Home Kita Tarif-Einigung: Mehr Geld und freie Tage für Kita-Fachkräfte – Werneke: „Zwischenschritt“

Tarif-Einigung: Mehr Geld und freie Tage für Kita-Fachkräfte – Werneke: „Zwischenschritt“

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BERLIN. Am Ende stand sie doch, die langersehnte Einigung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern: Nach einem zwölfstündigen Sitzungsmarathon verständigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber auf einen Kompromiss, mit dem offenbar alle gut leben können. Für rund 330.000 kommunale Beschäftigte in Deutschlands kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst soll es künftig mehr Entlastung im Arbeitsalltag und auch mehr Geld geben. Angedrohte weitere Streiks sind damit vom Tisch. 

«Gegen die erheblichen Widerstände der kommunalen Arbeitgeber“: Verdi-Chef Frank Werneke. Foto: Verdi / Kay Herschelmann

Der langersehnte Durchbruch ist geschafft: Kommunale Kita-Erziehungskräfte und andere Beschäftigte in sozialen Berufen dürfen sich schon sehr bald auf mehr Geld und zusätzliche Freizeit freuen. Die Erleichterung über den Kompromiss, den die Gewerkschaft Verdi und der Beamtenbund dbb mit den kommunalen Arbeitgebern gefunden haben, ist auf allen Seiten groß. Nach zwölfstündigen Verhandlungen hatten sich die Tarifpartner am späten Mittwochabend auf zusätzliche Erholungstage und monatliche Zulagen für die rund 330.000 Beschäftigten im kommunalen öffentlichen Sozial-und Erziehungsdienst geeinigt.

Mit dem Durchbruch, der zunächst als unwahrscheinlich galt, wurden weitere Warnstreiks im kommunalen öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst vorerst abgewendet. Verdi will seine Mitglieder bis Juni noch über die Tarifeinigung entscheiden lassen. Den Angaben zufolge gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Vertrag angenommen wird.

«Mit diesem Abschluss haben wir das Berufsfeld aufgewertet, das werden die Kolleginnen und Kollegen direkt im Geldbeutel spüren»

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Beschäftigten zunächst pro Jahr pauschal zwei zusätzliche freie Tage erhalten. Sie sollen künftig außerdem die Option bekommen, einen Teil ihrer Einkünfte in maximal zwei weitere Entlastungstage umzuwandeln. Damit wären jährlich bis zu vier zusätzliche Erholungstage für die Beschäftigten drin. Die Option, Geld in freie Tage umzuwandeln, bezieht sich konkret auf eine neue Zulage, die die Beschäftigten ab Juli erhalten sollen: Neben den zusätzlichen freien Tagen bekommen Erzieherinnen und Erzieher im kommunalen öffentlichen Dienst dann monatlich 130 Euro mehr. Für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gibt es ebenfalls ab Juli 180 Euro zusätzlich.

Darüber hinaus sieht die Vereinbarung vor, dass die Berufserfahrung im Sozial- und Erziehungsdienst künftig genauso honoriert werden soll wie bei den übrigen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Deshalb sollen die Gehälter der Beschäftigten künftig schneller steigen als bisher. Die Zeit, die ein Mitarbeiter in einer Gehaltsstufe bleibt, bis er aufsteigen kann, werden dafür zum 1. Oktober 2024 an die allgemeinen Stufen im öffentlichen Dienst angepasst. Das Tarifergebnis hat eine Laufzeit von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2026.

Von der neuen Vereinbarung profitieren Beschäftigte in allen Bundesländern – außer in Berlin. In der Hauptstadt haben nach Verdi-Angaben andere Tarifregelungen Vorrang. Die Gewerkschaften gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse auch auf Beschäftigte anderer Bereiche «ausstrahlen» dürften.

«Das ist den Kolleginnen und Kollegen in den Sozial- und Erziehungsdiensten zu verdanken, die in den vergangenen Tagen und Wochen gekämpft und gestreikt haben», sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke am Mittwochabend. Die Einigung sei «gegen die erheblichen Widerstände der kommunalen Arbeitgeber gelungen». Er betonte, dass es sich nur um einen «Zwischenschritt» handele , der aber durchaus maßgeblich sei, «um die Berufe im Sozial- und Erziehungswesen attraktiver zu machen und wirksam gegen Fachkräftemangel vorzugehen.»

