Dramatische Rettung von mehr als 100 Schülern und Lehrern aus Bergnot

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MITTELBERG. Eine angebliche «klassische Feierabendrunde» in den österreichischen Alpen verwandelt sich in einen riskanten Alptraum. 99 Schüler und 8 Lehrer aus dem Raum Ludwigshafen geraten in Bergnot. Dabei spielt das Internet eine Rolle. Die Rettung kommt aus der Luft.

Manche der Wander- und Kletterrouten rund ums Kleinwalsertal sind für Schülergruppen denkbar ungeeignet. Foto: Shutterstock

Hubschrauber und Bergrettung haben im österreichischen Kleinwalsertal mehr als 100 in Bergnot geratene Schüler und Lehrer aus Deutschland gerettet. Die 99 Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren und 8 Lehrer aus dem Raum Ludwigshafen waren am Dienstag auf einer für ihre Ausrüstung und Fähigkeiten zu schwierigen Route unterwegs, wie die Polizei Vorarlberg in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Die Lehrer eines Gymnasiums in Maxdorf hätten die Route aufgrund von irreführenden Informationen aus dem Internet ausgesucht.

Im Netz sei die Route als «klassische Feierabendrunde» beschrieben worden, erklärte die Polizei. «Tatsächlich ist der schmale Heuberggrat ein teilweise ausgesetzter Weg mit Kletterpassagen, der Schwindelfreiheit, Trittsicherheit sowie Erfahrung im alpinen Gelände erfordert.» Zudem sei der Boden nass und rutschig gewesen. Nach anfänglichem Sonnenschein habe bei der Bergwanderung Regen eingesetzt.

Als sich ein Teil der Gruppe zum Umkehren entschied, rutschten zwei Schüler ab und verletzten sich leicht. Da einzelne Jugendliche in Panik gerieten, setzten die Lehrer einen Notruf ab. Laut Polizei wurden etwa 70 Mitglieder der Gruppe von zwei Hubschraubern mit Seilen geborgen, die anderen stiegen von Bergrettern begleitet ab. Neben den zwei Leichtverletzten waren mehrere Schüler «erschöpft, unterkühlt, durchnässt und völlig aufgelöst», wie die Polizei weiter mitteilte. Die Rettungsaktion dauerte rund drei Stunden.

Der Bürgermeister von Mittelberg, Andi Haid, kritisierte im Gespräch den Autor des Interneteintrags. Es gebe immer häufiger solche «äußerst verantwortungslosen Interneteinträge, die zu lebensbedrohlichen Situationen führen». Der Fall werde nach Abschluss der Erhebungen der Staatsanwaltschaft Feldkirch zur strafrechtlichen Beurteilung übermittelt, hieß es. Die Route ist laut Haid nicht mehr als offizieller Wanderweg ausgeschildert, weil es dort in der Vergangenheit schon Probleme gegeben habe.

Allein der Einsatz der beiden Helikopter hat Tausende Euro gekostet. Die werden «in Rechnung gestellt»

Der Sprecher der Bergrettung Vorarlberg, Klaus Drexel, konnte sich im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA an kein ähnliches Vorkommnis in der jüngeren Vergangenheit erinnern. Währenddessen sei es aber schon zu mehreren Rettungsaktionen gekommen, weil sich Menschen auf irgendwelche Apps verlassen hätten.

Die von den beiden Helikoptern geretteten rund 70 Bergwanderer waren laut Drexel nacheinander in Dreiergruppen in der Luft: «Man kann sich ausrechnen, wie oft geflogen werden musste.» Ein Sprecher der Polizei Vorarlberg sagte, alleine der Einsatz der beiden Helikopter habe Tausende Euro gekostet. Die würden in Deutschland «in Rechnung gestellt».

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier teilte als Schulaufsicht mit, «dass wir natürlich alle sehr erleichtert sind, dass es den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften soweit gut geht. Die Fahrt soll fortgesetzt werden und endet dann regulär am 10.06.2022.» Einige Schüler hätten das Angebot psychologischer Betreuung genutzt. Alle Mädchen und Jungen seien zum Kontakt mit ihren Eltern aufgefordert worden. News4teachers / mit Material der dpa

Berlin, Breitscheidplatz: Auto fährt in Menschenmenge – Lehrerin stirbt, viele Schüler verletzt

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Mona
2 Monate zuvor
Konsequenzen?
2 Monate zuvor
Antwortet  Mona

T4 = der TERACODE!

