Beteiligungsprojekt „Schule der Zukunft“ gestartet – Lehrerverbände schweigen

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MAINZ. Bildungsexperten und Praktiker suchen in Rheinland-Pfalz nach Möglichkeiten, Kinder besser auf eine Welt vorzubereiten, die sich rasant verändert. Zum Auftakt des ambitionierten Projekts „Schule der Zukunft“ gibt es allerdings mehr Fragen als Antworten. Und auf Lehrerseite herrscht: demonstratives Schweigen.

Gab den Startschuss für das Projekt „Schule der Zukunft“: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), hier auf einem SPD-Parteitag 2019. Foto: Shutterstock / photocosmos1

Angesichts neuer Herausforderungen durch den gesellschaftlichen und technischen Wandel benötigen die Schulen in Rheinland-Pfalz nach Worten von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einen Innovationsschub. «Unsere Gesellschaft steht vor einem Zeitalter der Transformation. In vielen Bereichen wird die Welt schon in wenigen Jahren ganz anders aussehen als heute. Wenn wir unsere Kinder und Jugendlichen darauf vorbereiten wollen, müssen wir zuerst unsere Schulen fit für diese Zukunft machen», so die Ministerpräsidentin.

Die Pandemie habe zu einem Innovationsschub geführt und gezeigt, dass die Schulen flexibel und innovativ seien. Viele neue Ideen, neue Lehr- und Lernformen oder die digitalen Möglichkeiten würden bereits diskutiert und gelebt, sagte Dreyer am Freitag in Mainz beim Bildungskongress «Schule der Zukunft».

Unsere Schülerinnen und Schüler wie unsere Lehrkräfte stehen dabei immer im Fokus

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) warf Fragen auf, die dabei geklärt werden sollen: «Wie sehen unsere Schulen der Zukunft aus? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Welche der Sozialraum? Welche Lehr- und Lernmethoden gewinnen an Bedeutung? Das sind einige von vielen Fragen, denen wir uns gemeinsam stellen. Bei allem, was wir dabei gemeinsam erarbeiten und entwickeln, bleibt eines für mich ganz zentral: Unsere Schülerinnen und Schüler wie unsere Lehrkräfte stehen dabei immer im Fokus. Die Schule der Zukunft erarbeiten wir deshalb mit ihnen und für sie.» Von einer Beteiligung der Lehrerverbände war allerdings zum Auftakt wenig zu hören.

Die Tagung mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist der offizielle Startschuss für einen von der Landesregierung angestoßenen, angeblich breit angelegten Beteiligungsprozess, bei dem Politiker, Bildungsexperten und Vertreter der Schulgemeinschaft Ideen zur Weiterentwicklung der Schulen in dem Bundesland sammeln wollen. Dabei soll es unter anderem um Digitalisierung sowie die Erprobung neuer Unterrichtsformate und Lehrinhalte gehen. Am Ende dieses Prozesses werde es nicht nur eine einzige «Leuchtturmschule» geben, betonte Dreyer. Jede Schule werde ihre eigenen Schwerpunkte setzen können. Wichtig sei es, dass die Schulen den Heranwachsenden die Fertigkeiten vermittelten, damit sie mit der neuen Informations- und Wissenskultur zurechtzukommen können.

Dass es dabei durchaus kontrovers werden könnte, ließen einzelne Beiträge zumindest erahnen. Prof. Matthias Busch, Politikdidaktiker und Experte für digitale Bildung von der Uni Trier, betonte etwa, dass es bei der angestrebten weiteren Digitalisierung der Schulen nicht nur um die Ausstattung mit Geräten gehe, sondern auch um geeignete Lehrkonzepte. «Ein Mehr an digitalen Medien führt nicht unbedingt zu besserem Unterricht», betonte er.

Hubig erklärte, zu den Aufgaben der nächsten Wochen und Monate gehöre das Sammeln von Ideen und Setzen von Impulsen. Zunächst solle es bis Mitte Dezember einen digitalen Beteiligungsprozess auf breiter Basis geben. In einem nächsten Schritt würden dann zu Beginn des nächsten Jahres regionale «Townhalls» angeboten. Bei diesen Versammlungen könnten Ideen vorgestellt und entwickelt werden. Als dritte Stufe werde dann die Wissenschaft in einem «Zukunftsboard» enger eingebunden.

