SCHWERIN/HAMBURG. Mecklenburg-Vorpommern verschärft die Versetzungsregeln, indem es den Notenausgleich an Gymnasien abschafft. Dabei gehört das Land bereits heute zu den Bundesländern mit den höchsten Wiederholer- und Schulabbrecherquoten Deutschlands. Kritiker bezweifeln, dass mehr Leistungsdruck die Probleme löst. Sie verweisen stattdessen auf individuelle Förderung – und auf Länder wie Hamburg, wo schlechte Leistungen seit Jahren nicht mit Sitzenbleiben beantwortet werden, sondern mit zusätzlicher Unterstützung.

Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes mussten im Schuljahr 2024/25 in Mecklenburg-Vorpommern 2,9 Prozent aller Schülerinnen und Schüler eine Klassenstufe wiederholen. Höhere Wiederholerquoten verzeichneten lediglich Bayern (3,4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (3,2 Prozent). Hamburg kam dagegen auf nur 1,3 Prozent, Berlin sogar auf 0,8 Prozent. Das Statistische Bundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass die Unterschiede auch auf unterschiedliche Versetzungsregelungen der Länder zurückzuführen sind.
Noch gravierender fällt ein anderer Wert aus. Mehr als jeder zehnte Jugendliche verließ im vergangenen Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern die allgemeinbildende Schule ohne anerkannten Abschluss. Mit einer Quote von 10,4 Prozent erreichte das Land den höchsten Wert seit einem Jahrzehnt und gehört bundesweit zur unrühmlichen Spitzengruppe. Auch an den Berufsschulen endet nahezu jede fünfte Ausbildung ohne Abschluss.
Dabei hatte das Bildungsministerium die sinkende Zahl der Klassenwiederholungen noch Ende vergangenen Jahres ausdrücklich als Erfolg seiner Förderpolitik gewertet. Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) verwies auf ein neues Frühwarnsystem, mit dem Schulen versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler frühzeitig erkennen und gemeinsam mit Eltern Fördermaßnahmen vereinbaren sollen. „Unser neues Frühwarnsystem unterstützt Schülerinnen und Schüler, bevor sie versetzungsgefährdet sind“, erklärte die Ministerin damals. Ziel sei es, Wiederholungen möglichst zu vermeiden.
„Diese Regel lässt mich ratlos zurück. Ich bedauere diese Entscheidung für die Schüler und ihr Lernen sehr“
Ob strengere Versetzungsregeln daran etwas ändern können, bezweifelt der Bildungsexperte und frühere Leiter einer Schule in Mecklenburg-Vorpommern Gerd Mengel. Aus seiner Sicht verwechselt die Politik Ursache und Symptom. „Hier liegt das Missverständnis: Note und Leistung sind nicht identisch“, schreibt er auf Linkedin. Schulnoten seien das Ergebnis eines Bewertungssystems und hingen von weit mehr ab als den Fähigkeiten eines Kindes – etwa von Unterrichtsqualität, Prüfungsformaten, Lehrerwechseln oder auch der sozialen Herkunft. Statt diese Faktoren stärker in den Blick zu nehmen, klammere sich die Bildungspolitik an die vermeintliche Objektivität der Ziffernnote.
Anlass der Kontroverse ist die neue Versetzungsverordnung, die das Bildungsministerium zum kommenden Schuljahr einführt. Sie enthält Änderungen für mehrere Schularten, im Mittelpunkt steht jedoch das Ende des Notenausgleichs an den Gymnasien. Mangelhafte Leistungen in Deutsch, Mathematik oder der ersten Fremdsprache können dort künftig nicht mehr durch gute Noten in anderen Fächern kompensiert werden. Das Ministerium begründet die Reform mit klareren Leistungsanforderungen und einer stärkeren Orientierung an den tatsächlich erreichten Kompetenzen.
Wie unterschiedlich Begabungen ausgeprägt sein können, illustriert Mengel mit einer ehemaligen Schülerin. Sie habe ein Einser-Abitur abgelegt, in Deutsch und Englisch herausragende Leistungen gezeigt und für ihren Abituraufsatz eine landesweite Auszeichnung erhalten. Gleichzeitig habe sie sich in Mathematik über Jahre „über die Ziellinie“ geschleppt, therapeutische Unterstützung benötigt und die Abiturprüfung dort mit nur einem Punkt bestanden. „War sie deshalb nicht leistungsfähig?“, fragt Mengel.
„Die kostenlose schulische Lernförderung ist nach mehr als einem Jahrzehnt fest etabliert und wirkt“
Dass schwächere Leistungen nicht zwangsläufig mit schärferen Versetzungsregeln beantwortet werden müssen, belegt das Beispiel Hamburg. Dort setzt die Schulpolitik seit Jahren auf zusätzliche Lernförderung statt auf Nicht-Versetzungen; dort gibt es das klassische Sitzenbleiben seit Jahren praktisch nicht mehr. Stattdessen erhalten Schülerinnen und Schüler mit Lernrückständen kostenlose Lernförderung direkt an ihren Schulen.
Wie das funktioniert, zeigte eine Auswertung der Hamburger Schulbehörde aus dem Jahr 2024. Damals wurden mehr als 12.000 Förderkurse angeboten, an denen zeitweise über 28.000 Kinder und Jugendliche teilnahmen. 55,6 Prozent der geförderten Schülerinnen und Schüler erfüllten nach der kostenlosen schulischen Lernförderung wieder die Leistungsanforderungen in allen unterstützten Fächern. Bei Jugendlichen mit Förderbedarf in mehreren Fächern gelang es 65 Prozent, die Nachhilfe zumindest in einem Fach erfolgreich abzuschließen. Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) zog deshalb ein positives Fazit: „Die kostenlose schulische Lernförderung ist nach mehr als einem Jahrzehnt fest etabliert und wirkt.“
Für Mengel gehen die beschlossenen Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern deshalb an der eigentlichen Herausforderung vorbei. „Es müsste um Lernen gehen, individuelle Förderung, Unterrichtsqualität, Feedbackkultur und zeitgemäße Prüfungen“, schreibt er. Nichts davon werde durch die neuen Regeln verbessert. „Man kann nur Menschen leichter aussortieren.“
Entsprechend deutlich fällt sein Urteil über die Neuregelung aus: „Diese Regel lässt mich ratlos zurück. Für mich ist das bildungspolitischer Populismus im Wahlkampf. Ich bedauere diese Entscheidung für die Schüler und ihr Lernen sehr.“ News4teachers










Kann man bitte mal aufhören, Leistung ständig als „Aussortieren“ zu framen?!
Klare Versetzungsregeln werden emotional negativ besetzt. Worte wie „neue Härte“, „Leistungsdruck“, „Aussortieren“ und „unrühmliche Spitzengruppe“ sollen beim Leser Angst und Ablehnung erzeugen, während der Kuschelkurs moralisch völlig überhöht wird.
Ksenija Bekeris (SPD-Schulsenatorin Hamburg): Sie darf die Erfolge ihres eigenen Systems preisen („Lernförderung wirkt“). Das ist so, als würde man den Autoverkäufer fragen, ob sein Auto gut ist. Ein kritischer Gegenblick auf das sinkende Leistungsniveau in Hamburg fehlt komplett.
Warum die Reform in MV eingeführt wird (z. B. Klagen von Betrieben über mangelnde Ausbildungsreife, Entwertung des Abiturs, Fairness gegenüber fleißigen Schülern), wird mit keinem einzigen Wort oder Zitat begründet. Das Ministerium wird nur in einem Halbsatz passiv abgefrühstückt.
Wenn man das Sitzenbleiben gesetzlich verbietet (wie in Hamburg/Berlin weitgehend geschehen), sinkt die Quote logischerweise auf dem Papier. Das sagt rein gar nichts über die tatsächliche Leistung oder die Klugheit der Schüler aus. Es ist statistische Kosmetik.
Einser-Abitur, obwohl man in Mathe nur 1 Punkt hatte.
Toll!
Aber Einzelfall!
Ein Gymnasium soll auf die allgemeine Hochschulreife (Studierfähigkeit in allen Fächern) vorbereiten. Wenn ein Notenausgleich in den Kernfächern (Mathe, Deutsch) unbegrenzt möglich ist, entwertet das den Abschluss für alle anderen Schüler, die sich in allen Fächern anstrengen.
MV hat viele Schulabbrecher (10,4 %), also darf man die Regeln nicht verschärfen?
Richtig wäre:
Weil das System vorher zu weich war, haben Schüler die Kurve nicht bekommen und stehen am Ende ohne Abschluss da. Leistungsorientierung setzt früher an, um genau das zu verhindern.
Am Ende dann wieder das Totschlagarument „Populismus“.
Ironie des Ganzen: Der Text selbst agiert zutiefst populistisch. Er bedient das populistische Narrativ: „Die böse, harte Politik da oben quält die armen, fleißigen Kinder (siehe Mathe-Mädchen) und sortiert sie aus.“
Simone Oldenburg gehört übrigens der Partei Die Linke an. Ihr vorzuwerfen, sie mache „rechten“ oder „billigen“ Populismus mit Leistungsregeln, zeigt, wie absurd der Vorwurf ist.
Es ist das Eingeständnis, dass die sachlichen Argumente ausgehen.
„Warum die Reform in MV eingeführt wird (z. B. Klagen von Betrieben über mangelnde Ausbildungsreife, Entwertung des Abiturs, Fairness gegenüber fleißigen Schülern), wird mit keinem einzigen Wort oder Zitat begründet.“
Weil es niemanden gibt, der die Reform damit begründet – wir haben die Stellungnahme des Bildungsministeriums ausführlich im ersten Beitrag zum Thema, prominent verlinkt am Fuß dieses Artikels, dargestellt.
Fairness (um nur einen Ihrer Punkte herauszugreifen)? Was tangiert es einen guten Schüler, wenn ein schlechterer sitzenbleibt oder von der Schule fliegt? Genau das ist doch das Problem: das Verständnis von Bildung als olympischem Wettbewerb, bei dem es Gewinner und Verlierer geben muss. Gewinnen und Verlieren hat aber mit (echter) Bildung wenig zu tun – das ist Notenhuberei.
Fördern und (dann) Fordern, darum muss es gehen. Von einer verbesserten Förderung ist bei der Reform aber gar keine Rede. Fordern ohne zu fördern – ist schlicht autoritär. Dass die Bildungsministerin der Linken angehört, widerspricht dem nicht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
PS. Hamburg ist – unter Berücksichtigung der sozialen Zusammensetzung seiner urbanen Schülerschaft – das mit Abstand erfolgreichste Bundesland in der Bildung. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/05/prien-cdu-erklaert-die-spd-gefuehrte-hamburger-bildungspolitik-zum-vorbild/
Warum nur überhöhen die Mathe-Pauker „ihr“ Fach nur so? Für das tägliche Leben und auch die allermeisten Jobs reichen Kenntnisse in der Bedienung eines handelsüblichen Taschenrechners.
Eigene Erkenntnis nach fast 20 Jahren Matheunterricht ohne entsprechende Fakultas.
Logik und die Fähigkeit, seine Gedanken begründet zu formulieren, bräuchte man aber überall. Da ist Mathe eine große Hilfe.
Logik kann man auch ohne Mathe trainieren.
Ja, ist nur deutlich schwieriger und eingrenzender dann eben.
Und am Ende müsste man sich dann ja tatsächlich die generelle Frage stellen: „Wozu Schule“ – „Wozu Bildung“? Gerade wenn man argumentiert, dass man „XY“ doch nicht (direkt) braucht …
Manche bräuchten dann neben „kein Mathe“ halt auch „keine Lesefähigkeit“ – wozu denn? Kann alles durch digitalisierte Hilfe dann „überleben“.
Ich weiß nicht, wo man da hin will mit dem „braucht man nicht zum (Über-)Leben“ als Argument. Dann können wir wirklich Schule abschaffen.
Ist das die Forderung?
In welchem Fach? Zugegebenermaßen in Mathe aufgrund des Lehrplans auch kaum noch.
Aber in welchen Fächern wird noch vollständige Induktion, der indirekte Beweis, Analyse und Synthese so oft geübt wie in Mathematik? Literatur oder Geschichte haben zu wenige Stunden.
Hier muss ich an eine Anekdote über Lev Tolstoi denken, als ob er mathematisch rechnen wollte, ob Stiefeln aus einem Stück Leder zu nähen wären. Als er nach einigen Tagen die Lösung gefunden hat, war es zu spät: der Schuster hat schon lange Stiefeln genäht, auch ohne mathematischen Berechnungen.
Jetzt mal ehrlich, wer benötigt zur Alltagsbewältigung die vollständige Induktion et al?
Leute, selbst die meisten Masterabsolventen arbeiten später nicht wissenschaftlich sondern entsprechend des Standes der Technik. Und das sage ich, der ein ingenieurwissenschaftliches Hochschulstudium an einer TU absolviert hat. Ich sage ja nicht, dass Bildung schadet, aber ist die Vergabe des Abi nicht mittlerweile inflationär?
Die vollständige Induktion hilft vielleicht nur der Entwicklung von Logik, die Spieltheorie, Statistik, Optimierung werden aber sehr wohl gefragt.
Können dann nicht fast alle Fächer reduziert werden? Wer braucht schon Rechtschreibung? Das Komputerprogramm und KI korrigieren alles selber.
Aber ja, auf dem tieferen Niveau brauchen nur die Wenigen bestimmte Kenntnisse.
In welchen Bundesländern steht das Prinzip des direkten/indirekten Beweises oder Beweisen mittels Vollstreckung Induktion denn überhaupt noch pflichtig im Rahmenlehrplan?
Scheinbar in keinem Bundesland. Sehr schade. In Belarus lernt man es ziemlich gut, wenn Mathematik vertieft gelernt wird, spätestens in zehnte Klasse (maximal 11 Klassen dauert die Schule), manchmal schon in Klasse 8-9, wenn es um Olympiaden geht.
Mit Latein zum Beispiel.
Omnia gallia devisa est in partes tres …
„Gallia est omnis divisa in partes tres“
Das hat der Typ, der mir mal im Baumarkt etwas für 70€ anstatt 180€ verkauft hat, nur weil er dabei zwei Zahlen zusammenziehen und einen Rabatt abziehen musste sicher auch vorher gesagt.
Wenn der AG auch kein gescheites Kassensystem zur Verfügung stellt ist er halt selbst schuld. Für die Kassenaufsicht an SB-Kassen braucht auch niemand Mathe-Kenntnisse.
Für die Kassenaufsicht an den SB Kassen brauche ich aich kein Abitur.
Vermutlich brauche ich auch dafür gar keinen Abschluss!
Naja, aber was „bräuchte“ man denn dann „überhaupt“?
Outsourcen kann man doch nahezu alles?
Sprachen? KI, Dolmetscher
Geschichte? Bücher, Internet, Videos – und „wozu“?
Politik? Juckt ja nicht, wählen geht „auch so“. Zeigen ja genug Menschen bei jeder Wahl.
Also … Die Konsequenz wäre doch: Schafft Schule ab.
Dann ist es zumindest auch „geliefert wie bestellt“. Und man würde sich ehrlich machen.
Keine Erwartungen mehr. Nichts können. Man lässt sich „berieseln“.
Und das war’s dann auch schon. Ein Traum vieler Menschen in der aktuellen „Sozial“gesellschaft …
Wäre doch das Ziel erreicht?
Ist ja absurd, wenn man Mathe so stark reduziert und sich tatsächlich wundert, dass viele „weniger können“.
Man man man … Wo will man denn da noch hin als „Bildung(ssystem)“.
Da wundert man sich ernsthaft noch, dass ich inzwischen für eine Bildungspflicht bin …
Dann kämen zumindest die Ressourcen potentiell mal „sinnvoller“ auch an.
„Braucht“ jemand kein Mathe und das ist systemisch dann so als „braucht nur 5 Zahlen auf dem Taschenrechner eingeben“ als „Leistung“ angedacht … Dann nur zu.
Aber bitte gebt den Menschen, welche noch Bildung genießen wollen die Chance dazu … Rest kann ja machen, was sie wollen von mir aus.
Aber gegen ein System der generellen Verdummung bin ich aktuell schon etwas … Sorry das so hart sagen zu müssen.
Das Kopfrechnen geht bei vielen mit Einführung des Taschenrechners zurück. Da viele dies „als way to go“ gehen … Das sowieso oftmals schon ein Problem und ein Fehler. Das jetzt noch zu verschlimmern … Oh mei.
„Naja, aber was „bräuchte“ man denn dann „überhaupt“?
Outsourcen kann man doch nahezu alles?
Sprachen? KI, Dolmetscher
Geschichte? Bücher, Internet, Videos – und „wozu“?
Politik? Juckt ja nicht, wählen geht „auch so“. Zeigen ja genug Menschen bei jeder Wahl.“
Ich würde das andersherum denken:
Es ist nicht so schlimm, wenn jemand nur in Mathe schlecht ist, weil es viele Berufe gibt, in denen man keine anspruchsvolle Mathematik braucht.