Lehrstoff der 5. Klasse in Erdkunde.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Mona

Das ist die Sicht eines geübten Tourengängers!!! Man sollte das schon einordnen können.

dauerlüfterin
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Da steht doch, dass man sich durch Buschwerk quälen muss, der Weg längere Zeit an der Kante vorbeiführt und dass Kletterausrüstung benötigt wird.
M.E. waren die planenden KuK bar jeder Bergerfahrung.

Realist
2 Monate zuvor

Die Kollegen haben in der Vorbereitung die Wanderung offensichtlich falsch eingeschätzt, aber letztendlich durch die rechtzeitige Alarmierung der Bergrettung richtig gehandelt. Fehler kann jeder machen, diese frühzeitig zu korrigieren bevor Schlimmeres passiert ist das Wesentliche. Insofern hätten diese Kollegen Respekt verdient.

Hirschlgruber
2 Monate zuvor

Für mich als Kollege und Vater grenzt der Berichterstattung nach das Verhalten der organisierenden Lehrer an grober Fahrlässigkeit. Die Route wurde rein über das Internet recherchiert. Hat niemand der Kollegen die Route zuvor ausprobiert?
In anderen Medien wird noch berichtet, dass Schüler teilweise nicht das passende Schuhwerk dabei hatten. Wie kann es dann sein, dass man sich nicht rechtzeitig den Irrtum eingestanden hat und die Wanderung abbrach? Alleine der Menschenverstand sollte hierfür eigentlich ausreichen?!
Einem meiner Kinder erging es ähnlich, ein Lehrer bereitete eine Klassen-Wanderung nur per Routenplaner vor. Glücklicherweise bestand keine Gefahr, doch der Lehrer ließ sich durch mein ortskundiges Kind nicht davon abbringen, statt eines geeigneteren -nicht in Googlemaps kartierten Weges-, weiterhin voll auf sein Handy zu vertrauen.
Wie ist es möglich, dass man solchen hirnnutzungsverweigernden Handyzombies Kinder anvertraut?

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

„Hat niemand der Kollegen die Route zuvor ausprobiert?“

Wann wollen Sie die Router ausprobieren? Während der Fahrt? Da ist die Personallage schön dünn kalkuliert: 8 Personen für 100 pubertierende Teenager, da kann keiner einen Tag wegbleiben um die Route „auszuprobieren“. Mehr Personal einsetzen? Dann fällt noch mehr Unterricht aus und die restliche Elternschaft beschwert sich.

Den Kollegen vorher alleine schon einmal vorfahren lassen? Unterrichtsausfall (s.o.), ist ja schließlich eine dienstliche Tätigkeit, und wer zahlt das? Die Eltern der teilnehmenden Schüler? Die werden sich weigern. Der Steuerzahler? Dann heult der Bund der Steuerzahler auf („Kostenloser Urlaub für Lehrkräfte“).

Also bliebe nur: Gar nicht es wegfahren. Keine Klassenfahrten. Dann sind kann nichts passieren und es gibt keine Beschwerden.

Hirschlgruber
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Sehr geehrter Realist,

