Ausfälle von Schülern und Lehrern erwartet: Philologen fordern Spielräume für Schulen

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WIESBADEN. In Hessen hat nach dem Ende der Weihnachtsferien am Montag wieder der Schulunterricht begonnen. Ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden erklärte, der Start sei «ruhig und ohne besondere Vorkommnisse» verlaufen. Laut SPD-Opposition fehlen «wichtige Grundlagen für einen sicheren Schulbetrieb» – etwa ein Videokonferenzsystem. Die Philologen fordern Handlungsspielräume für die Schulen, um auf «großflächige Ausfälle in der Schüler- und Lehrerschaft» reagieren zu können.

Volle Schulen vor Ostern? Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

Der Krankenstand unter den Lehrkräften sei bislang nicht auffällig. «Das bestätigt die Entscheidung für eine Fortführung des Präsenzunterrichts», sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) laut einer Mitteilung. Auf einen etwaigen vermehrten Ausfall von Lehrerinnen und Lehrern sei das Land «so gut wie möglich» vorbereitet.

Trotz steigender Corona-Infektionszahlen mit der Omikron-Variante begann der Unterricht am Montag in Hessen in Präsenz. Bis auf weiteres gilt eine Maskenpflicht im Unterricht und es gibt drei Tests pro Woche für nicht vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler. Auch geimpfte Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte können sich regelmäßig in den Schulen testen.

Landtagsopposition und Gewerkschaften kritisierten den Corona-Kurs des Kultusministeriums teilweise. Von einer guten Vorbereitung könne keine Rede sein, «denn wichtige Grundlagen für einen sicheren Schulbetrieb fehlen weiterhin», teilte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen mit. Auch zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie stehe beispielsweise kein landesweites Videokonferenzsystem zur Verfügung, mit dem bei Bedarf Distanzunterricht auf einer datenschutzrechtlich sicheren Basis verlässlich stattfinden könne. Auch beim Thema Luftreinigungsanlagen fehle es an klaren Vorgaben des Ministeriums, wie und welche Klassenräume auszustatten sind, kritisierte Degen.

«Der Präsenzunterricht ist unverzichtbar, damit Kinder und Jugendliche nicht noch mehr inhaltliche und psychosoziale Defizite anhäufen»

Der Landesvorsitzende des Hessischen Philologenverbandes, Reinhard Schwab, bekräftigte, der Kultusbürokratie müsse bewusst sein, wie aufwendig die Umsetzung der Corona-Maßnahmen sei. Dies beeinträchtige die eigentliche Bildungsaufgabe sowie die alltägliche Arbeit in den Schulen sehr. Aber Schwab erklärte auch: «Der Präsenzunterricht ist unverzichtbar, damit Kinder und Jugendliche nicht noch mehr inhaltliche und psychosoziale Defizite anhäufen.»

Die Sachlagen vor Ort, die Mühen und Widrigkeiten des Alltags, ob pädagogisch oder personell bedingt, müssten vom Ministerium bei Entscheidungen einbezogen werden. «Ohne den besonderen Einsatz und die Innovationsbereitschaft der Lehrkräfte, ohne administrative ‚Akrobatik‘ der Schulleitungen wäre der Schulbetrieb längst kollabiert», ergänzte Schwab.

Die Schulen benötigen Handlungsspielräume, um schnell lokal auf mögliche großflächige Ausfälle in der Schüler- und Lehrerschaft reagieren zu können. Unterricht könnte sich aufgrund der unterschiedlichen Infektionsdynamik fragmentieren. Lehrkräfte werden in ihren Lerngruppen sehr unterschiedliche Wissens- und Kompetenzstände erleben, so sagen die Philologen voraus.

«Die Folgen sollten wir aber frühzeitig antizipieren und mittelfristige Maßnahmen planen, um die verringerte Lernzeit kompensieren zu können, zum Beispiel durch ein Anheben der Stundenzahl in den Hauptfächern», betont der Landesvorsitzende.

«Kritikwürdig ist allerdings, dass die Voraussetzungen für Online-Beschulungen nicht schon längst besser ausgebaut sind»

Eine traurige Feststellung bleibt laut Philologenverband: «Kontakte müssen weiterhin reduziert werden, das betrifft Schulveranstaltungen und außerschulische Aktivitäten. Auch dürfte in besonderen Infektionssituationen die häusliche Beschulung unvermeidlich sein, das ist in der Oberstufe viel leichter zu realisieren als in der Mittelstufe, denn die digitale Technologie erfordert Selbstständigkeit und Eigenverantwortung auf Seiten der Schüler. Kritikwürdig ist allerdings, dass die Voraussetzungen für Online-Beschulungen nicht schon längst besser ausgebaut sind.» News4teachers / mit Material der dpa

Gebauer hält Schulstart in Präsenz für „gut gelungen“ – Schülervertretung widerspricht

 

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HesseHelau
10 Monate zuvor

Der Krankenstand von LuL sei bisher unauffällig….. Herr Lorz, HEUTE WAR TAG 1!!!!

Jan aus H
10 Monate zuvor
Antwortet  HesseHelau

Und sein Datenstand ist bestimmt von Freitag 🙂

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der/die/das Dümmste im ganzen Land?

Lehrer_X
10 Monate zuvor
Antwortet  HesseHelau

Jupp, genau das dachte ich mir auch. Das sind einfach nur Asoziale und Unfähige, die in ihrer Ministerienblase leben.

Sosi
10 Monate zuvor
Antwortet  HesseHelau

Der Krankenstand von LuL ist nie unauffällig.

Am Limit
10 Monate zuvor

Wenn man erst darauf wartet, dass mehr Lehrkräfte ausfallen, ist auch niemand mehr da, der Wechsel- oder Distanzunterricht geben kann. Aber ich habe die letzten zwei Jahre ja gelernt, dass Logik und vorausschauendes Planen nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen vieler Politiker gehören.

dauerlüfterin
10 Monate zuvor

Bislang ist der Krankenstand derjenigen an der Front laut Lorz nicht auffällig. Lorz wartet bestimmt ab, dass sich das ändert. Ggf. findet er das sogar „spannend“.
Es ist nicht zum Aushalten!

Barbora Emilija K.
10 Monate zuvor
Antwortet  dauerlüfterin

Arbeitet er was? Was arbeitet er?

mama51
10 Monate zuvor

Was, ….er arbeitet????

Rennachim
10 Monate zuvor

Tennisspielen habe ich gehört…..

Conny
10 Monate zuvor

Der Präsenzunterricht ist unverzichtbar, damit Kinder und Jugendliche nicht noch mehr inhaltliche und psychosoziale Defizite anhäufen.
??????
Was haben Kinder mit Langzeit corona ???
Was haben Kinder ohne Eltern weil sie dran gestorben sind ?
Wer denkt an die Lehrer was sie seit 2 Jahren leisten ?
Einfach krank alles
Präsenzpflicht aussetzen!