Nur weil junge Menschen in bestimmten Bereichen nicht gut oder interessiert sind, bedeutet nicht, dass man nichts mehr „braucht“. Für mich ist dieses Argument irgendwie schwierig, weil es in allen Fächern ja auch noch um etwas anderes geht neben den sozialen Kompetenzen. Es geht auch um Methodik. Gedichtanalyse/-interpretation ist immer so ein Beispiel. Total verpönt, da man das ja vermeintlich später nicht „braucht“, aber doch hilfreich, weil man lernt, wie man mit Sprache umgehen kann, wie Menschen Dinge auch sagen können, man lernt Stilmittel, die durchaus im Alltag vorkommen, zu verstehen und zu durchschauen. Das kann man auf jedem Niveau vornehmen, ohne die Kids damit zu überfordern.
Ich sehe einen anderen Trend. Bildungswissenschaftler*innen „füttern“ die Unlust indirekt, denn überall hört und liest man, dass die Schulen nur der Vermittlung von Faktenwissen dienten, sie aber eigentlich mehr Kompetenzen vermitteln müssten (Ich muss schon wieder laut lachen.), die Kids dürften gar nicht mitbestimmen, was der Demokratie und ihrer schulischen Entwicklung schade, Schule mache krank …
Auch wenn ich Verbesserungsbedarf sehe, so habe ich den Eindruck, dass die Berichterstattung insgesamt in die falsche Richtung geht. Sie liefert, wie in vielen anderen Bereichen auch, lauter vermeintliche Erklärungen dafür, weshalb Menschen sich natürlich irgendwie falsch entwickeln und verhalten müssen. Gefordert wird eine Anpassung an die Fehlentwicklungen bzw. es werden nicht umsetzbare Lösungen vorgeschlagen, die keinem wehtun.
„Du kannst ja nichts dafür, dass es dir nicht so gut geht, denn es sind die Umstände, die so schlimm sind, dass es gar nicht anders sein kann.“
Das kommt mir inzwischen wie das Credo unserer Gesellschaft vor.
Es verhöhnt einerseits die Menschen, denen es wirklich schlecht geht, und sorgt andererseits dafür, dass viele andere keine Verantwortung mehr für ihr eigenes Verhalten übernehmen wollen. In der Schule ist Letzteres zu einem riesigen Problem geworden.
Leider sehe ich nirgends Ansätze, die eine Trendwende herbeiführen könnten. Die Politik traut sich nicht, weil sie immer die Wiederwahl im Blick hat. Und durch die Nazi-Partei ist alles noch schwieriger geworden.
Kurzum: Ich sehe schwarz für uns alle.
Kenntnisse in deutscher Literatur braucht man im täglichen Leben noch weniger. Also wird das Fach „Deutsch“ überhöht? Kenntnisse über Religion, wer braucht die denn im täglichen Leben? Also wird das Fach „Religion“ überhöht?
Reli ist optional, ab 14 besteht Religionsmündigkeit und die Abmeldung können die SuS eigenständig vornehmen, müssen dann in NRW aber am PP-Unterricht teilnehmen.
Sagen Sie halt mal konkret … Welches Fach „braucht“ man und weshalb?
Würde mich ja schon interessieren.
Aucb Flat-Earthler überleben irgendwie …
Also? Was denn?
Die Konsequenz wäre tatsächlich diw Abschaffung von Wissen, Bildung und ggf. Schule.
Dann der Fokus auf „Basisschulungen“ im Bereich von „wie verletze ich mich nicht zu sehr, damit ich das Gesundheitssystem nicht weiter belaste“. Und dann passt das schon.
Puh. Ich weiß ja nicht. Haha.
Den Fächerkanon will ich doch gar nicht verändern. Ich bin der Meinung, dass es in den einzelnen Fächern Themen gibt, die weniger relevant sind.
Da viele schon Schwierigkeiten mit der Prozentrechnung haben, warum dann noch Zinseszinsrechnung draufsatteln?
Ich Gesa-Lehrkraft gewesen und ich wünschte mir mehr Differenzierung in den leistungsdifferenzierten Fächern.
Also statt zwei Leistungsniveaus bis zu fünf Stufen von Fördergruppe über Hauptschul-, Realschul-, Gymnasialniveau zur Spitzengruppe, die ggf. an Mathevorlesungen an einer Uni reicht. Ferner wäre mehr Blockunterricht wünschenswert, um Themenblöcke nicht in stundenplangerechte Häppchen aufsplitten zu müssen. Nicht verwechseln mit dem derzeitigen „Projektunterricht“.
Mathe hat 4 Stunden je Woche + 1 Stunde Selbstlernzeit. Das sind 5 Stunden von 32 bis 34 Stunden im Ganztag. Das ist ungefähr ein Sechstel der Unterrichtszeit. Bei 20 Wochen je Halbjahr sind das etwas mehr als 3 Wochen, die in drei einwöchige Matheblöcke in den Stundenplan integriert werden könnten. Mehr als 3 Zeitgründen ein und dasselbe Fach am Stück erträgt niemand, deshalb muss der Tag mit Fächern der Fächergruppe II komplettiert werden.
„Da viele schon Schwierigkeiten mit der Prozentrechnung haben, warum dann noch Zinseszinsrechnung draufsatteln?“
Das ist genau die Einstellung, die uns zu dem jetzigen Desaster geführt hat: das Niveaulimbo. Bildungsrepublik Deutschland.
Das beantwortet doch nicht die Frage, wer nach der Schulzeit denn Kenntnisse in Reli bzw. PP benötigt.
Das ist es dann halt eben … „Was braucht man um …“ – was denn genau zu können/wissen/machen/verstehen?
Wenn es nur um „Überleben“ geht … Ja mei … Dann sollten wir evtl. doch Schule abschaffen. Wenn das der Anspruch ist und wäre ..
Theologie(bereiche) habe ich im Übrigen sogar in meinem Geschichtsstudium gelernt. Genauso wie Politik, Sozial- und Gesellschaftswissenschaft, Anteile von VWL und Geographie (usw.).
Ohne Theologiewissen wird man nie das Mittelalter wirklich „verstehen“.
Hier sollte man dann eher die Fragen sich stellen „welche Theologiebereich?“ und „wie?“.
Und ja … Man kommt auch „ohne Theologiewissen“ da durch … Klar. Sind wir wieder bei „wo ist der (eigene) Anspruch?“
„Was braucht man?“ Meiner Meinung nach ein solides Allgemeinwissen in allen Fächern. Niemand kann vorhersehen, was man in naher oder ferner Zukunft mal brauchen wird.
Das hat man sehr gut gesehen, während Corona – da hätte ein Wissen in mathematik (Prozentrechnung, Dezimalzahlen, Umrechnung verschiedener Werte – R-Wert, Inzidenz….) manchem Querdenker das Verstehen erleichtert. Ebenso war in dieser Zeit Wissen aus dem Biologie-Unterricht (Unterschied Virus – Bakterium) und Physik (Aerosole) ganz nützlich gewesen. Aber daran mangelte es oft (auch bei Abiturienten und Akademikern).
Übrigens täte es auch vielen Wählern bzw. Protest-Noichtwählern gut, wenn sie %-Rechnung verstehen würden und wüssten, was es bedeutet: „Partei xy erhält xProzent der abgegebenen Wählerstimmen.
Man könnte jetzt sicher noch viel mehr Beispiele bringen. 🙂
„In allen Fächern.“ Da fängt das Problem ja schon an: Was sind denn „alle (auch künftig wichtigen) Fächer“ – Informatik? Gesundheit? Demokratiebildung? Teamfähigkeit? Medienkompetenz?
Oder bleiben die Fächer, die im 19. Jahrhundert mal so festgelegt wurden, auf ewig das Maß aller Dinge?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das Thema Gesundheit wird seit Anno Tobac in Biologie und Sachkunde ständig behandelt, ebenso z. B. in Physik (Vermeidung von Unfällen durch Elektrizität, Hebelwirkung, ….) und auch in Chemie (Umgang mit Chemikalien …). Auch in zahlreichen Kinderbüchern (D-Unterricht) wird Gesundheit thematisiert. Es braucht dazu also mMn. kein extra Unterrichtsfach, sondern mehr fächerübergreifende Thematisierung.
Zum Informatik-Unterricht – das ist wirklich etwas (relativ) Neues. Die Frage ist aber, welche Bereiche der Informatik die Schule abdecken soll und muss:
Die ersten beiden Bereiche sind mMn. nur für Informatik-Berufe notwendig und werden dort in Ausbildung und Studium gelehrt. Der dritte Bereich könnte für Leistungskurse bzw. Arbeitsgemeinschaften Informatik interessant sein. Für die meisten Schüler reicht der Bereich angewandte Informatik, welche sich in so ziemlich jedes bereits vorhandene U-Fach integrieren lässt.
Die anderen von Ihnen angesprochenen Themen Medienkompetenz, Demokratiebildung, Teamfähigkeit sind mMn. ebenfalls schon Bestandteil aller U-Fächer bzw. sollten es sein.
Es braucht also nicht unbedingt neue, isolierte Fächer, sondern eine bessere lebenspraktische Verzahnung und solide Wissensgrundlagen in allen Fächern, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.
Gute Frage.
Werden solche old-school Kompetenzen wie Lesen und Mathematik denn überbewertet ?
Wenn viele 15-jährige bei den Bildungsvergleichen dort nicht mal die Mindestkompetenzen erreichen, ist das Wehklagen immer noch ziemlich hoch.
Lesen und Rechnen sind Grundkompetenzen – keine Fächer. Herzliche Grüße Die Redaktion
Und was Sie oben aufgezählt haben sind alles Fächer?
Es sind Kompetenzen, die vom derzeitigen Fächerkanon nicht oder kaum abgebildet werden. Herzliche Grüße Die Redaktion
Inwiefern werden diese nicht abgebildet?
Gerade „Grundlegende Kompetenzen“ müssten doch grundlegend abgebildet sein?
Wie würden Sie denn „einen anderen Rahmen“ bilden?
Lesen ohne Buchstaben zu lernen?
Oder wie konkret?
Daher braucht es ja eben beides. Die Kompetenz zu lesen. Und den Inhalt, um überhaupt die Kompetenz aufbauen zu können. Dann kann man durch diese Kompetenz sich weitere Inhalte aneignen beispielsweise. Und klar braucht es auch erstmal eine Kompetenz des Verständnisses, wie man „Wörter bildet“ dann. Und dazu braucht es wiederum die Buchstaben eben.
Es ist ein „beides“.
Kann ja logisch gesehen auch nicht (v. A. nicht sinnvoll) anders gehen.
Die Systematik dazu kann man natürlich anders machen:
Mathematik -> Rechnen, Zahlengefühl, Sachaufgaben (Verständnis, Sprache, Leseverständnis, „Codierung“) usw.
Oder
Rechnen: Inhaltsebene Mathe, Musik Takte, BWR, Informatik (Zahlensystem, Excel-Anwendungen zum Rechnen,…)
Aber es wird ja nicht klappen zu sagen: „SuS ’sollen‘ das Rechnen lernen.“/“SuS lernen das Rechnen.“
Da kommt sofort: „Wie?“
Und dann ist man wieder auf der Inhaltsebene.
Ob man jetzt „Kompetenzen benennt“ und dann durch Inhalt füllt …
Oder „Inhalte benennt“ und durch Kompetenzen steuert …
Das doch wie Henne und Ei.
Ab einem gewissen Punkt absolut egal, „was zuerst da war“.
Jeder Mensch lernt im Alltag normalerweise beides parallel. Das „natürlich“.
Das Problem bei „Kompetenzen als ‚Überschrift'“ ist doch, dass es dann „unklarer“ oft erstmal ist. Also dann kommt sofort wieder „wo?“, „wie?“, „durch wen?“ Usw.
Und dann kann man auch wiederum gleich Inhalte beispielsweise vorgeben und daran die Kompetenzen einbauen …
Lesen und rechnen sind Grundkompetenzen, die so ziemlich in allen U-Fächern gebraucht und geübt werden, ebenso wie alle anderen von Ihnen genannten Kompetenzen, wie ich hier an anderer Stelle schon schrieb: „Die anderen von Ihnen angesprochenen Themen Medienkompetenz, Demokratiebildung, Teamfähigkeit sind mMn. ebenfalls schon Bestandteil aller U-Fächer bzw. sollten es sein.
Es braucht also nicht unbedingt neue, isolierte Fächer, sondern eine bessere lebenspraktische Verzahnung und solide Wissensgrundlagen in allen Fächern, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“
Die spannende Frage ist doch, ob Kompetenz und Kompost einen gemeinsamen Ursprung haben.
Wie haben eigentlich die jetzt Alten gelernt mit neuen (technischen und anderen) Herausforderungen umzugehen? Meine Mutter hatte, kriegsbedingt, keinen Schulabschluss. Anfang der 90er Jahre, kurz vor Rentenbeginn, lernte sie noch am Fahrkartenschalter der Bahn, Zugverbindungen in ganz Europa per Computer zusammenzustellen. Schwiegervater, gelernter Hufschmied, war bis zur Rente Schmiedemeister in einem Schwermaschinenbetrieb, nix mehr mit Handarbeit, wie am Anfang der Lehre. Beide hatten in der Schule und Lehre nichts von alledem gelernt, was sie später brauchten, „nur“ die nötigen Grundlagen, um lebenslang dazu zu lernen.
„Wie haben eigentlich die jetzt Alten gelernt mit neuen (technischen und anderen) Herausforderungen umzugehen?“
Gar nicht. Sie haben im Windschatten der Großmächte („Friedensdividende“) und auf Kosten zukünftiger Generationen (Investionslücke, Umweltkosten, Demografie, Verschuldung) gelebt und gewirtschaftet.
Herzliche Grüße
Andrej Priboschek
Die „Alten“ – welche Jahrgänge sind da jetzt gemeint?
Die gesellschaftlichen und politischen Träger der „Deutschland AG“ sind gemeint. Gerne hier nachlesen: https://www.ndr.de/kultur/buch/geschichte-der-deutschland-ag-maenner-macht-und-die-deutsche-wirtschaft,richter-200.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wieso AG, der Laden ist doch eine GmbH – mit sehr vielen Beschränkten.
Sehr geehrter Herr Priboschek,
über Ihr Alter erfährt man leider nicht all zu viel 🙂 Ich schätze mal, Sie sind auch nicht mehr der Allerjüngste (ü50?, sorry, falls ich falsch liege). Zu Ihrer Schulzeit (so Ende der 80er, Anfang der 90er, weil Ausbildung bei der „Rheinischen Post“ in den 90ern) gab es wohl auch eher wenig, von dem heute geforderten, Informatikunterricht. Und trotzdem leiten Sie heute ein online-Magazin. Verfolgten etwa auch Sie Ihren beruflichen Weg im „Windschatten der Großmächte“ auf Kosten zukünftiger Generationen?
Wo, von wem und wann lernten Sie die notwendigen Kompetenzen: in Medien, Teamfähigkeit, Demokratieverständnis, Gesundheit … ? Wenn Sie das alles nicht in der Schule lernten, wie konnten Sie dann so einen beeindruckenden Berufsweg schaffen (vom Redakteur Bildungspolitik bei der „Rheinischen Post, zum Sprecher im Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, zum Gründer von n4t und nebenbei noch sehr aktiv bei der Didacta …)?
Diesen Lebensweg finde ich schon sehr bemerkenswert. wenn die Schulen doch noch nie auf die Zukunft vorbereiteten. Chapeau! Noch mehr wundert es mich, wie Sie als Arbeiterkind das schaffen konnten, wenn das Bildungssystem früher doch noch wesentlich schlechter war als heute.
Über eine ehrliche Antwort würde ich mich wirklich freuen
Mit freundlichen Grüßen
Jerunda
Liebe Jerunda,
danke für die Blumen – ich bin 61. Tatsächlich habe ich das, was ich für meinen Beruf benötigt habe – vor allem: Teamfähigkeit – nicht in der Schule, sondern in meinem Beruf als Journalist gelernt. Der zwingt ja zur ständigen Weiterentwicklung, ob es nun die Inhalte oder das Handwerkszeug betrifft. Mit Schule hatte ich es nicht so: Ich habe das vermutlich schlechteste NRW-Abitur aller Zeiten gemacht (um dann sogleich als Lokalreporter zu arbeiten und später mein Studium der Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Geschichte durchaus passabel abzuschließen).
Eins allerdings hat mich in der Schule nachhaltig geprägt: ein Projekt im Deutsch-Unterricht der sechsten Klasse, in dem wir Schülerinnen und Schüler gemeinsam ein buchartiges Magazin produzierten, damals noch im Matritzendruck. Danach wusste ich, was ich werden wollte. (Und seitdem weiß ich, was schülerzentrierter Unterricht bewirken kann.)
Und, ja, selbstverständlich bin auch ich ein Gewinner historisch beispiellos guter Umstände – trotz mancher Krisen wie der Arbeitslosigkeit der 80er Jahre in Westdeutschland, die auch meinen Vater als Stahlarbeiter betraf. Darauf bilde ich mir aber nichts ein. Ich sehe sehr wohl, dass die Krisen von heute größtenteils ihren Ursprung in dem gedankenlosen Wirtschaften der vergangenen Jahrzehnte haben. Ich sehe natürlich auch, dass ein Einzelner (selbst wenn er die Fehler erkennt) wenig gegen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unternehmen kann. Was wir heute Älteren aber durchaus können: Den jungen Menschen alle Unterstützung dafür geben, es in Zukunft besser machen zu können.
