Leistungsabsturz von Grundschülern: Versucht die KMK-Präsidentin, die Verantwortung dafür den Kitas zuzuschieben?

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KIEL. Kita-Pflicht für Kinder mit Sprachdefiziten? Das schlägt die schleswig-holsteinische Bildungsministerin (und KMK-Präsidentin) Prien in einem Alleingang vor – offensichtlich eine Reaktion auf das schlechte Abschneiden der Grundschüler in der IQB-Studie. Die zuständige Sozialministerin Touré sagt Nein. Auch aus der Opposition erntet die CDU-Politikerin massive Kritik.

«Eine Verpflichtung ist der richtige Weg»: KMK-Präsidentin Karin Prien. Foto: Bildungsministerium Schleswig-Holstein

Für Kinder mit Sprachdefiziten sollte nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien mindestens das letzte Kita-Jahr verpflichtend sein. Das sagte die CDU-Politikerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz den «Kieler Nachrichten». Mit ihrem Vorstoß, der nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nicht mit der für Kitas zuständigen Sozialministerin Aminata Touré von den Grünen abgestimmt war und diese überraschte, löste Prien Wirbel in der Koalition und in der Landespolitik insgesamt aus. Touré machte klar, dass sie Priens Idee nicht unterstützt.

«Spätestens mit viereinhalb Jahren müssen wir den Sprachstand eines Kindes überprüfen, damit bis zu seiner Einschulung nötige Fördermaßnahmen ergriffen werden können», sagte Prien den «Kieler Nachrichten». Wer dabei nicht gut abschneide, müsse zumindest das letzte Kita-Jahr absolvieren. «Eine Verpflichtung ist für diese Kinder der richtige Weg, um die Bildungschancen zu verbessern.»

Auf die Frage, ob es hier vorwiegend um Flüchtlinge und Kinder mit Migrationshintergrund gehe, sagte die Ministerin dem Blatt: «Nein, es geht um alle Kinder. Aber der Trend ist bei Kindern mit Zuwanderungshintergrund besonders stark.»

«Vorhandene Einrichtungen leiden unter Personalmangel und müssen teilweise ihre Angebote einschränken»

Touré ließ die Anfrage, ob sie die Forderung nach einem Kita-Pflichtjahr für Kinder mit Sprachdefiziten teilt, klar verneinen. «Verpflichtende Kitabesuche sind bewusst nicht Teil der Koalitionsvereinbarung und damit auch nicht für diese Legislatur vorgesehen», betonte sie. Wichtig seien systematische Schuleingangsuntersuchungen. Zusätzlich könnte im Einzugsbereich von Perspektiv-Schulen, also Problemschulen in Brennpunkten, ein Screening vor der Einschulung erprobt werden. Das befürworte sie nach wie vor, mehr aber nicht.

Auch die Opposition reagierte mit vehementer Kritik auf Priens Vorstoß. Für eine Kita-Pflicht für Kinder mit Sprachförderbedarf fehlten die Grundvoraussetzungen, meinte die kitapolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sophia Schiebe. So fehlten noch immer viele Tausend Kita-Plätze. «Vorhandene Einrichtungen leiden unter Personalmangel und müssen teilweise ihre Angebote einschränken.» Die Sprachförderung in Kitas sei bisher finanziell nicht abgesichert und Sprachfachkräfte wüssten nicht, ob sie ihre Arbeit im neuen Jahr fortführen können, monierte Schiebe. «Wir benötigen erst einmal genügend Kita-Plätze, eine Fachkräfteoffensive für mehr Personal, eine Ausbildungsreform, ausreichend Sprachfachkräfte in den Kitas sowie qualitative Standards für die Vorschularbeit, damit die Kinder gut auf die Schule vorbereitet werden.»

Auch die FDP reagierte heftig. «Irgendjemand in der Landesregierung sollte Karin Prien dringend erklären, dass sie für die Kitas ungefähr so sehr zuständig ist wie für die Baumschulen,­ nämlich gar nicht», sagte Fraktionschef Christopher Vogt. Prien sollte den alarmierenden Absturz der Leistungen in den Grundschulen weder schönreden noch versuchen, die Verantwortung dafür abzuschieben. «Man kann sich gut vorstellen, was im zuständigen Familienministerium los war, als man dort dieses Interview gelesen hat», meinte Vogt. «Anstatt Nebelkerzen zu werfen und mit ollen Kamellen ihre Kabinettskollegin Touré zu nerven, sollte Karin Prien schlichtweg ihre Hausaufgaben machen: Unsere Grundschulen müssen durch mehr Stunden pro Woche und besseren Unterricht gestärkt werden.»

«Es hilft auch nicht, die Inklusion als Problem auszumachen, sondern das Bildungsministerium muss die Umsetzung der Inklusion verbessern»

Die Unterrichtsversorgung müsse besonders an den Grundschulen dauerhaft verbessert werden, forderte der FDP-Fraktionschef. Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen und vielen Kindern mit Migrationshintergrund bräuchten noch stärkere Unterstützung des Landes. «Es hilft auch nicht, die Inklusion als Problem auszumachen, sondern das Bildungsministerium muss die Umsetzung der Inklusion verbessern.» Und was sollten bei Priens Forderung nach einer Kita-Pflicht die Eltern denken, die seit Monaten auf einen Kita-Platz warten?, fragte Vogt. «Für diese Familien sind solche unausgegorenen Vorstöße doch ein blanker Hohn.»

Die am vergangenen Montag veröffentlichten detaillierten Länderanalysen des IQB-Bildungsmonitors zeigen, dass die Leistungen der Grundschüler in allen untersuchten Bereichen deutschlandweit im Jahr 2021 deutlich schlechter waren als noch 2016. Ausnahmen bilden die Länder Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz, wo es nur im Bereich Zuhören signifikant Verschlechterungen gegenüber 2016 gab. Grundlage waren Tests an fast 1500 Schulen in ganz Deutschland mit etwa 27.000 Viertklässlern zwischen April und August 2021. In fast allen Bundesländern hat sich der Lehrkräftemangel insbesondere in Grundschulen massiv verschärft. News4teachers

Ist schlechter Unterricht der Grund für den Leistungsabsturz in Grundschulen? VBE watscht Kretschmann ab

 

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Mika
1 Monat zuvor

Okay, wir haben es ja verstanden: Corona ist schuld, die Lehrkräfte sind schuld ( zu faul und zu unqualifiziert), die Eltern sind schuld (bringen den Kindern nicht genug und nicht korrekt Deutsch bei), die IQB – Studiendesigner sind schuld (falsche Fragen und falscher Abfragezeitraum), und definitiv hat dafür kein einziger Politiker Verantwortung. Nachdem wir das geklärt hätten: könnten die Damen und Herren mit Entscheidungsgewalt jetzt endlich mal das Arbeiten beginnen? Stattet die Schulen personell vernünftig aus! Gebt den Schulen genug Lehrerwochenstunden außerhalb des Regelunterrichts, so dass Gruppenteilung, Klassenstunden, individuelle Förderung überhaupt möglich ist! Renoviert die versifften Räumlichkeiten endlich! Schafft vernünftige Möbel und sinnvolle Technik an! Qualifiziert die Quereinsteiger, BEVOR Ihr sie mit den Kindern allein lasst! Und bitte, gründet nicht den achthundertvierundzwanzigsten Arbeitskreis, dessen Ergebnisse Ihr sowieso ignoriert, weil diese Euch nicht passen. Macht einfach mal den Job, für den Ihr bezahlt werdet! Jetzt!

