FRANKFURT/MAIN. Ab dem Schuljahr 2026/27 greift schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Doch was erwarten Familien eigentlich von den Angeboten? Eine bundesweite Befragung zeigt: Für viele ist der Ganztag unverzichtbar, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Gleichzeitig verbinden Eltern damit hohe pädagogische Erwartungen – von Lernunterstützung über soziale Erfahrungen bis hin zur Förderung von Selbstständigkeit. Die Wünsche und Bedürfnisse unterscheiden sich jedoch deutlich je nach Familienform, Bildungshintergrund, Erwerbstätigkeit und Wohnort.

Während für viele die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Mittelpunkt steht, verbinden andere mit dem Ganztag vor allem pädagogische Erwartungen wie Förderung, soziale Erfahrungen und mehr Selbstständigkeit der Kinder.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Eltern mit Blick auf den Ganztag keine einheitliche Gruppe sind. Ob und warum Familien ein Angebot nutzen, hängt stark mit ihrer jeweiligen Lebenssituation zusammen“, sagt Amina Kielblock, die am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation die Erhebung federführend verantwortet hatte. Diese liefere wichtige Hinweise für den bevorstehenden Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Förderung im Grundschulalter. „Für Kommunen, Schul- und Ganztagsträger sowie die Einrichtungen selbst wird deutlich: Ganztagsschulen sollten nicht nur verlässliche Betreuung ermöglichen, sondern auch die pädagogischen Erwartungen der Familien berücksichtigen. Gerade nicht-akademische Familien wünschen sich vom Ganztag oft Unterstützung für das schulische Lernen. Es ist daher anzuraten, beim Ausbau des Ganztagsangebots jeweils vor Ort die Elternperspektive frühzeitig einzubinden.“
An der deutschlandweiten Fragebogenerhebung zur Betreuung und Bildung von Kindern im Grundschulalter hatten insgesamt 4.330 Eltern teilgenommen. Die Befragung wurde Ende 2024 im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Schule macht stark“ durchgeführt, dessen wissenschaftliche Begleitung am DIPF koordiniert wurde. Die verantwortlichen Wissenschaftler*innen erfassten, wie bestimmte Merkmale von Eltern und Familien wie Berufstätigkeit, Bildungshintergrund und Wohnort mit der Nutzung von Ganztagsangeboten zusammenhängen und welche Gründe Eltern für oder gegen eine Teilnahme nennen.
Die Befunde der Forschenden um Amina Kielblock machen deutlich, dass der Ganztag für viele Familien eine zentrale Infrastruktur im Alltag ist und dabei hilft, Erwerbsarbeit und Familienalltag miteinander zu vereinbaren. Unter den Befragten nutzten Alleinerziehende sowie Familien mit zwei erwerbstätigen Elternteilen besonders häufig ein Ganztagsangebot. Demgegenüber nahmen Familien mit nur einem erwerbstätigen Elternteil den Ganztag seltener in Anspruch und gaben häufiger an, keinen Platz zu benötigen. Gleichzeitig wurde der Ganztag bei vielen Eltern nicht nur als Betreuungsangebot wahrgenommen, sondern auch als ein pädagogisches. In der Befragung wurden etwa der Kontakt zu Gleichaltrigen, die Förderung von Selbstständigkeit und zusätzliche Möglichkeiten zur schulischen Unterstützung genannt.
Mit Blick auf den Bildungshintergrund der Eltern gab es in der tatsächlichen Nutzung kaum Differenzen: Sowohl akademische als auch nicht-akademische Eltern hatten ihre Kinder mehrheitlich im Ganztag angemeldet. Unterschiede registrierten die Forschenden aber bei den Erwartungen und Bewertungen – etwa bei der schulischen Unterstützung. So erhofften sich 64,4 Prozent der nicht-akademischen Eltern Beaufsichtigung und Unterstützung ihrer Kinder bei den Hausaufgaben, gegenüber 51,7 Prozent der Eltern mit akademischem Abschluss.
Nahmen Eltern keinen Ganztagsplatz in Anspruch, unterschieden sich auch hier die Beweggründe. Unter den Eltern ohne akademischen Abschluss gaben 22,1 Prozent an, sich wegen hoher Kosten gegen einen Ganztagsplatz entschieden zu haben, gegenüber 9 Prozent bei Eltern mit akademischem Abschluss. Demgegenüber äußerten sich Eltern mit akademischem Abschluss häufiger unzufrieden etwa mit der Vielfalt des Ganztagsangebots und den Möglichkeiten der individuellen Förderung.
Nach den Erkenntnissen der Forschenden spielt auch der Wohnort eine Rolle. Demnach nutzten Familien in städtischen Regionen den Ganztag häufiger (63 Prozent) als Familien im ländlichen Raum (56 Prozent). Eltern auf dem Land bekundeten häufiger, keinen Betreuungsbedarf zu haben. Zugleich gaben 14 Prozent der Eltern im städtischen Raum an, keinen Platz gefunden zu haben, gegenüber 8 Prozent im ländlichen Raum.
