Minister verbot «Schreiben nach Gehör», obwohl keine Lehrkraft die Methode anwendete

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Die Lernmethode «Schreiben nach Gehör» ist den hessischen Grundschullehrkräften im Sommer verboten worden, obwohl sie in den vergangenen Jahren gar nicht angewendet wurde. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion in Wiesbaden eingeräumt. Einen entsprechenden Erlass hatte er im Juni herausgegeben.

Sinnloser Schaufenster-Erlass auf Kosten von Grundschullehrkräften? Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

Die vor Jahrzehnten entwickelte Methode heißt eigentlich „Lesen durch Schreiben“. Immer wieder weisen Grundschulpädagognnen und -pädagogen darauf hin, dass sie in der Schulpraxis keine Rolle mehr spiele. Lorz hatte aber bereits 2017 Eltern aufgefordert, ihm Lehrkräfte zu nennen, die damit arbeiten. „Ja, diese Methode ist Unsinn, und deswegen machen wir diesen Unsinn in Hessen auch nicht mit. Sollte ich mich täuschen und sollte sie an irgendeiner unserer 1.148 Grundschulen doch praktiziert werden, dann bin ich für jeden Hinweis dankbar. Dann werden wir dem nachgehen und es abstellen“, so äußerte sich der Kultusminister am 4. Mai 2017 in einer Landtagssitzung. Einen entsprechenden Erlass gab es im Sommer 2021.

„Auch beim Einsatz von Anlauttabellen dürfen orthografisch falsche Schreibweisen nicht unkorrigiert stehen bleiben“

Jetzt, auf die Anfrage der SPD hin, bestätigte Lorz: Es seien in den vergangenen vier Jahren gar keine Fälle gemeldet worden, in denen die Reinform der genannten Methode an einer Schule in Hessen angewandt wurde. Dennoch gebe es „immer wieder Hinweise darauf“, dass an Schulen der Rechtschreibunterricht nicht durchgängig mit einer gezielten Gegenüberstellung der richtigen Schreibweise verbunden werde. „Auch beim Einsatz von Anlauttabellen, die heute in allen gängigen Lesefibeln enthalten sind, dürfen orthografisch falsche Schreibweisen nicht unkorrigiert stehen bleiben. Das kann und soll freilich in einer Weise geschehen, die die Schülerinnen und Schüler positiv motiviert“, so heißt es in der Antwort des Ministers. 

Zum Erlernen der Rechtschreibung gehörten vor allem eine systematische Anleitung, eine aufeinander aufbauende Struktur, die Kenntnis der Rechtschreibregeln, das Verständnis für Rechtschreibphänomene sowie das regelmäßige Einüben des Gelernten, so begründete der Kultusminister sein Vorgehen. Rechtschreibfehler müssten daher von Anfang an konsequent korrigiert werden. Für das Verbot gebe es keine Ausnahmen.

Das Vorbild des richtig geschriebenen Wortes solle verhindern helfen, dass sich die Schülerinnen und Schüler von ihnen anfangs verwendete falsche Schreibweisen einprägen, erklärte Lorz. Auch beim Einsatz von Anlauttabellen dürfen orthografisch falsche Schreibweisen nicht unkorrigiert stehen bleiben. «Lesen durch Schreiben» (oder «Schreiben nach Gehör») sei dagegen keine Methode, die als Rechtschreiblehrgang geeignet ist.

Das klingt schön – wirft aber die Frage auf, ob sich der Kultusminister möglichweise mit einem sinnlosen Schaufenster-Erlass auf Kosten von Grundschullehrkräften profilieren wollte. Zumal Lorz erklärt, ein Verbot habe schon vorher bestanden. Was sollte der Erlass vom Juni denn dann? In seiner Antwort heißt es: „Mit dem nunmehr in Kraft gesetzten Erlass wird klargestellt, dass die in der Fragestellung genannte Methode unzulässig ist, und es wird das bereits zuvor geltende Verbot durch eine positive Beschreibung ergänzt, wie der  Rechtschreibunterricht anzulegen ist und wie falsche Schreibweisen zu korrigieren sind. Damit erhalten die Lehrkräfte über das Verbot hinaus Handlungssicherheit und die Eltern eine Vorstellung, was sie hinsichtlich der Rechtschreibkorrektur von den Schulen erwarten dürfen.“ Zugleich sei darin die Klarstellung enthalten, dass Anlauttabellen Verwendung finden dürfen.

