Start Nachrichten Tod eines Dreijährigen bei Kita-Ausflug: Polizei prüft mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht

Tod eines Dreijährigen bei Kita-Ausflug: Polizei prüft mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht

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SIEGEN. Zwei Wochen nach dem tödlichen Sturz eines Dreijährigen in einen Fluss bei einem Kita-Ausflug rekonstruiert die Polizei das Unglück. Dabei geht es auch um die Frage, ob Personal fahrlässig war.

Die Polizei ermittelt. Symbolfoto: Shutterstock

Nach dem tödlichen Sturz eines dreijährigen Jungen in einen Fluss in Siegen während eines Ausflugs mit der Kindergartengruppe ermittelt die Polizei wegen möglicher Aufsichtspflichtverletzungen des Personals. Nach dem Unglücksfall laufe aktuell ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen, sagte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. Dabei werde geprüft, ob an dem Ausflug beteiligtes Personal seine Aufsichtspflicht verletzt habe.

Um das Geschehen und die Abläufe am Unglückstag genau rekonstruieren zu können, suchen die Ermittler daher weitere Zeugen, wie aus einer aktuellen Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei hervorgeht. Menschen, die die Kinder an dem betreffenden Vormittag gesehen haben, sollen sich daher bei der Polizei melden.

Was über das Unglück bekannt ist

Bei einem Ausflug mit der Kindergartengruppe in den Auen des Flusses Sieg hatte sich am 17. März ein dreijähriger Junge von der Gruppe entfernt und war ins Wasser gestürzt, so die Ermittler. Er war auf dem Wasser treibend gefunden worden und starb einige Tage nach dem Unglück im Krankenhaus.

Nach dem Unglück hatte der Träger der Kita, der DRK Kreisverband Siegen-Wittgenstein, von tiefer Erschütterung beim Personal und der Elternschaft berichtet und der Familie Anteilnahme sowie Betroffenen Unterstützung zugesichert.

Träger sichert Unterstützung bei Ermittlungen zu

«Auch der DRK-Kreisverband hat ein großes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung der Geschehnisse», hieß es in einer Reaktion des Trägers auf den Zeugenaufruf. Man unterstütze die Ermittlungsarbeit der zuständigen Behörden.

Aufgrund der laufenden Ermittlungen dürfe man sich allerdings nicht zum Geschehen äußern. Nach früheren Angaben des Trägers hatten insgesamt acht Aufsichtspersonen die 46 Kinder begleitet. News4teachers / mit Material der dpa

Dreijähriger stirbt sechs Tage nach Sturz in einen Fluss bei Kita-Ausflug

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Angelika Mauel
13 Tage zuvor

Als Erzieherin kann man nicht anders, als sich in die von diesem tragischen Unglück betroffenen Fachkräfte hineinzuversetzen. Es ist entsetzlich. Und es wird Zeit, dass mehr getan wird, damit es nicht zu derart schlimmen Unfällen kommt.

Mit dem wollte die ErzieherInnenwollten die den Kindern bestimmt eine Freude machen und dan ist etwas passiert, was wirklich keiner gewollt hat. Dass eine der ErzieherInnen einfach ihr Handy gecheckt hat, während des Ausflugs, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Schon eher, dass einige ein mulmiges Gefühl vorab gehabt haben und gemeint haben, sie müssten diesen Ausflug mitmachen, weil Ausflüge in die Natur in dieser Kita vorgesehen waren.

Für mich sieht es so aus, als ob die Fachkräfte unter erheblich erschwerten Bedingungen diesen Ausflug unternommen haben.
Da die Kita erst zum ersten Februar eröffnet hatte, konnten sie vermutlich alle Kinder nach nur anderthalb Monaten noch nicht so gut kennen, wie es in einer Kita der Fall ist, wo Kinder nacheinander eingewöhnt werden. Auch die Kolleginnen kannten sich vermutlich noch nicht alle so gut wie in einem schon länger zusammenarbeitenden Team. Andererseits wird der Träger vermutlich einige bewährte Erzieherinnen aus anderen Kitas in die neue Einrichtung versetzt haben.

Während die Polizei jetzt Zeugen für das Geschehen in den Siegauen sucht und eine mögliches Fehlverhalten der ErzieherInnen im Raum steht, könnte die Staatsanwaltschaft auch ein Organisationsverschilden des Trägers prüfen.

