass Lehrkräfte NIE, ich wiederhole mich, NIE gefragt werden, im Gegenteil, und so von unserer Seite aus so kein Druck entstehen kann. Ich habe als verbeamtete Lehrkraft sogar mal gestreikt, das Ergebnis können Sie sich vielleicht denken.
            Ich arbeite an einer Schulform, die Teamarbeit praktiziert. Und ich bin sehr froh darüber, dass unsere jeweiligen Schulleitungen Teamarbeit ermöglichen, aber ich weiß, dass Teamarbeit – wie bereits beschrieben – sehr anstrengend und zeitaufwendig ist.
            Teamarbeit ist wie Inklusion – wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, hilft einem das, was im Kopf so schön ist, und das richtige Selbstverständnis nicht wirklich weiter.
            Ich bin es inzwischen auch leid, immer wieder mit der Theorie konfrontiert zu werden, wenn ich in der Praxis erlebe, wie wenig diese in der Theorie berücksichtigt wurde!

          • @ Bernd 4. Oktober 2021 um 13:41
            Ich habe mir das Konzept ( Wie zu erwarten nicht Ihres ! sondern das verlinkte einer Grundschule. ) angeschaut, stellenweise sehr intensiv gelesen.

            Nirgendwo steht, WOHER zusätzliche Zeit ( Arbeitszeit ) für Lehrer herkommen soll.
            Nirgendwo steht, WAS stattdessen wegfallen kann, um die Arbeitszeit für Lehrer NICHT zusätzlich zu steigern.
            Ein Tag hat für Lehrer auch nur 24 Stunden.
            Jemand mit Ihrer ( ! ) Intelligenz und Bildung sollte DAS doch auch langsam mal alleine verstehen.
            Scheinbar ist das für Sie immer wieder neu und auch unvorstellbar.

            Und ansonsten mache ich es mal so wie Sie:
            Wenn Sie nach KONKRET Ihrem ( ! ) Konzept bzw nach KONKRET Ihrem ( ! ) Standpunkt gefragt werden, verweisen Sie immer ( Ja, isso. ) auf andere Personen, Institutionen, Studien, …
            Also verweise ich einmal auf alle anderen Schreiber, die sich hier vor mir zu diesem Punkt „Arbeitsbedingungen“ geäußert haben, denn da finden Sie alles nötige gut ausgeführt.

            Besonders hervorzuheben ist aber noch Ihre meisterhafte Leistung in der Kategorie Wertschätzung ( passend zum „Tag des Lehrers“, aber so was kommt Ihnen auch sonst immer leicht über die Tastatur ):
            „Bernd 5. Oktober 2021 um 09:59
            Nur: Dass Lehrkräfte Teamwork wirklich wollen, lassen viele der Posts hier gerade nicht erkennen. Wenn jeder lieber weiter in seinem eigenen Saft schmort, wird sich, erstens, nichts ändern, weil kein politischer Druck entsteht und, zweitens, würde sich selbst dann nichts ändern, wenn die Strukturen plötzlich doch nicht mehr entgegenstünden. Teamarbeit fängt erst einmal im Kopf und im Selbstverständnis an.“
            Sie können sogar in die Zukunft sehen.
            TOLL !

            Auf welchem hohen Ross Sie sitzen, haben Sie ja auf mehrfache Nachfragen ( in den letzten Monaten von verschiedenen Schreibern in diesem Forum ) nicht genannt.
            KONKRETE Antworten bleiben Sie schuldig.
            Stattdessen „verwöhnen“ Sie die Lehrer gerne mit Vorwürfen und Unterstellungen und winden sich dann ( mit irgendwelchen Links ) heraus, zurück in die unendlichen weiten Ihres Gedankennebels, den Sie als allumfassende Bildung und weites Weltwissen verkaufen wollen.
            Schade, dass Sie das alles wohl nur hier in diesem Forum loswerden können.
            Das wird wohl Gründe haben.

          • Wenn so die Reaktionen auf Verbesserungsvorschläge AUS DEN EIGENEN REIHEN aussehen, wundert einen gar nichts mehr. Vorschläge von außen wollen Lehrkräfte nicht hören – jeder, der nicht 15 Jahre vor Brennpunktklassen gestanden hat, kann eh nicht mitreden. Vorschläge von Kolleginnen und Kollegen (darum handelt es sich hier ja) wollen Lehrkräfte aber auch nicht hören – weil die ja keine zusätzlichen Ressourcen zaubern können. Vorschläge aus der Politik sind sowieso daneben. Ergo: Es ändert sich an vielen Schulen gar nichts zum Guten – während an etlichen Schulen seltsamerweise dann doch eine ganze Menge Positives möglich ist. Komisch. Könnte aber eben auch an der Einstellung der jeweiligen Kollegien liegen.

          • @Bernd: Wie bessern würden Sie Straßen ausbessern, wenn Sie nicht das nötige Gerät, die nötige Anzahl von Beschäftigten und was man sonst so braucht hätten? In Teamarbeit?
            Es gibt Schulen und Schulträger sowie Bundesländer, die etwas besser als andere davor sind, weshalb dort dann mehr passieren kann. Sie sehen vor lauter Theorie die Pferdefüße nicht. Ich habe Fortbildungen mit Professor X gemacht, der uns dann Filmchen aus der Laborschule Blubb gezeigt hat und gleichzeitig meinte, es liege nicht an den äußeren Gegebenheiten. Da kann man dann nur noch mit dem Kopf schütteln. Hören Sie bitte auf, uns hier Vorwürfe zu machen, dass wir nicht wollen, wenn wir Ihnen schildern, wo es in der Praxis hapert.
            Und wie gesagt, ich arbeite viel in Teamarbeit, kenne aber die Probleme, die das mit sich bringen kann, wenn die Bedingungen nicht stimmen.

