BERLIN. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird nicht nur Stadien und Fanmeilen beschäftigen, sondern auch viele Klassenzimmer. Das Turnier findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko statt. Wegen der Zeitverschiebung werden zahlreiche Spiele in Deutschland erst am Abend oder in der Nacht übertragen. Auch die Begegnungen der deutschen Nationalmannschaft dürften für Diskussionen in Familien sorgen: Deutschland startet am Sonntag, 14. Juni, um 19 Uhr gegen Curaçao. Das zweite Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste ist für Samstag, 20. Juni, um 22 Uhr angesetzt, das dritte Vorrundenspiel gegen Ecuador für Donnerstag, 25. Juni, ebenfalls um 22 Uhr.

Für Schulen stellt sich damit eine Frage, die viele Lehrkräfte bereits von früheren Welt- und Europameisterschaften kennen: Wie sollten Eltern zwischen ausreichend Schlaf und einem außergewöhnlichen Sportereignis abwägen? Und wie problematisch ist es, wenn Schülerinnen und Schüler nach einem späten Deutschland-Spiel müde im Unterricht erscheinen?
Der Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung warnt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor pauschalen Antworten. „Da gibt es kein richtig oder falsch“, sagt er. Ob Kinder länger aufbleiben sollten, hänge von ihrem Alter, ihrer Belastbarkeit und ihrem Interesse am Fußball ab.
„Es gibt wahrscheinlich 6-Jährige, die trotzdem am nächsten Morgen halbwegs fit sind, auch wenn sie bis Mitternacht Fußball geschaut haben“, erklärt Ritzer-Sachs. Möglich sei auch, „dass ein Kind selbst am nächsten Morgen noch voller Adrenalin ist und gerade gut drauf“. Gleichzeitig gebe es Kinder, „bei denen langes Aufbleiben genau das Falsche wäre, weil sie ohnehin oft so müde sind und das nicht gut hinkriegen“.
Aus Sicht des Erziehungsberaters sollten Eltern deshalb vor allem die individuelle Situation ihres Kindes berücksichtigen. Auch Begeisterung für den Fußball spiele eine Rolle. Wenn ein Kind gar kein besonderes Interesse an den Spielen habe, sei Schlaf in der Regel die bessere Wahl.
Bei jüngeren Kindern sieht Ritzer-Sachs die Sache ohnehin eher zurückhaltend. „So ein kleines Kindergartenkind profitiert eher nicht davon, mitzuschauen“, sagt er. Rechne man Spielzeit und Halbzeitpause zusammen, seien das fast zwei Stunden vor dem Fernseher. „Das ist definitiv nichts für ein vierjähriges Profil. Und schon gar nicht, wenn Spiele erst um 22 Uhr anfangen und fast bis Mitternacht gehen.“
„Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Deutschlandspiel nicht unbedingt eine Arbeit schreiben“
Anders könne dies bei Kindern im Grundschulalter aussehen. Gerade wer selbst Fußball spiele, Turniere kenne oder bestimmte Spieler als Vorbilder habe, könne ein solches Ereignis bewusst erleben. „Für mich macht es mehr Sinn, wenn Kinder so mit Beginn der Grundschule aufbleiben dürfen, vor allem wenn sie vielleicht schon selbst bei den Bambini oder in der F-Jugend spielen“, sagt der Sozialpädagoge.
Bemerkenswert ist auch sein Blick auf die Schulen. Mit Blick auf späte Deutschland-Spiele wirbt Ritzer-Sachs für etwas Gelassenheit. „Auch wenn das jetzt Schulen nicht gefallen wird: Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Deutschlandspiel nicht unbedingt eine Arbeit schreiben.“ Selbst wenn man Fußball persönlich wenig abgewinnen könne, müsse man akzeptieren, „dass es bei anderen anders ist“.
Grundsätzlich sei ausreichender Schlaf selbstverständlich wichtig. Einzelne Ausnahmen seien jedoch kein Grund zur Sorge. „Regelmäßiges, ausreichendes Schlafen ist gut – keine Frage. Eine Ausnahme macht das aber nicht kaputt. Und auch fünf Ausnahmen machen das nicht kaputt“, betont der Erziehungsberater. Eltern könnten deshalb durchaus überlegen, „ob man da nicht auch in Kauf nehmen kann, dass ein Kind mal am nächsten Tag müde ist“.
