Corona-Sonderausschuss: Schulen schon baulich schlecht auf Pandemie vorbereitet

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Der Schulbetrieb in Niedersachsen war schlecht auf den Unterricht unter Pandemiebedingungen vorbereitet – zu dieser Erkenntnis kommt der Corona-Sonderausschuss des Landtags. In einem Berichtsentwurf des Ausschusses, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es, viele Schulen seien «vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt, mit den vorzufindenden baulichen Gegebenheiten den gewünschten Infektionsschutz zu gewährleisten». Mit Blick auf den Distanzunterricht hätten sich zudem «digitale Einschränkungen (…) nicht nur am Wohnort der Schülerinnen und Schüler, sondern auch in den Schulen» gezeigt.

„Geringe Überzeugungskraft“ der getroffenen Maßnahmen, stellt der Ausschuss fest. Foto: Shutterstock

Der Sonderausschuss, dem alle vier Landtagsfraktionen angehören, stellt darüber hinaus fest, dass die Mindestabstände in den Schulbussen oft nicht eingehalten werden konnten. Unterschiedliche Corona-Regeln in den Schulen und in der Freizeit hätten darüber hinaus zu einer geringeren Überzeugungskraft der Maßnahmen geführt. Als Beispiel wurden getrennte Gruppen an den Schulen genannt, die sich im Bus oder bei privaten Treffen durchmischen konnten.

Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, Christian Grascha, sagte: «Die Anhörungen von Expertinnen und Experten haben deutlich gezeigt, wie wenig das Gesundheitssystem, die Schulen, die Hochschulen und die Gesellschaft insgesamt auf eine solche Situation vorbereitet waren und noch immer sind.» Er kritisierte die Landesregierung für eine nach seiner Einschätzung zu geringen Beteiligung des Landtags. «Auch nach fast zwei Jahren Pandemie werden massive Freiheitseinschränkungen immer noch allein durch die Verordnung einer Ministerin vorgenommen.»

Der Landtag hatte die Einrichtung des Corona-Sonderausschusses im Herbst 2020 beschlossen, um die Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Pandemie zu analysieren und Erkenntnisse zur Vorbereitung auf mögliche weitere Pandemien zu gewinnen. Dazu wurden zahlreiche Experten wie die Physikerin Viola Priesemann, der Virologe Hendrik Streeck und die Regionalbischöfin Petra Bahr angehört. dpa

Was ist dran: Sind Schulen „die sichersten Orte“ in der Pandemie, wie Oldenburg behauptet? Ein Faktencheck

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Lanayah
10 Monate zuvor

Herbst 2020! Da haben die ja lange gebraucht, um zu Erkenntnissen zu kommen. Sie hätten einfach mal eine Lehrkraft fragen müsse. Was sind jetzt die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis?

Schattenläufer
10 Monate zuvor

Sonderausschuss?
Jeder der genug Intelligenz hat um den richtigen Schuh an den richtigen Fuß zu bekommen könnte an einem Vormittag feststellen, dass der bauliche Zustand der meisten Schulen schrecklich ist.

Einfach mal 4-5 beliebige Schulen in der Umgebung besuchen und Augen auf.
Toiletten ohne Sitze
6 von 10 Waschbecken in der Toilette defekt.
30% der Klassensäle ohne Wasseranschluss.
Undichte Fenster.
Heizungen die nur auf voll (30°C) oder fast aus (15°C) funktionieren weil kein Thermostat dran ist.
Löchrige Bodenbeläge.
Wasserflecken an der Decke.
Schimmelflecken an den Wänden.
Zeitweiliger Besuch von Mäusen oder ihren großen Brüdern.
Defekte Brandschutztüren.
Asbest. Das will man bei Baujahren zwischen „aus Kaisers Zeiten“ bis 1960 gar nicht wissen.