          • @Bernd
            „Teamwork ist nunmal in den Arbeitsprozessen des 21. Jahrhunderts essenziell.“
            Soso, und deswegen muss sie überall gleich richtig und angebracht sein?
            Sie argumentieren mir zu „angelesen“, dogmatisch und schullebensfern. Ein Grundsatz (von vielen) in der Arbeitswelt wird von Ihnen stur auf alle Bereiche übertragen. Ich teile die Bedenken Ihrer Gegenredner.

          • @Bernd Wir können davon ausgehen, dass die Lehrer an der von Ihnen verlinkten Schule genauso bezahlt werden wie an jeder anderen Schule auch, sprich 28 Wochenstunden bei Vollzeit und wenige Entlastungsstunden. Die Personaldecke ist bestenfalls bei 110% der benötigten Stunden.

            Wie soll dann in der Fläche Teamwork während des Unterrichts geleistet werden können, ohne dass die Lehrer maximal eine halbe Stelle haben, nie krank werden und unbezahlt Stunden wie eine volle Stelle abhalten? Nur dann wäre eine Doppelbesetzung möglich.

            Kooperation bei Klassenarbeiten ginge theoretisch, vorausgesetzt alle arbeiten synchron. Ein gemeinsamer Ordner mit selbst erstellten Materialien theoretisch ebenso, vorausgesetzt das Urheberrecht wird berücksichtigt.

            Etwas anderes oder etwas wirklich realistisches fällt mir nicht ein.

  3. „Nur im Team“ – richtig! Aber ein Team besteht aus mindestens 2. Wir haben ja nicht mal genug Leute, um Förder- und Teilungsunterricht abzudecke. Das wären schon mal Miniteams, die aber nur dem Papier existieren (abgesehen von genügend Zeit für Absprachen der Teams).

  4. Zum Thema Teamfähigkeit von Lehrern. Ich war auf einem Herstellerworkshop als die Smartboards auf den Markt kamen, heute sind die Dinger veraltet und abgekündigt, werden interessanterweise von Schulen immer noch geordert. Auf diesem Workshop wurde die Serverfunktion mit Cloud erläutert, mit der alle die Vorlagen der Kollegen benutzen können. Reaktion der Lehrer: Warum sollte ich meine Vorlagen anderen zur Verfügung stellen?
    Wir Ausbilder in unserem Ausbildungszentrum arbeiten nicht nur zusammen, sondern tauschen uns sogar mit anderen Firmen aus. Auch mit den Berufsschulen, wobei mir dies mittlerweile zuwider ist. Denn zurück wird von Lehrern NIE etwas gegeben, es wird nur genommen und gefordert. Teamarbeit ist dort nicht nur unbekannt sondern absolut unerwünscht, das liegt an der totalen Teamunfähigkeit der meisten Lehrer.

    • Gut, dass Sie die meisten Lehrer kennen!
      Bei uns teilt jeder mit jedem, wenn auch meist nicht per Dropbox sondern analog!
      Genausogut könnte ich unsere sehr enttäuschenden Erfahrungen mit dem Hersteller und Lieferanten unserer 3 Smartboards verallgemeinern!
      Die versprochene Fortbildung verzögerte sich immer wieder, bis nach 18 Monaten endlich ein junger Mitarbeiter kam, der sicherlich sehr medienaffin war, aber wirklich nichts erklären konnte. Er überschüttete uns 30 Minuten lang mit Informationen und musste dann weg! Auf das ebenfalls versprochene Handbuch warten wir nach 10 Jahren immer noch!

      • @Alla

        „… und musste dann weg! Auf das ebenfalls versprochene Handbuch warten wir nach 10 Jahren immer noch!“

        Dann musste er wohl weit weg?! 😉 🙂
        Btw: Der war dann ja irgendwie auch … ähm … Ausbilder? 😉 🙂

        Aber JETZT erst fällt mir auf (Mein Fehler, Lehrer, typisch!):
        DAS, liebe Alla, muss 😉 ein seltener Fall/Zufall/Irrtum/Missverständnis gewesen sein. Seltener Fall/Zufall/Irrtum/Missverständnis gilt natürlich auch immer dann, wenn „Fortbildungen gehäuft so ablaufen.
        Doch, doch … 😉 🙂

      • Na wenn Sie Ihre Unterlagen analog teilen, dann sind diese Unterlagen auch sicherlich nicht kompatibel mit einem Smartboard. Ich kann mir auch denken warum der Dozent wieder ging…

      • Für das versprochene Handbuch hätte ich eine Lösung. Schauen Sie einfach mal die mitgelieferte DVD an, da ist es drauf. Selbst bei unseren alten und mittlerweile ausgemusterten Smart- und Activeboards gab es keine Handbücher mehr, höchstens eine Installationsanleitung. Bei den heute aktuellen Smartdisplays und Apple-TVs können Sie auch auf Handbücher warten. Ausserdem sind diese Geräte selbsterklärend, man muss nur wollen. Ist natürlich mit Arbeit verbunden, jeder weitere Fortschritt, beispielsweise vor kurzem auf Apple-TV war dann mühelos zu stemmen.

