DÜSSELDORF. Von Mietvertrag bis Waschmaschine: Eine neue App bringt Fachleute aus etlichen Bereichen ins Klassenzimmer und macht praxisnahe Lernangebote möglich. NRW-Schulministerin Feller hat das Projekt vorgestellt.

Externe Experten aus zahlreichen Lebensbereichen sollen über eine App mit Schulen in Nordrhein-Westfalen vernetzt werden, um mehr praktischen Sachverstand und Alltagswissen in die Klassenzimmer zu bringen. Dazu hat Schulministerin Dorothee Feller (CDU) in Düsseldorf eine Kooperationsvereinbarung mit der gemeinnützigen Bildungsinitiative «LifeTeachUs» unterzeichnet.
Was sind die ersten Schritte? Über die App der Initiative können sich Schulen in NRW ab sofort landesweit mit dort registrierten Unternehmen, Handwerksbetrieben, öffentlichen Einrichtungen, Vereinen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren vernetzen und gemeinsam alltagsnahe Lernangebote gestalten. Schon zum neuen Schuljahr könne es losgehen, kündigte Feller an.
Was soll vermittelt werden? Immer wieder sei von Schülern der Wunsch an sie herangetragen worden, mehr praktisches Wissen vermittelt zu bekommen, berichtete die Ministerin. Das Spektrum reiche von der Bedienung einer Waschmaschine über Fragen nach Mietverträgen und Haftpflichtversicherungen für den Roller oder das Moped bis hin zu Steuerfragen.
Ist das Programm für alle Klassen und Schulen geeignet? Das bereits ins mehreren anderen Bundesländern laufende und auch an Pilotschulen im Regierungsbezirk Münster erprobte Angebot sei besonders für die Jahrgangsstufen 8 bis 9 zu empfehlen, weil hier die Berufsorientierung eine wichtige Rolle spiele, erläuterte Feller. Das sei aber keine feste Vorgabe des Ministeriums.
Soll das Angebot Teil des Unterrichts sein? Ja. Feller erläuterte, wie das Programm in den Lehrplan integriert werden könne: So biete sich etwa sowohl der Biologie- als auch der Sportunterricht an, um mit externen Experten über Ernährung zu sprechen. Praktische Tipps und Kniffe zu Versicherungen oder Arbeitsverträge könnten im Wirtschaftsunterricht platziert werden.
Was kostet das Programm? Da «LifeTeachUs» komplett spendenfinanziert sei und alle Experten sich ehrenamtlich engagierten, entstünden weder für die Schulen noch für das Land Kosten, sagte Feller.
Welche Voraussetzungen müssen die externen Partner mitbringen? Alle sogenannten Life-Teacher (zu Deutsch etwa: Lebenslehrer) absolvieren eine Online-Schulung mit pädagogischen Grundlagen, Kommunikationstraining und Sicherheitsstandards. Erst nach erfolgreicher Prüfung – auch des Führungszeugnisses – werden sie für den Einsatz an Schulen freigeschaltet.
Was haben die Externen von ihrem Einsatz an Schulen? Für Handwerker etwa sei der gemeinsame Austausch auch eine Chance, zu erzählen, warum sie ihren Beruf gewählt hätten, warum sie dafür brennen, um so vielleicht Impulse in der Berufsorientierung junger Leute zu setzen, sagte Feller. Ein Tischlermeister könne auch erklären, wofür er den Satz des Pythagoras braucht und wofür bestimmte Rechenformeln wichtig seien.
«Ehrenamt macht glücklich», fasste der Geschäftsführer von «LifeTeachUs», Ludwig Thiede, die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt zusammen. Die Externen könnten selbst viel lernen – etwa über ihre Präsentationsfähigkeiten. «Das ist eine Superschulung. So eine Klasse ist das ehrlichste Publikum der Welt.» Wenn jemand in der ersten Reihe seinen Kopf auf den Tisch lege, sei klar, dass es langweilig sei.
