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CSD-Anschlag: Was Jugendliche (wie Abdul Ballout) in die Radikalisierung treibt – und welchen Einfluss die Schule dabei hat

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BERLIN. Die Frage, wie ein in Berlin geborener junger Mann zu einem islamistischen Attentäter werden konnte, beschäftigt seit dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day Politik und Öffentlichkeit. Zwei aktuelle Analysen weisen dabei auf einen Aspekt hin, der in der Debatte häufig zu kurz kommt: Radikalisierung beginnt meist lange vor dem Kontakt mit extremistischen Ideologien – dort, wo junge Menschen das Gefühl verlieren, dazuzugehören.

Anwerbeprogramm (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Die Hinweise auf Probleme gab es früh. Nach Informationen der Berliner Morgenpost, die von der Berliner Bildungsverwaltung bestätigt wurden, erhielt Abdul Ballout bereits in der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens. Seine Eltern sollen mit den Lehrkräften kaum kooperiert haben. Der Junge wechselte zweimal die Grundschule, besuchte anschließend ein Förderzentrum, entwickelte sich zum Schulverweigerer und verließ das Bildungssystem ohne Abschluss. Wenige Jahre später radikalisierte er sich in der islamistischen Szene, wurde vom Landeskriminalamt als Gefährder eingestuft – und schließlich zum Attentäter.

Naheliegend ist deshalb die Frage, welche Ideologie ihn geprägt hat. Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. Jürgen Fleischmann hält diese Perspektive jedoch für zu kurz gegriffen. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt er davor, Radikalisierung vor allem über Religion oder politische Weltanschauungen erklären zu wollen. In seiner langjährigen Arbeit habe er Jugendliche erlebt, die sich islamistischen Gruppen ebenso angeschlossen hätten wie rechtsextremen Szenen oder gewaltorientierten Hooligans. „Die Ideologien waren unterschiedlich. Das Bedürfnis dahinter war oft erstaunlich ähnlich.“

Nach jeder Gewalttat werde intensiv nach den Ursachen gesucht: War es der Islam? Rechtsextremismus? Das Internet? Eine psychische Erkrankung? Das Elternhaus? Diese Fragen seien berechtigt, schreibt Fleischmann. „Aber fast nie stellen wir die wichtigere Frage: Unter welchen Bedingungen werden Menschen empfänglich für Ideologien, die ihnen Feindbilder, Zugehörigkeit und einen vermeintlichen Lebenssinn anbieten?“

„Wer Integrationsarbeit, Kinder- und Jugendhilfe oder politische Bildung lediglich als freiwillige Sozialleistungen betrachtet, verkennt ihre eigentliche Bedeutung“

Seine Antwort richtet den Blick auf grundlegende psychologische Bedürfnisse. Radikale Gruppen unterschieden sich zwar in ihren politischen oder religiösen Zielen. Gemeinsam sei ihnen jedoch, „dass sie Menschen das geben, was demokratische Gesellschaften oft nicht mehr vermitteln: das Gefühl, dazuzugehören.“ Sie böten Identität, Anerkennung, Orientierung und einfache Antworten auf eine komplexe Welt. „Wer dazugehören darf, erhält Bedeutung. Wer zweifelt, bekommt Gewissheiten. Wer sich überfordert fühlt, muss nicht mehr selbst denken. Andere übernehmen das.“ Gerade darin liege ihre Anziehungskraft. Internationale Übersichtsarbeiten der Radikalisierungsforschung bestätigten inzwischen, dass Zugehörigkeit, Anerkennung und Identität zu den wichtigsten Faktoren solcher Entwicklungen gehörten.

Damit verschiebt sich der Blick von der Ideologie auf die Entwicklung eines jungen Menschen. Fleischmann argumentiert, dass nicht nur Demokratiefähigkeit in der Kindheit entstehe. Auch die Bereitschaft, Freiheit gegen das Versprechen von Sicherheit und Zugehörigkeit einzutauschen, habe dort ihre Wurzeln. Wer nie erfahren habe, dass die eigene Stimme zähle oder dass eigenes Handeln etwas bewirken könne, erlebe Freiheit später häufig nicht als Chance, sondern als Überforderung. Wer nie gelernt habe, sich selbst etwas zuzutrauen, suche Halt im Außen. Orientierung gewännen dann Menschen und Bewegungen, die Komplexität reduzierten und Verantwortung abnähmen.

Der Psychiater greift dabei einen Gedanken des spanischen Philosophen José Ortega y Gasset auf. Dessen Beschreibung des „Massenmenschen“ aus dem Jahr 1930 sei zwar in einem anderen historischen Kontext entstanden. Die Sehnsucht nach autoritärer Ordnung und der Wunsch, Verantwortung lieber zu delegieren als selbst zu übernehmen, wirkten heute jedoch erstaunlich aktuell.

Was daraus folgt, betrifft aus Fleischmanns Sicht unmittelbar die Bildungs- und Jugendpolitik. Forschung zur Gewaltprävention und Resilienz zeige seit Jahren, dass stabile Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe und das Erleben von Zugehörigkeit zu den wichtigsten Schutzfaktoren gegen Gewalt und Radikalisierung gehörten. „Wer Integrationsarbeit, Kinder- und Jugendhilfe oder politische Bildung lediglich als freiwillige Sozialleistungen betrachtet, verkennt ihre eigentliche Bedeutung. Sie gehören zu den wichtigsten Investitionen in die Zukunft einer demokratischen Gesellschaft.“ Wer hier spare, spare an den Voraussetzungen von Zusammenhalt, Freiheit und innerer Sicherheit.

„Radikalisierung hat viele Gesichter. Doch fast immer beginnt sie dort, wo Zugehörigkeit verloren geht und Hoffnung schwindet“

Dabei richtet sich der Blick ausdrücklich nicht nur auf Jugendliche mit Migrationsgeschichte. Fehlende Zugehörigkeit könne ebenso junge Menschen in strukturschwachen Regionen treffen, Jugendliche ohne Zukunftsperspektiven oder Kinder, die früh die Erfahrung machten, nicht gebraucht oder nicht einmal gesehen zu werden. „Radikalisierung hat viele Gesichter. Doch fast immer beginnt sie dort, wo Zugehörigkeit verloren geht und Hoffnung schwindet.“

Gerade Schulen kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. Nicht, weil sie Radikalisierung allein verhindern könnten. Sondern weil dort täglich erfahrbar wird, ob Kinder dazugehören, ob ihre Gedanken zählen, ihre Gefühle ernst genommen werden und sie erleben, dass ihr Handeln etwas bewirken kann. „Innere Sicherheit beginnt deshalb nicht erst beim konkreten Einsatz von Polizei und Verfassungsschutz. Sie beginnt viele Jahre früher. Im Kinderzimmer, in der Kita, in der Schule.“

In die gleiche Kerbe schlägt der Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba vom Forschungszentrum Islam und Recht in Europa der Universität Erlangen. Nach dem CSD-Anschlag warnt er in einem im Spiegel veröffentlichten Interview vor einer weiteren Radikalisierung junger Männer. Auch Jaraba beschreibt Radikalisierung nicht als Folge einer religiösen Prägung allein. Besonders empfänglich seien Jugendliche, die das Gefühl hätten, nicht wirklich zur Gesellschaft zu gehören oder Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt zu sein. „Irgendwann sehen sie alles nur noch durch eine negative Brille, bewerten alles, was vom Staat oder der Gesellschaft kommt, skeptisch.“

Merchandising zum Terror: Mit solchen T-Shirts sprechen Islamisten junge Menschen an. Screenshot
Merchandising zum Terror: Mit solchen T-Shirts sprechen Islamisten junge Menschen an. Screenshot

Entstehe dadurch ein Vakuum, füllten salafistische Gruppen diese Leerstelle. „Und hier punkten die Salafisten mit ihren einfachen Antworten“, sagt Jaraba. Sie suggerierten den jungen Menschen, sie hätten in Deutschland ohnehin keine Chance, Schule und Ausbildung lohnten sich deshalb nicht, stattdessen sollten sie sich ganz auf die Religion konzentrieren.

Gerade für Jugendliche, deren Lebensweg bereits von Brüchen geprägt sei, entfalte diese Botschaft ihre Wirkung. „Für junge Menschen, die zum Beispiel aus gespaltenen Familien kommen oder eine kriminelle Geschichte haben, die womöglich Schwierigkeiten in der Schule haben, ist das sehr attraktiv.“ Die salafistische Szene biete ihnen Orientierung und klare Regeln – „etwa was das Beten, das Fasten, das Zusammenleben von Männern und Frauen angeht oder was ,erlaubt‘ ist und was nicht“. Genau danach sehnten sich viele junge Männer in einer Identitätskrise.

Vor diesem Hintergrund fordert Jaraba, Prävention und Deradikalisierung deutlich auszubauen. Dabei sollten Moscheegemeinden gezielt einbezogen werden. Dort gebe es großes Interesse an Präventionsarbeit, „doch sie haben zu wenige Ressourcen und oft auch kein Vertrauen vonseiten der Behörden“. Insgesamt passiere auf diesem Feld bislang „extrem wenig“, teilweise würden Fördermittel sogar gekürzt. Dabei sei sich die Forschung über die grundsätzliche Entwicklung weitgehend einig: „Es wird in Zukunft noch zu mehr Radikalisierungen von jungen Menschen kommen.“

Ein solches Muster – gescheitert, verloren, radikalisiert – lässt sich im Fall Abdul Ballout erkennen. Der 2005 in Berlin geborene Sohn libanesischer Eltern wuchs nach Recherchen des Spiegel nicht abgeschottet in einem islamistischen Milieu auf. Sein Umfeld galt als vergleichsweise säkular, sogar homosexuelle Familienmitglieder gehörten dazu. Als Kind spielte er Fußball bei einem Kiezprojekt der Jugendhilfe. Gleichzeitig häuften sich schon früh Brüche in seiner Biografie. Er geriet in Schlägereien, wurde wegen Gewaltdelikten verurteilt, schloss die Schule ohne Abschluss ab und verlor später seine Arbeit im Sicherheitsgewerbe. Nachdem ihm die Sicherheits-ID entzogen worden war, lebte er von Sozialleistungen.

Spätestens 2022 radikalisierte sich Abdul B. zunehmend. Er suchte Anschluss an eine islamistische Jugendgruppe, verbreitete Propaganda des sogenannten „Islamischen Staats“, versuchte 2025 über den Libanon nach Syrien zu gelangen und ließ sich auch nach seiner Rückkehr und nach Jugendhaft von Beratungsangeboten kaum noch erreichen. Ein Programm zur Deradikalisierung wurde zwar angeordnet, doch nach zwei Gesprächen bezweifelten die Berater, dass er überhaupt bereit war, sich auf den Prozess einzulassen. Ein dritter Termin war für den Montag nach dem Anschlag vorgesehen. News4teachers 

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82 Kommentare
Realist
18 Tage zuvor

„Innere Sicherheit beginnt deshalb nicht erst beim konkreten Einsatz von Polizei und Verfassungsschutz. Sie beginnt viele Jahre früher. Im Kinderzimmer, in der Kita, in der Schule.““

Da innere und äußere Sicherheit den Regierenden ja so wichtig sind (wichtiger als Bildung jedenfalls) erwarte ich dann demnächst Sozialarbeiter und Jugendpsychologen an jeder Schule.

DerechteNorden
18 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Schule ist zu spät. Außerdem müsste man pro Schule in gewissen Gegenden dann pro 20 S*S mindestens eine*n Sozialarbeiter*in und pro 50 eine*n Schulpsycholog*in beschäftigen. (Ich muss beim Schreiben wie so oft mal wieder laut lachen.)
Außerdem kann man gegen familiäre Missstände als Schule nichts ausrichten. Man kann sich – einfach formuliert – ans Jugendamt wenden, das war’s aber dann auch schon.

Jerunda
18 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Zitat aus dem Artikel: „Seine Eltern sollen mit den Lehrkräften kaum kooperiert haben.“
Welche Möglichkeiten gibt es denn dann für die Schule und das Jugendamt (beide, vermutlich wie fast überall chronisch unterbesetzt)?

DerechteNorden
18 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Das Jugendamt macht nur Angebote. Tatsächlich kann nur ein*e Richter*in etwas anordnen, habe ich letztens auf einer Fortbildung gelernt.
Und das kann von der Meldung des Missstandes bis zu einer Entscheidung schon mal zwei Jahre dauern.
Schulen dürfen nur Gespräche führen und Treffen mit Schulpsycholog*innen oder Sozialarbeiter*innen anbahnen.
Deutschland ist ein Entwicklungsland, was Kinder- und Jugendschutz angeht.
Und ganz besonders „praktisch“ ist auch, dass immer die Kids selbst entscheiden dürfen, solange sie sich nicht selbst oder andere gefährden. Es reicht oft also nicht, dass die Eltern kooperieren.

Jerunda
18 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Eben!

GBS-Mensch
18 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Natürlich entscheiden über Grundrechtseingriffe Gericht. Das Jugendamt ist aber durchaus antragsberechtigt.

Jerunda
18 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Das schrieb DerechteNorden doch! Aber sie schrieb auch, dass es dann seeehr lange dauert. Zieht die Familie in der Zwischenzeit noch um … Na dann … alles noch mal von vorn

GBS-Mensch
18 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Sie schrieb, dass sie neulich gelernt habe, dass nur ein Gericht in die Grundrechte von Menschen eingreifen könne und das finde ich sehr verwunderlich, dass sie es erst neulich gelernt habe.

