SPEYER. Hausaufgaben gelten vielen als Auslaufmodell – erst recht seit Künstliche Intelligenz Texte schreibt, Aufgaben löst und Erklärungen liefert. Doch nicht ihre Existenz, sondern ihre Qualität steht auf dem Prüfstand, argumentiert Axel Weinstein. Der frühere Schulleiter, der heute Schulen und Lehrkräfte in Fragen der Schulentwicklung und des verantwortungsvollen Umgangs mit KI berät, plädiert für Aufgaben, die Urteilskraft, Selbstverantwortung und Beziehungen stärken. Sein Gastbeitrag zeigt: Gerade weil Maschinen immer bessere Antworten liefern, muss Schule stärker darauf achten, wie junge Menschen selbst denken lernen.

Hausaufgaben im Zeitalter der KI
„Das Was bedenke, mehr bedenke Wie.“ (Goethe)
Die KI ist kein Argument gegen gute Hausaufgaben. Sie ist ein Prüfstein für guten Unterricht. Kaum erscheint eine neue Technik in der Schule, wird der Untergang der Hausaufgaben verkündet. Erst war es der Taschenrechner. Dann Wikipedia. Danach Google. Heute ist es ChatGPT … Wenn das so weitergeht, schaffen wir demnächst das Denken ab – schließlich gibt es inzwischen Programme, die scheinbar alles besser können als wir.
Die Argumentation klingt modern und vernünftig. Wenn Künstliche Intelligenz Aufsätze schreibt, Mathematikaufgaben löst und Vokabeln erklärt – welchen Sinn haben Hausaufgaben überhaupt noch?
Hinzu kommt ein zweites Argument: Hausaufgaben seien sozial ungerecht. Manche Kinder werden von ihren Eltern unterstützt, andere nicht. Deshalb verstärkten Hausaufgaben bestehende Bildungsunterschiede.
Diese Sichtweise findet sich derzeit in vielen Beiträgen der Medien. Erst kürzlich berichtete die Frankfurter Rundschau ausführlich über die Debatte. Diskutiert werden dort Hausaufgaben-Clubs, Ganztagsschulen oder die Frage, ob klassische Hausaufgaben im Zeitalter der KI überhaupt noch zeitgemäß seien. Das sind wichtige organisatorische Überlegungen. Sie beantworten jedoch noch nicht die eigentliche pädagogische Frage.
Mich überzeugt deshalb weder die Forderung nach einer generellen Abschaffung der Hausaufgaben noch die Hoffnung, organisatorische Veränderungen allein könnten das Problem lösen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht: Brauchen wir überhaupt noch Hausaufgaben? Sie lautet vielmehr: Welche Hausaufgaben brauchen wir im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz? Oder noch grundsätzlicher: Was macht eine Hausaufgabe zu einer guten Hausaufgabe?
Ich glaube, dass wir derzeit häufig über die falschen Fragen diskutieren. Nicht die Existenz von Hausaufgaben steht auf dem Prüfstand, sondern ihre Qualität. Die KI entlarvt nämlich nicht die Idee der Hausaufgabe. Sie entlarvt schlechte Hausaufgaben.
Vielleicht führt uns die gegenwärtige Debatte deshalb zu einer viel wichtigeren Erkenntnis: Wir brauchen im Zeitalter der KI nicht weniger Hausaufgaben: Wir brauchen eine neue Kultur der Hausaufgaben.
Dabei fiel mir ein Satz Goethes ein, der erstaunlich gut zu dieser Diskussion passt: „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie.“ Dieser Gedanke bildet den Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen.
Goethe: Das „Was“ und das „Wie“
Goethes Satz lautet: „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie.“
Er stammt aus dem zweiten Teil des Faust. Dort, in der berühmten Homunkulus-Szene, spricht Goethe allerdings nicht über Schule oder Hausaufgaben, sondern über Sein, Wandel und Werden. Das „Was“ bezeichnet den Stoff, den Inhalt oder Gegenstand. Das „Wie“ meint die Art und Weise seiner Gestaltung. Nicht allein der Stoff entscheidet über die Qualität eines Kunstwerks, sondern die Form, in der er gestaltet wird.