Für das Projekt werden nach ihren Angaben im nächsten Jahr sieben Millionen Euro und danach zehn Millionen Euro bereitgestellt. Die Politik gebe damit zwar den Rahmen vor, aber die Schulen müssten sich selbst auf den Weg machen. Die ersten Pilotschulen, die für die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen Mittel aus dem Fonds erhalten, könnten dann im Laufe des Schuljahrs 2022/2023 starten. Wer von den Bewerbern in der ersten Runde nicht dabei sei, könne zu einem späteren Zeitpunkt auch noch dazustoßen, sagte sie.

Philologen fordert sinnvolle Veränderungen im Schulalltag statt das Schulsystem komplett umzukrempeln

Die Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU) begrüßte den nun eingeschlagenen Weg. Der Wirtschaftsstandort sei auf gut ausgebildeten und selbstständig denkenden Nachwuchs angewiesen, sagte Hauptgeschäftsführer Karsten Tacke. Vor diesem Hintergrund sei eine stärkere Verzahnung von Schule und Wirtschaft notwendig. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Prozess sei es, alte Denkmuster zu durchbrechen. Tacke sprach sich für «multiprofessionelle Teams und interdisziplinär lernende Schülergruppen» aus. All dies werde Geld kosten. «Allerdings ist der Preis für eine unambitionierte oder gar verschlafene Reform unseres Bildungssystems noch höher», sagte er.

Zum Auftakt kam von Lehrerseite: Schweigen. Von keinem der Verbände gab es zum Auftakt des Beteiligungsprozesses eine Stellungnahme. Der Philologenverband hatte die Konferenz im Vorfeld scharf kritisiert. Landesvorsitzende Cornelia Schwartz zeigte sich in «Sorge, dass wir auf Irrwege geraten». Statt das Schulsystem komplett umzukrempeln, seien «sinnvolle Veränderungen im Schulalltag zu etablieren, die uns allen wirklich weiterhelfen».

Die GEW startete in dieser Woche eine Petition – sie fordert, Grundschullehrkräfte wie die Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien nach A13 zu bezahlen. Als Beitrag zur «Schule der Zukunft» wollte die Gewerkschaft ihre Forderung ausdrücklich nicht verstanden wissen: «Jetzt – und nicht irgendwann!». News4teachers / mit Material der dpa

„Schlag ins Gesicht jeder Lehrkraft“: Philologen kritisieren Hubigs „Schule der Zukunft“

 

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26 KOMMENTARE

    • Mit Hamlets Worten kann ich beim Thema „Schule der Zukunft“ wenig anfangen.
      Hoffentlich sind meine verständlicher: Ich wünsche mir eine Schule der Vergangenheit. Und das ist mein Ernst!!
      In der Grundschule habe ich in den achtziger Jahren noch gründlich Lesen, Schreiben und Rechnen. Allein das hat mir im Leben sehr genützt. Ich bin auch kein Duckmäuser mit schwachem Selbstbewusstsein geworden, nur weil die Lehrer sich damals noch trauten „durchzugreifen“. Andererseits konnten sie aber auch von Herzen loben und nicht nach pädagogischer Devise. Tadeln soll man ja nicht mehr, weil das Schaden an den zarten Kinderseelen anrichten könnte.
      Lob war damals keine Dauerberieselung und noch etwas wert, liebe Leute. Und wir Schüler wussten Lob auch noch zu schätzen und fühlten uns echt angespornt
      Damals lernten wir auch noch, uns an den Riemen zu reißen und auch Dinge zu tun, die weniger Spaß machten, aber sein mussten. Das gehörte eben zum (Schul)Leben.

      In der Schule der Zukunft sollen sich also die Kinder aussuchen dürfen, was sie lernen möchten. Ich frage mich, wer auf solche Ideen kommt und die auch noch zukunftsträchtig nennt.
      Man sollte bei der Schule der Zukunft in die Vergangenheit schauen! Kinder brauchen nicht immer nur Samthandschuhe, (falsches) Verständnis und Entgegenkommen. Wir hätten unsere Klassenlehrerin damals dafür verachtet, dabei schauten wir viel lieber zu ihr auf und lernten auch aus Respekt und Sympathie für sie. Auch dies wird heute den Kindern genommen, wenn die Lehrer immer mehr in den Hintergrund treten.

  1. Ohne gut ausgebildete und gut bezahlte Lehrkräfte, die Zeit zum Nachdenken, zum Finden der jeweils besten Lösungen, zum Umsetzen und Erproben der Ideen gemeinsam mit den Schülern haben, geht gar nichts.