Ron
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Für die Ukraine werden gerade 5 Mrd. Euro monatliche Wiederaufbauhilfe gefordert. 5 Mrd.! Würden die Schulen diesen Betrag nur einmal jährlich bekommen, wären wir fast überfinanziert.

Lehramtsaussteiger
1 Monat zuvor
Antwortet  Ron

Nicht gut, wie Sie das gegeneinander ausspielen.

Ojemine
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Jawoll!

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Alle von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen leiden aus Sicht der politischen Führungsschicht des Landes an diversen Problemen:

1. Sie kosten Geld, das man lieber für ideologische Projekte und vor allem für Sozialkonsum (=Wählergeschenke = Wahlstimmen) ausgeben will.

2. Solche Maßnahmen wirken erst sichtbar nach einem Wahlzyklus oder mehr, man selbst kann also davon nicht profitieren.

3. Da die Wähler der Bundesrepublik ihr Wahlverhalten praktisch gar nicht ändern, egal was passiert… und schon garnicht das Verhalten von „Protestwählern“ zeigen, wäre es aus machttheoretischer Sicht geradezu Irrsinn, die von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen durchzuführen.

Last edited 1 Monat zuvor by 447
Lehramtsaussteiger
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Im Sozialkundeunterricht brachte ich den Schülern bei, dass „Protestwählen“ keinen Sinn macht.

447
1 Monat zuvor

So können sich die Meinungen unterscheiden. Gut, wenn SuS beides kennenlernen, so dass diese sich dann mit zunehmendem Alter selbst eine Meinung bilden können.

Grundschullehrer
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Richtig. Das was, jeden Tag von mir erwartet wird, nämlich meinen Job ordentlich zu machen, MUSS der Wähler auch von der Politik erwarten können. Ich habe das Gerede satt.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Grundschullehrer

Schule = Trainingsplätze für Minister !?
„Eine Ministerin oder ein Minister braucht einen langen Atem, oft ist viel Geduld gefragt, bis die eigenen Ziele verwirklicht werden können. Vielleicht ist es dir schon aufgefallen – die Schule und deine Familie sind hervorragendes „Trainingsplätze“ für diese Fertigkeiten.

„Gelingt es dir regelmäßig, deine Freunde für deine Anliegen zu gewinnen, deine Familien für deine Ideen zu begeistern, Themen in deiner Klasse überzeugend vorzutragen? Dann hast du das Zeug zu einem guten Politiker.“ (BMUV)

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Dann lasst uns doch mal vermuten, was für Ziele unsere Frau Prien hat … 😉

Ich glaube nämlich auch eher, dass es um eigene Ziele geht und das KuMi nur ein gut bezahltes Sprungbrett mit keinen Aufgaben sein soll.

Wohin gesprungen wird… Wir werden es vermutlich bald wissen.

Mo3
1 Monat zuvor

Wenn Eltern für ihre Kinder immer noch auf einen KiTa-Platz warten, obwohl die Kinder bereits im nächsten Jahr eingeschult werden sollen ist das echt ein Armutszeugnis oder warten nicht eher Eltern von 1, 2 oder dreijährigen Kindern auf einen Platz? Oder sucht man hier nur einen Grund für die Empörung? Entsprechend gering dürfte die Zahl der Kinder sein, die tatsächlich keine KiTa von innen gesehen haben (weil die Eltern die Notwendigkeit nicht sehen-warum auch immer). Dass diese (wenigen) Kinder, die sicherlich gefördert werden müssen, nun der Grund für das schlechte Abschneiden in der Studie sind ist dann schon sehr weit hergeholt. Genauso könnte man die abwegige These aufstellen, dass die Leistungen in den Grundschulen rückläufig sind, seitdem Kinder vermehrt (auch wegen des Rechtsanspruchs) immer früher in die KiTa kommen. Also bitte den Rechtsanspruch wieder zurücknehmen?!?

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Mo3

Keine Ahnung, wie es mittlerweile aussieht…

Vor 8-10 Jahren haben wir unzählige Einrichtungen abgeklappert, uns „beworben“, eingetragen bzw. Bedarf angemeldet. Auf zentralen städtischen Plattformen unsere Daten und Präferenzen hinterlegt, Gespräche vor Ort geführt, 500 Euro Eigenbeitrag für die Krippe und 150 € für den Hort gezahlt…

…immer wieder nachgefragt, ob nicht doch ein Platz frei wird und z.T. gerade dann (bei freundlicher Nachfrage) reingerutscht, weil an dem Tag jemand „zufällig“ abgesprungen ist.

Ich verstehe jeden, der nach den ersten Erfahrungen auf eine Betreuung im familiären Umfeld setzt – sofern machbar.

Die Eingangshürden sind für viele so hoch, dass diese gerade so vom Bildungsbürgertum mit viel Energie genommen werden können.

Dass sich dann gerade im letzten KiTa-Jahr der Wind dreht und man die Plätze förmlich hinterher geworfen bekommen soll, ist für einige schwer vorstellbar…so auch für mich.

Der Rest (Impact auf die Grundschulen) ist dann folgerichtig…

…und dass man ohne eigenen Einsatz eingeschult wird, funktioniert ja offensichtlich noch in diesem Land.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Mo3

Hier warten etliche Eltern auf Plätze, suchen Alternativen und finden sie nur schwer oder nicht.
Der Träger baut neue KiTas, baut an bestehenden weitere Gruppenräume an, die Plätze reichen noch immer nicht.
Und das betrifft Bullerbü, in Städten wird es noch extremer sein.

Wer innerhalb des Jahres zuzieht, hat keine Chance, da alle Plätze vergeben sind. Auch im Jahr vor der Einschulung ist dann nichts machbar.

Kinder, die aus Unwillen oder Verzicht gar nicht in der KiTa waren, müssen sich am Beginn der Schulzeit nicht nur in die Schule an sich eingewöhnen, sondern dazu noch das Verhalten (in) einer Gruppe erlernen.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Die Gründe für die schlechter werdenden Leistungen sind Unterrichtsmethoden wie Selbstorganisiertes Lernen, ein Übermaß an Gruppenarbeit und schließlich ein steigender Anteil von Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen, die kaum mit dem Unterricht mitkommen können. Ich würde in einer polnischen Grundschulklasse auch schlechter lernen, da ich erst einmal die Sprache lernen müsste.

Carsten60
1 Monat zuvor

Die Argumentation erinnert mich an die Situation in Berlin: Da gab es immer zu viele „Risikoschüler“ an den Hauptschulen. Aber vor 10 Jahren wurden die Hauptschulen abgeschafft, jetzt gibt es nur noch Sekundarschulen und Gymnasien. Und die „wissenschaftliche Begleitstudie“ (Berlin-Studie) stellte dazu später fest, dass es immer noch annähernd genauso viele „Risikoschüler“ gab. Die verblüffende Erklärung: Die bilden sich schon an den Grundschulen heraus. Na so was! Später wird man vielleicht herausfinden, dass die schon im Kindergarten das werden, was sie dann später sind. Oder schon vorher.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Wenn die alle immer in ihrer Hood und mit denselben Kids zusammen bleiben, ja, dann kann man natürlich auch nichts ändern.
Ich frage mich, wofür Sie plädieren. Jetzt aber nicht für eine Wiedereinführung der HS, oder?