Dabei verweist er auch auf den Erinnerungswert großer Live-Ereignisse. Viele Menschen hätten später das Gefühl, bei historischen Momenten dabei gewesen zu sein, wenn sie diese live verfolgt hätten. Zur Begründung erzählt Ritzer-Sachs von einer eigenen Kindheitserinnerung: „Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind geweckt worden bin und habe Mohammed Ali gegen George Foreman geguckt, dieser ganz berühmte Boxkampf.“ Zwar habe er damals kaum verstanden, worum es ging. „Aber irgendwie finde ich es heute ganz cool, dass ich das damals verfolgt habe.“
Für Eltern, die sich dennoch gegen das nächtliche Mitfiebern entscheiden, hat der Experte ebenfalls einen Rat. Wer gute Gründe habe, müsse auch mit Enttäuschung und Protest umgehen können. „Den müssen sie aushalten – einfach aushalten“, sagt Ritzer-Sachs. Allerdings hält er starre Regeln für wenig überzeugend. „Das machen wir immer so und wir machen nie eine Ausnahme“ sei aus seiner Sicht ein eher schwaches Argument. Eltern könnten stattdessen ausprobieren, wie ihr Kind auf ein spätes Spiel reagiere, und anschließend gemeinsam besprechen, ob weitere Ausnahmen sinnvoll seien.
Für Schulen bedeutet das: Nach späten Deutschland-Spielen dürfte es vereinzelt müde Schülerinnen und Schüler geben. Allerdings: In vielen Klassen richtet sich die Aufmerksamkeit nicht allein auf die deutsche Nationalmannschaft. Zahlreiche Kinder und Jugendliche fiebern auch mit den Teams ihrer Familien und Herkunftsländer mit – und manche Spiele von Mannschaften wie der Türkei oder Marokko fallen auf für europäische Zuschauer ungewöhnlich späte Uhrzeiten. Oder sogar schon in die frühen Morgenstunden. News4teachers / mit Material der dpa










Man sollte auch den Lärm in hellhörigen Mietshäusern und in dichten Wohngebieten sowie auf Straßen und Plätzen bedenken. Wahrscheinlich haben auch Menschen mit Müdigkeit zu kämpfen, die kein Interesse an Fußball haben.
Ein 6- jähriger ist bei allem persönlichem Verständnis aus meiner Sicht am nächsten Tag nicht fit, wenn er bis Mitternacht aus welchem Grund auch immer wach gewesen ist. Da sollte man sich nichts schönreden.
Tja, und wenn man dann in einem multinationalen und ggf.. hellhörigen Vielfamilienhaus wohnt kann sich demnach darauf einstellen, dass bis weit in den Juli hinein keine ruhige Durchschlafnacht haben wird.
Wuwuzeela, Tröten, lautes Torschreien (wird bei uns Deutschen ja erwartungsgemäß eher selten ausfallen) werden dann schon dafür sorgen, dass wir mit weniger Schlaf auskommen müssen.
Wir könnten ja einfach das Land für die Dauer der WM in einen Ruhezustand mit Verlagerung der bürgerlichen Aktivstunden in die Nächte versetzen.
Dafür müsste es doch wohl ausreichend Verständnis geben, oder?
Klingt so, als wenn Sie nie Fußball gespielt haben…eher in der Handballliga verortet ?
Wann fallen denn beim Fußball innerhalb von 60 Minuten so zwischen 40 und 60 Tore. Beim Fußball müssen sich die Fanblöcke aufgrund der großen Langeweile durch Choreo und Gesänge wachhalten.
Faszination eines Fußballspiels lässt sich nicht auf die Anzahl von Toren reduzieren.
Der Norden ist Handball. 🙂
Danke für den ersten Lacher heute .
Da sind ja Schachpartien unterhaltsamer.
Ja und? Gibt genügend Menschen ohne Interesse am Fußball.
Bin gespannt, was mein AG sagt, wenn ich völlig verpennt und nicht wirklich arbeitsfähig in die Schule kommen: „Ey, is WM, da musste ich gucken“!
Ich halte es da eher mit: „Wer feiern will bis in die Nacht, muss auch arbeiten können bis zum Abend“.
Ich empfehle Traumreisen – also Kopp auf’n Tisch und Augen zu.