Insbesondere wo sich viele heute und gerne auch hier als Hüter der Demokratie und des Rechtsstaats gerrieren, aber offensichtlich nicht über die geringsten Grundkenntnisse verfügen.

Und Sofern es um Kindeswohlgefährdungen betrifft, gibt es durchaus einige Instrumente und dann wird das auch schnell verhandelt:

„§ 155 FamFG – Vorrang- und Beschleunigungsgebot – dejure.org“ https://dejure.org/gesetze/FamFG/155.html

Und anders als behauptet, muss dazu auch keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen.

Was wohl gemeint ist, ist dass es (wie üblich) ein Ressourcenproblem gibt.

DerechteNorden
18 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Theorie und Praxis, nicht wahr?

Jerunda
17 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Ich vermute, das „neulich“ (sie schrieb „letztens auf einer Fortbildung“) war ironisch gemeint. Denn diese Erfahrungen machte ich schon vor/seit vielen, vielen Jahren. Und apropos Fortbildung: vor ca,. 10 Jahren hatte ich mal eine Fortbildung zum Thema Kinderschutz, geleitet von einem Polizei-Kommissar. Dort wurde das auch schon angesprochen und der Kommissar riet uns, Im Ernstfall besser gleich die Polizei zu rufen und nicht das Jugendamt.

DerechteNorden
17 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Sie schrieb, dass sie neulich gelernt habe, dass nur ein Gericht in die Grundrechte von Menschen eingreifen könne und das finde ich sehr verwunderlich, dass sie es erst neulich gelernt habe.“

Na ja, man muss ja nicht so große Geschütze auffahren wie den Eingriff in die Grundrechte.
Ich hatte schon gedacht, dass das Jugendamt durchaus mehr Befugnisse hat, als nur Angebote zu machen.
Übrigens scheinen das die meisten zu denken, wie uns auch die Dame vom Jugendamt erklärte, und sie diesen Irrtum auch nicht aus dem Weg räumen würde, damit mehr Eltern kooperieren.

Und natürlich muss mindestens eine Fremdgefährdung vorliegen, bevor etwas passiert. Fremdgefährdung kann doch bereits Vernachlässigung sein. Und die liegt bei solchen Kindern wie es der Attentäter war, offensichtlich auch vor. Wenn andere außerhalb der Familie bemerken, dass mit einem Kind etwas nicht stimmt und die Eltern unternehmen trotz Hinweisen nichts, kommen aber durchaus ab und an zu Gesprächen, um den Schein zu waren, dann passiert auch nichts.

GBS-Mensch
17 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Jedes verpflichtende „Angebot“, Zwangsangebot (ich nehme einmal an, dass Ihnen so etwas vorschwebt) ist selbstverständlich ein Grundrechtseingriff im Allgemeinen und insbesondere in der Erziehung.

Art. 6 II Satz 1 GG

„Art. 6 GG – dejure.org“ https://dejure.org/gesetze/GG/6.html

Ja, aus taktischen Gründen kokettiert das JA gerne mit ihrem Ruf, um Eltern zu etwas zu bewegen. Man droht ja auch gerne mit dem Jugendamt.
Im Zweifelsfall kommen die Eltern dann irgendwann dahinter, dass das lediglich Zähnefletschen ist.

Auf der anderen Seite hat das Jugendamt auch schärfere Schwerter und wieder auf der anderen Seite ist das, was man oder Sie oder ich für eine defizitäre Erziehung halten nicht gleichbedeutend mit einer Kindeswohlgefährdung.

Dann haben Sie den Begriff Fremdgefährdung falsch gebraucht, damit ist etwas Anderes gemeint. Das ist in den PsychKG eindeutig besetzt.

DerechteNorden
16 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Zu Ihrem letzten Absatz: Ich denke, alle anderen haben mich auch so verstanden.
Defizitäre Erziehung meine ich nicht unbedingt, sondern schon körperliche und psychische Gewalt sowie komplette Vernachlässigung der Grundbedürfnisse eines Kindes.

Jerunda
17 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es gibt noch ein weiteres Problem in der Zusammenarbeit Schule – Jugendamt, welches ich mehrfach erlebte: der Datenschutz. Das JA informiert deshalb die Schule nicht über ihnen bekannte familiäre Probleme. Begründung eben der Datenschutz und die Sorge des JA, dass Eltern dann nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten würden, wenn die Lehrer „so manches“ wüssten. Also fischen die Lehrer oft im Trüben. Andererseits will das JA immer genau über schulische Belange informiert werden. Das verstehe, wer will. Lehrer unterliegen doch ebenfalls der Verschwiegenheitspflicht. Wie soll erfolgreich den Familien geholfen werden, wenn man bestimmte Dinge nicht erfährt als Lehrer oder Erzieher? Um wirklich wirksam den Schülern zu helfen, müssen mMn alle eng zusammen arbeiten und auch die bekannten Fakten austauschen.

DerechteNorden
16 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nachtrag:
Ursprünglich hatte ich Folgendes geschrieben: „Und ganz besonders „praktisch“ ist auch, dass immer die Kids selbst entscheiden dürfen, solange sie sich nicht selbst oder andere gefährden.“

Sie haben dann den Begriff „Fremdgefährdung“ ins Spiel gebracht, obwohl ich etwas anderes meinte.

DerechteNorden
18 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Komisch aber, dass das alles so schlecht läuft, finden Sie nicht?
Und: Theorie und Praxis

In welchem Metier sind Sie eigentlich tätig?

GBS-Mensch
17 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es läuft aus den üblichen Gründen schlecht, die man hier nur an geraden Kalendertagen erwähnen darf. Und komisch ist daran gar nichts. Es ist eher zwangsläufig, folgerichtig und konsequent.

Ich bin seit 26 Jahren im sozialen Bereich in verschiedenen Funktionen tätig, durchaus auch in Bereichen, in denen die juristische Dimension eine Rolle spielte. Deswegen habe ich auch einen recht umfassenden Blick auf die Dinge.
Im Gegensatz zu vielen Weltenrettern auf dem hohen Ross, habe ich auch mit Menschen gearbeitet, denen sich viele nicht auf zehn Meter nähern würden.

Vielen Dank für Ihr Interesse.

447
16 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Trifft es sehr genau.

447
16 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Kurzum:

– keine Durchsetzungsmacht
– nix zu sagen
– Ergebnis: Bei viel Papier und noch viel mehr nutzlosen „Beratungsstunden“ (i.d.R. unbezahlt)
– bleibt alles, wie es ist

ysnp
18 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Im Originalartikel der Berliner Morgenpost steht sogar, dass die Eltern überhaupt nicht kooperiert haben – aus welchem Grund auch immer. Vielleicht hätte man mit guter Zusammenarbeit im Kindesalter einiges auffangen können. Wenn wir auffällige Kinder in der Grundschule haben, empfehlen wir Spezialisten, seien es z.B. Beratungsstellen, Jugendhilfen, Psychologen oder auch einen Erziehungsbeistand, der in die Familie kommt, in eine Einrichtung für Kinder mit Problemen auf Zeit, das an ein Krankenhaus angeschlossen ist, je nach Problemlage. Der Sozialarbeiter in der Schule ist der erste Ansprechpartner. Da wurde – das kann ich aus Erfahrung sagen – schon einiges wieder aufgefangen.
Berlin hat sicher auch solche Möglichkeiten. Aber die Eltern müssen mitmachen.

Rüdiger Vehrenkamp
18 Tage zuvor
Antwortet  ysnp

Ist Alltag bei uns. Wenn wir als Familienhelfer kommen, die Eltern aber jegliche Zugänge blocken und sich nicht an getroffene Absprachen halten, dann gehen wir eben wieder. Das melden wir dann den höheren Stellen und dann passiert in der Regel ganz lange gar nichts. Dann gibt es meist noch mal eine Anhörung und wenn die Eltern auch dann nicht wollen, dann wars das.

447
17 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Und dazu noch bissl Datenschutz, bissl „abba es ist doch ein Kiiiiiiinnnd“ und es verläuft im Sande.

Katabaster
18 Tage zuvor

Es ist wirklich interessant herausfinden, wie sich Meinungen, Ansichten, Weltanschauungen bilden. Kleine Kinder plappern eher nach, was Eltern sagen und vorleben, Jugendliche werden eher durch ihren Freundeskreis geprägt. „Die Schule“ gibt es ja als Einfluss gar nicht, das sind immer etliche verschiedene Personen, die ja auch nicht alle die gleiche Meinung haben. Wer davon beeinflusst mich? Und warum?

Wissen ist vielleicht die Grundlage? Wovon man nichts weiß, dazu kann man ja keine Meinung haben. Aber warum fallen Bewertungen und Schlussfolgerungen so unterschiedlich aus? Welche Rolle spielt dabei die Genetik? Die Forschung sagt, dass auch Erfahrungen und Einstellungen zu einem gewissen Grade vererbt werden (Epigenetik). Man merkt ja durchaus, dass man mit einem Elternteil in den Einstellungen oft überraschend übereinstimmt.

Ich glaube, Schule kann Wissen vermitteln, aber keine Einstellungen. Sie kann für bestimmte Einstellungen werben. Die muss sie gut begründen können und vorleben, wenn Schüler sie übernehmen sollen, vor allem, wenn sie andere Einstellungen ablegen sollen.

Oder?

Susanne M.
18 Tage zuvor
Antwortet  Katabaster

Das wäre ja schlimm, wenn Sie Recht hätten mit der Epigenetik und dass Einstellungen vererbt werden. Dann wären Deutsche immer noch Nazis, die Spanier und Italiener noch Faschisten und die Schweden absolute Hardliner, die mit Militär streikende Arbeiter niederkartätschen..

Katabaster
17 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Na dann seien Sie ganz beruhigt, weil ich das so ja gar nicht geschrieben habe.

Katabaster
17 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Das sind sehr komische Annahmen, weswegen es keinen Sinn macht, darauf einzugehen. Die Annahmen selbst sind ja falsch und deshalb die Schlussfolgerungen daraus um so mehr. Aber da müsste man ja nun eine ganze Vorlesung zu halten, um alles auseinander zu klamüsern. Das schaffe ich nicht in einem kurzen Kommentar hier. Tipp: Sie müssen Ihre Annahmen überdenken, damit Sie zu richtigen Schlussfolgerungen kommen. That’s all!

Jerunda
18 Tage zuvor
Antwortet  Katabaster

“ Die Forschung sagt, dass auch Erfahrungen und Einstellungen zu einem gewissen Grade vererbt werden (Epigenetik).“
Haben Sie dazu Quellen, dass Erfahrungen und Einstellungen vererbt werden können? Oder verwechseln Sie das mit vermuteten Veranlagungen zu bestimmten Krankheiten (z. B. (Depressionen, Suchtverhalten …)? Selbst letzteres ist meines Wissens noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Aber vielleicht haben Sie ja neuere wissenschaftliche Belege dafür. Das würde mich dann doch interessieren.

Bla
18 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Mit „vollständig wissenschaftlich geklärt“ hat man generell mal ein Problem im Bereich „Sozialverhalten“, „Psychologie“, „Epigenetik“, „Neurologie“ usw.

Erfahrungen und Einstellungen werden natürlich nicht direkt vererbt meines Wissens nach. Also als „Wissen“ und „Inhalt“.
Worauf es jedoch schon starke Indizien gibt sind eben genetische Folgeprägungen dazu.
Also beispielsweise biologische Stressvulnerabilitäten.
Anzeichen dafür wäre bspw. die Veränderung des Gens NR3C1. Und eben diese genetische Anpassung/Übertragung in einer Erbfolge.

Bei „vermuteten Veranlagungen“ sind einige ja doch über „vermutet“ inzwischen hinaus … Zumindest als hohe und sichere Wahrscheinlichkeiten.
Trichterbrust …
Legasthenie als Wahrscheinlichkeitsbereich …
Eisenspeicherkrankheit/Hämochromatose …

Auch bei Depressionen geht es ja um „Anfälligkeiten“. Und auch hier forscht man natürlich, ob dies „genetisch“ bzw. „erbbedingt“ ist.

Ist halt alles extremst kompliziert.
Viele vertauschen bspw. auch einen „Burnout“ mit „Bore-Out“ und wundern sich, wie das sein kann.
Ebenfalls sowas wie „Burnout“ [Überlastung durch Überarbeitung] mit einem autistischen Burnout [Überlastung durch Masking, Überforderung, Anpassung, Erwartung usw.].

Viele Bereiche sind eben zusätzlich „in jüngerer Forschung“. Daher ist das „vollständig wissenschaftlich geklärt“ so ein Problemchen … Gerade und insb. bei „Übergreifenden Komplexen“.

Jerunda
18 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Danke! Das deckt sich weitgehend mit meinem Wissensstand zu Genetik und Epigenetik. Deshalb meine Nachfrage an Katabaster, denn seine „Erklärung“ fand ich seltsam, aber ich bin ja nicht allwissend. Vielleicht hat er da ja doch noch eine seriöse Quelle. Warten wir es einfach ab. Vielleicht überrascht er uns.