Last edited 1 Monat zuvor by DerechteNorden
Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nein, nicht die Wiedereinführung der HS, sondern die Abschaffung des naiven Glaubens an die unbegrenzte Wirksamkeit von administrativen Schulreformen. Ich wette: auch in einem einheitlichen Gesamtschulsystem wird die Zahl der Risikoschüler nicht wesentlich sinken, weil die Gründe eben andere sind. Stellen Sie sich nur vor, wie ganz schwache Schüler in Klassen mit vielen leistungsstarken Schüler reagieren werden. Sie sind irgendwann abgehängt, genau wie jetzt auch.
Das Beispiel anderer Staaten zieht nicht, weil in anderen Gesellschaften eben auch andere Grundeinstellungen zu Schule und Lernen herrschen. Den Strebervorwurf gibt’s so nur in Deutschland, in Kanada gibt’s den „Nerd“, aber das klingt viel positiver und anerkennender mit einem kleinen Schuss Spott in Richtung „armer Spinner“. Aber der „Streber“ ist ein richtiges Feindbild, Streber werden ausgegrenzt, und das seit 100 und mehr Jahren. Das Ergebnis sehen wir ja.

Ron
1 Monat zuvor

Fördert endlich effektiven klassischen Unterricht in den Kernfächern. Rechtschreibung, Rechnen, Schreiben, laut lesen, Bücher kennenlernen, Geschichten schreiben. Verbot von Arbeitsheften, Schreib wie du willst und vereinfachter Ausgangsschrift. Jede Woche ein geübten 100-Wörter-Diktat. Jede Woche ein kleiner Mathetest mit Basics. Immer wieder Sachen schreiben lassen. Was hast du gestern gemacht? Schreibe die Geschichte zuende! Vater-Sohn-Bildergeschichten beschreiben. Protokolle, Vorgangsbeschreibungen, Mappen anlegen, Inhaltsverzeichnisse. Für diese Sachen braucht man kein einziges Buch, nur sinnvollen Unterricht. Dazu leichte Grammatik, um die Systematik der Sprache zu verstehen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Ron

Oh, prima,
wir brauchen auch keine Hefte, kehren wir doch zur Schiefertafel zurück, stellen einen Ofen in jeden Raum und lassen die Kinder Briketts mitbringen. Wenn in den Klassen wieder 60 Schüler:innen sitzen, ist es aber auch davon warm genug.

Wer zurück zur Jahrhundertwende möchte, sollte in der Medizin die gleichen Abstriche hinnehmen und nur die Methoden von damals in Anspruch nehmen dürfen.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Da haben Sie Ron aber total falsch verstanden. Seine Vorschläge sind sehr sinnvoll,denn das sind die Grundlagen für erfolgreiches Lernen. (Üben, üben, üben -aber das ist ja heutzutage total verpönt und deshalb bleibt der Unterrichtsstoff bei den Kindern auch nicht hängen!)

Bettina
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Sie sagen es!
Ich bin mir manchmal allerdings nicht sicher, ob jemand tatsächlich falsch verstanden hat oder lieber falsch verstehen wollte, um gegen eine unerwünschte andere Meinung polemisieren zu können.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Das ist doch nur Rummotzen. Auch führende Bildungswissenschaftler haben festgestellt, dass die „Basiskompetenzen“, also Lesen, Schreiben, Rechnen im Vordergrund stehen müssen. Verzichten könnte man eher auf anderes, was jetzt so hochgejubelt wird. Denn genau an diesen „Basiskompetenzen“ fehlt es doch nachweislich, siehe den IQB-Bildungstrend.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Und führende Wissenschaftler empfehlen deshalb Unterricht in großen Gruppen, wöchentlich geübte Diktate (wer übt sie?), wöchentliche Rechentests?

Manches, was Ron vorschlägt, empfindet er als „klassisch“, ich als „überholt“.
Dazu muss man sich aber mit Didaktik beschäftigen und die Kinder in den Blick nehmen, statt Methoden aus der Mottenkiste vorzuschlagen und zu meinen, wenn man dazu zurückkehre, würde die Sau beim Wiegen fetter werden.

Die Schüler:innen sitzen auch jetzt nicht die Zeit in den Schulen ab.
Und bevor das alte Lied erklingt: Ja, Leistung soll sich lohnen, vor allem auch Anstrengungsbereitschaft. Üben hilft. Wenn man aber heutige Kinder unterrichten will, wird man ihre Lernausgangslage beachten müssen.

Sie weisen doch selbst auf die „Bildungsverlierer“ hin. Ich frage mich, was denn Ihr Rezept ist, wie man diese besser beschulen will.

Mo3
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Unser Sohn hatte in der Grundschule Unterricht so in etwa wie Ron ihn beschreibt (2004-2018) und wir fanden das gut. Die Lehrerin (60+) hat den Kindern etwas zugetraut und Fleiß erwartet und die Übungsdiktate wurden sowohl in der Schule als auch zu Hause geübt, so dass die Kinder die Texte vorher 2-3 mal geschrieben hatten. Und das 1×1 musste halt auswendig gelernt werden – das geht anders halt nicht. Ab dem ersten Schultag gab es durchgehend Hausaufgaben im Lesen, Schreiben und Rechnen. Alle Kinder aus der Klasse (auch die vermeintlich Schwachen) hatten auf den weiterführenden Schulen erstmal keine Probleme – eher im Gegenteil – auch wenn zugegebenermaßen einige sich doch etwas gequält haben.
In der Klasse unserer jüngsten Tochter (2018-2022) wurde tendenziell halb soviel geschrieben und gerechnet (vor allem als Haushaufgaben) weil auf schwächere Kinder Rücksicht genommen wurde. Diese Rücksicht ist bei reinen Fleißarbeiten (abschreiben schult die Handschrift, eine gute flüssige Handschrift führt zu weniger Fehlern) mMn. fehl am Platz. Inhaltlich ist eine Differenzierung und Rücksichtnahme begründbar. Vielleicht wird man als Eltern auch kritischer oder wir sehen das zu subjektiv, aber wir haben uns beim Übergang auf die weiterführende Schule schon mehr Gedanken gemacht, ob sie auch so gut vorbereitet ist, wie unser Sohn.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Mo3

Sie sehen genau 2 Kinder, die Sie gut kennen,
und haben eine Sicht auf die Mitschüler:innen, von denen Sie vielleicht die häuslichen Verhältnisse kennen und immerhin selbst feststellen, dass sich einige in der einen Klasse „gequält“ haben.
Weil der Unterricht dem entspricht, was Sie sich vorstellen, nehmen Sie in Kauf, dass sich Kinder quälen müssen?

Was ist mit Klassen, in denen sich viele quälen, niemand das 1×1 nachmittags trimmt und die Diktate übt?
Es geht doch um die Kinder, die benachteiligt sind und die viel zu früh zu Bildungsverlierern werden.
Meiner Meinung nach geht es nicht ums Quälen, sondern darum, ein Schulsystem so aufzustellen, dass es genug Unterstützung und Förderung für alle Kinder gibt.
Und bevor die Vorwürfe kommen: Nein, die Lösung ist nicht, Standards abzusenken oder Anstrengung zu vermeiden. Das kann ich auch weiterhin in der GS nicht erkennen. Die Abkehr von z.B. Diktaten erfolgte nicht, um die Standards zu senken, sondern um darauf zu reagieren, dass mit dieser Methode zu viele Kinder nicht erreicht wurden und die Leistungen nicht ausreichend waren.