    Wo sind diese Kollegen?
    Wann komme ich mal nicht abgehetzt und überreizt aus der Schule heim?
    Wann bin ich mal nicht nur gestresst für das Allernötigste am Schreibtisch?
    Wann habe ich noch Zeit, meine Gedanken schweifen und meine Eindrücke sacken zu lassen?
    Nur dann wäre m.E. Bildung nicht nur auf Kante genäht, nicht nur so gerade geschafft für den nächsten Tag umzusetzen!
    Seit Jahren/Jahrzehnten werde ich nicht mal meinen eigenen Ansprüchen wirklich gerecht!
    An große Konzepte, die nur im Team erdacht und umgesetzt werden können, wagen wir doch im Grunde gar nicht mehr denken. Das ist einfach im Alltag nicht mehr zu leisten.

    Es gibt ja schon Ansätze, die zukunftsweisend sind.
    Nicht nur neue, nicht nur digitale. Man muss das Rad sicher nicht ganz neu erfinden.

    Die Landesregierungen müssten m.E. aber einen Rahmen abstecken, innerhalb dessen wir eingefahrene Wege verlassen dürfen, innerhalb dessen wir kreativ werden können, mehr für die Schüler tun können als im bisherigen engen Korsett.
    Es müsste Anlaufstellen geben, die neue Ansätze ohne viel Aufwand genehmigen.

    Vieles lässt sich sicher recht einfach und auch kostengünstig umsetzen – nur umsonst wird es nicht gehen.
    Wenn es umsonst sein soll, werden die Landesregierungen irgendwann doch die Rechnung bekommen, weil wieder über die Köpfe und Kräfte der ohnehin schon überlasteten Lehrkräfte hinweg entschieden und geplant wird, weitere Kollegen ausfallen oder aufgeben, der Nachwuchs abgeschreckt wird…
    Wir brauchen keine neuen Säue im Dorf, sondern Perspektiven und Freiräume!

    • @kanndochnichtwahrsein

      Ja, ja und nochmal: ja!
      Volle Zustimmung!
      Das alles war schon lange VOR Corona so und interessiert hat AUCH das NIEMANDEN.

      Schade, dass jetzt erst so eine Betriebsamkeit einsetzt … oder ist das nur blinder Aktionismus Marke „schwaches Alibi“?
      Ich fürchte ja aus – ebenfalls langjähriger – Berufserfahrung mit vielen hässlichen Einblicken in das „System“ Schule und Bildung, dass es eher die Alibi-Variante sein wird …

      Allerdings: Wie gerne würde ich mich eines Besseren belehren lassen!

      Bei 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden sich bestimmt gute Ansätze.
      Eine der Teilnehmerinnen (@Julia) hat sich ja schon im Vorfeld sehr begeistern können. https://www.news4teachers.de/2021/11/lehr-und-lernzeiten-flexibilisieren-unterricht-individualisieren-mehr-freiheit-fuer-schueler-und-lehrer-bundesland-plant-schule-der-zukunft/
      Auf die Anregung nach dem geselligen Beisammensein zu berichten, hat @Julia zwar sehr „verschnupft“ reagiert, aber ich hoffe, dass sie sich erholt und es sich anders überlegt hat.
      Wäre doch schön, wenn da etwas KONKRETES herausgekommen wäre, oder?

    • Danke, das trifft es genau.

      > Wo sind diese Kollegen?
      Nicht vorhanden, die Schulen tun ihr Möglichstes, den Lehrkräftemangel aufzufangen – was gar nicht geht ohne Lehrpersonal. Stattdessen ist man bemüht, überhaupt eine erwachsene Person zur Aufsicht in den Klassenraum stellen zu können. Das sind dann auch KollegInnen, aber keine Lehrkräfte, sonderen ungelernte Kräfte.
      An einer besseren Unterrichtsversorgung durch Lehrkräfte sollte man arbeiten, oder sollen das in Zukunft digitale Lösungen richten?

      > Wann bin ich mal nicht nur gestresst für das Allernötigste am Schreibtisch?
      Vermutlich selten, wenn man bemüht ist, die Arbeitszeit auf das gesetzliche Maß zu beschränken. Andernfalls zeigen Arbeitszeitstudien ja deutlich, dass Lehrkräfte weit über die Verpflichtung hinaus arbeiten und diese Zeit den Arbeitgeber nicht interessiert, sie nicht erhoben wird und nicht vergütet. Da kommt alles Neue noch oben drauf.