Das hat in den letzten 20 Jahren keinen Mensch interessiert.
Warum jetzt ein Sonderausschuss.
Den Zustand der Schulen kennt jeder aus dem Schulsystem. Das Problem liegt eher darin, dass weder die Kultusminister noch die Landkreise was davon wissen wollten.
Dies Zustände lassen sich nur mit Geld verbessern.
Geld wird traditionell aber nicht für Schulen und Bildung ausgegeben.

Mit einer Regierung unter Beteiligung der FDP kann ich mir nicht vorstellen, dass sich daran was ändert.

Das Kredo der FDP ist doch das umgekehrte Robin Hood Prinzip.
Sie nehmen es den Armen und geben es den Reichen.

potschemutschka
10 Monate zuvor

@Schattenläufer
Realität an meiner Grundschule: im Moment 50% der Klassenräume ohne Waschbecken, da nach über 30 Jahren kaputt. Nach der jetzt stattfindenden Sanierung der gesamten Schule werden 100% der Klassenräume ohne Waschbecken sein! (obwohl wir bei der Frage nach Wünschen vor Beginn der Sanierung mehrfach betont haben, dass wir wieder welche wünschen. Auch die Pandemie hat nicht bewirkt, dass wieder Waschbecken eingebaut werden!) Aber immerhin wird die Schule endlich saniert.

Locke
10 Monate zuvor

Wenn es in der gesamten Schule nur in der Schulküche warmes Wasser aus der Leitung gibt, ist das genauso Blödsinn! Im Dommer nur kaltes Wasser, okay. Aber im Winter, ständig am Lüften und nur eiskaltes Wasser aus dem Hahn, da kann ich jedes Kind (und jeden Lehrer) verstehen, das nur 10 Sekunden wäscht, oder gleich zum Desinfektionsmittel greift. Ganz ehrlich, ich denke dass sich daran auch „nach“ Corona nichts ä der wird. Es wird von Lehrern, Kindern und Eltern schon seit Jahren bemängelt, aber immer als weniger wichtig abgetan. Schade, denn jetzt ist es zu spät und wenn Corona „vorbei“ wäre, fallen ihnen tausend „wichtigere“ Sachen ein, womit sie alle am Schulgeschäft Beteiligten noch zumüllen können, damit sie sich nicht mit sinnvollen Vorschlägen, die Unsummen kosten, auseinandersetzen müssen.

kanndochnichtwahrsein
10 Monate zuvor

Schulen (und die Infrastruktur drumherum) sind auf viele Dinge nicht im Mindesten vorbereitet, die unweigerlich auf uns zukommen werden: nicht auf übertragbare Krankheiten, nicht auf Hitzewellen und langanhaltende Kälte, nicht auf starke Schnellfälle, Stark- und Dauerregen, geschweige denn auf echte Akut-Krisen wie plötzliche Sturmereignisse, Blitzeis, Stromausfall, Ausfall der Wasserversorgung, der Heizanlage, Chemieunfall in der Nachbarschaft, Ausfall des Verkehrsnetzes durch größere Unfälle o.ä. – usf.

