Abiturienten setzen Schule unter Wasser (wollen aber für den Schaden aufkommen)

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TÜBINGEN. Nach einem Abistreich steht in Tübingen die Schule unter Wasser. Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Sachbeschädigung aufgenommen. Die Täterinnen und Täter wollen allerdings für den Schaden aufkommen.

Die Feuerwehr rückte an (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Ein Abistreich an einem Tübinger Gymnasium ist aus dem Ruder gelaufen. Wegen laufender Wasserhähne habe das Foyer am Montagmorgen unter Wasser gestanden, sagte Schulleiter Martin Schall. Das Wasser sei teils in den Aufzugschacht gelaufen und Türen seien kaputt gewesen. Die Feuerwehr rückte an und pumpte das Wasser ab. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Verdachts der Sachbeschädigung aufgenommen, wie ein Sprecher mitteilte.

Indes haben sich die 25 Beteiligten sowie die Hauptverursacher schulintern zu ihren Taten bekannt. Sie wollen für die Kosten aufkommen und sich in Form eines Projekts positiv für die Schule engagieren – auch über ihr Abitur hinaus, wie der Schulleiter sagte. Der Schaden falle mit circa 2.000 bis 3.000 Euro niedriger aus als zunächst angenommen. News4teachers / mit Material der dpa

Unbekannter beschädigt Klo – Schule steht unter Wasser: Hunderttausend Euro Schaden

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Einer
4 Tage zuvor

Man macht Unsinn und Fehler und steht dann dafür gerade – das ist Reife. Die haben ihr Abitur wirklich verdient.

Schulmeister
3 Tage zuvor

Hut ab und allen Respekt vor der Einsicht der Abiturienten und der Bereitschaft, sich aktiv bei der Beseitigung der Schäden einzubringen.

Mal abgesehen davon scheint mir bei dem Vorfall die Fragwürdigkeit dieses ganzen „Events“ doch mehr als deutlich zu werden.  Ich kann in dem Zusammenhang weder etwas mit dem Begriff „Kultur“ noch mit „Subkultur“ anfangen. 
Wenn, dann würde ich eher von Un – Kultur reden. Wir in der Schule nehmen derlei Veranstaltung Jahr für Jahr hin wie ein Gewitter: Wir ahnen, dass es kommt, wissen aber nicht wann. Wir gucken es uns an, manchmal ducken wir uns, gelegentlich gehen wir auch raus um uns in den Regen zu stellen. Am Ende sind wir froh, wenn alles vorbei ist und die gröbsten Schäden des Unwetters beseitigt sind. Wir atmen auf und sagen erleichtert: „War ja gar nicht schlimm, es hätte übler kommen können. Und überhaupt an anderen Schulen ist es ja noch viel schlimmer … .“ An dieser Stelle konnte dieser letzte Satz nicht gesagt werden. Es scheint auch nicht die einzige Schule zu sein, an der die Sache aus dem Ruder gelaufen ist.
Wir sollten uns erinnern an das, was wir irgendwann mal mit dem Abitur verbunden haben, Reife, Studierfähigkeit, letztlich ein Stück in Richtung erwachsen werden. Happenings dieser Art konterkarieren diesen Anspruch. 

Realist
2 Tage zuvor

Der Schaden falle mit circa 2.000 bis 3.000 Euro niedriger aus als zunächst angenommen.“

??? Alleine der Feuerwehreinsatz sollte deutlich teurer sein.

Biene
1 Tag zuvor
Antwortet  Realist

Der Einsatz wird getrennt vom Sachschaden behandelt! Die Einsatzkosten der Feuerwehr dürften entsprechend umgelegt werden und möglicher Weise von den Verursachern gezahlt werden.

Ulrika
2 Tage zuvor

Wieso werden diese Übeltäter:innen ob der „Bereitschaft“, den Schaden zu beseitigen, noch gelobt? Lächerlich! Erwachsene, die das Zeugnis der Reife bekommen (sollen), sollen zum einen mehr Verstand haben und wissen, wo die Grenze zwischen Spaß und Ernst liegt. Zum anderen ist der Schadenersatz eine Selbstverständlichkeit, ebenso die Prüfung strafrechtlicher Relevanz und die Übernahme anderer Kosten (Polizeieinsatz etc.). Und das zeugnis möge man ihnen per Post schicken. So haben wir das an unserer Schule gemacht- Leute, die solchen Mutwillen an den Tag legten, von der Abschlussfeier ausgeschlossen. Aber pardon, es waren bei uns ja nur Realschüler.

Schulmeister
2 Tage zuvor
Antwortet  Ulrika

Es geht weniger um ein Lob als um das Anerkennen, dass hier so etwas wie Einsicht und damit ein Lernerfolg stattgefunden hat. Lob wäre verfehlt, denn der sog. „Abischerz“ war krass daneben.
Aber: solange wir Jahr für Jahr gute Miene zum bösen Spiel machen, von Kultur oder Tradition reden, womöglich bei der Olympiade der Geschmacklosigkeit noch mitmachen, fühlen sich die Initiatoren ja bestätigt, diese „Tradition“ weiterzuführen. Wenn Sie von „Erwachsenen“ sprechen, muss ich sagen, dass spätestens seit G8 (im Moment sind wir zumindest in BaWü ja noch mitten drin) ich bei unseren Abiturienten keine jungen Erwachsenen mehr vor mir habe, sondern bestenfalls große Kinder.

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  Schulmeister

„… keine jungen Erwachsenen mehr vor mir habe, sondern bestenfalls große Kinder.“ – und das liegt an G8?

Schulmeister
1 Tag zuvor
Antwortet  potschemutschka

Hallo potschemutschka,
Ja, das könnte aus meiner Sicht ein Grund sein – sicher nicht der einzige. Ich habe schon den Eindruck, dass in der Phase, in der frühere Schüler ihr 13. Schuljahr absolvierten, etliche von ihnen einen Reifeschub gemacht haben. Sie hatten auch mehrheitlich schon einen Plan, wie es mit ihnen weitergehen kann. Diese Möglichkeit haben wir ihnen zu G8 – Zeiten genommen. Viele wissen wirklich noch nicht, was sie mal machen wollen. Vielleicht gehen auch deswegen viele erstmal auf Reisen oder nehmen sich eine Auszeit anderer Art – um nachzureifen, auch wenn es ihnen so gar nicht bewusst ist.

Ulrika
2 Tage zuvor
Antwortet  Schulmeister

…letzteres möglicherweise auch, weil wir- Eltern, Schule, Justiz, Gesellschaft usf. den Jugendlichen am Ende doch immer alles aus dem Weg räumen, sie pampern, die Konsequenzen auffangen und sie damit im Grunde nicht erwachsen werden lassen. Als (meist oder bald) volljähriger Mensch ist man als Abiturient:in für sein:ihr Handeln verantwortlich und hat auch die Konsequenzen auszubaden.