Vor Absenkung des Wahlalters: Berlin will politische Bildung junger Menschen stärken

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Berlins Jugendsenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) hat eine Offensive für die politische Bildung junger Menschen in der Stadt angekündigt. Sie soll vor dem Hintergrund der geplanten Absenkung des Wahlalters bei den Wahlen zum Landesparlament auf 16 Jahre in diesem Sommer starten, wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mitteilte.

In Berlin dürfen 16-Jährige bald wählen (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Zum Auftakttreffen am 5. Juli sind Vertreter verschiedener Jugendorganisationen, Verbände und Gremien eingeladen. Daran will Busse auch selbst teilnehmen. «Es geht darum, über die Teilhabe von Jugendlichen in einer parlamentarischen Demokratie zu sprechen und diese zu fördern», so die Senatorin.

Weitere Arbeitstreffen im Rahmen der Initiative «Jugend. Macht. Demokratie.» soll es anschließend in regelmäßigen Abständen geben. Unter anderem geht es nach Angaben der Senatsverwaltung auch um die Frage, ob künftige Gesetzesvorhaben verpflichtend einem «Jugend-Check» unterzogen werden sollten, also ob vorab geklärt werden muss, welche Auswirkungen neue Gesetze auf die junge Generation haben.

Die Leitung der Sitzungen übernehmen Jugend-Staatssekretär Aziz Bozkurt und die Vorsitzende des Landesjugendrings, Ramona Hinkelmann. «Die Initiative „Jugend. Macht. Demokratie.“ ist eine große Chance für mehr Generationengerechtigkeit, Innovation und Partizipation in Berlin», sagte Bozkurt. «Wir wollen jungen Menschen eine Lobby geben, politische Bildung als Schlüssel zur Beteiligung fördern und strategisch daran arbeiten, dass den Interessen junger Menschen mehr Gehör verschafft wird.» News4teachers / mit Material der dpa

AfD schneidet bei Jungwählern gut ab. Ostbeauftragter: Mehr politische Bildung nötig

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13 Kommentare
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Georg
1 Monat zuvor

Die Motive sind durchsichtig. Durch die Absenkung des Wahlalters erhoffen sich Rot-Rot-Grün mehr Stimmen, mehr nicht. Bürger sollen also wählen dürfen, aber nicht Auto fahren oder harten Alkohol kaufen, weil dafür die Reife fehlt?

Kenny
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

von den pol. Parteien links der Mitte kann man halten, was man will. Sicher aber keine „Wahlstrategie“. Egal ob Frauenwahlrecht oder stärkere pol. Beteiligung von Ausländern. Die SPD hat sich dafür eingesetzt, obwohl alle Meinungsumfragen die neue Wählerschaft zum Zeitpunkt der Vergabe des Wahlrechts als eher konservativ eingeschätzt haben. Man muss kein Fan der SPD sein (bin ich nicht), aber der Kommentar gehört wohl eher zu der Gattung „Was man selber denkt und tut….“
Siehe auch: https://www.news4teachers.de/2021/06/afd-schneidet-bei-jungwaehlern-gut-ab-ostbeauftragter-mehr-politische-bildung-noetig/

fabianBLN
1 Monat zuvor

Man könnte es ein „Orchideenthema“ nennen. Das bringt gar nichts. Es wird lautstark eingefordert von den 10% engagierten Jugendlichen, die es auch nutzen werden. Aber es sind 10% der Jugendlichen, die es dann tatsächlich nutzen werden.

lehrer002
1 Monat zuvor

Definitiv eine sinnvolle Entscheidung! Die jungen Menschen sollten mehr politische Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  lehrer002

Schreiben Sie das auch noch, wenn BIG mal einen wirklich guten Rhetoriker hat? Nicht mehr lange, und deren potenziellen Wähler sind in der Altersgruppe ab 16 in der absoluten Mehrheit.

Leisetreter
1 Monat zuvor
Antwortet  lehrer002

Wenn sie sie aber gar nicht nutzen? Alle bisherigen „Versuche“ zeigen, dass das nur eine kleine Minderheit macht. Und warum dann nicht ab 14 oder 12 oder 10 oder 6 Jahren? Alle Ihre Argumente gegen meine Ablehnung der Absenkung treffen da sicherlich in gleicher Weise zu. Z.B. „Die jungen Menschen sollten mehr politische Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten.“

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  lehrer002

Also, was so in meinen Klassen sitzt…..
Von deren Entscheidungsfreude möchte ich aber nicht betroffen sein!
Diese „Kinder“ haben zu meist keine eigene Meinung ( meine hier, diese vertreten evtl.die Meinung des Elternhauses)oder gar keinen Meinung! , da politisch uninteressiert oder politisch nicht gut informiert ( neutral!) .
Ein kleiner Teil kann das bestimmt gut!
Aber, man stelle sich vor es gäbe kurz vor Wahlen über die Kanäle, welche die meisten Schüler nützen, und viele Wahlberechtigte dieser Gruppe würde nur so zum Spaß!! zur Wahl gehen!
Aus Jux wählen was gerade angesagt ist oder wurde…….. und wären dann total überrascht, welchen Einfluss sie evtl. auf die Wahl genommen haben .
Was heute evtl. gutgemeint eingeführt würde, kann nicht mehr so schnell rückgängig gemacht werden!

