BERLIN. Der Fastenmonat Rmadan hat begonnen, vielerorts verändert sich damit auch der Schulalltag. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Debatte über wachsenden sozialen Druck unter Jugendlichen bringt der Verband Muslimischer Lehrkräfte seine Handreichung für Kolleginnen und Kollegen in Erinnerung. Darin geht es um Religionsfreiheit, pädagogische Verantwortung – und klare Grenzen gegenüber Zwang und Ausgrenzung.

Mit Beginn des Ramadan weist der Verband Muslimischer Lehrkräfte (VML) auf seine bereits 2022 veröffentlichte Handreichung für Schulen hin. Der „Infobrief zum Thema Ramadan“ richtet sich ausdrücklich an „KollegInnen in der Schule“ und soll über religiöse Hintergründe, Praxisfragen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten informieren.
In dem Schreiben heißt es einleitend: „der islamische Fastenmonat Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam. Weltweit freuen sich Milliarden Menschen das ganze Jahr über auf den Beginn dieses besonderen Monats, darunter viele unserer SchülerInnen und unserer LehrerkollegInnen. Der Ramadan ist ein Monat der Einkehr, Besinnung, Spiritualität und Vergebung.“
„Wer fastet und gleichzeitig flucht, schlägt, spuckt und andere nicht respektiert, verstößt gegen den Sinn des Fastens“
Der Verband betont, dass das Fasten mehr sei als der Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang. Vielmehr diene der Ramadan der „Schulung des Charakters und der Stärkung des Gottesbewusstseins“. Zugleich verweist die Handreichung auf religiöse Ausnahmen: „Ausgenommen von der Pflicht zum Fasten sind alte Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Reisende, Menstruierende, Schwangere und Stillende.“
Vor allem für den Schulalltag formuliert der Verband konkrete Hinweise. So heißt es unter der Überschrift „Empfehlungen zum Umgang in der Praxis“: „Fasten ist wie Beten eine Sache zwischen Mensch und Gott – es geht andere nichts an, ob jemand fastet oder nicht fastet. Es darf niemand herabgewürdigt werden, wenn er oder sie nicht fastet und genauso darf niemand diskriminiert werden, wenn er oder sie fastet.“
Zugleich stellt der VML klar: „Es gibt keinen Zwang in der Religion. Eine gesundheitliche Gefährdung des Kindes oder Jugendlichen ist nicht im Sinne des Islam.“ Das „Wohl des Kindes“ stehe „immer zu jeder Zeit im Vordergrund“. Fasten sei kein Vorwand, „schulische Pflichten zu umgehen“. Wer faste und gleichzeitig „flucht, schlägt, spuckt und andere nicht respektiert“, verstoße „gegen den Sinn des Fastens“.
Lehrkräfte werden ausdrücklich in die Verantwortung genommen. Wenn im Sportunterricht deutlich werde, dass eine Schülerin oder ein Schüler gesundheitlich geschwächt sei, „sollte die Lehrkraft das Wohl des Kindes im Auge behalten und die Empfehlung aussprechen, das Fasten abzubrechen“.
Aktuelle Brisanz erhält die Erinnerung an die Handreichung durch eine Debatte über wachsenden sozialen Druck unter Jugendlichen während des Ramadan. Der Münsteraner Theologe Prof. Mouhanad Khorchide hatte in den vergangenen Tagen vor einer Entwicklung gewarnt, bei der einzelne Schülerinnen und Schüler Mitschüler unter Druck setzten, wenn diese nicht fasteten. Er sprach von Jugendlichen, die sich als „eine Art Religionspolizei“ aufspielten und andere mit Sätzen wie „Was für ein Muslim bist du?“ abwerteten.
Khorchide forderte gegenüber Medien klare Ansprechstellen in Schulen und betonte, Lehrkräfte dürften nicht wegschauen oder das Problem als rein innerreligiöse Angelegenheit behandeln. Der VML greift diese Perspektive auf, indem er die individuelle Religionsfreiheit hervorhebt. In seiner Handreichung heißt es ausdrücklich: „Fasten ist die Entscheidung jedes Einzelnen.“ News4teachers
Hier lässt sich die Handreichung des VML herunterladen.
Ramadan: Theologe Khorchide warnt vor wachsendem Fastendruck an Schulen









“Es darf niemand herabgewürdigt werden”
Wie beruhigend, wahrscheinlich dachten schon viele, der Verband würde sich FÜR Herabwürdigung aussprechen. Garantiert wird diese Stellungnahme positiv aufgenommen und nicht völlig außer Acht gelassen, um weiter gegen Religion abzustänkern 😛
Es geht nicht darum, gegen Religion “anzustänkern”, sondern die auswüchse der Religionen mal unter dem Aspekt der Menschenrechte und der Vernunft auf den Prüfstand zu stellen. Religion kann keinen übergeordneten Alleinanspruch haben ohne Rücksicht auf Verluste. Wie ordnen Sie denn die Religion der Mullahs ein, diesem verbrecherischen und menschenverachtenden Regime? Gibt man den Religionen freie Hand, nehmen sie sich immer mehr und agieren eindeutig gegen unsere demokratische und freiheitliche Ordnung. Im “Kleinen”: warum dürfen Frauen kein höheres katholisches amt bekleiden? Diskriminierend und völlig unvernünftig, da jetzt Pfarrer fehlen. Ist das alles sinnvoll? Oder sollte man vielleicht doch langsam massiv Kritik üben?