Das ist auch der Grund, warum wir News4teachers machen – um einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, bessere Rahmenbedingungen für die Bildung in Deutschland (verstanden als Stark-Mach-Programm für Kinder und Jugendliche) zu schaffen.
Herzliche Grüße
Andrej Priboschek
Und wie viele Ihrer Mitschüler*innen fanden das Projekt „Erstellen eines buchartigen Magazins“ zum Erbrechen langweilig und hätten lieber etwas Anderes gemacht? Wie groß war damals die Klasse. Und warum hat Ihre Generation, die ja eigentlich schon nicht mehr zu den „Boomern“ gehört so wenig Nachwuchs gezeugt?
Meine Frau und ich haben drei Kinder großgezogen, immerhin. Herzliche Grüße Andrej Priboschek
… weshalb ich Ihre Generation geschrieben habe.
Sie wissen schon – Ausnahme, Regel …
Lieber Herr Priboschek,
vielen Dank für Ihre Antwort. So richtig befriedigt die mich aber nicht.
Sie schreiben, Teamfähigkeit hätten Sie erst im Beruf gelernt. Waren Sie bis zum Berufseintritt ein extremer Einzelgänger, ohne Freunde, Familie. Waren Sie in der Klasse der Außenseiter und haben nie an Wandertagen, Klassenfahrten, Sportspielen, Arbeitsgemeinschaften teilgenommen? Schon im Kindergarten, mit Freunden in der Clique, in der Familie und in der Schule, lernten ich und die anderen, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, dass viele Arbeiten gemeinsam mehr Spaß machen und leichter zu bewältigen sind und dass man sich gegenseitig hilft (und schwächeren sowieso).
Außerdem schreiben Sie, dass hauptsächlich eine einzige Unterrichtseinheit Sie nachhaltig geprägt hat. War also aller sonstiger Unterricht für Ihren Werdegang unnütz?
Wo ich Ihnen zustimme, dass man im Leben immer dazu lernt und dazu lernen muss bzw. sollte. Dafür braucht es aber gute Grundlagen an Wissen und Können, um darauf aufbauen zu können. Je vielfältiger und besser diese Grundlagen sind, desto leichter fällt das Dazu-Lernen später. Es ist viel schwerer, etwas völlig von Null neu zu lernen und in unserer schnelllebigen Zeit weiß man nie, was man evtl. doch später mal noch braucht. Außerdem sollte man ein gutes Allgemeinwissen haben, um neue Informationen besser verstehen und verknüpfen zu können – siehe mein Beispiel mit Corona – Mathe, Physik, Biologie, … und natürlich Textverständnis und Medienkompetenz (geht auch analog mit Zeitungen, (Fach)Büchern 🙂
Vollständig stimme ich Ihrem folgenden Punkt zu:
„Was wir heute Älteren aber durchaus können: Den jungen Menschen alle Unterstützung dafür geben, es in Zukunft besser machen zu können.“
Allerdings wollen wohl alle Eltern, dass es Ihren Kindern mal besser geht und versuchen diese vor eigenen Fehlern zu bewahren (letzteres nicht immer erfolgreich).
Abschließend möchte ich noch meine Meinung zum Bildungssystem von früher loswerden: Wenn ich mich in meinem Familien- und Freundeskreis so umsehe … kann es nicht so schlecht gewesen sein, wie die Redaktion hier so oft schreibt. Die allermeisten davon (Ossis wie Wessis), die schon nicht mehr zur Schule gehen, haben ein gutes Allgemeinwissen, sind teamfähig, Demokraten, beherrschen die neuen Techniken (manche besser, als jetzige Schüler) und lernen schon ihr Leben lang immer wieder dazu und manchmal (notgedrungen) auch total um, weil sie den Willen (Motivation) dazu haben und die wichtigsten Voraussetzungen in der Schule, in den Familien und von Freunden gelernt haben.
Es braucht viel mehr als nur Schule, um ein Kind zu erziehen. Fehlen andere Bedingungen (Familie, Freunde, ….) oder wirken die gegen Schule, dann wird es sehr schwer. Dann müsste der Staat eingreifen, aber …. Wohlklingende Programme, Sozialarbeiter und Therapeuten … sind kein Allheilmittel. Menschen müssen auch wollen und Hilfe annehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Jerunda
„… und später mein Studium der Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Geschichte durchaus passabel abzuschließen.“
Aber was macht Sie zu einem „Bildungsexperten“, denn die genannten Fächer haben mit der Schule eigentlich wenig zu tun? Auch Journalisten sind ja nun mal keine Experten für alles, sondern eher Generalisten, denen die meisten Details gar nicht bekannt sind. Das betrifft auch diejenigen Journalisten, die beispielsweise über PISA schreiben. Die Langberichte schaut sich doch kaum jemand an, aber alle wissen mitzuteilen, wie schrecklich ungerecht unsere Schule ist. Wie diese Ungerechtigkeit genau gemessen wird, wissen schon nur noch wenige.
Die genannten Fächer haben mit dem Schulsystem recht viel zu tun – dazu: 30 Jahre Beschäftigung mit dem Bildungssystem als bildungspolitischer Redakteur, Herausgeber von Bildungsmedien (Zeitschriften Forum Schule, Die Grundschule, Der Schulmanager, Die Kitaleitung, News4teachers), Ministerialer und in der Wissenschaft (Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund).
Die PISA-Studie begleite ich seit 25 Jahren (nämlich seit der ersten) – und habe mit allen für Deutschland relevanten Machern einschließlich dem OECD-PISA-Koordinator Andreas Schleicher gesprochen. Doch, ich schaue mir alle drei Jahre auch die gesamte Studie an. Und weiß, dass das Bildungssystem in Deutschland tatsächlich ungerecht ist, weil es die Potenziale von Kindern und Jugendlichen aus armen Familien seit Jahrzehnten – wenn nicht seit je her, weiß aber keiner so genau – verschleudert.
Herzliche Grüße
Andrej Priboschek
@Redaktion
Eine Frage beschäftigt mich:
Haben alle Menschen, die vor Jahren und Jahrzehnten schon die deutsche Schule verließen diese, von Ihnen genannten, Kompetenzen also nicht? Die sind also alle nicht teamfähig, haben keine Medienkompetenz , sind undemokratisch und wissen nicht, was gesund für sie ist und können nichts mit Computer, Smartphone und Internet anfangen?
Ja das ist dann wirklich schlimm, dass die Schule dies nicht hinbekommen hat. So viele verlorene Generationen! Es ist wirklich höchste Zeit, dass die Schulen die Schüler für die Zukunft fit machen. Diese Stagnation von Kompetenzen muss ein Ende haben.
„Haben alle Menschen, die vor Jahren und Jahrzehnten schon die deutsche Schule verließen diese, von Ihnen genannten, Kompetenzen also nicht?“
In der Schule haben sie die jedenfalls nicht gelernt. Und manche gar nicht: „Psychologen: ‚Jeder dritte Vorgesetzte ist ein kranker Quäler'“ Und: „Ein guter Chef ist die Ausnahme.“ Gerne hier nachlesen: https://www.heise.de/news/Psychologen-Jeder-dritte-Vorgesetzte-ist-ein-kranker-Quaeler-7264107.html
„Ja das ist dann wirklich schlimm, dass die Schule dies nicht hinbekommen hat.“ Ist es in der Tat, denn Deutschland zeigt sich schlicht als nicht innovationsfähig genug, um die Zukunft mit ihren Herausforderungen bewältigen zu können.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Ist es in der Tat, denn Deutschland zeigt sich schlicht als nicht innovationsfähig genug, um die Zukunft mit ihren Herausforderungen bewältigen zu können.“
Gut, dass nicht alle Menschen so pessimistisch sind, sonst könnte man direkt das Licht aus machen.
Wir sind nicht pessimistisch – aber auch nicht blauäugig, was die Senioren von heute betrifft. Ein Großteil der Probleme, die Deutschland hat, liegen in der Verdrängung: Wir haben verdrängt, dass ein Land militärisch gewappnet sein muss, wir haben verdrängt, dass die fossile Wirtschaft die Lebensgrundlagen von morgen zerstört, wir haben verdrängt, dass Infrastruktur auch in Schuss gehalten werden muss, wir haben verdrängt, dass es Folgen hat, wenn zu wenige Kinder auf die Welt gebracht werden, wir haben verdrängt, dass Demokratie der Pflege und der politischen Bildung bedarf, wir haben überhaupt verdrängt, dass es Krisen geben kann. Deutschland als große Kreuzfahrt-, Freizeit- und Shopping-Mall – samt Bürgern, die rechtsradikal wählen, wenn das mit der Freizeit und dem Shopping mal nicht mehr ganz so gut klappt.
Das rächt sich jetzt.
Wir sind aber optimistisch, wenn wir uns die jungen Menschen anschauen – die bei weitem nicht so blöd sind, wie sie in diesem Forum gerne dargestellt werden.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wenn der überwiegende Anteil der Erwachsenen – vorallem in den Medien – irgendwann den Unterschied zwischen einem „6-prozentigem Preisnachlass“ und einer „Reduzierung um 6 Prozentpunkte“ verstehen würde, wären wir schon einen großen Schritt weiter.
Die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes von 19% auf 7% entspricht eben keiner Reduzierung um 12%
Bin mir da nicht sicher, ob Ihre rationalen Antworten da genügt hätten.
Politik sollte sich auf wissenschaftliche Fundamente stützen, aber es waren nicht mangelnde mathematischen Fähigkeiten für Queerdenker, Q-Anon und wasweisichwas – die KÖNNtEN rechnen
Der Ausgangspunkt war die Feststellung von dickebank weiter oben: „Für das tägliche Leben und auch die allermeisten Jobs reichen Kenntnisse in der Bedienung eines handelsüblichen Taschenrechners.“
Das ist doch wohl eine ganz andere Ebene der Argumentation als das „wirkliche Verstehen des Mittelalters“. Wer muss denn im täglichen Leben oder im Beruf das Mittelalter „verstehen“?
Es hat sich eben eingebürgert, das Argument der angeblichen Nutzlosigkeit immer nur gegen die Mathematik zu richten, nie gegen andere Fächer. Was Sie zum „Anspruch“ schreiben, geht auch in diese Richtung: Den „Anspruch“ gibt’s dann eben nur in den anderen Fächern.
Aber dann wäre man halt wieder beim Zirkelschluss, dass „man nichts so wirklich“ zum (Über)Leben in der heutigen Gesellschaft „braucht“.
Wenn der Taschenrechner „reicht“, dann „reicht“ auch das Internet.
Und dort bekommt man Infos. Zu genüge.
Nur weiß man diese dann eben nicht zu nutzen und „lernt/fördert“ gar keinen Bedarf darauf überhaupt.
Mitunter deshalb interessieren sich viele auch „für nichts“.
Eben vergeudete Potential. Oder sehr sinnvoll eingesetztes Potential. Das jetzt die philosophische Frage dann dahinter.
Also sprechen wir von „was braucht man“ – steht immer dss „wofür?“ als Frage.
Antwortet man mit „um zu Überleben in Deutschland“. Dann ist die Antwort: „Sehr sehr wenig bis Nichts.“
Dann wäre die logischste Konsequenz entweder Schule abzuschaffen oder diese für „Bedarfsnutzer“ als Bildungspflicht zur Verfügbarkeit zu stellen. Dann werden und wären wiederum Ressourcen (logischerweise) frei.
Das Klientel geht sich dann halt mit „Anspruch“ auch mehr einher.
Je mehr „Anspruch“ man selbst hat, desto weniger wird es zu Störungen kommen etc.
Was meinen Sie denn, warum ich aktuell so für Bildungspflicht bin?
Sicherlich nicht wegen irgendwelchen AfD-Heinis, welchen diesen Zugang potentiell jetzt sogar „taktisch schließen“.
Sondern wegen des Eingestehen, dass wir entweder nicht politisch (und gesellschaftlich) handeln wollen oder gar können. „Schlimmstenfalls“ beides.
Und darauf zeigen eben so viele Faktoren, welche einen doch recht deutlichen und eindeutigen Richtwert geben.
„So“ wie jetzt … Können und sollten wir nicht bildungstechnisch und „politisch“ weiter fahren. Das der sichere „Abgrund“.
Wer muss das Mittelalter verstehen?
Auch hier dann das „wozu?“. Zum Überleben? Keiner.
Wer muss dazu Mathematik verstehen? Keiner.
Wozu muss man sowas verstehen? Beispielsweise um Logikketten und Gesamtsysteme zu verstehen und diese selbst „herzuleiten“. Dazu sind beide Bereiche tatsächlich sinnvoll und wichtig. Geschichte und Mathematik.
Dann versteht man auch, dass man auch „Sachen anders lernen kann“.
Was meine ich damit? Neurotypisch lernt man Musik/Klavier oft „über Gehör“ und „Klang“, sowie „Sehen“.
Braucht es das? Nö. Rein technisch kann man über Geometrie, Symmetrie, Abfolgen und Muster lernen, Lieder auf dem Klavier zu spielen.
Oftmals „eher unüblich“ als Zugang. Geht aber … Muss es ja auch. Blinde und Gehörlose [und v. A. „beides“] können so durchaus Musik „begreifen“.
Wer die Verknüpfung von „Mustern bei Klavier“ und „Mathematik“ beidseitig hinbekommt … Der hat seine Vorteile. Auch im Bereich von Logik und Kausalitäten, sowie Transfers.
Das kann man dann ggf. bspw. auf Sprachsysteme [Esperanto] ausweiten.
Das Interessante hierbei ist:
– Wir brauchen Kompetenzen dazu
– Wir brauchen Inhalte dazu
– Wir brauchen (Er-)Kenntnisse dazu
– Wir brauchen Bewusstsein dazu
– Wir brauchen Methodik dazu
– Wir brauchen Ressourcen und Mittel dazu
Es ist kein „nur das eine führt zum Ziel“. Außer man definiert das Ziel einseitig „schwach“.
Es ist ein Zusammenspiel und bedingte Abhängigkeit zu- und voneinander.
Keine Ahnung, warum man immer „ablenkt“ bildungspolitisch und auf „einen Bereich“ sich stürzt wie „Inhalt vs. Kompetenzen“. Das bedingt sich … Sollte man mal raffen „im Elfenbeinturm“.
Ohne Inhalt – keine sinnvollen Kompetenzen. [Kein Bezug zu einem Inhalt … Dann ist man schon Inkompetent – ansonsten hätte man diesen ja gebildet]
Ohne Kompetenzen – kein nützlicher Inhalt. [Den versteht man dann schlichtweg nicht]
Es ist und bleibt ein Trauerspiel.
Dazu viele Scheindebatten, um sich nicht ehrlich zu machen und gezielte Ressourcen und Rahmen zu bilden.
Sie reden wortreich um den schlichten Satz von mir herum:
„Es hat sich eben eingebürgert, das Argument der angeblichen Nutzlosigkeit immer nur gegen die Mathematik zu richten, nie gegen andere Fächer.“
Damit meine ich einen allgemein mathematikfeindlichen Unterton in der veröffentlichten Meinung. Hier wird auch ein Grund genannt, nämlich dass zu viele Leute dabei schlecht abschneiden:
https://lsbr.de/grundsatzprogramm/abschaffung-der-pflicht-die-faecher-mathematik-und-deutsch-im-abitur-belegen-zu-muessen/
„„Es hat sich eben eingebürgert, das Argument der angeblichen Nutzlosigkeit immer nur gegen die Mathematik zu richten, nie gegen andere Fächer.““
Stimmt das?
Musik? Wird ebenfalls oft als „sinnlos“ gesehen und „stiefmütterlich“ behandelt.
Kunst? Ebenfalls.
Sport? Cool, ja – aber … Muss man da gut sein? Soll ja jeder auch mitmachen können und „gut sich fühlen“.
Deutsch? Ist doch sowieso Muttersprache/Landessprache.
Latein? Uh. Tote Sprache. Wozu denn das?
Sie verstehen hoffentlich.
Ja, auch Mathe ist hier mit „am Start“.
Jedoch sehe ich das „nie gegen andere Fächer“ absolut nicht. Bei Mathematik wird zumindest mal „Rechnen“ angefügt. Als Wichtig.
Wie ist es bei „Geschichte“? Ja interessant – aber …
Bei Musik? Oftmals noch nicht mal „irgendwas erwähnenswert“.
Religion ist wahrscheinlich das meist kritisierte Fach [zurecht. Haha].
Wie kommen Sie denn darauf, dass das bei Mathe „alleinig“ wäre?
Es ist AUCH bei Mathe demnach. Aber bei weitem nicht so „schlimm“ wie bei anderen Fächern.
Und klar haben wir ein Problem im Bereich Mathe, wenn man ständig sagt/den Impuls gibt:
„Naja, manche können halt kein Mathe – unbegabt, aber passt schon, du kannst bestimmt toll singen oder malen.“
Das ja Quatsch als „Zustand“.