GBS-Mensch
18 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Es gibt das Transgenerationale Trauma in der Epigenetik. Dabei geht es aber nicht um Einstellungen im Sinne von Meinung.

Jerunda
17 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Ich weiß. Damit habe ich mich auch schon näher beschäftigt. Meine Eltern, Großeltern, sowie die meines Mannes haben den 2. Weltkrieg, sowie Vertreibung aus den Sudeten bzw. aus Schlesien erlebt. Auch Hunger kennen meine Vorfahren noch aus eigenem Erleben.
Erstaunlich ist aber, dass Menschen auf ähnliche familiäre Traumata unterschiedlich reagieren.
Man könnte dann ja auch Putins Verhalten mit transgenerationalem Trauma entschuldigen. Immerhin litten seine Eltern während der Blockade Leningrads (fast 900 Tage) unter fürchterlichem Hunger und Kälte, sein Bruder verhungerte in dieser Zeit. Entschuldigt oder erklärt das sein Verhalten? Hat er deshalb versucht ukrainische Gebiete von jeglicher Versorgung abzuschneiden? Eigentlich müsste er, aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus, so etwas strikt ablehnen. Hat also seine Epigenetik dazu geführt?
Ich weiß, da sind meine Gedanken nicht wissenschaftlich und nicht logisch Es sind nur meine Gedanken, die ich mir dazu mache. Sorry!.
Wie Bla schon schrieb: Mit „vollständig wissenschaftlich geklärt“ hat man generell mal ein Problem im Bereich „Sozialverhalten“, „Psychologie“, „Epigenetik“, „Neurologie“ usw.“

GBS-Mensch
17 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Es geht darum, dass Stressfaktoren Gene aktivieren (Epigenetik) und diese dann vererbt werden (transgenerational).

Jerunda
17 Tage zuvor
Antwortet  GBS-Mensch
Bla
16 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

„Hat er deshalb versucht ukrainische Gebiete von jeglicher Versorgung abzuschneiden? Eigentlich müsste er, aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus, so etwas strikt ablehnen. “

Das ist eben der Bereich, bei dem wohl Verschiedene Zweige aufgehen im Baumdiagramm:

– Hunger ist sehr effektiv und zugleich Leid
-> Durch Abschottung kann man eine Effizienz gewinnen
–> Man wählt diese Wege, damit man einen Vorteil hat. Das wäre die logische Konsequenz
Oder
-> Durch Abschottung kann ich Leid verursachen. Dieses ist mir bewusst und durch „Empathie“ kann ich dies nicht machen
-> Man wählt diese Wege eben nicht, da man das Leid hier höher wertet und „es bewusst wäre/ist“

Als einfacherer Transfer zu Ihrem Gedanken mal eine „alltägliche Situation“:
– Kind wird von Eltern(teil) geschlagen

Wie ist jetzt die „Ausprägung“?
Kann man halt eben nicht eindeutig so sagen, da wir hier ebenfalls dieses (runtergebrochene) Baumdiagramm haben.
-> Manche schlagen auch ihre eigenen Kinder [„Nachahmung“, „Konditionierung“, „hat mir nicht geschadet“, „hat funktioniert“]
Oder
-> Manche schlagen genau deshalb ihre Kinder auf keinen Fall [„Lerneffekt“, „alternative Wege gehen auch“, „Schambewusstsein“, „doch, es hat mir geschadet“]

Was jedoch hier „beide Seiten“ haben? Eine „Erfahrung“ und „eine Konsequenz als Folge“. Dass diese in beide Richtungen geht – ist sehr interessant und zeigt halt mitunter auf, dass eben „nicht nur ein Weg“ oft die Realität darstellt.

Also ob eine Epigenetik jetzt „dazu führte“ … Mag ich persönlich (erstmal) anzweifeln. Diese Erfahrung machten ja viele „Ahnen“.
Könnte sie diesbezüglich „Einwirkung(en)“ haben? Ja. Durchaus. Ist zumindest nicht unlogisch und nicht auszuschließen.

Sind sir philosophisch etwas bei: „Zufall“ vs. „Schicksal“.
Wir können im Nachhinein über unser Leben nachdenken und werden Ursachen finden, welche wie „Schicksal“ aussehen. Das machen sehr viele auch. Oftmals ist es allerdings mehr eine „Prägung“ als „Wahrscheinlichkeit + Erfahrungswerte + Grundvoraussetzungen“ diesbezüglich.
Beispielsweise finden viele im Bereich von Neurodiversität im Erwachsenenalter erst „Erklärungen“, warum ihr Leben so war, wie es war.
Diese sind „im Kern“ nahezu „identisch“/“deckend“ mit anderen im Spektrum.
Zumindest „als hohe Wahrscheinlichkeit“/“Eigenschaften“.
Und darauf basierend kann man als Rückschluss natürlich „analysieren“ und es wirkt wie „Schicksal“.
Jedoch bedenkt man dann eben nicht, dass man das „Baumdiagramm“ halt schon hat. Man hat hier eben gelernt [oder nicht] und die Wahrscheinlichkeit auf Ereignis XY steigt/sinkt demnach.
Fässt ein Kind ans Feuer … Lernt es oder nicht. Im Nachgang kann man immer sagen: War Schicksal, dass man sich die Hand verbrannte. Und die Neugierde [und Erfahrungslosigkeit] bei „Kindern“ erklärt das ja auch. Aber verbrennt sich jedes Kind? Nö.

Auch bei Putin und „Hunger“ wird man daher auf Spekulationen nur basieren können. Wer weiß, ob Putin selbst das überhaupt „erfassen könnte“? Warum er das genau macht und „wodurch gesteuert“.

Jerunda
16 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Die Gene spielen eine Rolle, aber die sozialen Einflüsse (Erziehung, Umwelt, Gesellschaft) können diese Prädispositionen verstärken oder reduzieren. Das erklärt dann wohl auch, warum transgenerationale Traumata nicht bei allen die gleichen Auswirkungen haben.
Die Rolle der Gene bei der Persönlichkeitsentwicklung
Zitat aus dem Link:
„Ihre bisherigen Daten weisen darauf hin, dass kognitive Fähigkeiten wie die Intelligenz zu etwa 60 bis 70 Prozent den Genen zugrunde liegen. Wenn es aber um Persönlichkeitseigenschaften geht, sieht das anders aus: Lediglich 30 bis 40 Prozent unserer Persönlichkeit würde ihren Ergebnissen nach auf den Genen beruhen. Die Einflüsse der Umwelt würden eine weitaus größere Bedeutung bei der Persönlichkeitsentwicklung haben. Unsere Einstellungen, moralischen Werte und auch politischen Überzeugungen seien hauptsächlich durch unser soziales Umfeld geprägt.“
Der letzte Satz widerspricht der Aussage von Katabaster.

Bla
16 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Natürlich ist das ein Gefüge aus vielen Sachen:
– „Kultur“ (Ort, Glaube bspw.)
– Sozialisation (Eltern, Peer, Lehrkräfte/Vereinstrainer/Influenzer, usw.)
– Genetik/“Biologie“
– Erfahrung
– Eigener Wille
– „IQ“/“EQ“
– …
– …

Dass es nicht „rein erbbedingt“ sein kann, merkt man doch rein durch logisches Denken, in dem sich Menschen verändern können und ihre Einstellungen eben durch bspw. Erfahrungen dann „verschieben“.
Das ja kompletter Quatsch „Gene“ als Monokausalität für sowas zu nehmen.
Schon alleine, wenn man kurz drüber nachdenkt, dann „widerspricht“ sich einiges der Aussage von Katabaster.

Man vermischt da eher oder „ordnet es nicht ein/falsch ein“. Denke ich zumindest.

Jedoch bringt es auch nichts zu sagen: Nene, „Erbe/Gene“ spielen gar keine Rolle. Das ist schlichtweg ebenfalls falsch. Ansonsten könnten wir keine „Erb-Diagnostiken“ stellen. Wie denn auch? Beispielsweise halt bei Erbkrankheiten. Die gäbe es sonst logisch gesehen gar nicht … Müsste ja dann „erlernt/hinzugekommen“ worden sein.

Wenn man jemanden einsperrt in einem viel zu kleinen Raum und diesen ständig „nieder macht“, dann wird diese Person (vermutlich) nicht so groß, wie wenn er „frei wäre“.
Wenn jemand mit IQ 135 keine Förderung bekommt, dann wird jemand mit Förderung und 120 IQ definitiv mehr Wissen haben.
Es ist das Potential als „Grundlage“. Der mit 135 könnte dann ggf. wieder aufholen. Aber die Momentaufnahme wäre eine andere. Das Potential wurde dann „verlegt“.
Das Problem dabei ist: Keiner will „dumm sein“ normalerweise. Daher ist der IQ gerne mal ein sehr emotionales Thema.

Und bei „Gene“/“Erbe“ ist der Diskurs leider häufig auch genau so „geprägt“ [„Sozialisiert“] und „emotional(isiert)“. Eine wirklich „ernsthafte“ Auseinandersetzung wird mitunter gerne vermieden diesbezüglich. Mitunter wegen Angst auf Diskriminierung und Rassismus. [Erfahrung, Einschätzung, „Risiko-Abwägung]
Jetzt könnte man sagen: Epigenetik, Genetik, Sozialisierung, Erfahrung… Was ist es jetzt?
Gleiches gilt im Übrigen auch für andere „emotionale Themen“ wie bspw. Religionskritik etc.

Das zeigt sich hier mitunter auch wieder … Siehe Walter Hasenbrot und Redaktion.
Hier geht man bei Katabasters Kommentar und dem Schluss „Oder?“ „Bad Faith“ ran und sieht dies ggf. als „Provokation“.
„Good Faith“ wäre: „Oder?“ Als „Ich frage mich das – wie seht ihr das?“ [„Übersetzung“: „Ich will eine Einordnung/einen Abgleich“] zu interpretieren und dann in den Diskurs zu gehen.
Solchen Abgleich machen die meisten Menschen bei vielen Themen und Gesellschaftskonstellationen [oft ganz unbewusst]. Warum sollte es „hier nicht der Fall sein“?

Aber auch hier wieder … Sozialisierungen, Erfahrungen, usw.
Wenn Walter und die Redaktion hier „Vorerfahrungen“ haben [Thematisch oder „persönlich“], wird das anders sein als jemand, der dies nicht hat. Oder sogar „positive Erfahrungen mit Katabaster “ [als „Er fragt vieles im Leben“].

Schaut man sich Kinder an, welche „Tiere töten“ … Gibt es manche, die das „als Verständnis zur Erklärung der Welt“ machen/brauchen und manche, die „Moral (noch) nicht kennen“. Andere machen das einfach nicht. Am Schluss töten jedoch die wenigsten einfach so „Menschen“/“Tiere“.
„Im Notfall“ / „Im Job“ / „Ekelige Spinnen“ / „Nur eine Fliege“ ist das aber anders bspw.
Moral? Sozialisierung? Epigenetik/Genetik? Erfahrung? Systemische Vollständigkeit/Begreifen [wie der Körperaufbau ist] ?
Das können wir nur „vermuten“ wieviel % das jeweils hat … Studien beleuchten kaum alle Punkte, weil man sehr wahrscheinlich nicht mal „alle Punkte kennt“. Daher kann es kein 100% geben. Maximal ein 100% unseres Vermuteten als Prämisse.

Bin da sehr sehr vorsichtig in den Bereichen mit Prozenten zu agieren … Meistens „unterkomplex“ und mehr als Polarisation. „Klingt gut“ und „klingt richtig“. Dazu eine Spanne … Das wirkt dann „offener“ und „nicht festgefahren“. Zudem weniger „Risiko“ und weder als „zu eng, noch als ‚zu wenig Aussagekraft'“.
Damit werden wir jedoch wohl leben müssen …

Jerunda
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Danke! Sehe ich auch so!
Ich sehe immer rot, wenn in den Medien bei jeder unpassenden Gelegenheit gesagt wird: „Das liegt in seiner/ ihrer/ unserer DNA!“ Da werden Dinge auf die Gene geschoben, die absolut nichts oder nur sehr wenig damit zu tun haben. Ist das nicht auch schon eine Art von Rassismus, wenn z. B. über einen Sportler(oder eine Mannschaft) gesagt wird: „das Siegen oder Tore schießen …liegt in deren DNA?
Politiker, Journalisten, Sportreporter und sonstige „Persönlichkeiten“ beweisen damit nur, dass sie keine Ahnung haben, von Genetik, Biologie, Psychologie …., aber dumm daher schwätzen. Das klingt ja sooo gebildet.
Mir rollen sich dann jedes mal die Fußnägel wegen meiner „hohle -Phrasen-Allergie“.

Walter Hasenbrot
17 Tage zuvor
Antwortet  Katabaster

„Welche Rolle spielt dabei die Genetik? Die Forschung sagt, dass auch Erfahrungen und Einstellungen zu einem gewissen Grade vererbt werden (Epigenetik). Man merkt ja durchaus, dass man mit einem Elternteil in den Einstellungen oft überraschend übereinstimmt.“

Was Sie da formulieren ist nichts anderes als Rassismus. Jetzt sogar schon wieder in der biologischen Variante.

GBS-Mensch
16 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Selbstverständlich übernehmen Kinder die Verhaltensmuster und auch Einstellungen oder Haltungen ihrer Eltern bzw. Bezugspersonen. Was soll daran rassistisch sein?