bei einer „normalen“ Wanderung während einer Klassenfahrt kann ich verstehen, dass diese nicht unbedingt vorher ausprobiert werden muss, wenn ich es auch aus eigener Erfahrung dringend empfehle.
Wer aber eine Route wählt, die so extrem steil ist, dass Kinder bei Nässe abrutschen, hätte viel früher kehrt machen sollen. Welche der Betreuungspersonen hatte zuvor Erfahrungen in solchem Gelände? Aufgrund der beschriebenen Rettungsmaßnahmen gehe ich davon aus, dass keiner der Betreuer zuvor Erfahrungen in ähnlichem Gebiet gesammelt hatte. Dann aber mit 100 Kindern in eine solche Gegend zu reisen und die Gesundheit der Kinder riskieren, halte ich für grob fahrlässig.
Natürlich haben Sie recht, dass die Vorbereitung Arbeitszeit ist und die Kosten der Lehrkraft ersetzt werden sollten. Mich ärgert dieser Punkt auch, doch entschuldigt es nicht den Sachverhalt, dass sich die Kollegen mangelhaft vorbereitet hatten und zu spät umkehrten.
Statt plakativ „gar nicht wegfahren“ zu fordern, kann man auch etwas kreativer an die Vorbereitung gehen oder Ziele auswählen, die zumindest ein Kollege schon kennt. So bin ich bisher immer gut gefahren. Schullandheimvorbereitungen lassen sich beispielsweise auch mit einem Familienausflug kombinieren. Auch gab es in jeder Jugendherberge, in der ich bisher war, erfahrene Hausleitungen, die Wandervorschläge parat hatten. Auch Tourist-Informationen sind hilfreich und kompetent.

Mir als Süddeutscher würde es beispielsweise nie in den Sinn kommen, ohne erfahrenen Führer eine Wattwanderung zu machen, da ich die Gegebenheiten nicht kenne und mir die Erfahrung fehlt. Ein Bergführer hätte die Ludwigshafener Gruppe vor so einer Fehleinschätzung bewahrt.

Weshalb dann auf irgendeinen Interneteintrag verlassen?

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

„Statt plakativ „gar nicht wegfahren“ zu fordern,“

Wo wollen Sie denn noch heute ohne Risiko hinfahren? Selbst Städtefahrten sind mittlerweile als gefährlich einzustufen, jedenfalls Großstädte, es sei denn man akzeptiert Amokfahrten als „allgemeines Lebensrisiko“ (was bei Wanderungen ja scheinbar anders gesehen wird…)

Und zum Bergführer: Die arbeiten nicht für umsonst, auch wenn es „für die Kinder“ ist. Sie brauchen mindestens einen Bergführer für 8 Personen, d.h. noch mal 12 Bergführer zusätzlich, wenn Sie sicher gehen wollen. Die dann jeweils mindestens für einen halben Tag zum Stundensatz von ca. 80 Euro (sind ja in der Regel Freiberufler). Also noch einmal knapp 4000 Euro extra. Erst dann könnten Sie mit gutem Gewissen sich überhaupt einigermaßen „sicher“ in den Bergen bewegen. Das will natürlich keiner zahlen, die Elternschaft, die im Zusammenhang mit der gescheiterten Bergwanderung jetzt „Skandal!“ schreit erst Recht nicht, so sagt die Lebenserfahrung.

Also: Warum überhaupt noch in die Berge fahren, wenn es nicht sicher geht. Eine Runde Flachlandwandern kann man auch auf dem Schulhof.

Forumsleserin
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Was für ein Stress. Mit 100 SchülerInnen wandern. Der Gedanke würde mich schon im Flachland nervös machen.
Bei solchen Massenveranstaltungen bin ich raus. Zu viele SchülerInnen, zu viele KollegInnen.

Pet_Teachers
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Entschuldigung, aber bei dieser Einstellung geht mir die Hutschnur hoch! Die Lehrer sollen also – übrigens in ihrer Freizeit – ein Schullandheim (oder ähnliches) organisieren und dann noch vorher hinfahren, um die Wanderungen auszuprobieren? Ebenfalls in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten, weil es sonst hinterher heißt, sie hätten „fahrlässig“ gehandelt, wenn sie einen Ausflug im Internet recherchieren?! Stellen Sie diese Anforderungen nur an Lehrer oder sollten vielleicht nicht doch auch Ärzte für die Nebenwirkungen eines Medikaments zur Verantwortung gezogen werden, das sie nicht vorher selbst an sich ausprobiert haben?!