«Das ist ein massiver Eingriff in die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte, der letztendlich auf die Schüler zurückfallen wird»

Statt die Rahmenbedingungen an den Grundschulen zu verbessern, hagele es nun Vorgaben, so hatte die GEW im Juni kritisiert. Ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer wüssten am besten, wie sich der Erwerb der Schriftsprache unter den konkreten Bedingungen vor Ort erfolgreich gestalten lasse. Die Gewerkschaft sprach von einem «massiven Eingriff in die pädagogische Freiheit der Lehrkräfte, der letztendlich auf die Schülerinnen und Schüler zurückfallen wird». Die GEW mutmaßte ein politisches Ablenkungsmanöver: Ungelöst ist laut GEW vor allem der Lehrkräftemangel an den Grundschulen im Land. Daran hat sich in jedem Fall nichts geänert. News4teachers / mit Material der dpa

Hier lässt die vollständige Antwort auf die Kleine Anfrage herunterladen.

Bericht zur Lage der Deutschen Sprache: Einen allgemeinen Sprachverfall unter Schülern gibt es nicht – aber…

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27 KOMMENTARE

    • In dem „Artikel“ steht nichts über das von Ihnen genannte Kaff.

      Im Gegenteil steht da:
      „ Die Lernmethode «Schreiben nach Gehör» ist in den Schulen in Hessen nicht zulässig. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion in Wiesbaden betont und auf einen entsprechenden Erlass seines Hauses aus dem Sommer verwiesen. Für das Verbot gebe es keine Ausnahmen.
      Es seien auch bislang keine Fälle gemeldet worden, in denen die Reinform der genannten Methode an einer Schule in Hessen angewandt wurde, erklärte der Kultusminister.“

  1. Man kann ja auch vorbeugend agieren, oder? Und dass die Methode nicht im Ganzen angewendet wurde/wird, heißt nicht, dass es nicht teilweise doch angewendet wurde, indem z.B. in bestimmten Bereichen nicht korrigiert wurde. Durch den Erlass ist klar, es soll von Anfang an korrigiert werden!

    • Geile Nummer! Da wird ein Minister durch das Parlament des Populismus überführt, aber hey, vielleicht hat er ja eine Glaskugel und LdS wird DIE Trendmethode der 20er. LOL

  2. Nun, wenn keiner die seltsame Methode „Lesen durch Schreiben“ mehr anwendet, dann wird ja auch keiner was gegen die Anordnung haben.
    Nach meinen Gesprächen mit Grundschulehrern scheint es so, dass die negative Wirkung der „reinen“ Methode sich schon früh zeigte, dass aber viele weiter mit Mischverfahren experimentierten. Tatsache ist, dass sich in Klasse 5 sehr viel mehr Rechtschreibunsicherheit zeigt als vor 20 Jahren und dass viele Schüler ihre Fehler bis zum Abitur nicht mehr los werden. Ganz unten stehen die Kommaregeln.

    • Tatsache ist, dass Sie das nicht belegen können, insbesondere keinen kausalen Zusammenhang zwischen einer nie verwendeten Methode und Rechtschreibleistungen . Und Ihre „Gespräche“ mit GS-Lehrern in allen Ehren, aber wir „experimentieren“ definitiv nicht mit Kindern. Wenn Sie mit „Mischformen „ Lauttabellen meinen: Die sind explizit gestattet – sie sind ja auch in jeder Fibel enthalten;)

  3. Auch wenn ich mich hier sicherlich unbeliebt mache: In ganz Deutschland wird im Bereich der Vokale immer noch nach der (seit 1872 in Preußen verbotenen und viel schlimmeren) Buchstabiermethode gearbeitet. Hier wird den Kindern vermittelt, wir hätten im Deutschen nur die fünf Vokale a, e, i, o und u. Für diese werden die Buchstabennamen A, E, I, O und U verwendet. Alle Kurzvokale, die ja entscheidend für die folgende Konsonantenverdopplungen sind, werden den Kindern NICHT beigebracht. Dieses MANKO ist noch viel verbreiteter als das schwache und ungenügende „Lesen durch Schreiben/Schreiben nach Gehör“. Im Deutschen gibt es nachweislich 19 Vokale (mit den 3 Diphthongen/Zwielauten). Ohne diese 19 Vokale könnten wir gar nicht ein korrektes Deutsch sprechen, z. B. Ruuuuheeee, Soooooneeee. Mit den Buchstabennamen A, E, I, O und U bringen wir den Kindern etwas FALSCHES (!) bei, die meisten können das für sich selbst korrigieren, aber etliche bekommen diese falschen Informationen nicht aus dem Kopf! Jetzt bin ich mal auf die Reaktionen gespannt! PS: Ich bin natürlich keine Anhängerin von „Schreiben nach Gehör“.