Das ist allerdings ein psychologischer Effekt und kein genetischer.
Daher spricht man auch von sozialer Vererbung.

Rainer Zufall
16 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Danke!

Rainer Zufall
16 Tage zuvor
Antwortet  Katabaster

„Es ist wirklich interessant herausfinden, wie sich Meinungen, Ansichten, Weltanschauungen bilden.“
Sie finden das JETZT heraus?

„Ich glaube, Schule kann Wissen vermitteln, aber keine Einstellungen.“
Wie kommen Sie zu der Einschätzung?
Ihnen vermittelte sie offenbar wenig über Erziehung, Bildung und Peers…

Feirefiz
18 Tage zuvor

Der Attentäter war Schüler einer Förderschule oder Fördergruppe, wenn ich das richtig gelesen habe. Er entwickelte sich zum Schulverweigerer und verließ die Schule ohne Abschluss.
Ist das so korrekt?

Die Idee, dass jeder mannigfaltige Perspektiven in dieser Gesellschaft habe, ist schön. Aber sie ist nicht wahr.

Sogar junge Leute mit einer guten Ausbildung haben das Problem, dass sich selbst sehr einfache Lebenswünsche wie etwa Wohneigentum und eine Familie nicht mehr so einfach verwirklichen lassen, selbst mit einem durchschnittlichen Vollzeitgehalt.
Da hilft auch kein Demokratieprojekt in Klasse 3, bei dem man den Klassenrat wählen durfte.

Demokratie heißt nicht nur gehört oder gesehen zu werden, sondern auch, echte Chancen zu bekommen. Und dazu gehört auch ein gewisses Wohlstandsniveau im mittleren Bereich, das für den Großteil der Bevölkerung erreichbar ist, das darf auch gerne mit Anstrengung verbunden sein.

Davon entfernen wir uns gerade immer weiter.

Teacher Andi
18 Tage zuvor
Antwortet  Feirefiz

Das alles ist aber noch lange keine Rechtfertigung dafür, Menschen aus Frust einfach töten zu wollen. Da gehört schon ein massives intellektuelles und erzieherisches Defizit dazu.
Die Sache mit der Wohnungssituation ist wahrlich eine traurige Entwicklung, dafür haben die jungen Leute aber IPhones, E-Roller und reisen viel. Alles okay, aber Sie sehen, es geht ihnen nicht durchwegs schlecht.
Und das mit den Perspektiven kann man auch nicht unbedingt so pauschlisieren. Die jetzige Generation ist in weiten Teilen offenbar nicht mehr so belastbar, geben schnell auf bei Niederlagen, kämpfen nicht mehr, geben die Schuld und Verantwortung gerne weiter. Sicher nicht alle, aber immer mehr. Und gerade diese von Ihnen genannte Anstrengung lässt sich oft vermissen, aber sie ist halt für den Erfolg meist unerlässlich.

Bla
18 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

„Das alles ist aber noch lange keine Rechtfertigung dafür, Menschen aus Frust einfach töten zu wollen.“

Eine Rechtfertigung ist sowas nie. Es gibt häufig eher „eine Erklärung“ diesbezüglich.
Mal von „Moral“ und „Ethik“ (einer Gesellschaft) abgesehen – sondern vereinfacht.

„Da gehört schon ein massives intellektuelles und erzieherisches Defizit dazu.“

Das stimmt einfach – v. A. so pauschal – nicht.
Da wäre bspw. paar der Bekanntesten Ed Kemper und Ted Bundy.
Die waren alles andere als „dumm“. Jetzt kann man nochmal schauen, worauf Sie das „intellektuelle Defizit“ basierend machen würden … Ob „emotionale Intelligenz“ oder nicht.
Dazu haben wir doch zu viele „Ausnahmefälle“.
Bei „erzieherische Defizite“ haben wir ja eine Tendenz. Beispielsweise die „schlechte Kindeserfahrung“ bei Massenmördern. Oftmals mit massiver Gewalterfahrung im Kindesbereich/häusliche Gewalt. Dazu oftmals Ausgrenzung und Mobbingerfahrungen.
Das sind dann auch keine „Rechtfertigungen“ – sondern eben „Faktoren“ und „Erkläransätze“.

„Die Sache mit der Wohnungssituation ist wahrlich eine traurige Entwicklung, dafür haben die jungen Leute aber IPhones, E-Roller und reisen viel. Alles okay, aber Sie sehen, es geht ihnen nicht durchwegs schlecht.“

Naja, das schon arg reduziert geschrieben. Wenn auch nicht falsch.
Man kann schlecht sagen: Naja, ihr könnt euch kein Dach leisten, dann fahrt doch weg … [Sie verstehen hoffentlich meine Überspitzung …]
Einige sagen (richtigerweise), dass sie kein Haus sich leisten können, dass es in logischer Betrachtung nach auch „effizient ist“. Rational gesehen [außer „Wohlfühlfaktor: Mein Eigentum“] eben oft schlichtweg nicht sinnvoll.
Psychologisch und Bedarfsozialistisch gesehen will man doch sowieso meist das, was man nicht haben kann … Daher wird man hier mit „aber das hast du mehr“ auch nicht gesamt gesehen weit kommen.

Rational gesehen geht es den meisten in Deutschland „nicht schlecht“. Der Vergleich zu anderen Ländern ist natürlich im Bereich eines demokratischen Sozialstaates meist „höherwertiger“. Hilft aber innerhalb des Systems nur bedingt wieder. Hier vergleicht man sich dann eher „mit dem Nachbarn“ oder „Promis/Politiker“. Bei letzterem gehen die meisten dann auch meist unter. Bei Nachbarn findet man häufig auch jemanden mit „allem was man selbst gerne hätte“.

„Und das mit den Perspektiven kann man auch nicht unbedingt so pauschlisieren. Die jetzige Generation ist in weiten Teilen offenbar nicht mehr so belastbar, geben schnell auf bei Niederlagen, kämpfen nicht mehr, geben die Schuld und Verantwortung gerne weiter.“

Und das hätten Ihre Urgroßeltern/Großeltern bei Ihnen nicht genau so gesagt? Wäre erstaunlich. Das zieht sich seit der Antiken nämlich gerne so durch …
Generationen-Konflikt
Ageismus
Kann man gut bei Sokrates schon sehen [„Verweichlichte Jugend“] … Ist ja schon bisserl her. Und die „Jugend“ sind wir alle („seitdem“).
Häufig in ähnlichen Stil sogar … „Die Jugend von heute mit Ihren … [bunten Haaren, lauten Musik, Stiefeln, …]. Alle so faul dazu. Und lassen sich nichts mehr sagen.
Die Alten … Wegen denen haben wir Problem XY. Die sind für neuere Entwicklungen nicht offen und verstehen unsere „Jugendkultur“ nicht. Technisch komplett unbegabt und wollen das auch nicht lernen.

Kommt bekannt vor? Gesellschaftswissenschaftlich aber „ganz normal“. Wie beispielsweise auch „Angst vor Neuem/Unbekannten“. Ob das dann „Seeungeheuer (und/vs. Entdeckungstrieb)“ war oder „Schachspiel“ [als extrem gefährlich damals …] oder „Ich-Perspektive bei Krimis/Filmen“ [alles Mörder … Aktives Gedankengut als Prägung durch Lesen]. Oder Computerspiele [„Killerspiele“]. Oder eben andere neuere Gegebenheiten.
Jede Generation hat diesen „natürlichen“ Konflikt.

Und erstaunlicherweise denkt jede „aber bei uns stimmt es ja auch“. Haha.

„Sicher nicht alle, aber immer mehr. Und gerade diese von Ihnen genannte Anstrengung lässt sich oft vermissen, aber sie ist halt für den Erfolg meist unerlässlich.“

Gab schon immer „Leistungsträger“ und „Leistungsverweigerer“. Der Umgang war halt ein anderer. Aber da braucht man sich doch nichts vorzumachen hoffe ich?
Als ob „alle“ früher sooo leistungsbereit waren. Man musste oft halt. Dafür zahlte man halt ggf. auch seinen Preis. Licht ohne Schatten und Schatten ohne Licht?

Die Herausforderungen haben sich halt auch geändert:
– Scheidungsquoten
– Kinder als „Begleiter“
– Offenheit
– Soziale „Standards“
– Kriegsnähe
– Digitalisierung [Reichweite des Ganzen]
– Professionelle Manipulationen
– Informationsflut
– Gesellschaftliches Miteinander (und Gegeneinander)
– Usw. usw. usw.

Jerunda
17 Tage zuvor
Antwortet  Bla

„Gab schon immer „Leistungsträger“ und „Leistungsverweigerer“. Der Umgang war halt ein anderer. (…)
Als ob „alle“ früher sooo leistungsbereit waren. Man musste oft halt.“
Bezüglich des jahrtausendealten Generationenkonflikts und den Leistungsträgern und Leistungsverweigerern, stimme ich Ihnen weitgehend zu.
Aber den Satz: „Der Umgang war halt ein anderer.“ hätte ich gern näher erklärt.

Bla
15 Tage zuvor
Antwortet  Jerunda

Naja der Umgang mit „Leistung“ war ein anderer.
Im Mittelalter verstieß man eben die Alten und Kranken dann gerne mal.
Heutzutage wäre das bei uns kaum bis nicht denkbar.
Sie erbrachten damals eben keine Leistung und belasteten ggf. diese sogar. Sie waren eine Gefahr in Form von Schwäche und Krankheit.
Heutzutage sieht man das halt anders. Die Bedingungen sind ebenfalls andere.

Oder auch in der Arbeitergesellschaft. Man brauchte halt Kinder, damit man (später) auch „gut“ überleben konnte. Dies war eine Leistungssache (der Arbeit und des Nutzen) oft. Dieser „Gedanke“ und „Nutzen“ ist heutzutage ein anderer. Sozialstaat. Soziale Abdeckung. Andere Arbeitsformen und -bereiche (Rahmenbedingungen).
Die Erwartung an „Arbeit/Leistung“ war einfach eine andere zu anderen Zeiten. Dementsprechend auch der Umgang.
Es musste nicht jeder „gebildet sein“. Dies hatte keinen Bedarf und keinen Nutzen zu bestimmten Zeiten.

Auch die sozio-gesellschaftliche Perspektive war eine andere …
Viele schaffen einen Abschluss nicht? Die Schule/Lehrer/Tests sind schuld.
Zu anderen Zeiten war „das Kind“ oder eben „man machte zu wenig“ hier mehr als Vorstellung gesellschaftlich vertreten.

Lernen und Bildung als Leitziel und Privileg? Manche sehen es heute als Last. Der Traum des „berieseln werden“ ist bei manchen unbestreitbar da. Das gab es zu manchen Zeiten halt nicht.
Entweder man ging zur Schule oder man musste halt ackern. Da ist die Abwägung oft eine andere als „Social Media-Lustgewinnung“ und „ich werde ja versorgt“.

Schaut man bspw. mal zur Schulzeit von „Montessori“ – die Kinder wollten zur Schule. Sie liebten das Material. Es war „neu“. Sie hatten kaum Spielzeug daheim. Sie sahen das nicht rein als „Anstrengung“ an. Sie wollten lernen. Sie wollten „spielen(d)“ (lernen). Das Material war dienlich dazu. Heutzutage haben viele ein so gewaltiges Überangebot an Spielsachen und Medien, dass dieser Wirkmechanismus ein anderer ist. Daher ist der Umgang mit Montessori-Materialien höchstwahrscheinlich ein anderer. Der „Wert“ hat sich geändert. Besser als „Arbeitsblätter“? Ja. Oft. Nicht immer.
Aber als „spielerischen Zugang“ – da sonst kaum Spielsachen. Dadurch ein zusätzlicher „Lustgewinn“ am Lernen? Nur bei einem bestimmten Klientel und Altersbereich.
Die Alternativen stellen mehr „Konkurrenz“. Damals sah man sich als „Familie/Schulfamilie/Soziale Gemeinschaft“ – war stolz darauf, Teil dieser zu sein. Auch das ist mal mehr und mal weniger aktuell (noch) da.

Sieht man sich bspw. Leistung und Umgang in anderen Ländern als Vergleich an. Dann sieht man ebenfalls, dass dieser „anders ist“. Japan … Sehr strikt. Muss nicht gut sein – in manchen Bereichen sehr gut [Disziplin, Leistung, Erwartung, Stolz] – in anderen eben Schattenseiten wie leistungsbedingte und sozial(erwartungs)bedingte Burnouts [siehe Futoko und Hikikomori] oder starkem sozialen Mobbing [siehe Ijime].