Dbb-Verhandlungsführer Andreas Hemsing sprach von einer «gesellschaftlichen Notwendigkeit». Die Gewerkschaften würden seit Jahren eine Entlastung der Beschäftigten in sozialen Berufen fordern. «Mit diesem Abschluss haben wir das Berufsfeld aufgewertet, das werden die Kolleginnen und Kollegen direkt im Geldbeutel spüren.»

Aus regionalen Verbänden und Vereinigungen wie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angehört, gab es am Donnerstag Zuspruch für die Verhandlungsführer in Berlin und Potsdam. «Die Gewerkschaften haben mit dem Tarifabschluss wichtige Schritte zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe erreicht», sagte GEW-Tarifexperte Daniel Merbitz.

«In den kommenden Jahren müssen weitere substanzielle Anstrengungen und Verbesserungen auf allen Ebenen folgen»

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE erklärte: «Das nach schwierigen Verhandlungen erreichte Ergebnis schafft Verbesserungen in zwei wesentlichen Punkten: Bei der mehr als notwendigen Entlastung der pädagogischen Fachkräfte in den Kitas und den Einrichtungen der Sozialen Arbeit sowie bei der überfälligen finanziellen Aufwertung ihrer Arbeit. Die erzielte Besserstellung ist ein wichtiger Einstieg in die richtige Richtung, der auch mit Blick auf den eklatanten Fachkräftemangel in diesem Bereich und die zwingend erforderliche Erhöhung der Attraktivität des Berufsbildes ein sichtbares Zeichen ist. Gleichfalls, – dass ist auch klar – müssen in den kommenden Jahren weitere substanzielle Anstrengungen und Verbesserungen auf allen Ebenen folgen.»

Beckmann weiter: «Die Beschäftigen in den Kitas und sozialen Einrichtungen arbeiten seit Jahren mit einer dramatischen Personalunterdeckung. Ihre Arbeitsbelastung ist de facto viel zu hoch. Die jüngst vom VBE mit herausgegebene DKLK-Studie 2022 hat offengelegt: In puncto Gesundheit und Gesundheitsprävention ist der Bedarf der Beschäftigten enorm, der Zugang zu adäquaten Angeboten in diesem Bereich ist aber verschwindend gering. Dass die Beschäftigten in den kommunalen Einrichtungen nunmehr bis zu vier Entlastungstage pro Kalenderjahr erhalten, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dieser muss flankiert werden durch weitere nachhaltige Maßnahmen für den Gesundheitsschutz.»

Die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge, bezeichnete das Ergebnis als «Herausforderung für die kommunalen Arbeitgeber». Die VKA geht davon aus, dass sich allein durch die neuen Zulagen die Personalkosten der kommunalen Arbeitgeber um jährlich rund 3,7 Prozent erhöhen werden. Dennoch äußerte sich Welge erleichtert über den Abschluss. Er sei «ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir die oft herausragende Leistung unserer Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch eine faire und wertschätzende Vergütung würdigen», sagte Welge.

Auf die nun erzielte Einigung hatten die Gewerkschaften wochenlang hingearbeitet. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden im Februar und März hatten sich die Tarifpartner am Montag erneut an einen Tisch gesetzt. Am Dienstagnachmittag waren die Gespräche aus logistischen Gründen von Potsdam nach Berlin verlegt worden. Sie sollten eigentlich schon am Mittwochnachmittag enden – zogen sich aber noch für mehrere Stunden bis in den späten Abend. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, es habe auch am letzten Tag noch viel Gesprächsbedarf gegeben.

Die nächsten regulären Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst stehen im Januar 2023 an. Die kommunalen Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst können dann auf weitere Verbesserungen hoffen. News4teachers / mit Material der dpa

Tarifstreit: Arbeitgeber lehnen pauschale Höhergruppierung von Kita-Fachkräften ab

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Georg
1 Monat zuvor

130€ mehr und zwei freie Tage dürften in der Summe weniger als die aktuelle Inflation sein.

Ann21
1 Monat zuvor

 only4you.site

Krempe
1 Monat zuvor

Leider ist die Einigung mal wieder ein absoluter Witz und man kann nur hoffen, dass die Gewerkschaftsmitglieder dem Ergebnis nicht zustimmen. von den 130/180 Euro und den 70 Euro für Ausbilder bleibt nach Steuern kaum noch was übrig. sich für 5 Jahre auf so etwas einzulassen wäre in der derzeitigen Situation mit extremer Inflation und immer weiter steigendem Fachkräftemangel eine ziemlich dumme Entscheidung. Wir haben derzeit die Möglichkeit Forderungen durchzusetzten, die uns wenigstens nicht schlechter dastehen lassen als vor einem Jahr und vielleicht wirklich etwas verändern, aber nur wenn durchgehalten wird.

