Kehrtwende: Auch in Berlins Grundschulen gilt wieder Maskenpflicht im Unterricht

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BERLIN. Die Aufhebung der Maskenpflicht in Grundschulen war von Anfang an umstritten. Seitdem sind die Infektionszahlen deutlich gestiegen: Die Inzidenz liegt bei Fünf- bis 14-Jährigen bei 619. Nun hat die Bildungssenatorin Konsequenzen gezogen.

Die Maskenpflicht gilt wieder im Unterricht: Grundschüler auf dem Weg zur Schule. Foto: Shutterstock

Nachdem sie erst in der Woche vor den Herbstferien aufgehoben wurde, gilt die Maskenpflicht in der ersten bis sechsten Klasse an Berliner Schulen nun doch wieder. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) entschied sich nach einer Sitzung des Hygienebeirats angesichts der steigenden Infektionszahlen zu einer Kehrtwende, wie die Bildungsverwaltung mitteilte. An den Oberschulen ab Klasse sieben galt die Maskenpflicht ohnehin weiter. Vor den Ferien gab es Überlegungen, sie auch dort aufzuheben. Daraus ist nun nichts geworden.

Außerdem soll es für Schülerinnen und Schüler vorerst weiterhin drei Corona-Tests wöchentlich in den Schulen geben. Beide Maßnahmen sollen im Lauf der Woche umgesetzt werden, so die Bildungsverwaltung. Ursprünglich war die Zahl von drei Tests für die beiden ersten Wochen nach den Herbstferien vorgesehen, um die Chance zu erhöhen, auf Reiserückkehrer zurückzuführende Corona-Fälle schneller zu entdecken. Danach sollten es wieder zwei Tests pro Woche sein. An dieser Regelung gab es aber immer wieder Kritik.

Für die umstrittene Aufhebung der Maskenpflicht in den Grundschulen hatte sich Scheeres vor den Ferien ausdrücklich eingesetzt und das mit den Einschränkungen für jüngere Kinder etwa beim Lesen lernen begründet. Zu ihrer Neubewertung nach der Sitzung des Hygienebeirats sagte sie: «Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, weil ich weiß, wie sehr das Maskentragen Kinder belasten kann.»

«Schüler sind wieder die einzige Gruppe, die mit weitergehenden Maßnahmen umgehen müssen»

Landeselternausschuss-Vorsitzender Norman Heise sagte, die Entscheidung, zur Maskenpflicht zurückzukehren, sei angesichts der sehr besorgniserregenden Zahlen nachvollziehbar, aber für die Schülerinnen und Schüler bedauerlich. «Weil sie wieder die einzige Gruppe sind, die mit weitergehenden Maßnahmen umgehen müssen, da andere sich nicht an die Regeln halten oder sich nicht für eine Impfung entscheiden.»

Reinhard Bartezky vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ergänzte, es sei wichtig, noch deutlich mehr zu impfen, um sicherzustellen, dass es nicht erneut zu Schulschließungen komme. «In keinem Bereich des öffentlichen Lebens wird so viel getestet wie an den Schulen. Das führt dazu, dass Positivfälle hier wesentlich früher und häufiger entdeckt werden», sagte er. «All das dient dazu, die Schulen offen zu halten. Denn unter den Schulschließungen haben Kinder und Jugendliche in ganz besonderem Maße gelitten.» News4teachers / mit Material der dpa

„Die meisten Schüler haben ihre Masken anbehalten“: Erleichterung über das Ende der Maskenpflicht? Davon ist wenig zu spüren

 

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7 KOMMENTARE

  1. „…aber für die Schülerinnen und Schüler bedauerlich. «Weil sie wieder die einzige Gruppe sind, die mit weitergehenden Maßnahmen umgehen müssen, da andere sich nicht an die Regeln halten oder sich nicht für eine Impfung entscheiden.»“

    DAS IST ES!

  2. Leider sperrt sich Britta Ernst mit Händen und Füßen gegen ähnliche Maßnahmen in Brandenburg.

    Ob sie sich mit Olaf Scholz diesbezüglich abgestimmt hat?

    Oder eher mit FDP-BildungsministerInnen und Querdenkern?

  3. Kaum zu glauben, das Chaos kann noch schlimmer werden als im letzten Jahr.
    Die Landesregierungen haben schon immer nach der Devise gearbeitet „Jeder ist sich selbst der nächste“. Solidarität? Quatsch! Was bringt genau mir mehr Wählerstimmen und meinem Bundesland einen Vorteil!

    Die alte Merkel-Regierung hat wenigsten versucht das Chaos zu kanalisieren.

    Wo sind jetzt die neuen Entscheidungsträger auf Bundesebene???

    Zu beschäftigt um sich um uns Bürger zu kümmern? Immerhin muss man ja auch Zeit haben um alle lukrativen Posten und Pfründe in der neuen Regierung auch zu verteilen!

    Gelähmt durch die neue starke Regierungskraft? Die FDP.
    Man sah ja schon in der Opposition, dass die FDP unter dem Deckmantel der Freiheitsrechte (wie edel) bereit war auch tausende Tote in Kauf zu nehmen, um ihre Klientel zu unterstützen.
    Diese Klientel besteht eben aus den mittelständigen Unternehmern.
    Was wollen die? Der Gewinn muss erhalten bleiben. Also Geschäfte für alle auf, Kinder in der Schule damit die Eltern arbeiten.
    Das ist für Corona-Maßnahmen natürlich ungünstig.

    Wer eine Ampel mit der FDP möchte, muss eben auch mal Abstiche bei Nebensächlichkeiten machen. Kollateralschäden eben.

    Merke, wenn es um Ministerposten, Einfluss und den Eintrag als neue Bundesregierung im Geschichtsbuch geht, kann auf Einzelschicksale eben keine Rücksicht genommen werden.

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