Wir könnten auch einfach mal cool sein (https://www.jfeed.com/news-world/zohran-mamdani-bedtime-executive-order),
aber das Problem wird wahrscheinlich weniger der Wille der Lehrkräfte, als deren Beinfreiheit in einem vollgestopften Lehrplan 🙁
Wenn das Kind dann im Unterricht einschläft, war natürlich die Leerschlappe mit ihrem langweiligen Unterricht wieder Schuld, schon klar.
Wenn nicht gerade eine Klassenarbeit geschrieben werden soll: Einfach mal die Ruhe in den Klassen genießen 😉
Geht auch bei der Klassenarbeit und dann ist man auch schneller mit Korrigieren fertig.
Wer Fußball gucken kann, kann auch tags drauf um 8 Uhr in der Schule arbeiten. Punkt.
Wer Fußball gucken kann, sollte das auch in der Schule lernen.
Fußball gucken als Schulfach?
Ja, nennt sich meistens Sport.
Mein Gott, was für ein stussiger Beitrag.
Finden Sie Ihren weiterführend und falls ja, warum?
Mit Ihnen debattiere ich nicht … falsche Liga…falsches Setting.
Erstaunlich, dass für Sie Gepöbel ausreichend zu sein scheint.
Die einen sagen so – die anderen so ….
Je nachdem, mit wieviel Blödsinn ich konfrontiert werde … und Sie sind neben dem zufälligen Rainer seit Wochen ganz weit oben auf der Chartlist für „Bull-Shit-Exelance“.
q.e.d.
Nun ja, auf jedem Misthaufen muss halt eine(r) oben stehen und krähen.
Fußball schauen bezeichnen Sie als Sport? Vor allem als Schulfach? Da haben Sie aber etwas so gar nciht verstanden.
Von wertschätzenden Kollegen lasse ich mir am liebsten mein Fach erklären, viel Dank,
Mit Blick auf späte Deutschland-Spiele wirbt Ritzer-Sachs für etwas Gelassenheit. „Auch wenn das jetzt Schulen nicht gefallen wird: Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Deutschlandspiel nicht unbedingt eine Arbeit schreiben.“ Selbst wenn man Fußball persönlich wenig abgewinnen könne, müsse man akzeptieren, „dass es bei anderen anders ist“.
Nach späten Deutschland-Spielen dürfte es vereinzelt müde Schülerinnen und Schüler geben. Allerdings: In vielen Klassen richtet sich die Aufmerksamkeit nicht allein auf die deutsche Nationalmannschaft. Zahlreiche Kinder und Jugendliche fiebern auch mit den Teams ihrer Familien und Herkunftsländer mit – und manche Spiele von Mannschaften wie der Türkei oder Marokko fallen auf für europäische Zuschauer ungewöhnlich späte Uhrzeiten. Oder sogar schon in die frühen Morgenstunden.
Ich kann tatsächlich den Aussagen des Artikels wenig abgewinnen – viele allgemeine Aussagen, die einem ansatzweise logisch-denkenden Menschen klar sein sollten.
Kein Arbeitgeber hat dafür Verständnis, wenn man nach einem Fußballspiel übermüdet und nicht fit bei der Arbeit erscheint – oder sich „krank“ meldet.
Klassenarbeiten werden nicht bewusst von Lehrkräften so gesetzt, dass sie Fußball-begeisterte Schüler ärgern, sondern so, dass man die Klassen an den Tagen auch im Unterricht hat und nicht zu viele Arbeiten in einer Woche liegen. Man kann also nicht unbedingt einfach so eine Arbeit auf den nächsten Tag verschieben…
Im Endeffekt sagt Ritzer-Sachs aber auch, dass es ja nicht nur um ein paar Tage ginge, an denen Deutschland spielt, sondern auch um Tage, an denen Länder wie die Türkei, Marokko usw. spielen. Außerdem nennt Ritzer-Sachs selbst aus eigener Erfahrung das Finale im Boxen.
Welche Sportarten und welche Herkunftsländer sind dann also wichtig genug, dass sich Lehrkräfte „mal locker machen“ sollten?
Ich würde es daher anders sehen:
Die Schule ist der Job der Kinder und Jugendlichen. So lange dort alles klappt, kann man seine Kids auch mal länger aufbleiben lassen – die Konsequenzen müssen sie ggf. selbst tragen. Bei uns laufen derzeit noch Abschlussprüfungen und demnächst Nachprüfungen für das Abitur. In so einem Fall würden meine Kinder eben nicht für ein Spiel aufbleiben, da muss die Aufzeichnung des Spiels reichen.