Teacher Andi
16 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Richtig, unsere Eltern waren „tougher“ als wir, waren mit weniger zufrieden und haben angepackt, nicht gejammert. Das sehe ich schon so. Unsere Generation hatte es etwas besser, das ist ja das Ziel der Eltern, dass es die Kinder besser haben, unsere Kinder hatten es noch besser, aber, zumindest meine, haben ihren Stolz gehabt und sind uns nicht ewig auf der Tasche gelegen, sondern haben mit dualem Studium und Werkstudent ihr eigenes Geld sehr früh verdient. Sie haben sich gewundert, dass viele ihrer Mitschüler nach dem Abi erstmal eine Auszeit vom Stress brauchen und außer Reisen und Selbstfindung kaum einen Plan hatten. Nun, jedem das Seine, wenn es der Geldbeutel (der Eltern) erlaubt.
Und bitte, welche Erklärung gibt es für das Morden von Mitmenschen, ohne Bezug zum Täter? Ich kenne keine, und religiöser Fanatismus kann keine Erklärung sein, denn das ist eine krankhafte Überzeugung, die man bekämpfen und nicht auf die Gesellschaft loslassen sollte.
Sie kommen mir mit Sokrates, ja, war ein schlauer Philosoph, der die Tendenzen erkannte. Ist das verachtenswert? Haben nicht auch Orwell mit 1984 und Aldous Huxley Recht gehabt? Und hat man gegengesteuert? Nein.
Ich denke, die meisten Leute sind offen für die Jugendkultur, gerade als Lehrer sollte man dafür offen sein. Aber wenn Jugendkultur nur darauf aus ist, das Beste für sich selbst herauszuholen, ohne sich anzustrengen, und bei Misserfolgen und Defiziten die „Alten“ verantwortlich zu machen, dann habe ich da kein Verständnis mehr.
Dass sich die jungen Leute kein Haus mehr leisten können, ist so nicht ganz richtig. Sie haben andere Vorstellungen von „Wohnen“, ein Haus mit Garten ist oft gar nicht der Wunsch (ist ja mit Arbeit verbunden), sondern eine Loftwohnung in der Großstadt. Trotzdem sehen wir hier auf dem Lande, dass viele Kinder ihr elterliches Haus umbauen, anbauen, um dort einziehen zu können. Gute Sache, so wird Wohnraum genutzt. Aber nicht alle wollen aufs Land.
Solange man sich mit Nachbarn, die mehr haben, Promis und Politikern vergleicht, hat man schon verloren, denn dann wird man nie zufrieden sein. Und das ist die Krux, die Zufriedenheit, das Gejammere der Unzufriedenen ist nicht immer ausschlaggebend für deren Auskommen.
Und welches „Neue“ soll ich jetzt gutheißen, die omnipotente Digitalisierung, die unkontrolliert viel mehr Probleme als Nutzfen bringt? Die von Ihnen genannte Scheidungsquoten, die darauf basieren, dass man nicht mehr kommunizieren kann und alles gleich hinwirft anstatt aufeinander zuzugehen? Die Geldgier der „Elite“, die immer mehr möchte und unsere Gesellschaft, unser Zusamenleben sukzessive kaputt macht? Die Überzeugung, dass sich ein „Anstrengen“ nicht mehr lohnt, da man auch ohne gut leben kann? Ist es das, was wir tolerieren müssen?
Und ja, esgab schon immer Leistungsträger und Leistungsverweigerer, aber wenn es den Leistungsverweigeren so leicht gemacht wird, bzw. die Leistung von bestimmten politischen Parteien geradezu verpönt wird, dann kippt das Ganze in Richtung Kommunismus, d.h. die Regeirung übernimmt ds Dasein der Bürger und lebt ganz gut davon.
Was meinen Sie mit „Kinder als Begleiter“? Dass man Kinder nur bekommt, um sie dann abzugeben oder das Kindergeld zu kassieren?
Kreigsnähe, unsere Eltern haben den Kreig erlebt und haben sich durchgekämpft, die heutige Generation könnte das nicht mehr, mich inbegriffen. Wir hoffen natürlich alle, dass uns dieses schicksal nciht mehr ereilen wird, aber sicher kann man nicht sein.
Ob alle früher „so leistungsbereit waren“, nun, wer hat Deutschland wieder aufgebaut, ohne Gejammer, und wer schimpft nun aufgrund politischer Fehlentscheidungen auf gerade diese Generation, die ihren verdienten Ruhestand einfordern, da sie 45 Jahre eingezahlt haben, was die heutige Generation nie schaffen wird?
Was ist das für ein Ansatz, dass elterliche Defizite in der Erziehung der Allgemeinhiet angelastet werden? Irgendwo muss auch mal die Eigenverantwortung wieder greifen, natürlich mit Unterstützung, aber diese muss auch angenommen werden. Wenn man alles nur mit Geld zuschüttet, wird das wenig Erfolg haben, im Gegenteil.
Das ist meine Ansicht, ich toleriere auch Ihre.

Bla
15 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

„Richtig, unsere Eltern waren „tougher“ als wir, waren mit weniger zufrieden und haben angepackt, nicht gejammert. “

Dafür jammern allerdings viele „Eltern“ doch recht stark (aktuell) rum. Sie sagen ständig, dass sie angepackt haben [was stimmt] – beim „nicht rumjammern“ sehe ich das anders. Das ist lediglich eine zeitversetzte Verschiebung einiger (gewesen). Klar jammern viele „von ihnen“ rum. Sehr offensichtlich sogar.

„Unsere Generation hatte es etwas besser, das ist ja das Ziel der Eltern, dass es die Kinder besser haben, unsere Kinder hatten es noch besser, aber, zumindest meine, haben ihren Stolz gehabt“

Liegt halt an den Umständen auch. Die gesellschaft und die Welt wandelt sich. Ständig. Nur in „unterschiedlichen“ Tempo.
Klar sind „kriegsfreie“ (gab immer Krieg) Zeiten für eine Generation besser und meistens die „goldenen Jahre“ danach dann besser.
Aber was ist die Konsequenz? Anderen Generationen Kriege zu wünschen? Damit „es denen nicht besser geht?“. Ich weiß ja echt nicht.
Die Umstände sind eben andere gewesen. Ganz einfach.

„und sind uns nicht ewig auf der Tasche gelegen, sondern haben mit dualem Studium und Werkstudent ihr eigenes Geld sehr früh verdient. Sie haben sich gewundert, dass viele ihrer Mitschüler nach dem Abi erstmal eine Auszeit vom Stress brauchen und außer Reisen und Selbstfindung kaum einen Plan hatten. Nun, jedem das Seine, wenn es der Geldbeutel (der Eltern) erlaubt.“

Zitiere hierbei Sie: „das ist ja das Ziel der Eltern, dass es die Kinder besser haben“

Warum sollte man das denn nicht machen, wenn man die Möglichkeit dazu auch hat?
Alles hat so seine Vor- und Nachteile.
Ich bin auch erst in eine Ausbildung und hatte während meines Studiums zwei Nebenjobs.
Bereue ich es? Ne.
Hätte ich ein „Auslandsjahr“ bereut? Sehr wahrscheinlich ebenfalls nicht.
Gibt eben verschiedene Wege und Möglichkeiten. Nur nicht für alle.

Zum „Pilgern“ (als „Selbstfindung“) dürfen Sie Harpe Kerkeling [„bin dann mal weg“] doch danken. Mitunter er setzte doch wohl den Trend in Deutschland. Ist inzwischen über 60, oder? Boomer …
Die jungen Leute lernen ja doch so manchen von den „Älteren“.

Wann wird denn „Selbstfindung“ ‚betrieben‘? Manche machen das noch im hohen Alter und in der Mid-Life-Crisis. Wer hier glaubt, dass das ein reines Phänomen der „Jungen“ ist … Irrt sich. Die „älteren“ verlager(te)n auch das durchaus gerne mal. Eben, weil es für ggf. für sie zu damaligen Zeiten einfach nicht möglich war.

Ist das jetzt eine „gute“ oder eine „schlechte“ Sache? Oder kann man nicht sagen: Kann – muss nicht.

„Und bitte, welche Erklärung gibt es für das Morden von Mitmenschen, ohne Bezug zum Täter? Ich kenne keine, und religiöser Fanatismus kann keine Erklärung sein, denn das ist eine krankhafte Überzeugung, die man bekämpfen und nicht auf die Gesellschaft loslassen sollte.“

Natürlich ist das eine Erklärung. Es ist keine Rechtfertigung. Es ist gesellschaftlich und juristisch auch nicht „akzeptiert“. Außer eben (mit Einschränkungen) im Kriegsfall. Da geht es auf einmal. Gut.
Ethik [als Lehre der Moral] und (sozialisierte) Moral an sich eben …

Wenn jemand bspw. „aus Kick“ mordet – dann ist das eine mögliche Erklärung. Meistens „zu einseitig“ und „zu vereinfacht“ – aber es ist ein Erklärungsteil/-ansatz/-bestandteil.
Es verstößt gegen das Gesetz.
Es ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. [Zum Glück] [Sozialisierung]

Hier müssen wir einfach die Ebenen und Begrifflichkeiten beachten.

Auch fundamentalistischer religiöser Fanatismus ist eine Erklärung für Morde. Klar. Zumindest eine Bereichsebene davon. Es ist und darf keine Rechtfertigung sein. Es bleibt gesetzlich „verboten“. Und ethisch gesellschaftlich „falsch“.

So kann man das auch einordnen.

„Sie kommen mir mit Sokrates, ja, war ein schlauer Philosoph, der die Tendenzen erkannte. Ist das verachtenswert? “

Es zeigt die Tendenz auf, dass die „Nachgeneration“ für die „vorherigen Generationen“ meistens „besser dran sind“.
Warum ist das mitunter so?
Naja, jemand dessen Kinder den Krieg miterlebten und noch lebt … Der erlebte den Krieg normalerweise auch selbst mit. Daher ist der „Abgleich“ ein anderer.
Keiner kann direkt in die Zukunft schauen. Wenn man einen 3. Weltkrieg „anzettelt“, dann sieht diese Ebene schnell mal potentiell ganz anders aus.
Wenn man die Folgewirkungen von Klima, Technologie, Ressourcenmangel, Mangelwirtschaft usw. bedenkt mit dessen „Potential“ – dann ebenfalls.

In die Vergangenheit als Vergleich zu schauen? Das kein Problem.
Als Perspektive der Betroffenheit ? Ebenfalls eine psychologische Sache, welche sozio-gesellschaftlich halt da ist. Man nimmt „negative Erfahrungen“ von sich selbst „näher“ und „tragender“.
Wie sieht es denn mit Stress und Burnout aus?
Klar … Man war früher einfach „taffer“. Warum gehen viele „Ältere“ denn in aktuellen Situationen ebenfalls unter? Siehe auch Schule. Naja, weil sich die Welt und die Anforderungen geändert haben. Stress ist heutzutage ein anderer Faktor als damals. Die Dauerberieselung ebenfalls. Man wird anders „gefordert“ und „überfordert“.
Es sind eben „andere Bedingungen“.

Leider vergessen oder beachten das viele nicht.

„Dass sich die jungen Leute kein Haus mehr leisten können, ist so nicht ganz richtig. Sie haben andere Vorstellungen von „Wohnen“, ein Haus mit Garten ist oft gar nicht der Wunsch (ist ja mit Arbeit verbunden), sondern eine Loftwohnung in der Großstadt. Trotzdem sehen wir hier auf dem Lande, dass viele Kinder ihr elterliches Haus umbauen, anbauen, um dort einziehen zu können. Gute Sache, so wird Wohnraum genutzt. Aber nicht alle wollen aufs Land.“

Und warum ist das so? Dass man diesen „Kompromiss“ eingeht? Weil es schlichtweg für viele nicht ander möglich und leistbar ist. Booom. Wahnsinns Erkenntnis?
Sollte man doch mal selbst überlegen und drauf kommen …
Warum gibt es denn den Trend zu Tiny House?
Warum wollen viele trotzdem Schrebergärten?
Kann man alles mal sich informieren zu. Sehr interessant.
Warum gibt es in solchen Bereichen gerne auch „Trends zurück“?

Stellen Sie sich doch Fragen und lesen sich ein. Das kommt ja nicht alles „von nirgendwo“.

„Solange man sich mit Nachbarn, die mehr haben, Promis und Politikern vergleicht, hat man schon verloren, denn dann wird man nie zufrieden sein.“

Richtig. Aber das muss man auch bemerken und handeln. Das ist eine der Herausforderungen der Zeit. Die gab es früher in dem Ausmaß nicht. Jetzt ist die Reichweite [sozial Media, Influencer] eine ganz andere. Früher war es „der Fußballer als Weltstar“ – viele wollten es werden. Rational gesehen … Vergiss es. Da ist „Influencer“ erreichbarer gefühlt. Und Politiker sind ebenfalls medial präsenter. Die Vergleichbarkeit ist eine andere als „mein Nachbar der Säufer“ [Polemisch gesagt].

„Die von Ihnen genannte Scheidungsquoten, die darauf basieren, dass man nicht mehr kommunizieren kann und alles gleich hinwirft anstatt aufeinander zuzugehen?“

Die Kommunikation war früher also „sehr gut“? Haha. Sie war anders. Die Abhängigkeit ebenfalls. Die Aufklärung auch. Die Sozialisierung und das „Tabu“ ebenfalls. Ob das immer „besser“ war? Nene. Da macht man sich was vor. Sorry.

„Die Geldgier der „Elite“, die immer mehr möchte und unsere Gesellschaft, unser Zusamenleben sukzessive kaputt macht? “

Und die gab es früher nicht? Manche profitieren noch von den Kriegen als „Erbfolgen“. Naja … Die haben bestimmt dafür ganz fleißig „ohne Menschenblut“ gearbeitet alle, oder? Oder?

„Wasser predigen und Wein saufen“ ist nicht erst das Motto der Modernen. Das sah man sich schon von vorherigen Generationen ab.