    • Was Sie sagen, ist allgemein bekannt. Deswegen kann auch ich nur sagen: Vorsicht bei Vokalen!
      Ich habe es immer vorgezogen, die Vokale verzögert einzuführen, vor allem das e. Mit einem oder zwei Selbstlauten muss man jedoch anfangen, um überhaupt kurze Wörter oder Silben bilden zu können. An ihnen kann man dann die verschiedenen Klangfärbungen üben.
      Normaler Weise verbessern die allermeisten Kinder mit zunehmender Lesefähigkeit falsch ausgesprochene Wörter von selbst, weil sie merken, dass sie keinen Sinn ergeben.
      Was Sie beschreiben ist also ein Übergangsstadium im Leseprozess, das nicht gänzlich zu vermeiden ist. Ich kenne auch nicht „etliche“ Kinder, die auf dieser Lesestufe verharren, sondern nur wenige. Sie sind in der Regel Verdachtsfälle von Legasthenie. Das A und O zur Überwindung dieser Anfangsschwierigkeiten bei allen Kindern ist häufiges Lesen und häufige Kontrolle des sinnerfassenden Lesens.

      Außerdem sind auch Konsonanten nicht ganz problemlos. Im In- und Auslaut von Wörtern hört sich das d oft wie t an, das g wie k oder das b wie p. Mit zunehmender Lesesicherheit (auch durch die Speicherung häufig wiederkehrender Wortbilder im Gedächtnis) verliert sich allerdings auch hier die von Ihnen angesprochene Unsicherheit.
      Ich kann immer wieder nur sagen: Üben, üben, üben ist auch beim Lesen- und Schreibenlernen (Rechtschreiben!) das A und O.
      Beim „Schreiben nach Gehör“ wird falsche Rechtschreibung viel zu lange toleriert, um die Kinder durch das Aufzeigen ihrer Fehler nicht zu frustrieren. Diese Methode kann tatsächlich hartnäckige und langjährige Folgen bei „etlichen“ Schülern haben, denn sie verhärtet durch die (Selbst)Arbeit mit der Anlauttabelle bei den Eindruck, Vokale würden immer nur lang ausgesprochen. Gerade Bilder mit langgesprochenen ANlauten führen zu einer Verfestigung dessen, wovor Sie warnen: „Alle Kurzvokale… werden den Kindern NICHT beigebracht“. Im Gegenteil: Die Kinder werden sogar dazu verführt, die Vokale immer nur lang zu verstehen, auch im IN- und AUSlaut von Wörtern.

