BERLIN. Der Deutsche Philologenverband drängt nach den neuen Daten des Chancenmonitors auf eine grundlegende Änderung beim Übergang auf weiterführende Schulen. Künftig sollen Grundschulempfehlungen verbindlicher werden, um soziale Verzerrungen zu begrenzen. Hintergrund sind deutliche Unterschiede beim Gymnasialbesuch: Kinder aus einkommensstarken Familien wechseln wesentlich häufiger dorthin – selbst bei vergleichbaren Leistungen. Der Verband sieht darin ein strukturelles Problem, das durch den bisherigen Vorrang des Elternwillens verstärkt wird. „Ohne verbindliche Übergangsempfehlung […] bleiben Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund benachteiligt“, heißt es.

Die Ergebnisse des aktuellen Chancenmonitors des Ifo-Instituts haben bei den Lehrerverbänden eine breite Debatte über Konsequenzen für das Bildungssystem ausgelöst. Dabei rücken sie unterschiedliche Schwerpunkte in den Vordergrund, stimmen jedoch in der Diagnose überein: Bildungsungleichheit ist weiterhin strukturell verankert und politisch nicht ausreichend bearbeitet.
Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hebt insbesondere die soziale Selektivität beim Übergang auf weiterführende Schulen hervor. In seiner Stellungnahme verweist der Verband auf die im Chancenmonitor dokumentierten Unterschiede und spricht von „alarmierenden Bildungsunterschieden nach sozialer Herkunft“. Konkret heißt es: „Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liege demnach für Kinder mit bildungsfernen, einkommensschwachen Eltern bei 16,9 Prozent, wogegen sie bei Kindern mit einkommensstarken Eltern mit Abitur bei bis zu 80,3 Prozent liege.“
„Ist der Elternwille für den Übergang allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien“
Aus Sicht des DPhV ergibt sich daraus ein klarer Reformbedarf beim Übergangssystem. Der Verband fordert eine stärkere Verbindlichkeit der Grundschulempfehlungen. „Ohne verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen bleiben Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund benachteiligt – selbst bei gleichen Leistungen und Noten“, heißt es in der Mitteilung. Zur Begründung verweist der Verband auf den Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“, der Unterschiede im Übergangsverhalten von Eltern belege.
Die Bundesvorsitzende des DPhV, Susanne Lin-Klitzing, formuliert die Position des Verbands deutlich: „Ist der Elternwille für den Übergang allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden. Es braucht also eine verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, die den Elternwillen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt.“
Neben der Übergangsfrage kritisiert der Verband auch strukturelle Entscheidungen in der Lehrkräftebildung. „Beides sind von den politisch Verantwortlichen selbst geschaffene strukturell-problematische Bedingungen, die aus unserer Sicht einer qualitätvollen, professionsbezogenen Lehrkräftebildung eher entgegenstehen“, erklärt Lin-Klitzing mit Blick auf verkürzte Vorbereitungsdienste und Veränderungen in der Abstimmung zwischen Bildungs- und Wissenschaftspolitik.
„Das dürfen wir nicht hinnehmen. Schule muss ein Ort sein, an dem Begabungen unabhängig von Startbedingungen und Geschlecht erkannt und entwickelt werden“
Der Deutsche Lehrerverband setzt einen anderen Schwerpunkt und fordert vor allem eine bessere Ausstattung des Systems. Präsident Stefan Düll betont die Notwendigkeit langfristiger Investitionen: „Wer mehr Bildungsgerechtigkeit will, muss endlich konsequent in Personal, Professionalität und Prävention investieren, beginnend bei der Kita bis zum Schulabschluss.“ Gleichzeitig warnt er vor rein strukturellen Debatten: „Strukturdebatten helfen den Kindern nicht. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte die Zeit, die Unterstützung und die Ausbildung haben, um individuell fördern zu können.“
Der Verband sieht insbesondere im Rückstand von Jungen ein bildungspolitisches Signal. „Dass Jungen quer durch alle sozialen Schichten geringere Bildungschancen haben und im Laufe der Schulzeit weiter zurückfallen, ist ein ernstes bildungspolitisches Warnsignal“, so Düll. Daraus leitet er den Anspruch ab: „Das dürfen wir nicht hinnehmen. Schule muss ein Ort sein, an dem Begabungen unabhängig von Startbedingungen und Geschlecht erkannt und entwickelt werden.“
Zugleich relativiert der Deutsche Lehrerverband die starke Fokussierung auf das Gymnasium. Düll verweist auf alternative Bildungswege: „Diese Vielfalt der Bildungswege ist eine Stärke des deutschen Bildungssystems und sollte stärker anerkannt werden.“ Eltern entschieden sich teilweise bewusst gegen das Gymnasium, „nicht aus Bildungsferne, sondern aus der Überzeugung, dass ein praxisnaher und beruflich orientierter Bildungsweg für das eigene Kind sinnvoller sein kann.“
„Investitionen in Kitas, Sprachförderung und Elternarbeit sind keine Kür, sondern die Grundlage für mehr Bildungsgerechtigkeit“
Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht durch den Chancenmonitor bestehende Probleme bestätigt. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bildungserfolg in Deutschland noch immer zu stark von der Herkunft abhängt und beständiges politisches Handeln dringend notwendig ist“, erklärt der Bundesvorsitzende Tomi Neckov. „Das ist aber keine neue Erkenntnis, sondern bestätigt, dass es in Deutschland weiterhin nicht gelingt, diese Abhängigkeit abzumildern.“
Der VBE fordert vor allem eine stärkere Ausrichtung der Ressourcen am Bedarf der Schulen. „Das multiprofessionelle Zusammenarbeiten sichert die optimale Unterstützung von Stärken sowie das frühzeitige Erkennen von Defiziten und die dann notwendige Umsetzung von Maßnahmen“, so Neckov. Damit rückt der Verband insbesondere die Zusammenarbeit verschiedener Professionen – von Sozialarbeitenden bis hin zu Gesundheitsfachkräften – in den Mittelpunkt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der frühkindlichen Bildung. „Gemeinsam mit anderen Kindern lernt es sich am besten. Zuschauen, Nachmachen und gemeinsam Neues zu entdecken, helfen Kindern dabei, ein gesundes Verhältnis zum Lernen herzustellen“, erklärt Neckov. Frühzeitige Förderung könne zudem helfen, Unterstützungsbedarfe früh zu erkennen. Daraus folgt eine klare Forderung: „Investitionen in Kitas, Sprachförderung und Elternarbeit sind keine Kür, sondern die Grundlage für mehr Bildungsgerechtigkeit.“
Mit Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede mahnt der Verband differenzierte pädagogische Antworten an. Diese müssten gezielt ansetzen, ohne „in einfache Zuschreibungen zu verfallen und stereotype Rollenbilder zu verstärken“.