„Auch wenn das jetzt Schulen nicht gefallen wird: Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Deutschlandspiel nicht unbedingt eine Arbeit schreiben.“
Da spricht jemand, der keine Ahnung von Schulorganisation hat.
Bei uns – und ich vermute, dass das bei den meisten Schulen so gehandhabt wird – dass es zu Beginn eines Halbjahres einen Klassenarbeitsplaner gibt, in den die Termine vorausschauend eingetragen werden, um z.B. die zulässige Anzahl an Arbeiten pro Woche nicht zu überschreiten.
Jetzt auf Spieltermine der WM Rücksicht zu nehmen und auf geplante Arbeitstermine zu verzichten halte ich für völlig überzogen. Wer für eine Klassenarbeit fit und ausgeschlafen sein will, muss halt abends rechtzeitig schlafen gehen.
Ansonsten kommen als Nächstes die Musikfans, die um Rücksicht bzgl der Klausuren und Arbeiten bitten, wenn ihre Lieblingskapelle abends vorher vor Ort ein Konzert gegeben haben.
Die Erfahrung zeigt doch, dass jugendliche SuS eh machen, was sie wollen. Ob das jetzt reglementiert , sanktioniert oder ignoriert wird…
Richtig. Deswegen reglementiere ich nichts, sanktioniere ich nichts und nehme auch keine Rücksicht darauf.
Rücksicht auf fehlende SuS nehmen, stell ich mir eh schwierig vor…
Wieso? Wer fehlt, hat den verpassten Stoff eigenständig nachzuarbeiten.
Schon klar, dass Sie das erwarten:
Fremdständige Nacharbeit wäre also nicht genehm ?
Die Schüler dürfen mich sogar fragen oder den nachgearbeiteten Stoff zur Kontrolle mitgeben. Das Angebot kann ich guten Gewissens immer machen, weil ich genau weiß, dass das so gut wie nie angenommen wird, also keine nennenswerte Arbeit macht.
Das ist der Weg.
Persönlich lege ich großzügig noch Lächeln obendrauf und stimme SuS immer zu, dass zu viele Arbeiten geschrieben werden.
Ich erinnere mich noch an die WM 1987 bis 1997. Die fiel in meine komplette Schulzeit und täglich waren alle verpennt.
Und davor wurde vorher nicht journalistisch aufbereitend gewarnt ?
Dieser Artikel schmeckt nach Sommerloch.
Sehe ich auch so. Und als Versuch, in Deutschland so etwas ähnliches wie WM-Fieber zu erzeugen.
Tatsächlich nehme ich von WM zu WM weniger Hype im Land dafür wahr. Es gibt zudem Leute, die mit Fußball überhaupt nichts anfangen können. Ich gehöre dazu.
Ich fühle mich noch völlig gesund und wenig fiebrig.
In dem Zeitraum lagen die Fußball-Weltmeisterschaften von Italien (1990) und den USA (1994). Ich wüsste nicht, dass die Spiele bei der WM 1990 in Italien mitten in der Nacht lagen.
Also eine WM 1987 bis 1997 kenne ich nicht, in dem Zeitraum fielen allenfalls 2 WMs, 1990 und 1994, wobei 1990 das legendäre Datum war. Da war in der Tat noch so etwas wie ein Nationalstolz vorhanden und die Schüler schauten jedes Spiel, D wurde dann ja auch Weltmeister. Aber jammern taten sie nicht. Heute muss alles abgefangen werden!
Warum nicht den Unterricht erst gegen zehn Uhr beginnen lassen oder auf freiwilliger Basis abhalten? Das würde doch die Popularität der Verantwortlichen ungemein steigern und wäre zeitgemäß!
Ganz ehrlich? Inzwischen bin ich soweit, zu denken: Schulpflicht abschaffen, nicht durch eine Bildungspflicht ersetzen. Soll doch jeder machen, was er will. Zumindest werden dann weder Kinder in der Schule geknechtet noch Eltern auf irgendeine Weise in die Pflicht genommen. Dazu nen guten zweiten Bildungsweg für die, deren Eltern sie von Bildung abgehalten haben. Aber bis auf Demokratiefeinde, welche ihre Kinder lieber selbst indoktrinieren, wirds da kaum welche geben: das macht ja Arbeit.