Realist
1 Monat zuvor

„Das Tarifergebnis hat eine Laufzeit von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2026.“

In der heutigen Zeit, bei 8 Prozent Inflation, mit steigender Tendenz, dieses Ergebnis als „Erfolg“ zu verkaufen? Dass sich Verdi und dbb überhaupt mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit trauen, ist schon erstaunlich. Die sollten sich schämen und hoffen, dass nicht auch noch das letzte Mitglied aus diesen offensichtlich für Tarifverhandlungen unfähigen Vereinigungen austritt.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Sehe ich auch so. Der Abschluss dürfte in der Größenordnung von 5% liegen. Verteilt über die 4,5 Jahre sind das lächerliche 1% pro Jahr, wenn man mehr oder weniger vereinfachend linear runterrechnet. Bei einer aktuellen Inflation von 7-8% ist das ein Hohn, aber auch vor dem Krieg in der Ukraine mit einer Inflation von deutlich mehr als 2-3% kaum mehr als ein schlechter Witz.

Einen Abschluss in der vereinbarten Höhe und Dauer aber zzgl. Inflationsausgleich fände ich angemessen. Alleine für dieses Jahr wären das also +8-10%. Noch fairer allerdings eine Kompensation der inflationsedingten Einkommensverlust aus den vergangenen mindestens 10 Jahren.

Last edited 1 Monat zuvor by Georg
Angelika
1 Monat zuvor

Im Internet können die Gewerkschafter nachlesen, wie enttäuscht und/oder wütend die Basis über das Ergebnis ist. Was das Finanzielle angeht, kann ich das gut verstehen. Wegen der besseren Arbeitsbedingungen durch kleinere Gruppen und größere Räume und Außengelände sind allerdings die Länderparlamente zuständig.

Wibke
1 Monat zuvor

Den Mehrwert dieser Einigung suche ich auch vergeblich. Pädagogische Fachkräfte stehen unter einer enormen Arbeitsbelastung weil die Personaldecke in den Kitas unzureichend ist – und zwar flächendeckend. Dies hat u.a. damit zu tun, dass Abwesenheitszeiten von pädagogischen Fachkräften (Krankheitstage, Urlaubstage, Fortbildungstage und Vor- und Nachbereitungszeiten ) keine Berücksichtigung in der Berechung der tatsächlich benötigten Fachkraftstunden finden. Vereinfacht gesagt: In den Kitas muss immer einer jemanden vertreten. Vor- und Nachbereitungszeiten werden von vielen EuE ehrenamtlich genommen: heißt am Wochenende werden dann Portfolios angefertigt, Aktionen und Projekte mit Kindern geplant und.v.m.
Vor diesem Hintergrund bezweifle ich, dass zusätzliche Urlaubstage eine tatsächliche Entlastung bringen, da das eigentliche Problem der schlechten Arbeitsbedingungen nicht gelöst ist. Die Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne verlassen den Job, weil sie in ihrer täglichen Arbeit unter erheblich Zeitdruck stehen, weil Vor- und Nachbereitungszeiten und Zeiten für den kollegialen Austausch fehlen – während sie gleichzeitig erleben müssen, dass die Anforderungen und die Erwartungen an die pädagogischen Fachkräfte (Inklusion, Partizipation, Qualitätsentwicklung und Kinderschutz) immer weiter steigen.
Daneben erleben sie die Versprechungen der Politik an die Eltern: bedarfsgerechte Öffnungszeiten, Beitragsfreiheit und Platzgarantien für immer jüngere Kinder – fragt sich, wie das ganze finanziert werden soll . Und genau hier stellt sich doch die Frage der Wertschätzung: Wieviel ist denn Eltern und Politik eine qualitativ gute Kinderbetreuung wert? Wenn pädagogische Fachkräfte für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen kämpfen, kommt das den Kindern zugute, die einen erheblichen Teil ihres Tages in Kitas verbringen und das Recht auf eine gute Betreuung und Bildung haben. Leute wacht auf: Wir haben einen eklatanten Fachkräftemangel und es sind die gut ausgebildeten Fachkräfte, die gerade aus dem System flüchten.