Die im Chancenmonitor zusammengefassten Ergebnisse bilden den Hintergrund dieser Forderungen. Auf Basis von Daten von rund 68.000 Kindern und Jugendlichen zeigt sich dabei, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs stark vom sozialen Hintergrund abhängt: Während sie bei Kindern aus einkommensschwachen Haushalten ohne akademischen Hintergrund bei 16,9 Prozent liegt, erreicht sie bei Kindern aus privilegierten Familien bis zu 80,3 Prozent. Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 36,9 Prozent der Jungen besuchen ein Gymnasium, gegenüber 43,5 Prozent der Mädchen.
Weitere Befunde machen deutlich, dass Jungen häufiger verspätet eingeschult werden, öfter Klassen wiederholen und häufiger ohne Schulabschluss bleiben. Sie weisen zudem größere Rückstände bei den Lesekompetenzen auf. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich sowohl die soziale Ungleichheit als auch die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen im Bildungssystem in den vergangenen Jahren verfestigt haben. News4teachers









Philologen fordern verbindliche Grundschulempfehlung – für gerechtere Bildungschancen.“
Na endlich. Genau das fordern Sachsens Gymnasiallehrkräfte seit Jahren und zwar nicht aus Nostalgie, sondern weil sie täglich erleben, was passiert, wenn man ein funktionierendes System aus politischer Feigheit heraus demontiert.
Bis 2017 galt in Sachsen faktisch eine klare Übertrittsregelung:
Nur Kinder mit einem 2,0‑Schnitt in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht und keiner 4 durften direkt aufs Gymnasium.
Das funktionierte – bis das Kultusministerium merkte, dass man diese Regelung nicht ins Schulgesetz geschrieben, sondern nur in die Schulordnung gekritzelt hatte. Ein Anfängerfehler.
Dann kamen Elternklagen.
Das Verwaltungsgericht Dresden kippte die Praxis, das OVG Bautzen bestätigte: keine gesetzliche Grundlage, also keine Verbindlichkeit.
Und statt das Gesetz endlich sauber zu formulieren, fiel das Ministerium einfach um. So kennt man das ja!!! Politisch bequem, pädagogisch fatal.
Seit der Schulgesetzreform 2017 gilt:
Die Empfehlung bleibt, aber Eltern können ihr Kind auch ohne Empfehlung am Gymnasium anmelden.
Leistungserhebung (Prüfung)? Beratungsgespräch?
Bindet Ressourcen – und selbst bei Nichtbestehen dieser “Prüfung” entscheiden am Ende trotzdem die Eltern.
Seitdem hat sich auch die Grundschule verändert: Wenn am Ende ohnehin die Eltern entscheiden, sehen viele Grundschullehrkräfte keinen Sinn mehr in strenger, realistischer Bewertung. Warum Nerven lassen, wenn die Empfehlung am Ende doch nur ein unverbindlicher Zettel ist? Die Noten werden weicher, die Rückmeldungen vorsichtiger und die Probleme landen später am Gymnasium.
Die Folgen sieht man überall:
Die Oberschulen werden zu Resteschulen auf Hauptschulniveau, während die Gymnasien Kinder mitschleppen müssen, die dort kognitiv völlig überfordert sind und unter permanenten Misserfolgen psychisch leiden. Das crasht das Gesamtniveau und schadet genau denen, die man angeblich „fördern“ wollte.
Sachsen liegt in Leistungsvergleichen zwar „noch“ vorn – aber nur noch als Einäugiger unter Blinden. Der Vorsprung schmilzt, seit die Passung zwischen Schulart und Eignung aufgeweicht wurde.
Und als wäre das nicht genug, hat man sich jetzt auch noch das Abitur nach den IQB‑Bildungsstandards der übrigen Bundesländer aufgehalst: Ein Einrichten auf bundesweites Mittelmaß, statt sich an Bayern und dem früheren Sachsen zu orientieren.
Dagegen! Gymnasien sollen ihre eigenen Probleme lösen, die Grundschulen lösen ihre.
Siehe auch mein längerer Beitrag:
Aktuell schreiben wir an den Grundschule (manchmal seitenlange) Empfehlungen. Ratet mal, wen das nicht interessiert: Eltern und Gymnasien.