Die Art und Weise? Ja die ist eine andere.
Kaiser? Könige? Gab es früher mehr. Jetzt sind es eben „Volksvertreter“ bspw.
Ständegesellschaft? Lobbyismus? Nur andere Begrifflichkeiten.

Wer macht sich hier denn bitte etwas vor? Das war schon jeher so. Seitdem wir „Aufzeichnungen“ haben.

„Die Überzeugung, dass sich ein „Anstrengen“ nicht mehr lohnt, da man auch ohne gut leben kann?“

Das kann man kritisieren. Auch zurecht. Aber ist die rein rationale und mathematische Logik dahinter nicht doch „bei einigen richtig“?
Klar. Systemische Sache.
Aber warum sollte man denn in eine Behindertenwerkstatt für 200-250 € [+ Aufstockung] arbeiten, wenn man auch eine Grundabsicherung bekommt?
Das ja „pervers“ als System.
Warum sollte man nicht eine Kosten-Nutzen-Rechnung sich selbst machen? Ja. Sozial blabla. Bleiben wir mal auf dem Teppich. Angebot und Nachfrage. Zahlen und Fakten. Natürlich hinterfragt man das Ganze ggf.

Ist doch alles andere als „dumm“?

Warum sollte man für Großunternehmen sich „ausnutzen lassen“ und mehrfache Steuern zahlen, dafür, dass man einen Großteil „einfach so“ bekommt?
Damit man sagen kann „ABER ich habe SO HART gearbeitet (dass ich jetzt eine neue Hüfte brauche und kaum gehen kann)?“. Klar. Absolut nicht nachvollziehbar, warum darauf viele einfach keinen Bock haben. „Muss doch jemand machen – aber bloß nicht die Ausländer?“. Tjo … Kann man mal drüber nachdenken, was?

„aber wenn es den Leistungsverweigeren so leicht gemacht wird“

Systemisches Problem.
Don’t hate the player – hate the system.

Auch „ältere Menschen“ mit Millionenbesitz teilen ungern und behalten gerne ihren Besitz [natürlich die komplett selbst aufgebautes Haus]. So funktioniert halt das System in der Regel. In ein Erbe wird man geboren – was macht man denn dafür? Ist nicht das auch ggf. „Leistungsverweigerung“?

Also mal philosophisch: Wer viel erarbeitet und viel vererbt, der trägt dazu bei, dass die eigenen Kinder „Leistungsverweigerer“ potentiell werden, da sie es sich leisten können?

Was ist die Konsequenz?

„bzw. die Leistung von bestimmten politischen Parteien geradezu verpönt wird“

Welche Leistung – welcher Partei(en) denn konkret?
Hier müssen Sie bitte spezifischer werden und auch Beispiele für „Leistung“ anbringen.
Und was genau „verpönt wird“.

Kann man ja gerne diskutieren.

„Was meinen Sie mit „Kinder als Begleiter“? Dass man Kinder nur bekommt, um sie dann abzugeben oder das Kindergeld zu kassieren?“

Früher BRAUCHTE man häufig Kinder.
Heute WILL man häufig Kinder.

Sie verstehen?
Und dementsprechend gibt es in der Erziehung häufig auch „den Kumpeltyp“, welcher „alles für das Kind macht, wenn es schreit“.
Manche „erziehen“ ihre Kinder schlichtweg so schlecht, wie wenn es Haustiere wären, welche man „mal so holt“ [nur nicht mehr los bekommt]. Manche sogar schlechter.
Man kann dazu auch mal sich informieren, wie viele Menschen „es bereuen“ Kinder zu haben/bekommen zu haben. Oft nicht mal, aus Hass dem Kind gegenüber, sondern der Rolle des Elternseins.
Siehe bspw. „Regretting Parenthood“ dazu.
Ebenfalls sowas wie „Parentifizierung“.
Viele sind schlichtweg überfordert.
Auch hier haben sich „Umstände“ und „Bedingungen“ halt geändert. Auch das sollte und muss man benennen und bedenken, sowie beachten.

„Kreigsnähe, unsere Eltern haben den Kreig erlebt und haben sich durchgekämpft, die heutige Generation könnte das nicht mehr, mich inbegriffen.“

Wie kommen Sie darauf? Krieg prägt. Krieg verändert.
Selbstverständlich „könnten“ das auch heute noch „viele“.
Denken Sie ernsthaft, dass „damals alle kriegstauglich“ waren? Viele Schossen einfach „in der Luft rum“ anfangs – aus Überforderung usw. Das passte sich dann an. Nichts „ungewöhnliches“ (leider).

Zu bestimmten Zeiten „romantisierte“ man auch Krieg … Die Realität sieht dann immer anders aus. Kriegslust? Durchaus vorhanden gewesen. Danach? Nope. Nicht bei der Masse.
Nur kollektiv lernen wir hier eben nicht dazu oder sind gar dazu mächtig.

Also das halte ich erstmal für einen „Mythos“. Wie kommt man darauf, dass „die früher das natürlich konnten – heute nicht mehr“.
Gewalt? Reichlich potential.
Mord und Totschlag? Ja. Auch das.
Kriegsnähe und Kriegsempfinden? Auch das immer mehr.
Also wie kommt man denn bitteschön darauf, dass „die heutige Generation das nicht mehr könnte“?
Sind ja kaum Anzeichen da der Historie, welche mit heutigen Teilzuständen vergleichbar wären … Auch im „Jugendtrend“ …
Radikalisierung? Nene. Kann nicht.

Bin echt verblüfft, wie wenig man hier „checkt“ – sorry.

„Wir hoffen natürlich alle, dass uns dieses schicksal nciht mehr ereilen wird, aber sicher kann man nicht sein.“

Echt? Hoffen das ALLE? Soso. „Rüstet euch auf – wir müssen uns bald verteidigungsfähig machen“. Sind Sie dabei bei dem Spruch?
Kommt Ihnen zumindest bekannt vor?
Klar hoffen das alle … Selbstverständlich.
Gibt deshalb auch so wenig Leid und Krieg. Alle so friedvoll. Keiner fängt an. Immer „der andere“.
Kommt Ihnen bekannt vor? Aus dem Geschichtsunterricht?
[Habe das Gefühl, dass Sie Geschichte nicht als Studienfach hatten … Falls ja: Sorry]

„Ob alle früher „so leistungsbereit waren“, nun, wer hat Deutschland wieder aufgebaut, ohne Gejammer“

Trümmerfrauen?
Gastarbeiter?
Liege ich da richtig? Oder trifft das jetzt nicht „das Klientel“?

Zum Gejammer … Also dafür jammert man im Nachhinein aber schon viel, oder? Irgendwie ständig das Gleiche mit „aber wir haben Deutschland wieder aufgebaut“.
Wer hat es denn vernichtet? Und warum?
Warum musste es wieder aufgebaut werden?
Hm … Unangenehm? Lieber doch nicht über „beide Seiten der Medaille“ sprechen?
Wenn man „wir“ als Kollektiv sieht?
Alles natürlich Widerständler gewesen. Bin überrascht.

„und wer schimpft nun aufgrund politischer Fehlentscheidungen auf gerade diese Generation, die ihren verdienten Ruhestand einfordern, da sie 45 Jahre eingezahlt haben, was die heutige Generation nie schaffen wird?“

Wir sollten Kinderarbeit (wieder) einführen … Dann schaffen auch diese es. Dazu Arbeitszeit bis Todestag. Rente gibts eh nicht mehr bis dahin. Kann man dann auch sich einen anderen Namen als Steuer einfallen lassen. Sie haben recht … Das wär’s.
Wäre klasse und fair. Die kleinen B… sollten mal was tun.

Das ist ein Kulturkampf. Natürlich spielt man Generationen gegenseitig aus. Wurde ständig gemacht – warum diese (auch sehr deutsche) Tradition denn brechen? Funktionierte seit jeher. Für manche zumindest.

Wie wäre es denn mit „wir erkennen alle Problemfelder“ an?
Die findet man nämlich sowohl „bei Jung“, als auch „bei Alt“.
Wäre mal was Neues? Könnte klappen.
Also beispielsweise: Rentengeld reicht nicht.
Schlussfolgerung: Die kleinen B.. sorry … Ehm … Schlussfolgerung: Das Rentensystem wurde nie angepasst und ist systemisch eine Katastrophe.
Zugeständnis: Rentnern geht es dreckig oft.
Jetzt kann man den jungen B.. Menschen die Schuld geben, weil sie nicht genug einzahlen und nicht bis zum Tod sich überarbeiten [in Japan gibts dazu sogar einen Fachbegriff … Karoshi … Könnten wir dann auch einen Begriff für uns prägen. Cooler Nebeneffekt.] oder … Man checkt, dass das System gar nicht darauf beruhte und funktional war. Zahlen sind halt da … Man muss sie nur anwenden.
Aber was sag ich da … Natürlich sollten die faulen Säc… Ach ne, sorry. Vertauscht mit „Lehrern“ … Die kleinen Ba… mal wieder mehr ran. Sonst gibts ja nie Renten … Die sind schuld … Muss ja monokausal sein. Andere Steuerungen von STAATLICHEN und INSTITUTIONELLEN Bedingungen sind ausgeschlossen.

„Irgendwo muss auch mal die Eigenverantwortung wieder greifen“

Auch das ist komplett richtig und vollumfänglich des Komplexes gerecht.

Wer nicht reich ist? Hat sich eben entschieden nicht reich geboren zu werden.
Wer zu wenig Geld hat? Soll halt mehr Geld verdienen.
Einfache Ansätze sind meistens die Besten.

Mal im Ernst … Natürlich geht es auch um „Eigenverantwortung“. Eben auf genau der Ebene der Individualität. Das löst aber kein „absolut veraltetes Rentensystem“. Kann es gar nicht. Und dann ist man auch schon auf Systemebene.
Dazu haben wir halt einfach Zahlen usw. Sorry. Soo einfach ist es dann auch wieder nicht.
Wer glaubt, dass jeder eine Arbeit haben kann … Der liegt halt falsch beispielsweise.
Kann man dann am Stammtisch erzählen. Das war’s aber auch schon.

„natürlich mit Unterstützung, aber diese muss auch angenommen werden. “

Wird sie häufig … 16000 Totalverweigerer. Bei „Hochrechnung“ sind es 19000 Totalverweigerer. Ja … Die kann ein Sozialstaat wirklich nicht tragen. Und wenn diese jetzt Arbeiten würden … Ja, dann wäre die Rente gerettet.
Ja, ist ein Strohmann. Zeigt aber doch gut auf, wie absurd manche Punkte sind?
Die 16000 sollten wirklich nicht jucken. Tun es aber immens. Das hat was mit „Gerechtigkeitssinn“ zu tun. Nichts mit „wirtschaftlichen und sozialen Nutzen“. Genau die 16000 will nämlich keiner in seinem Unternehmen haben … Das können Sie mir (zumindest bei der Mehrzahl von ihnen) glauben …
Das eine reine Scheindebatte. Und absolut verständlich emotional und psychologisch. Wird auch politisch populistisch und polemisch wahnsinnig eingesetzt. Bleibt aber in Real-Kontext auf Wirtschaft und Nutzen tatsächlich komplett irrelevant.

Die Mehrheit „der Anderen“ will und holt sich Unterstützung.
Bürokratie. Systemische Fehlstellungen. Und „Sie“ verlieren schon enorm Potential.
Wenn Sie sich mal die Arbeitsagentur ansehen – rein Strukturell … Oh mei. Dagegen ist Schule ja oft gewaltig gut aufgestellt.

„Das ist meine Ansicht, ich toleriere auch Ihre.“

Dafür ist ein Forum da.
Natürlich toleriere ich auch Ihre Ansicht.
Bitte auch nicht „persönlich“/“offensiv“ nehmen.
Manche verstehen meine Beiträge von der Art „sehr angreifend“. Ist halt so eine meiner Arten. Bisschen Konflikt-Talk … Gerne auch andersrum.
Bin auch gespannt auf Ihre Antworten, wenn Sie wollen. Ein Diskurs hilft ja. Gerne können wir auch „Deep-Dive“ und „Sezierung“ hier betreiben. Das liebt „meine autistische Ader für Systeme und Systemkritik“.

447
17 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Etwas polemisch gesagt:
Ist ja schön, ’nen E-Roller oder ein Schlauphon zu haben – beides Dinge, die Luxusbedürfnisse befriedigen, die es ohne das Angebot an sich garnicht gäbe.

Nicht so schön:
Wenn man mit 12, 14, 16, spätestens 20 „weiß“ (bei vielen eher: spürt/fühlt, läuft aber auf das gleiche hinaus), dass man absolute Basics wie Haus/Wohneigentum, eigene Familie, (vernünftiges) Auto, (richtigen) Urlaub (einmal im Jahr) NIEMALS (realistisch) bekommen wird. Auch dann (INSBESONDERE dann) wenn man brav „alles richtig“ macht.

Natürlich ist das keine Rechtfertigung für irgendwas – das wird nur niemanden interessieren, wenn der Gesamtdruck im System (ohne Gegenleistung/Belohnung) immer weiter steigt.

Es wird immer häufiger dazu kommen, dass Einzelne durchdrehen, unter welchem Label auch immer.