Falls Sie den Bericht gelesen haben: Die Lehrer haben richtig reagiert, die Wanderung abgebrochen und die Bergwacht gerufen. Für passendes Schuhwerk sind die Kinder bzw. bei jüngeren Kindern die Eltern verantwortlich. Was Sie allerdings von den Lehrern verlangen, hätte mindestens hellseherische Fähigkeiten bedurft! Es würde mich sehr interessieren, ob Sie bei einem Ausflug in ein anderes Land vorher hinfahren und die Wanderwege, die Ihnen beispielsweise als „Einsteigerweg“ empfohlen werden, vorher nochmal abzulaufen… Ich werde dies jedenfalls nicht tun. Wenn dies die Anforderung ist, dann findet eben kein Schullandheim statt.

Übrigens: Wenn ich auf einen Ausflug gehe, höre ich auch nicht darauf, wenn mir ein Kind sagt, dass es sich hier „ganz toll“ auskennt und mir einen Weg vorschlägt, der nicht auf der von mir verwendeten Karte eingezeichnet ist. Würde ich das nämlich tun und mich dann mit der Klasse verlaufen, stünden garantiert die restlichen Eltern da und würden rechtliche Schritte fordern, weil ich „die Routenführung einem Kind übertragen“ hätte.

Konsequenzen?
2 Monate zuvor
Antwortet  Pet_Teachers

Zuvor haben sie ein warnhinweisschild ignoriert und sind weitergelaufen.

Der Beitrag kam von einem erfahrenen Bergsteiger der t4 angab.

Hirschlgruber
2 Monate zuvor
Antwortet  Pet_Teachers

Sehr geehrter Pet_Teachers,

die Ludwigshafener Gruppe hat sich dem Bericht nach auf einen Interneteintrag verlassen und einen nicht offiziellen Weg ohne Markierung gewählt. Wenn ein Lehrer eine solche Strecke mit Schülern begehen möchte, erwarte ich als Elternteil, dass er sie vorher ausprobiert hat. Ansonsten stehen ihm eine Vielzahl von ausgeschilderten Wanderwegen zur Auswahl.

Sofern man nicht selbst die Route ausprobieren möchte, stehen -wie ich es auch bei „Realist“ bereits kommentiert habe- für solche Strecken erfahrene Bergführer bereit, die man buchen kann. Für eine so große Gruppe wären die zusätzliche Kosten pro Person äußert gering ausgefallen.

Ich weiß nicht, wie sie Ausflüge und Schullandheime planen, doch in meinem Kollegium ist es Standard, dass zumindest ein Lehrer die örtlichen Gegebenheiten aus eigener Erfahrung kennt. Auch aus meiner eigenen Schulzeit kenne ich es nur so, dass ein begleitender Lehrer zumindest Ortskenntnisse besaß.

Bezüglich Ihrer Einschätzung zum Schuhwerk, muss ich ganz klar widersprechen. Wenn Kinder/Jugendliche kein geeignetes Schuhwerk anhaben, kann ich sie nicht mit auf eine entsprechende Wanderung nehmen. Dies sollte eigentlich jedem vernünftigen Menschen klar sein. Sich dann hinter der Formulierung „sind die Eltern verantwortlich“ zu verstecken, zeugt von einer Unreife der Lehrperson.

Natürlich haben sie recht, dass ein Lehrer sich nicht unbedingt auf Schüleräußerungen verlassen darf. Sie schreiben von der „verwendeten Karte“. Googlemaps ist für mich nicht unbedingt eine allzu seriöse Karte. Diese Einschätzung erlaube ich mir, da ich selbst schon Wandertage zuerst mit Googlemaps plante, dann aber die Wege abfuhr und feststellen musste, dass vorgegebene Wege nicht (mehr) vorhanden waren oder es sich um Überlandstraßen handelte. Auch hier gebe ich Ihnen recht: Mich ärgert es auch, dass ich diese Vorbereitungszeit nicht bezahlt bekomme.