Bei den Eltern ist es übrigens auch mit den Empfehlungen der Kitas so, wenn die Kinder in die Grundschulen kommen: Die Einschätzung oder Empfehlung der “niedrigeren” Bildungseinrichtung wird nicht für vollwertig betrachtet, auch wenn diese das Kind seit vielen Jahren kennt. Also traut man auch der Grundschule nicht, eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn zu treffen.Das ändert sich auch nicht, wenn man sie verbindlich macht, das kann ich aus jahrelanger Erfahrung berichten. Es führt nur zu sehr viel Stress im gesamten vierten Schuljahr.
Deshalb: Lasst die Gymnasien ihre Ansprüche formulieren. Lasst sie Notenschnitte festlegen oder Aufnahmetests machen, aber schiebt nicht den schwarzen Peter an die Grundschulen, wenn man auf die sowieso nicht hören möchte.
Sehr gut, gehe ich voll mit!
So lange wie die Lehrkräfte des Gymnasiums sich ganz selbstverständlich von der übrigen Lehrerschaft im Lande als “Philologen” abgrenzen, so lange wird das Gymnasium eine elitäre Veranstaltung bleiben und für bildungsferne Schichten keine ernsthafte Option für deren Kinder sein.
Können Sie diese Gedankengang noch einmal so formulieren, dass er irgendeinen tatsächlichen Sinn ergibt?
Um den Sinn zu verstehen, sollte man z.B. mal die Perspektive von Eltern aus dem o.g. Personenkreis einnehmen, die sich auf Infoveranstaltungen von Gymnasien befinden.
@jpw:
.Sie vermischen alles: Auf Info-Veranstaltungen für Gymnasien wird den Eltern das Profil der Schule vorgestellt, die besonderen Schwerpunkte, die Alleinstellungsmerkmale einer Schule, beispielsweise die Fremdsprachenfolge, ein Musikzug, die vorhandenen Arbeitsgemeinschaften oder was auch auch immer. Der Philologenverband ist die spezialisierte Gewerkschaft der Gymnasiallehrkräfte, seine Aufgaben sind die Vertretung der gymnasialen Lehrer und natürlich besonders seiner Mitglieder gegenüber der Schulverwaltung, dem Dienstherrn (KM), dafür wurden z. B. in BW in sämtlichen GYM-Stufenvertretungen mehrheitlich PhV-Personalräte gewählt – einfach weil sie Experten dafür sind und nicht ein Gemischtwarenladen, von allem ein bisschen. Bei Problemen mit dem Dienstherrn oder auch Streitigkeiten mit Schülern und mit Eltern unterstützt der PhV seine Mitglieder auch mit juristischer Expertise, dafür haben die PhV-Landesverbände Juristen eingestellt, die sich besonders im Schul- und Beamtenrecht spezialisiert haben und fundiert beraten. Aber dieser ganze Bereich der Gewerkschaftsarbeit für die Lehrkräfte ist noch nie Teil eines Eltern-Infoabends gewesen, das ist nur ein Thema etwa bei Referendaren oder sonstigen Veranstaltungen, die sich an Lehrkräfte richten. Für Eltern hat das keine Bedeutung, das geht sie eigentlich auch nichts an. An keinem Viertklässler-Infotag wird über die gewerkschaftliche Arbeit für Lehrkräfte gesprochen oder gar der Philologenverband vorgestellt. Dass dieser Name etwas älter oder gar altmodisch ist, aber trotzdem schön, weil er als Bedeutung die “Liebe zum Wort” hat, scheint Ihr persönliches Problem zu sein….
Stimmt, es fehlen die typischen Begrifflichkeiten, um mit der Einlassung beim Bullshitbingo gewinnen zu können.
Wenn Philologie die “Liebe zum Wort bzw. zum Sprechen” ist, sind Philologen “Liebhaber mit Logorrhoe”.
Sowohl bodenständigen als auch progressiven Eltern wird nicht gefallen, dass der Schwerpunkt des archaischen Lehrplans offenbar weiterhin auf Philosophie, Religion und Literaturwissenschaft liegt, obgleich nun Technik, Naturwissenschaft und Medien zeitgemäßer wäre.
Sie reden Unsinn! Der Schwerpunkt liegt auf Deutsch, Mathe, Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften. Offensichtlich haben Sie überhaupt keine Ahnung von der Stundentafel an Gymnasien. Philosophie und Literaturwissenschaft sind Kurse in der Oberstufe, üblicherweise 2-stündig. Religion oder, was immer häufiger stattdessen gewählt wird, Ethik hat je nach Klassenstufe eine oder zwei Wochenstunden.
Erst informieren, dann reden oder schreiben.
Verstehen entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch geistige Beweglichkeit und die Bereitschaft, sich wirklich auf Dinge einzulassen. Wer offen bleibt und nicht starr oder trotzig an Vorannahmen festhält, kann auch komplexe Zusammenhänge und Dinge, die nicht perfekt sind, besser begreifen.
Ich finde, die machen das richtig. Der Verband setzt sich für die Mitglieder ein, bei der GEW wird lieber Politik gemacht. Und bevor jetzt wieder die üblichen Verdächtigen kommen, ja ich bin Mitglied in einem Verband, aber nicht bei den beiden…
Grundschul-Basis-Arbeiter meldet: sehr, sehr gerne!
Ich fände es erquickend, wenn die Noten, die ich in Klasse 3/4 (noch) geben darf, IRGENDEINE Konsequenz hätten.
Das Ganze muss aber pragmatisch geregelt sein. Es darf dann keine Klagemöglichkeiten geben. Wer sich “falsch empfohlen” fühlt, kann einen Aufnahmetest am GY machen, fertig.
Sollte das nicht möglich sein, wäre der “Aufnahmetest für alle” vermutlich der bessere Weg.
Bin dabei.
Ich auch!
Ja, verbindliche Aufnahmetests inklusive einer Probewoche.