Erika
1 Monat zuvor
Antwortet  Wibke

Du sprichst mir aus dem Herzen. Alles auf den Punkt gebracht!!!

Mona
1 Monat zuvor

Ich habe große Zweifel, ob die Kommunen/Träger perspektivisch wirklich noch den aktuellen „Fachkräfte“-Mangel beseitigen wollen.

– Corona und vor allem die Zeit „danach“ zeigt: Den Eltern ist es sehr oft (meistens?) völlig egal, wie gut qualifiziert die EuE sind. Aufbewahren, fertig. Wenn’s nicht klappt: Böse EuE, böse Kommune.

– Die Kommunen wollen für qualifizierte Betreuung konsequenterweise auch nicht mehr angemessen bezahlen, wie man hier sieht. Wenn die zusätzlichen 130€ vor Steuern für die nächsten fünf, sehr wahrscheinlich hochinflationären Jahre das letzte Wort der Arbeitgeber sind, sind letzte Zweifel ausgeräumt. Tragisch für die Kommunen: Sie sitzen im Moment auf der kurzen Seite des Marktes. Die Arbeitskräfte bestimmen den Markt. Noch.

– Die Demarchen der Kommunen/Städtetag schon vor einem halben Jahr und reflexhaft gleich nochmal nach Beginn der Ukraine-Krise sind z.B. hier in BW konsequenterweise fast vollständig auf eine Verschlechterung der Betreuung (Aufgabe der Betreuungsschlüssel, Aufweichen der Regeln für Gebäude und Betriebsmittel etc.), vor allem aber auf weniger Qualifikation und mehr kostengünstige Quereinsteiger gerichtet. Und wer hätte das gedacht: Das Land macht begeistert gleich mal mit.

Logische Konsequenz: Die ungeliebten, qualifizierten EuE werden endlich unnötig. Wer jetzt noch diesen eigentlich schönen Beruf ergreift, sollte auf keinen Fall aus finanziellen Gründen darauf angewiesen sein und braucht zudem ein dickes Fell. Und wer den Beruf schon ausübt, sollte sich schleunigst anders orientieren. Ohne diesen Personenkreis herabwürdigen zu wollen: Künftig machen den Job eben kostengünstige Schleckerdamen und MigrantInnen nach einem 2-Wochen-Schnellkurs – Eltern und Träger wollen es so.

Wer es nicht glaubt: In Südbaden haben es die Träger noch viel schwerer als anderswo, Personal zu finden. Das gute Personal wechselt 1000x lieber in die Schweiz. Obwohl deutsche EuE auch mit Anerkennungsjahr dort nur Hilfskräfte und Befehlsempfänger in einem eher unangenehmen sozialen Umfeld werden können.

Wenn du merkst, dass dein Pferd tot ist, steig ab.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Mona

„kostengünstige Schleckerdamen“

Nee, denen war schon 2012 (also lange vor den inflationären Zeiten und der „Betreuungsgarantie“ sowie den ausufernden Versprechungen der Politik) das Arbeiten in der Kita zu schlecht bezahlt und zu stressig:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/nach-pleite-der-drogeriemarktkette-nur-wenige-schlecker-frauen-schulen-zur-erzieherin-um-11911753.html

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Mona

Eigentlich könnte man doch auch noch ein paar Bildungs- und Lerngeräte (hust, röchel) anschaffen und als digitale Baby- und Kleinkindsitter nutzen.

Win-Win. Keinerlei Personalkosten, die Kids sind gezwungen, sich Essen zu bestellen – das lernen sie bestimmt schnell, die Eltern haben keine Kids an der Backe und fertig.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Herzlichen Glückwunsch! Zwei zusätzliche freie Tage. Das ist doch ….. nichts!
Die 130 Euro – pro Woche wäre sicher angemessen. Aber im Monat?
Und dann noch zwei Tage „kaufen“ müssen? Wo sind wir eigentlich? In Absurdistan?

Ich bin Lehrkraft und habe sechs Wochen Sommerferien. Ich brauche jeden einzelnen Tag zum Erholen.

Wie soll da die Lächerlichkeit von zwei zusätzlichen Tagen eine Hilfe sein?!

