Kultusminister zu Lehrermangel: Müssen alle Kapazitäten (= Lehrer-Arbeitskraft) ausschöpfen

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Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will angesichts des Lehrermangels und dem damit verbundenen Ausfall von Unterricht an Sachsens Schulen alle Kapazitäten ausschöpfen. Gemeint ist die Arbeitskraft der beschäftigten Lehrkräfte.

„Optimal einsetzen und ausschöpfen.“ Illustration: Shutterstock

Dass trotz aller Anstrengungen Stellen landesweit und besonders in den ländlichen Regionen unbesetzt blieben, zeige, dass es nicht an Geld oder Stellen fehle, sondern auch an Bewerbern, sagte Piwarz am Mittwoch im Landtag. Daher gelte es, die vorhandene Arbeitskraft der Lehrerinnen und Lehrer optimal einzusetzen und auszuschöpfen.

Nach Angaben von Piwarz können etwa wegen der Corona-Regelungen derzeit 500 Schwangere nicht unterrichten. 150 Lehrer fielen aus, weil sie zu einer Risikogruppe gehörten. Das könne nicht kompensiert werden, es müssten flexible Lösungen an den Schulen gefunden werden.

Potenzial sieht der Minister auch bei Seiteneinsteigern und der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Zudem müsse über den hohen Teilzeitanteil gesprochen werden. Landesweit arbeiteten 10.000 Lehrkräfte, «fast jeder Dritte», nicht mit der vollen Stundenzahl. Das sei ein Potenzial von insgesamt 2500 Vollzeitstellen.

«Die Situation an den Schulen ist vielerorts schockierend»

Die Bildungsdebatte hatte die Linke beantragt. Vor dem Parlament protestierten derweil rund 700 Menschen, darunter Pädagogen, Eltern und Erzieher, für bessere Bedingungen bei der Betreuung in Kitas und Schulen. «Die Situation an den Schulen ist vielerorts schockierend», sagte die Linke-Bildungspolitikerin Luise Neuhaus-Wartenberg im Parlament. Sie warf der Regierung «sporadisches Lückenfüllen, Lippenbekenntnisse und langjähriges Ignorieren der Entwicklung» vor und warnte vor weiterer «Flickschusterei».

Zur Demonstration hatten Lehrerverbände und GEW aufgerufen. Sie sehen das Bildungssystem «kurz vor dem Kollaps» und fordern mehr personelle Ressourcen und Entlastungsmaßnahmen für die Beschäftigten in Schulen und Kitas. News4teachers / mit Material der dpa

Mehr Abordnungen, höhere Unterrichtsverpflichtung: Was der Rechnungshof gegen den Lehrermangel vorschlägt

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2 Kommentare
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Mika
3 Tage zuvor

Nein, lieber Herr Piwarz, 10.000 Teilzeitstellen sind kein Potenzial für zusätzliche 2500 Vollzeitstellen. Wäre der Herr Piwarz im Gespräch mit seinen Lehrkräften, wüsste er, dass ein Großteil der Teilzeitstellen daher kommt, dass eine Vollzeitstelle kaum mit Familie, Leben neben der Schule und Gesunderhaltung vereinbar ist. Es soll Menschen geben, die neben der Schule noch ein Leben haben wollen. Aber vermutlich ist der Herr Piwarz so wie seine Kollegen in den Kultusministerien der übrigen Bundesländer der Ansicht, dass die faulen Säcke sich nicht so haben sollen. Können ihre eigenen Blagen ja in die Kita geben, am besten von 6 bis 22 Uhr, dann haben sie auch genug Zeit, um den Unterricht vorzubereiten. Mal im Ernst: auf welchem Planeten lebt der Mann? Hat der wirklich noch nicht gerafft, wie belastend und zeitraubend der Lehrerberuf inzwischen ist? Und das die übertragenen Aufgaben in einer 40h -Woche einschließlich Aufarbeiten liegengebliebener Dinge und Korrekturen in den Ferien einfach nicht zu schaffen sind?

Schattenläufer
3 Tage zuvor

Die hohe Kunst den leeren Lappen so weit aus zu wringen, dass genug Wasser austritt um ganze Felder zu bewässern.
Ich bin gespannt.