Schöner Traum….man Blicke nach NRW und denkt…..wtf…..
Quatsch, wir definieren das GY wegen der hohen Übertrittsquoten als “HS+” und erteilen allen SuS eine verbindliche HS-Empfehlung. Wer sich gegen diese Empfehlung ausspricht, kann ersatzweise eine Probenwoche mit anschließendem, verpflichtendem Aufnahmetest an einer Schulform der SekI machen.
Ironie und Sarkasmus sollten Sie schon kenntlich machen, es glaubt sonst noch jemand….uiuiui
Dann Aufnahmetests für alle und nicht Beurteilungen aufgrund von Jahresnoten.(Dann eben keine Jungen mehr im Gym).
Die Prognostik der Schulnoten aus Klasse 4 für die Abiturnote ist indes kaum gegeben. Es sind eben ganz viele andere Faktoren, als die eigentliche Leistung, die jegliche Beurteilung beeinflussen.
Verbindliche Grundschulempfehlungen gab es doch. Sie wieder einzuführen, führt zu massivem Druck auf die Grundschullehrer, bis hin zu Anwälten.
Besser wären verbindliche Aufnahmeprüfungen/-tests an den Gymnasien z.B. nach 1 Probewoche.
Nun, damit verlagert sich der Druck lediglich. Ich finde den Vorschlag des verbindlichen Grundschulgutachtens mit der Möglichkeit, im Falle der Unzufriedenheit mit der Empfehlung den Probeunterricht an der entsprechenden Einrichtung zu absolvieren, besser. Klagen von Eltern gegen die Empfehlung des Gutachtens sind substanzlos, da der Probeunterricht absolviert werden kann, Klagen gegen das Ergebnis des Probeunterrichts (bei Nichtbestehen) absehbar erfolglos, da die Grundschulempfehlung bestätigt wird.
Insgesamt macht es aus meiner Sicht jedoch Sinn, das Ansehen aller anderer Schulformen und Abschlüsse außerhalb von Gym und Abitur zu stärken und das Ansehen der Ausbildungsberufe zu verbessern.
Forderung nach verbindlicher Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen als Conclusio aus dem Chancenmonitor irritiert massiv und ist so unrichtig:
In Bayern gibt es seit Jahren eine verbindliche Übertrittsempfehlung.
Und gerade deswegen definiert hier bei uns die Herkunft der Kinder die Chancen (Ifo Studie 2024) insbesondere:
“”
In Bayern entscheidet das Elternhaus laut einer Studie des Ifo-Instituts maßgeblich über den Besuch des Gymnasiums.
“”
“”
https://www.merkur.de/bayern/studie-zeigt-gymnasiumbesuch-in-bayern-stark-vom-elternhaus-abhaengig-schule-bildung-93067301.html
https://www.sueddeutsche.de/bildung/bildung-studie-gymnasialbesuch-vom-elternhaus-abhaengig-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240513-99-13412
Fakt ist, dass z.B. gerade in Bayern durch die teils defizitäre Struktur des Übertrittverfahrens
-Anforderungen für den Übertritt tw. viel zu hoch sind (z.B. 21 Probearbeiten, 10 weitere schriftliche Leistungsnachweise (halbe Proben, Tests, “praktische Note”), 1 Vortrag, 1 Plakat= 33 Noten in Summe von 9 jährigen Kindern zwischen Okt bis Apr verlangt werden; z B. 50 Din A4 Seiten Proberelevanter HSU Stoff)
vs
– tw. zu der dargebotenen Unterrichtsqualität so im Missverhältnis stehen,
dass Kinder ohne Unterstützung da kaum mehr alleine durchkommen.
Bildungsnahe Haushalte
– sind sich dessen bewusst,
– steuern dagegen,
– fangen das auf und
unterstützen die Kinder.
Deswegen gehen am Ende aus dieser Bevölkerungsgruppe Gruppe auch mehr Kinder aufs Gymnasium.
Andere Bevölkerungsgruppen tun sich da folglich schwerer.
Die aus dem Chancenmonitor tatsächlich richtige Forderung lautet also:
1. Ein Übertrittsverfahren (wenn man es denn meint zu brauchen) so altersgerecht und chancengerecht zu gestalten, dass die Kinder das alleine, also begabungsgerecht bewältigen können.
2. Die Unterrichtsqualität so zu verbessern, das 1. möglich ist.
Irrig ist die Annahme, dass ein Übertrittsverfahren an sich zu mehr Bildungsgerechtigkeit führt.
Blick auf Bayern zeigt: das Gegenteil ist der Fall.
Blick auf Bayern zeigt: Stabil seit Jahrzehnten auf den vorderen Plätzen des Bildungsrankings. Dies sollte man sich nicht kaputt machen lassen, ein Blick zu uns rüber nach Baden-Württemberg genügt. Hier sind inzwischen (gerechterweise) alle schlechter geworden.
Blick auf Bayern zeigt: das Elternhaus hat massgeblichen Einfluss ob ein Kind ein Gymnasium besucht/besuchen kann:
Den Übertritt fairer, chancengerechter und vom Elternhaus unabhängiger zu machen, hat erstmal gar keinen Einfluss auf Bildungsrankings sondern eröffnet es erstmal allen Kindern eigenständig begabungsgerecht die richtige Schulform zu finden.
Unanständige Leistungsnachweisorgien in Kombination mit schlechter werdender Unterrichtsqualität (wie viele Eltern seit Jahren in Bayern selbst feststellen und heute auch der bpv anhand im Ergebnis rückläufiger Kompetenzen der Grundschüler beklagte) säwir heute in Bayern anzutreffen sind der falsche Weg:
Eine gute Grundschullehrerin erkennt das Potential schon nach 15 bis 20 fair ermittelten Noten und kann eine Empfehlung aussprechen.