        • Diese Geräte sind selbsterklärend? Solange sie so gehen, wie sie sollen, möglicherweise schon. Das tun sie aber selten im schulischen Alltag. An einem Smartboard habe ich einmal ca. 20 Steckerverbindungen gezählt, die nicht zusammengesteckt sein könnten und so die Nutzung unmöglich machen würden.
          Wenn man mehrere Geräte zusammenschaltet, wird es natürlich noch viel „schöner“, z.B. AppleTV, iPad, Tischkamera, Laptop, Wandlautsprecher, Beamer, Stromaus-Schalter, drei Fernbedienungen … man muss nur wollen? Ich will jedes Mal, aber nur etwa jedes dritte bis vierte Mal tut alles so, wie ich will.

          • Wozu braucht man, wenn doch ein Smartboard vorhanden ist, AppleTV, Wandlautsprecher, Beamer und die Fernbedienungen? Da haben Sie die Sinnhaftigkeit eines digitalen Whiteboards nicht ganz verstanden. Das wichtigste haben Sie jedoch vergessen: den LAN-Anschluss, bzw. das W-Lan.

    • @Andreas, das ist schon ein starkes Stück Pauschalisierung, dass Sie hier den meisten Lehrern Teamunfähigkeit attestieren. Ich habe auch schon Fortbildungen durch IT-Spezialisten erlebt und ich muss Alla beipflichten. Oft dozieren die Verantwortlichen vor sich hin in einem schnellen Tempo und werfen mit einer Vielzahl von Fachbegrifffen um sich, dass man oft kaum folgen kann. Die Lehrer haben einen anderen Beruf erlernt und sind keine It-Experten, die sich den ganzen Tag mit dieser Materie befassen können. Da muss es doch möglich sein, die Fortbildungen so zu gestalten, dass man sich auf die grundlegenden Dinge, die ein Lehrer braucht, konzentriert und diese verständlich weitergibt. Es gibt halt auch noch Lehrer als sog. „Digital Immigrants“, die da nicht hineingeboren sind. Ihre arroganten Antworten zeugen auch nicht gerade von Teamgeist, und ich meine, da sollten doch alle an einem Strang ziehen. Was nützt es, aufeinander herumzuhacken, das ist wenig zielführend. Wer etwas (besser) weiß im Team, gibt es weiter, mit GEDULD. Also so kenne ich das, und das nennt sich Teamwork.

      • Es geht doch auch nicht um tiefstgreifende IT-Kenntnisse. Es geht um die Bedienung dieser Geräte, genauso wie beim Autofahren. Es ist dort auch nicht nötig die Schliesszeiten eines Commonrailventils zu berechnen. Nur Autofahren sollte man können und sich den Neuerungen nicht versperren.
        Diese Verweigerungshaltung an den neuen Technologien und das krampfhafte Festhalten an uralten Blättern ist schon sehr erschreckend. Meine Söhne haben in Erdkunde noch die gleichen Arbeitsblätter wie ich damals. Nur die DDR wurde durchgestrichen und mit Filzstift die Grenzen neu gezogen.

        • Andreas, fangen Sie nicht schon wieder an, Einzelfälle zu pauschalisieren. Es gibt in jedem Beruf Rohrkrepierer, sicher auch in Ihrem. Aber wenn ich so einem begegne, dann kann ich nicht auf alle anderen der Berufsgruppe schließen. Bei dieser Argumentation erhärtet sich bei mir der Verdacht, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung der Anstand und Respekt gegenüber seinen Mitmenschen verloren geht. Keine gute Entwicklung.

  5. Ich habe jahrelang in homogenen Lerngruppen und in heterogenen unterrichtet. Die homogene Lerngruppe hatte ich, als es noch die bindende Grundschulempfehlung und das dreigliedrige Schulsystem gab.
    Dann zog ich nach dem Ref nach NRW, Gesamtschule, kein Sitzenbleiben, Förderschüler, keine bindende Grundschulempfehlung, also Heterogenität hoch zehn. Ich kam nicht voran mit den Kindern. Und viele SuS wurden einfach ausgebremst. Ich wurde keinem wirklich gerecht.
    Nach 3 Jahren zurück nach BW, Homogenität, für ALLE wohltuend.
    Dann Regierungswechsel, bindende Grundschulempfehlung abgeschafft, die Realschule zur heterogenen Schulart „weiterentwickelt“, Inklusion noch dazu und ja, was soll ich sagen? Absturz in Sachen Lernen und Lehren hoch zehn. Deja vu.
    Fazit: Die Lösung liegt für mich in der „Selektion“ der Schüler: Jeder in seinem Tempo in einer Lerngruppe, in einer Schulform. Damit habe ich die besten Ergebnisse erzielt und Schule hat noch Spaß gemacht; für Lehrer und für Schüler.
    Täglich erlebe ich, wie die schwächeren SuS den Laden aufhalten; ich werde ihnen nicht gerecht. Bessere werden ausgebremst und sie sind frustriert. Auch ihnen werde ich nicht gerecht. Alles politisch gewollt und forciert.
    Schade!

      • @Carsten60
        Da warte ich schon seit Tagen drauf. Als ich diesen Beitrag losschickte rechnete ich ehrlich gesagt mit einem Shitstorm…..

        • Weil gegen eine rein leistungsbezogene Selektion auch gar nichts spricht. Nur: Die haben wir hier in Deutschland nicht. Wir haben vor allem eine soziale Selektion, die Kinder aus sozial schwachen Familien benachteiligt und Kinder aus sozial starken Familien bevorzugt – unabhängig von ihrem individuellen Leistungspotenzial. Das ist die Fortführung der Drei-Klassen-Gesellschaft aus dem 19. Jahrhundert mit anderen Mitteln.

