
Es ist ein Superlativ, der einschlägt: «Ich glaube, dass das nächste Schuljahr das schwierigste überhaupt wird, das wir in Brandenburg zu bewältigen haben.» Das sagt CDU-Politiker Gordon Hoffmann vor dem Start des neuen Schuljahres am 24. August. Seit er im März als neuer Bildungsminister Brandenburgs vereidigt wurde, hat er einen Job mit vielen To-Dos und Kopfschmerz-Potenzial.
Ganz oben auf Hoffmanns Liste steht der eklatante Lehrermangel im Bundesland. Seit Wochen schlägt der Minister Alarm, dass die Stundentafel und damit die Anzahl der Unterrichtsstunden in den Kernfächern bedroht sind. Auch wenn über die Sommerferien neue Lehrkräfte gefunden wurden: «Der Lehrkräftebedarf in Brandenburg ist ungemindert hoch», sagt sein Sprecher eine Woche vor Schulbeginn.
Zuletzt hatte Hoffmann seine Hoffnung auf Bewerbungen von Lehrkräften aus anderen Bundesländern gesetzt. «Es wird die ganze Zeit daran gearbeitet, dass wir Lehrkräfte finden. Und trotzdem sehe ich natürlich, dass wir nicht an allen Schulen den Bedarf abdecken können», so der Minister in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur.
Wichtigstes Ziel im neuen Schuljahr: Alle Abschlüsse gewährleisten
Im schlimmsten Fall könnte es Auswirkungen auf die Schulabschlüsse in Brandenburg geben. Vorsichtig optimistisch zeigt sich Hoffmann, dass die Vorgaben eingehalten werden können. «Wir haben uns hier im Ministerium zusammengesetzt und haben Lösungen erarbeitet, mit denen wir – davon gehe ich aus – sicherstellen können, dass die Schüler bei uns Abschlüsse kriegen.»
Weit über 100 Stellen für Lehrkräfte im Land sind weiter ausgeschrieben. 131 sind es noch auf der Webseite des Ministeriums Mitte August – nur Tage vor Schulbeginn. Seit April etwa wird in Treuenbrietzen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt eine Lehrkraft für Deutsch und Englisch gesucht. In Friesack im Havelland fehlt jemand für Mathematik und Physik – die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, bewerben kann man sich dennoch.
Zuletzt wurde die Zahl der Lehrkräfte von der Vorgängerkoalition aus SPD und BSW im Haushalt 2025 um 345 Vollzeitstellen verringert. Die neue Koalition aus SPD und CDU stellte 250 neue Lehrerstellen dagegen – allerdings erst mit dem kommenden Haushalt. Lehrerinnen und Lehrer müssen außerdem eine Stunde pro Woche mehr unterrichten.
Hoffmann: «Habe mir vorgenommen, mein Bestes zu geben»
Bis die Zahlen der Schülerinnen und Schüler wieder sinken, heißt die Parole deshalb an vielen Schulen: Durchhalten. «Die Lehrkräfte sind momentan oft in einer großen Belastungssituation», sagt Hoffmann. «Ich habe mir vorgenommen, mein Bestes dafür zu geben, sie so zu unterstützen, dass sie irgendwann sagen können: Es ist besser geworden.»
Was nicht nur wie ein politisches, sondern auch ein persönliches Ziel klingt, kommt gut an. Etwa in der Elternschaft, die um eine verlässliche Unterrichtsversorgung ihrer Kinder bangt. «Der Minister geht sehr offen und offensiv mit dieser schwierigen Situation im neuen Schuljahr um», lobt der Sprecher des Landeselternrats, Matthias Knoll. Es sei klar: «Wir machen uns extreme Sorgen.» Doch es gebe viel Transparenz aus dem Ministerium.
Online-Kurse, Rahmenlehrplan: Welche Pläne es sonst noch gibt
Dafür zu sorgen, dass überhaupt der Unterricht stattfinden kann, ist Hoffmanns wichtigstes, aber nicht das einzige Ziel fürs neue Schuljahr. Was ist noch geplant? Unter anderem Online-Kurse in mehreren Fächern in der gymnasialen Oberstufe. Das sei ein zusätzliches Angebot, das neben Recht auf sechs weitere Fächer ausgeweitet werde. Neu hinzu kommen Französisch, Latein, Geografie, Politische Bildung, Psychologie und Philosophie.
«Der Kurs wird als dreistündiger Grundkurs über die Schulcloud organisiert und wird am Abend oder am späten Nachmittag stattfinden, damit wir sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen», so Hoffmann. Pro Kurs sei das Angebot auf 15 Plätze begrenzt.
Außerdem wird das Ministerium nach dem Ausstieg aus dem gemeinsamen Rahmenlehrplan mit Berlin an landeseigenen Fachplänen arbeiten. Gestartet werde mit Deutsch, Mathematik und Englisch, so Hoffmann.