Genau deshalb kackt die deutsche Wirtschaft so ab, wie sie abkackt…
„Kann man bitte mal aufhören, Leistung ständig als „Aussortieren“ zu framen?!“
Keine Sorge, es wird bereits aussortiert, wenn ein Kind das Pech hat, in einer Familie mit zu wenig „Eigenverantwortung“ aufzuwachsen 😉
Und in welchen (realen) Ländern ist das nicht der Fall? Vielleicht in solchen ohne reformpädagogische Privatschulen, aber mit Einheitspartei, die sich „sozialistisch“ nennen? Oder nur im Wolkenkuckucksheim?
Übrigens stand noch mehr im Beitrag von Karl Heinz.
Ähem, SH ist bekannt dafür, dass es sehr viele Schulabrecher*innen hat.
Was offensichtlich nicht bekannt ist, ist die Tatsache, dass man an GemS quasi nicht sitzenbleiben kann. Seit einigen Jahren gibt es ab dem 8. Jahrgang zwar die Versetzung unter Vorbehalt, aber die Konferenzen beschließen in der Regel, dass niemand dann tatsächlich wiederholen muss. Ausnahmen bilden Krankheit oder widrige Umstände.
Die Kids, die als Schulabrecher*innen geführt werden sind in der Regel nicht vom Gymnasium nach der 9. ohne Abschluss die Schule verlassen müssen.
Nichts für ungut, aber SH ist der Beweis dafür, dass weniger Härte nicht zu weniger Sitzenbleiber*innen und Schulabrecher*innen führt.
Gerne, liebe Bildungsexpert*innen!
Behauptet ja auch keiner. Umgekehrt aber eben auch nicht. Sinnvoll ist bessere Förderung, wie Sie dem Beitrag entnehmen können – schlichte Nachhilfe. Herzliche Grüße Die Redaktion
„Die Kids, die als Schulabrecher*innen geführt werden sind in der Regel nicht vom Gymnasium nach der 9. ohne Abschluss die Schule verlassen müssen.“
Da SuS in SH mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 10 den ESA erwerben, sind es vermutlich eher diejenigen SuS , die weder die Versetzung schaffen noch die Möglichkeit über eine ESA-Prüfung in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache oder Herkunftssprache?
Wer beim zweiten Mal durch den ESA fällt oder als Förderschüler*in nicht am ESA teilnehmen kann.
In SH können nur Förderschüler*innen, die nicht zielgleich beschult werden, nicht am ESA teinehmen.
Ist mir auch schon aufgefallen, dass an allgemeinbildenden Schulen in SH scheinbar kaum SPF-SuS den ESA schaffen. Laut Statistik werden dort 6,5% eines Jahrgangs als mit SPF geführt.
Bei den SuS, die ohne ESA abgehen, werden dann 1,3% wegen SPF-GE ohne Abschluss und 4,6 % mit sonderpaedagogischen Abschlüssen angeführt. Das bedeutet dann, dass höchsten 10% einen ESA erreicht haben.
Die zweite Gruppe, wären dann laut Statistik SuS ohne deutsche Staatsangehörigkeit, bei denen in SH ca. 28% ohne ESA abgingen.
„Ist mir auch schon aufgefallen, dass an allgemeinbildenden Schulen in SH scheinbar kaum SPF-SuS den ESA schaffen“
? Darum geht es bei der Inklusion von S*S mit dem Förderbedarf Lernen doch auch gar nicht. 10% ist von daher dich gut. Der Anspruch ist doch nicht, dass die alle den ESA schaffen, sondern teilhaben.
Was die Kids ohne deutsche Staatsangehörigkeit angeht, haben wir ja sehr viele Kids, die vom Alter her den ESA mitmachen müssen, obwohl sie noch nicht lange in Deutschland sind, d.h. ihr Deutsch gar nicht gut genug ist, um einen Abschluss zu schaffen. Das ist wirklich nicht gut geregelt. Viele sind Ukrainer*innen, denen das egal ist, weil sie parallel einen ukrainischen Abschluss machen.
Unsere NRW-BR hat das Problem der Sitzenbleiber auch erkannt und eine Lösung gefunden. Sie hat die Vollzeitbildungsgänge der Berufskollegs „gebeten“ einen konkreten schwächeren Notenschlüssel zu verwenden. Sollten wir diesen Schlüssel nicht verwenden, so würde direkt angekündigt jedem Widerspruch gegen eine Note nachzugeben.
So läuft es eben weiter.
Bildungsinitiative Schland 2035 lässt grüßen.
Keine Lösung des Problems, sondern kosmetische Statistikpflege: Schwächere Notenschlüssel beseitigen keine Leistungsschwächen – sie senken nur die Latte beim Niveau-Limbo immer weiter ab.
Und der Druck landet am Ende bei den „bösen Leistungsfetischisten“ unter den Lehrkräften: Wer den Anspruch halten und nicht mitschwächeln will, steht bei Widersprüchen gegen Noten selbstverständlich ohne Rückendeckung durch den Dienstherrn da und muss sich rechtfertigen. Läuft! Kennt man.
Am Ende wird nicht das Können der SuS verbessert, sondern der geschönte Eindruck davon verwaltet. Genau diese Abwärtsspirale aus Noteninflation und Durchwink-Pädagogik untergräbt das Vertrauen in Abschlüsse und ist vor allem unfair gegenüber denjenigen, die sich (noch) nicht vom Leistungsgedanken verabschieden wollten.
In NRW wird doch sowieso zu einem großen Teil jedem Widerspruch nachgegeben, vollkommen egal ob begründet oder nicht.
Die Notengebung ist nämlich so gut wie gar nicht gerichtsfest belegbar.
Also fordert die Dienststelle den entsprechenden Fachlehrer aus, seine Aufzeichnungen offen zu legen und zu begründen, warum aus den vielen Teilnoten unter dem Strich die infrage gestellte Note zustande kommt. Irre aufwendig. Da ist die Anpassung der Note an die gewünschte Notenstufe ökonomischer. Und so wird die 5+ zur 4- und dem Widerspruch stattgegeben.
Wer nicht ganz doof ist, berücksichtigt das apriori.
Neben der Dokumentation der Mitarbeit und der Klassenarbeiten (Aufgabenstellungen, Erfahrungshorizont, Klassenspiegel) muss natürlich auch über die individuelle Förderung und die erfolgten Beratungsgespräche berichtet werden.
So viel Aufwand ist es nun auch nicht. Ich hätte bisher zwei Widersprüche und beide wurden abgelehnt. Es ist zwar viel Material notwendig, aber heute hat doch jeder seine Klausuren digital vorliegen. Die Notensammlung machen auch viele Kollegen mit irgendend einer Software. Dort steht dann ja schon welche Note an welchem Datum erteilt wurde und wie diese Noten zusammengerechnet worden sind. Viele Schulen haben digitale Klassenbücher. Dies drei Bestandteile hat man in einer halben Stunde zusammen. Dann noch eine Stellungnahme schreiben, was auch an einem Vormittag erledigt ist.
SL oder Dienststelle?
Widerspruch ging mit gesamten genannten Material an die BR. BR hat dann die Widersprüche abgelehnt. Für mich jeweils ein Vormittag Arbeit.
Welche BR? Man glaubt es kaum, aber K und DT sind angeblich Schwesterbehörden.
Die anderen drei liegen zwischen den beiden Extrema.
So kennen wir sie.
Da direkter Wiederstand nicht möglich ist – einfach gleich statt 5 nicht die 4, sondern die 3 oder 2 geben.
„Braver Soldat Schwejk“-Logik regelt.
„Noch mehr Sitzenbleiber, noch mehr Schulabbrecher? Warum die neue Härte Fragen aufwirft – ‚bildungspolitischer Populismus pur‘.“
„Neue Härte“? Man könnte genauso titeln: „Achtung, wieder mehr Leistung im Anmarsch!“ Das dürfte bei der GEW ungefähr denselben Alarm auslösen wie die Erkenntnis, dass nicht jeder automatisch fürs Gymnasium gemacht ist – trotz gleicher Chancen für alle.
Zu viele SuS landen auf einer Schulart, die nicht ihren eigenen Neigungen und kognitiven Begabungen entspricht, sondern häufig den Erwartungen ihrer Eltern. Auf der passenden Schulart gäbe es für viele von ihnen deutlich weniger Demotivation, Sitzenbleiben, weniger Förderbedarf und weniger Schulabbrüche.
Stattdessen vielerorts: Abitur für alle, galoppierende Noteninflation und Durchwink-Pädagogik.
Ergebnis – Akadämlichkeit: „Deutschlands Studierende sind faul, lethargisch, handysüchtig, arrogant, überschätzen sich und haben keine Ahnung davon, was der Arbeitsmarkt von ihnen will. Ihre Selbsteinschätzung steht immer wieder in scharfem Kontrast zu ihren fachlichen und persönlichen Möglichkeiten.“
Zümrüt Gülbay-Peischard
Nun soll eine Verschärfung der Versetzungsregeln reparieren, was jahrelang durch falsche Anreize entstanden ist. Erst wird der gymnasiale Bildungsweg zum Königsweg erklärt, anschließend werden die Folgen mit Förderprogrammen und neuen Regelwerken verwaltet.
Weder mehr Härte noch mehr Durchwinken sind die Lösung, sondern die richtige Schulart für die richtige Begabung.
Chancengleichheit bedeutet eben nicht, alle in denselben Bildungsgang zu schicken und sich anschließend über viele gestrandete Mit- und Irrläufer zu wundern. Sie bedeutet, jedem die Chance zu geben, den Weg einzuschlagen, der zu den eigenen Begabungen passt und ihn erfolgreich zu gehen.
Katze schrieb: „Chancengleichheit bedeutet eben nicht, alle in denselben Bildungsgang zu schicken und sich anschließend über viele gestrandete Mit- und Irrläufer zu wundern. Sie bedeutet, jedem die Chance zu geben, den Weg einzuschlagen, der zu den eigenen Begabungen passt und ihn erfolgreich zu gehen.“
Ganz genau!
Mathias Brodkorb (SPD), der ehemalige Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern, und Prof. Klaus Zierer (Erziehungswissenschaftler und Professor für Schulpädagogik) beschreiben es in ihrem aktuellen Buch „Tyrannei der Glsichheit“ so:
1) „Leistung einzufordern ist nicht nur eine Frage der gesellschaftlichen Vernunft, sondern auch eine des Respekts gegenüber jedem einzelnen heranwachsenden Menschen. Es ist Ausdruck der Überzeugung, dass jeder etwas Wichtiges leisten und zugleich über sich hinauswachsen kann, obwohl alle verschieden sind. Es ist der Glaube an den freien Menschen und nicht an ein reines Opfer seiner Lebensverhältnisse.
Gelungene Bildung zielt nicht darauf ab, Gleiche hervorzubringen. Sie versucht stattdessen, durch Bildung den Unterschieden in der Welt und der Würde jedes einzelnen gerecht zu werden.
Die Soziologin Jutta Allmendinger behauptet das Gegenteil: ‚Mehr Bildung führt zu mehr Gleichheit.‘ Besser kann man die Verwirrung des deutschen Gleichheitsdenkens nicht auf den Punkt bringen.
Was sie bei fairer Betrachtung eigentlich meinen dürfte, ist Folgendes: Über je mehr Bildung ein Mensch verfügt, desto besser kann er an der Gesellschaft teilhaben. Da die Menschen aber unterschiedliche Talente, Interessen und Anstrengungsbereitschaft haben, wird gerade ein Mehr an Bildung sie immer zu Ungleichen machen. Und diese ungleichen Menschen können dann zwar besser an der Gesellschaft teilhaben, aber sie werden das trotzdem nie auf dieselbe Weise tun.
Jutta Allmendinger verwechselt also nicht nur Gerechtigkeit und Gleichheit, sondern auch Gleichheit und Teilhabe. […]
Die moralische Anerkennung besonderer Leistungen trotz widriger persönlicher Umstände ist eines der Kernmerkmale guter Pädagogik.“ (S. 147/148)
2) „Gerechtigkeit bedeutet, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln – und das jeweils anhand sachlich begründeter Kriterien.“ (S. 129)
Ähnlich argumentiert Bernhard Schlink in seinem Essay „Gerechtigkeit“:
„Ein Egalitarismus, der Gerechtigkeit mit der Herstellung von Gleichheit und die Herstellung von Gleichheit mit Gleichbehandlung identifiziert, geht fehl.
[…] ebenso unverzichtbar wie Gleichheit und Gleichbehandlung sind für die Gerechtigkeit Ungleichbehandlungen.
Egalitarismus überzeugt nur, wenn er auf Gleichheit als Voraussetzung für die Suche nach Gerechtigkeit setzt, nicht als deren Ergebnis.“
Bernhard Schlink: Gerechtigkeit (Ein Essay). Zürich: Diogenes Verlag 2026 (S. 41/42)
„Tyrannei der Gleichheit“ – absurder geht es kaum, wenn man sich die gesellschaftliche Realität in Deutschland anschaut. Was wollen die Herrschaften denn – eine Ständegesellschaft?
„Ungleichheit in Deutschland: Auch in Deutschland wächst der Superreichtum. 2025 ist die Gesamtzahl der Milliardär*innen um ein Drittel auf 172 gestiegen. Deutschland hat die viertmeisten Milliardär*innen weltweit. Ein*e deutsche*r Milliardär*in verdient in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland. Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardär*innen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar. Die Median-Gehälter von CEOs in Deutschland sind zwischen 2019 und 2024 30-mal so stark gestiegen wie die Reallöhne von Beschäftigten. Gleichzeitig lebt etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut. Und wer arm ist, bleibt arm; wer reich ist, bleibt reich: Generell ist die Chance auf sozialen Aufstieg in Deutschland geringer geworden.“ Gerne hier nachlesen: https://www.oxfam.de/publikationen/bericht-soziale-ungleichheit-2026
Und das hat natürlich auch mit einem Bildungssystem zu tun, das eine Ständegesellschaft abbildet – von wegen „Leistung“. Gerne hier nachlesen: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2026-04-28/soziale-herkunft-entscheidend-fuer-bildungschancen-jungen-im-nachteil
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Redaktion fragte: „Was wollen die Herrschaften denn – eine Ständegesellschaft?“
Nö. Sie weisen darauf hin, dass der Grundfehler darin liegt, Chancengerechtigkeit mit Ergebnisgleichheit zu verwechseln.
Wer tut das denn? Wir kennen niemanden.
Nennt man Strohmann-Argument – man stellt selbst einen Pappkameraden auf und drischt verbal drauf ein.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Redaktion: „Wer tut das denn? Wir kennen niemanden?“
Brodkorb und Zierer nennen als ein Beispiel z.B. den Bildungsökonomen Ludger Wößmann.
Zitat: „Weil ein Mangel an Chancengleichheit empirisch nicht messbar ist, wird er an ungleichen Ergebnissen festgemacht und Gleichheit dadurch insgeheim zum falschen Maßstab.
Der Bildungsökonom Ludger Wößmann zum Beispiel misst mangelnde Chancengleichheit an Schulen wie folgt:
Er vergleicht den Anteil von Kindern aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien an Deutschlands Gymnasien mit dem Anteil aus sozioökonomisch besser gestellten Familien. Während nur rund ein Viertel der Kinder aus dem untersten sozialen Viertel ein Gymnasium besuche, seien es beim obersten fast sechzig Prozent. Hieran werde die Ungerechtigkeit im Bildungssystem deutlich.
Wößmann definiert nun ausdrücklich, Chancengleichheit und damit Bildungsgerechtigkeit sei erst dann erreicht, wenn ‚die Anteile beider Gruppen gleich groß‘ wären oder ihr ‚Unterschied 0 betragen‘ würde. Die Gleichsetzung von Gerechtigkeit und Gleichheit wird von ihm also sogar mathematisch ausgedrückt. Wir haben es auch bei ihm mit einem Fall von methodischem Egalitarismus zu tun. Wößmann behauptet zwar, bloß Chancengleichheit anzustreben und nicht Gleichheit im Ergebnis. Aber er definiert diese Chancengleichheit mathematisch zugleich so, dass sie nur bei gruppenbezogener Ergebnisgleichheit gegeben wäre. Das wäre nur plausibel, wenn alle Menschen mit denselben Begabungen zur Welt kämen und mit der richtigen Förderung auch dasselbe Ergebnis erreichen k ö n n t e n. Allzu häufig schleicht sich also auch in die Wissenschaft das politische Verständnis von ‚Chancengleichheit‘ ein. Schon deshalb sollte auf dieses Wort besser verzichtet werden.“ (Brodkorb/Zierer 2026, S. 50/51)
„Wenn Sozialwissenschaftler untersuchen wollen, ob zwei Faktoren miteinander in Zusammenhang stehen, machen sie eine Korrelationsanalyse. Die Wissenschaft und die Welt verlangen aber nicht nach der Bestätigung für das gemeinsame Auftreten von Tatsachen (Korrelation), sondern nach Beweisen für die Verursachung der einen Tatsache durch die andere (Kausalität). Es gibt jedoch keinen Rechenweg von der Korrelation zur Kausalität.
Egal, wie viele statistische Analysen ein Wissenschaftler auch anfertigen mag, niemals kann aus ihnen ein Beweis für Ursachen werden.“ (Brodkorb/Zierer 2026, S. 53)
Soso, der des Kommunismus eher unverdächtige Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wößmann ist ein „Tyrann der Gleichheit“ und damit Herrscher von Deutschland.
