Begabungen in Kitas besser erkennen und fördern

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Am 22.02.2022 eröffnete in einer Online-Veranstaltung der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne gemeinsam mit Prof. Dr. Jan Erhorn, Vorstand Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. (nifbe), und Dr. Ingmar Ahl, Vorstand Zweckerfüllung der Karg-Stiftung, das Projekt Karg Campus Kita Niedersachsen. In den nächsten 4 Jahren leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Strukturen in der Frühpädagogik. Ziel ist eine durchgängige inklusive und vielfaltsorientierte Begabungs- und Begabtenförderung. Damit werden bestehende Benachteiligungen abgebaut und die Bildungsgerechtigkeit an 8 niedersächsischen Standorten gefördert. Die wissenschaftliche Begleitung setzt das ITES – Institut für Theorie und Empirie des Sozialen unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Cloos um.

„Die inklusive Begabungsförderung aller Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft, ist mir ein wichtiges bildungspolitisches Anliegen“, betonte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne. „Daher setzt sich das Land für eine inklusive Begabungsförderung in Kita und Schule ein. Die Kooperation von nifbe und Karg-Stiftung kann einen wertvollen Beitrag liefern auf dem Weg zur inklusiven gesellschaftlichen Teilhabe aller Kinder mit ihren unterschiedlichen Interessen. Unser gemeinsames Ziel ist, jedes Kind gemäß seinen Fähigkeiten und Stärken zu fördern und in seiner Entwicklung individuell zu unterstützen.“

Mehr Chancen für ein gelingendes Leben

Kitas sind, neben dem Elternhaus, bedeutsame Orte in der Entwicklung von Kindern. Die ersten Lebensjahre legen den Grundstein für deren Entwicklung und tragen damit maßgeblich zu einer gelingenden Bildungsbiografie bei. „Kitas haben sich in den letzten Jahren zu wichtigen, vielleicht sogar zu den wichtigsten, Lernorten entwickelt. Die Fachkräfte tragen eine große Verantwortung. Eine bestmögliche Unterstützung in der Ausübung ihrer Tätigkeit ist die Voraussetzung für eine hohe Qualität der Kindertageseinrichtungen und dient zusätzlich der Motivation. Qualifizierte Fachkräfte können versteckte Potenziale früh entdecken und fördern – das ist eine Chance gerade für Kinder aus einem benachteiligenden Umfeld. Denn geschlechtertypische Zuschreibungen, der sozio-ökonomische Hintergrund oder sprachliche Hürden können das Erkennen und die Entfaltung von besonderen Begabungen gelegentlich erschweren. Hier gilt es,  für mehr Gerechtigkeit zu sorgen“, so Dr. Ingmar Ahl, Vorstand Zweckerfüllung der Karg-Stiftung.

Anliegen und Ziel von Karg Campus Kita Niedersachsen

Anliegen und Ziel des Projektes ist es, frühpädagogische Strukturen zur durchgängigen inklusiven und vielfaltsorientierten Begabungs- und Begabtenförderung auszubauen. Entscheidend ist der Abbau von bestehenden Benachteiligungen und das Erreichen von mehr Bildungsgerechtigkeit. Bis Ende 2025 sollen Kindertageseinrichtungen an 8 Standorten zu Kompetenzzentren der frühpädagogischen Begabungs- und Begabtenförderung qualifiziert worden sein. Ihr Wissen stellen die teilnehmenden Einrichtungen anschließend in Konsultationen ihrer Region zur Verfügung. Der nifbe-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Jan Erhorn unterstreicht: „Durch die individuelle Förderung aller Kinder in einem inklusiven Setting können wir einen wichtigen Beitrag für die Bildungs- und Chancengerechtigkeit in unserem Land leisten. Mit ihrer hohen Expertise in der Beratung und Qualifizierung im Themenfeld der Begabungsförderung ist die Karg-Stiftung für das nifbe mit seinen etablierten Netzwerk- und Transferstrukturen dafür ein idealer Projektpartner.“

Umsetzung

Das gemeinsame Projekt befasst sich mit verschiedenen Aspekten der frühpädagogischen Begabten- und Begabungsförderung und begleitet die pädagogischen Fachkräfte an den 8 Standorten in Niedersachsen in der Personal-, Einrichtungs- und Netzwerkentwicklung. Die Themen werden theoretisch fundiert sowie praxis- und prozessorientiert behandelt.