Ziel sei mehr Verbindlichkeit. «Mein Eindruck ist, dass der Rahmenlehrplan ein sehr großes Spektrum anbietet für die Lehrkräfte, aus dem sie sich etwas nehmen sollen», sagt der Minister zur Begründung. «Das führt zu einem zusätzlichen Aufwand und einer Belastung und auch zu Missverständnissen.»
«Bildungspolitik ist ein schwerer Tanker»
Auch die sogenannte Lesen-Schreiben-Rechnen-Offensive hatte Hoffmann ausgerufen. Hier gehe es aber nicht so schnell voran. Sondern «Stück für Stück in dieser Legislaturperiode». Hoffmann bringt es auf den Punkt: «Bildungspolitik ist ein schwerer Tanker.» Täglich soll mit dem Leseband und Rechenband geübt werden – verpflichtend soll es perspektivisch an den Grundschulen sein. In diesem Schuljahr wird jenes zum Lesen ausgeweitet, zum darauffolgenden Schuljahr 2027/2028 dann überall eingeführt werden. Das Rechenband folge später.
Künstliche Intelligenz dagegen ist in den Klassenzimmern – offen oder versteckt – nicht mehr wegzudenken. Auch dafür müssen Lösungen her. «Wir müssen jungen Menschen die Kompetenzen mitgeben, mit, über und durch KI zu lernen und auch die Risiken dabei zu sehen», ist Hoffmann überzeugt.
Wie kann das geschehen? «Ich glaube, wir müssen Prüfungsformate umstellen.» Eine Idee sei es, KI einzubeziehen und den Umgang damit dann zu reflektieren – etwa bei Referaten. Dazu werde es Runden mit KI-Expertinnen und -Experten geben, denn die Zeit dränge. «Wenn wir uns umgucken, was heutzutage selbstverständlich ist, hätte ich das vor drei Jahren noch für Fantasterei gehalten.» Von Anja Mia Neumann, dpa
Lehrermangel jetzt so groß, dass die Anerkennung von Abschlüssen bedroht ist










Ich prognostiziere: Jedes nächste Schuljahr wird das schwierigste überhaupt sein.
Ich prognostiziere: „Die Schulen sind gefordert…“
Ist doch klar, vor allem da Prognosen, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, äußerst schwierig sind:)
Da hat jemand Löcher in der Schule gelesen? 😀
Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!
Und ich lächelte und war froh …
… und es kam Jahr für Jahr schlimmer.
Lehrkräftemangel seit über 15 Jahren und von Jahr zu Jahr werden irgendwelche Versprechen gemacht.
Jede Schule, die nicht durchgängig zu 100% (einschließlich Zusatzbedarfe etc.) versorgt ist, sollte Anspruch auf einen Ausgleich im darauf folgenden Jahr haben, der das Doppelte des Fehls beträgt. Und das gemessen an den wirklichen Bedarfen und nicht an Statistik-Stichtagen und Zählungen, die kranke oder vorübergehend dienstunfähige Kolleg:innen mitzählen, obwohl sie nicht für den Unterricht zur Verfügung stehen.
Dann könnte Mehrarbeit und Mehrbelastung ausgeglichen werden, außerunterrichtliche Aufgaben könnten aufgearbeitet und der Mangel der Unterrichtsversorgung in einem Schuljahr mit besserer Förderung im nächsten aufgefangen werden.
Der Lehrkräftemangel sinkt allerdings, weil die Schülerzahlen wieder sinken. Wurden in Brandenburg nicht einige hundert Stellen gestrichen? „Im Brandenburger Haushalt wurden zuvor aus Sparzwängen 345 Lehrerstellen gestrichen. Dies sorgt im Zuge eines akuten Lehrkräftemangels für heftige Kritik von Elternverbänden und schränkt die Unterrichtsversorgung an vielen Schulen stark ein.“ (KI)
Wieso reden die dann jetzt von Lehrermangel? Haben sie nun weniger Lehrermangel, weil ja weniger Stellen zu besetzen sind?
Die Verbeamtung hat das Problem gar nicht gelöst. Aber nun kann man Lehrer leichter abordnen. Auch gegen die Erhöhung der Pflichtstundenzahl können die eher jüngeren und streikbereiten Beamtenlehrer nicht streiken, sie müssen es weitgehend hinnehmen. Die Älteren wehren sich eh kaum.
Aus Sparzwängen bedeutet nicht, dass die Schülerzahlen sinken, sondern das man Lehrerstellen einspart, obwohl man sie bräuchte.