Sofern ein Lehrer -wie in meinem Beispiel, auf das sie Bezug genommen haben- keine Ortskenntnis besitzt, sich nur unzureichend mit der Gegend vertraut gemacht hat (Es hätte auch eine Wanderkarte von dieser Gegend gegeben!), sollte er sich vielleicht doch überlegen, ob er nicht den Vorschlag der Kinder in Erwägung ziehen sollte. Er hätte den Vorschlag auch mit seinem Handy abwägen können. Etwas Orientierungssinn sollte eigentlich jeder Lehrer haben. Meinen Sie, Eltern sind zufriedener, wenn ein Lehrer einen Interneteintrag als Rechtfertigung angibt? Mir würde das als Elternteil nicht ausreichen.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Kein einzelner Bergführer übernimmt die Verantwortung für eine Gruppe von über 100 Personen. Da brauchen Sie mindestens 12 Bergführer (bei einem Verhältnis von 1:8)

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Er soll auch nicht die Verantwortung übernehmen (für die Disziplin sind die Lehrer zuständig), sondern einen geeigneten Weg zeigen. Ist das denn so schwer? Mit hundert Schülern, davon etliche ohne festes Schuhwerk, kann ich keine Experimente eingehen.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Verlässt sich ein L. auf den nicht überprüfbaren Wege-Tipp eines S. und weicht von seinem Tourplan ab und die Sache geht schief, was könnte man dem L. vorhalten?

Hirschlgruber
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Sehr geehrter Dil Uhlenspiegel,

ist Googlemaps besser? Weshalb nicht überprüfbar? Ach ja, ich vergaß… Wanderkarte und Kompass gelten heute als antik. Aber zumindest auf Googlemaps hätte der Lehrer ja schauen können, ob die Satellitenbilder einen Weg zeigen…

Noch eine Frage: Gilt Googlemaps als Tourplan?

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Das hängt vom Gelände ab. In vielen Regionen wird man mit Google Maps o.ä. als Planungsgrundlage weit kommen, in schwierigem Gelände reicht es in keinem Fall. Dort sollte aber eine Klasse auch nicht ohne professionellen Guide sein. Mit Topo- Karte wäre es besser, sofern man damit umgehen kann. Ist keine vorhanden, kann man Tipps unterwegs kaum sicher gegenprüfen. Sat-Bilder reichen nicht immer um Hindernisse zu erkennen.
Wenn SuS gute Ortskenntnisse haben, ist das eine schöne Sache, aber ich habe auch schon diverse Tipps ignoriert, weil diese Wege nicht existierten, in die falsche Richtung gingen oder viel zu extrem waren für manche bzw. v.a. der Selbstinszenierung gedient hätten. Und je unsicherer, unroutinierter die Leitperson dabei ist, desto mehr sollte am Plan festgehalten werden, ohne dass dies bedeutet, dass es immer der beste Plan sein muss.

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

dass er sich nicht den Umständen angemessen verhalten hat!!! Im Hochgebirge, auf Schnee, auf dem Wasser gelten ganz besondere Sorgfaltspflichten, wenn der Kollege das nicht einschätzen konnte, soll er lieber nach Dresden auf den Striezelmarkt fahren – das ist echt ärgerlich und er hat den Kollegen, die sehr verantwortungsbewusst solche Fahrten vorbereiten und durchführen, einen Bärendienst erwiesen.
Und zu meinen Kollegen hier im Chat, die Klassenfahrten ablehnen: Schnell einen anderen Job suchen, am besten in einer grauen Amtsstube, wo man bis zur Rente/Pension ohne große Verwerfungen und Entwicklungen verbringen kann!
Mann, manchmal sind die Kommentare hier sber eirklich zum Fremdschämen…

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  tozitna

Hallo tozitna,
wenn LuL vom Plan abweicht und unterwegs ein unüberprüfbarer Wegetipp eingeschlagen wird, dann hat man „sich nicht den Umständen angemessen verhalten“. Richtig so? Das sehe ich eher auch so.

Hochgebirge usw. bezieht sich wohl auf die Sache im Bericht.

Und Ihr Vorwurf an KuK bezieht sich vermutlich darauf, dass Sie nicht nachvollziehen können, dass manche diese Energie nicht (mehr) aufbringen können oder auch diese Verantwortung nicht (mehr) tragen können. – Weiter unten habe ich versucht darzustellen, dass Fahrten nicht zeitgemäß aufgestellt sind im Betreuungs- und Verantwortungsschlüssel. Zumindest kenne ich keinen anderen Beruf mit solchen Arbeitszeitenregelungen. Daran muss sich m.E. sofort etwas ändern, anstatt dass man immerzu erklärt kriegt, es gehöre eben dazu und sei doch so schön für die SuS. Das ist ohne Zweifel so, aber ebenso ohne Zweifel ist der Stress und das Risiko für die Begleitung viel zu hoch. (Ich meine nicht die harmlose Fahrt, wo alles nett verläuft … aber auch das weiß man nie vorneweg).