Aber bevor die Schulen für jede Klasse zwei zusätzliche Stunden Deutsch und Mathe erhalten, muss erst einmal gesichert werden, dass überhaupt Lehrkräfte für D+Ma und die Klassenleitung gegeben sind.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Quälen? Habe ich da was verpasst?

Es kann nicht genug Unterstützung und Förderung für alle geben. Diese „alle“ werden täglich mehr.

Wie soll das den bitte ohne Selbstaufgabe (der Staat hat je kein Geld für Bildung) funktionieren?

Inzwischen sind die Leistungen in sehr vielen Bereichen nicht mehr ausreichend. Soll davon auch abgekehrt werden?

Ich habe mal was von fördern aber auch von FORDERN gehört.

Immer mehr zu entlasten und rauszunehmen führt bestimmt nicht zu besseren Leistungen – ich vermute, es führt noch weiter abwärts.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Gequält wurde in der Schule, von der @Mo3 geschrieben hat.
Ich hatte nicht vor, die Kinder zu quälen,
dennoch kann ich fördern, Kriterien setzen und transparent machen, Wege dahin aufzeigen, in der Schule dafür üben, selbstständiges Üben anleiten, Fristen setzen und Leistungen einfordern …

Auch habe ich nicht davon geschrieben, dass man nichts fordert oder dass man Leistungen vermindert oder entlastet.
Da fehlen wieder die konkreten Hinweise.

Mir fallen allerdings durchaus Inhalte ein, die dazu gekommen sind. Also ist es doch mehr, was geleistet und gelernt werden soll.
Warum sollte das einfacher sein?

Mir fallen Anforderungen ein, die vor 20 Jahren so gut wie niemand gestellt hat. Dafür gab es Klassenarbeiten, in denen man vorab auswendig Gelerntes genauso wieder hinschreiben konnte – Anforderungsbereich I. Damit kann man heute ein knappes Ausreichend bekommen, früher war es ein Gut. Warum sollte das einfacher sein?

Wenn wir dahin zurück wollen,
müssen wir zum einen alles, aber wirklich alles andere rauswerfen.
Dann kümmert sich Schule nur um das, was z.B. 1980 im Alltag wichtig und gegeben war.
Dazu gehört auch, dass alle nach 80 dazugekommenen außerunterrichtlichen Aufgaben gestrichen werden.
In der Stundentafel stehen vielleicht noch 2 Std. Sport (oder war es nur eine?), 2 Std. Religion, 1 Std. Kunst, 1 Std. Musik. Fehlt die Lehrkraft, bleiben die Kinder zu Hause oder kommen nur für 1-2 Stunden, das ging in den 80ern ja noch. Betreuung? Nicht die Baustelle der Schule.
Ganztag? Keine Ahnung. Hort? Im Westen unbekannt.
Förderschule – ja am Rand der Stadt, Kinder wechseln im Sommer nach 3 Jahren Beschulung, bis dahin sollten sie nach den Vorgaben der Grundschule mithalten.

Zum anderen muss dann absolut sicher verbrieft sein, dass Grundschulen genau diese Aufgaben übernehmen, keine anderen. Keine weiterführende Schule, kein Elternteil, kein Politiker, keine Organisation kann dann noch irgendetwas in der Schule abladen, weil sich „die Schule“ darum kümmern soll. Die Antwort wird immer sein: „Nein, wir kümmern uns nur noch um Grundfähigkeiten im Lesen, Schreiben, Rechnen, für alles andere sind wir nicht zuständig. Bitte suchen Sie andere Lösungen und bezahlen Sie anderes Personal.“

Mo3
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Gequält ist vielleicht etwas übertrieben und hatte auch mit der Art der Lehrerin zu tun und nicht nur mit den Methoden. Und damit haben ja letztendlich alle gute Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich kommt man nicht darum herum, das 1×1 zu pauken und meine Jüngste hatte eine Mappe mit Grundwortschatz, der ebenfalls wie Vokabeln gelernt werden sollte. Inhaltlich hat meiner Tochter (außer vielleicht durch Corona) nicht viel gefehlt. Im Grunde geht es doch darum, Fleiß einzufordern, weil ohne geht es nicht – und da stören auch manchmal Eltern, die ihre Kinder in Watte packen und ihnen auch nicht zuviel zumuten wollen, was die Arbeit der LuLs noch erschwert. Und dann gibt es natürlich Eltern, die nicht unterstützen können oder wollen … Und ja, zwei Kinder sind kein Maßstab und unsere Schulsituation ist quasi noch paradiesisch, aber diese subjektive und auch Leherabhängige Beobachtung deckt sich ja doch irgendwie mit den Studienergebnissen.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Mo3

Das 1×1 wird heute leider nicht mehr auswendig gelernt – leider bei uns an der GS erlebt.

Es wird ein Lapbook gebastelt und die einzelnen Zahlenreihen werden dort – vorher natürlich von Lehryseite ausgedruckt – eingeklebt.

Das Basteln dauert länger als das Üben. Da geht viel Unterrichts- und Lernzeit verloren, aber immerhin – die Eltern finden es toll, wenn ihr Kind so ein (unnützes und ungenutztes) Lapbook hat.

Mir hat sich der Sinn noch nie erschlossen.

Ich bin für auswendig lernen und zwar in der ganzen Gruppe. Jede Reihe hat eine ganz eigene Melodie und einen eigenen Rhythmus.

Old fashion halt.

Maren
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Das Rezept ist doch klar: Zu bewährten Arbeitsweisen und Methoden zurückkehren und dazu noch die Lehrpläne von neumodischen Inhalten befreien, die nur Zeit rauben für das Erlernen und Üben im Bereich des schulischen Kerngeschäfts, vor allem also im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Sie beschimpfen diese Rückkehr als „überholt“ und „antiquiert“. Ich nenne sie vernünftig, weil Umkehr oft viel klüger ist als stur auf Irrwegen weiterzumarschieren.
Nicht alles, was neu ist, ist bekanntlich auch gut. Oft sind Rückschritte der wahre Fortschritt.

Ich bedaure, dass es in den vergangenen Jahren so leicht war, gute Erfahrungen mit Altbewährtem schlechtzureden und sie mit billigen Schimpfwörtern wie „ewig gestrig“, „mittelalterlich“ oder eben auch „antiquiert“ abzutun, so dass viele Lehrkräfte kaum mehr wagten, ihre ehrliche Meinung zu sagen, weil diese negativ auf ihre Person zurückfallen könnte.

Es ist wie bei „des Kaisers neuen Kleidern“. Alle sehen den Kaiser nackt, doch keiner wagt das zu sagen, weil jeder Angst davor hat, sich als blinder Modemuffel zu outen. Erst ein Kind, das dies nicht befürchtet, befreit alle
von ihrer falschen Hemmung und alle brechen in befreiendes Lachen aus.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Maren

Wenn es bewährt wäre… aber einiges, das aufgezählt wurde, würde ich in der Vergangenheit nicht als „bewährt“ einschätzen (z.B. Diktate), gerade weil viele Schüler:innen dabei benachteiligt und abgehängt wuden.

Maren
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

„Benachteiligt“ und „abgehängt“ kann ich, ehrlich gesagt, nicht mehr hören. Es fehlen nur noch „aussortiert“ und „abgeschoben“ oder „stigmatisiert“.
Solche moralisch aufgeladenen Begriffe gehören einfach nicht zu einer sachlichen Diskussion. Damit pflanzt man Menschen, die anders denken, nur eine Hemmung ein, ihre Meinung zu äußern. Sie können ja nur als menschliche Unholde dastehen, wenn sie nicht denselben Standpunkt vertreten wie Sie.