      • @D.Orie, @ABC

        In ALLEN Erstleselehrgängen, die in den letzten 28 Jahren (an die Zeit davor kann ich mich gerade nicht so genau erinnern) an unserer GS im Einsatz waren, wird auf die unterschiedliche Aussprache der langen und kurzen Vokale geachtet und diese eingeübt. Selbst auf den Buchstabenbildern stehen 2 Bilder: bei „a“ z. B. Ameise und Affe, bei „o“ Ofen und Ordner, bei „e“ Esel und Ente, usw.
        Das gilt auch z.B. für den „ch“ Laut mit Dach und Milch, das „v“ mit Vogel und Vase usw. Das „e“ wird relativ spät eingeführt, eindeutige Konsonanten wie „l“, „m“, „p“, „f“ zu Beginn.
        Die Auslautverhärtung wird mit Einführung des „d“ besprochen, bei „b“ und „g“ wiederholt!
        Natürlich gelingt es nicht allen Kindern (die Abstraktionsfähigkeit ist bei den meisten noch nicht genügend ausgebildet) die vielen Informationen sofort umzusetzen, aber es stimmt NICHT, dass sie wissentlich Falsches beigebracht bekommen!
        Damit sich das alles festigt und automatisiert, bräuchte es aber viel mehr Lesen! In den 5 Deutschstunden in der Schule reicht die Zeit nicht und zu Hause lesen viele Erstklässler nicht. Lesehausaufgaben werden nicht in allen Familien gemacht!
        Schon im ersten Schuljahr gibt es Wörterdiktate, natürlich erst mit lautgetreuen Wörtern. Auch das Abschreiben wird geübt.
        Das größte Problem bei uns ist, dass viele Eltern es nicht mehr schaffen, ihre Kinder zu motivieren, die Hausaufgaben zu machen! Ich höre ganz oft: „Mein Kind will einfach nicht! Was soll ich da machen! Es gibt nur Stress zu Hause, wenn ich darauf bestehen möchte!“
        Genauso läuft es beim Lernen der Einmaleins- Reihen etc. Ohne häusliches Üben klappt es einfach nicht! Aber Hausaufgaben sind ja ein Stressfaktor, der schlechte Stimmung macht, was es unbedingt zu vermeiden gilt!
        Die „tollste“ E-Mail, die ich in letzter Zeit bekommen habe, war: „Mein Kind will seine Hausaufgaben nicht machen! Nehmen Sie es nicht dran, sonst fühlt es sich nicht gut! Ich habe ihm gesagt, dass es das Wörterdiktat nicht mitschreiben soll!“

  4. Die beschriebene Methode findet in leicht abgewandelter Form in der „Rechtschreibwerkstatt“ des Herrn Norbert Sommer-Stumpenhorst weiterhin in NRW ihre Anwendung.
    In seinen Seminaren an der Uni Münster bewirbt der Herr weiterhin seine Methode des Schreibens mit seiner Anlauttabelle, bei der weiterhin durch die Schüler mit Hilfe der Anlauttabelle grammatikalisch falsche Schreibweisen der Wörter generiert werden, um so irgendwann über Zwischenschritte zu orthographisch richtigen Schreibweisen zu gelangen.
    Diese Vorgehensweise erfordert vom Schüler in der Anwendung ein beständiges Umlernen.

    • Ich habe zwar auch in Münster studiert, das ist aber schon über 40 Jahre her, deshalb ist mir dieser Professor nicht bekannt. Habe NRW inzwischen verlassen.
      Aber ich glaube zu erahnen, was hinter dem Konzept steckt! Das „Zauberwort“ heißt KREATIVITÄT!
      Damit kann man diesen Unsinn anscheinend immer noch propagieren. Die „armen Schüler“ werden durch das schrittweise Lernen der Schriftsprache frustriert, in ihrer Kreativität ausgebremst und gelangweilt!
      Es gibt ein tolles Mittel dagegen, das sich „Erzählrunde“ nennt! Da können die Kinder kreativ werden, es macht Spaß und Rechtschreibfehler bleiben außen vor.

      • So ist es, Alla. Mit dem Argument „KREATIVITÄT“ wird in der Pädagogik viel Unfug getrieben. So auch beim „Schreiben nach Gehör“ und Anlauttabelle.

    • „grammatikalisch falsche Schreibweisen der Wörter“

      Was ist das?

      „Diese Vorgehensweise erfordert vom Schüler in der Anwendung ein beständiges Umlernen.“

      Ja, Lernprozesse gehören abgeschafft. Ab jetzt nur noch Ergebnisse. Und zwar richtige!

      Besonders geil: Erstklässler beherrschen ab jetzt schon die Orthographie, an der ihre Eltern bis heute scheitern.

      • Lernprozesse gehören abgeschafft, welch ein Blödsinn !
        Natürlich beginnen die Schüler mit Lautgetreuen Wörtern wie Mama, Oma, Lama, Kino, Zebra, Memo, Leo, am, im, Auto, Salami etc., die keinen deutschsprachigen Ursprung haben. Deutschstämmige Wörter mit Schwa-Lauten werden später erarbeitet, und natürlich kann man systematisch orthographische Schreibregeln vermitteln und diese systematisch einüben.

  5. Es ist schon bedauerlich, dass die Fähigkeit zur Differenzierung offenbar verloren geht.

    Grundsätzlich ist es schon richtig, dass Kinder auf Fehler hingewiesen werden.

    Auf der anderen Seite ist die Frage, ob ein Dogma („Jeder Fehler muss immer sofort angestrichen werden.“) der Schreibentwicklung gerecht werden kann.