          Eine Schule, die ihren Förderauftrag ernst nimmt und mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet ist (wie in den Niederlanden oder in Skandinavien), schafft es eben auch, Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächeren Familien mitzunehmen, wie sich dann an den PISA-Ergebnissen zeigt. In Deutschland gelingt das allzu häufig nicht. Da geht’s dann nur ums Aussortieren – Hauptsache weg.

          • @Bernd
            „Wir haben vor allem eine soziale Selektion, die Kinder aus sozial schwachen Familien benachteiligt und Kinder aus sozial starken Familien bevorzugt – unabhängig von ihrem individuellen Leistungspotenzial.“
            Das ist ein Argument, das immer wieder herangezogen wird. Gebetsmühlenartig. Trotzdem habe ich es noch nie richtig verstanden. Oder selektieren Sie in ihrer Klasse nach dem Status? Ich mach das nicht, die Herkunft eines Menschen ist mir total egal. Mich interessiert mehr, wie sich meine SuS benimmt, wie lernwillig sie sind und welche Haltung sie an den Tag legen. Und das können eigentlich alle, die nicht geistig oder körperlich beeinträchtigt sind, liefern.
            Und ja, im zweiten Abschnitt gebe ich Ihnen wirklich recht. Nur: Bitte einmal auch die Bedingungen vor Ort mit in die Rechnung nehmen. In diesen Ländern herrschen andere Bedingungen, so weit ich weiß, sind es teilweise kleinere Schulen, kleinere Klassen, Tandemunterricht, Psychologenn und Therapeuten vor Ort usw. Und so weit ich informiert bin, haben Lehrer dort a. ein anderes Ansehen und b. sind sie nur Lehrer und nicht alles andere als Lehrer.

          • Dann versuchen Sie mal als Grundschullehrkraft, einem Arztkind die Gymnasialempfehlung zu verweigern, weil sie es kognitiv für ungeeignet halten – viel Spaß damit.

            Es gibt tatsächlich auch Studien, die aufzeigen, dass Grundschullehrkräfte benachteiligten Kindern, denen sie eigentlich das Gymnasium zutrauen, eine entsprechende Empfehlung verweigern – um sie zu schützen. Bei Kindern aus sozial starken Familien wird Unterstützung durch das Elternhaus vorausgesetzt (heißt: im Zweifel pro Gymnasium), bei Kindern aus sozial schwachen Familien eben nicht (heißt im Zweifel: dagegen). Hierbei wird die fehlende Förderung auf dem Gymnasium antizipiert.

            Das ist kein Vorwurf an die Lehrkräfte – die meinen es gut. (Und die Realität sieht ja auch so aus.) Allerdings schaffen sie damit eben auch Fakten.

          • @Bernd
            Zur Grundschulempfehlung:
            Mag durchaus für die Bundesländer gelten, die noch die bindende Grundschulempfehlung haben. Es gibt noch vier von 16 Bundesländern, soweit ich informiert sind, die diese Empfehlung noch festgeschrieben haben. Ich für meinen Fall mag aber den dort „selektierenden“ Kollegen diese Unprofessionalität der Statusselektion nicht unterstellen.
            Ich für meinen Teil sehe, dass in meinem Bundesland die Förderung der SuS ziemlich bergab geht, seit die GS-Empfehlung aufgehoben wurde. Also kann ein Arbeiterkind mit sehr schlechten Noten auch ans Gymi, um mal das Klischee zu bedienen.
            Und nein: Diese künstlich herbeigeführte Heterogenität (unabhängig vom sozialen Status) kann nicht ohne die dazu erforderlichen Ressourcen aufgefangen werden. Das wurde ja in vielen Posts auch schon sehr schön dargelegt. Das Problem kann auch nicht in der Form der „Teamarbeit“ (versuchen wir ja seit Jahren mithilfe der sehr begrenzen Mitteln), wie es die o.g. praxisfernen Bildungstheoretiker propagieren, aus der Welt geschaffen werden. Das was da vom Stapel gelassen wird, ist wohlfeiles Geschwätz und eine Ohrfeige für uns, die sich hier tagtäglich abrackern.
            Aber es muss ja eine Legitimation für diese Gilde geben und die müssen ja auch ihre Familien ernähren. Ich sag nur eins: Wären diese Typen mal 6 Wochen vor Ort eingebunden (nicht nur hospitierend, sondern lehrend mit unseren Bedingungen vor Ort), dann wäre dieses Berufsfeld bald mal obsolet.

          • Die PISA-Ergebnisse in Skandinavien sind in Mathematik gar nicht besser als die in Deutschland, nur Finnland ist noch ein paar Pünktchen vorne, die anderen drei sind schwächer. Und selbst in Finnland gilt: Das untere Ende ist besser als das in Deutschland, aber das obere Ende ist dünner besetzt und somit schwächer als in Deutschland. Das längere gemeinsame Lernen kann eben auch zu einer Nivellierung zur Mitte hin führen. Das sieht man bei den PISA-Berichten ganz deutlich an den Grafiken mit den Balken. Schmale Balken stehen für eine Nivellierung zur MItte, lange stehen für eine hohe Streuung. In Frankreich hat man einen sehr langen Balken trotz eines einheitlichen Schulsystems.
            Und was die „Abhängigkeit von der Herkunft“ mit dem „sozialen Gradienten“ betrifft, so steht Bayern nicht schlechter da als Bremen oder Berlin, im Gegenteil.
            Dass die Gymnasialempfehlung „nach dem Geldbeutel der Eltern“ erfolgt, ist auch ein Märchen. Senator Rabe hat in Hamburg die schwächeren Abiturleistungen der Stadtteilschüler (nur derer, die es bis dahin geschafft haben) damit begründet: „Dort sind ja auch so wenige Schüler mit Gymnasialempfehlung“. Offenbar hängen die Leistungen vom Geldbeutel ab, oder? Die Grundschullehrer sollten sich wehren und sagen: „Nein, wir sind nicht korrupt, wir gehen nicht nach dem Geldbeutel der Eltern.“

          • Bernd: Wenn Sie mit PISA das Abschneiden von Finnland meinen, dann verkennen Sie, dass Finnland gut abschnitt kurz nachdem es von hartem lehrerzentrierten Unterricht auf Gruppen-Kompetenz-Unterricht umgestellt hat. In Nachtests verschlechterte Finnland sich dramatisch. Außerdem ist Finnland sehr homogen.