Bilder der Kita zeigten ein Außengelände mit Bauschutt. War es dennoch zum Spiel der Kinder freigegeben – oder stand dieser Ausflug in die Natur mit allen Kindern an, weil man nicht immer im Gebäude bleiben wollte und eine Teilgruppe der jüngsten Kinder auch nicht separat in der Kita betreuen wollte?

Die Kinder im Bauschutt spielen zu lassen, kann zu Empörung bei einigen Eltern führen. – Kinder dagegen spielen manchmal ohne Schaden besonders gern in einem nicht allzu aufgeräumten Außengelände.

TaMu
12 Tage zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich bin auch dafür, bei schweren Unfällen mit kleinen Kindern die Vorgaben des Trägers zu prüfen. Warum wurde eine Kita geöffnet, die noch kein bespielbares, sicheres Aussengelände hat, obwohl klar ist, dass Kinder frische Luft brauchen und vor allem im Ganztag draußen spielen können sollten?
Wie ist die Aufsichtspflicht auf Ausflügen bezüglich des Verhältnisses zwischen verantwortlichen Erwachsenen und Kindern zahlenmäßig geregelt?
Wurde an irgendeiner Stelle entgegen irgendwelcher Warnungen oder Vorschriften zugunsten arbeitender Eltern bei der Eröffnung ohne Freigelände oder beim Image von Frischluft- Kita trotz mangelnder Aufsichtspflicht bei Ausflügen Druck ausgeübt und falls ja, von wem?

Häufig badet die Betreuung aus, was anderswo entschieden wurde. Sicherlich werden auch hier eine oder zwei Betreuer oder Betreuerinnen gefunden, die es hätten merken müssen, dass ein Kind fehlt. Sie werden vor Gericht gestellt und wegen fahrlässiger Tötung an einem kleinen Kind angeklagt. Womöglich trifft es Personen, die gewarnt haben oder die sich nicht zu warnen getraut hatten. Schlechter kann sich ein Mensch nicht fühlen. Kein Träger sollte seine Erzieherinnen und Erzieher einer solchen Situation aussetzen.

Angelika Mauel
10 Tage zuvor

Da passt bei der KI einiges nicht zusammen: “Das Außengelände der neuen DRK-Kita in Eiserfeld (Birkenweg) wird derzeit im Zuge des Neubaus (geplante Eröffnung 01.02.2026) gestaltet. Es entsteht auf einem rund 2.000 Quadratmeter großen Grundstück und soll, konform zu den allgemeinen Anforderungen an Kindertageseinrichtungen, ein bespielbares, kindgerechtes Areal bieten.”

Die DRK-Kita hat eine andere Adresse und an anderer Stelle wird das circa 2000 qm große Außengelände einer Kita der AWO zugeschrieben, die erst zum kommenden Kindergartenjahr 2026/2027 eröffnen werden soll. Das Außengelände der DRK-Kita ist wesentlich kleiner.

Mittlerweile erfüllen etliche auch der hoch gelobten Träger von Kitas nicht mehr das, was früher gesetzlich festgeschrieben ist. Es ist immer “normaler” geworden, dass Träger zu Lasten der Kinder nicht mehr das bieten, was sie laut Empfehlungen Kindern bieten sollten. 10 bis 12 qm pro Kind an bespielbarer Fläche im Außengelände. Erfüllt wird dagegen, was der Energieeinsparung und dem Klimaschutz gilt, aber nicht mehr, was unmittelbar den Kindern und den sie betreuenden Erzieherinnen zugute kommt.

Sollte an dem Punkt nicht wenigstens mal ein Umdenken mit Rücksicht auf die Kinder einsetzen?! Warum dauert das so lange?

Sobald Kinder sehr oft Ausflüge in einer Gruppe unternehmen, wird ihnen der Weg vertraut und dann entsteht eben auch immer wieder mal plötzlich bei einigen Kindern der Drang, trödelnd zurückzubleiben oder aber wegzulaufen. Das kann sehr spontan geschehen. Ein Kind läuft einnem Schmetterling nach. Oder es will sich nur verstecken, um gefunden zu werden.