Und dann fallen auch nicht die Kinder durch den Rost die bei den bayerischen Übertrittsexzessen der Grundschulen verloren gehen.
“den bayerischen Übertrittsexzessen der Grundschulen verloren gehen.”
Ist vermutlich eher das Gegenteil, da in Bayern ja nur ca. 73% der Kinder mit den nötigen Notenschnitten nach der GS auch auf ein Gymnasium wechseln.
Übertrittsexesse gibt es wohl eher in anderen Bundesländern
In diesen Bundesländern mit höheren Übertrittsquoten entscheidet meist der Elternwille welche Schulform für das Kind als geeignet angesehen wird.
Bei den Gerechtigkeitsstudien geht es meist nur um die Übertrittsquoten nach der Grundschule. Bei diesen Studien spielt keine Rolle, wie hoch die Quoten in den “gerechten” BL sind, die dort dann wieder vom Gymnasium abgeschult werden oder wie hoch der Anteil der 9. Klässer an Gymnasien ist, der dort nicht mal die Regelstandards für den mittleren Schulabschluss erfüllen.
Mit Übertrittsexzess ist logischerweise das teils obszön, unanständige Leistungsdruck ausübende Übertrittsverfahren des bayer. Bildungssystems gemeint.
Das mal nur so nebenbei den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt, wenn das an 2400 Grundschulen teils völlig unterschiedlich abläuft: mal leicht und mal extrem schwer!
Davon ist aber doch gar nicht die Rede in dem Beitrag von @Bayerische Eltern.
Was dort beschrieben wird, ist definitiv nicht sinnvoll und trägt gerade nicht zu mehr Gerechtigkeit bei.
Finden es denn ungerecht, dass bei IQB die Ergebnisse der SuS aus der unteren Schicht und der SuS mit Migrationshintergrund in Bayern sehr weit über dem Bundesschnitt liegen, während diese Gruppen in “gerechteren” Bundesländern” deutlich unterdurchschnittlich performen?
Dem Chancenmonitor geht es erstmal nur um Gerechtigkeit: kann ein Kind mit eigenen Mittel unabhängig vom Elternhaus begabungsgerecht die richtige Schulform “finden”.
Und Bayern ist ganz weit vorn im “abh. vom Elternhaus”.
Bessere/ schlechtere Leistungsperformance hat erstmal gar nichts mit gerechter zu tun.
Wer aufs GY will und am HSU-Stoff der Grundschule scheitert… sollte nicht aufs GY gehen. Das kann man entweder durch eine verbindliche Empfehlung transparent machen oder das Kind durch keine/ unverbindliche/ weichgespülte Empfehlungen auf dem harten Weg selbst rausfinden lassen – kostet lediglich zwei Schuljahre.
Es geht um Chancengerechtigkeit.
Mal ein Beispiel:
– an unserer Schule 33 Leistungsnachweise erforderlich
– andere Schule 21 (Proben gleich schwer, tw. sogar leichter)
Ist das gerecht?
Wer aufs GY, will sollte sowohl mit 21 wie auch mit 33 Tests klarkommen – am GY wird es doch nicht einfacher, meine Güte.
Was nützt Ihnen die Illusion, Ihr Kind sei geeignet für das GY? Sie wird in Klasse 5/6 ohnehin platzen. Also die Illusion.
Der Gerechtigkeitsfetisch ist doch eine faule Ausrede, ein wohlfeil vorgetragenes Pseudo-Argument, von dem Sie insgeheim wissen (sollten und könnten), dass es nirgends ein perfektes, komplett gleiches und gleich durchgeführtes Verfahren geben kann. Beim Abi nicht und in der Grundschule dreimal nicht.
Unbelegte Behauptung, dass die Anzahl der Leistungsnachweise für Kinder und deren Feststellung der
Übertrittseignung irrelevant ist (siehe u.a. Piazolo 2021 zur Leistungsdruckminderung im bayer. Übertrittsverfahren): es gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz.
Es ist unzulässig, dass der Übertritt in Passau einfacher ist als in Augsburg.
Ein bayernweit gleiches Verfahren ist kein rocket science, die Kleinstaaterei gehört beendet: Siehe auch Forderung BPV.
Was ist den DER HSU STOFF und was ist DER HSU LEISTUNGSNACHWEIS dazu?
Das läuft doch an jeder der 2400 Grundschulen völlig anders ab!
Gleiches Thema und sie haben an einer Grundschule 1 Seite / 3 Aufgaben weniger abzuleisten wobei der Rest gleich schwer ist.
Es gibt nicht DAS ÜBERTRITTSVERFAHREN.
Es gibt wahrscheinlich 2400 verschiedene.
Daher Ist Ihre Aussage falsch!
Wer sich ungerecht empfohlen fühlt, kann ja Probeunterricht machen. Wo ist das Problem? Wo soll das hinführen? Wollen Sie, dass jeder kleine Test maximal standardisiert und evidenzbasiert durchgeführt wird? Wie soll der Lehrer dann noch auf besondere Bedingungen der Kerngruppe Rücksicht nehmen? Sie schaden den Kindern mit Ihrem Gerechtigkeitswahn.
Sie schaden den Kindern und dem Bildungssystem mit Ihrer Unterstützung eines ungleichbehandelnden Ansatzes (siehe Forderung des BPVs).
Es passiert genau das was wir aktuell erleben: Beschwerden, dass Kinder kommen die die Gymnasialeignung nicht mehr haben und das bildungsniveau weiter sinkt.
Kinder gehen auf die falsche Schulform mit für sie negativen Konsequenzen.