      Aber sicherlich finden sich digitale Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu erfassen, sodass dem Arbeitgeber die Vergütung der Überstunden ermöglicht wird.

      Dann wir es ihm auch ein Bedürfnis sein, die Aufgaben zu begrenzen, statt weitere zu den bisherigen in die Schulen zu stopfen, ohne für einen Ausgleich, eine gute Versorgung, gute Vertretungsreserven und multiprofessionelle Teams zu sorgen.

      Es ist schön, wenn das Land mit den Lehrkräften gemeinsam etwas erarbeiten möchte. Deshalb stellt das Land sicher jeder Schule für die anfallenden Fragen eine unterrichtsfreie Woche zur Verfügung, damit die Lehrkräfte sich in dieser den neuen Aufgaben widmen können und eine weitere Belastung ausgeschlossen wird.
      Oder sind alle nicht-unterrichtenden Beteiligten etwa in ihrer Freizeit und unentgeltlich vor Ort?

      Es gibt genug Forderungen der Vergangenheit, Wünsche und Versprechungen.
      Wenn ein Land keine Taten folgen lässt, die Versorgung des Unterrichts gewährt und angemessen vergütet (A13), muss man jedes Mal aufs Neue annehmen, dass das Sparen wichtiger ist als SchülerInnen und Lehrkräfte. Jedes Mal zeigt sich, dass zwar Engagement eingefordert wird, Entlastung und Ausstattung aber nicht einher gehen. Beispiel dafür gibt es genug, da braucht es keine anderen.

      Die „Zukunft der Schule“ dürfte uns mal mit Besserungen überraschen – vielleicht geht ja RLP als Vorbild voran und die anderen Kultusministerien der Länder folgen unverzüglich, weil sie erkannt haben, dass „Bildung“ mehr ist, als ein Konzept im Schreibtisch.

  2. „ Tacke sprach sich für «multiprofessionelle Teams und interdisziplinär lernende Schülergruppen» aus.“

    Ist das jemals auf Wirksamkeit in einer empirischen Untersuchung evaluiert worden? Vermutlich nicht! Wer schützt uns Lehrkräfte gegen solche Personenkreise?

  3. Die Baustelle „Schule der Gegenwart“ sollte erstmal in Angriff genommen werden.
    Ich habe gestern meinen Dienst-Laptop bekommen, mit einem i3-Prozessor und einer 240 GB Festplatte ohne Office-Programm, und eine Maus war auch nicht dabei. So beginnt denn mein Start in die Schule der Zukunft bereits mit völlig veralteter Hardware, war wahrscheinlch irgendein Restposten.

    • ..na, dann sehen Sie mal, woran es wirklich mangelt.
      Schauen Sie mal in den Spiegel..sorry.
      1.) eine maus liegt (für die meisten Windows-Anwendungsfälle) ca bei 6,50 Euro. Wenn Sie, wie ich, seit Jahrzehnten Entwickeln, spielen und mitunter viele Stunden an CAD etc sitzen..bevorzugen Sie eh..ihre EIGENE (mag schwere MadCatz, vernünftige Lineare Sensoren..)
      2.) I3 …was möchten Sie denn alles mit dem Notebook tun ? Mag sein das sie bei Crysis nicht so gut abschneiden (*schmunzel* Office Notebooks haben meist eh nur integ. GPUs)..reicht ! Absolut
      3.) Office ? Sie kennen „nur“ Microsoft Office ? – Nachhilfe nehmen 😉

      Also, I3..da kommt es EH (!!) auf die Generation an. I3 heißt nicht alt (!). Ein Notebook ist (als Notebook) eh eingeschränkter in der LLeistung. Die reicht jedoch absolut. Wie gesagt, er ist nicht als CAD oder Spiele-Rechner gedacht.

      Tja, ist wahrscheinlich UNWISSEN Ihrerseits….und zeigt, das es vielleicht nötig wäre, das sie ÜBERHAUPT mal sowas bekommen…um zu lernen !