Dabei beschreibt er nur ein Faktum: Bildungschancen hängen in Deutschland maßgeblich eben nicht vom Leistungsvermögen eines Schülers, sondern von seiner sozialen Herkunft ab. Ökonomisch doof für eine Gesellschaft, die sich als Leistungsgesellschaft versteht.
Übrigens: Zierer hat die Hattie-Studie in Deutschland mit herausgegeben – und was Hattie aus internationaler Perspektive vom deutschen Schulsystem hält, hat er unlängst zu Protokoll gegeben: „Das ungerechteste Schulsystem, das ich kenne.“ Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/12/das-ungerechteste-schulsystem-das-ich-kenne-warum-bildungsforscher-hattie-glaubt-dass-deutschland-ohne-bildungsreformen-nie-an-die-pisa-spitze-kommt/
Dazu kann sich Prof. Zierer ja mal äußern. Dass Herr Brodkorb in seiner Amtszeit als SPD-Bildungsminister (gewechselt übrigens von der durchaus des Kommunismus zu verdächtigen PDS) das Gegenteil getan und Standards gesenkt hat, sei hier nur am Rande erwähnt. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2014/03/mecklenburg-vorpommern-vereinheitlicht-leistungsbewertung/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Prof. Wößmann ist doch wohl in erster Linie ein Vertreter der Bildung als „Humankapital“, d.h. der Reduktion von Bildung auf die pure ökonomische Funktion.
Aber ist irgendwo mal dargelegt worden, welche ökonomischen Auswirkungen eine verbesserte Bildungsgerechtigkeit hat? Wo gibt’s denn in der Wirtschaft Gerechtigkeit? Die Unternehmen interessieren sich dafür, dass ihre Mitarbeiter richtig „funktionieren“, da ist es völlig egal, aus welchen Schichten die kommen, ob sie queer sind oder ob sie einen Migrationshintergrund haben. Steigen die Börsenkurse durch mehr Gerechtigkeit? Wirtschaftliche Prosperität kommt nicht von Gerechtigkeit, daher macht es ökonomisch kaum Sinn, die Gerechtigkeit durch institutionelle Maßnahmen zu verbessern. Man muss die wohlklingenden „Buzzwords“ stets trennen von deren wahrer Bedeutung.
Eine forcierte Ungerechtigkeit ist natürlich auch nicht positiv zu sehen.
„Aber ist irgendwo mal dargelegt worden, welche ökonomischen Auswirkungen eine verbesserte Bildungsgerechtigkeit hat?“
Ja. „Bessere Bildung wäre für Deutschland eine der renditestärksten Investitionen überhaupt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Modellrechnung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Demnach könnte das Erreichen klar definierter Bildungsziele Deutschland langfristig eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von knapp 21 Billionen Euro bringen.“ Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/12/milliarden-an-zusaetzlichem-wohlstand-wenn-mehr-junge-menschen-besser-lesen-schreiben-und-rechnen-koennten/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das kenne ich, das ist eine Rechen-Spielwiese, schon wegen der Extrapolation über acht Jahrzehnte. Man argumentiert mit dem durchschnittlichen (!) PISA-Wert, aber nicht damit, wie der zustande kommt. Von der Varianz ist offenbar nicht die Rede. Steigende Durchschnitte mögen sich ja irgendwie ökonomisch auswirken, aber wo wird behauptet, dass eine geringere Varianz bei gleichem Mittelwert sich positiv auf die Wirtschaft auswirken würde? Und eine geringe Varianz (also geringe Unterschiede hinsichtlich Herkunft und anderen Merkmalen) gilt als Kennzeichen von Bildungsgerechtigkeit.
Also: Welche Auswirkung hat die so gemessene Gerechtigkeit als solche, also bei gleichbleibendem Durchschnittswert?
Das gezielte Heranbilden einer Elite hätte doch statistisch denselben Effekt wie eine Verbesserung am unteren Ende.
Jetzt kommen Sie doch nicht mit Standardabweichung und Varianz, wo die allermeisten schon Schwierigkeiten haben, den Unterschied zwischen „Mittelwert“ und Zentralwert zu kapieren.
Oder den Unterschied zwischen „Mindeststandard verfehlt“ und „weniger Punkte erreicht als die Mindestpunktzahl„,
Naja, kritisieren eben Populisten und „Lobbyisten“ andere Bereichsebenen.
Gar nicht so selten …
Wie sieht es denn bei Zierer so aus? Hatte ja doch selbst so einige „Fehltritte“, wofür er sich mal ehrlich(er) machen könnte …
Brodkorb – sehr intelligente Person … Aber auch hier … Ein ehemaliger Bildungsminister, welcher sagt „Autisten als Lehrer haben an der Schule nichts zu suchen“ [sinngemäß – gerne bringe ich die Quelle diesbezüglich nach … Gibt es ja 1:1] und „Geld ist nicht das Problem an Schulen“ … Wenn man weiß, dass er ebenfalls Finanzminister war … Wirkt schon arg populistisch – sorry.
Das „weiß“ er besser … Dazu ist er nämlich eigentlich zu clever.
Das Eingeständnis von (auch eigenem) „Versagen“ und „Ohnmachtgefühl“ hat er wohl nicht so ganz drauf nehme ich an?
Und ja, sorry … Habe etwas „Bias“ denen gegenüber. Wird man auch haben, wenn man sich mit Ihnen etwas … Beschäftigt?
Mein Vorschlag wäre eine zentrale “ Sommerschule“ in den großen Ferien, nach deren Ende ein Examen abgelegt wird. Wer es besteht, wird dann doch noch versetzt. Wegen Personalmangel wären diese Angebote auch zentral, also für mehrere Gymnasien. Die Teilnahme ist aber freiwillig.Es soll eine Chance und ein Hilfsangebot sein, kein Zwang.
Das gibt es doch schon lange. Wer nicht vollkommen abgesackt ist, kann aber der 7. Klasse in NRW eine Nachprüfung am Ende der Sommerferien machen. Um Nachhilfe müssen sich die Eltern halt selbst kümmern, das sind allerdings auch zu einem größeren Prozentsatz genau die Eltern, die sich die 11 Monate vorher im nichts gekümmert haben.
Die Nachprüfung sollte selbstverantwortlich von den Schülern möglich sein, auch ohne Eltern, die im schlechtesten Fall eben nicht supporten, sondern eher sabotieren. Es geht aber auch nur, wenn den Schülern ein Angebot gemacht wird. Ansonsten ist das nur für Jugendliche, deren Eltern ein gut gefülltes Portmonee besitzen.
Das Problem sehen wir ja schon im Kleinen:
Als Ganztagsschule hatte unsere Schule freiwillige Stunden als Lernzeit bzw. zur Bearbeitung von „Hausaufgaben“ angeboten. Die Schüler, die es definitiv nicht brauchten, saßen fleißig im Raum. Diejenigen, bei denen es nötig gewesen wäre, haben stattdessen länger geschlafen.
Oder unser Förderunterricht in Kleingruppen: Wer es am nötigsten gehabt hat, schwänzt lieber!
Oder die Schülerin, die von den Eltern Nachhilfe bezahlt bekommen hat, und dann im Unterricht lieber gar nichts mehr gemacht hat („Ach, das mache ich später 1:1 in der Nachhilfe“)!
Man unterstellt gerne, dass alle Kinder und Jugendlichen immer gerne lernen würden, aber es einfach an den Zuständen liege und wir Lehrer uns einfach nur mehr anstrengen müssten. Das ist nunmal falsch.
Ist in der Päda-Szene eine fest einbetonierte schlicht durch nix gestützte Setzung: „Kinder wollen lernen!!!11“ ist halt schlicht und simpel Unfug, wie so oft auf schlichte Wortverdreherei zurückzuführen…denn offensichtlich meint „Lernen“ (später) verwertbare, meist im wesentlichen kognitive Fähigkeiten.
Und darauf haben Kinder in der Regel (und schon gar in der Masse) natürlich garkeine Lust.
Zeigt sich schon an so simplen Alltagseffekten wie der aufbrandenden Jubelwelle durch das Schulgebäude bei Hitzefrei.
Die Regelungen im länderübergreifenden Versetzungsverfahren, ja selbst im bezirksübergreifenden Versetzungsverfahren innerhalb von NRW sind doch für Angestellte nicht anders.
Aus unserer Erfahrung aus der sozialen Arbeit/Familienhilfe: Schulabbrecher scheitern häufig an Leistungsnachweisen, weil sie die Schule gezielt schwänzen. Lustgewinnung und Frustvermeidung sind da an der Tagesordnung. Soll man diese Schüler mehr oder minder bedingungslos durchwinken? Die Niveaus sanken in den vergangenen Jahren immer mehr – woher sonst kommt die Warnung von Betrieben und Universitäten, dass die ankommenden Absolventen immer weniger können und mitbringen?
Wir können die Ansprüche in der Schule weiter senken, doch sie steigen antiproportional auf dem Arbeitsmarkt. Viele große Firmen setzen inzwischen immer öfter auf eigene Einstellungstests und Assessment-Center, da sie sich nicht mehr auf die Noten in den Zeugnissen verlassen können. Kein Ausbildungsbetrieb holt sich gerne ein Kuckkucksei ins Nest.
Wenn man Jugendlichen vermittelt, dass man nur mit Leistung weiterkommt – und die fleißigen belohnt, anstatt die anderen immer mehr zu pampern, würde dies auch den späteren Betrieben zu Gute kommen. Mit dem Kuschelkurs der letzten Jahre ist jedenfalls nichts besser geworden – obwohl dies stets versprochen wurde. Ich bin froh, dass hier langsam ein Umdenken einzusetzen scheint.
„Lustgewinnung und Frustvermeidung sind da an der Tagesordnung.“ Wer solche Sozialhelfer hat, braucht wohl keine Feinde mehr.
Schon mal die Umstände reflektiert, in denen Kinder leben müssen, deren Eltern Besuch von Sozialarbeitern bekommen? Wenn die alle so gesund, motiviert und problemfrei wären, wie Sie’s von ihnen verlagen – bräuchte es Ihren Berufsstand ja nicht. Gerne hier nachlesen: https://www.dji.de/veroeffentlichungen/aktuelles/news/article/wie-von-armut-betroffene-kinder-und-jugendliche-ihre-situation-wahrnehmen.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ja, das hatten wir ja schon öfter. Ich muss natürlich exakt Ihrem Bild entsprechen, um ein guter Sozialpädagoge zu sein. Ich verlange von den Familien und Jugendlichen gar nichts – bis auf Mitwirkung und das Einhalten von Absprachen und Verabredungen. Fehlt diese Bereitschaft, können wir eben einfach nichts machen. Ein Arzt kann die Therapie nur verordnen. Hingehen und durchhalten muss der Patient allerdings selbst.
Sie möchten zudem aus jedem Fall, insbesondere beim Schwänzen, einen psychologischen Notfall machen, was sich in 85% der Fälle nicht mit unseren Erfahrungen deckt.
In den Fällen der Sozialarbeiter*innen im Kinderschutz, die uns berichten, gibt es keine massiven Probleme wie Schulverweigerung ohne Vorgeschichte.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Natürlich gibt es immer eine Vorgeschichte. Nur lautet die häufig „falsche Erziehung“, „falsche Freundeskreise“ oder „mangelnde Konsequenzen“. Wir können die Kreise gerne zum Erwachsenenleben weiterziehen: Warum gibt es Menschen, die partout nicht arbeiten wollen? Warum gibt es hingegen Menschen, die von der Grundsicherung leben, aber zeitgleich schwarzarbeiten? Wieso gibt es etliche Menschen, die sich durch kriminelle Aktivitäten zu einem Einkommen bringen, unter anderem durch Steuerhinterhziehung?
Sie würden jetzt sicherlich wieder ausschließlich externe Gründe vorbringen: Zu geringer Mindestlohn, psychische Probleme im Kindesalter etc. Was komplett ausgeblendet wird: Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen mit den Entscheidungen, die er selbst getroffen hat.
Ja, das eine sind Kinder, das andere sind Erwachsene. Aber all diese Erwachsenen waren einmal Kinder.
Dann ist ein Kind, das in Armut leben muss und wenig Chancen für sich sieht, nur „schlecht erzogen“?
Das wirft die entscheidende Frage auf: Warum sind Sie bloß Sozialarbeiter geworden? Wenn Sie wirklich die in Ihren Posts präsentierte Einstellung hegen, dass Menschen schlicht so (verdorben) sind, wie Sie sie wahrnehmen und sich daran auch nichts ändern lässt, müssen Sie sehr unglücklich in Ihrem Beruf sein. Dummerweise Ihre Klientel gleich mit.
Nur mal so: „Ein Aufwachsen in Armut ist als bedeutsamer Risikofaktor für die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen anzusehen. Kinder erwerbsloser oder psychisch kranker Eltern, Kinder alleinerziehender Mütter oder Väter, fremdplatzierte Kinder und Jugendliche sowie solche mit Migrationshintergrund sind aufgrund ihrer belastenden Lebensumstände besonders gefährdet, eine psychische Störung zu entwickeln. (..)
Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird durch sozioökonomische Faktoren, zu denen neben dem Einkommen einer Familie auch die Bildung, die Gesundheit und der Erwerbsstatus der Eltern zählen, determiniert. Die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys „KiGGS“ des Robert Koch-Institutes (RKI und BZgA 2008) sowie der durch die Weltgesundheitsorganisation geförderten internationalen Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behavior in School-aged Children“ (Moor et al. 2012) und andere Erhebungen zeigen, dass Kinder, die unter schlechten sozioökonomischen Bedingungen aufwachsen, einen schlechteren Gesundheitszustand sowie schlechtere Gesundheitsverhaltensmuster aufweisen und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.
Neben Entwicklungsverzögerungen und Problemen aufgrund unkorrigierter Sinnesdefizite (Hör- und Sehstörungen) sind Kinder aus sozial schwachen Familien auch häufiger durch Sprachstörungen, Ernährungsstörungen (insbesondere Adipositas) und psychische Störungen im engeren Sinne belastet (Klocke und Lampert 2005). Nach der zweiten Folgeerhebung der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „KiGGS Welle 2“ (Kuntz et al. 2018) des Robert Koch-Institutes sind Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen vermehrt von psychischen Auffälligkeiten, die Verhaltensprobleme, emotionale Probleme, Aufmerksamkeitsstörungen/Hyperaktivität (z. B. das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom; ADHS ) oder Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen umfassen, betroffen als Kinder aus finanziell abgesicherten familiären Verhältnissen. Während insgesamt etwas mehr als ein Viertel (26,0 %) der Kinder und Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Status von ihren Eltern im Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) als psychisch auffällig eingestuft worden sind, trifft dies auf rund ein Sechstel (16,1 %) der Kinder und Jugendlichen aus Familien mit mittlerem Sozialstatus und ein Zehntel (9,7 %) der Heranwachsenden aus Familien mit hohem Sozialstatus zu. Die Existenz dieses sogenannten sozialen Gradienten zeigte sich bei Mädchen und Jungen gleichermaßen.
Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status haben mit 6,0 % gegenüber 2,9 % rund doppelt so häufig jemals eine ADHS-Diagnose durch einen Arzt oder Psychologen erhalten als Gleichaltrige mit hohem sozioökonomischem Status (Kuntz et al. 2018). Neben der erhöhten Betroffenheit von Hyperaktivitätsproblemen in Familien mit niedrigem Sozialstatus zeigte die Basiserhebung sowie die Folgeerhebung der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „KiGGS“ zudem, dass bei Kindern und Jugendlichen aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status ebenfalls das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Probleme erhöht ist (Hölling et al. 2014).
Laubstein et al. (2016) analysierten 59 deutsche Studien, die sich mit den Folgen von Kinderarmut befassen. Ein Teil der armen Kinder und Jugendlichen leidet nicht nur an einem Mangel an existenziellen Gütern, sondern wächst auch in sozialer Isolation auf und ist von emotionalen und sozialen Problemen betroffen. Wird der Einfluss der sozialen familiären Situation hinsichtlich des Entwicklungsstadiums der Kinder und Jugendlichen betrachtet, zeigt sich, dass negative Folgen für die kindliche Entwicklung im Vorschulalter insbesondere durch eine sinkende Zuwendung der Eltern sowie reduzierte gemeinsame Aktivitäten zu erwarten sind. Daten der AWO-ISS-Studien (Holz et al. 2005) belegen, dass Familienaktivitäten im Vorschulalter mitentscheidende Einflussfaktoren für die kindliche Entwicklung sind. Verfügen die Eltern nicht über die finanziellen Möglichkeiten, Unternehmungen wie beispielsweise Ausflüge zu ermöglichen, wirkt sich dies negativ auf die Entwicklung und das Wohlergehen dieser Kinder aus. Eine familiäre Einkommensarmut beeinträchtigt das psychische Wohlbefinden mit zunehmendem Alter der Kinder, weil soziale Vergleiche dann eine stärkere Bedeutung haben. Bei Jugendlichen wird das subjektiv wahrgenommene gesundheitliche Wohlbefinden insbesondere durch den Zugang zu materiellen und damit einhergehenden sozialen Ressourcen beeinflusst (von Rueden et al. 2006).