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Nichts!? …Ein zusätzlicher freier Arbeitstag entspricht einem Bruttolohnwert von rd. 130 €, wenn das Erziehergehalt bei Ø 2.800 € brutto liegt.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Ja, nichts. Weil die dann 260€ pro Jahr den Abschluss auf 150€ im Monat anheben oder über die unverschämt lange Laufzeit verteilt etwa 35€ im Monat reduzieren bei einer aktuellen Inflation von eher 100€ Lohnverlust.

(H)Ampelmännchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Wo ist der Zwang als Erzieher in einer kommunalen KiTa mit Tarif des ÖD schuften zu müssen?

Angelika
9 Tage zuvor

Eine rhetorische Frage. Einen konkreten Arbeitszwang gibt es nicht, in einer kommunalen Kita zu arbeiten. Bei den Kirchen wird etwas weniger verdient, bei privaten Kitas meist wesentlich weniger. Und in Zukunft werden vermutlich weiterhin Städte und Gemienden Kitas an private Träger abgeben, um finanziell besser dazustehen. – Wer als Erzieherin richtig gut verdienen will, sollte sich eine Stelle als Nanny im privaten Haushalt von Spitzenverdienern suchen. So wie Friede Springer zum Beispiel. 😉

Emil
1 Monat zuvor

Es ist schon erstaunlich, wie wenig informiert man hier ist!
Es geht in diesem Tarifstreit Nicht um den „normalen“ Tarifstreit, sondern nur um eine grundsätzliche Einstufungsfrage.

D. H. : Hier wurde entschieden, dass die Erzieher ab sofort grundsätzlich 5% mehr Gehalt bekommen, dazu grundsätzlich zwei zusätzliche freie Tage, dazu grundsätzlich schnelleren Aufstieg in höhere Gehaltsgruppen.

Die „normalen“ Tarifverhandlungen finden Anfang des nächsten Jahres statt, zusammen mit allen anderen kommunalen Angestellten.

Dann streiken unsere Erzieher wieder, gerne auch mehrmals! Wie schon in den letzten Jahren. Mit über 10% Gehaltserhöhung en.

Also, an alle, die hier vor Mitleid überlaufen: lieber erstmal informieren! Die Erzieher sind die Gewinner der Gehaltserhöhung en!

Pflegekräfte dagegen leider nicht. Aber die streiken auch nicht wochenlang. Warum nur???

Marc
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Der Emil wieder, nur halb informiert, aber vollends am hetzen. Also, nun auch für dich, einfach erklärt:

Die zwei Tage frei sind nichts anderes als Arbeitsverdichtung. Sie zählen nicht als regulärer Urlaub und müssen deshalb nicht im Personalschlüssel eingerechnet werden. Ergo müssen die Kollegen das zusätzliche „frei“ der anderen auffangen durch Mehrarbeit und Mehrbelastung. Das bedeutet, bestehendes Personal wird zusätzlich verheizt. Entlastend ist da nichts und AG ist kostenneutral aus dieser Thematik raus.

130€ Brutto pro Monat für eine Vollzeitkraft in einem Beruf, der auf Teilzeitkräfte aufbaut, ist ein Hohn und war von den Kollegen SuE auch nicht gewollt. Wir wollten nicht mehr Geld, sondern ein offizielles Screening- und Evaluationsverfahren, mit dem wir Mehr- und Sonderberlastungen dokumentieren und dem AG/dem Land vorlegen können. Das wurde blockiert – denn sie wissen ganz genau warum.

Leiter und Stellvertreter gehen übrigens leer aus in dieser Runde.

Ausbilder bekommen jetzt einen Pauschalbetrag von 70€ brutto, wenn sie 15% ihrer Arbeitszeit für die Ausbildung von Praktikanten nutzen. Da der AG aber festlegen darf, wie viel Zeit er dem Mentor für seinen Schüler gibt, liegt der Prozentsatz deutlich darunter. Wo er darüber liegt, werden ganz aktuell Ausbildungsverantwortungen auf mehrere Personen umgeschichtet, damit keiner diese Pauschale bekommt. Doch, ein riesiger Zugewinn, Emil.

Neu eingruppiert wird auch niemand. Wir steigen im Stufensystem des TVöD nur schneller auf. Das ist seit Jahren überfällig, da alle anderen Eingruppierungen schneller aufsteigen als wir – das haben wir bereits 2015 bemängelt. Also ist das auch keine „Extrawurst“, sondern Fairness. Zudem beginnt der schnellere Aufstieg erst ab Oktober 2024 (!) und gilt NICHT rückwirkend.