          • Das Märchen wird seit Jahren von Konservativen kolportiert, ist aber immer noch Quatsch. Finnland ist etwas im PISA-Länderranking abgerutscht, ja, liegt aber immer noch in der Weltspitze – weit vor Deutschland. Die Wahrheit ist: Die finnischen Probleme im Schulsystem hätten wir gerne.

          • Das ist ein Zeitungsartikel von 2014. Wie wäre es, Sie informieren sich mal vernünftig – und suchen nicht nur irgendwas, womit Sie glauben, sich bestätigen zu können: „Seit dem Start des Programms für internationale Schulleistungsuntersuchungen (PISA) im Jahr 2000 haben sich die finnischen 15-Jährigen durchwegs sehr gut geschlagen. In den im Dezember 2019 veröffentlichten Ergebnissen wird Finnland seinem Ruf erneut gerecht und weist offenbar auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen akademischen Leistungen und dem Leben außerhalb der Schule auf.“

            https://finland.fi/de/leben-amp-gesellschaft/finnland-bleibt-eine-der-spitzennationen-in-der-pisa-studie/

          • PS. Deutschland hat keine Schulabbrecher? Jedes Jahr verlassen mehr als 50.000 Jugendliche ohne Abschluss die Schule – und die Zahl stammt aus Vor-Corona-Zeiten. Ich will nicht wissen, wie viele das in den nächsten Jahren werden.

          • Wenn Sie es sich wünschen, kriegen Sie einen Artikel von Anfang 2020, der in eine ähnliche Richtung wie mein zuerst verlinkter Artikel schlägt:

            https://www.nzz.ch/international/das-finnische-bildungssystem-ein-wunder-ld.1526138

            Insbesondere ist er keine Pressemitteilung oder so etwas ähnliches vom finnischen Außenministerium oder einer ähnlichen Organisation. So viel zu Rosinenpickerei.

            Es geht deutlich nach unten, wobei die Leistungsspitze wirklich gut bleibt, jedoch schmaler wird, und das untere Ende insbesondere aufgrund von Immigration breiter wird.

          • Ihr PS macht auch nur Sinn, weil Sie meinen zuerst verlinkten Artikel nicht so gelesen haben, wie er gemeint war. Natürlich hat Deutschland mindestens dieselben Probleme mit Schulabbrechern wie Finnland. Das Ansehen der Schule und Lehrer bei dieser Klientel wird ähnlich schlecht sein wie in Deutschland, jedoch ist in Deutschland bei der bildungsnahen und bildungsnormalen Schicht der Lehrer der Fußabtreter der Nation.

          • Sie können sich auch gerne die PISA-Studie 2018 von Finnland unter den Staaten direkt anschauen: Leseverständnis Platz 3, Naturwissenschaften Platz 3, Mathematik Platz 5. Alle Ergebnisse deutlich über dem OECD-Schnitt – im Gegensatz zu Deutschland.

            Deutschland, das zudem einen so starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufweist wie kaum ein anderes Industrieland, hat nicht diesselben Probleme in der Bildung wie Finnland – da liegen Welten zwischen.

            https://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/

            Der von Ihnen verlinkte NZZ-Artikel geht übrigens keineswegs in die von Ihnen behauptete Richtung – im Gegenteil. Haben Sie den Text gelesen? Ich zitiere mal: „Inzwischen hat Finnland in den Pisa-Resultaten zwar leicht nachgelassen und muss hinter einigen ostasiatischen Konkurrenten zurückstehen. Doch es besetzt weiterhin einen Platz an der erweiterten Weltspitze.“

            „Das finnische System (…) müsse in der Lage sein, Schüler unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund aufzunehmen. Jedes Kind bringe Stärken und Schwächen mit, die vom Lehrpersonal erkannt und berücksichtigt werden müssten. Inklusion als Leitgedanke bedeute, dass jedem Schüler die Unterstützung gegeben werde, die er individuell brauche. Dies wiederum bedinge, dass dem Schulwesen auch die dazu nötigen Ressourcen zugeleitet würden.“

            Quod erat demonstrandum.

          • Natürlich habe ich den Text gelesen, sogar zuende. Die negative Tendenz sei nicht zu übersehen. Sie müssen auch bedenken, dass die Zahl der Lehrer nach dem alten Schlag, also Vermittlung von Fachwissen mehr oder weniger unabhängig vom Lehrplan vor Schulspaß, immer weiter abnimmt.

            Deutschland hat halt nur einen zeitlichen Vorsprung vor Finnland von einigen Jahrzehnten, ein Gegensteuern hin zu mehr Homogenität bei gleichzeitiger Öffnung in alle Richtungen ist weder hier noch in Finnland erwünscht.

