Staatliche Anerkennung für Humanistische Hochschule in Berlin – CDU: unnötig

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Die sich in Gründung befindliche Humanistische Hochschule Berlin ist jetzt staatlich anerkannt. Damit sei die Berliner Hochschullandschaft um eine Einrichtung reicher, teilte ein Sprecher der Wissenschaftsverwaltung am Dienstag in Berlin mit. Im kommenden Jahr will die Hochschule eigenen Angaben zufolge die ersten Studenten unterrichten. Aus Sicht der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus braucht Berlin die neue Hochschule nicht.

Die Berliner Humboldt Universität bekommt weiterre Konkurrenz. Foto: Shutterstock

Geplante Fächer sind Soziale Arbeit (Bachelor), Angewandte Ethik und Humanistische Lebenskunde (beide Master). Gründungsrektor ist Julian Nida-Rümelin. Er war 2001/2002 Kulturstaatsminister unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Nach eigener Darstellung ist die Hochschule die erste ihrer Art in Deutschland. Sie will «für eine humanitäre Praxis» ausbilden, «die die Würde von Menschen und den Wert der Natur in den Mittelpunkt stellt».

Angesichts eines immensen Sanierungsstaus in Milliardenhöhe werde gerade jeder Euro gebraucht. Für die Hochschule seien aber Mittel in Millionenhöhe bereitgestellt worden, sagte der forschungspolitische Sprecher der CDU, Adrian Grasse. Außerdem sei völlig unklar, welchen Zugewinn Berlin durch die neue Hochschule erhalte,

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«Nach der uns bekannten Aktenlage ergaben eigene Berechnungen der Wissenschaftsverwaltung, dass die Kosten für die Etablierung des Studiengangs Soziale Arbeit an der Humanistischen Hochschule Berlin höher sind als die für den Ausbau weiterer Kapazitäten an den Hochschulen, die bereits solche Studiengänge anbieten», so Grasse.

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg hatte die Gründung einer Humanistischen Hochschule Berlin beschlossen und dazu eine Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. Der Verband hat eigenen Angaben zufolge jeweils rund 1500 Mitarbeiter und Ehrenamtliche in seinen Einrichtungen und ist einer der größten Sozial- und Bildungsträger in Berlin und Brandenburg. News4teachers / mit Material der dpa

Breit diskutiert in Deutschland: Nida-Rümelins These vom „Akademisierungswahn“

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Carsten60
2 Monate zuvor

Es gibt bei dieser Sache ein paar Ungereimtheiten. Es hat Versuche gegeben, sog. humanistische Privatschulen zu gründen, bei denen der Religionsunterricht eben durch etwas anderes ersetzt werden sollte. Dagegen wurde dann zu Felde gezogen mit der Begründung „Atheismus ist keine Weltanschauung“, und auch Gerichte sind dem gefolgt:
http://www.diesseits.de/meldungen/deutschland/klage-humanistischen-schule-bremen-berufung-abgewiesen
Die Humanisten, die für eine Loslösung vom Einfluss der etablierten Kirchen plädieren, werden vielfach benachteiligt. Sie dürfen keine Werbung gegen Religion machen, es darf nur Werbung für Religion geben. Sie kommen nie in Rundfunkräte, aber die beiden Kirchen haben dort Vertreter. Das hat auch Auswirkungen auf das Programm. Inzwischen allerdings lese ich auch, dass Privatschulen nicht zwingend Religionsunterricht erteilen müssen. Das wäre ja ein kleiner Fortschritt. In NRW ist immer noch in etlichen Orten die einzige Grundschule eine staatliche katholische Schule (kein Widerspruch). Und das angesichts des schrumpfendes Kirchenvolkes.
Unabhängig davon darf man aber die Frage stellen, ob es in der jetzigen Situation einer weiteren privaten Hochschule bedarf, um die genannten Ziele zu erreichen, wo wir doch schon über 100 private Hochschulen haben. Warum machen die staatlichen Hochschulen das nicht quasi automatisch? Sie sind doch nicht von den Kirchen abhängig. Warum also können staatliche Hochschulen nicht genauso „die Würde von Menschen und den Wert der Natur in den Mittelpunkt stellen“, zumindest bei bestimmten Studiengängen? Was soll der entscheidende Unterschied zwischen den entsprechenden Studiengängen an dieser Humanistischen Hochschule und an staatlichen Hochschulen sein? Was ist der Unterschied zwischen der einen sozialen Arbeit und der anderen sozialen Arbeit?
Etliche private Hochschulen haben nicht mehr Studenten als manche größere Gesamtschule Schüler. Darin liegt doch eine gewisse Gefahr der Zersplitterung. Und manchmal droht sogar die Pleite: Die Hochschule in Bruchsal wurde nur 11 Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgelöst. Auch die Jacobs University in Bremen musste mal „gerettet“ werden trotz Studiengebühren i.H. von 20.000 € pro Jahr. Gegen solche Summen sind die üblichen Schulgebühren bei Privatschulen gering, gelten gleichwohl aber als unsozial.
Der Name Nida-Rümelin als Gründungsrektor sollte eigentlich für Qualität bürgen, er ist jemand von Format, es ist aber doch eine grundsätzliche Frage, was der Wert solcher kleinen und gewiss exklusiven, aber staatlich mitfinanzierten privaten Hochschulen sein soll. Eine andere Ungereimtheit: Der SPD-Linke Rackles macht sich für diese private Hochschule stark, während andererseits Privatschulen in Berlin gerade von grünen und linken Politikern schon mal nicht genehmigt wurden, und zwar aus prinzipiellen Erwägungen (soziale Segregation). Mich macht das stutzig. Ich denke, die Privatisierung von Bildung müsste umfassender diskutiert werden.