Kielblock, A.; Haas, T.; Kielblock, S. (2026). Betreuung und Bildung von Grundschulkindern. Perspektiven der Eltern. Bericht zur bundesweiten Elternbefragung zu Betreuung und Bildung von Grundschulkindern im Rahmen des Forschungsverbunds “Schule macht stark – SchuMaS”. Frankfurt a. M.: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Guter Ganztag”.
Bildungsforschung: Ganztag wirkt (aber bei Fachleistungen nicht so direkt wie erhofft)









Vorschlag: Die Kinder der akademischen Eltern können auf den Ganztag verzichten, weil im Nachmittagsbereich nur die Förderung betrieben wird.
Prognose: Ändert nicht viel.
Ähm nein, wir arbeiten nachmittags im Ganztag und unsere Kinder müssen daher auch nachmittags betreut werden… abgesehen davon findet an der Grundschule hier nachmittags eine Betreuung statt, keine schulische Förderung. Die Lehrerinnen haben da alle frei und die Erzieherinnen basteln mit den Kindern oder beaufsichtigen sie beim freien Spiel, das war’s.
Sie fassen damit sehr treffend zusammen, worum es beim schulischen Ganztag in erster Linie geht.
Ich glaube nicht, dass die Lehrerinnen am Nachmittag alle frei haben. Deren Arbeit wird wohl kaum von den Heinzelmännchen erledigt.
Hallo Schotti!
Ich denke mal, dass
Blaumeinte, dass die LuL nachmittags nicht im GT eingesetzt sind und daher dort nur Sozialpäd. Personal arbeitet. Dass LuL “da nicht frei haben” weiß doch eigentlich jeder, der in einer Schule arbeitet – sogar der Hausmeister und das Reinigungspersonal wissen das.Nur, damit es nicht wieder jemand in den falschen Hals bekommt. Hier lesen ja schließlich auch Zivilisten mit. Ich würde in der Öffentlichkeit niemals die Wörter Lehrerinnen, Nachmittag und frei in einem Zusammenhang nennen. Das verstehen die Leute dann nämlich auch so, glauben Sie mir.
“Zivilisten” …. DER ist gut!
Hm, also Menschen haben unterschiedliche Lebenssituationen.
Aufgrund dessen entscheiden sie sich aus unterschiedlichen Motiven für/gegen etwas?
Und manche gehen dabei Kompromisse ein?
Wahnsinnige Erkenntnis. Danke.
Mal im Ernst … Das doch ein No-Brainer mal wieder?
Selbstverständlich würden die meisten Eltern folgendes ankreuzen:
– Keine Kosten
– Kinder haben freie Zeit zum Spielen
– Hausaufgabenbetreuung [falls Hausaufgabenkonzept] sehr qualifiziert und vollumfänglich
– Viele Angebote – Musik, Sprachen, Kunst, Sport, Lesen, …[Liste nahezu unendlich]
– Essen wird gestellt [Kostenlos bestenfalls]
– Individuelle Förderung bei Wunsch [Im Prinzip gerne als Nachhilfe(ersatz)]
– Genug Personal, damit das auch “nicht ausfällt”
– Jederzeit abholbar, wenn man gerade will/Zeit hat
Wer würde das denn bitte nicht ankreuzen dann?
Im Optimalfall wäre es auch in der Richtung.
Jedoch muss man halt auch schauen, was man so an Rahmenbedingungen gibt und stellt.
Letztendlich ist es an vielen Stellen halt Betreuung. Kann man gut finden oder nicht.
Wenn ich einen “Erwartungsbogen”/”Wunschliste” zum Einkaufen usw. bekäme … Dann sähen einige Läden aber auch alt aus.
Sind wir mal ehrlich … Der Staat wäre doch absolut froh und zufrieden damit, wenn man “durch reine Betreuung” den Ganztagsanspruch einigermaßen hinbekommt. Das ist das Ziel.
Von sonderlicher flächendeckender Pädagogik und Angeboten braucht sich keiner was vorzumachen.
Was sind die tatsächlichen Grunderwartungen vieler?
-> Essen, Hausaufgabenzeit (bestenfalls ohne Stress/Druck/Konflikte), Anwesenheit (Spielen oder sowas), Kind soll am Schluss möglichst unverletzt abgeholt werden (können).
Alles was hinzu kommt [sinnvolle zusätzliche Angebote] ist bereits “KANN” Option.
Und ob das “gut” oder “schlecht” ist … Ist halt individuelle Betrachtung.
Ansonsten können wir doch gleich “Schule als Ganztag – mit Ganztagsunterricht” einführen? Wo wäre der Unterschied?