In Längsschnittstudien zeigte sich, dass das Auftreten psychischer Störungen umso wahrscheinlicher und die Erkrankung umso intensiver ist, je länger Kinder von Armut betroffen sind. Verbessert sich die finanzielle Situation der Familien, werden bei ihren Kindern weniger psychische Störungen neu diagnostiziert und bereits erkrankte Kinder können leichter behandelt werden. Diese Effekte konnten vor allem auch bei Verhaltensauffälligkeiten oder Aggressivität beobachtet werden (Reiss 2013).
Neben einem niedrigen sozioökonomischen Status einer Familie gibt es noch weitere psychosoziale Faktoren, die mit einer erhöhten Prävalenz von psychischen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter einhergehen. Zu diesen weiteren psychosozialen Risikofaktoren zählen insbesondere das Aufwachsen in einem Alleinerziehenden-Haushalt sowie die psychische Erkrankung eines Elternteils. Unabhängig von dem Einfluss der jeweilig vorliegenden Risikofaktoren auf die kindliche Entwicklung zeigt sich, dass mit oftmalig kumuliertem Auftreten mehrerer Risikofaktoren (wie z. B. der häufig niedrige sozioökonomische Status Alleinerziehender) auch der Anteil der Kinder deutlich steigt, die Hinweise auf psychische Auffälligkeiten zeigen (Ravens-Sieberer et al. 2007).“ Quelle: https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/psychiatrie-und-psychotherapie-des-kindes-und-jugendalters/armut-als-risikofaktor-in-kindheit-und-jugendalter?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-49289-5_50
Aber klar, „falsche Erziehung“.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ach, @ Redaktion –
Wo sich H.Vehrenkampf schon
incorona so deutlich “ Schulen öffnen, alles übertrieben……. “ für die Grundbildung der SuS einsetzte. ( Ironie)
Scheinbar erinnert sich keiner mehr und nun versucht er eben wieder mit eisernem Besen zu fegen.
Leider erlebe ich gerade wieder, wie ein ähnlich getakteter Kollege einfache Wege gehen will.
Allerdings: als auch dieser meinte, WIR sind der Ansicht ! wagte ein anderer Kollege zu sagen: wer ist wir ?
Vlt verarbeitet H. Vehrenkamp hier im Forum ja auch seine schmerzvollen Misserfolge – genauso vehement wie incorona mit seinem: alles falsch, jede Maßnahme unnötig, Ihr seid ja alle blöd…….
Schön, dass Sie sich erinnern. Tatsächlich trat nach Corona vieles ein, was ich prophezeihte. Noch heute „zehren“ wir von Jugendlichen, die sich in der Pandemie zurückhalten mussten und wahrhaft psychische Probleme entwickelten. Im Nachgang wurden viele der Maßnahmen als übertrieben bewertet. Diese Dinge gingen offensichtlich beim Erstellen Ihres Beitrages verloren. Als Misserfolg würde ich das nicht werten, sondern eher als nachlässig, dass kritische Stimmen wie meine wenig Gehör fanden.
….“Viele [Kinder,Jugendliche] haben Wege gefunden, wie sie mit der Pandemie umgehen und neue Kompetenzen entwickelt“, sagt Zartler. Und viele würden die Pandemie als einen Teil ihrer Biografie akzeptieren: „Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre, wäre ich nicht die Person, die ich jetzt bin“, „Das gehört jetzt zu mir“, waren Sätze, die Jugendliche in den Gesprächen mit Soziologin Zartler gesagt haben.“….
[…] Aber es gibt eben einen relevanten Teil an Kindern und Jugendlichen – jede und jeder Fünfte –, der aktuell Probleme hat. „Und um diese Gruppe müssen wir uns kümmern“, sagt Psychotherapeut Schmitz.
Qualität der Schulen und Kitas verbessern
Wer an Maßnahmen in der Schule denkt, wird vielleicht erst mal vorschlagen, psychische Gesundheit als Schulfach einzuführen oder zumindest im Unterricht zu thematisieren. Das könne aber höchstens eine Hilfe sein, so Schmitz. „Solche Angebote dürfen kein Alibi sein“, sagt der Psychotherapeut. „Wir können nicht mit den Kindern und Jugendlichen über psychische Gesundheit reden und an den Bedingungen, die die psychische Belastung auslösen, nichts ändern, sondern wir müssen an die Ursachen ran.“ […]“Viele haben Wege gefunden, wie sie mit der Pandemie umgehen und neue Kompetenzen entwickelt“, sagt Zartler. Und viele würden die Pandemie als einen Teil ihrer Biografie akzeptieren: „Wenn die Pandemie nicht gewesen wäre, wäre ich nicht die Person, die ich jetzt bin“, „Das gehört jetzt zu mir“, waren Sätze, die Jugendliche in den Gesprächen mit Soziologin Zartler gesagt haben.
Aber es gibt eben einen relevanten Teil an Kindern und Jugendlichen – jede und jeder Fünfte –, der aktuell Probleme hat. „Und um diese Gruppe müssen wir uns kümmern“, sagt Psychotherapeut Schmitz.
Entnommen aus einem Quarks- Artikel
Eigentlich logisch.
Mit Unterstützung schafften Kinder es leichter, ohne oder mit angeschlagenen Erwachsenen führte die Pandemie/ wie jede andere Katastrophe zu Folgen.
Umso wichtiger wäre ein Einsatz durch Ihren Berufsstand gewesen.
Als wir bereits wieder im Klassenzimmer standen, waren bei uns Soz/Päds, Jugendamt…..nur im Amt hinter Glas (wie auch andere Ämter) evtl telefonisch zu erreichen.
Das, was Sie derzeit (über)fordert sind wohl knallhart auch Folgen der Zurückhaltung Ihrer Profession.
Quelle
Kinder und Jugendliche: Welche Spuren hat die Pandemie hinterlassen? – quarks.de https://share.google/1WCQGrdNCjkOXJ5ed
Ich finde es auch immer wieder spannend, die Kommentare zu alten Artikeln hier noch einmal mit Abstand zu lesen. 🙂
„Wer solche Sozialhelfer hat […]“
Vergessen Sie bitte nicht, dass auch manch‘ Sozialhelfer aufgrund seiner Lebensumstände (z.B. in seiner Kindheit) einfach nicht anders kann.
Sorry, da hält sich unser Verständnis doch in Grenzen – Kinderhasser sollten keine Lehrer werden und Menschenhasser keine Sozialarbeiter.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ein Menschenhasser bin ich also in Ihren Augen. Nunja, mit dieser Sichtweise einer mir menschlich unbekannten Redaktion kann ich leben. Sehr viele Familien und Jugendliche haben mir in 15 Jahren soziale Arbeit schon das Gegenteil gezeigt und rückgemeldet. Die sind eher mein Maßstab als Ihre Einlassungen gegenüber jemandem, der nicht ihrem Weltbild entspricht.
Wir haben nicht geschrieben, dass Sie ein Menschenhasser sind – wissen wir nicht, wir kennen Sie nicht. Wir reagieren nur auf Ihre Posts. Und die lassen nichts Menschenfreundliches erkennen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Fragen Sie mal Psycholog*innen, ob man @Rüdiger Vehrenkamps so interpretieren muss, wie Sie es tun.
In der Psychologie spricht man immer davon, dass eine Verhaltensweise einen „guten“ Grund hat. Objektiv betrachtet ist der Grund natürlich nicht gut, aber für die Betroffenen eben schon.
Und so muss man die Begriffe „Lustgewinn“ und „Frustvermeidung“ hier auch lesen. Ich denke, Sie wissen das eigentlich auch, wollen @Rüdiger Vehrenkamp aber offensichtlich in ein schlechtes Licht rücken, indem Sie die ihm sogar wie einen Feind der Betroffenen darstellen.
Dabei ist seine Analyse doch zutreffend. Die Gründe für die Verhaltensweise sind die genannten, die Ursachen liegen aber woanders.
Sozialarbeiter werden vom Staat dafür bezahlt, an die Ursachen zu gehen – Probleme nicht lösen kann die Klientel allein; dafür muss man kein Steuergeld ausgeben.
„Rüdiger Vehrenkamp“ nutzt seine (angeblichen) Erfahrungen im Beruf des Sozialarbeiters hier immer wieder, um sein menschenunfreundliches Weltbild und seine autoritären Botschaften zu legitimieren. Wir halten – aus guter Kenntnis des Berufsstands – dagegen: Das ist nicht der Sinn von Sozialarbeit.
Um eins klarzustellen: Selbstverständlich gehört zur Sozialarbeit auch, Klienten zu fordern – im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Die sind aber nunmal limitiert (sonst wären es ja keine Klienten von Sozialarbeitern). In der Sozialarbeit muss es also zunächst darum gehen, Eigenverantwortung schrittweise aufzubauen – schon gar, wenn es sich um von Armutsfolgen betroffene Kinder handelt. Davon haben wir von „Rüdiger Vehrenkamp“ in seinen Dutzenden Posts hier – trotz etlicher Aufforderungen durch uns – noch nie etwas gelesen. Stattdessen kommen immer wieder platte Etiketten wie „faul“ oder „leistungsverweigernd“.
Wir würden da mal sagen: Wie man in den Wald hineinruft…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich lese @Rüdiger Vehrenkamp nicht so, wie Sie es tun.
Er nennt Gründe für Verhaltensweisen („faul“ oder „leistungsverweigernd“).
Was er leider nicht schaffen kann, ist die Ursachen beseitigen, weil er dazu weder die Befugnis, noch die Kapazitäten hat.
Ich habe den Eindruck, dass Sie die Zustände gar nicht kennen. Lesen Sie die Beiträge doch mal genauer, nicht durch die „@Rüdiger Vehrenkamp schreibt immer so böse über die Kinder“-Brille.
Wir im Bereich Erziehung und Bildung sind doch auch alle etwas psychologisch geschult, um zu erkennen, dass es einer sehr intensiven Arbeit (am besten jeden Tag mehrere Stunden 1:1), um tatsächlich etwas bewirken zu können.
Sozialarbeit und Schule können unter den gegebenen Umständen nicht das bewirken, was wir alle gern hätten. @Rüdiger Vehrenkamp beschreibt in der Regel die Gründe dafür, dass wir kaum etwas bewirken können.
Mich befremdet es, dass Sie alles mit „Das ist böse“ vom Tisch wischen, das nicht in Ihr Weltbild passt. Sie rufen da übrigens auch etwas in den Wald hinein.
„Faul“ ist keine Ursache für soziale Probleme – wer das ernsthaft glaubt, hält auch Frauen für gefühlsgesteuert und psychisch Kranke für „irre“. Antriebslosigkeit ist ein Symptom.
„Sozialarbeit und Schule können unter den gegebenen Umständen nicht das bewirken, was wir alle gern hätten.“ Es gibt auch self fulfilling prophecies: Wenn ich Negatives erwarte (und mich entsprechend wenig für einen Erfolg engagiere) – wird das Ergebnis auch negativ sein.
Und selbst wenn es so wäre (dass „Rüdiger Vehrenkamp“ gerne mehr Menschen aus ihrer Not helfen würde), macht es durchaus einen Unterschied, ob er für sein Scheitern dann die nachweislich schlechte Ressoucenausstattung des Systems verantwortlich macht – oder seine Klientel.
Noch ein Punkt: Sozialarbeiter sind keine Lehrkräfte. Zu ihrem Berufsbild (anders vielleicht als dem von Lehrern) gehört die Ursachenanalyse für soziale Probleme schon dazu.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Man kann es zum besseren Verständnis unter dem Begriff „faul“ o.ä. subsummieren.
Man kann es auch kompromittierten Selbstwert nennen. Damit werden aber die wenigsten etwas anfangen können.
Ebenso fehlt sehr vielen Menschen das Verständnis dafür, dass man das nicht einfach so oder im Prinzip auch gar nicht von außen beheben kann.
Was man in der Kinder- und Jugendarbeit machen kann, ist (Beziehungs) Angebote zu unterbreiten, die Kinder und Jugendliche in ihrem Elternhaus oder auch weiteren Umfeld nicht bekommen und dann kann man hoffen, dass sich dadurch irgendetwas in Bewegung setzt und damit hat es sich weitestgehend.
Unser dysfunktionales Anreizsystem tut da auch das Übrige, wie ich schon häufiger betont habe.
Sie haben eine sehr einseitige Sichtweise auf die Problematiken „da draußen“ und blenden stets das aus, was wir versuchen aufzubauen: Eigenverantwortung. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich erwarten nicht das Negative – wir beobachten es Tag für Tag. Häufig sind es die kleinen Stellschrauben, die in den Familien schon etwas ändern würden. Wenn ich die Schuld für alle Missstände aber nie bei den Einzelpersonen, sondern immer nur im System suche, dann sind Sie näher an unserem Klientel als angenommen. Es ist leichter die Schuld im Außen zu suchen, anstatt im Dunstkreis des eigenen Wirkens. Mit „die anderen sind schuld an meiner Lage“ brauche ich wenigstens nichts zu ändern. Tut mir leid, aber mit einer solchen Sicht auf die Welt, ist keiner einzigen Familie geholen.
Was für eine Rolle spielt denn „Schuld“ in der Sozialarbeit – welche „Schuld“ hat ein Kind auf sich geladen, das in Armut aufwachsen muss?
Sind Sie Richter oder Sozialarbeiter?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Einzahl von Schulden ist vermutlich gemeint?
Kausalität von Bildungsabschluss und Kontenstand – oder so.
Ist ein heranwachsender Mensch nie selbst für etwas verantwortlich oder bis zu einem gewissen Grad schon?
Von Ihrem Post ausgehend müsste Ihre Antwort lauten, dass Heranwachsende nicht für ihr eigenes Verhalten verantwortlich, sobald sie in Armut aufwachsen.
Es geht um Entwicklungen, die von Sozialarbeitern in Gang gebracht werden sollen – bei Menschen, die Verantwortlichkeit bzw. Eigenverantwortlichkeit nie gelernt haben (sonst bräuchten sie ja keinen Sozialarbeiter). Im Verlauf eines solchen Prozesses können Sie schrittweise fordern. Aber doch nicht am Anfang.
Wenn „Rüdiger Vehrenkamp“ Menschen als „faul“ oder „schlecht erzogen“ etikettiert, und behauptet, es müsse eine intrinsische Motivation vorhanden sein – dann setzt er voraus, was erst Ergebnis sein kann.
Sie erwarten auch nicht von einem Erstklässler, dass er den Faust interpretiert – oder?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wo schreibe ich denn, dass ich das von Anfang an voraussetze, wenn wir in die Familien gehen? Wer jedoch null intrinsische Motivation entwickelt, weil er alles, was außerhalb seiner Komfortzone stattfindet, als anstrengend bezeichnet, den bezeichne ich als faul. Und ja, solche Leute gibt es.
„„Faul“ ist keine Ursache für soziale Probleme“
Theoretisch schon, aber das habe ich gar nicht behauptet. Ich schrieb von „Lust“ oder „Frustvermeidung“ als Gründe für Verhaltensweisen. Kinder vermeiden Frust, indem sie etwas nicht tun, also „faul“ sind und „Leistungen verweigern“. Ich habe nicht „Faulheit“ als Ursache bezeichnet.
Die Ursachen für die Probleme sind uns allen klar. Die können Sozialarbeiter*innen aber in der Regel nicht beheben, weil sie dazu weder die Befugnis noch die Kapazitäten haben, um den Kreis zu brechen.
Hier ein passendes Zitat von @GBS-Mensch, mit dem ich sehr oft über Kreuz liege, aber hier stimme ich zu 100% zu: „Was man in der Kinder- und Jugendarbeit machen kann, ist (Beziehungs) Angebote zu unterbreiten, die Kinder und Jugendliche in ihrem Elternhaus oder auch weiteren Umfeld nicht bekommen und dann kann man hoffen, dass sich dadurch irgendetwas in Bewegung setzt und damit hat es sich weitestgehend.“
Wenn @Rüdiger Vehrenkamp manchmal etwas harsch klingt, so liegt das sicherlich daran, dass er genau das („und damit hat es sich weitgehend“) jeden Tag erlebt, vermute ich.
„Ich habe nicht ‚Faulheit‘ als Ursache bezeichnet.“ „Rüdiger Vehrenkamp“ aber.
„Die können Sozialarbeiter*innen aber in der Regel nicht beheben.“ Wieso nicht? Wofür braucht es denn Sozialarbeit, wenn Sozialarbeiter Menschen nicht bei der Lösung von Problemen helfen können/wollen?
„Wenn @Rüdiger Vehrenkamp manchmal etwas harsch klingt, so liegt das sicherlich daran, dass er genau das („und damit hat es sich weitgehend“) jeden Tag erlebt“ – könnte am Beruf liegen.
Und was das Prinzip Hoffnung angeht: Wir reden hier nicht über ehrenamtliche Helfer, die mal ein bisschen herumhelfen. Es geht um ein professsionelles Netzwerk von rund 700.000 Beschäftigten in Deutschland, die in der Sozialen Arbeit beschäftigt sind. Wenn die alle nicht so recht wüssten, was sie tun – wäre das ein Armutszeugnis.