Von daher: macht doch, was Ihr wollt. Gründe ich halt ein Privatunternehmen zur Vermittlung von Kenntnissen in Mathe, Physik, Informatik. Der Bedarf ist da schier endlos…
Doof nur, dass es hier nicht um eine beliebige Dienstleistung geht – sondern um das Menschenrecht auf Bildung, verbrieft durch die UN-Kinderrechtskonvention. Die zu gewährleisten, ist Kernaufgabe des Staates. Oder wollen Sie den gleich mit abschaffen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Warum nicht? Zur Zeit macht er doch mehr Probleme, als er löst.
Ich habe das Recht auf freie Berufswahl, genau wie Sie. Und mir wird das alles langsam zu blöd: permanent verantwortlich für alles gemacht zu werden, was gesellschaftlich schief läuft, von meinem AG gröblichst und wissentlich ausgebeutet zu werden, von Eltern als Projektionswand ihrer Erziehungsinkompetenz benutzt zu werden und und und.
Da ich eh im Angestelltenverhältnis bin, ist es ein Leichtes für mich, mich aus dem staatlichen Schuldienst unter Verwendung der Floskel „Macht Euren Scheiß doch alleine“ zu verabschieden. (Frage: kommt hinter „Floskel“ eigentlich ein Doppelpunkt? Oder ist der nur bei wörtlicher Rede erforderlich?)
Wenn Land und Eltern glauben, Lehrer wären eierlegende Wollmilchsäue, die geradezu darum betteln, überlastet und/oder in den Burnout getrieben zu werden (so scheint es ja derzeit zu sein): Macht mal weiter so. Dann halt ohne mich.
Was mir nie zu blöd war, ist die Arbeit mit meinen SuS, egal wie anstrengend die waren oder sind.
Aber die sehe ich dann ja ggf. zumindest zum Teil wieder.
In angenehmerem Kontext. In kleineren Gruppen. Mit definierten und erreichbaren Zielen.
PS: es gibt das Recht auf Bildung. Der Staat hat zu gewährleisten, dass jedes Kind (und jeder Erwachsene) Zugang zu Bildungsmöglichkeiten hat. Er hat verdammt noch mal die Pflicht, seine Schulen vernünftig auszustatten, was er seit Jahren vernachlässigt. Der Staat hat nicht die Pflicht, um Eltern und Kinder herumzutanzen und „Bitte, Bitte“ zu schreien.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika BB
„Permanent verantwortlich für alles gemacht zu werden, was gesellschaftlich schief läuft…“
Wir wüssten nicht, wer Sie hier verantwortlich für irgendetwas macht – es sei denn, Sie wären das Schulsystem. In diesem Fall hätten wir an Ihnen schon einiges auszusetzen. Sind Sie aber nicht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Als Lehrer sind Sie permanent und immer Vertreter des Schulsystems. Sie setzen die Vorgaben des Systems nämlich um – nun ja, soweit das mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglich ist. Lehrer vertreten das Schulsystem wie die Polizei die Durchsetzung der Staatsgewalt oder Richter das Rechtssystem.
In der gesellschaftlichen Debatte um Bildung geht es zu 95% (von mir gefühlter Wert) darum, dass die Lehrer immer mehr dabei versagen, Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen beizubringen. Da geht es nicht darum, dass es ihnen aufgrund der systemischen Bedingungen überhaupt nicht möglich ist, das geforderte Wissen zu vermitteln.
So langsam (sehr, sehr langsam) dreht sich das Blatt jedoch, weil viele Eltern die Zustände in Schule hautnah mitbekommen und sehen, wie sich die Lehrkräfte für ihre Kinder aufräufeln.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika (der die hier spontan entwickelte Idee eines Privatinstituts gerade ganz charmant findet)
„Sie setzen die Vorgaben des Systems nämlich um – nun ja, soweit das mit den zur Verfügung stehenden Mitteln möglich ist.“
Also sind sie es logischerweise nicht. Lehrkräfte sind nicht für die Ressourcen des Bildungssystems und seinen Zustand verantwortlich (genauso wenig wie Bahnbeschäftigte für den Zustand der Bahn) – und deshalb müssen Sie sich den Schuh auch nicht anziehen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich bin dafür nicht verantwortlich, das weiß ich. Das interessiert nur niemanden. Gern mal mit Eltern unterhalten, die nicht aus der Bildungswesenbubble kommen. Gern mal auf der Straße umhören. Gern mal jedes Mal, wenn Sie Ihren Beruf nennen, zu hören bekommen: „Ach, vormittags Recht, Nachmittags frei und ansonsten Ferien?“, garniert mit einen verschwörerischen Grinsen.