            Ach ja: Bei der extremen Selbstständigkeit der finnischen Schulen sollte man mal die dort angestellten Lehrer untersuchen, wegen mir nach Abschlussnote und Fluktuation als objektives Kriterium. Tendenziell halte ich zumindest bei den jüngeren Lehrern unter 15 Jahren Dienstzeit sozialer Brennpunkt-eher schwacher bis mittlerer Abschluss-hohe Fluktuation auch bei gleichem Gehalt für plausibel. Lehrer sind schließlich überwiegend ausgebildete Wissensvermittler und nur bedingt Sozialarbeiter.

          • @Bernd 8. Oktober 2021 um 06:50
            „Das finnische System (…) müsse in der Lage sein, Schüler unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund aufzunehmen. Jedes Kind bringe Stärken und Schwächen mit, die vom Lehrpersonal erkannt und berücksichtigt werden müssten. Inklusion als Leitgedanke bedeute, dass jedem Schüler die Unterstützung gegeben werde, die er individuell brauche. Dies wiederum bedinge, dass dem Schulwesen auch die dazu nötigen Ressourcen zugeleitet würden.“
            – müsse
            – müssten
            – würden
            Ist das nicht ganz offensichtlich der gute alte Konjunktiv? ( Auch an anderen Stellen des von Ihnen angeführten Zitates. )
            – Was bedeutet der Konjunktiv noch mal?
            – Wann benutzt man ihn sinnstiftend?

        • Sind wir jetzt in der Korinthenkackerei angekommen?

          Das Zitat steht in indirekter Rede – und gibt die oberste Maxime finnischer Bildungspolitik wieder, wie sie im (ja nicht von mir) angeführten Beitrag zitiert werden. Dass das nicht nur Blabla ist, belegen doch die PISA-Ergebnisse.

          • @Bernd
            Wenn der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit für Sie ( ! ) „Korinthenkackerei“ ist, dann bleiben Sie ( ! ) vermutlich bei dem, was Ihnen ( ! ) besser gefällt.
            Das gilt vermutlich auch für Ihren permanent aggressiven Tonfall.

          • Was Bernd heute um 6:50 zu PISA geschrieben hat, ist wohl sein Wunschdenken. Der nationale Langbericht unter
            https://www.pisa.tum.de/pisa/pisa-2000-2018/pisa-2018/
            zeigt für die Mathematik auf Seite 196 in Tabelle 8.2:
            Unter den OECD-Staaten liegt Finnland auf Platz 11, Deutschland auf Platz 15, aber die Differenz beträgt nur 7 Pünktchen (etliche Länder liegen sehr dicht beieinander), und auch Deutschland liegt immer noch 11 Punkte über dem OECD-Durchschnitt. Das dort abgebildete Perzentilband von Finnland ist ganz in dem von Deutschland enthalten. Das bedeutet, in Deutschland gibt es mehr schwache und auch mehr starke. Das kann man so oder so bewerten, eine eindeutige Beurteilung gibt es nicht.

          • Genau das ist das Problem: Dass sich Vertreter des deutschen Schulsystems intensiv damit beschäftigen, andere schlechtzureden – statt mal darüber nachzudenken, was hierzulande besser laufen könnte.

          • Wie bitte ?? Falsche Behauptungen über PISA sind also kein Problem? Die gibt’s massenhaft, auch in der Politik. Wenn es heißt „PISA hat gezeigt, dass …“, kann man fast darauf wetten, dass das so gar nicht stimmt.
            Ich hatte einfach nur die Zahlen aus PISA 2018 richtiggestellt und niemanden schlechtgeredet. Aber Finnland ist nicht mehr das pädagogische Wunderland. Muss ja auch nicht sein. Angeblich waren 2001 die Finnen höchst erstaunt und fast irritiert über ihre Platzierung bei PISA.

  6. Ok, na gut, folgender Vorschlag:
    Zu jedem „Extra“, das so um die Ecke kommt und das ich bereits tun muss oder zukünftig tun muss oder idealerweise tun sollte, um schön modern, dynamisch, engagiert, aufgeschlossen teamfähig, zukunftsorientiert etc. etc. zu sein, wird eine meiner regulären Wochenunterrichtsstunden in eine Vor-/Nachbereitungs-/Fortbildungs-/Teampflege-/Kreativ-/Brainstorming-/Verwaltungs-/Medienwartungs-Stunde umgewandelt. – Deal?

    PS: Bleibt nur noch zu klären, wer dann alle meine bisherigen Unterrichtsstunden übertragen kriegt, denn ich bin dann ja anderweitig hochmotiviert an ganz Vielem dran. Richtig frischer Wind, völlig neu denken mit den fortschrittlichsten Fachleuten (= Schulalltags-Theoretiker) auf all ihren revolutionären Gebieten – eben „Palaver“ und so. Das wird ein Traum, ich kann’s nicht erwarten!

  7. Der zunehmenden Heterogenität der Schüler begegnet man in keinem Fall mit dem Werkzeug der derzeit noch regelhaft in der Schulpädagogik des Anfangsunterricht Anwendung findenden Anlaut-Tabelle.
    Die mit der simplen ABC-Pädagogik verbundene 1 :1 Vermittlung und Umsetzung der Sprache in die Schrift durch die Schüler, bei der diese mit Hilfe von bildgraphisch gestalteten Anlauttabellen sich weitgehend selbstständig eigene Schriftwege erschließen, führt unweigerlich zu falschen Schreibungen, deren Ergebnisse und Inhalte nur unter großem Aufwand vom Adressaten entschlüsselt werden können.
    Dabei wird den Kindern vorenthalten, dass sich die vielschichtig strukturierte deutsche Schriftsprache mit dem einfach zu erlernenden deutschsprachigen orthographischen Regelwerk unter der Anwendung silbenanalytischer Methoden, zu erlernen ist.