Die ausgeprägte Neid- und Aufstiegsfeindlichkeit spezifisch in der BRD kommt dann noch dazu.

Schademarmelade
17 Tage zuvor
Antwortet  447

Sorry. Aber solche Geschichten sind bullshit. Man kann sehr wohl alles mögliche schaffen. Man muss sich nur anstrengen. Ich habe als Kind mit meiner Familie in einer 2 Zimmer Wohnung gelebt. Ich mit meinen drei Geschwistern in einem Zimmer. Meine Eltern im Wohnzimmer. Dazu ADHS in extremer Form und das Stigma des dummen, unkonzentrierten Störenfrieds aus asozialen Verhältnissen.
Ich habe trotzdem mein Abitur geschafft und mein Studium. Es war anstrengend da ich nach einem Studienwechsel nach dem Bafög Studienkredite aufnehmen musste und somit nach dem Studium un die 30.000 Euro Schulden hatte. Ich kann mich nicht genau erinnern, ADHS sei dank.
Neben dem Studium hatte ich immer mindestens Zwei Nebenjobs da mein Erzeuger sich regelmäßig weigerte seine Verdienste offen zu legen und ich monatelange Gerichtsverfahren einplanen musste in jedem September wenn die neuen Anträge eingereicht werden sollten. Dafür bräuchte ich ein finanzielles Kissen für Wohnung und für Nahrung.
Ich hasse daher Ausreden wie schwer es ist und falsches Verständnis für die armen Menschen die mehr arbeiten müssen um sich ein Leben zu schaffen.
Das ist das Leben. Get over it and do your shit.

447
17 Tage zuvor
Antwortet  Schademarmelade

Bin selber pro Leistung und pro Kapitalismus, bin von daher eigentlich ganz bei Ihnen.

Ändert nur nix an psychischen Massenphänomenen.

Teacher Andi
16 Tage zuvor
Antwortet  447

Ja, warum herrschen hier Neid und Unzufriedenheit? Es wird doch von den Medien, und vor allem von der Werbung so suggeriert, wenn man dies und jenes nicht hat, gehört man nicht dazu. Der Mensch selbst, sein Wirken, sein Charakter, all das zählt doch nicht mehr. Hervorgehoben werden nur noch die extremen Leistungen wie Weltrekorde und körperliche Höchstleistungen, die im Allgemeinen keinem von Nutzen sind außer dem Ego der Betroffenen, aber solche Leute werden dann als Virbild genommen, obwohl man diese Leistung nie erreichen wird.
Es wird immer Leute geben, die mehr besitzen oder vermeintlich mehr können als ich, wenn ich dies als Maßstab nehme, dann werde ich nie zufrieden sein. Und leider grassiert dieses Massenphänomen, vornehmlich bei ungefestigten, problembehafteten, unkritischen oder schlichten Gemütern, im jugendlichen Alter der ideale Ansatzpunkt. Kommt dann noch ein verschobenes Elternhaus dazu, das keinen Halt gibt, haben die Medien leichtes Spiel.
In unserer kapitalistischen Welt haben sich die Dinge leider so negativ entwickelt, dass der Nichtbesitz von Dingen, an die früher die Leute nicht mal ansatzweise gedacht haben, plötzlich als „Armut“ bezeichnet wird. So wird Unzufriedenheit geschürt, und diese ist der ideale Nährboden für kriminelle Kräfte.

Bla
13 Tage zuvor
Antwortet  Schademarmelade

Und trotzdem werden sie wahrscheinlich nie das erarbeiten können, was andere „mal eben“ erben.

Also in und von „welcher Dimension“ sprechen wir denn hier?

Ihre Ziele sind doch „recht realistisch“ machbar. Auch wenn „knackig“.

Wie ist das Ziel: 5 Millionen Euro?
Durch Erbe für manche „recht einfach“ machbar.
Bei Ihnen?

Ich verstehe beide Seiten … Es gibt Bereiche, die werde ich nie „durch Arbeit“ erreichen. Rein rechnerisch nicht. Das sind halt mal knallharte Zahlen, welche man berechnen kann.
Alles andere ist mal eine Illusion oftmals.

Die Frage ist dann … Braucht man 5 Mio? Wozu?
Und „wie fair“ ist das?

Schademarmelade
17 Tage zuvor
Antwortet  Feirefiz

Ich finde sowas immer sehr schwierig. Da lebt jemand in einem „reichen“ Land wo man sich als Flüchtling, Arbeitsloser etc. über nichts Sorgen machen muss, da alles vom Staat bezahlt wird und dann reicht das noch immer nicht?
Was soll es außer freiem Wohnraum, freier Kleidung, freier Bildung, freiem Essen und freier öffentlicher Transportaktion denn noch geben?
Es ist glaube ich vielmehr so das wir zur Zeit für alle Menschen Entschuldigungen erfinden.

Hansjoachim
17 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

„… kann der Staat den Eltern Teile oder gar das ganze Sorgerecht vorübergehend oder dauerhaft entziehen.“
Nur beschränkt sich das in der Praxis auf die allerschwersten Fälle, denn die Jugendämter sind überlastet. Zudem werden Mitarbeiter von
Jugendämtern — wie man hört — beim Besuch „problematischer“ Eltern von diesen und ihren Freunden oft genug mit dem Faustrecht bedroht, sie sollten wieder verschwinden und sich nicht einmischen. Ein typischer Fall von Theorie und Praxis: Gesetze erlassen ist das eine, Gesetze auch durchsetzen das andere.

Tigrib
15 Tage zuvor
Antwortet  Hansjoachim

Und was kann der Staat gegen das Internet ausrichten, dass massiv mitprägt? Hassprediger, Nazis rufen da offen zu Gewalt auf. Gerade für junge Männer sehr attraktive Inhalte, denen man wahrscheinlich nicht viel entgegensetzen kann…

Susanne M.
17 Tage zuvor
Antwortet  Schademarmelade

“ Relative Armut“ kann tatsächlich zu mehr Frustration und Abgleiten in die Kriminalität führen als “ absolute Armut“
Das weiß man aus der Kriminalitätsforschung.
Es ist beispielsweise in Schweden sehr schief gelaufen, den Leuten materielle Absicherung zu geben und sie sich dann in ihren Ghettos selbst zu überlassen.. Durchaus von linker Politik die meinte, dass das Stellen von Anforderungen von Seiten der aufnehmenden Gesellschaft schon Rassismus wäre. Das war der Weg in Parallelgesellschaften.
Ähnliches passiert auch bei uns.
Eine Erklärung sollte keine Entschuldigung sein, sondern ein Hinweis auf eine Korrektur einer Situation.

DerechteNorden
15 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Es ist beispielsweise in Schweden sehr schief gelaufen, den Leuten materielle Absicherung zu geben und sie sich dann in ihren Ghettos selbst zu überlassen.. Durchaus von linker Politik die meinte, dass das Stellen von Anforderungen von Seiten der aufnehmenden Gesellschaft schon Rassismus wäre. Das war der Weg in Parallelgesellschaften.
Ähnliches passiert auch bei uns.“

Das ist die Kehrseite von Freiheit bzw. möglichst wenig Staat.
Natürlich ist es normal, dass Zugewanderte sich dort ansiedeln, wo schon andere ihrer Community leben. Und für die jeweiligen Einwanderungsländer ist es erstmal auch billiger, weil sie sich nicht kümmern müssen. Langfristig betrachtet ist es das allerdings nicht, wie wir sehen.
Was die Gesellschaft anbelangt, gibt es dann immer dieselbe Entwicklung: Rechte fangen dann irgendwann an, die Zugewanderten verantwortlich für alles mögliche zu machen und hetzen gegen sie, während Linke sich über jeden Vorschlag aufregen, der (wie Sie es ja auch schreiben) irgendwie mit Forderungen zu tun hat, und machen der aufnehmenden Gesellschaft massive Vorwürfe, die die Betroffenen selbst gar nicht erheben würden.
Beide Seiten sind unheimlich laut und verhindern es, sinnvolle Lösungen zu finden. Ideologie statt gesunder Menschenverstand und Pragmatismus beherrscht die Debatte.
Wird Zeit, dass sich die Mitte zusammentut und nicht auch noch gegeneinander arbeitet! Das könnte viele Menschen in diesem Land wieder mitnehmen. …
Hach, man wird ja noch träumen dürfen!

Tigrib
15 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Ich hab auch den Eindruck viele muslimische Kinder sind in ihren Einstellungen konservativer als noch vor 20 oder 30 Jahren. Ich unterrichte Ethik und was da mittlerweile häufig geäußert wird, finde ich sehr bedenklich.

447
17 Tage zuvor
Antwortet  Feirefiz

Sowas von auf den Punkt gebracht. Perfekt.

vhh
18 Tage zuvor

Die Probleme wurden früh erkannt, auch aktiv gehandelt, eine Entwicklung zum Schulverweigerer bleibt auch selten völlig ungestört. Offensichtlich reicht es nicht, diesen regulären Ablauf zu gehen. Warum? Weil die Schule nicht in der Lage ist, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu geben? Sicher, aber das wäre auch das Gegenteil des Bildungs- und Erziehungsauftrags! Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben und reflektierte Entscheidungen vermitteln vs. Einhalten von Regeln und Vorschriften, was entspricht wohl eher dem allgemeinen Konsens?
Es hat sicherlich Angebote gegeben, im Rahmen der geltenden Regeln einen Platz in Klasse und Schule zu finden, Fußball spielt man auch nicht allein. Die meisten Lehrer hassen auch nicht schwache Schüler, sonst würden wir ihnen nicht 80% des Aufwands widmen. Was noch? Der einzige Zwang in Verbindung mit Schule ist die Schulpflicht. Was jeder dort macht, ist denjenigen weitgehend selbst überlassen. Verweigerung, Aufbegehren, sogar Gewalt – niedrig geschätzt eher zehnmal Hilfe als. einmal Konsequenzen. Also, was noch?
Stabile Beziehungen, sehr gerne, aber 30+ Kinder! Und trotzdem zählen deren Gedanken, werden sie alle ernst genommen, nicht immer, nicht von allen, aber überwiegend!
Woher kommen die Träume unserer Schüler? Gerade die mit Problemen sehen Influencer, Rapper, Sportler (die zu einem größeren Teil f… Gesellschaft als Erfolgsrezept präsentieren) und dann entwickelt sich ihr Leben nicht ebenso großartig. Was soll Schule da ausrichten, Jugendliche sind nicht gerade empfänglich für Logik und Realität.
Mehr Prävention ist auch nett gedacht, niemand in der Jugendarbeit hat die Ressourcen, einen einzigen Jugendlichen bei vermuteter problematischer Entwicklung intensiv genug zu betreuen.
Danke für das Vertrauen, aber Schule ist keine Zauberkiste und schon überhaupt nicht die Reparaturwerkstatt der Gesellschaft (bei 50% Unterbesetzung für die Ziele, in einer löchrigen Scheune, ohne Werkzeug).

Sepp
17 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Woher kommen die Träume unserer Schüler? Gerade die mit Problemen sehen Influencer, Rapper, Sportler (die zu einem größeren Teil f… Gesellschaft als Erfolgsrezept präsentieren) und dann entwickelt sich ihr Leben nicht ebenso großartig. Was soll Schule da ausrichten, Jugendliche sind nicht gerade empfänglich für Logik und Realität.

Das ist eine der größten Probleme. Mir haben Schüler erzählt, dass sie „gefährlich, so als Gangster“ wahrgenommen werden wollen, weil sie sich entsprechenden Mist auf Social Media anschauen und das für echt halten.

Ich habe mal aus Interesse mit TikTok und Insta experimentiert, ein bisschen genauer auch Videos von muslimischen Influencern (z.B. mit Fragen wie: „Was darf er, was darf sie?“) angeschaut. Man schaut sich ein paar solcher Videos an und schon bekommt man ertse Videos salafistischer Influencer, ist ganz schnell in einer entsprechenden Bubble…

Gegen das, was Kinder und Jugendliche täglich über Stunden auf Social Media konsumieren, kommen wir als Schule nicht an – so umfangreiche „Angebote“ können wir gar nicht machen. Ich denke, wir kommen um ein Social Media-Verbot bei jüngeren Schülern nicht herum.

Gleichzeitig scheinen hier geborene Muslime oft eine gewisse „Leere“ zu spüren, was Religion angeht. Man erlebt sehr liberale muslimische Eltern, deren Kinder sich dann „zurückbesinnen“ auf den vermeintlich „echten“ Islam, Hijab tragen usw. Die Kinder scheinen da so viel Bedarf bezüglich der Religion zu haben, dass es für muslimische Familien viel mehr Angebote von liberaleren Moscheen geben müsste.

Kary
17 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

OMG- Social Media-Verbot als Pflaster draufkleben- das ist so typisch deutsch. Als ob sich Kinder und Jugendliche gerade die aus irgendwelchen Milieus, sich davon beeindrucken lassen.

Ein schwieriger familiärer Hintergrund ist etwas, auf den sie in vielen Fällen kaum Einfluss haben. Doch schon bei Eltern ohne Migrationshintergrund kaum, ich denke da an Sucht- und Missbrauch, das geht oft über Generationen.
Und wenn auch noch eine kulturelle sowie religiöse Kluft besteht und die Familie aus einem Kriegsgebiet wie dem Libanon stammt und wahrscheinlich traumatische Erfahrungen mitbringt- herrje ein Social-Media-Verbot, das technisch fast wirklungslos ist (Australien) und sein muss, weil sie Alternative eine Kontrolle dystopischen Ausmaßes erfordern würde, ist keine passende Antwort.
Sie finden überhaupt keine passende Antwort, weil es die nicht gibt, solange die Konflikte und Kriege weitergehen. Ein erster Schritt wäre sich mal ehrlich zu machen.