Auch BB wird keine ausreichende Vertretungsreserve haben, keine Reserve für einen hohen Anteil an älteren Lehrkräften, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand geben,
es braucht flächendeckend Kräfte für viele Aufgaben,
es braucht Lehrkräfte, um die Lücken der vergangenen Jahre zu füllen.
Zu einem Rückgang der Schülerzahlen zum aktuellen Zeitpunkt kann ich keine Belege finden,
offenbar spart man also Lehrkräfte ein, in dem Wissen, dass man einen Mangel hat und diesen noch verschärft.
Was die Stundenerhöhung angeht, tut es ein Normenkontrollantrag nach § 47 VwGO zum OVG. Es sind doch welche anhängig ?
Als unser guter Dienstherr noch aus dem Vollen schöpfen konnte, hat er Verhalten an den Tag gelegt, die absolut abschreckend wirkten und die betroffenen Lehrer, meist gute Pädagogen, die auf der Straße saßen oder alle halbe Jahre in andere Schulen im gesamten Bundesland herumgeschickt wurden, haben da natürlich keine positive Werbung gemacht.
Nun ist schon seit längerem bekannt, dass es Lehrermangel geben wird, aber der Umgang mit den Lehrkräften ist immer noch nicht auf Augenhöhe, die Arbeitsbedingungen haben sich nicht verbessert, die Aufgaben werden vermehrt auf die Lehrkräfte abgeladen und der Mangel an Lehrkräften bedeutet nicht etwa eine Anstrengung von „oben“, seine Handlungsmuster mal zu ändern, nein, die Lösung ist doch tatsächlich, dass die verbliebenen Lehrer den ausfallenden Unterricht doch bitte, Beamtenpflicht, in irgendeiner Form auffangen sollen.
Was ist das für ein Arbeitgeber, hocherhaben, beratungsresistent, arrogant, sich selbst überschätzend, nicht kritikfähig, nur Budget und Zahlen im Blick, die Arbeitnehmer kann man herumschubsen. Als angestellte Lehrkraft musste ich das besonders erfahren.
Nun, jetzt kommt die Quittung, wie bei so vielem in einer wenig vorausschauenden und wenig nachhaltigen Politik. Alles hausgemacht. Ich habe es vorausgesagt und ich bin heilfroh, dem ganzen Dilemma bald entrinnen zu können. Um die Schüler tut es mir wahnsinnig leid, das wird in einer Katastrophe enden, nachdem die Bildung ja sowieso schon ganz unten angesiedelt ist und keine Lösung ins Auge gefasst wird.
Das Wichtigste scheint die Digitalisierung zu sein, in „weiser“ Voraussicht, dass die KI in nicht allzu ferner Zukunft die Lehrer größtenteils ersetzen muss. Wir sollten dann IT Experten für die Schulen ausbilden, und pädagigische Wissenschaftler und Experten, die ja jetzt schon immer wissen, was die Lehrer besser machen sollten, dürfen dann die KI mit dem angemessenen Material füttern und die richtigen Prompts setzen.
Den Lehrerberuf an sich gibt es dann nicht mehr.
…und deswegen geht der Eigenschutz konsequent vor.
Ob auf großer Medienebene oder auf dem Level der kleinen Alltagslüge höre ich, seit ich in diesem Beruf bin, immer das gleiche:
„Ja, JETZT noch mal mehr, nächstes Quartal/Halbjahr/Schuljahr wird es dann ruhiger…“
Man muss es so klar sagen:
Es wird NIE ruhiger, da in genau dem Moment das nächste „Projekt“ (=alles ausser konsequenter Unterricht und Lernen) aufgezogen wird und/oder Stellen gekürzt werden.
Insofern: Siehe oben.
Eigenschutz, spaßige Sachen im regulären Unterricht machen soweit möglich, Rest ignorieren bis es zur DA wird.
Und im gleichen Atemzug kündigt Herr Minister an, Schulen zu schließen (er nennt die Schließung: „Zusammenlegung“), da bis 2040 laut Prognosen rund 17% weniger SuS vorhanden wären. Davon abgesehen, dass das mit den Prognosen ja immer so eine Sache ist, KÖNNTE man ja statt Schließung wieder mehr Qualität durch kleinere Lerngruppen und/oder weniger Deputat reinbringen. Das würde vielleicht auch wieder mehr Leute zum Lehrerberuf motivieren.
Aber nee, ausquetschen, ausquetschen, ausquetschen, fallenlassen.
Also nach meiner Erfahrung ist immer das kommende das schwierigste Schuljahr überhaupt. Herausforderung folgt auf Herausforderung, Innovation auf Innovation, Improvisation auf Improvisation…man kann sich nie genug motivieren!
Daumendrück!
Wünsche Ihnen keine zu großen Umbrüche, Gesundheit und – wichtiger! – ein gesundes Kollegium 🙂