Viele fragen sich doch so langsam, wer in Wahrheit bei uns benachteiligt und abgehängt wird, wenn die durchschnittlichen Leistungen aller Schüler seit Jahren stetig bergab gehen.
In diesem Zusammenhang wäre dann auch zu fragen, ob Diktate als Zeichen der Wertschätzung von Rechtschreibung wirklich so unnütz waren, wie Sie behaupten.

Wenn Sie es als „bildungsgerecht“ ansehen, dass alle Schüler in ihren Leistungen zu wünschen übrig lassen, damit schwache Schüler sich nicht „benachteiligt“ und „abgehängt“ fühlen, sondern in guter Gesellschaft, ist das Ihre Sache. Diese Meinung ist aber moralisch keineswegs besser als die Andersdenkender. Für mich ist sie sogar äußerst fragwürdig.

Silja
1 Monat zuvor
Antwortet  Maren

Richtig!
Bekräftigen möchte ich folgenden Gedanken:
Diktate sind möglicherweise nicht das beste Übungsinstrument für eine solide Rechtschreibung. Ich beobachte aber auch, dass bei Schülern die Wertigkeit (und Notwendigkeit) der Rechtschreibung parallel zur „Abschaffung“ der Diktate gesunken ist.

klm
1 Monat zuvor
Antwortet  Silja

Diktate spornen zur Übung an. Darin sehe ich ihren Wert.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Maren

Dann erfinden Sie einfach ein neues Wort dafür, dass Schüler:innen, die bestimmten Personen hier im Unterricht nicht genehm sind, aus dem Unterricht ____________ werden sollen, sodass sie nicht anwesend sind.
Und wieder bleibt eine Antwort aus, was denn mit diesen Schüler:innen geschieht, wenn sie die eine Schule verlassen.
Wo bleiben sie dann?

Dass die Leistungen von allen Schüler:innen seit Jahren bergab gehen, entnehmen Sie genau woraus? Auch das ist nur eine Behauptung.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

„Dass die Leistungen … seit Jahren bergab gehen…“ – besorgen Sie sich einfach mal ein paar Lehrbücher aus den 80er und 90er Jahren für die GS. Die Anforderungen schaffen die meisten Kinder heute nicht mehr im vergleichbaren Alter! Damals wurden noch Texte geschrieben, keine Lückentexte ausgefüllt (ins Heft!) Die Lesetexte am Ende der 1. Klasse in der Fibel – um Himmels Willen! Ganz schlimm schon die Lesebücher der 2. Klasse. Mathe ebenso! – Ich hatte vor kurzem erst solche antiquierten Arbeitsmittel in den Händen! Ich kenne also den Unterschied. Mag sein, dass meine Brennpunktschule nicht der Maßstab ist, aber an vielen anderen sieht es bestimmt nicht besser aus. (Die Lehrbücher wurden schließlich nicht speziell für Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern konzipiert).

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

(Die Lehrbücher wurden schließlich nicht speziell für Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern konzipiert)

Nicht speziell, die Bücher und die Lehrpläne orientieren sich aber daran mit dem Ziel, auch möglichst vielen von denen einen möglichst hohen Abschluss zu geben.

Gerd Möller verweigert andauernd den Blick in die alten Bücher. Er würde auch Ihre Erfahrung machen, was seiner Ideologie in erhebliche kognitive Dissonanzen versetzt.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Für die schwächeren Schüler gibt es ja dann noch Extra-Förderhefte. So war es jedenfalls die letzten Jahre an meiner GS.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Und was garantiert Ihnen, dass die Kinder in den 80/90er Jahren die Texte lesen und die Aufgaben lösen konnten?

Wenn man in dieser Zeit erlebt, dass genau dies nicht möglich ist und wöchentliche Diktate viel Zeit fressen, aber keine sichtbare Verbesserung bringen, soll man dann die nächsten 20 Jahre darauf pochen und so weiterarbeiten?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Das konnten damals jedenfalls mehr Kinder als heute. Ich war damals schon Lehrerin und weiß es deshalb.

Palim
29 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Dann stelle ich meine damaligen Erlebnisse dagegen.
An der Schule, an der ich als Lehrkraft war, heute würde man es „Brennpunkt“ nennen, hat es den Kindern nicht geholfen.
Gerade weil so viele Kinder damit nicht zielführende lernen konnten, war es die logische Konsequenz, andere Formate zu wählen.

Und wieder und wieder bleibt die Frage, was mit denen passiert, die schon früh beschämt sind oder aufgeben, weil sie allein vor Aufgaben stehen, keine Hilfe und Unterstützung haben und nicht erkennen können, wie sie erfolgreicher sein könnten.

Sie aus bestimmten Klassen zu entfernen löst nicht einmal das Problem, dass sie ein schulisches Angebot benötigen.

Silja
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Interessant wäre hier, ob diese ehemals Abgehängten und mit den alternativen Übungsformen bessere Rechtschreibergebnisse erzielen würden als früher.
Außerdem interessant: Hinterlassen die aktuell angesagten Methoden keine Abgehängten mehr?

Mich stört bei dieser Formulierung „abgehängt“ die Opferhaltung.
Vielfach hängen sich Schüler selbst ab. Diktate hin oder her.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Silja

Ja, interessante Fragen zu den Übungsformaten.

Und noch interessanter bleibt die Frage:
Was soll mit den Schüler:innen passieren, die „abgehängt“ sind?

klm
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Sie wurden und werden nicht „abgehängt“! Soll man etwa die leistungsstärkeren Kinder noch mehr vernachlässigen, damit sich sie die schwachen bloß nicht „abgehängt“ fühlen?

So!?
14 Tage zuvor
Antwortet  Palim

„Lesen durch Schreiben“ war anstelle eines Leselehrgangs und Übungen mit Lernwörtern (ja auch mit Diktat) für schwache Schüler eine Katastrophe, weil kaum leistbar, und für gute Schüler eine Zumutung. Die schwachen Rechtschreibleistungen schleppten alle SuS noch jahrelang mit sich rum, da wurden alle mit benachteiligt. Diktate von geübten Wörtern und Texten waren und sind immer nur ein Teil der Diagnose von Rechtschreibung, solange ich unterrichte- schon Jahrzehnte. Und darum geht es letztlich: Dinge zu üben, um sie zu festigen, eine Spur im Gedächtnis zu legen. Bei Kindern, die ein Instrument lernen, durch üben, üben und nochmals üben, werden neurologische Veränderungen im Gehirn nachgewiesen und diese Kids zeigen meist bessere Schulleistungen, als solche, die stundenlang nur „zocken“ oder anderweitig medial beschäftigt werden.
Die sinnvollste Maßnahme für SuS mit wenig Vorerfahrungen im Bereich Bildung und Sprache ( phonologische Bewusstheit) im Übrigen war nach Ansicht der meisten älteren GSLuL der Schulkindergarten, ein Jahr Heranführung an die schulischen Anforderungen- im Schulgebäude. Dafür wären dann aber wieder die KM zuständig, einschließlich Fr. Prien.

Last edited 14 Tage zuvor by So!?
Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Meine Didaktikkenntnisse sind beleibe wirkich alt – aber was ich davon noch weiß – lernen und wiederholen und üben sind einfach wichtig!