Die Verdi-Mitglieder sind zu recht erzürnt über die Ergebnisse, die als Erfolg verkauft werden, obwohl nichts ausgehandelt wurde, was den Beruf aufwertet und bestehendes Personal entlastet. Da ohne Zustimmung der Mitglieder die Einigung nicht angenommen werden darf, steht das Ergebniss noch gar nicht fest und wird eher abgelehnt.

Also, lieber Emil.
Einmal richtig schlau machen, bevor du hetzt. Darum haben dich schon viele Foristen gebeten!

Last edited 1 Monat zuvor by Marc
Emil
1 Monat zuvor
Antwortet  Marc

Sie sollten das lieber den Erziehern erklären, die sich hier über einen angeblichen normalen Tarifabscuss ü er 5 Jahre beschweren! Das sind diejenigen, die keine Ahnung haben!
Übrigens, Sie reden von wir? Bisher haben Sie sich immer als Grundschullehrer verkauft!?????

Krempe
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Nur um das richtig zu stellen, bisher hat niemand wochenlang gestreikt.
Wenn es um die Anerkennung der immer höher werdenden anforderungen und immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen geht sind 130 euro auf die Gehälter lächerlich. Die geforderte höhere Eingrupierung wäre wenigstens ein Zeichen gewesen. Dem jetzte bereits imensen Mangel an Fachpersonal das länger als 5 jahre in diesem Bereich arbeiten möchte, der sich in den nächsten Jahren noch verfielfachen wird, könnte damit wenigstens finanziell entgegen gewirkt werden.

In keinster Weise sind die 130 Euro grundsätzlich 5% mehr gehalt, ich weiß nicht wie sie auf diesen abstrusen Wert kommen.

Zu ihrem Einwand mit den Pflegekräften, auch diese solten ungemein mehr verdienen, sie haben aber das selbe Problem wie alle sozialen Berufsgruppen, das sie moralisch sehr leicht unter druck gesetzt werden können.( Was auch sehr viel passiert, egal ob bei Pflegekräften, Erziehern, Sozialarbeitern oder anderen sozialen Bereufsgruppen.)

Bedenkt man das der Arbeitgeberverband meinte es müsse 6 Wochen am Stück gestreikt werden um die eigentlichen Forderungen durchzusetzen zeigt das hier einfach darauf gespielt wird, dass diese Berufsgruppen alle zu moralisch angreifbar sind um angemessene Forderungen durchzusetzen. Vergleicht man alles was im Sozialen Bereich und in der Industrie durch z.B. die IGM erreicht wird sieht man die diskrepanz.

Klara
1 Monat zuvor

Das ist doch alles ein Witz! Und diejenigen, die über die Träger nach „Haustarif“ bezahlt werden, schauen mal wieder in die Röhre? War beim Coronabonus schließlich auch so!