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Siehe hierzu auch z.B. Ausgang des Brexit-Referendums in Großbritannien:
ein wahrliches Lehrstück!

Sehr viele Jung- bzw. ErstwählerInnen machten damals keinen Gebrauch von ihrem Wahlrecht bei der Abstimmung.
Wahlenthaltung, weil sie keine Ahnung hatten, um was es ging, was „Besseres“, „Wichtigeres“ vorhatten oder schlichtweg keine Lust hatten, sich zum Wahltermin ins Wahllokal zu begeben.

Viele junge Menschen waren sich der immensen potentiellen Tragweite ihrer Enthaltung also gar nicht bewusst.
Auch nicht der direkten Folgen, unmittelbaren Implikationen für ihr eigenes (!!!) Leben, besonders für ihre Studien-, Berufs- und Lebensplanung.

Als es manchem jungen Erwachsenen dann schlagartig bewusst wurde, fiel er/ sie wahrlich aus allen Wolken!
Aber Rückgängigmachen, schnelle Korrektur ging nicht, geht nicht (mittelfristig)!

Vielen älteren Briten wurden die negativen Folgen, Nachteile erst mit der Zeit bewusst, sehr viele „exiteers“ bereuen ihre Wahlentscheidung inzwischen zutiefst.

Aucht wenn der Volksentscheid pro EU-Austritt nur knapp ausging, das Ergebnis gilt!

Die Älteren sind den vollmundigen, substanzlosen Versprechungen der (hochprofessionellen) Kampagne von Boris Johnson, Nigel Farange et alii auf den Leim gegangen, haben die perfiden Manipulationen nicht durchschauen können.

Und die lange Vorgeschichte (bereits vor dem EG-Beitritt 1973) von Europa-Skepsis gepaart mit Trauerarbeit ob ihrer ehemaligen Größe mit weltumspannendem Kolonialreich bereitete zudem einen fruchtbaren Boden für die Bereitschaft zum Brexit.
Dann kam das böse Erwachen aus „Träumereien ehemaliger Größe“ doch für viele überraschend schnell.
Die Jungen waren halt mehr auf Fun, Ferien und den Prioritäten des Jungseins fokussiert. Verständlich, absolut normal.

Wenn ich an meine unzähligen Jahrgänge von GymnasiastInnen denke – vor drohender Klimakatastrophe und „Fridays for Future“ wohlgemerkt! – fällt meine Einschätzung sehr gemischt, durchaus eher skeptisch aus.

Sicher gab es immer sehr politisch bewusste, differenziert und kritisch (mit)denkende Schülerinnen, auch bereits in der Mittelstufe, Klasse 10 oder sogar jünger.
Aber auch in der Oberstufe und unter den AbiturientInnen waren nicht alle am politischen Tages- oder Weltgeschehen interessiert, ganz zu schweigen vom Politikunterricht mit genauem Faktenwissen über Zusammenhänge.

Wenn ich nun an all die Echokammern und Filterblasen in den social media denke, mit den „likes“/“dislikes“und „followern“, an die Informationsflut und diversen Desinformationskampagnen im Netz, habe ich allergrößte Bedenken bezüglich Herabsetzung des Wahlalters außerhalb der Kommunen.

Denn nicht sehr viele junge Leute lesen auf ihrem Smartphone oder Tablet mehrere seriöse, redaktionell betreute (!) Erzeugnisse der Massenmedien nach meiner Erfahrung in meinem Umfeld.
Unter AbiturientInnen nicht, sogar unter AkademikerInnen (NaturwissenschaftlerInnen bzw. in technischen Berufen Tätige!) nur eine geringe Anzahl. Leider!

All dies stimmt mich eher bedenklich!

Kenny
1 Monat zuvor
Antwortet  lehrer002

ist historisch gesehen schon fast witzig. Bei jedem Demokratisierungsschub kommt die Konservative und sagt das selbe:
Wahlrecht für Atheisten (GB): Sind die dafür überhaupt (moralisch) in der Lage?
Wahlrecht für Frauen: Sind die dafür überhaupt in der Lage? Verstehen die Politik? Die wollen doch gar nicht!
Wahlrecht für Schwarze (USA): Sind die dafür überhaupt in der Lage? Verstehen die Politik? Die wollen doch gar nicht!
Wahlrecht für Migranten: Sind die dafür überhaupt in der Lage? Verstehen die Politik? Die wollen doch gar nicht!

und nun halt Jugendliche…….

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  lehrer002

Viel zu pauschal!

Und zudem aus dem gegebenem Kontext gerissen besonders pikant!
Wer äußerte denn im Kontext des Textzusammenhanges die Forderung? Im ureigensten Interesse welcher Partei?
Na, dämmert’s?