    • Ich lach mit schlapp! Jetzt ist die Anlauttabelle auch noch Schuld an mangelnder Teamarbeit! Ich kann nur noch mit dem Kopf schütteln, was für ein bodenloser Schwachsinn über Lehrer und Schule in unserem Land erzählt wird.
      Gott sei Dank zähle ich mittlerweile die Monate, bald die Wochen.
      Ansonsten kann man als Lehrer nur noch fassungslos den Kopf schütteln……

      • Wo wurde in meinem Beitrag ein Bezug zur Gruppenarbeit hergestellt.
        Der Grund ist ein anderer.
        Man stellt mit Schrecken fest, dass dieses Medium immer noch im Anfangsunterricht eingesetzt wird, obwohl dessen gravierenden Folgeschäden sich nachhaltig auf die Schulbiographie betroffener Schüler auswirken, die keine korrigierende und fördernde Unterstützung von zu Hause erhalten.

        • @AvL
          Meines Wissens nach sind Sie Notfallmediziner. Zumindest haben Sie das in den Kommentarspalten mehrfach geäußert!
          Woher kommt dann Ihre Kenntnis der verwendeten Erstlesemethoden?
          Vielleicht weil Sie bunte Anlautbildchen in Klassenräumen sehen?
          Ich habe noch eine Fibel von 1908. Auch in dieser gibt es Anlautbildchen, z.B. I i wie Igel. (Und das zog sich durch den Erstleseunterricht der nächsten Jahrzehnte.)
          Hat man damals schon nach Reichen unterrichtet, der noch gar nicht geboren war?
          Das ist wie mit der Homöopathie, die ja viele Ärzte anbieten, sie aber als Notfallmediziner hoffentlich nicht verwenden!
          Sollten aber Ihre Kinder/Enkel heutzutage nach dieser unseligen Methode unterrichtet werden, können Sie dagegen vorgehen.

          • Unser jüngster Sohn wurde im August in NRW eingeschult, und so wird von seiner Lehrerin eine bebilderte Anlauttabelle eingesetzt, mit deren Hilfe die Kinder, und dies erfolgt auf Grund der Genehmigung vom Schulministerium, im Anfangsunterricht selbstständig die Wörter in der Lautfolge der Buchstaben selbständig schreiben sollen.
            Dabei prägen sich die Kinder aber neben der Lautzuordnung zum Buchstaben auch noch unnötigerweise diese kleinen Bilder ein.
            Anlauttabellen , wie sie diese beschreiben, wurden um 1540 von Peter Jordan eingeführt. Diese konnten sich aber auf Grund der Komplexität und Vielschichtigkeit bei der Übertragung der Phoneme in die Grapheme nicht durchsetzen, da die Buchstaben dem lateinischen entlehnt sind und keine lautgetreuen Grapheme darstellen( siehe Endlauthärtung p/b, g/k, d/t, Stammprinzip Haus/Häuser, w/v, f/v etc. angewendete Regelwerke für Wörter mit deutschsprachigem Wortstamm, die alle sich in eine zweisilbige Form durch Verlängerungen (z.B. Blatt/Blätter) überführen lassen und auf den Schwa-Laut in der Endsilbe enden.
            Mit den ersten Bibelübersetzungen verschiedener Autoren wurden die Grundlagen der deutschen Schrift entwickelt.
            Anlauttabellen wurden danach nicht mehr regelhaft eingesetzt, da eine 1:1 Übertragung von der deutschen Sprache in die lateinischen Schriftbuchstaben nicht lautgetreu möglich ist.

    • „Der zunehmenden Heterogenität der Schüler begegnet man in keinem Fall mit dem Werkzeug der derzeit noch regelhaft in der Schulpädagogik des Anfangsunterricht Anwendung findenden Anlaut-Tabelle.“

      Da meinen Sie wohl die Methode „Lesen durch schreiben“?

      Diese wurde vor ca. 30 Jahren hoch gehypt! Aber gar nicht so häufig umgesetzt, wie es den Anschein hatte aufgrund der Medienpräsenz!
      Hippe, moderne, innovative, kreative Lehrkräfte und natürlich Ausbildungslehrkräfte und Referendare (diese notgedrungen, da es die Seminarleitung verlangte!) wendeten sie an.
      Den meisten Lehrkräften, die Deutsch studiert hatten, war die komplette Unsinnigkeit dieser Methode von Anfang an klar.
      Wenn die SL nicht gerade ebenso hipp und modern war, bestand sie nicht auf diese Methode, weshalb sie sich nie wirklich durchsetzen konnte.
      An den 5 GS unserer Stadt wurde sie gerade mal in zweien überhaupt im Anfangsunterricht einzelner erster Klassen verwendet. Seit knapp 20 Jahren habe ich nichts mehr davon gehört. Es gab Versuche, Teile der Methode zu „retten“ und guten Schülern im 2. Halbjahr die Möglichkeit zu geben, ihren schriftlichen Wortschatz mit Hilfe der Anlauttabelle selbständig zu erweitern, aber auch das war wenig zielführend!

      Jahrelang war sie nun auch aus dem Referendariat komplett verschwunden.

      Erst als die Methode in einigen Bundesländern verboten wurde (da war sie aus dem Schulalltag schon überwiegend verschwunden), wurde wieder heftig darüber diskutiert!
      Eine von vielen „Säuen“, die immer wieder durchs Dorf getrieben wurden, zum Nachteil der Schüler!
      Aber jeder KuMi, meist ja nicht vom Fach, möchte halt gerne seine Duftmarke hinterlassen!