  4. @Klaus

    Die multiprofessionellen Teams“ sind ja durchaus KEINE neue Idee.
    Das wird schon seit Jahren gefordert. Und passiert ist … korrekt: NIX. Daraus schließe ich mal, dass man da doch die von mir weiter oben genannte „Alibi-Variante“ abspult nach dem Motto „Wir werfen mal galant eine alte Idee in den Ring, die gar nicht von uns sondern von Lehrerseite selbst gefordert wurde seit … äh … öh … soooo lange schon? Haha, genial, das schafft dann gute Laune bei der Veranstaltung, denn wir zeigen ja die Bereitschaft zu Entgegenkommen, Initiative und großartigen Erkenntnissen sowieso.“

    Ich hoffe weiterhin darauf, Gegenteiliges berichtet zu bekommen.

    • Kann da als PM nur eingeschränkt mitreden, doch haben mir schon die zahlreichen SchiLFs (schulinterne Lehrerfortbildungen) gereicht, die, z. B. garniert mit bescheuerten „Wölkchenspielen“ (gerne auch mit Seidentuch und Kerze in der Stuhlkreismitte – stöhn) und sogenannten Arbeitsgruppen inkl. Verbrauchs von 1000 Zettelchen in Pastelltönen, im Verhältnis zu dem immensen Zeitaufwand nur minimalen „Nährwert“ vorzuweisen hatten.
      Um Pit zu zitieren: Und passiert ist … korrekt: NIX.
      Doch welche/r SL hat nicht die hehre Vision, für seine/ihre Bildungseinrichtung als strahlende/r Pionier/in voranzuschreiten…
      Mich ermüdet so etwas immer.
      Denn in den 15 Jahren meiner Schulbeschäftigung konnte ich keinerlei großartig positiven Veränderungen für sämtliche Beteiligten feststellen – im Gegenteil.

      • @Mary-Ellen

        Yes.
        Schade um die schöne Zeit, die mit solchen „Kinderspielchen“ vergurkt wird, und am Ende denkt man sich nur: „Schöner Mist – wie viele Klassenarbeiten hätte ich in derselben Zeit korrigieren können?!“

        Aber wozu gibt es schließlich lange Nächte und Wochenenden??? … Naja, wird wohl sowieso maßlos überschätzt.
        Was sind wir doch für faule Säcke und Jammerlappen! …
        (Ja doch! Ironie im letzten Absatz.)

  5. Als GS Lehrkraft im 44 Dienstjahr habe ich schon viele Säue erlebt, die durchs Dorf getrieben wurden.
    Mengenlehre statt Rechnen, zum Glück abgeschafft. Die Rückstände der Kinder mussten diese selbst irgendwie aufholen.
    Lesen durch Schreiben, zwar hochgelobt aber nicht verpflichtend, hat trotzdem vielen Kindern geschadet!
    JÜL ( jahrgangsübergreifende Klassen), in denen die Lehrkraft nur noch als Lernbegleiter im Raum saß und die älteren Schüler den jüngeren helfen sollten. Alle arbeiten so vor sich hin an bereitgestellten Materialien. Sollte die Sozialkompetenz fördern! Jedes Jahr wurde die Lerngruppe neu zusammengesetzt, die Kinder arbeiteten mehr oder weniger engagiert ihre Arbeitsblätter ab, während die Zweitklässler/Viertklässler den Kleinen die Ergebnisse vorsagten, da sie ja auch noch an ihren Aufgaben arbeiten sollten, die sie aber auch nur zum Teil verstanden. Nachhaltiges Lernen? FEHLANZEIGE. Bundesländer wie Hamburg und Bremen, die JÜL besonders propagierten, rutschten auf die letzten PISA Plätze. Hunderte von Lehrerstunden für Konzeptarbeit verbraten, alles für den Papierkorb!
    Für Halligschulen, in denen 2 LK für 8 Kinder der Klassen 1-9 zuständig sind, mag das notgedrungen funktionieren, aber nicht an 3-5 zügigen Grundschulen ! Deshalb heute auch überall zurückgefahren.

    Inzwischen arbeite ich zwar notgedrungen an immer wieder neuen Konzepten mit, aber meinen Unterricht gestalte ich unabhängig davon so, dass ICH die Kinder unterrichte. Ich weiß, wie ich Themen interessant und nachhaltig vermitteln kann und wo ich auf Üben bestehen muss. Ich sitze nicht in der hintersten Ecke des Klassenraums und habe ein Schild „Büro geschlossen“ auf meinem Pult stehen, sondern stehe vor der Klasse, erkläre und sehe dabei die Kinder an, oder gehe herum und helfe, wenn ein Kind Probleme hat. Und zwar NICHT, indem ich die Lösung vorsage! Ich habe nämlich Lehramt studiert und weiß, wie ich einem Kind auf die Sprünge helfen kann! Ich bin kein Lösungsblatt!
    Der Funke muss überspringen, eine Beziehung aufgebaut werden, und das kann ich als LK besser als ein Arbeitsblatt (das nur flüchtig gelesen und noch weniger verstanden wird). Ich weiß aus langjähriger Erfahrung, wie ich Kinder fesseln kann und stelle mich nicht in die Ecke, Gesicht zur Wand!
    Und obwohl ich den Eltern klar und deutlich sage, warum ich es vorziehe, „altmodisch“ zu unterrichten, habe ich kaum Probleme. Weil der Erfolg mir Recht gibt!