Im Übrigen, politische Mitbestimmungsmöglichkeiten für „die jungen Menschen“ gibt’s doch bereits zuhauf.
Außerdem „die“: wer soll denn das sein? Welche Altersgruppe(n)? Viel zu allgemein, völlig undifferenziert.

Aus der Fülle bereits bestehender Möglichkeiten nenne ich nachfolgend nur einige:

SMV (=Schülermitverwaltung) in der Schule, die Jugendorganisationen der Parteien (z.B. die Jusos, die Junge Union), Kommunales Wahlrecht ab 16, aktives Wahlrecht ab 18 und passives Wahlrecht, Eintritt in eine Partei, … .

Partizipation, Teilhabe, an der politischen Willensbildung auch durch Leserbriefe, Teilnahme an Versammlungen, Demos, also dem Gebrauch von Grundrechten wie Freie Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit, Versammlungsfreiheit zum Beispiel.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

Politische Bildung … ist klar. An den Schulen gibt es da nur eine vorgegebene politische Richtung, und damit wären wir dem sozialistischen DDR System wieder einen Schritt näher. Ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll.

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Lieber Teacher Andi,

worauf beziehen Sie sich denn genau? Bezug ist mir völlig unklar.
Im Übrigen, für unsere fdGO, unsere Demokratie, trete ich aus tiefster Überzeugung ein!

„, … ob ich das gut finden soll.“ Hä??? Relativieren Sie etwa? Was soll denn das?

Ich kenne die DDR aus eigenem Erleben! Nie wieder!

Das war Menschenverachtung pur, absolute „Pseudo- Demokratie“ , d.h.Diktatur einer einzigen Partei, der SED, mit absolutem Machtanspruch.

Keine freie Entfaltung der Persönlichkeit! Und all die anderen Grundrechte, die bei uns selbstverständliches Fundament unserer Verfassung sind, gab es s o o nicht!
Den Inhalt und die Interpretation der sog.. „sozialistischen Grundrechte“ definierte nur, einzig und allein, immer die Partei, die SED.

Andersdenkende wurden unterdrückt, hatten keinerlei echten Lebens- und Entfaltungschanchen im System und sogar parteiinterne (!) KritikerInnen, die Reformen oder einfach nur Verbesserungsvorschläge mit Nachdruck vertraten, wurden einfach „(weg)gesäubert“, ausgebootet.
RockmusikerInnen in „Jugend-Bands“ landeten im Jugendknast.
Keine Freiheiten, keinerlei Meinungsvielfalt, Medienzensur, Parteipropaganda, keinerlei Pluralismus.
„Die Partei hat immer Recht“! Kein Rechtstaat! Stasi-Spitzel überall, keine (weltweite) Reisefreiheit, usw. usw.

Es nahm einem immer und überall ganz einfach „die Luft zu Atmen“!!!

Der ganze SED-Staat war ein Gefängnis für jeden selbstständig denkenden Menschen!

Niemals wieder!!!
Nie wieder Diktatur, weder von links noch von rechts!

Wehret den Anfängen!

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabriele

Ich weiß, wie es in der DDR zuging, ein Teil meiner Verwandtschaft und Freunde lebten dort und wir hatten regen Kontakt.
Ich sagte „einen Schritt näher“, ich habe nichts vom selben System wie in der DDR gesagt. Und weiß Gott, da will ich sicher auch nicht enden!
Demokratie heißt, dass das Volk regiert. Und wir alle wissen, dass die gewählten Politiker sich immer mehr vom Wählerwillen entfernen und gar nicht mehr nachvollziehen können, welche Ängste und Nöte das „Volk“ hat. Demokratie heißt also im modernen Sinne, ich wähle eine Partei mit irgendwelchen mir vorgesetzten Leuten, die mir eigentlich gar nicht passen, und mehr Einfluss habe ich nicht. Kommt eine ungeliebte Partei in die Nähe einer Regierungsmehrheit, wird sofort das Gesetz ausgehebelt. Demokratie? Man wählt CDU oder SPD und bekommt die Grünen dazu? Demokratie? 15% Parteien haben plötzlich das große Sagen? Demokratie? Da wir keinen Volksentscheid haben, haben wir auch keine echte Demokratie. Die wenigen Volksentscheide, die uns zugestanden werden, sind tatsächlich lächerlich und so konzipiert, dass sie das Regierungsgeschehen nicht beeinträchtigen.
Ich sehe die Gefahr, dass die Regierung ihre Entscheidungen immer mehr am Bürger vorbei tätigt, aus irgendwelchen ideologischen oder auch gezielt taktischen Gründen, und mit unerfahrenen jungen Leuten, die noch absolut formbar sind, werden diese „alternativlosen“ Gangarten gesichert, da man die Parteien „weiter so“ und „mehr davon“ wählt. Wenn politische Bildung in der Schule, dann muss diese objektiv und ausgeglichen, vor allem kritisch sein, dann habe ich nichts dagegen. Aber ich befürchte eine gezielte Steuerung. Das wäre sicher nicht im Sinne der Demokratie.
Mag sein, dass ich mich irre ……… hoffentlich.