Verfassungsschutz: Illegale Schule in Erlangen wurde von Reichsbürgern betrieben

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ERLANGEN. Der Verfassungsschutz sieht bei dem von den Behörden geschlossenen Schulprojekt auf einem Anwesen bei Erlangen Verbindungen in die Reichsbürgerszene. Es gehe um eine «einstellige Zahl an Personen», teilte das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz am Donnerstag mit. Die seien «in der Vergangenheit mehrfach mit diversen Schreiben und verbalen Äußerungen im typischen Reichsbürgerduktus aufgefallen.»

Wie viele der an dem Schulprojekt Beteiligten der Ideologie anhängen, war den Informationen zufolge zunächst unklar. Noch geprüft wird, ob die Reichsbürgerideologie auch Thema im «Schulbetrieb» war. Die Behörden waren im vergangenen Herbst auf die Vorgänge auf dem Anwesen bei Erlangen-Eltersdorf aufmerksam geworden. Bei einer Durchsuchung vor zwei Wochen fanden sie 15 schulpflichtige Kinder und Jugendliche vor. Der Verfassungsschutz hatte bereits vorher von den Reichsbürgerbezügen gewusst.

Weil man davon ausging, wahrscheinlich auf Leute aus der Reichsbürgerszene zu treffen, wurden laut der Stadt Erlangen «insbesondere zur Eigensicherung» Spezialkräfte vom Unterstützungskommando (USK) Mittelfranken herangezogen.

Laut Bundesinnenministerium treten Reichsbürger gerade gegenüber Amtsträgern häufig sehr aggressiv auf und wenden mitunter Gewalt an. Mit Blick auf Erlangen teilte der bayerische Verfassungsschutz mit: «Gewaltbezüge konnten bisher nicht festgestellt werden.» Die Szene der Reichsbürger ist heterogen. Sie eint, dass sie die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen. Bei den Beteiligten in Erlangen sind laut Verfassungsschutz keine Bezüge zu überregionalen Strukturen erkennbar. News4teachers / mit Material der dpa

Behörde hebt mit Polizeiunterstützung illegale Schule mit 15 Kindern aus

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Lehrer mit Seele
5 Monate zuvor

Ich werde mich jetzt hier mal ganz böse in die Kampfzone werfen:

Auch wenn ich mich nicht als Querdenker bezeichnen würde, ist die politische Einstellung der Erwachsenen hier absolut irrelevant.
Natürlich haben wir eine Schul- und Präsenzpflicht, allerdings sehe ich diese allgemein kritisch (wenn jetzt sogar schon staatliche Schulen für kranke Kinder demontiert werden – erst Recht), aber wenn es etwas zu kritisieren gäbe, dann sollte man doch bitte gucken, ob wenigstens versucht wurde mit dem regulären Schulstoff zu arbeiten und ob man versucht hat die Kinder vor Ansteckung zu schützen.

Fast alle hier kritisieren den schulpolitischen Kurs, der jeweiligen Landesregierung. Auch ich.

Und jetzt stellt sich die Frage „Was ist ein Querdenker

Jemand, der seine Kinder nicht in dieses Seuchenloch schickt, ist aus meiner Sicht nicht per se ein Schaden für die Kinder, jemand, der allerdings ein Kind nutzt, um eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, würde ich anders bewerten.

Ich bitte hier alle, solange die Sachlage nicht geklärt ist, insbesondere im Sinne der Kinder sehr vorsichtig mit solchen pauschalisierend wirkenden Aussagen zu sein.

Abschließend: Ich kenne weder die Personen, noch die Schule. Ich weise lediglich darauf hin, dass die Sachlage für eine Bewertung nicht ausreicht. Und es sind Kinder, bitte vergesst das alle nicht.

Dominik
4 Monate zuvor
Antwortet  Lehrer mit Seele

Ehrlich, erwarten Sie bei Reichsbürgern, die den Staat ablehnen, eine Haltung, Kinder vor Corona schützen zu wollen? Das ist absurd.

Übrigens: Sie als Lehrer sollten verstehen, warum nicht jeder Hinz und Kunz einfach so eine Schule eröffnen darf. Wer eine alternative, private Schule eröffnen möchte, hat genug Optionen, das offiziell zu machen, wenn man die Gesetze (und vor allem das Grundgesetz) akzeptiert und achtet. Es wird einen Grund haben, warum die das heimlich taten. Bitte veranstalten Sie hier keine Täter-Opfer-Umkehr.

Ich bin übrigens immer für Home Schooling. Aber auch das muss staatlich überwacht werden können.

Pälzer
5 Monate zuvor

„treten Reichsbürger gerade gegenüber Amtsträgern häufig sehr aggressiv auf und wenden mitunter Gewalt an. “
Hm, diese Berichterstattung hier legt großen Wert darauf, die Betroffenen möglichst weitgehend in die Nähe von Gewalttätern zu rücken. Nun heißt es in den wenigen Berichten über die Schulschließung, es seien über 30 schwerbewaffnete KSK-Polizisten dabei gewesen, sie hätten die Tür eingerammt, Kinder und Betreuer vier Stunden festgehalten und verhört und sich insgesamt sehr bedrohend verhalten. (z.B. reitschuster.de) Gibt es hier irgendetwas zu vertuschen, zu rechtfertigen oder zu überdecken?

Unerträglich
5 Monate zuvor
Antwortet  Pälzer

Reitschuster lügt wenn er den Mund aufmacht. Das kann man doch nicht ernsthaft als Quelle hier anführen.