Und sogar das können “wir” ja als “Halbtag” noch nicht mal abdecken.
Ist leider schon lange so. Mein Ex und ich (beide Akademiker) haben unsere Tochter (Jahrgang 2005) nach dem 1. Halbjahr der 1. Klasse schon aus der Nachmittagsbetreuung genommen. Wir hatten _gar_ keine Erwartungen mehr an die Betreuung. Weil die Betreuer selbst auf dem niedrigen Level oft nicht in der Lage waren, den Kindern die Hausaufgaben zu erklären. Sie _dachten_ allerdings, sie könnten es. Praktikanten, BuFDis, Hausfrauen mit Nebenjob …
Obendrein war unsere Tochter nach den langen Tagen in Krach und Chaos jedesmal fix und fertig. Dann die Hausaufgaben nochmal korrekt zu machen, war einfach zu viel.
Da ich einen Gleitzeit-Arbeitsvertrag habe, fing ich stattdessen sehr früh morgens an zu arbeiten, damit ich ab dem frühen Nachmittag wieder zu Hause sein konnte. Mein Ex stand dafür später auf und übernahm die Morgenroutine. Ein paar Jahre lang war ich dauermüde. Dann war unser Kind alt genug, die zwei Stunden ohne mich auch alleine zu überbrücken.
So das ist ein Erfahrungbericht. Vielen Dank dafür.
Jetzt denken wir hier als Leser und Leserinnen, sowieso Bedienstete mal genau nach …
Was ist jetzt das Interesse und die Folgekonsequenz:
A.) Ganztag wird qualitativ besser gemacht (werden).
B.) Man freut sich, dass diese [und andere Eltern] den Ganztagsanspruch nicht in Anspruch nehmen und spart als Staat/AG massivst Gelder ein.
C.) Muss an der Familie [Erfahrungsbericht liegen].
Na? Wer kommt drauf?
Absolut okay, wenn man den Ganztagsanspruch nicht in Anspruch nimmt. Bestenfalls arbeitet man halt dann halt später. Aber bitte nicht weniger. Und man hört früher auf – aber bitte das nachholen … Notfalls Homeoffice.
Warum sollte denn ein Interesse an einer langfristigen teuren und qualitativ hochwertigen Ganztagsbetreuung durch den AG bestehen? Es ist ein “Pflichtsystem Schule”. Das Recht auf Ganztagsangebote wird auch bei Betreuung gegeben.
Aber bitte bloß nicht alle annehmen. Je weniger, desto besser. Wichtig ist nur, dass ihr als Eltern trotzdem bitte arbeiten geht. Und zwar nicht weniger.
Obendrein war unsere Tochter nach den langen Tagen in Krach und Chaos jedesmal fix und fertig. Dann die Hausaufgaben nochmal korrekt zu machen, war einfach zu viel.
Genau in diesem Punkt sehe ich u. a. ein GT- Problem. Ich kenne viele Kinder, denen es ebenso ergeht. Nur dass deren Eltern oft nicht in der “priviligierten” Lage sind ihre Arbeitszeit an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen. Das “Dauermüde” ist natürlich ein echtes Opfer, doch ich denke, es hat sich für Sie und Ihre Tochter am Ende gelohnt.
Und, überhaupt sehe ich durchaus kein Problem darin, dass ein durchschnittlich
entwickelter 4-Klässler/in, mal 1 – 3 Stunden alleine zuhause verbringen könnte…
Ja, da hatten wir mit unserer Tochter allerdings viel Glück. Sie hat schon immer gerne gelesen, konnte das auch schon vor der Einschulung und hat daher in der kurzen Zeit, in der sie alleine war, meist genau das getan. Und somit wenig Unfug angestellt. Bei unserem Sohn hätten wir das nicht machen können. Ihn haben wir von vornherein auf eine ganz andere Grundschule und später auf eine Privatschule geschickt. Bei ihm fiel allerdings in der staatlichen Grund- und weiterführender Schule so viel Unterricht aus (Lehrkräfte dauerkrank, Springer-Entsendung erst nach massivem Druck), dass wir Klassen-Eltern auf eigene Faust Unterricht bei der Schülerhilfe organisiert haben. Da waren die paar Hausaufgaben dann eh schon egal.
Nach dem Wechsel zur Privatschule lief es dann gut. Da fiel fast nichts mehr aus und nachmittags betreuten bei Bedarf genau die Lehrer, die auch den Unterricht erteilten.
Aktuell steckt er in den Abiturprüfungen. Den ersten Teil hat er bereits bestanden, wie ich heute erfuhr. Den zweiten hoffentlich auch bald, und dann ist hier endlich Schluss mit Schule … (Externen-Abitur NRW)
Wann gibt’s denn mal eine repräsentative Umfrage unter den Kindern, ob sie eine Ganztagsschule oder eine Halbtagsschule vorziehen würden?