    • Ich habe wahrscheinlich nicht Mal die Hälfte deiner Dienstzeit auf dem Buckel, aber genau so sehe ich das auch. Beziehung heisst das Zauberwort. Ich kann auf Situationen flexibel reagieren. Abwechslung, Zugenwandtheit und die Kinder Ernst nehmen sind der Schlüssel zum Lernerfolg.
      Am Ende bin ich dafür verantwortlich, was in meinem Unterricht läuft und sonst niemand.
      Lass sie doch die Säue durchs Dorf treiben wenn sie damit glücklich werden. Ob ich davon was für mich übernehme entscheide ich selbst.

    • Bravo, Alla. Mich nervt es schon lange, dass man als die „ewig Gestrigen“ abgestempelt wird, wenn man nicht jede fixe Idee und Lehrmethode, die in den Köpfen des Kultusministerium gereift (oder eher aufgeploppt) ist unkritisch umsetzt, da es nicht so ohne weiteres funktioniert. Ich denke auch, dass die meisten Lehrer ein Gespür dafür haben, wie sie mit ihren Klassen umzugehen haben, und es ist auch nicht jede Klasse gleich, da ist oft kreative Flexibilität angesagt. Es gibt einfach kein allgemeingültiges Konzept, und auch die Lerninhalte selbst lassen oft nur die eine oder andere methodische Vorgehensweise zu. Schreibtischtäter von oben herab können das gar nicht umfassend überblicken und gehen immer vom Idealfall aus. Aber Kinder und Jugendliche sind nun mal keine einheitlich zu begreifende Masse, da gehört viel individuelles Fingerspitzengefühl dazu. Ein guter Lehrer ist nicht derjenige, der die neuen Lehrmethoden gut umsetzt, bis sie wieder in der Schublade verschwinden, sondern jener, der den Schülern auf seine Art (unter Miteinbeziehung aller möglichen Varianten) die Inhalte erfolgrreich beibringt, wobei das nicht heißen soll, dass dann alle gute Noten haben oder die Prüfungen bestehen müssen, da spielen viele andere Facetten noch mit herein, die auch beachtet werden müssen.
      Der Lehrerberuf ist ein schöner Beruf, der aber leider oft von „oben“ blockiert und eingeengt, wenn nicht sogar zerstört wird. Und gerade „altmodische“ Unterrichtseinheiten kommen bei Schülern oft am besten an. Man sollte den Lehrern mehr Eigenverantwortung zutrauen, die können es, wenn man sie lässt. Schulinterne Beraterteams wären sinnvoller als übergeordnete „Experten“. Aber wohin dann mit den vielen Bildungsministern?

      • @Teacher Andi

        „Aber wohin dann mit den vielen Bildungsministern?“

        Ist jetzt vielleicht ein bisschen böse, aber das war meine erste Idee:
        Vorschlag 1 = Bio-Müll.
        Ach nee, da darf ja nicht alles rein, z.B. Kehricht, gekochte Speisereste, dumme Würste, Katzenstreu, Windeln u.v.m., weitere Infos:
        https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/bioabfall/23033.html

        Ok, dann vielleicht so?
        Vorschlag 2 = Re-growing
        https://www.youtube.com/watch?v=YWIajYy6B80
        Klingt freundlicher, aber aus einem Lauch 😉 kommt dann eben nur wieder neuer Lauch. Hilft nicht weiter, wenn man vielleicht mal etwas anderes bräuchte.
        Das ist das Problem mit Kreislaufwirtschaft … 🙁

        Da bleibt wohl nur die „klassische Deponie der Weltgeschichte“ aka „das große Vergessen“.
        Kostet auch nix nach dem „natürlichen Ende aller Dinge“. (Bis dahin müssen sie wohl durchgefüttert werden, aber ohne jegliche Befugnis.)
        Das wäre auch nur konsequent im Sinne und der eigenen Tradition der „Helden der Kompetenz-Nullen“ gedacht, denn die arbeiten ja auch am liebsten aktiv mit der großen schwarzen Haushaltsnull als Maß aller Dinge.