    Einigkeit besteht beim Schriftspracherwerb darüber, dass er sich grob in drei Phasen vollzieht, beginnend bei der logographischen Phase (Erkennen von Symbolen), gefolgt von der alphabetischen Phase (Einsicht in die Korrespondenz von Lauten und Buchstaben) und schließlich der orthographischen Phase (Verständnis und Anwendung von Rechtschreibregeln sowie zunehmende Orientierung an der Norm).

    Nun möchten manche offenbar gleich mit der dritten Phase beginnen. Das bedeutet konkret, dass klein Kevin folgendes auf einmal verstehen und anwenden soll, wenn er keinen Fehler machen will: 1. Was ist ein Wort? 2. Welche Laute sind in dem Wort, das ich schreibe? 3. Ist das Wort lauttreu oder muss ich eine Rechtschreibregel anwenden oder ist es ein Lernwort oder muss ich das Wort nachschlagen?

    Das kann man sich ganz doll wünschen, aber es funktioniert halt nicht.

    Kurz: Es ist eben nicht in jedem Fall sinnvoll, eine falsche Schreibung zu korrigieren. GS-Lehrer wissen das und agieren hier mit Augenmaß, indem sie sich auf bestimmte Fehler konzentrieren, deren Korrektur einen Lernzuwachs qua Einsicht in Struktur ermöglicht.

    Es klingt daher zwar zunächst schlüssig, immer zu korrigieren, der Praktiker weiß aber, dass das nicht von Anfang an durchgehend sinnvoll ist.

    Das läuft darauf hinaus, Kinder wieder Wortbilder abmalen zu lassen, die sind dann richtig geschrieben, verstanden hat das Kind aber nix.

  6. „Es klingt daher zwar zunächst schlüssig, immer zu korrigieren, der Praktiker weiß aber, dass das nicht von Anfang an durchgehend sinnvoll ist.“

    Ich als Praktikerin möchte Ihre Meinung korrigieren: Doch, es ist sinnvoll, Falschgeschriebenes möglichst immer zu korrigieren. Der Schreiblehrgang hinkt ja dem Leselehrgang hinterher, weil verbundene Schreibformen zuerst viele Schwungübungen brauchen. Wortbilder in Druckschrift abzumalen bringt für die Feinmotorik wenig und ist als Schreibform eine Kapitulation vor echtem handschriftlichen Schreiben. Schreiben in Druckschrift gehört u.a. zur populistischen Erleichterungspädagogik, die Kindern immer weniger Lernfähigkeiten und -fertigkeiten zutraut oder „zumutet“. Es steckt viel Unterschätzung (wenn nicht gar Verachtung) im Erlernen der Druckschrift als Handschrift.

    Erst Lesen- und dann zeitverzögert auch echtes Schreibenlernen von Buchstaben und kurzen Wörtern, lautet die Devise. Dabei müssen die ersten Wörter auch gleich richtig geschrieben und notfalls korrigiert werden.
    „Lesen durch Schreiben“ bzw. „Schreiben nach Gehör“ stellt die zeitliche Reihenfolge von Lesen und Schreiben auf den Kopf. Viel zu früh sollen die Kinder Wortbilder in Druckschrift zu Papier bringen, die sie sich nur nach Gehör zusammenreimen und darum in ihren viel zu früh eingeforderten „kreativen“ Texten fast durchgehend falsch schreiben.
    Inhaltliche Kreativität von Texten wird doch nicht gefördert durch möglichst frühes Schreiben, wie LdS-Anhänger immer wieder gern behaupten. Im Gegenteil: Wenn die Kinder später merken, dass ihr „Schreiben nach Gehör“ äußerst stümperhaft ist und ständig Fehler produziert, verlieren sie eher die Lust am Schreiben.

    • „Ich als Praktikerin möchte Ihre Meinung korrigieren:“

      Ich hoffe inständig im Interesse der Bildung, dass Sie keine GS-Lehrerin sind, wie Sie insinuieren.
      Eine Meinung korrigieren… das schmerzt. Nun ja, zum „Inhalt“:

      „Doch, es ist sinnvoll, Falschgeschriebenes möglichst immer zu korrigieren. Der Schreiblehrgang hinkt ja dem Leselehrgang hinterher, weil verbundene Schreibformen zuerst viele Schwungübungen brauchen.“

      Also: Fehler anstreichen ist immer und ausnahmslos sinnvoll, weil eine verbundene Schrift viele Schwungübungen braucht… Ok… Das überzeugt mich. Stringente Argumentation.