  8. Ich bin gerne Einzelkämpfer.

    Ich spare viel Zeit, weil ich mich nicht dauernd absprechen muss. Ich kann meine persönlichen Vorstellungen von Unterricht umsetzen und muss mich nicht auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ einigen. Seit 20 Jahren setze ich digitale Medien ein und habe vielfältige Erfahrungen von denen meine Kollegen keine Ahnung haben und großteils noch der Meinung sind, dass Office und E-Mail verschicken was mit Medienkompetenz zu tun hat.

    Und dann die Rahmenbedingung – hohe Unterrichtsverpflichtungen, Fortbildungen außerhalb der Unterrichtszeit und keine gemeinsamen Teamzeiten…

    Die Rädelsführer dieses Artikels haben gut reden, sind sie doch selber nicht mehr im Unterricht tätig und wenn dann mit stark reduzierter Stundenzahl.

    • Danke für diesen Kommentar. Genau so erlebe ich es auch in meinem beruflichen Umfeld und ich habe mit verschiedensten Schulformen und Lehrern zu tun. Die positiven Ausreißer sind zumeist Quereinsteiger aus den Ingenieurwissenschaften, die es ab einem gewissen Alter im Beruf etwas ruhiger haben wollen und die viele Freizeit genießen wollen.

      • Lieber Andread oder Andreas,
        kommen Sie an die Schule, unterstützen Sie die nächste Generation!
        Genießen Sie die Ruhe und die Freizeit an der Schule in Verbindung mit den exorbitanten Gehältern!
        Nur die Klasse verlassen, wenn die Kinder Ihrem Unterricht nicht folgen können, dürfen Sie nicht!

        • Keine Sorge, ich habe durch den Lehrermangel an der Berufsschule unterrichtet. Dieser Freitagnachmittag wurde sehr gut entlohnt und die Arbeit hat mir auch sehr viel Spass gemacht. Wenn wieder Not am Mann ist, stehe ich wieder bereit, voraussichtlich nach Ostern, da geht ein Lehrer in Elternzeit. Bei einem Wettbewerb der IHK hat die Klasse und ich eine Bildungsreise nach Spanien zu technischen Zielen gewonnen, konnten wir leider noch nicht antreten.
          Da ich mit meinem Arbeitsplatz und den Bedingungen sehr zufrieden bin, steht ein kompletter Wechsel zur Schule nicht zur Diskussion. Aber als gut bezahlte Aushilfe jederzeit.

          • @Andreas
            „Keine Sorge, ich habe durch den Lehrermangel an der Berufsschule unterrichtet.“

            Wir reden aber von einer „richtigen“ (ja, ja, ich weiss…) Schule. Als jemand, der selbst ursprünglich aus der Berufsschule kommt, kann ich Ihnen sagen, dass die Verhältnisse überhaupt nicht vergleichbar sind. Das ist so als würde jemand über seine Erfahrungen über Wohnungsnot berichten, weil er in einer Villa in Blankenese wohnt.

      • @Andread
        Natürlich.
        Und „Andreas“ heißt jetzt „Twix“.
        Ach nee doch nicht, „Andreas“ heißt jetzt „Andread“.
        Mit Nachnamen bestimmt „ohne Fehl und Tadel“.
        Genießen Sie die viele Freizeit.

        • Um Gottes Willen, ein Fehler ist unterlaufen. Auch noch einer wo jeder erkennen kann, wie er passiert ist. Nur drauf, am Besten noch nach Wochen darauf verweisen. Sie sind genau mein Bild eines Lehrers: Alles ganz laut Besserwissen, denn das ist ja mein Beruf…
          Sicher haben Sie auch dieses T-Shirt, welches auf der DIDACTA verteilt wird: Ich bin Lehrer, ich darf das…

          Übrigens: Bitte jetzt auch bei Ihren Kollegen jeden Buchstabendreher korrigieren und kommentieren

          • @Andreas
            „Nur drauf, …“ ist doch Ihre ( ! ) Masche.
            Heißes Blut, was?
            „Sie sind genau mein Bild eines Lehrers: …“
            Ich habe nie behauptet, Lehrer zu sein.
            Darum finde ich Ihre, nun ja, „Beiträge“ so amüsant.

  9. In unserer Grundschule wird Teamwork gelebt und sind zudem noch x andere Professionen (ehrenamtlich) eingebunden (Modeschule-Dozentin, Biologe, Opernsängerin :-)). Die Ausstattung in Brennpunktlage ist alles andere als optimal, personell ein großes Puzzle (kaum jemand ist in Vollzeit angestellt), aber die Dienstagnachmittage scheinen das Herzstück des gelebten Konzeptes zu sein … da sieht man jedenfalls noch am Spätnachmittag die Autos aller LuL vor der Tür stehen. Im Ergebnis hat dieses Engagement zum Deutschen Schulpreis geführt und das verbessert nun hoffentlich auch die Argumentationsgrundlage und deren Wirksamkeit bzgl. der notwendigen Ausstattung. Ich sehe in den Kommentaren hier ein bisschen auch ein Henne-Ei-Problem … wenn die Motivation erst kommt, wenn die Ausstattung da ist, bleibt sie sehr wahrscheinlich ganz auf der Strecke – MIT Motivation ist aber auch einiges mit suboptimaler Ausstattung schon möglich und die kreativen Ideen, was mit – zugegeben – schlechter Ausstattung dennoch möglich sein kann, wachsen im Team und mit Motivation scheinbar auch.

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