    • Hundert Prozent Zustimmung! Ich bin der gleiche“Jahrgang“ und verfahre ganz genau sooo! Und dabei bleibt es auch! Warum? Weil das Ergebnis stimmt!

    • Mein Sohn hat auch eine ältere Lehrerin und wir sind täglich dankbar dafür. Sie ist eine gestandene Frau und richtet sich mehr nach ihrer langjährigen Erfahrung als nach neumodschen Ideen.
      Die Kinder lieben sie, obwohl (oder gerade weil!) sie nach heutigen Maßstäben eher streng als lieblich ist. Jedenfalls wissen die Schüler, wo es langgeht und wie sie sich zu benehmen haben. Diese Klarheit und Sicherheit mögen sie. Fast alle strengen sich für die Lehrerin an und lernen nicht fürs Leben oder sonstige fromme Ziele. Wir Eltern meinen: Hauptsache, sie lernen gern und viel. Das Motiv ist egal, der Erfolg zählt, vor allem fürs Leben.
      Obwohl ihre Worte, Ihr Lob und ihr Tadel wichtiger sind und mehr bewirken als die von uns Eltern, fühlen wir Eltern uns nicht zurückgesetzt, sondern sind einfach nur froh. Für uns Große ist sie eine ähnlich positive Respektsperson wie für die Kleinen. Mit uns hat die Lehrerin auch „kaum Probleme“, liebe Alla. Wir wissen fast alle, was unsere Kinder und auch wir an ihr haben. Vereinzelte Meckereien gibts zwar, doch damit steht man ziemlich allein da und kann andere Eltern nicht anstecken.
      Es ist ein Jammer, dass diese älteren, gestandenen und „eigensinnigen“ Lehrerinnen, immer mehr aus den Schulen verschwinden. Sie haben noch echtes Feeling für das, was Kinder brauchen und machen deshalb guten Unterricht.
      Ihr Kommentar, Alla, ist in seiner treffsicheren Anschaulichkeit einsame Spitze. Sie sprechen mir aus der Seele.
      Die „ewig Gestrigen“ (siehe Teacher Andi!) sollten beim Projekt „Schule der Zukunft“ mehr als nur ein wichtiges Wörtchen mitzureden haben, dann sähe es mit einer Zukunft, die sich mehr an der Vergangenheit und ihren Erfolgen orientiert, besser aus. Ich befürchte jedoch, sie bleiben außen vor und man denkt sich wieder nur Neues, nie Dagewesenes, aus, weil das davor liegende Neue noch nicht weit genug ging und vermutlich nur deshalb schlechte Ergebnisse brachte. Im Gestrigen kann und darf doch nicht viel Wahrheit liegen; wer auf sich hält und von der Obrigkeit statt Kindern und Eltern gelobt werden will, zeigt nicht enden wollende Phantasie und Bereitschaft für immer wieder Neues.

  6. Der Auftakt war gut gestern. Niemand hat erwartet, dass sich ein komplett(es) neues Universum öffnet. Wie in Rheinland- Pfalz als relativ kleinem Land häufig, waren viele Personen und Gruppen vor Ort, die sich kennen und bereits vernetzt sind. Da ist es schön, sich bei solcher Gelegenheit zu treffen und auszutauschen. Auch im Nachgang der Veranstaltung in der Weinstube 😉
    Natürlich will sich die Politik präsentieren und die Bühne nutzen- muss man nicht grenzenlos goutieren, gehört aber auch dazu. Man muss auch „gönne könne“, sagt der Kölner. Das heißt ja nicht, dass man Claqueur ist- habe ich zumindest noch nie so empfunden- ganz gleich ob im BM, in Kommissionen oder in Gremien.
    Jedenfalls bin ich froh, Impulse für mein eigenes Tun zu erhalten, mitdenken, mitmachen und vielleicht etwas mitbewegen zu können. Das fand ich in den bisher fast 30 Berufsjahren immer besser als zu jammern, nur zu kritisieren oder zu resignieren.
    Mit diesem Schwung komme ich nun vom sehr gelungenen Tag der offenen Tür unserer Schule und freue mich auf einen freien Sonntag mit der Familie.