Und dann immer wieder, auch von Ihnen, unterstellt zu bekommen, dass wir keine Ahnung von unserem Job haben. Beispiel? „Praktika müssen pädagogisch begleitet werden, damit sie Sinn machen“ (Binse). „Stures Auswendiglernen für den Test ist sinnlos“ (Binse). „Nee, Mika, wenn Du sagst, dass Entlastung von unterrichtsfernen Tätigkeiten dir nichts bringt, weil Du kaum solche Aufgaben hast, die sinnvoll ausgelagert werden können, dann stimmt das nicht, weil wir wissen das besser!“ (anmaßend).
Ich ziehe mir diese Schuhe nicht an – es nervt allerdings, permanent mit diesen beworfen zu werden.
„Es nervt allerdings, permanent mit diesen beworfen zu werden“ – aber eben nicht hier. Wir haben Ihnen niemals unterstellt, dass Sie keine Ahnung von Ihrem Job haben. Die uns zugeschriebenen Zitate sind allesamt erfunden.
Wir führen hier gerne sachliche, auch harte Diskussionen über die Ausrichtung des Bildungssystems. Wir sind aber nicht die Adressaten von undifferenziertem Gemaule über alles und jeden.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das ist richtig, aber der Frust sitzt tief und Lehrer sind auch nur Menschen, die in einem kaputten System arbeiten.
Und deshalb geht man die an, die das kaputte System öffentlich kritisieren und damit verbessern wollen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Naja, Ihre Ansichten klingen aus Sicht der Praktiker halt manchmal komisch.
Nur weil irgendwelche Verbände, Ethikräte, Schulleitungen oder Sozialpädagogen etwas fordern, ist das eben noch nicht richtig und meistens auch von irgendeiner Motivation getrieben … meiner Erfahrung nach geht es dabei nicht um die Kinder, es sind eher egoistische Motive, wie Geltungsdrang.
Irgendwelche Verbände? Äh – die Interessenvertretungen der Lehrkräfte!
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wer kann ein kaputtes System, das von Sparmaßnahmen und Budgetvorstellungen des Staates kaputt gemacht wurde, wohl besser machen? Die Lehrer versuchen, das Schlimmste zu verhindern, aber ohne Unterstützung von „oben“ geht das nicht lange gut.
Naja, haben sie auch nicht ganz unrecht. Das Ausweichen auf Privatschulen ist ja bereits in vollem Gange. Und in anderen Ländern muss man grundsätzlich bezahlen.
Bezahlen nach Einkommen wäre mit Sicherheit auch eine gute Idee, dann wäre Bildung vielleicht tatsächlich mehr wert? Ist doch überall so, was nichts kostet, wird nicht geschätzt.
Ich wüsste nicht, dass ein vorhandenes Recht verpflichtend wahrzunehmen ist.
Eltern können nicht für Kinder auf deren Menschenrechte verzichten – sonst dürften sie diese auch totprügeln (Recht auf körperliche Unversehrtheit).
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich finde auch, dass die Eigenverantwortung gestärkt werden muss. Bildung ist nicht nur eine „Bringschuld“ der Lehrkräfte, sondern auch eine „Holschuld“. Wer nicht will, der hat schon (etwas ihm attraktiver Erscheinendes).
Besonders amüsant finde ich die Aufregung mancher Lehrkräfte. Da wird erklärt, warum man auf keinen Fall Rücksicht auf ein paar WM-Abende nehmen könne, weil der Klassenarbeitsplan seit Monaten feststehe und der Lehrplan keinen Spielraum lasse.
Gleichzeitig wissen Eltern und Schülerinnen und Schüler nur zu gut, wie Unterricht in den letzten Wochen vor den Sommerferien oft aussieht: Filme schauen, Arbeitsblätter, Vertretungsstunden, Wandertage und die berühmte „wir machen heute mal etwas Lockeres“-Phase.