Es darf nicht vom Wohnort abhängen wie leicht oder schwer ein Übertritt ausfällt.
Das halte ich für nicht zielfördernd, um mehr Chancengleichheit zu erreichen.
Kinder fangen nicht erst in der Grundschule an, sich zu kognitiv zu entwickeln.
Bevor man so vorgeht, muss man dafür sorgen, dass sozial benachteiligte Kinder, die das Zeug zum Gymnasium hätten, auch ausreichende Unterstützung in der Grundschule erfahren.
Wie hatten hier doch gerade das Thema “benachteiligte Jungen”. Die würden dann aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten, die ihr Leistungsvermögen stark beeinflussen, auch nicht aufs Gymnasium gehen können.
Wenn ich mir anschaue, was für “interessante” Kinder (tatsächlich sehr häufig Jungen) wir (GemS mit Oberstufe) aus den Grundschulen bekommen, dann finde ich den Vorschlag des PhVb verlogen. Es geht nicht wirklich um Chancengleichheit.
Die Forderung aller Lehrkräfte sollte erst einmal sein, die Umstände an den Grundschulen grundlegend zu verbessern und vorgeschaltet ein Screening ab dem 3. Lebensjahr mit Zwangsförderungsmaßnahmen für durch ihre soziale Situation benachteiligten Kinder einzuführen.
Ein verbindliche Grundschulempfehlung würde zwar die Anzahl der S*S beschränken, die es aufs Gymnasium schaffen, nicht die Chancengerechtigkeit. So ehrlich sollte man schon sein. Herr Düll hat recht.
Der Befund ist ja unstrittig: Beim Übergang aufs Gymnasium sind die Bildungschancen ungleich verteilt. Kinder aus privilegierten Elternhäusern schaffen es häufiger dorthin – auch bei vergleichbaren Leistungen. Das ist seit Jahren gut belegt.
Aber schon beim Begriff der „sozialen Verzerrung“ werde ich ein wenig skeptisch. Er klingt technisch sauber, lenkt aber davon ab, worum es eigentlich geht: ungleiche Bildungschancen. Und die löst man nicht automatisch dadurch, dass man bestehende Verfahren verbindlicher macht.
Denn die Grundschulempfehlung ist selbst kein neutrales Instrument. In sie fließen eben nicht nur kognitive Leistungen ein, sondern auch Arbeitsverhalten, Auftreten, Sprache – und nicht selten die Frage, ob ein Kind „passt“. Genau an dieser Stelle spielen Herkunft und Milieu eine Rolle. Meist nicht bewusst, aber wirksam.
Wenn man diese Empfehlung jetzt verbindlicher macht, besteht die Gefahr, dass man genau diese Effekte verstärkt, statt sie zu reduzieren.
Hinzu kommt: Die Vorstellung, man könne „Gymnasialfähigkeit“ klar von Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Besonderheiten trennen, passt schon lange nicht mehr zur schulischen Realität. Unterschiedliche Entwicklungsverläufe, Neurodiversität und heterogene Lernvoraussetzungen finden sich in allen Schulformen.
Was mir in der Debatte fehlt, ist eine ehrlichere Frage: Wie treffsicher sind unsere Entscheidungen eigentlich? Es gibt genügend Schülerinnen und Schüler, die ohne Empfehlung am Gymnasium gut zurechtkommen – und andere, die trotz Empfehlung scheitern.
Wenn man hier wirklich vorankommen will, braucht es nicht in erster Linie mehr Verbindlichkeit, sondern bessere Grundlagen für die Entscheidung. Denkbar wäre zum Beispiel ein ergänzendes, standardisiertes Screening als zusätzliche Orientierung – ohne daraus gleich ein neues Selektionsinstrument zu machen. Und vor allem: eine systematische Auswertung, welche Übergangsentscheidungen sich im weiteren Verlauf als tragfähig erweisen.
Im Moment sortieren wir früh – aber wir wissen erstaunlich wenig darüber, wie gut wir dabei eigentlich sind.
Und bevor man diese Sortierung verbindlicher macht, wäre es vielleicht sinnvoll, sie erst einmal besser zu machen.
“Denkbar wäre zum Beispiel ein ergänzendes, standardisiertes Screening als zusätzliche Orientierung – ohne daraus gleich ein neues Selektionsinstrument zu machen”
Juhu, noch ein Screening, immer gerne, wieder eine Stunde weniger Unterricht.
Aber wenn man im Kontext des Übertritts ein Screening macht, ist das natürlich KEIN Selektionsinstrument… sondern… tja… ein gewaschener und gleichzeitig nicht nasser Pelz, würde ich sagen.
Übrigens: Bevor nicht wissenschaftlich erwiesen ist, dass alle Noten auf 3 Nachkommastellen richtig und Lehrer komplett objektiv sind, sollten sie konsequenterweise fordern, dass alle Noten unverbindlich bleiben, niemand sitzenbleibt und alle Abitur machen.
Was für ein wohlfeiler Mumpitz.
„Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden.“
Für mich ist das der vernünftigste Satz, den ich seit langem über Schule gelesen habe. Von mir aus könnte man ihn in Stein meißeln.
Das finde ich auch gut. Es passt leider nicht zum absoluten Tiefniveau unserer Grundschule. Woran erkenne ich, ob mein Kind unterfordert ist, weil das Niveau schlecht ist und es im Vergleich zu anderen der Crack ist, oder ob es wirklich am Gymnasium zurechtkommt? Manche Einschätzung hier für Kinder mit lauter Zweien auf dem Zeugnis ist, keine Gymnasialempfehlung, das kann man halt den Eltern nicht vermitteln (es sei denn man gibt zu, dass es nur am Niveau liegt).