      „Wortbilder in Druckschrift abzumalen bringt für die Feinmotorik wenig und ist als Schreibform eine Kapitulation vor echtem handschriftlichen Schreiben.“

      Aber Wortbilder in verbundener Schrift abzumalen ist total sinnvoll, ja? Das 19. Jahrhundert hat angerufen, es möchte seine Methoden zurück!

      „Schreiben in Druckschrift gehört u.a. zur populistischen Erleichterungspädagogik, die Kindern immer weniger Lernfähigkeiten und -fertigkeiten zutraut oder „zumutet“. Es steckt viel Unterschätzung (wenn nicht gar Verachtung) im Erlernen der Druckschrift als Handschrift.“

      Das ganze Thema verbundene vs. unverbundene Schrift eignet sich hervorragend für den Stammtisch sowie semiprofessionelle Dampfplauderer. Ich habe dazu hier auch rein gar nichts geschrieben. Umso verwunderlicher, dass Sie dieses Thema in Ihrer „Korrektur meiner Meinung“ in extenso ausbreiten.

      „Erst Lesen- und dann zeitverzögert auch echtes Schreibenlernen von Buchstaben und kurzen Wörtern, lautet die Devise.“

      Ja? Wo ist das denn die Devise? Bei Ihnen? Wäre exotisch. Es sei denn, Sie sind ein Zeitreisender aus dem letzten Jahrhundert.

      „Dabei müssen die ersten Wörter auch gleich richtig geschrieben und notfalls korrigiert werden.“

      Sie meinen sicher: abgemalt. Mit Schreiben hat das von Ihnen beschriebene, altbackene Vorgehen nämlich absolut nichts zu tun.

      „„Lesen durch Schreiben“ bzw. „Schreiben nach Gehör“ stellt die zeitliche Reihenfolge von Lesen und Schreiben auf den Kopf. Viel zu früh sollen die Kinder Wortbilder in Druckschrift zu Papier bringen, die sie sich nur nach Gehör zusammenreimen und darum in ihren viel zu früh eingeforderten „kreativen“ Texten fast durchgehend falsch schreiben.
      Inhaltliche Kreativität von Texten wird doch nicht gefördert durch möglichst frühes Schreiben, wie LdS-Anhänger immer wieder gern behaupten. Im Gegenteil: Wenn die Kinder später merken, dass ihr „Schreiben nach Gehör“ äußerst stümperhaft ist und ständig Fehler produziert, verlieren sie eher die Lust am Schreiben.“

      Tolles Finale: Nochmal schön alle mehrheitsfähigen Plattitüden, die vermeintlich zum Thema passen, rausblasen. LdS war überhaupt nicht mein Thema! Ich verteidige das nicht! Verstehen Sie das?
      Mein Punkt war: Dogmen helfen nicht weiter. Jeden Fehler ausnahmslos korrigieren zu wollen, ist ein Dogma, genauso wie: auf keinen Fall irgendwas korrigieren. Es könnte Sie schockieren, aber dazwischen ist ne Menge Platz für Pragmatismus.

      • Lera wurde von ihnen wohl bewusst anstelle von Lehrer gewählt.
        Die Reichenmethode und anverwandte Methoden des sogenannten „Spracherfahrungsansatz“ des Juristen Brügelmann sind diskreditiert und gehören ins finstere Zeitalter der Reformation.
        Wenn ich ihren Ausführungen folge, so fühle ich mich weit ins 16. Jahrhundert zurückversetzt, als man damit begann mit der Methode der Selbstalphabetisierung auf der Basis von bebilderten Anlauttabellen sich selbst Schreibweisen im Deutschen beizubringen.
        Damals wurde mit Bibelübersetzungen aus dem Latein und Hebräisch die deutsche Schrift entwickelt.

        • Vielen Dank für die Belehrung, ich wusste das alles noch gar nicht. Schade nur, dass Sie darüber vergessen haben, sich mit irgendeinem Punkt inhaltlich zu befassen.