Können auch Eltern «Life-Teacher» werden? Ja.
Wie kommen die Schulen und die passenden Partner zusammen? «Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie bei den Taxi-Apps», erläuterte Thiede. Anfragen der Schulen würden direkt in Echtzeit per Handy nur an die passenden Personen in der Nähe geschickt. «Die Person, die zuerst annimmt, sorgt dafür, dass bei den anderen die Anfrage wieder verschwindet.» Möglich seien Besuche vor Ort ebenso wie digitale Angebote. News4teachers / mit Material der dpa
Interessierte Schulen können sich ab sofort hier kostenfrei informieren, registrieren und passende LifeTeacher in den Unterricht einladen oder für Projekttage anfragen. Auch können sich Unternehmen, Handwerksbetriebe, öffentliche Einrichtungen, Vereine und engagierte Einzelpersonen auf dieser digitalen Plattform als LifeTeacher anmelden.
Eine Lehrerin kommentiert: Wenn die Grundlagen fehlen, nützt auch „Alltagskunde“ wenig










Meiner Meinung nach ein (weiteres) Einfallstor für gepflegtes Halbwissen ohne Hintergrund und Grundlagenwissen.
Auf diese Art bilden wir unsere Kinder nicht, sondern stellen ihnen kurzzeitig Klugscheißerwissen zur Verfügung.
Das entspricht nicht dem Bildungsauftrag !
Die wenigsten aktiven Handwerker dürften vormittags Zeit haben, wohl eher Freiberufler. da wären z.B. Versicherungs- und Immobilienmakler, Steuerberater usw.
Warum das wohl kostenlos ist?
Bio- und Sportlehrer brauchen keine Personal Coaches, die über Ernährung reden, die wissen das tatsächlich selbst. Wenn der Tischler die Anwendung von Pythagoras erklärt (geht übrigens gut über die Knotenschnur bei den Maurern), ist das Anwendung von auswendig gelerntem Faktenwissen. Wie war das noch mit der Kompetenzorientierung? Benutzung der Waschmaschine: Kompetenz ‚lesen und verstehen von Sachtexten‘, nicht ‚du drückst dann diese Taste‘. Bedeutung der Wäscheetiketten: Kompetenz ‚Recherche und Zusammenfassung‘.
Jahrgang 8 und 9: Aber gerne, ich wünsche dem Experten neue Erfahrungen bei seiner Präsentation ‚Versicherungen‘. Achtung, reiner Frontalunterricht (??), die Aufmerksamkeit reicht mit Glück für drei bis fünf Minuten.
Frau Feller erläuterte…Integration… nein, sie hat einige Halbsätze fallen gelassen, man könnte sie auch Platitüden nennen.
Frau Feller: ‚…von Schülern an sie herangetragen…‘. Ja, wir hören auch einiges: mehr Ferien, Wochenendfeiertage nachholen, freies WLAN, Verlassen des Schulgeländes erlauben, keine Tests, mehr Praktisches…. Realität: Chemieexperiment, klassische Stunde. Beobachtung Natur, Problem, Hypothese, Experiment, Auswertung. Aufmerksamkeit Experiment ca 75%, restliche Aufgaben 10%. Das bedeutet so ein Wunsch im Alter von 14-15 Jahren, aber es kostet nichts, gibt eine Pressemeldung und hinterher waren es wieder die ignoranten LuL, das Angebot war ja da.
Eltern, Life-Teacher, KI – Hauptsache, andere geben die ‚Lösungen‘ vor, es ist ja auch so schön einfach. S.o., solche externen Beiträge sind nur punktuell interessant, das Interesse für die viel wichtigeren weiteren Fragen und Gedanken lässt sich damit nicht nachhaltig wecken.
Nicht Life-Teacher, aber ‚Life is the teacher‘, kein Lebenswissen, sondern Wissen, wie man sich im eigenverantwortlichen Leben orientiert, das ist Schule.