Das Projekt basiert auf dem Konzept von Karg Campus, das folgende Komponenten umfasst:

  1. Fortbildung: Personalentwicklung (Qualifizierung der Fachpersonen)
  2. Prozessbegleitung: Organisationsentwicklung
  3. Vernetzung: Netzwerkentwicklung (Fachpersonen und Einrichtungen untereinander und mit weiteren Fachkräften der Bildungslandschaft)

Die pädagogischen Fachkräfte werden bei der Entwicklung ihrer Angebote zur inklusiven Begabtenförderung über die gesamte Projektlaufzeit hinweg durch eine Prozessbegleitung durch das nifbe unterstützt.

Teilnehmende Einrichtungen

  1. Ev.-ref. Kindertagesstätte Lummerland; Neuenhaus
  2. Kinnerhuus Middenmang Borssum; Emden
  3. FiLius Kindertagesstätte Weener-Floorenstraße; Weener
  4. Integrative Kindertagesstätte Regenbogenland; Friedland
  5. KTE Im Französischen Garten; Celle
  6. Kindergarten am Springhof; Bad Laer
  7. Ev.-luth. Kindertagesstätte St. Nicolai; Cadenberge
  8. CJD Kindertagesstätte Nordstemmen; Nordstemmen

Kurzinformationen zu Karg Campus Kita Niedersachsen 

  • Start/Dauer: Auftakt am 22.02.2022 / 4 Jahre
  • Partner: Karg-Stiftung, Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. (nifbe)
  • Wiss. Begl.: Institut für Theorie und Empirie des Sozialen (ITES); Ltg. Prof. Dr. Peter Cloos
  • Teilnehmende: Pädagogische Fachkräfte aus 8 Kindertageseinrichtungen
  • Projektaufbau: Modular, Präsenzveranstaltungen, Netzwerktagungen
  • Ziel: Systematische Weiterbildung in der Begabungs- und Begabtenförderung, Ausbau und Verstärkung eines landesweiten Netzwerkes
  • Kosten:650.000 €

Eine Meldung der Karg-Stiftung.

Ansprechpartner

Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)
Gründung 2007 in dezentraler Struktur. Im Zentrum der Aufgaben stehen der wechselseitige Transfer zwischen Forschung und Praxis sowie die interdisziplinäre Vernetzung. Das nifbe begleitet und unterstützt dabei insbesondere den Professionalisierungsprozess in der Elementarpädagogik durch ein breites Spektrum von Qualifizierungen, Fachveranstaltungen und Publikationen.

Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. (nifbe)
Koordinations- und Transferzentrum
Stellv. Geschäftsführung
PR & Wissenschaftskommunikation
Dr. Karsten Herrmann
Jahnstraße 79
49080 Osnabrück
Tel: 0541 – 58 054 57-2
Fax: 0541 – 58 054 57-9
www.nifbe.de

Karg-Stiftung
Unser Auftrag ist die Förderung des hochbegabten Kindes in Kita, Schule und Beratung. Nah am Menschen und dem Bildungsalltag suchen wir gute Ideen und begleiten praxisnah in der Begabtenförderung. Wir klären den Bedarf, knüpfen Netzwerke und entwickeln Konzepte. Wir beraten, informieren und qualifizieren in der Begabtenförderung. Gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Praxis schaffen wir so ein allseits gerechtes Bildungssystem. Denn dieses ermöglicht auch Kindern und Jugendlichen mit hohem intellektuellem Potenzial die Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Die Karg-Stiftung, von dem Unternehmer Hans-Georg Karg und seiner Frau Adelheid Karg 1989 errichtet, ist verlässliche Partnerin und treibende Kraft der Begabten-förderung in Deutschland.

