Forscherin: Glück lässt sich trainieren (wie sich Musizieren lernen lässt)

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TRIER. Es ist wie beim Sporttraining oder Spielen eines Musikinstruments: Man lernt dadurch, dass man die Neuronen im Gehirn ändert. Das geht auch beim Glück, sagt eine Forscherin.

Geht doch (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Glück und Wohlbefinden kann man nach Ansicht der Trierer Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry trainieren. Wenn man viele positive Erfahrungen und Gedanken in sein Leben lasse, veränderten sich die neuronalen Strukturen und synaptischen Verbindungen im Gehirn, sagte die Neurowissenschaftlerin. Und zwar so nachhaltig, dass das Gehirn quasi grundlegend «positiver tickt».

Im Prinzip sei es ein Lernprozess, der mit Sport- oder Musiktraining vergleichbar sei, erklärte Brohm-Badry. In einem Labor misst sie mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG) die elektrische Aktivität des Gehirns bei Probanden. «Es ist faszinierend zu sehen, wie man mit positiven Gedanken das Gehirn neuroplastisch prägen kann», sagte sie.

Mehr Botenstoffe für Glücksempfinden

Neuroplastizität meint die lebenslange, ständige Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell auf Veränderungen anzupassen. «Das Gehirn ist neutral. Es lernt einfach das, was wir eingeben», erläuterte Brohm-Badry. Es unterscheide dabei nicht zwischen guten und schädlichen Entwicklungen.

Bei «langfristig positiven Impulsen» leiteten die Rezeptoren im Gehirn mehr Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin weiter – und die seien wichtig für das Glücksempfinden. «Und diese Rezeptoren können wir stimulieren, indem wir spezifische Sachen machen», sagte die Expertin. Als Beispiel nannte sie «mehr Verbundenheit suchen mit anderen Menschen» – und zwar bei richtigen Treffen, nicht «als Sekundärerfahrungen online».

Auch Sport zu machen oder ein Musikinstrument zu spielen, könnte dazu beitragen, «dass es im Gehirn zu diesen charakteristischen Alpha-Schwingungen kommt», sagte die Expertin. «Je häufiger wir gute Erfahrungen machen, desto stärker sind die neuronalen Änderungen im Gehirn.»

Zur Person: Neurowissenschaftlerin und Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung und Professorin für Lehr-Lern-Forschung an der Universität Trier. News4teachers / mit Material der dpa

News4teachers-Podcast von Kati Ahl: “Wellbeing” als Schulprogramm – sind dänische Schulkinder (deshalb) glücklicher?

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potschemutschka
26 Tage zuvor

Finnisches Sprichwort: “Das Glück ist ein Ort zwischen zu viel und zu wenig.”
Hmmm, was bedeutet das in Bezug auf Schule/Bildungssystem/Schüler …? 🙂 Egal!
Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein glückliches Neues Jahr!

Lisa
25 Tage zuvor

Wenigstens redet die Bildungsforscherin auch von guten Erfahrungen. Viele meinen ja, gute Gedanken würden es schon richten ” Always looking on the bright side of life” pfeif….

Die Balkon
25 Tage zuvor

Großartige Forschung! Dass ich dafür Steuern zahlen darf ist mein größtes Glück!!

potschemutschka
25 Tage zuvor
Antwortet  Die Balkon

“Glücklich ist,
wer vergisst,
was doch nicht zu ändern ist.”

potschemutschka
23 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka
Dil Uhlenspiegel
25 Tage zuvor

Stundenende macht auch viele glücklich. Die zum Abschied weinen, schicke ich musizieren,

In diesem Sinne: Wünsche allzeit stabile Alpha- und Omega-Wellen! Schön neuroplastisch bleiben in Zweitausenpfümpfunzwansich!

Mary-Ellen
25 Tage zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Jau, merci!
Auch für dich gaaanz viel Glücksklee!

vhh
24 Tage zuvor

Das hat der gute Albert E. auch ohne Forschungsprogramm schon vermutet:
„Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufhören zu jammern.”
Also immer schön konstruktiv bleiben, da kommt das Glück im nächsten Jahr ganz von allein. Alles Gute!

447
23 Tage zuvor