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Die Erwartungen und Ansprüche, die mittlerweile an eine Klassenfahrt gestellt werden (nur das Beste und aufregendste, damit man auf jeden Fall etwas auf Instagramm oder TikTok veröffentlichen kann), kombiniert mit der Mentalität: „So billig wie möglich!“, und das Ganze unter der Nebenbedingung, dass vorgesetzte Behörden, Elternschaft und Medien sofort die Schuld bei den Lehrkräften suchen, falls etwas schiefgeht, teilweise sogar dann eine öffentliche Hetzjagd stattfindet, lassen eigentlich nur einen Schluss zu:

Gar nicht mehr fahren bzw. höchstens ein Tagesausflug in den Tierpark nebenan. Selbst Freibad ist schon zu gefährlich, könnte ja einer gegen seinen Willen Wasser schlucken…

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Lieber Dil,
ich fahre seit 25 Jahren (unfallfrei) auf Ski-, Kanu- und Surfreisen. Ganz klar gilt dabei, dass diese Reisen nur von mir durchgeführt werden, wenn die Empfehlungen der Fachverbände eingehalten werden. Zum Beispiel Ski: Auf jedes zehnte Kind gehört ein Betreuer (lässt sich in Analogie auf andere Fahrten mit risikobehafteten Aktivitäten übertragen).
Insofern liegen wir wohl nicht weit auseinander, denn meine Schulleiter haben das wegen des großen pädagogischen Effektes immer unterstützt.
Jetzt bin ich selber einer und meine Kollegen entscheiden (begründet), wie die Rahmenbedingungen ihrer Fahrten aussehen müssen, um sicher durchzukommen. Denn letztendlich müssen sie ja auch die Problemlagen verantwortungsvoll vor Ort lösen.
Wenn also der Rahmen stimmt, verlange ich verantwortungsbewusstes Handeln, was der Kollege im Bericht allem Anschein nach nicht gemacht hat.
Daraus eine Generalkritik gegenüber den Klassen- oder Jahrgangsfahrten abzuleiten halte ich für falsch.

PuMu
2 Monate zuvor
Antwortet  tozitna

Und falls eine/r dieser Kolleg/innen zu oft zaudert oder zu ängstlich ist – was passiert dann?
Schicken Sie ihm/ihr einfach einen „mutigen“ mit und er/sie soll sich dann einfach mit anhängen?
Oder wird diese/r Kolleg/in nach nur wenigen Jahren aus der Schule entfernt und an eine andere versetzt?

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  PuMu

Dann lautet die Ansage nicht entweder-oder, sondern was wir verändern sollten, um wieder Mut zu fassen (wobei Mut ein ungeeigneter Begriff ist), und es ist keine Ansage, sondern eine Frage im persönlichen Gespräch.

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

nur zur Sicherheit: Auf jeden angerissenen 10er ein Betreuer = 24 Skifahrer – 3 Lehrkräfte

PuMu
2 Monate zuvor
Antwortet  tozitna

Hoffentlich nur Betreuer mit entsprechender Ausbildung!

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  PuMu

So wie es die Fachempfehlungen vorgeben

Bavarianteachy
2 Monate zuvor
Antwortet  tozitna

Nur zur Sicherheit: Was genau geben die Fachempfehlungen vor?
Nachdem ich in den langen Jahren meiner Beruserfahrung schon miterleben musste, wie Kolleg*innen…

… zur Begleitung von Klassenfahrten mit viel Druck und Macht“gebrauch“ genötigt wurden

… mit Höhenangst an Ausflügen und Wanderungen in die Berge mit Gondeln und Sesselliften teilnehmen mussten

… trotz völliger Unsportlichkeit Sport unterrichten mussten

… (Nichtschwimmer!) mit zum Schwimmunterricht fahren mussten, weil dieser ohne zusätzliche Begleitperson abgesagt hätte werden müssen

… fachfremd Werkunterricht mit Einsatz von Maschinen und Werkzeug unterrichten mussten

… und ihnen niemand half, da Schulleitung und Schulamt darauf bestanden, glaube ich in dieser Beziehung an überhaupt nichts mehr!