Zum geforderten Selbstverständnis: „Soziale Arbeit basiert auf fachlicher Qualifikation, ethischen Grundsätzen und dem Respekt vor der Würde jedes Menschen. Die professionelle Haltung von Sozialarbeiter:innen ist ein zentrales Element ihrer Arbeit und weit mehr als fachliches Wissen – sie prägt den Umgang mit Klient:innen, Institutionen und der Gesellschaft. Diese Haltung basiert auf Respekt, Empathie, Menschenwürde und Gerechtigkeit. Sozialarbeiter:innen begegnen den Menschen auf Augenhöhe, unabhängig von Herkunft, Lebensstil oder sozialem Status. Sie verstehen sich nicht als ‚Retter:innen‘, sondern als Begleiter:innen, die die Ressourcen und Potenziale der Klient:innen stärken. Zentrale Prinzipien sind dabei Parteilichkeit für Benachteiligte, Vertraulichkeit, Selbstbestimmung und die kritische Reflexion der eigenen Rolle im Spannungsfeld zwischen Hilfe, Kontrolle und gesellschaftlichen Strukturen. Eine professionelle Haltung verlangt Mut, Klarheit und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.“ (Hervorhebungen von uns.) Quelle: https://ngowork.de/soziale-arbeit-in-deutschland/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Die können Sozialarbeiter*innen aber in der Regel nicht beheben.“ Wieso nicht? Wofür braucht es denn Sozialarbeit, wenn Sozialarbeiter Menschen nicht bei der Lösung von Problemen helfen können/wollen?“
Sie haben eine seltsame Vorstellung von Sozialarbeit. Sozialarbeit hilft bei akuten Problemen, indem sie Menschen durch Beratung durchs Hilfesystem navigiert und sie dabei unterstützt Hilfen zu akquirieren.
So kann ein Sozialarbeiter eines wohnungslosen Junkies beim Stellen eines Grundsicherungsantrags Helfen, einen Platz in einer Notunterkunft organisieren und Sucht- oder Entzugskliniken vorstellen oder dort Termine vereinbaren.
Was der Sozialarbeiter nicht kann, ist zu verhindern, dass sich der Süchtige seine Grundsicherungsleistung, zu der er ihm verholfen hat, innerhalb von drei Tagen in den Arm jagz oder ihn in die Entzugsklinik zwingen.
Ganz erst recht kann er nicht mit dem Zauberstab fuchteln und die Sucht oder dessen Ursachen beseitigen.
Genauso wenig kann Herr Vehrenkamp dysfunktionale Familien und deren Verhaltensmuster oder psychologischen Strukturen heilen.
Kurz gesagt: Man kann andere Menschen nicht ändern!
Menschen sind nicht veränderbar – junge auch nicht? Menschen sind „dick“, „dumm“, „faul“, „süchtig“, „gewalttätig“ (oder eben das Gegenteil) von ihrer Kindheit an bis zum Sterbebett? Wow.
Dann können wir uns zwei Millionen Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst in Deutschland sparen. Hätte man Sie und „Rüdiger Vehrenkamp“ mal gleich gefragt. (Spaß.)
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich schrieb, dass man andere Menschen nicht ändern kann.
Wie oft habe Sie denn schon die Persönlichkeitsstruktur, psychologische Tiefenstruktur oder Verhaltensmuster anderer Menschen geändert? Veraten Sie mir gerne das Geheimnis.
Sie können einmal spaßeshalber versuchen eigene innere Strukturen zu ändern.
Sie werden lachen: schon öfter. Als Schüler faul – im Beruf fleißig. Als Teenager dick – als Erwachsener sportlich. Jahrelang depressiv – später geheilt. Gibt’s milliardenfach auf diesem Planeten.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Gibt’s milliardenfach auf diesem Planeten.“
Dann googeln Sie einmal den Begriff „Rückfallquote“ und klicken sich ein bisschen durch. Ihre Milliarden sind dort wohl nicht abgebildet.
Und da sind nur diejenigen abgebildet, die es versucht haben bzw. die „erwischt“ wurden.
Aber in der Schule „faul“ und beim Fußball etc. fleißig gibt es tatsächlich häufiger. Womit das dann wohl zusammenhängen könnte?
Mit Selbstwirksamkeitserleben. Darin liegt übrigens auch der Schlüssel, wie und warum Menschen sich verändern. „Es gibt ein ganzes Arsenal an Strategien und Impulsen, um das eigene Gefühl des Wirksamseins zu fördern und zu steigern. (…) Es ist wichtig zu betonen, dass Selbstwirksamkeit als Überzeugung erlernbar ist und durch gezielte Interventionen gestärkt werden kann. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann dazu beitragen, dass man bereit ist, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.“ Gerne hier nachlesen: https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/motivation/der-glaube-an-sich-warum-selbstwirksamkeit-wichtig-ist/
Und diesen Prozess zu fördern – ist Aufgabe von Sozialarbeit.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Tun wir. Aber nicht jeder Klient ist bereit, in diesen Prozess einzusteigen.
Das ist jetzt absolut böse, aber Abdul Ballout hat auch Selbstwirksamkeit erfahren….durch sein Attentat….
Richtig – genau das ist der Punkt. Wenn Kinder und Jugendlichen keine Chance für sich sehen, konstuktiv selbstwirksam zu sein – dann werden sie halt destruktiv selbstwirskam.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
So, wie ich das den Medien entnehmen konnte, hatte ein konstruktiver Einfluss von außen auch nie eine Chance…..durch z.B. familiäre Strukturen (Onkel radikaler Iman in der salafistischen Ecke)…..
Selbst die Leute (Thomas Mücke) von dem Programm für „Aussteiger“ und Deradikalisierung sahen da überhaupt keine Perspektive und wollten ihn auch nicht in das Programm aufnehmen….Herr Mansour hielt wegschließen für das Mittel der Wahl….
Es geht um Prävention. Herzliche Grüße Die Redaktion
Offenbar waren hier präventive Maßnahmen vollkommen zwecklos…..denn die Eltern haben ja alle Hilfsangebote abgelehnt…..gegen Eltern kommt Schule nicht an, egal, wie sehr sie sich bemüht……
Sehe ich leider zu oft. Die Schule, die Schulsozialarbeit, die SoFas, die OGS machen Angebote, versuchen zu intervenieren, versuchen zu beraten, vorzuschlagen, arbeiten mit dem Kind und Eltern entziehen sich, arbeiten aktiv dagegen, sehen die Notwendigkeit nicht, lehnen ab, geben Einwilligungen nicht…..all in all können wir dann nicht erfolgreich präventiv arbeiten….
Nach (nicht nur) unserer Wahrnehmung hapert es allzu oft an einer fehlenden Vernetzung zwischen Jugendämtern und Schulen. Gerne hier nachlesen: https://www.kinderschutz-in-nrw.de/fachinformationen/kompetenzzentrum-kinderschutz-nrw/aktuelle-projekte-und-angebote/interdisziplinaere-kooperation-in-der-kommunalen-praxis/expertinnenrunde/ergebnisse-auf-der-makroebene/?utm_source=chatgpt.com
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das Problem sehe ich auch. Eine Zusammenarbeit mit dem JA ist oft ein ganz schwieriges Feld. In den letzten Jahren habe ich mich mehr als einmal mit diesen Mitarbeitern gefetzt, denn wenn die Hütte brennt, neigen sie dazu einen Alleingang hinzulegen, der Kollateralschäden hinterlässt……
Die Prävention hier wäre gewesen, den Jungen in 1. Klasse aus der Familie zu nehmen.
Womöglich. Oder die Familie zu unterstützen. Da trauen wir uns keine Ferndiagnose zu. Herzliche Grüße Die Redaktion
Wie unterstützt man eine Familie, die keine Hilfe annimmt = nicht kooperiert?
Wie fängt man einen Straftäter, der sich nicht fangen lassen will? Herzliche Grüße Die Redaktion
Mit (unmittelbarem) Zwang und drastischen Eingriffen in Grundrechte (Haftbefehl, Durchsuchungsbeschluss etc.)
Das wollen Sie in der Sozialarbeit wohl nicht?
Doch, durchaus – wenn es um Kindeswohlgefährdung geht.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Dann müsste Kindeswohlgefährdung endlich mal ganz genau definiert werden. Ich gehe davon aus, dass der Attentäter immer satt und sauber war und nicht geschlagen oder missbraucht wurde. Das einzige nachweisbare war wohl der Schulabsentismus, aber das reicht wohl nicht für eine Kindeswohlgefährdung. Außer du-du-du passiert da meist nicht viel, Sozialarbeiter können nur Hilfe anbieten. Wird die nicht angenommen, dann wars das.
„Ich gehe davon aus, dass der Attentäter immer satt und sauber war und nicht geschlagen oder missbraucht wurde.“
Wieso? Hat ja offenbar niemand gecheckt.
„Sozialarbeiter können nur Hilfe anbieten. Wird die nicht angenommen, dann wars das.“ Sorry, das ist Unsinn – selbstverständlich können Sozialarbeiter im Kinderschutz auch anders.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Was denn genau?
Nur, wenn ein* Richter*in etwas anordnet.
Das stimmt so nicht.
„Wenn Eltern Hilfen nicht annehmen wollen oder trotz Unterstützung nicht ausreichend für ihre Kinder sorgen können, dann kann ein Jugendamt bei akuter Gefahr selbst kurzfristig – auch gegen den Willen der Eltern – die notwendige Hilfe für ein Kind organisieren: Es kann ein Kind vorübergehend aus der Familie nehmen und sicher unterbringen. Voraussetzung für eine sogenannte ‚Inobhutnahme‘ ist immer, dass eine tatsächliche Gefahr für das Kind besteht oder Kinder und Jugendliche selbst darum bitten, nicht mehr nach Hause zurückkehren zu müssen.
Wenn Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten und ihre Kinder ausreichend zu schützen und zu versorgen, muss das Jugendamt das Familiengericht einschalten. Das Familiengericht entscheidet dann, ob Eltern zur Mitwirkung verpflichtet werden oder ob Eingriffe in das Sorgerecht oder auch eine Herausnahme des Kindes notwendig sind.“ Gerne hier nachlesen: https://www.unterstuetzung-die-ankommt.de/de/das-machen-wir/fuer-alle/kinderschutz/#was-macht-das-jugendamt-wenn-es-erfahrt-dass-kinder-oder-jugendliche-gefahrdet-sind-33665101
Herzliche Grüße
Die Redaktion
So, wie ich die Dame vom Jugendamt in der Fortbildung an unserer Schule verstanden habe, passiert das dann aber nicht oft. Sie hat immer wieder auf das Gericht verwiesen. Die Eltern können ja auch rechtlich dagegen vorgehen.
Eine Inobhutnahme muss in aller Regel zeitnah richterlich überprüft werden.
Ebenso, wie ein andauernder Freiheitsentzug im Strafrecht zeitnah richterlich überprüft werden muss.
Und dann wird eine juristische Prüfung anhand der Kriterien, wie ich sie hier an anderer Stelle gepostet habe, durchgeführt:
„gegenwärtig“, „in hohem Maß vorhandene Gefahr“, „erhebliche Schädigung“ mit „hinreichender Wahrscheinlichkeit“.
Das sind vier Prüfkriterien, die alle erfüllt sein mûssen.
Und ein bisschen Gewaltneigung und ein bisschen Schulabstinenz reichen dafür sicherlich nicht aus!
Das ist auch schon insofern plausibel, weil sich sich sonst wesentlich mehr Kinder in staatlicher Obhut befinden müssten.
Im letzten Jahr gab es rund 57 000 Inobhutnahmen bei 15 Millionen Minderjährigen.
Das ist ungefähr jeder 250. Minderjährige.
30 Prozent davon, ungefähr 19 000 gingen auf eingereiste Minderjährige zurück.
Von den übrigen Fällen führte es in ca. 15 000 Fällen zu gerichtlichen Sorgerechtsentscheidungen. Das wäre dann eine Quote von weniger als 50 Prozent.
… und wie kann man das „checken“, wenn dem Kind nichts anzusehen ist und das betroffene Kind es niemandem erzählt? Lehrer und Sozialarbeiter sind keine Hellseher und Wohnungen überwachen ist zum Glück, tabu! Das Jugendamt, Lehrer, Sozialarbeiter müssen nicht in die Wohnung gelassen werden, selbst bei Verdacht auf irgendwas nicht. Die Polizei kann sich Zugang verschaffen, aber nur bei sehr konkretem Verdacht. Und nun?
Gewaltneigung bei einem Erstklässler und Schulabsentismus – sind durchaus Warnzeichen. Fehlende Kooperation von Eltern übrigens auch.
Wenn die Gewaltneigung eines Kindes eine akute Gefahr für sich selbst oder andere darstellt und die Eltern nicht kooperieren, kann das Jugendamt eine Inobhutnahme gegen den Willen der Eltern erwirken. Die rechtliche Grundlage hierfür ist § 42 SGB VIII (Inobhutnahme) in Verbindung mit § 8a SGB VIII (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung).
Gerne mal schauen, wie Jugendämter arbeiten: https://www.arte.tv/de/videos/118265-002-A/re-wenn-das-jugendamt-eingreift/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Durch die Polizei?
Sollen also Familien, die nicht kooperieren wollen, jetzt auch alle von der Polizei „bearbeitet“ werden?
Kinder, die nicht zur Schule gehen, werden ja schon mal von der Polizei abgeholt.
Aber ob das die Lösung ist, wenn die Polizei sowieso schon viel zu viel zu tun hat?
Wenn eine Familie nicht unterstützt werden möchte, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass das JA sich zurückzieht, denn solange keine Kindswohlgefährdung vorliegt, sind die Angebote freiwillig…..
Das ist dann wohl Definitionssache. Herzliche Grüße Die Redaktion
Kindeswohl ist ein unbestimmter Rechtsbegriff und bedarf laufender Interpretationen in der Rechtsprechung und Dogmatik.
Hier haben wir eine höchstrichterliche Definition:
„Eine Kindeswohlgefährdung im Sinne des § 1666 I BGB liegt vor, wenn eine gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr festgestellt wird, dass bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. An die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts sind dabei umso geringere Anforderungen zu stellen, je schwerer der drohende Schaden wiegt.“
Wenn Sie sich einmal in die Rechtsprechung einlesen, werden Sie sehr häufig den Umkehrschluss, dass eine „abstrakte Gefährdung“ keine Kindeswohlgefährdung begründet, finden.
Oh ja, und die Definition liegt beim JA. Unser städtisches JA hat dazu sogar ein Organigramm erstellt….
Leider gibt es hier die folgenden Probleme:
– Eltern, die aus irgendwelchen gründen nicht kooperieren. Und Zwang ist in Deutschland ja generell verpönt.
– Kinder, die bereits so nachhaltig „kaputt“ gemacht wurden, dass sie sich nicht darauf einlassen können.
– Zu wenige Kapazitäten, um nachhaltig Impulse setzen und gemeinsam mit den Betroffenen weiterentwickeln zu können
Hier, Herr Lehrer, ich weiß was!
Ist es etwa (da sei die Göttin davir!) dieser ekelige „freie Wille“ oder „Entscheidung des Individuums“?
Richtig, aber die Erkenntnis mussten Sie persönlich erlangen und durch persönliche Entscheidungen den Kurs entsprechend wechseln. So geht es jedem. Extern kann man Sie begleiten. Aber wenn Sie nicht auf externe Experten wie Sozialarbeiter, Psychologen, Ärzte und Lehrkräfte hören möchten – was dann?
Richtig.
Und wer hat diese Veränderungen konkret durchgeführt (sofern ansatzweise westliche Welt und/oder personale Freiheit bestand)?
Die Person SELBST.
Weil andere Menschen (selbst wenn diese es wollen) den FREIEN WILLEN des Individuums weder beeinflussen noch von aussen steuern können.
„Ich bin imner traurig und fühle mich schrecklich, in der Psychobehandlung sein ist mega doof und als erstes nehmen sie einem das Handy weg – aber gut, ich versuche die Behandlung!“
„Ich bin dick und krank, aber das Essen schmeckt so gut – aber auch wenn es sich richtig sch***** anfühlt versuche ich es mal mit X, Y, Z statt drei Tafeln Schoki pro Tag.“
Usw. usf.
„Ich bin dick und krank, aber das Essen schmeckt so gut – aber auch wenn es sich richtig sch***** anfühlt versuche ich es mal mit X, Y, Z statt drei Tafeln Schoki pro Tag.“
So ein Bockmist ! ):
Na ja, ist halt beschrieben, wie Klein-Egon sich die Thematik so vorstellt.
Empfehlung: Praktikum z.B in Prien/Chiemsee, öffnet Augen und Wissen.
Who cares, ausser Karen?
Im Kern ist es genau das.
Und watt is mit die, wo nich im Bett sterben? Ich frag für’n Freund
Danke, Sie bringen es auf den Punkt. Ich kann extrinsisch nicht verändern, was intrinsisch fehlt. Ich kann Druck machen, immer wieder das Gespräch suchen und immer wieder versuchen, gegen Widerstände innerhalb der Familien anzukämpfen. Oben sagt es die Redaktion selbst: Wir sind keine Retter, wir sind Begleiter. Aber nun, oh Wunder, es gibt Menschen, die lehnen unsere Begleitung ab und erwarten, dass wir Wunder ohne Mitwirkung vollbringen. Die Redaktion scheint das auch zu erwarten, anders kann ich mir manche Äußerungen hier nicht erklären.