Wenn man die Qualität der Grundschule steigern will, muss man einfach die Förderschulen wieder öffnen, die Vorschule wieder einführen, DAZ-Zentren wieder aufbauen – sprich: mehr äußerlich differenzieren.
Äußere Differenzierung an derselben Schule wäre wünschenswert, da es so eine bessere soziale Durchmischung gäbe und den Kindern der Wechsel auf das nächst höhere Niveau leichter fällt.
Je nach örtlichen Gegebenheiten auch gerne das.
Aber wir wissen ja beide, dass das weder das eine noch das andere je passieren wird. Wozu sollte man sich all diese Institutionen leisten, wenn es die Grundschullehrer nebenbei und für lau machen?
Einheitsschule! Jetzt hast du es den Philologen aber mal so richtig gegeben. Die haben jetzt schon Schaum vorm Mund.
Wenn er denn auch so gemeint wäre.
Eigentlich bedeutet er nämlich “Wir wollen nur unproblematische Kinder am Gymnasium”.
Ich sehe nicht, dass die sich für bessere Bedingungen an Grundschulen einsetzen, die für mehr Chancengerechtigkeit sorgen könnten.
Ich halte von Frau Lin-Klitzing schon seit langem: NICHTS. Und sie bestätigt ihre vollkommen egoistische Blickweise hier wieder.
Hier geht es doch nicht um die Kinder, sondern nur darum, den Stress, den die Gymnasien mit den Eltern haben, an die Grundschulen zu verlagern – in NRW wäre es: Zurückverlagern. Wir hatten das jahrelang, und es war der furchtbarste Teil der Grundschule, der jahrelange pädagogsiche Bemühungen zunichte machte. Klagen und Anwaltsschreiben inklusive.
Aktuell schreiben wir an den Grundschule (manchmal seitenlange) Empfehlungen. Ratet mal, wen das nicht interessiert: Eltern und Gymnasien.
Bei den Eltern ist es übrigens auch mit den Empfehlungen der Kitas so, wenn die Kinder in die Grundschulen kommen: Die Einschätzung oder Empfehlung der “niedrigeren” Bildungseinrichtung wird nicht für vollwertig betrachtet, auch wenn diese das Kind seit vielen Jahren kennt. Also traut man auch der Grundschule nicht, eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn zu treffen.
Deshalb: Lasst die Gymnasien ihre Ansprüche formulieren. Lasst sie Notenschnitte festlegen oder Aufnahmetests machen, aber schiebt nicht den schwarzen Peter an die Grundschulen, wenn man auf die sowieso nicht hören möchte.
Zum Abschluss noch ein anderer Vorschlag: Zehn Jahre gemeinsames Lernen und erst dann folgt – bei passendem Noitenschnitt – eine gymnasiale Oberstufe. Das würde Schluss mit Bildunsgungerechtigkeit *und* zu früher Selektion machen. Ratet noch einmal, wer dagegen ist…
Sie finden es also richtig, dass ein Drittel der von den Grundschulen mit Gymnasialempfehlung versehenen Kinder die Eingangsvoraussetzungen für diese Schulform nicht erfüllt? Sie finden es richtig, dass damit ein Drittel der Kinder am Gymnasium an den dortigen Anforderungen (Spoiler: die haben sich die Gymnasiallehrer nicht selbst ausgedacht, sondern die sind durch die Rahmenlehrpläne vorgegeben) verzweifeln wird? Sie finden es richtig, dass ein Gutteil dieser Kinder durch ständiges Misserfolgserleben krank wird?
Sorry, ich finde eine solche Haltung befremdlich.
Und als Gymnasiallehrkraft sage ich Ihnen:
Ich habe kein Problem mit einer gemeinsamen Schule. Es muss halt sichergestellt sein, dass sich die einen nicht langweilen, während die anderen eigentlich noch länger brauchen, um zu verstehen, worum es geht. Das ist personalintensiver, 7 d genau deshalb macht mans nicht.
“Sie finden es also richtig, dass ein Drittel der von den Grundschulen mit Gymnasialempfehlung versehenen Kinder die Eingangsvoraussetzungen für diese Schulform nicht erfüllt?”
– Sind Sie echt Gymnasiallehrer? Und unterstellen Sie Ihren Schüler*innen auch immer Dinge, die a) diese nicht gesagt haben und b) nicht stimmen? Für dieses Drittel hätte ich nämlich gerne einmal belastbare Zahlen – und die Zählmethodik dazu. Und dann legen Sie mir doch einmal bitte dar, wo ich das gesagt hätte, was Sie behaupten. Spoiler: Da finden Sie nix.
Was ich sagen kann ist: Meine Schule steht mit den weiterfürhenden Schulen im Umfeld in gutem Austausch – auch nach dem Übergang – , und ich sehe eine Quote von passenden Empfehlungen von 90% oder höher. Ich selbst habe die Zeiten noch miterlebt, als es in NRW verpflichtende Grundschulempfehlungen gab. Und ich habe miterlebt, wie im vierten Schuljahr auf einmal gegen die Lehrkräfte gehetzt wurde, wie sie unter Druck gesetzt wurden, wie die Anwälte kamen, weil der oder die (meistens der) Erstgeborene eben nicht die gewünschte Gymnasialempfehlung bekam. Und dann auf juristischem Weg (irgendwo war zwischen den 3er und 4ern doch noch die Reli-2 und die Sport-2) doch die Gymnasialempfehlung bekam. Nur um dann im 6. Schuljahr dort aussortiert zu werden und “nach unten” durchgereicht zu werden. Meinen Sie im Ernst, alleine die Verbindlichkeit macht das Misserfolgserlebnis besser?