Last edited 2 Monate zuvor by Bavarianteachy
tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  Bavarianteachy

DSV, VDWS, DAV…
Wenn Kollegen rechtswidrig eingesetzt werden (Remonstration?) oder Macht missbraucht wird, spricht das weder für Klassenfahrten, es spricht nur gegen die Führungskräfte, die solches tun und Personalvertretungen, die das zulassen.

tozitna
2 Monate zuvor
Antwortet  Bavarianteachy

weder für oder gegen Klassenfahrten – wieder mal zu schnell 🙂

Rabe aus NRW
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Wer zieht die Macher der Internetsite zur Verantwortung, die diesen Fehler durch ernste Fehlinformation verursacht haben? Diese wären meiner Meinung nach verantwortlich und müssten die Einsätze bezahlen. Die Lehrer haben das getan, was jeder Urlaub-Planende tut und sich auf Informationen verlassen, von denen sie denken konnten, dass sie richtig sind.

Fazit für mich (seit langem schon): Fahre nicht mit Klassen weg! Die größte Freude bereiten dabei Eltern, die den Lehrpersonen beim wuseligen Einsteigen in den Bus ’schöne Ferien‘ wünschen … für mehrere Tage am Stück 24 Std. Aufsichtspflicht und volle Verantwortung, und ohne Freizeitausgleich später! Ha ha ha!

dauerlüfterin
2 Monate zuvor
Antwortet  Hirschlgruber

Ich kann Ihre Einwände gut verstehen. Mich wundert es, dass kein rennommierter Wanderführer in neuer Ausgabe (Kostenpunkt € 12) in Verbindung mit einer Karte ( nicht google maps) bei der Vorbereitung zum Einsatz kam. Da sind die Wanderstrecken nach Schwierigkeit eingeteilt und man hat auch ein Höhenprofil. Auf der Karte kann man die Strecke auch nochmals nachvollziehen. Internet nur noch, um aktuelle Informationen zu Sperrungen oder Erdrutschen etc. zu erhalten. Dann eine leichte Tour wählen (nicht alle SuS sind fit und ausdauernd!). Dann müsste man aus meiner Sicht den Weg nicht zwingend vorher begehen.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Tägliche Arbeitszeit 6:00 – 24:00 in völlig ungewohntem Rahmen, Pausen unverbindlich, Rückzugsmöglichkeiten spärlich bis nicht vorhanden, sehr Lärm- und Reiz-intensiv bei sehr vielen auch kritischen Entscheidungen. Plus
tägliche Rufbereitschaft 24:00 – 6:00 bei hoher Rufwahrscheinlichkeit.
Das alles 4-7 Tage am Stück,
verantwortlich für 20-31 Jugendliche im wackeligsten Entwicklungsstand bei enormer Erwartungshaltung auch auf Elternseite.

Man nennt es Schullandheim. Was soll da schiefgehen, so war das schon immer.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

… und das auch noch: Keine Erholung davor/danach, kein Ausgleich, keine Extra-Vergütung. Wenn verbeamtete Lehrer in Teilzeit auf Fahrt gehen und dort 200% arbeiten, erhalten sie für diese Zeit, na was? Ta-daaaa, genau dasselbe wie sonst auch in ihrer Teilzeit. Immer wieder hört man von LuL, die „ihre eigenen“ Kosten für die Fahrt zahlen müssen. – Ist das nicht unheimlich … motivierend?