Es werden keine Hausaufgaben gemacht – die Wiederholung von heute auf morgen fällt also flach.

Das muss in der Unterrichtsstunde gemacht werden – hindert das Vorankommen.

So erlebe ich das.

Übrigens – auch ein Artikel im Internet muss gelesen und verstanden werden. Wenn die Grundkompetenzen nicht da sind – tja, wohl verloren.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

„was denn Ihr Rezept ist“
Ich denke, was Ron oben schreibt, ist gar nicht so schlecht. Kann man natürlich für die ganz Schwachen noch modifizieren. Aber ohne regelmäßiges „Üben aus der Mottenkiste“ wird’s gerade bei denen wohl nicht gehen, und gerade auch bei schwacher Lernausgangslage. Wie soll’s denn sonst gehen? Den Nürnberger Trichter gibt’s nicht.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

So ziemlich einmal pro Jahr und mit stark zunehmender Tendenz und Schlagzahl erschüttern „neue Trends“ nach „neuester Forschung“ die „gyms“/Kraftsportstätten der Republik.
Immer geht es um das gleiche: Fett abnehmen und Muskeln aufbauen mit „Spaß“ und „Motivation“ und „ohne Druck“, schließlich ist es die größte Angst (von Leuten, die nach 3 Jahren immer noch kein Eisen gestemmt kriegen), so „aufgepumpt“ auszusehen.

Erstaunliche und schockierende Tatsache: Nur in der ekeligen „Eisengerümpelecke“ machen die Leute schnelle Fortschritte.
Was vielleicht daran liegen könnte, dass egal wie man es verbrämt…nur das physische Anheben des Eisens und die (individuell angepasste) Belastung zum Muskelaufbau führt.

Ach Du Schreck, ach Du meine Güte, das ist ja wie im vorletzten (oder vorvorletzten) Jahrhuuuuuundääährt! Hallo, es ist das Jahr 2022? Die neue Methode ist doch so gut, vor allem wenn man das Guakernmandelmehlpulver dazu nimmt!

Ähnlich ist es bei der Didaktik.
Je moderner, komplexer und psychologisierender die Didaktik – umso schlechter in der Regel die Lehrkraft im Praxiseinsatz.

Wer nie konsequent „durchschreiben“ muss – lernt halt kein Schreiben.
Egal wie man es verbrämt oder sich mit „It is [current year]!!!!11“-Argumenten versucht über Wasser zu halten.
Das gleiche gilt für Rechnen, Vokabeln und auch sonst für ziemlich vieles.

Und wer in polemischer Absicht glaubt, in diese simplen Tatsachen ein Plädoyer für „Kasernenhofschule des neunzehnten Jahrhunderts“ zu sehen – projiziert höchstens die eigene Angst oder politische Präferenz.

Natürlich muss Schule sich Neuerungen aussetzen – Neuerungen oder subjektive Gefühle von Kindern (die sich eh mit jeder Tiktokmode wieder ändern) können aber EIGENTLICH kein Maßstab für das Handeln der Hüter von Bildung (Bildung, nicht reinen Emotionen von Kindern!), der Lehrkräfte, sein.
Nur sind manche Neuerungen (etwa „keine Hausaufgaben“, anderswo „keine Diktate“, „kein Kopfrechnen“ usw.) schlicht und einfach Schrott. Müll. Unsinnig.
Und manche (nicht alle!) bewährten Verfahren sind halt zeitlose Klassiker, die eben einfach das Gewicht vom Boden reißen und Leistung kloppen.

Viele Grüße von jemanden, der mit Migru-Hintergrund die Diktate der Frau M. gehasst hat.
Vielen Dank liebe Frau M., dass Du auf meine zickigen „Kindergefühle“ (Diktate sind megadoof und Frau M. ja sowieso, weil sie die Diktate mit uns gemacht hat) mal so richtig hart ***garnix*** gegeben hast, denn so habe ich viel schneller halbwegs vernünftiges Deutsch gelernt und das Lesen von Büchern als Kind begonnen.
Danke, Frau M., danke den schrecklichen, diktatorischen Diktaten, mit denen Du uns wöchentlich gequält hast!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Ich halte Lernen und wiederholen und üben auch für den besten Weg, etwas nachhaltig zu lernen.

Von mir aus gerne Schiefertafeln – da muss sich das Hirn nämlich richtig anstrengen!

Ohne Üben wird auch der talentierteste Sänger nichts werden.

CoronaLehren
1 Monat zuvor

Nun denn, da haben es dann wenigstens die Hebammen richtig gemacht.

Aber die aufgezeigte Richtung ist klar. Die Schuldzuweisung im Anschluss an die nächste IQB-Runde geht an diese Berufsgruppe, sind sie doch diejenigen mit „Erstkontakt“.

Und weil es die Kitas sind und lt. Kretschmann volle Klassen keinen Einfluss auf den Lernerfolg haben, wird in BW jetzt um zwei Kinder je Gruppe aufgestockt. Das beseitigt auch den Mangel an Erzieherinnen.

Zur Klärung der Schuldfrage erst mal an die eigene Nase fassen oder den Dreck vor der eigenen Haustüre kehren.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Wie bitte sollen Kleinkinder inmitten einer das Gehör belastenden Geräuschkulisse besonders gut Deutsch lernen? Es ist fast permanent zu laut. So laut, dass die Erzieherinnen manchmal gar nicht mehr verstehen können, ob Kinder die richtigen Wortendundungen benutzt haben. Aber dann sollen Sprachförderprogramme mit plakativ kunterbunten Bildkärtchen weiterhelfen? Maches erinnert sogar an Memory, ein durchaus sinnvolles Spiel, aber da sich viele wichtigen Begriffe nicht gut bildlich darstellen lassen, bleibt programmgemäße Sprachförderung unvollständig.

Gerade für die frühe Sprachförderung ist ein inniger Blickkontakt zum Kind wichtig. Die Nähe zwischen Mutter, Vater, älteren Geschwisern, Oma, Opa, Kinderfrau oder Babysitter regt ein Kleinkind an, mit dem Gegenüber zu kommunizieren. Fehlt der innige Blickkontakt, fühlen Kinder sich möglicherweise animiert und hauptsächlich zum Mitmachen aufgefordert. Sie tun was alle anderen tun und erweisen den Erzieherinnen, die dadurch „Ziele“ erreicht sehen, einen Gefallen. Der Lerneffekt ist ein anderer.

Wenn ich mit einem Wickelkind schäkere, war das immer herzlich und es tauchte nie das Gefühl auf, dass ich mich dabei unwohl oder blöd gefühlt hätte. Es macht Freude, ein quietschvergnügtes Gegenüber zu haben. Aber vor einer Kindergruppe zu jedem erdenklichen Projekt ein Fingerspiel vorzuführen, war nichts für mich. Mir taten vor allem die „großen Jungen“ leid, die im Stuhlkreis erkennbar widerwillig bei den Fingerspielen mitmachten oder sie nur mit genervtem Blick über sich ergehen ließen.

Weniger langandauernde und früh einsetzende Gruppenbetreuung könnte für viele Kinder vorteilhaft sein. Wir brauchen gesellschaftspolitische Verhältnisse, wo Eltern wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können und wollen. Dass immer mehr institutionelle Förderung für alle, das Beste für Kinder wäre, glaube ich nicht. Dort wo Eltern allerdings wirklich versagen, müssten die Familien intensiv von Familienhelferinnen begleitet werden. Es gibt so viele Fälle, wo Jugendämter hätten eingreifen müssen.