Selbst nach dem Ende der Verbindlichkeit bleibt der Elterndruck (und in NRW der Elternwille) hoch.
Wenn es “zu gute” Empfehlungen seitens der Grundschulen gibt, dann maßgeblich, weil es immer diesen Druck gibt “mein Kind soll aufs Gymnasium”. In jeder Klasse gibt es 5 bis 10 solcher Fälle. Jedesmal X Elterngespräche, oft schon ab Klasse 3. Überzeugungsbemühungen. Zahlen, Daten, Fakten. Egal. Ärger durch die ganze vierte Klasse, der sich schnell auf die Klassengemeinschaft auswirkt, auf die Kinder, die von den Eltern natürlich beeinflusst werden. Ärger auf der Klassenfahrt, Ärger am Wochenende, Ärger auf dem Abschlussfest.
Bevor man sich diesen Stress antut, sagen viele Grundschulkräfte: “Sollen die Eltern doch glücklich werden mit ihrer Entscheidung.”
Deshalb: Machen Sie Aufnahmetests an den Gymnasien, und gut is’. Sie wissen doch am besten, was bei Ihnen erwartet wird – egal, wer die Anforderungen vorgegeben hat.
Dieses gemeinsame Lernen funktioniert unter den gegebenen Umständen an weiterführenden Schulen nur in den seltensten Fällen.
Allerdings bin ich bei Ihnen, wenn Sie damit meinen “alle untereinen Dach”, um eine bessere soziale Mischung sowie einen leichteren Übergang auf ein höhere Anforderungsniveau zu ermöglichen.
In NRW kommt ja noch ein fettes Problem oben drauf: Die Grundschulen schreiben ihre Empfehlungen, aber es liegt einzig in der Entscheidungsgewalt der Eltern, an welcher Schulform die Kinder dann angemeldet werden. Selbst wenn eine Schule dann Überhang hat (dieses Jahr hatten in unserer Kommune alle Gymnasien und Z.T. auch die Realschulen Überhang), darf laut APO SI die Empfehlung bei der Ablehnung von Kindern keine Rolle spielen. Das bedeutet dann auch öfter, dass Kinder ohne Gymnasiale Empfehlung einen Platz am Gymnasium ergattern und Kinder mit dieser eine Ablehnung…..das ist der wirkliche Irrsinn bei der Sache und führt die Empfehlungen ins Absurde…..
Das ultimative Zusammenprallen pädagogischer Beratungsbemühungen und elterlicher Beratungsresistenz.
Die Grundschulempfehlung sollte bindend sein, für alle Schularten. Dann kommen nämlich die begabten Schüler aus evtl. schwierigen sozialen Verhältnissen auch zu ihrem Recht und werden dort beschult, wo ihre Eltern vielleicht von alleine nicht drandenken würden.
Schaut doch mal, was dabei rauskommt, wenn man “nur” 6 Jahre “gemeinsam lernt”. Berlin und Brandenburg sind doch “Spitze ” in den Vergleichen – aber nach unten!
Ich habe es als Lehrkraft am Gymnasium so oft erlebt, wie begabte Kinder aufgeblüht sind, weil wir – nach deren eigenen Worten (!) – ENDLICH was Spannendes, Interessantes und Neues im Unterricht gemacht haben. Zitat: “In der 4. Klasse war es furchtbar langweilig, weil die Lehrerin alles immer mindestens dreimal erklären musste und manche es trotzdem noch nicht verstanden haben.” Die Eltern hatten erzählt, wie ungern manche zuletzt in die Grundschule gingen. Gerade für lernwillige und leistungsbereite Kinder ist der Einheitsbrei eine wahre Tortur, und sie haben ebenfalls ein Recht auf passgenaue Beschulung! Bildungsgerechtigkeit für die wahrscheinlich späteren Leistungsträger ist bei so manchen linksgrünroten Genossen Politikern nicht gefragt…
Und zack! Die Ideologiewelle schwappt wieder herein: “ist bei so manchen linksgrünroten Genossen Politikern nicht gefragt.”
Mit diesem Satz entwerten Sie alles, was Sie vorher geschrieben haben.
Wer von “Lesekompetenzen” (und weiteren “Kompetenzen”) deliriert, braucht sich über nichts zu beschweren.
Wie würden Sie es den nennen?
Am besten hätten Schüler beim Übergang von der Grundschule ins Gymnasium schon einen Hochschulabschluss in der Tasche – dann hätten es die Gymnasiallehrer im Unterricht natürlich deutlich einfacher
Vielleicht sollte das ganze System Schule anerkennen, dass es eben mit Kindern zu tun hat die Anders sind, als die Kinder vor 20 oder 30 Jahren und sich Gesamtheitlich an die Realität anpassen. Kindern sind heute wesentlich weniger von Erwachsenen oder Älteren Kindern beim aufwachsen begleitet. Sie lernen von den die halt schon etwas können. Ganz nebenbei. Und da sind halt 2 Erwachsene auf 12 Kinder und Alle Kinder in selben Alter. Kita ist Standard heute. Schule ist so wie immer schon.
Und was sagen Jahre später die Professoren?
” Die Abiturienten sind nicht studierfähig ”
Und das bei einer wachsenden
Zahl von Einser- Abiturienten.
Und im Gegenzug geben die Philologen verbindliche Studienempfehlungen und Abschlussprognosen ab.
Die Gymnasien dürften einfach nicht alle nicht geeigneten Schüler durch den Probeunterricht winken, nur um auf gute Schülerzahlen zu kommen. Wer z.B.aus der Grundschule mit einer Note 4 im Fach Mathematik kommt, hat am Gymnasium nichts verloren!