Sabine Wedemeyer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lyoner Straße 15
60528 Frankfurt am Main
T +49 69 874 027-27
M +49 160 90 98 49 16
E-Mail: sabine.wedemeyer@karg-stiftung.de
Web: www.karg-stiftung.de

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Carsten60
2 Monate zuvor

Jetzt gibt es also schon die „inklusive und vielfaltsorientierte Begabung- und Begabtenförderung“. Man kann da offenbar jedes Adjektiv zuordnen, das gerade politisch in Mode ist. Tatsächlich kümmert sich die Karg-Stiftung laut ihrer eigenen Homepage vorwiegend um die HOCHBEGABTEN, das ist eigentlich was anderes. Und die würden wohl am besten gefördert, wenn sie in der Grundschule unter sich wären und nicht neben solchen sitzen müssten, die keinen Stift halten können und Schwierigkeiten haben, bis drei zu zählen. Es ist bekannt, dass viele „begabte“ Kinder sich in der Grundschule langweilen, aber die progressiven Pädagogikprofessoren postulieren lieber eine 6-jährige Grundschule, in der dieses Phänomen natürlich noch länger auftreten muss. Der Vorschlag, die Begabten mögen doch ein paar Klassen überspringen, scheitert dann später, wenn sie von ihren körperlich weiter entwickelten Klassenkameraden verspottet oder verprügelt werden, ganz abgesehen vom Strebervorwurf, von dem nie geredet wird.
Dass die einheitliche Gesamtschule für die Hochbegabten nun so besonders gut ist, wird wohl auch niemand ernsthaft behaupten. Diese Halbherzigkeit und Doppelzüngigkeit der Begabtenförderung ist ein Ärgernis geworden.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Inklusiv und Vielfalt ist nichts anderes als Bildungsmarxismus mit Angleichung auf niedrigem Niveau. Das kann man in Zeiten von Frieden und Aufschwung machen, nur haben wir aktuell weder noch. Man muss sich dringend wieder an den besten und nicht an den meisten oder lautesten orientieren.

TaMu
2 Monate zuvor

Eine durchgängige inklusive und vielfaltsorientierte Begabungs- und Begabtenförderung müsste doch eigentlich nebenbei auch noch zu schaffen sein, selbst wenn wegen Fachkräftemangel nur eine Erzieherin oder ein Erzieher in einer Gruppe von 20 Kindern ist. Die eierlegende Wollmilchsau kriegt das doch hin. Zum Glück gibt es davon noch einige in den Kitas. Was für romantische Ideen in Zeiten, in denen selbst das normale Programm überall auf der Kippe steht.

Claudia Theobald
2 Monate zuvor

Mit Personalschlüsseln, die weit entfernt von den Mindestanforderungen der Fachwelt und der Fachpraxis liegen, ist eine individuelle Förderung und bedürfnisorientierte Betreung nicht zu gewährleisten. Qualifikationen für Fachkräfte sind nur dann sinnvoll, wenn wir Rahmenbedingungen haben, mit denen das Gelernte auch in der Praxis umgesetzt werden kann.

Claudia
2 Monate zuvor

Lieber Carsten! Hochbegabte machen nur zwei Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Das wären ja ziemlich mickrige Klassen in der Grundschule, in denen dann nur die Hochbegabten unter sich säßen. Sie betreiben eine ziemliche Schwarz-Weiß-Malerei, wenn sie sagen, alle Kinder, die nicht gerade hochbegabt sind, wären zu blöd, um ihren Stift zu halten! Eine schöne, gelungene Kindheit und erfolgreiche Schulzeit ist mit Sicherheit nicht davon abhängig, dass der Sitznachbar den gleichen IQ hat. Tatsache ist aber, dass die Talente und Begabungen von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern oder von Kindern mit Migrationsgeschichte oft nicht wahrgenommen und gefördert werden. Hier kann die Karg-Stiftung doch unterstützend tätig werden. Ich finde das gut!
Ich selbst arbeite in einer Kita (wahrscheinlich tun Sie das nicht?), weiß also wovon ich rede und ich versuche zumindest in meinem sehr stressigen Arbeitsalltag, der oft auch geprägt ist von Mangel an Zeit und Ressourcen, jedes Kind so zu sehen und zu fördern, wie es ist.

Kasselerin
2 Monate zuvor

Ich wäre schon froh, wenn mein Kind überhaupt einen Kitaplatz bekäme… Fürs Erkennen und Fördern von Fähigkeiten sind wir Eltern zuständig.