Die beste Sprachförderung für Kinder findet im Alltag statt. Normale Gespräche und auch genügend Gesprächspausen. Steht Sprachförderung auf dem Plan, soll das Kind antworten und mitmachen. Das natürliche Selbstlernen der Kinder wird behindert.

Ron
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

„Dass immer mehr institutionelle Förderung für alle, das Beste für Kinder wäre, glaube ich nicht.“

So ist es!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Ron

Merken Lehrer eigentlich wirklich an ihren Schülern, dass bestimmte Förderprogramme der Entwicklung von Schülern wirklich gut getan haben?
Dieses https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/themen-entdecken/schule-und-unterricht/foerdermaterialien/4399/keiner-ist-so-schlau-wie-ich-i mit dem einprägsamen Namen „Keiner ist so schlau wie ich“ wurde vor Jahren an katholische Kitas verschenkt. Ich entdeckte den ersten von drei Bänden es mit Muff-Geruch in einem Keller und kann gut verstehen, wenn Berufskolleginnen derartige Materialien nicht einsetzen.
Der Titel soll auf den Ausspruch eines Mädchens zurückzuführen sein, das diesen Satz freudig ausgerufen hat, nachdem es am Programm mitgewirkt hat. – Weil Erzieher nicht mehr so viel Bücher bestellen, ist es für die Verlage wohl wichtig, dass der Titel auch Eltern anspricht.

GS in SH
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Bis vor etwa 15 Jahren gab es bei uns noch den Schulkindergarten. In den ersten Wochen bis zu den Herbstferien wurde geschaut, welche Kinder zwar eingeschult wurden aber noch nicht schulreif waren. Diese wurden dann in einem Raum der Schule von einer Erzieherin betreut und konnten „nachreifen“.
Es wurde Wert auf Feinmotorik, Zahlenverständnis, Konzentration über einen längeren Zeitraum, Sprachentwicklung usw. gelegt. Der Schulrythmus mit 45 Minuten in der Klasse und 15 Minuten Pause auf dem Schulhof galt auch für diese Kinder.
An unserer 3-zügigen GS kamen meist zwischen 10 und 11 Kinder zusammen, die diesen sehr behutsamen Einstieg in das Schulleben erfahren haben und dann im ersten Schuljahr meist völlig unauffällig waren, gut mitkamen und sich gut integrieren konnten.

Heute erfahren diese Kinder eine komplette Überforderung im ersten Schuljahr und keine gezielte Förderung in übervollen Klassen! Dann wiederholen sie Klasse 1 und haben schon die erste Frusterfahrung gemacht.

Last edited 1 Monat zuvor by GS in SH
Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  GS in SH

Heute werden sie alle noch früher eingeschult (verschobene Einschulung bis September/Dezember – in Berlin März(?), einige BL ziehen das zurück und sind (wieder) bei Juni/Juli), und der SKG kommt auch mal nicht zu Stande, u.a. weil die Untersuchungen vor der Einschulung fehlen/ alles akzeptieren und erst in den ersten Wochen der Schule auffällt, dass manche Kinder vorab eine andere Förderung bräuchten. Aber auch in NDS gibt es das Zurückstellen in den ersten Wochen nicht mehr.

Spracherhebung und Sprachförderung vor der Einschulung durch Lehrkräfte gibt es auch nicht mehr, auch darüber hatte man einige Kinder bereits 18 Monate vor der Einschulung gesehen (Screening) und 12 Monate vorab in der Förderung, sodass sich besser abschätzen ließ, ob die Kinder schulfähig sind.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Wie kann Sprachförderung in der KiTa gelingen, wenn Sie gleichzeitig der Meinung sind, es sei in den Gruppen zu laut?
„Integrative Sprachförderung“ ist im schlimmsten Fall der Ansatz, Personal einzusparen. Im Zuge des Mangels an Erziehenden werden gerade die für die Sprachförderung vorgesehenen Kräfte gestrichen.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Wie gern habe ich früher in einem integrativen Kindergarten gearbeitet, der diese Bezeichnung auch wirklich verdient hat. Für diesen Kindergarten habe ich eine weite Anfahrt in Kauf genommen. Das Arbeiten dort war sinnvoll, befriedigend und man ging nicht nach Hause, um dort vorschnell vor Erschöpfung einzuschlafen. Man konnte miterleben, wie Kinder Fortschritte machten, wie die Eltern die Arbeit der Kita unterstützt haben. – Aber dann wurden immer mehr eingruppige Einrichtungen kaputtgespart…

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Man mag darüber streiten, ob es um Sinne der Kinder gut wäre, ein verpflichtendes Kita-Jahr vor dem Schulbeginn einzuführen. Da die Kitas mittlerweile jedoch einstellen müssen, wen sie auf den Personalschlüssel anrechnen können, halte ich eine Pflicht für eine weitere grobe Missachtung von Versprechungen, Qualitätsstandards und Kindeswohl.

Bloß nicht! Es ist noch schlimmer geworden als vor 15 Jahren. Damals habe ich einen Zertifikatskurs des Landes NRW besucht. Als ich mich über die ausbleibende Vermittlung von Fachwissen beschwert habe, kam das bei der Schule gar nicht gut an. Ausbildungsleiter und Schulleiter sagten, es sei rechtlich nicht möglich, dem Zertifikatskurs einen Sprachtest vorzuschalten.

Ein beachtlicher Anteil derjenigen, die damals für die Einrichtungen „das Zertifikat“ erwerben mussten, hätte man vorab besser eine Prüfung absolvieren lassen. Es gibt Erzieherinnen, die ihre Muttersprache Deutsch so unzureichend beherrschen, dass sie früher keine Stelle bekommen hätten. – Heute scheinen Erzieherfachschulen zwar wieder anspruchsvoller geworden zu sein, aber wer die Ausbildung auf wundersame Weise geschafft hat, bekommt schnell eine Stelle. Auch dann, wenn anderswo die Probezeit nicht verlängert wurde.

Ursula von der Leyen hat verdammt viel bewirkt. Verständlicherweise strebte sie kein zweites Mal das Amt als Bundesfamilienministerin an.

Bettina
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ursula von der Leyen habe ich als Familienministerin in sehr schlechter Erinnerung.
Ihr Werben für die Krippenbetreung als frühkindlich wertvolle und unverzichtbare Bildungsarbeit habe ich damals schlimm (grausam) für die Allerkleinsten gefunden.
In Wahrheit ging es der Politik nur darum, Mütter so schnell wie möglich wieder ins Erwerbsleben zu bringen und ihnen sogar ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn sie ihre Babys von der frühkindlichen Superbildung fern hielten.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

Aber waren dies nicht die Auswirkungen nach der Wiedervereinigung (Krippen).
1950 konnte ein ostdeutsches Baby bereits ab der sechsten Lebenswoche aufgenommen werden, dann ver schob sich der Zeitpunkt der Aufnahme in die Kinderkrippe stufenweise.
Und im Westen?
Mit dem Stichtag des 01.08.2013 haben deutschlandweit alle Eltern, deren Kind das erste Lebensjahr vollendet hat, einen rechtlichen Anspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder innerhalb der Kindertagespflege.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