Spannend, der Verband muslimischer Lehrkräfte distanziert sich und setzen mit dem Mullahregime nach.
“Gibt man den Religionen freie Hand, nehmen sie sich immer mehr und agieren eindeutig gegen unsere demokratische und freiheitliche Ordnung.”
Oder die gründen einen Verband, welcher die garantierte Religionsfreiheit mit demokratischen Werten verbindet.
Aber zu diesem Artikel fallen manchen Menschen wohl mehr Mullahs ein, als Lehrkräfte – um die es im Artikel geht…
Schätze, Sie müssen sehr weit ausholen, um an der Religionsfreiheit ruckeln zu können (augenroll)
Es fehlen keine Pfarrer sondern Kirchgänger : Weihnachten und Ostern sind inzwischen die Messfehler. Warum sollte man einen (be)lehrenden Beruf wählen, wenn kaum einer die frohe Botschaft wöchentlich erhalten möchte.
Das ist ähnlich frustriend die Predigt vorzubereiten wie den Seminarvortag, wenn das Studiensemester beschließt zwar “Student/in” zu sein, aber nicht zu kommen.
Ganz ehrlich: Gäbe es keine Schulpflicht – wie voll wären die Klassen?
Immer das gleiche. Warum wird nicht gegen den sozialen Druck gegen Muslime gesprochen. Es ist immer gegen die Muslime gerichtet. Das zeigt, dass es nicht Leute sind, die für den Islam sind.
Weil dies das bequemste Ziel für Fremden- und Glaubensfeindlichkeit ist.
Beim Judentum traut sich das keiner, daher wird dann ganz “sorgenvoll” bei anderen Religionen untergraben.
Diese angeblichen Atheist*innen repräsentieren all die Bevormundung, Freiheitsbeschränkung und Verbote, die sie anderen Religionen ach so gerne ankreiden.
ECHTE Weltoffenheit, Religionsfreiheit UND Demokratie, das ist solchen Leuten ein Dorn im Auge 🙁
Es ist bezeichnend, dass Jugendliche, die aus prekären Verhältnissen kommen, auch nur eine “abgespeckte” eher schlichte Version ihrer Religion kennen..Es wäre schön, wenn man den Fokus auf Vergeben, Reinheit, gutes Benehmen und seine persönliche Beziehung zu Gott legen könnte..Diese Auslegung wäre für alle Schüler interessant.
Fragte der Schüler seinen Lehrer: “Kannst du mir was zu Gott erklären?”
Der Lehrer überlegte kurz: “Nein, darf ich nicht. Ich habe kein Theologie-Studium absolviert, keine Missio bzw keine Vocatio. Religion ist Privatsache, vom Grundgesetz besonders geschützt. Frag also zuhause oder im Reli-Unterricht.”
Ich bin erstaunt wie unkritisch hier einige Kommentare sind. Bei mir in der Grundschule fasten 9-10 jährige Kinder und das ist mitnichten immer eine freiwillige Entscheidung. Er ist eine “Challenge” unter den Kindern, wer Durchhaltevermögen zeigt und es herrscht großer sozialer Druck, z.T. auch aus den Elternhäusern. Wenn ich den Kindern erzähle, dass Fasten im Ramadan nicht für Kinder gedacht ist, sondern vielleicht frühestens ab 14 oder sogar erst an 16, sind sie ganz erstaunt und wissen das z.T. gar nicht. Manche leben auch in Angst vor dem Zorn Allahs wenn sie nicht fasten. Die Kinder haben oft ein sehr geringes Wissen über ihre eigene Religion.
Einige Kinder fehlen im Moment auch sehr häufig in der Schule, letztlich ist einer nach dem Sportunterricht fast umgekippt, hat sich aber geweigert zu trinken. Meinen DAZ Unterricht könnte ich im Moment auch bleiben lassen, die Kinder sind nicht aufnahmefähig und völlig neben der Spur.
Danke für die Ausführungen. Das ist an weiterführenden Schulen auch nicht anders (oder zumindest an meiner Schule – ich will ja nicht ohne belegte Zahlen verallgemeinern …)
So… langsam ist Endspurt.
Die Fastenzeit zieht sich in die Länge, der massive Druck unter den Schüler*innen dürfte an Intensivierung zunehmen.
Ich weiß, wir alle haben große Angst vor Anfeindungen, Bevormundung, warhscheinlich auch noch Drohungen und Gewalttaten.
Allen Kolleg*innen wünsche ich Kraft und die Stärke, es zu melden, wenn andere zum Fasten unter Druck gesetzt, herabgewürdigt und angefeindet werden.
Die Zahl der Brandbriefe und Nachrichtenmeldungen ersticken einen förmlich, so massiv explodierte die Zahl der Fälle in den letzten Tagen.
Stark bleiben und schön besorgt sein!