Wenn es richtig ernst wird, bricht Kommunikation und Verkehrsinfrastruktur zusammen, stehen Eltern im Stau vor der Schule, sind Eltern nicht erreichbar, dürfen Kinder nicht „einfach“ nach Hause geschickt werden, gibt es in der Schule aber auch keine adäquate Notfallbetreuung – im Zweifel wird dann der Notarzt gerufen, um die Verantwortung abgeben zu können, die eine Schule in ihrem Alltag im Grunde nicht tragen kann bzw. nicht tragen darf.
Der Alltag ist schon nur unzureichend abgesichert: Heizungen und Klimaanlagen, vor allem die vielen älteren Schulgebäude sind dem Klimawandel nicht angepasst, Schulhöfe und Gebäude nicht auf den Aufenthalt während extremer Wetterlagen eingerichtet. Hitzewellen zeigen das jetzt schon: es gibt keine dem gewachsene Belüftung oder gar Kühlung, keine Schattenplätze auf den Schulhöfen, keine klaren Regelungen für“Hitzefrei“, die sich an den Schülern richten und nicht an den Arbeitszeiten der Eltern.
Klassenzimmer sind nicht mit dem Nötigsten ausgestattet – kaltes und warmes Wasser, Ruhezonen, ausreichend Platz. Die Toiletten sind schon immer nicht angemessen ausgestattet und sauber, in Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt, teilweise defekt, Warmwasser und Handtücher oftmals nicht vorhanden, Schüler müssen durch die ganze Schule oder gar bei schlechtem Wetter über den Schulhof laufen. Es gibt keine Rückzugsräume für Schüler und Personal. Es gibt keine leicht zugänglichen und angemessenen Räumlichkeiten und nicht ausreichend (freies) Personal zur Behandlung von Verletzten oder Kranken. Sekretariate sind zeitweise geschlossen, Hausmeister nicht erreichbar, Reparaturen brauchen viel zu lange (derzeit fällt das besonders bei defekten Fenstern auf)…

Theoretische „Notfall“-Pläne scheitern schnell, wenn Eltern oder andere berechtigte Personen nicht erreicht werden können, wenn es keine Möglichkeit einer Beaufsichtigung und Versorgung mehrerer/vieler Schüler über längere Zeit gibt, nicht mal mit ausreichend Getränken könnten wir die Schüler über längere Zeit versorgen, wenn sie nicht nach Hause geschickt werden können.

Wir brauchen viel mehr Untestützung durch Schulträger und Dienstherrn, um Schule wirklich gut machen zu können.
Erst wenn die Lebensvorsorge/der Gesundheitsschutz auch in Schulen gewährleistet ist, Personal nicht chronisch überlastet und Schüler nicht chronisch gestresst sind, kann Schule entspannt und sicher und angstfrei laufen.

Wenigstens das sollten wir alle aus der Pandemie gelernt haben. Spätestens daraus.
Leider muss man fürchten, dass sich nichts ändern wird – außer dem Klima und damit die Häufigkeit des Auftretens von Situationen, die für Schüler und Personal immer schwieriger zu meistern sein werden.

Trulla
10 Monate zuvor

Ne, da wäre ich NIE drauf gekommen. So was!!!
Gibt es eine WISSENSCHAFTLICHE Studie dazu???
Ode

Die Schulen und Kitas sind zu großen Teilen schon lange „Sondermüll“ …aber für SuS und LuL reicht es anscheinend.
Und die „modernen“ Schulen sind z.T. unpraktisch, ohne Rat von LuL einzuholen. Oder von Menschen mit gesundem Menschenverstand. Aber wahrscheinlich“preisgünstig“.
Und es hat ja bisher geklappt, selbst in der Pandemie. Na also, was soll sich ändern.
Ich stell‘ mir immer vor, dass man Mal Christian Lindner so einen Arbeitsplatz anbietet.

Klugscheisser
10 Monate zuvor

“Unterschiedliche Corona-Regeln in den Schulen und in der Freizeit hätten darüber hinaus zu einer geringeren Überzeugungskraft der Maßnahmen geführt. “

Donnerwetter, dafür studieren einige jahrelang Sozialwissenschaften, um diese Wechselwirkung zu verstehen und auf neue Sachverhalte zu übertragen.
Andere wiederum benötigen dafür einfach nur logisches Denkvermögen.
Eltern kennen das aus der Erziehung ihrer Kinder.

Politiker (vor allem die Juristen) brauchen dafür einen Sonderausschuss.

Jan aus H
10 Monate zuvor

Vermutlich ist auch das eine Folge der Schulpräsenzpflicht. Die Eltern haben ja keine andere Wahl, als ihre Kinder in solche Bruchbuden (siehe andere Postings) zu schicken, die man in anderen Branchen schon längst geschlossen hätte.