Marion
1 Monat zuvor

Ok. 130 Euro und zwei zusätzliche Tage Urlaub nehm ich gern.
Aber ändert sich dadurch grundsätzlich etwas an der generellen Unzufriedenheit in diesem Beruf? Und woher kommt diese Unzufriedenheit?
Resultiert sie aus einer Überforderung, der wir uns angesichts immer höherer Ansprüche, ausgesetzt sehen?
Worin bestehen diese Ansprüche eigentlich?
Wer stellt diese Ansprüche an uns?
Die Eltern? Die Politik? Wir selbst?
Oder entstehen die hohen Anforderungen durch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, auf die man als einzelner gar keinen Einfluß mehr hat? Ich denke dabei an die zunehmende Ökonomisierung des Alltags. An die gestiegenen Ansprüche hinsichtlich eines gewissen Lebensstandarts, den man nicht aufgeben möchte.
Ich kann jetzt nur für mich sprechen, ob andere das auch so sehen weiß ich nicht:
Vielleich werden wir, für das was wir leisten, zu schlecht bezahlt, das mag durchaus sein. Ich persönlich empfinde das nicht so. Ich hatte noch nie das Gefühl zu wenig zu verdienen. Meine Unzufriedenheit resultiert aus ganz anderen Aspekten.
Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten 20 Jahren rasant verändert.
Ich persönlich kann mit diesen Umbrüchen nicht immer mithalten.
Mir ist diese Welt inzwischen oft zu hektisch, zu schnell, zu laut. Diese allgemeine Unruhe überträgt sich natürlich auch auf den Kitaalltag.
Obwohl ich noch vor 15 Jahren wesentlich mehr Kinder zu betreuen hatte, nämlich 25, 26, 27 zusammen mit einer Kinderpflegerin, und wenn die krank war oder frei hatte, auch alleine, empfinde ich die Arbeit heute als wesentlich stressiger und belastender.
Ich stelle fest, das die Kinder sich verändert haben. Sie tun sich viel schwerer damit einfache, allgemein gültige Regeln, zu akzeptieren.
Es ist oft wirklich sehr mühselig, wenn man diese Alltagsregeln imner wieder aufs Neue erklären und durchsetzen muß, obwohl sie eigentlich jeder längst kennen müßte.
Die Frustrationstoleranz vieler Kinder ist sehr gering. Es wird wegen Nichtigkeiten sofort geschrien, geweint oder getobt. Oft erschrickt man, weil man denkt einem Kind müßte irgendetwas Schreckliches zugestoßen sein, dabei hat nur jemand etwas gesagt, was dem anderen nicht gefallen hat.
Für die Lösung allerkleinster Konflikte oder den Umgang mit minimalen Abweichungen vom Gewohnten brauchen sie die Hilfe eines Erwachsenen. Die Bereitschaft sich selbst um eine Lösung zu bemühen ist enorm gesunken.
All das führt dazu, daß schon das ganz normale „Alltagsgeschäft“ im Kiga immer belastender wird und schwieriger zu bewältigen ist.
Hinzukommt, daß gewisse Basisfertigkeiten, die Kinder früher „automatisch“ gelernt haben, heute mühsam antrainiert werden müssen. Z.B. einen Stift richtig zu halten – das haben sich die Kinder früher im Laufe der Zeit abgeschaut. Wenn sie Vorschulkinder waren, hatten sie sich eine korrekte Stifthaltung angewöhnt, ohne daß ihnen das vorher groß beigebracht worden wäre. Heute habe ich immer mehr Vorschulkinder, denen ich erst zeigen muß, wie man einen Stift richtig hält. Ob das daran liegt, daß Kinder nur noch selten Erwachsene mit einem Stift arbeiten sehen, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, daß viele Basisfertigkeiten, die früher noch ganz selbstverständlich erworben wurden, heute, meist vom Kita – Personal, mit den Kindern eingeübt werden müssen.
Die Tendenz geht immer mehr dahin, daß Kinder allgemeine Lebenskompetenzen nicht mehr von den Eltern vermittelt bekommen, sondern daß sich dabei komplett auf den Kindergarten verlassen wird. Was ja auch kein Wunder ist, verbringen ja nicht wenige Kinder unter der Woche dort fast genauso viel Zeit wie zu Hause.
Dazu kommt, daß der Wert familiärer Erziehungsarbeit geringgeschätzt wird, während man von Seiten der Politik und der Wirtschaft die Dringlichkeit der frühen Bildung durch öffentliche Betreuungseinrichtungen propagiert.
Aber es ist schlicht nicht wahr, daß Kinder irgendetwas versäumen, wenn sie vielleicht erst mit drei oder vier Jahren einen Kiga besuchen.
Kein Kind BRAUCHT für eine gesunde Entwicklung unbedingt eine Krippe.
Die Eltern und die Arbeitgeber BRAUCHEN Krippenplätze, damit die Kinder betreut sind, während die Eltern arbeiten. Die vollmundigen Versprechungen diverser Familien – und Bildungsminister, wie sehr schon die Jüngsten sozial und kognitiv von Krippe und Kindergarten profitieren würden, haben die Erwartungen von Eltern der Kita gegenüber enorm geschürt.
