
Hamburgs Abiturientinnen und Abiturienten haben ihre Schullaufbahn in diesem Jahr erneut etwas besser abgeschlossen als ihre Vorgängerjahrgänge. Nach noch vorläufigen Angaben beträgt der Notendurchschnitt 2,34 – die dritte Verbesserung in Folge, wie Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) bei der Vorstellung der Schnellerhebung im Rathaus sagte.
Insgesamt hätten in diesem Jahr 9.576 Schülerinnen und Schüler das Abitur geschafft – 302 mehr als im letzten Jahrgang und so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Mit 52 Prozent war etwas mehr als die Hälfte weiblich.
Knapp 96 Prozent des Jahrgangs schaffen das Abi
Angetreten zum Abitur waren den Angaben zufolge 9.992 junge Frauen und Männer, was einer sogenannten Bestehensquote von 95,8 Prozent entspricht. Im 2025er-Abi-Jahrgang hatte die Quote noch bei 94,5 Prozent gelegen.
«Das ist eine gute Entwicklung», sagte Bekeris – auch im Hinblick auf beinahe 20 Jahre Zentralabitur in Hamburg und die ausgeweiteten bundesweiten Abituraufgaben aus dem gemeinsamen Aufgabenpool. «Eine höhere Vergleichbarkeit der Abiturleistungen in ganz Deutschland ist der richtige Weg.»
Je nach Schulform gab es leichte Unterschiede bei der Durchschnittsnote: So liegt sie mit 2,53 an den Stadtteilschulen höher als an den Gymnasien mit 2,22. An den beruflichen Gymnasien wurde eine Durchschnittsquote von 2,48 erzielt.
Mehr Einser-Abis – 252 Mal die Bestnote 1,0
An 79 Schulen wurde in diesem Jahr insgesamt 252 Mal die Bestnote 1,0 vergeben (Vorjahr: 231) – mit je elf die meisten an der Gelehrtenschule des Johanneums und am Gymnasium Ohmoor sowie am Gymnasium Oberalster (8) und dem Luisen-Gymnasium Bergedorf (7).
Bemerkenswert: Bei der Bestnote haben sich die Abiturienten ihren Mitschülerinnen angenähert. Wurden 2024 noch 64,4 Prozent der 1,0er-Abis von weiblichen Absolventen erzielt, waren es im vergangenen Jahr noch 60,2 und im aktuellen Jahrgang nur noch 56 Prozent. Generell lasse sich aber sagen, dass die schulischen Leistungen bei Mädchen durchschnittlich besser seien als die der Jungs, sagte Bekeris.
Bei den schriftlichen Abiturprüfungen haben sich die Durchschnittsnoten im Fach Deutsch in diesem Jahr leicht verbessert – sie liegen mit 3,08 nach 3,12 im Vorjahr aber weiterhin nur im befriedigenden Bereich. Besser beziehungsweise annähernd gleich fielen sie in den Fremdsprachen Englisch (2,62) und Französisch (1,96) aus. Eine deutliche Verschlechterung von 2,29 im Vorjahr auf nun 2,83 gab es im Fach Mathematik.
Erster und mittlerer Schulabschluss geben Anlass zur Sorge
Die Ergebnisse zum ersten allgemeinbildenden Abschluss (ESA) und zum mittleren allgemeinbildenden Abschluss (MSA) seien vergleichbar mit denen der Vorjahre, sagte Bekeris. «Sie sind vergleichbar auch in dem Sinne, dass wir uns Sorgen machen.»
So hätten die Schülerinnen und Schüler bei den ESA-Prüfungen im Fach Deutsch nur eine durchschnittliche Note von 4,18 und in Mathematik eine Durchschnittsnote von 4,45 erzielt. Bei den MSA-Prüfungen hätten sie bei 3,62 in Deutsch und im Fach Mathematik bei 4,06 gelegen.
Die Prüfungsergebnisse stünden in Einklang mit den Befunden internationaler und nationaler Schulleistungsstudien, die in den nicht-gymnasialen Schulformen einen deutlichen Kompetenzrückgang nachweisen. Somit bleibe es auch in Hamburg Anspruch und Ziel, die Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Lagen zu erfolgreichen Abschlüssen zu führen, um ihnen einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen, sagte Bekeris. News4teachers / mit Material der dpa
Abiturnoten-Debatte: „Massive Entwertung“ – oder doch schlicht gute Leistungen?










Kein Problem, meine Schüler werden dann nächstes Jahr eben bessere Noten haben. Lässt sich alles regeln.
Man könnte es auch machen wie beim Einstellungstests für den Polizeidienst in Hamburg,
dann würden die Deutschnoten bei ESA und MSA vermutlich besser werden..
„Knapp 96 Prozent des Jahrgangs schaffen das Abi“ – gibt es denn dann überhaupt noch nennenswert Abschlüsse darunter?
Ich könnte die Frustration verstehen. Gehört man zu den vier Prozent, kommt man sich bestimmt ausgegrenzt vor.
Ja, aber man wäre dann mit seiner Frustration in guter Gesellschaft, denn unter den anderen 96% dürfte der Unmut nicht genauso groß sein. Denn welchen Wert, welche Aussagekraft hat überhaupt noch eine Selektionsentscheidung, bei der 96% durchkommen?
96% der zur Prüfung zugelassen Schüler schaffen das Abi. Das ist nicht dasselbe.
Meine Abi-Prüfung fand 1969 statt. Die Klasse traf sich um 8 Uhr in dem Vorbereitungsraum. Dann warteten wir gespannt auf die Mitteilung, wer von uns in welchem Fach wann zur mündlichen Prüfung antreten durfte. Ca. 30 Minuten vor dieser Prüfung erfuhren wir das Prüfungsthema, um uns etwas sammeln und vorbereiten zu können. In der vorangegangenen Woche war die schriftliche Prüfung. Die bestand aus vier Klausuren nacheinander am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag mit je fünf Stunden Dauer. Unser Notendurchschnitt lag damals so um 3,0 und 1,0 hat, so wie ich mich erinnere, eigentlich niemand erreicht.
Ist schon sehr erstaunlich, daß die aktuelle Abi-Generation deutlich intelligenter ist als wir alten „Dumpfbacken“….
Ergänzung:
Es gab noch einen dritten Prüfungsteil, das sogenannte „Rundgespräch“. Da wurden per Los Gruppen von 8 bis 10 Prüflingen gebildet, die ca. eine Unterrichtsstunde (45 Minuten) eine „Debatte“ zu einem von der Prüfungskommission gestellten Thema führen sollten. Die Beurteilung der Beteiligten zur Qualität ihrer Beiträge war dann Teil der Abi-Bewertung. Gibt es so etwas heutzutage?
Ob eine Prüfung dieser Art aktuell den jungen Leuten zugemutet werden könnte? Ich wage es zu bezweifeln.
Übrigens fand mein Abi damals an einem Gymnasium in Westberlin statt und ich hab’s geschafft, mit 3,0 die Hochschulreife zu erlangen. Für etliche Abiturienten heutzutage wäre dies wohl eine mittlere Katastrophe….