Offenbar bricht das Bildungssystem nicht zusammen, wenn vor den Ferien permanent Filme laufen. Aber wenn Schüler wegen eines WM-Spiels einmal müde im Unterricht sitzen, wird plötzlich die Zukunft der Nation in Gefahr gesehen.
Von mir aus sollen sie pennen im Unterricht. Dann müssen sich die Schläfer den Schulstoff halt daheim erarbeiten.
Also bei uns läuft gerade Abi. Also für manche ein ganz besonderer Film.
Also wir haben vor den Ferien, wenn es keine Bücher mehr gibt (die man sowieso immer seltener benutzt) keine Phase des „Filme Schauens“, wenn wir Filme o.ä. schauen, werden die gezielt in den Unterricht eingebaut und besprochen. Wandertage haben durchaus ihre Berechtigung und „Vertretungsstunden“? Was wollen Sie eigentlich mit Ihren Ausführungen sagen? Dass Schule und Unterricht sowieso „für lau“ ist? Wegen eines WM Spiels? Ich fasse es nicht, Sie haben die Relevanz und die Einordnung gewisser Dinge überhaupt nicht erfasst.
Alles schläft und einer spricht, sowas nennt man Unterricht.
Seit 50+ Jahren immer wieder nett zu hören!
Aber in dem Fall auch sehr passend.
Nicht nur wegen der WM, sicher nicht.
Ich finde das eine tolle Gelegenheit, den jungen Menschen klar zu mschen, dass sie Freiheiten haben, dass sie aber die Konsequenzen ihrer Entscheidung zu tragen haben. Am Tag nach Spielen besondere Bedingungen einzuführen zB. keine Klassenarbeiten, nimmt den Schülern diese Lernerfahrung. Da fühlt sich der Kollege vielleicht nett und schülerzentriert, ist aber einfach nur ein schlechter Pädagoge.
Ich bin dafür, die Fülis zu stärken!
Eine gute, schülerorientierte Entscheidung wäre es daher, an diesen Tagen die Schulen wegen „Fußball-WM-frei“ geschlossen zu halten und schulfrei für alle zu geben.
Zustimmung, falls das Ironie war.
Also ich fürchte die WM nicht, ich habe mit meinen Halbwüchsigen permanent mit Müdigkeitserscheinungen zu tun, entweder aufgrund von Durchzocken bis früh um 3/4 Uhr, manchmal auch wegen Fastenbrechen, Gründe gibt es immer. Man sollte nicht unbedingt zuviel Rücksicht darauf nehmen.Bei den Kleineren ist es Erziehungssache, bei den Größeren eigentlich auch. Und wenn die Eltern meinen, WM schauen ist cool, dann ist es eben so, ich werde meinen Unterrricht deshalb nicht umstelllen und anpassen. Historische Momente? Ja, das war sicher mal, es hat sich viel geändert, und wir haben als Schüler unsere Übermüdung damals überspielt. Heute muss alles aufgefangen werden? Natürlich werde ich keine Arbeiten schreiben nach einem Deutschlandspiel, so viel Nationalbewusstsein habe ich schon noch.
Naja, dass drumherum alles wichtiger ist als die Schule und Bildung und diese sich bitte hinten anzuordnen hat ist doch immer so. Das die Kinder nachts nur ein paar Stunden geschlafen haben ist nichts neues. Das gibt es jetzt schon mit vielen, die Computerspiele oder Konsole nachts zocken. Die Eltern sind dann meist in einer Spirale zwischen absoluter Hilflosig- und Gleichgültigkeit. Die nötigen Mittel hätten sie, warten aber in der Regel zu lange, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist bzw. die Pubertät dazu kommt.
Nicht zu vergessen übrigens die Kinder, die aufgrund religiöser Umstände von morgens bis Abends nichts essen und auch nichts trinken!
Sind dann halt jetzt mal andere Kinder, in einer Zeit in der alle Klassenarbeiten geschrieben sind. Gute Schüler wird das nicht aus der Bahn werfen, zumal Kinder auf eine Schlafrythmusumstellung auch bei weitem nicht so reagieren, wie wir erwachsenen, das weiss jeder, der mal ne Klassenfahrt mitgemacht hat, der Schlaf wird nachgeholt und dann die nächste Nacht wieder durchgemacht …. also immer im zwei Tages Rythmus.