Manchmal drängt sich mir der Eindruck auf, mit dem Eintritt in die Kita gibt man die Verantwortung dafür, daß „das Kind etwas lernt,“ an die Erzieher ab.
Diese Erwartungshaltung, gepaart mit Personalmangel und schlechten Arbeitsbedingungen – und, vor allem während der Pandemie, miserablem Gesundheitsschutz, haben zur Entwicklung großer Unzufriedenheit unter den Erzieherinnen beigetragen.
Es passt so vieles nicht mehr zusammen: Einerseits wird von uns verlangt, den Kindern größtmögliche individuelle Förderung zuteil werden zu lassen, auf jedes einzelne Kind, seinen Bedürfnissen entsprechend, einzugehen, jedem sein eigenes Tempo zu lassen und nur ja niemanden zu irgendwas zu zwingen, dabei immer geduldig selbst die absonderlichsten Marotten, verständnisvoll zu akzeptieren.
Andererseits aber ist es ok, ein weinendes, übermüdetes oder krankes Kleinkind morgens der Erzieherin zu übergeben.
Es ist ok, sein Kind täglich von 8.30 bis 15 Uhr oder länger in den Kindergarten zu bringen, obwohl man mit dem jüngeren Geschwisterkind noch in Elternzeit ist. Und nein – das ist kein Einzelfall.
Das kommt imner häufiger vor, weil Eltern tatsächlich glauben, ihr Kind würde etwas versäumen oder weil sie schlicht überfordert sind, zwei Kinder gleichzeitig zu berteuen oder weil sonst keine Spielpartner für das Kind zur Verfügung stehen, weil ja alle in der Kita sind.
Aber sorry, ich finde das nicht mehr normal. Ich finde es nicht normal, daß Kinder geboren werden um dann schnellstmöglich ganztägig in Institutionen gesteckt zu werden, wo sie in Massen betreut werden und schon im Krippenalter lernen, daß man um die Aufmerksamkeit der erwachsenen Bezugsperson kämpfen muß.
Wo sie immer von Zäunen umgeben sind, abgeschnitten vom Rest der Welt, in einer extra für sie aufbereiteten Kinderwelt unter den wachsamen Augen ihrer Erzieherinnen.
Wo sie nichts mehr erfahren, von der Erwachsenenwelt, weil Erwachsene in ihren Büros vor ihren Computern hocken und einem Beruf nachgehen, den man Kindern irgendwie gar nicht mehr richtig erklären kann.
Wir bringen ihnen Lieder bei, vom Bauern, vom Müller und vom Bäcker, obwohl es in ihrer Umgebung gar keine Bauern, geschweige denn Müller gibt.
Bäckereien gibt es auch keine richtigen mehr. Dafür Backfilialen von irgendwelchen Großbäckereien.
Wir koppeln uns selbst und unsere Kinder total ab von dem, was Leben eigentlich ausmacht. Wir verlieren völlig die Verbindung zu natürlichen Zusammenhängen, die doch eigentlich unsere Lebensgrundlage sind und schneiden auch unsere Kinder davon ab und das allein deshalb, weil wir glauben, unseren geheiligten „Wohlstand“ nur mit noch mehr Arbeit, noch mehr Gewinn, noch mehr technischem „Fortschritt“ und Digitalisierung gewährleisten zu können. Vor lauter Arbeit und Kampf um Erhaltung unseres Lebensstandarts, auf den wir keinesfalls verzichten wollen, merken viele gar nicht, daß Kinder dabei nur noch im Weg sind. Was macht es eigentlich mit denen, wenn sie mitkriegen, das sie ständig irgendwie wegorganisiert werden müssen, damit der „Familien“alltag funktioniert? Während der Pandemie wurde das besonders deutlich: Weil die Kinder eben nicht mehr so einfach „wegorganisiert“ werden konnte, waren viele Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die schnelle Öffnung der Kitas wurde verlangt, egal ob Pandemie war oder nicht. Ich finde, das sagt eine Menge über unsere Gesellschaft aus.
So, das war jetzt sehr weit ausgeholt, aber manchmal geht es halt mit mir durch, weil ich die Rufe nach mehr Geld und „Anerkennung“ und mehr Bildung usw. nicht mehr hören kann. Wir haben viel tiefer liegende Probleme, und wenn wir das nicht erkennen, wird sich auch nichts wesentlich verbessern.

Sapperlot
1 Monat zuvor

Wow, herzlichen Dank für die zwei zusätzlichen freien Tage, die dann die eh komplett überlasteten Kolleginnen auffangen dürfen. Ich weiß jetzt wirklich nicht so genau was das zur Entlastung beitragen soll???

(H)Ampelmännchen
1 Monat zuvor
Antwortet  Sapperlot

Entlastung wäre für die Minderstunden der zwei freien Tage dann auch die 2.774 *) zusätzlich erforderlichen Erzieher beizubringen, um den KiTa-Laden offen halten zu können.
.
(*Vorausgesetzt die 330.000 wären allesamt Vollzeit; mit Teilzeitberücksichtigung sind weitaus mehr Stellen zusätzlich zu besetzen oder Betreuungszeiten zu kürzen)
Hat was wie mit den zusätzlichen Stühlen in die Klasse stellen…

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