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Dafür sind wir Lehrer geworden, und nicht jeder tut sich das an. Aber vernünftig planen sollte man trotz allen Widrigkeiten, oder? Und stellen Sie sich vor, ich bin schon als NICHT-verbeamtete Teilzeitkraft mehrfach 8 Tage auf Schüleraustausch gewesen, mit Beherbergung der Lehrerkollegen aus dem anderen Land beim Rückbesuch, es war anstrengend, aber schön! Wenn ich nur danach schaue, ob ich irgendwo draufzahle, habe ich meinen Beruf verfehlt.

cravie
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Nein, DAFÜR bin ich nicht Lehrer geworden!

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  cravie

Sie werden ja nicht gezwungen, auf Schülerfreizeiten mitzugehen. Sagte ich ja schon, dass sich das manche nicht antun. Aber für MICH gehört das dazu. Kann jeder für sich entscheiden.

PuMu
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ich wäre Erlebnispädagoge oder etwas Vergleichbares geworden, wenn ich in der Durchführung spannender Fahrten meine Erfüllung sehen würde.
Lehrer bin ich aus ganz anderen Beweggründen geworden – und die Bezahlung oder Arbeitsplatzsicherheit waren keine davon.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  PuMu

Es ist ja auch nicht die Regel, dass man ständig auf Schülerfahrten geht. Und Eventmanagement müssen Sie dafür nicht studieren, das ist jetzt schon mächtig übertrieben. Wie gesagt, jeder entscheidet das für sich. Zugegeben, den Lehrern wird es immer schwerer gemacht, sich dazu zu motivieren. Aber dennoch kann man doch verlangen, dass Gebirgsrouten richtig eingeschätzt werden, ohne Bergführer würde ich sowas nie mit Schülern machen.

Hans Hoffmann
2 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Ich habe auch immer weniger Lust solche Fahrten zu organisieren. Wenn was nicht gefällt, wird gemault (oder schlimmer), wenn alles klappt, wird das für selbstverständlich genommen. Und das gilt sowohl für Schüler, als auch für Eltern. Der Nachwuchs wird bei der Ankunft eingepackt, für den Lehrer gibts nicht mal ein „Auf Wiedersehen“, geschweige denn ein „Danke“. Man fühlt sich immer mehr wie ein Lakai.

Teacher Andi
2 Monate zuvor

Mal davon abgesehen, dass es sehr anerkennenswert ist, wenn Lehrer in der heutigen Zeit mit Auflagen, Vorschriften und rechtskundigen Eltern im Nacken mit ihren Schülern noch Ausflüge und Freizeiten organisieren und daran teilnehmen (das ist eine riesengroße Verantwortung), so muss ich doch feststellen, dass man bei einer solchen Tour sich bitte nicht nur auf eine Quelle verlässt, denn das Netz stellt sicher noch andere Beschreibungen zur Verfügung. Außerdem hätte man sich vor Ort (beim Leiter der Herberge?) informieren können. Ich bin nicht der Meinung, dass der Autor des Interneteintrags zur Rechenschaft gezogen werden muss, denn er hat dies aus Sicht eines erfahrenen Bergsteigers beurteilt, und eine Aussage in einem entsprechenden Kontext zu beurteilen, dazu sollte ein Lehrer fähig sein.
Es ist zum Glück alles gut gegangen, ein Erlebnis, an das sich die Schüler sicher ewig erinnern werden. Die Kosten der Rettung sollte die Schule über die Lehrerhaftspflicht decken, die werden aber nicht zahlen wegen Fahrlässigkeit, dann muss der Schaden eben auf alle umgelegt werden.

Konsequenzen?
2 Monate zuvor

Die Kinder sind mit dem Bus an der Schule angekommen!
Die Lehrer sind, kurz vor Ankunft an der Schule, aus dem Bus ausgestiegen!

Mehr braucht man dazu nicht zu sagen!

Bavarianteachy
2 Monate zuvor
Antwortet  Konsequenzen?

Möglicherweise hat ihnen auch ein Anwalt dazu geraten, nicht mehr dazu zu sagen.
Ich habe mal erlebt, dass gegen eine Lehrkraft ein Verfahren lief und diese sich auf gar keinen Fall vor Schülern und Eltern dazu äußern durfte.
Und um dies sicher zu stellen, wurden die KuK dem Elternansturm vielleicht erst gar nicht ausgesetzt.