Wer in Armut lebt, muss das nicht zwangsläufig auf ewig tun oder gar an seine Kinder weitervererben. Wir zeigen Wege hinaus (unter anderem eine gute Schulbildung), gehen muss sie aber jeder selbst. Ich kann für Mütter und Väter Termine zum Vorstellungsgespräch ausmachen, sie auch begleiten, aber ich kann das Gespräch nicht für sie führen. Und oft kommt es vor, dass genau diese Personen morgens doch lieber im Bett liegenbleiben oder den neuen Job nach nur einer Woche hinschmeißen, weil er „zu anstregend“ ist. Solche Fälle scheint es in der Welt der Redaktion nicht zu geben – und falls doch, ist natürlich das System schuld. Oder psychische Krankheiten. Nein, eben nicht. Es ist Bequemlichkeit und Faulheit. Mehr als einmal erlebt. Wie genau soll die soziale Arbeit hier denn ansetzen? Mehr gutes Zureden? Wie? Ich bin für Vorschläge dankbar. In der Zwischenzeit betreue ich die anderen Klienten und hoffe, dort etwas bewirken zu können.
Q. e. d.: „Ich kann Druck machen“ – das ist das erste, was Ihnen dazu einfällt. Unser erster Punkt wäre: Beziehung aufbauen.
„Aber nun, oh Wunder, es gibt Menschen, die lehnen unsere Begleitung ab“ – ist das tatsächlich ein Wunder, wenn Sie hilfsbedürftigen Menschen so entgegentreten, wie Sie hier in Ihren Posts erkennen lassen?
„Es ist Bequemlichkeit und Faulheit.“ Wer so oberflächlich über Menschen urteilt, sorry, hat die Grundlagen der Sozialen Arbeit nicht verstanden.
„Wie? Ich bin für Vorschläge dankbar.“ Gerne mal die ethischen Grundlagen Ihres eigenen Berufsstandes studieren.
Aus den berufsethischen Leitsätzen des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit (Auszüge):
„Die Professionsangehörigen ermöglichen, fördern und unterstützen durch ihr professionelles Handeln in wertschätzender Weise Menschen zu ihrer Selbstbestimmung und Teilhabe. Daraus ergibt sich die Verpflichtung zur Stärkung und Befreiung der Menschen.
Die Professionsangehörigen begegnen den Menschen mit Respekt und schützen die Menschen vor Angriffen, Schikanen, menschenunwürdigen Interventionen und Aktionen.
Die Professionsangehörigen evaluieren ihre berufliche Praxis auf Basis der anerkannten Methoden der Sozialforschung.
Die Professionsangehörigen vermeiden jegliche diskriminierenden Formulierungen und unterscheiden zwischen prüfbaren Fakten, eigenen Beobachtungen und Fremdbeobachtungen sowie zwischen Hypothesen und Erklärungen bzw. Deutungen.
Die Professionsangehörigen treten der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen entgegen. Sie verstehen Soziale Arbeit als eine Menschenrechtsprofession.“
Quelle: https://www.dbsh.de/media/public/dbsh-bund/Profession/2026-02-05_DBSH_Berufsethik_2._Fassung_interaktiv.pdf
Sie verstoßen mit Ihren Äußerungen zu Ihrer Klientel eklatant dagegen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Glauben Sie ernsthaft, ich würde nicht erst eine Beziehung aufbauen? Es zumindest versuchen? Ich kenne die Ausführungen des Berufsverbands natürlich und sehe in Äußerungen von Wahrheiten keinen Widerspruch. Wenn Sie wollen, sinniere ich in Zukunft die heile Welt herbei, ohne Ross und Reiter zu nennen. Doch wie bereits mehrfach erwähnt: So ist die Welt nicht, so ist unser Klientel nicht. Sie sind in Ihrer Argumentation allenfalls naiv.
Ich trete den Familien IMMER mit Wertschätzung und Respekt entgegen, das gehört in der Tat zu meiner Professionalität und zu meinem Menschenbild dazu. Aber wenn der Schuh drückt, dann äußere ich das, ansonsten bleibts ein Tanz ums Feuer, ohne es zu löschen.
„Glauben Sie ernsthaft, ich würde nicht erst eine Beziehung aufbauen? Es zumindest versuchen?“ Dazu haben Sie sich hier – in der Öffentlichkeit – noch nie geäußert.
„Ich trete den Familien IMMER mit Wertschätzung und Respekt entgegen.“ Hier – in der Öffentlichkeit – leider nicht.
Ein Sozialarbeiter übernimmt Anwaltschaft für seine Klientel. Was würden Sie von einem Anwalt halten, der seine Mandantschaft öffentlich als Lügner und Betrüger darstellt?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Auch ein Anwalt äußert, wenn ihm ein Klient missfällt. Eventuell nicht ihm selbst gegenüber oder vor der Kamera, aber auch er erkennt Missstände.
Ein Anwalt kann auch ein Mandat ablehnen (z. B. auf Grund eines fehlenden Vertrauensverhältnisses, oder aus Zeitmangel….!
Mandat ablehnen – nein danke? – Anwaltsblatt
Können das Sozialarbeiter eigentlich auch?
Lehrer können wohl sehr, sehr selten Schüler, egal aus welchen Gründen, ablehnen.
Ein angestellter Anwalt kann keinen Mandanten ablehnen, den ihm sein Chef aufdrückt. Herzliche Grüße Die Redaktion
Wenn es mit einer Familie mal überhaupt nicht klappen sollte – egal, von welcher Seite dies ausgeht – übernimmt zunächst ein Kollege. Das ist nicht unüblich.
Ja, so sollte es sein. Wenn die“Chemie nicht stimmt“, bringt es keinem der Beteiligten etwas. Nur gibt es leider manchmal auch Fälle, bei denen auch ein Wechsel der Bezugsperson nichts bringt, wenn jedes Hilfsangebot blockiert wird.
„Es gibt auch self fulfilling prophecies: Wenn ich Negatives erwarte (und mich entsprechend wenig für einen Erfolg engagiere) – wird das Ergebnis auch negativ sein.“
Ist das jetzt ein Spiegel von Ihnen gegenüber Rüdiger? Ihre Erwartungshaltung ihm gegenüber?
Ich stelle nur Fragen …
„“Faul“ ist keine Ursache für soziale Probleme“
Richtig, es ist zum Teil ein Resultat dessen [Sozialisierung]. Das kann direkter im Umfeld [Eltern, Geschwister, Freunde], entfernter [Bekanntenkreis, Regionale Gegebenheit], gemischt „gefühlt“ [Influencer] oder systemisch [Medien, Staat, Schule] stattfinden und geprägt werden. Mitunter dadurch wird das Individuum geprägt.
Jetzt kann man seinen direkten Einflussbereich (jeweils) überlegen.
„Faul“ ist dementsprechend ein Resultat (un)bestimmter Ursachen. Es wird dann jedoch wiederum zur Ursache vieler Folgeresultate. Das sollte man sich mal bewusst machen.
Daher kann „faul“ [Antriebslos] durchaus eine Ursache auch seine – eben als Folge von einer anderen Ursache diesbezüglich.
Das schließt sich nicht aus genau genommen.
Das Symptom wird zur Ursache für andere Symptome.
„Und selbst wenn es so wäre (dass „Rüdiger Vehrenkamp“ gerne mehr Menschen aus ihrer Not helfen würde)“
Rüdiger hat seinen Beruf gewählt, damit er Kinder die armutsbetroffen sind keine Förderung gibt. Er deckt damit eine Sozialstelle ab, welche sonst bestimmt alle Kinder retten würde – wenn es diese Stelle überhaupt als „nicht-Mangel-Besetzung“ dann gäbe.
Alles klar. Ich glaube Sie sind da einer ganz heißen Spur auf dem Weg.
„macht es durchaus einen Unterschied, ob er für sein Scheitern dann die nachweislich schlechte Ressoucenausstattung des Systems verantwortlich macht – oder seine Klientel.“
“ „falsche Erziehung“, „falsche Freundeskreise“ oder „mangelnde Konsequenzen““
Das sind nun mal Teilfaktoren, welchen man begegnet. Die kann und sollte man ja auch benennen.
Dazu ebenfalls, dass der Staat/Schule/XY nicht die Nötigen Ressourcen hat/bereitstellt, um dem genügend zu entgegnen und überhaupt entgegnen zu können.
Wir haben halt auch hier mehr als „eine Ebene“.
Primär:
– Systemische/Institutionelle [Staat/Schule]
– Soziale [Umfeld, Verein usw.]
– Individuelle
– Zusätzliche Ebenen [bspw. „Soziale Medien“]
Und mit „Frustvermeidung“ und „Lustgewinnung“ begeben wir uns mitunter in diese Ebenen.
– Systemisch Staatlich: Wie sehr komme ich durch, wenn ich nichts mache? [Individuelle Betrachtung] Was ist die Konsequenz? [Staatliche Regulierung mit individueller Abwägung], wie gut stelle ich Ressourcen und Systematiken als Staat?, wie sehr stütze ich die anderen Ebenen?, Usw.
– Systemisch Schulisch: Welche „Anreize“ werden gestellt? Wie gehe ich auf die anderen Ebenen ein?
– Soziale: Wie „intakt“ ist die Familie? Wie der Freundeskreis? Peers? Usw.
– Soziale: Wie gut fängt ein Verein jemanden auf? Wieviel kann er auffangen?
– Individuelle: Suche ich überhaupt einen Verein? Sehe ich Bildung überhaupt als „notwendig“? Vergleiche ich „TikTok-Lustgewinnung“ mit „Schule-Lustgewinnung“? Verstehe ich, warum Schule nicht „nur Lustgewinnung“ ist? Wie sind Konsequenzen als Abwägung von „Risiko-Nutzen“? „Will“ ich mich überhaupt einlassen und mich anstrengen?
Zusätzliche Ebene „Social Media“: Will ich dem entgegnen, wenn ich „den Kick“ „brauche“? Kann ich da alleine raus? Bin ich bereit? Brauche ich hilfe? Usw.
Und diese Ebenen „spielen“ miteinander und „stützen“/“entgegnen“ sich mal mehr und mal weniger.
Wenn man jedoch nichts benennen „darf“, ohne in den moralischen Abgrund zu kommen … Hat man wiederum ein sozialgesellschaftliches Problem. Dann wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit weder „an der Ursache“ was ändern, noch die Ursachen-Folgesymptome als neue Ursachen begegnen können.
Also ja … Es kann (und ist oft) ein Zusammenspiel leider. Wenn man „ständig die Hand reicht“ und sie halt gar nicht genommen wird – hat das Gründe. Allerdings gibt es dann eben auch Folgewirkungen. Ob man dessen bewusst ist – ist eine andere Sache. Letztendlich wird die Person (auch) selbst mitwirken müssen. Geht nicht anders.
„Noch ein Punkt: Sozialarbeiter sind keine Lehrkräfte. Zu ihrem Berufsbild (anders vielleicht als dem von Lehrern) gehört die Ursachenanalyse für soziale Probleme schon dazu.“
Richtig, das gehört bei Sozialarbeit dazu. Wenn man dies „richtig macht“, dann jedoch auch auf individueller Ebene. Das „wegzulassen“ würde eher die Sozialarbeiter „die Sie kennen“ als fragwürdig hier darstellen, als alles andere. Man muss natürlich auf individueller Ebene auch arbeiten. Selbstverständlich. Dazu braucht man auch das Verständnis von „Ursache – Folgeursachen/Symptome als Folgeursuchen – Symptome – …“.
Wenn man jetzt die Hauptursache [Armut] selbst nicht lösen kann als Sozialarbeiter [außer man ist Milliardär …], dann muss man sich an einem anderen Punkt der Kette [Lustlosigkeit, Lustgewinnung] eben „einschalten“.
Die Hauptursache könnte maximal der Staat [Politikerebene] lösen.
Dort bitte auch „nachsehen/sich dran wenden“.
Mich würde tatsächlich deshalb interessieren, wie „Ihre“ SozialpädagogInnen „Armut“ denn konkret lösen? Und ob sie „Lustgewinnung“ und „Lustlosigkeit“ nicht auch als Problembereiche und -faktoren einordnen?
Das wäre sehr sehr aufschlussreich, ob diese „qualifiziert“ sind oder nicht.
Auf den Punkt gebracht. Danke.
„schon gar, wenn es sich um von Armutsfolgen betroffene Kinder handelt“
Bin mal „leicht“ provokant:
Also sollte man die „Kinderzahl“ an das Gehalt und Vermögen bedingt koppeln?
Das kann man sogar relativ eindeutig (zum Stichtag des Wunsches) dann „nachweisen“.
Wäre das nicht eine logische Schlussfolge Ihres Beitrages?
Rest reguliert sich über Kindergeld, Grundabsicherung und Gehalt selbst.
Dann würde man „tabellarisch“ erfassen, wie viele Kinder „maximal“ bei welchem „Sozialindex“ (staatlich?) zugestanden und reguliert wären.
Ansonsten: Wie will man dem denn komplett entgehen? Armut ist ein Problem. Jedoch überall.
Das ist das Dilemma.
Armut erklärt vieles – es rechtfertigt es allerdings nicht. Insbesondere in einem Sozialstaat nicht.
Grundlegend kann man vieles erklären durch die „Vita“. Sowohl von „Umliegenden“, als auch von einem selbst.
Wenn man jedoch „nur“ und „ständig“ auf dessen Basis agiert – wäre die Konsequenz dann nicht eine Regulation, wenn man eine Steuerung nicht hin bekommt?
Wie sehen Sie das so? Logik oder Emotion?
Würde mich wirklich mal interessieren.
„Also sollte man die „Kinderzahl“ an das Gehalt und Vermögen bedingt koppeln?“
Man könnte auch Menschen, ab einem gewissen Einkommen, verpflichten, die Patenschaft für ein benachteiligtes Kind (ab Geburt bis mindestens Beendigung des Berufsabschlusses) zu übernehmen. Die Paten sorgen dann für alles, was es braucht (außerhalb von Schule oder Kita), um diesem Kind gute Chancen im Leben zu ermöglichen. Da haben diese Kinder feste 1:1 Bezugspersonen, die die Nachteile der Ursprungsfamilien ausgleichen können. Ein bis zwei Tage pro Woche (z. B. am Wochenende) würden da vielleicht ausreichen.
🙂
Es fällt mir manchmal schwer, Sie als Pädagogen zu bezeichnen. Sie betreiben Gefühlsduselei, mit der niemandem geholfen ist.
Es ist empirisch nachgewiesen, dass die Lehrkräfte-Schüler*innenbeziehung und die Handlungen der Lehrkräfte mit den größten Einfluss auf die Leistungen der Schüler*innen haben. Wenn eine Schüler*in eine 5 in einem Fach erhält (und deshalb sitzen bleibt), muss daher auch die Frage gestellt werden, welchen Anteil die Lehrkraft daran hat. Vielleicht hat sie einfach keinen guten Job gemacht. Warum tragen ausschließlich die Schüler*innen die Konsequenzen von schlechten Lehrkräften?
Oder es war der Gärtner? Vielleicht, vielleicht, vielleicht …
Also ich persönlich wäre dafür, die strengen Versetzungsanforderungen auf alle Schularten auszuweiten und gleichzeitig flächendeckend kostenlosen Nachhilfeunterricht und Ferienkurse anzubieten. So hätte man einen ausreichend hohen Leistungsanspruch ohne einfach auszusortieren. Wer den Schulstoff innerhalb der Sommerferien in einem Kurs nicht schafft aufzuholen, müsste die Klasse eben wiederholen.
Und für Menschen, die z.B. wegen extremer Sozialangst keine Referate vor der ganzen Klasse halten können, sollte es eben Nachteilsausgleiche geben.
Gleichzeitig sollten kostenfreie Abendschulen für Erwachsene (gerne teils auch als Fernschulen) ausgebaut werden.
《Sie habe ein Einser-Abitur abgelegt, in Deutsch und Englisch herausragende Leistungen gezeigt und für ihren Abituraufsatz eine landesweite Auszeichnung erhalten.》
Nun sind aber auch gewisse mathematische Fähigkeiten Voraussetzung, um befähigt zu sein, ein wissenschaftliches Studium aufzunehmen. Und diese Befähigung soll das Abitur eigentlich nachweisen.
„Diese Regel lässt mich ratlos zurück.“
Dann reden Sie mit jemanden über Systemkonstruktivismus.
Das alles ist weder überraschend, noch unvermeidbar, DAS macht es ja so traurig!
Aber meine Fresse, garantiert klopfen wir uns in fünf Jahren auf die Schultern, nichts am Bildungssystem modernisiert zu haben, für DaZ, Inklusion o.ä. etwas umgestellt zu haben und jahrzentelang (!) darüber geweint zu haben, dass es nicht mehr die Neunziger sind (augenroll)
Für einen Schüler, falls er nicht gesundheitlich beeinträchtigt ist und die für ihn geeignete Schulform in Bayern besucht, ist das Sitzenbleiben doch fast unmöglich. Es gibt schließlich – neben den machmal fast lächerlichen Anforderungen – unter gewissen Voraussetzungen den Notenausgleich, das Vorrücken auf Probe und die Nachprüfung.