          • Lera
            Belehrungen gehen in gleicher Weise auch von Ihnen aus, und dieser Vorgang liegt darin begründet, dass sie anders unterrichten als ihre Kollegin.
            Sicherlich erlernen die Schüler bei ihrer Kollegin zunächst die Druckbuchstaben zum Erlernen des Lesens.
            Allerdings wird die Grundschullehrerin Heike wohl ihren Schülern als Ausgangsschrift eine verbundene Schrift vermitteln, wie etwa die Schulausgangsschrift oder die Lateinische Ausgangsschrift, die beide größere Herausforderungen mit schreibmotorischen Bewegungsübungen an die Schüler herantragen.
            Damit stellt sie sich bewusst gegen eine Vereinfachungspädagogik, die darauf abzielt, möglichst niedrige Anforderungen an die Schüler heranzutragen und weniger Übungsinhalte abzuverlangen.
            Wenn es nach dem Grundschulverband und seinen Vertretern wie Herr Brügelmann und Brinkmann geht, so sollen die Kinder aus dieser Druckschrift eigenständig eine eigene Handschrift entwickeln- da erwartet man aber sehr viel, und dieses Experiment wird wohl nicht ohne zusätzliche schreibmotorische Hilfen des Lehrpersonals gelingen.
            Man verlegt letztendlich die erforderlichen schreibmotorischen Übungen zum Erlernen einer teilweise verbundenen Schreibschrift zeitlich nach hinten, ohne einen strukturierten Zeitrahmen vorzugeben.
            So gesehen geht die Kollegin Heike einen anderen Weg, indem sie sofort einen verbundenen Schrifttyp vermittelt und diesen mit schreibmotorischen Übungen unterstützt.
            Die ähnlichen Formelemente der einzelnen Schreibbuchstaben der beide oben angeführten verbundenen Schrifttypen ermöglichen es den Schülern auch ihre Feinmotorik zu trainieren.
            Und die Ähnlichkeit der motorischen Bewegungsabläufe ermöglichen es auch ein schnelleres Erlernen des Schreibens der einzelnen Buchstaben zu erlernen.
            Zudem ermöglicht der Gebrauch der kleinen Schreibbuchstaben, diese miteinander in der Silbe als eine Sprach- und Schrifteinheit zu verbinden.
            Eine verbundenen Schreibschrift ermöglicht es schließlich schneller zu schreiben, als dies bei Formen einer geschriebenen Druckschrift der Buchstaben möglich wäre.
            Nun können sie natürlich gegenhalten, dass die Schüler später sowieso mit der Tastatur schreiben werden.
            Allerdings kann man sich Sachinhalte besser einprägen, wenn man beim Aufzeichnen von Notizen mehr motorische Hirnareale aktiviert, und dies ist bei motorisch gesteuerten Aufzeichnungen mehr der Fall, als dies beim Druck auf eine Tastatur möglich wäre.
            Auf eine sachliche Antwort ohne Belehrungen ihrerseits freue ich mich schon.

  7. Der Blödsinnn „Lesen durch Schreiben“ war in Schulen in DL existent und wurde durch die Fachkräft (Lehrer) eingesetzt. Wenn die gut gewesen wären, hätten sie das nie getan.
    Insofern ist ein nachbeugendes Verbot da einzig richtige. Danke an den Minister dafür.

    • Es ist sicher in Ihrem Interesse, wenn ich da sofort korrigiere, nicht, dass sich noch was „einschleift“:

      Blödsinn

      Fachkräfte

      „das einzig Richtige“ (verweist auf kein Substantiv im Satzumfeld)

      Offenbar waren ihre eigenen Lehrer ebenfalls komplette Versager. Scheint ne Tradition zu sein…

        • Einfach Wörter abzumalen und Abschreibtexte zu erzeugen gehört exemplarisch zu einer der Methoden der „Rechtschreibwerkstatt“, in dem auf den eigenständigen Schrifterwerb ausgerichteten Lernwerk des Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst.
          Dieses Gesamtkunstwerk hat sich als eine sehr nachhaltig wirkende Methode erwiesen, und ist bedeutend in der Vermittlung rudimentärer Schriftgefüge einer ganzen Generation von Schülern.
          Sie steht exemplarisch dar als eine anverwandte Methode aus dem reichhaltigen Angebot des „Spracherfahrungsansatzes“ des Hochschullehrers für Anfangsunterricht des nicht als Lehrer ausgebildeten Professor Brügelmann.

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