Teacher Andi
16 Tage zuvor
Antwortet  Kary

Es geht hier nicht um ein Social Media Verbot, obwohl das tatsächlich in vielen Fällen indiziert wäre, sondern darum, dass wir unsere Jugendlichen an diese Kraken verlieren, weil sie nicht mehr kritisch denken und alles konsumieren, was gerade Trend ist. Und das ist beängstigend, finden Sie nicht?

Teacher Andi
16 Tage zuvor
Antwortet  Kary

Da die Kriege auf der Welt eher zu- als abnehmen, der Verstand und die Vernunft von immer mehr „Herrschern“ rapide abnehmen, sind also ihren Worten zufolge keine Problemlösungen mehr möglich.
Und doch, das erste und wichtigste Bestreben sollte sein, diese manipulierenden, gesellschaftsschädigenden und in weiten Teilen schon kriminellen Inhalte, die über diese asozialen Medien verbreitet werden, konsequent zu verfolgen und einzudämmen. Passiert dies nicht, treten wir hier eine nicht mehr kontrollierbare Entwicklung los, die uns Angst machen sollte. Das hat nichts mehr mit Science Fiction zu tun, mit der KI sind Tür und Tor offen (ach, schon wieder?) für manipulierende Fakes, und gerade Kinder und Jugendliche sind das Ziel. Das sind keine Kollateralschäden der Digitalisierung mehr, das muss endlich ernst genommen werden.

Kary
15 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

„.. diese manipulierenden, gesellschaftsschädigenden und in weiten Teilen schon kriminellen Inhalte, die über diese asozialen Medien verbreitet werden, konsequent zu verfolgen und einzudämmen. .. „

Zumindest auf die eigenen Kinder können die Eltern Einfluß ausüben und was eindämmen, wenn sie es als manipulierend und schädigend erkennen (Vorschlag: kein Smartphone). Bei der Frage allerdings welche Inhalte das im einzelnen sind gehen die Ansichten sehr weit auseinander.

Sepp
16 Tage zuvor
Antwortet  Kary

Sie finden überhaupt keine passende Antwort, weil es die nicht gibt, solange die Konflikte und Kriege weitergehen. Ein erster Schritt wäre sich mal ehrlich zu machen.

Also ist Ihr Vorschlag:
1.) Sich ehrlich machen
2.) Weltfrieden!

Dann ist ja alles gut und wir müssen nichts machen…

Tatsache ist doch, dass Radikalisierung immer mehr über Social Media stattfindet. Wenn solche Haßprediger immer mehr in Social Media ihr krudes Weltbild verbreiten und Kinder/Jugendliche dank Algorithmen in entsprechende Bubbles geraten, gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Man kann den Content regulieren und die Creator sperren, oder man hält die Kinder/Jugendlichen davon fern.

ein Social-Media-Verbot, das technisch fast wirklungslos ist (Australien) und sein muss, weil sie Alternative eine Kontrolle dystopischen Ausmaßes erfordern würde, ist keine passende Antwort.

Die Social-Media-Firmen sitzen zumeist in einem Land, bei dem schon auf dem Kaffee-Becher vor der Temperatur des Inhaltes gewarnt werden muss, weil es sonst Millionen-Klagen gibt.

Die Tech-Firmen wären sicher in der Lage, entsprechenden Content und Kommentare zu entfernen, wenn sie wirklich wollten. Und wenn sie wirklich Millionenstrafen für jeden zu jungen Nutzen bezahlen müssten, hätten sie schnell auch dafür eine einfache Lösung.

Aber machen wir uns mal ehrlich, das ist schon „typisch deutsch“ gedacht. Lassen Sie uns stattdessen auf Weltfrieden hoffen…

Kary
15 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

„.. aber machen wir uns mal ehrlich, das ist schon „typisch deutsch“ gedacht. Lassen Sie uns stattdessen auf Weltfrieden hoffen…“

… oder auf die Bekämpfung des Klimawandels.

“ .. Kinder/Jugendliche dank Algorithmen in entsprechende Bubbles geraten, gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: Man kann den Content regulieren und die Creator sperren, oder man hält die Kinder/Jugendlichen davon fern. .. „

In den USA ist fast alles durch den Ersten Zusatzartikel der Verfassung geschützt.

Sind einfache Lösungen bloß Naivität oder Hybris oder auch Ausdruck eines menschlichen Bedürfnisses welches man Hoffung nennt?

vhh
16 Tage zuvor
Antwortet  Sepp

Ein Social Media-Verbot macht keinen Sinn, jedenfalls nicht, wenn es um ’schlechten Einfluss‘ geht. Bezüglich Konzentrationsproblemen mag das anders aussehen, aber ob es Islamismus oder Gang-Kultur sind, das sind Ideen bzw. Meinungen und die konnte man noch nie durch Verbote von ‚der Jugend‘ fernhalten. Wie gesagt, ich sehe Gründe, Einschränkung bei Social Media zu erwägen, aber nicht diese.

Sepp
16 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Es glaube, man muss das differenzierter sehen:

Wer sich unbedingt islamistische bzw. salafistische Videos reinziehen will, ein Enthauptungsvideo sehen will o.ä., der wird sich davon nicht abbringen lassen.

Vielleicht sehe ich aber als vulnerabler Jugendlicher mit Migrationshintergrund ein Video von einem sympathischen, muslimischen Pärchen, die toll erklären was „er darf“ und was „sie darf“. Dann schaue ich mir ein weiteres Video dieser tollen Content-Creator an, lande kurz darauf bei Ibrahim El Azzazi. Auch der erklärt mir mit sanfter Stimme meine Religion, besser als meine Eltern das könnten. Und weil der Typ ganz sympathisch ist und der Algorithmus mich längst in einer Bubble hat, bekomme ich dann die nächsten salafistischen Influencer angezeigt. In den Kommentaren werde ich dann lesen, dass eigentlich alle das so sehen, wie könnten sie also Unrecht haben?

Gerade diese Art von Radikalisierung passiert immer stärker durch Social Media. Also muss man entweder den Content massiv regulieren oder deren Konsum durch Kinder/Jugendliche.

S.B.
18 Tage zuvor

Er fiel schon in der ersten Klasse mit aggressivem Verhalten auf. Die Eltern wolten nicht mit der Schule kooperieren. So heißt es hier in einem anderen Bericht.

Hansjoachim
15 Tage zuvor
Antwortet  S.B.

Da kann man doch schlecht behaupten, dass die Eltern in diesem Fall nun so ganz unschuldig sind. Hieß es nicht, zumindest die Mutter sei schon vor seiner Geburt eingebürgert worden? Und dann will sie nicht mit der Schule kooperieren? Da fragt man sich, nach welchen Prinzipien eingebürgert wird. So mit der bürokratischen Gießkanne?

Karl Heinz
17 Tage zuvor

Die Alarmsignale waren ab der ersten Klasse lückenlos dokumentiert.
Das „Frühwarnsystem Schule“ hat also funktioniert.
Aber was nutzt, das, wenn die nachgelagerten Ebenen versagen.

Die Jahre der „schwarzen Null“ haben doch alles kaputtgepsart.

Wenn Eltern jede Zusammenarbeit mit der Pädagogen blockieren, ist das kein Kommunikationsproblem, sondern die aktive Sabotage der Sozialisation ihres Kindes.
Schule kann die fundamentale Verweigerung der Eltern nicht kompensieren. Wenn im Elternhaus keine Werte, keine emotionale Bindung und kein Respekt vor der demokratischen Ordnung vorgelebt werden, rennt jede Schule gegen eine Wand.

Lehrer sind Bildungsvermittler. Sie sind keine Therapeuten, keine Kriminologen und keine Verfassungsschützer. Eine manifeste, tief sitzende islamistische Radikalisierung oder schwere Verhaltensstörungen lassen sich nicht durch eine zusätzliche Projektwoche oder ein bisschen mehr Empathie im Unterricht „wegerziehen“.

Das eigentliche Desaster des Falls Abdul Ballout liegt nicht in der Schule, sondern in dem institutionellen Vakuum danach.
Die innere Sicherheit scheitert nicht am mangelnden Willen der Schulen, sondern am Staatsversagen auf den nachgelagerten Ebenen, die den Jugendlichen auffangen müssten, sobald er das Klassenzimmer verlässt.

447
17 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

…oder schlicht daran, solche Fälle (wenn sie einmal ganz ausgereift sind, als radikal + gewaltbereit PLUS gefährlich identifiziert sind) polizeilich zu bearbeiten.

Aber klar, Schule soll es richten…MESA

Ribi
17 Tage zuvor
Antwortet  447

Man muss einfach begreifen, wenn es auch schwer sein mag, dass man sich nicht immer weiter unbegrenzt die Probleme fremder Weltgegenden an das Bein finden kann

Ribi
16 Tage zuvor
Antwortet  Ribi

Was natürlich nicht gegen Hilfe per se gerichtet sein soll

Rainer Zufall
16 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

„Die Alarmsignale waren ab der ersten Klasse lückenlos dokumentiert.“
Quelle dazu?

Hansjoachim
17 Tage zuvor

Es ist nur von einer Seite die Rede. den Jugendlichen selbst. Aber es gibt noch die andere Seite, eben diejenigen, die im Internet systematisch und trickreich nach „Opfern“ suchen, denen sie ihre islamische Ideologie einimpfen können, sozusagen wie Spinnen ihre Opfer in Netzen einfangen. Diese „Netzwerke“ kann man nicht auf die geschilderte Weise bekämpfen, auch weil sie offenbar vom Ausland her operieren. Die werden auch dann nicht untätig werden, wenn alle Jugendlichen Anerkennung und Zukunftsperspektiven erfahren. Die KI von Google schreibt dazu:

Soziale Medien: Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube dienen als Hauptkanäle, um Jugendliche mit einfachen Botschaften und radikalen Weltbildern zu erreichen.
Offline-Aktivitäten: Neben der digitalen Präsenz treten Prediger weiterhin in bestimmten Moscheen oder bei Seminaren auf.
Ideologie: Vermittelt werden oft antidemokratische Einstellungen, die Ablehnung anderer Religionen sowie die Ausgrenzung bestimmter Gruppen.

Hier wird das von einem Experten bestätigt
https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/07/salafisten-berlin-csd-anschlag-abdul-b-islamismus.html

TaMu
17 Tage zuvor

„Die salafistische Szene biete ihnen Orientierung und klare Regeln – „etwa was das Beten, das Fasten, das Zusammenleben von Männern und Frauen angeht oder was ,erlaubt‘ ist und was nicht“. Genau danach sehnten sich viele junge Männer in einer Identitätskrise„

Das hört sich für mich nach dem Wunsch nach Halt und Sicherheit an, der so stark sein kann, dass persönliche Freiheit dahinter zurücksteht.

Vielleicht muss bei Erziehung und Bildung mitbedacht werden, dass es möglicherweise männlichen Jugendlichen gut tut, strengere Regeln und Konsequenzen zu haben. Es ist möglicherweise für die männliche Entwicklung nicht in allen Fällen positiv, wenn sie ihr Verhalten, ihre Arbeit und ihre Ergebnisse in einem zu freien und selbstbestimmten Rahmen selbst bestimmen müssen.
Vor der Person, die sie anleitet, müsste es sich um jemanden handeln, vor dem sie Respekt haben und der die Haltung vorlebt.
Das hört sich nicht freiheitlich demokratisch an, könnte meiner Meinung nach aber gut verbunden werden. So könnten die Jungens mitbestimmen, welche Regeln sie für ein gesundes Selbstbild und für stabile Leistung bräuchten.
Männliche Jugendliche sind beispielsweise beim Sport durchaus bereit, sich richtig zu quälen, um mit Trainern und Teammitgliedern mithalten zu können. Sie fühlen sich gut, wenn sie für ihre Kooperation mit den gesetzten Zielen einer Gruppe ein gewisses Ansehen haben.
Diesen Jugendlichen kann die liberale Form in Schulen mit viel Eigeninitiative zu schwammig erscheinen, während Mädchen aus meiner völlig privaten Sicht mit der liberalen Form anscheinend mehrheitlich besser klarkommen und diese auch wünschen.

Rainer Zufall
16 Tage zuvor

„Wer Integrationsarbeit, Kinder- und Jugendhilfe oder politische Bildung lediglich als freiwillige Sozialleistungen betrachtet, verkennt ihre eigentliche Bedeutung.“
Wer will Herrn Fleischmann erklären, dass Politik und nicht wenige Kolleg*innen dies bereits lange unterschreiten und fordern, sowas solle „privat“ und „eigenverantwortlich“ geklärt werden?

Dieses Mal fand jemand Anschluss an diese Extremisten, nächstes Mal wieder oder bei anderen.
Seit Jahren kennen wir diese Entwicklungen und ändern nichts. Dieses Mal war es ja die „falsche“ Kultur – welch Trost bis zum nächsten Mal 🙁