Im Jan. 2007 führte sie das 14-monatige einkommensabhängig Elterngeld als Lohnersatzleistung ein und die 24-monatige soziale Erziehungsgeld-Pauschale mit Einkommensobergrenze abgeschafft.
Im Feb. kam ihre Forderung nach einem massiven Ausbau der Krippenplätze (U3). Dann folgte das Betreuungsgeld um in frühkindliche Erziehung und Betreuung zu investieren.
SPD, Die Linke, Bündnis 90 / Die Grünen unterstützten die CDU/CSU Vorschläge.
Also fast ALLE nebst der Kirchen unterstützten die Entwicklung tatkräftig.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Als der Rechtsanspruch auf Betreuung der Kinder ab drei Jahren anstand, gab es zu wenige Fachkräfte und zu wenig Plätze zur Betreuung der Kinder. Sie Städte verlangten von den Erzieherinnen, bis zu zwei Kinder mehr pro Gruppe aufzunehmen. Die Kirche lehnte für ihre Fachkräfte eine Erhöhung der Gruppestärke ab. – Entsprechend höher war ihr Ansehen bei den katholischen ErzieherInnen. – Heute sind nicht wenige enttäuscht, dass die Kirche Gelder für den Krippenausbau nur zu gern in Anspruch genommen hat, um marode Gebäude mit finanzieller Unterstützung zu sanieren.

Kritischer Dad*NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

… dass die Kirche Gelder für den Krippenausbau nur zu gern in Anspruch genommen hat, um marode Gebäude mit finanzieller Unterstützung zu sanieren.“
Leider mag ich Ihnen da nicht zustimmen. Ihre Auffassung, die Zuschüsse (ohne Eigenanteile) der freien Träger, hier der Kirchen, würden sachfremd verwendet ist kaum haltbar. Die damalige Zuschussfinanzierung einer KiTa (vor KiBiz) scheint Ihnen unbekannt.
Die Kirchen lehnten tatsächlich ab, weil es je Gruppe einfach mehr Kinder gab (auch Mehreinnahmen für die Kommunen durch mehr KiTa-Beiträge), die Träger aber davon keinen Cent mehr erhielten, da die Zuschüsse als Festzuschüsse je Kindergartenjahr gedeckelt waren.
Für die EKD waren dies ein ungedeckter Eigenanteil von Ø 9,05 Prozent in 2005 der KiTa-Gesamtkosten.

Und möchten Sie den Kirchen vorwerfen, dass diese Ihre Gebäude im Gegensatz zu Kommunen versuchen im Rahmen ihrer Finanzmittel zu erhalten statt einfach nur abzuwirtschaften.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

So schlecht die Erinnerungen vieler Fachkräfte sind, so gut war ihre Presse. EMMA hat v.d.L. gelobt und als Christa Müller ihr Paroli bot, wurde sie als Eva Herman der Linken bezeichnet. Wahlfreiheit durch ein Erziehungsgehalt war eine Forderung, die leider nicht ernst genommen wurde von den Medien.

Mittlerweile haben Eltern die „Freiheit“ ihr Kind entweder mehr schlecht als recht betreuen und bilden zu lassen – oder erhebliche finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen.

Bettina
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Sie sagen es, Frau Mauel. Für Eltern, die ihre Kinder in den ersten 3 Jahren selbst betreuen wollten, wurde ein mickriges Elterngeld von 100 bis 150 Euro gefordert als „Ausgleich“ für den Verzicht auf einen Krippenplatz, der die öffentlichen Kassen ein Vielfaches von diesem Betrag kosteten. Aber auch das wurde mit höhnischen Bemerkungen abgelehnt. Wenn ich mich recht erinnere, ist nur Bayern diesem Elternwunsch nachgekommen.
Ja, diese Eltern haben „erhebliche finanzielle Nachteile“ für ihr Kind in Kauf genommen. Sie sagten sich: „Wir haben unser Kind doch nicht in die Welt gesetzt, um es sogleich in fremde Hände zu geben.“

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

„mickriges Elterngeld von 100 bis 150 Euro– da war die staatliche Leistung aber weitaus höher als die Forderung

Einkommensunabhängig gezahltes Erziehungsgeld gab es bis Ende 2006:
Regelbetrag von 300 € monatlich bis zum Ende des 2. Lebensjahres des Kindes und dem Budget-Angebot von 450 € monatlich bis zum Ende des 1. Lebensjahres des Kindes wählbar.

Erziehungsgeld und der Erziehungsurlaub wurden durch das Elterngeld und die Elternzeit ab 2007 abgelöst. Zusätzlich dann noch das Landeserziehungsgeld.

Für 2022: Das Elterngeld beträgt in der Regel 65% bis 67% – in Ausnahmefällen sogar bis zu 100% – des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate vor der Geburt des Kindes. Dabei beträgt es mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro monatlich und wird einkommensabhängig gemindert.

Sächsisches LandeserziehungsgeldThüringer LandeserziehungsgeldBayerisches Landeserziehungsgeld

Last edited 1 Monat zuvor by gehtsnoch
DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Bettina

Ich finde ja auch, dass Mütter schön lange zuhause bleiben sollten. So lange, bis die Kids ausziehen. Wozu sind Mütter denn sonst da?// AUS

Bettina
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Genauso blöd könnte ich fragen: „Sind Mütter nur Gebärmaschinen, die ihre Kinder möglichst rasch in staatliche Hände geben sollen, damit die Regierung auch ja die „Lufthoheit über die Kinderbetten“ (Zitat Olaf Scholz) bekommt?

Was bedeutet denn „Lufthoheit über die Kinderbetten“? Bei dem Begriff gruselt es mir nach wie vor, denn autokratische oder kommunistische Länder wie Nordkorea oder China legen höchsten Wert auf diese Lufthoheit.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ironie?

Indra Rupp
1 Monat zuvor

1. Mir ist, glaube ich, in meinem ganzen Leben noch kein Kind unter die Augen gekommen, das nicht eine Zeit im Kindergarten gewesen war.

2.Ich bin dagegen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen, die sowieso nie Andere in ihrer Entwicklung einholen können, doppelt und dreifach so viel arbeiten bzw lernen sollen, ihre Freizeit opfern und wie eine Strafe Überstunden machen müssen, die dann noch nicht einmal nennenswerten Erfolg versprechen. Gerade entwicklungsverzögerte Kinder, bzw geistig behinderte Kinder sind eigentlich als sehr viel jüngere Kinder zu betrachten und sollten daher sogar weniger Druck und Arbeitszeit haben.

3. Hört auf, mit solchen Ideen, incl Ganztagszwang, den Eltern alle Kompetenzen abzusprechen! Das ist gegen die Menschenwürde und Respektlos. Wie sich beim Ganztag zeigt, führt dies dazu, dass Eltern diese Rolle annehmen und immer mehr Verantwortung abgeben. Dadurch, dass Eltern Kompetenzen entzogen bzw abgesprochen werden, verlieren sie wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung diese Kompetenzen! Das Gegenteil, von dem was man möchte, wird also erreicht.

Wieviel Prozent gehen wirklich nie in den Kiga? Wieviel davon haben überdurchschnittlich extreme Defizite? Bilden diese, wenn existent, gemeinsam eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, zB Migranten Familien, die ihre Kinder den ganzen Tag im Hinterhof spielen lassen und für die unser starres deutsches System fremd ist? Sind diese dann wiederum verantwortlich für die schlechten Ergebnisse? Wenn ja, wie kann man ihnen unser „deutsches“ System näher bringen, damit sie sich zumindest in Teilen dem anpassen wollen?