    • Kurzgesagt: Der Inhalt ist Ihnen egal, Hauptsache man trifft andere, die sich für wichtig halten und bestätigt sich gegenseitig, dass man wichtig ist.
      Eigentlich OK, aber machen Sie das das nächste mal gerne ohne öffentliches Geld und am besten OHNE ÖFFENTLICHKEIT.

      • Natürlich- mir ging’s nur um Selbstbeweihräucherung und das Get-together. Und dann mussten womöglich noch KuK für mich Vertretung schieben?! Aber das wäre ja dann zumindest ein Benefit für die SuS gewesen.
        Die Zielsetzung der Tagung ist kommuniziert, Ergebnisse aus unterschiedlichen Perspektiven ebenfalls- und/aber das dass alles überflüssig, bekannt und im Alltag nicht leistbar ist, wurde von vielen hier bereits reflexartig postuliert.
        Wenn man sich also an mir abarbeiten und so (Vor-)Urteile bestätigen will- bitte sehr.
        Jetzt gibt’s lecker Mittagessen.

        • Gerne.

          Ich habe mich lediglich auf IHRE AUSFÜHRUNGEN bezogen, und da war halt NULL Inhalt und ganz viel get together und „Vernetzung“ drin.

          Sollte inhaltlich etwas rumgekommen sein: Ich bin sehr gespannt.

          Was ich mich übrigens auch brennend interessiert: Bereiten Sie am WE gar keinen Unterricht vor? Heute haben Sie ja Familientag und gestern haben Sie ganz toll Energie beim together getten getankt.

          • Danke für die guten Wünsche!
            Sie irren, gestern habe ich den Tag der offenen Tür in der Schule verbracht – zugegeben, war auch etwas Togethergetten dabei. Heute schreibe ich vielleicht noch ein paar Seiten eines Fachartikels, vielleicht auch nicht. Davon abgesehen ist man kein besserer Lehrender, wenn man samstags oder sonntags vorbereitet oder korrigiert, statt an anderen Tagen. Ist aber die Entscheidung jeder Lehrkraft. Möglicherweise tut’s nach 30 Dienstjahren die Schwellenvorbereitung 😉
            (Zur Sicherheit: Der Satz war- den inhaltlichen Ursprung des Threads konterkarierend- Ironie.)
            Nun Sonntagsspaziergang, dann Kaffee.

          • @Lera

            Tja.
            Ich hatte mir da auch mehr Output erhofft.

            Und Weinstube o.ä. geht ja auch ohne das Vorprogramm Marke „Kuschelweich“.
            https://www.youtube.com/watch?v=v77DPWTjKVc
            Ok, dann müssen die Getränke halt selber bezahlt werden, aber dafür hat man freie Auswahl, auch bei der Gesellschaft. … Naja, zum Glück sind die Geschmäcker verschieden.

    • @Julia
      „Der Auftakt war gut gestern. Niemand hat erwartet, dass sich ein komplett(es) neues Universum öffnet.“
      Soso, der Auftakt war gut.
      ( Kein einziges Wort zu konkreten Ideen oder Vorgehensweise geschweige denn zu Zielen und deren Umsetzung. Entweder nicht aufgepasst oder das fand nicht statt. Na sowas. )
      Danach ein zweites hochgeistiges Präludium im Weinstübchen, wie schon voller Freude angekündigt.
      Also Mission höchst erfolgreich erfüllt.
      Zum Glück möchte niemand wissen, was der ganze Zirkus unterm Strich den Steuerzahler wieder gekostet hat. Jedenfalls zuviel, wenn am Ende wieder ein bis zwei Folgetermine gleicher Machart stehen, dazu noch eine Studie ( denn wir haben noch nicht genug Studien, haha ) und das war’s dann mal wieder. ( Mal sehen, wieviel Geld aus dem Programm dann abgerufen wird und mit welchen Erfolgen geglänzt werden kann. )
      Wenn man nicht weiß, wie viele Euros der ganze Schmu gekostet hat, kommt man wenigstens nicht in Versuchung den Betrag in Luftfilter oder andere sinnvolle Investitionen umzurechnen.

  7. @Alla:

    Dein/Ihr Kommentar könnte inhaltlich ausnahmlos von einer Freundin von mir stammen, ebenfalls GS-Lehrkraft: Gleiche Erfahrungen, gleiche Konsequenz gezogen, gleiche Umsetzung, gleicher Erfolg.

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