Gäbe es statt der Schulpräsenzpflicht eine Bildungspflicht und damit auch die Zulassung beispielsweise von Onlineschulen, dann gäbe es eine Wahlmöglichkeit und vor allem auch eine Chance, sich solchen Auswüchsen zu entziehen.

Wenn schon Grundschüler sagen, dass sie morgens absichtlich nichts trinken, damit sie auf keinen Fall auf die Schultoilette gehen müssen, dann zeigt das deutlich, welche Ausmaße das Problem angenommen hat.

Leider führt die Schulpräsenzpflicht bei den Verantwortlichen dann rasch zur „Ist doch egal“-Denke, denn die Kundschaft MUSS ja kommen. Man stelle sich vor, was wohl passiere, wenn ein Restaurant Toiletten in Schulqualität hätte. Vermutlich würden die Gäste schnell wegbleiben, aber noch viel wahrscheinlicher wäre es, dass es einfach geschlossen wird.

Lehrer mit Seele
10 Monate zuvor

Dazu braucht es einen Sonderausschuss? Liebes Land Niedersachsen, kein Problem ich mache den Job sofort, zur Not auch alleine, wobei ich hier jede Menge kompetente Kollegen finden würde.

Das hätten wir Ihnen schon Jahre vor Corona sagen können. Es ist ja nicht so, dass Grippeviren so bildungsaversiv sind, dass sie sich nicht in Schulen trauen.

Warum also machen Sie sich die Mühe einen Sonderausschuss zu bilden? Ah ja, damit nicht das ganze Ausmaß an Defiziten zu Tage kommt.

Lehrer mit Seele
10 Monate zuvor

Wir haben vor 5 Jahren eine neue Grundschule bekommen. Klingt toll, war als aber nicht. In den 1960ern wurde hier eine fantastische Grundschule inkl. Schulschwimmbad gebaut, weil es vor Ort nur ein Freibad gibt. Dieses stand im Winter allen offen.

In den doch so noblen und reichen 80er Jahren wurde beschlossen, dass Kinder so etwas nicht brauchen und die Heizkosten im Winter zu hoch sein, bzw kaum Gewinn abwarfen.

Deshalb wurde das Bad (Kellergeschoss) verriegelt. Leider hat sich niemand dafür zuständig gefühlt dies ordnungsgemäß zu machen und es sind Folgeschäden entstanden, die dazu führten, dass nach unzähligen Sanierungsgesuchen irgendwann die Bauaufsicht den Abriss der Schule anordnete. Auf die Schnelle durfte dann ein neuer Standort gefunden werden und die Schule wurde im Schnellsystem hoch gezogen, jedes Klassenzimmer hat ein eigenes, funktionierendes Waschbecken. Das muss man sagen. Die Neuerrichtung eines Schulschwimmbeckens wurde natürlich kategorisch abgelehnt. Wer hätte auch damit gerechnet, dass wir schon damals viel zu viele Nichtschwimmer hatten. Warmwasser gibt es auch nicht. Waschbecken braucht man ja nur für Tuschwasser. Der Raum für Ganztagsbetreuung ist eine Besen Kammer und eine Schulküche suchen wir bis heute.

Dazu hat die Gemeinde gleich kostenünstig die Schule an eine andere ran gebaut. Dies kommt uns natürlich besonders bei der Kohorten Bildung zu Gute, wenn die Kinder die gleichen Busse nutzen müssen und schlussendlich gibt es bis heute keine offizielle Klärung wer wann welchen Teil des Schulhofes nutzen kann. Längst geregelt liebe Stadträte.

Also solange Ausschüsse sich über solche Dinge Gedanken machen, wird sich da auch nichts ändern.

P. S. Auf unseren städtischen Spielplätzen fehlen die Tüv-Siegel. Hinweise an die Gemeinden, dass Verletzungsgefahr besteht und Absturz Sicherungen fehlen, verschwinden irgendwo.

Ich bin kein Querdenker. Aber mit einem haben Sie Recht. Man müsste auf die Straße gehen, für die, die sich nicht wehren können.