Dieser Gedanke lässt sich – trotz seines ursprünglichen naturphilosophischen Zusammenhangs – erstaunlich gut auf die heutige Bildungsdebatte übertragen. Auch in der Pädagogik unterscheiden wir zwischen Didaktik und Methodik. Vereinfacht gesagt fragt die Didaktik nach dem Bildungsgehalt einer Aufgabe: Was sollen Schülerinnen und Schüler lernen? Welche Inhalte sind bedeutsam? Welche Kompetenzen sollen entwickelt werden?
Die Methodik stellt dagegen eine andere Frage: Wie lernen Schülerinnen und Schüler? – Wie gelangen sie zu eigenen Einsichten? Wie werden sie zum Beobachten, Nachdenken, Kommunizieren und Üben angeregt? Natürlich ist Goethes Unterscheidung nicht deckungsgleich mit diesen pädagogischen Fachbegriffen. Dennoch weist sie in dieselbe Richtung: Ein guter Inhalt allein genügt nicht. Entscheidend ist ebenso die Art und Weise, wie Lernen ermöglicht wird.
Genau hier beginnt für mich die eigentliche Diskussion über Hausaufgaben. In den vergangenen Monaten wurde vor allem gefragt, ob Hausaufgaben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz überhaupt noch sinnvoll sind. Ich halte diese Frage für zu kurz gegriffen. Die wichtigere Frage lautet: Wie müssen Hausaufgaben gestaltet sein, damit sie auch im Zeitalter der KI eigenständiges Lernen fördern? Oder anders formuliert: Nicht jede Hausaufgabe ist eine gute Hausaufgabe. – Aber gute Hausaufgaben sind heute wichtiger denn je.
Die KI kennt den Stoff – aber nicht die Unterrichtsstunde
Ein weiterer Aspekt kommt in der öffentlichen Diskussion bisher kaum vor. Gute Hausaufgaben entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie knüpfen an den gemeinsamen Unterricht an: An Fragen, die offen geblieben sind. An überraschende Gedanken. An Irrtümer, die gemeinsam entdeckt wurden. An Diskussionen, die in dieser Klasse entstanden sind.
Genau darin liegt übrigens eine Grenze jeder Künstlichen Intelligenz: Sie kennt den Lehrplan. Sie kennt das Fachwissen. Sie kennt Millionen Texte. Aber sie kennt nicht diese Unterrichtsstunde. Sie war nicht dabei. Sie weiß nicht, warum eine Schülerin plötzlich eine ungewöhnliche Frage stellte. Sie kennt nicht den Versuch, der misslang. Nicht das Lachen der Klasse. Nicht die Diskussion, die entstand. Nicht den Gedanken, der am Ende der Stunde noch offenblieb.
Eine gute Hausaufgabe führt deshalb den gemeinsamen Lernprozess weiter. Sie verlängert den Unterricht – nicht zeitlich, sondern gedanklich und aktivierend. Sie lädt Schülerinnen und Schüler ein, dort weiterzudenken, wo die Stunde aufgehört hat. Gerade deshalb kann eine KI sie nicht einfach ersetzen: Die KI kennt den Stoff. Bildung entsteht jedoch im gemeinsamen Lernprozess.
Schule bildet keine Antworten. Sie bildet Menschen.
Vielleicht liegt genau hier der eigentliche Denkfehler der gegenwärtigen Debatte.
Sie verwechselt Wissen mit Bildung. Natürlich kann eine Künstliche Intelligenz Informationen liefern: Sie kann Texte formulieren. Sie kann Zusammenhänge erklären. Sie kann sogar erstaunlich gute Lösungen entwickeln. Aber Bildung besteht nicht darin, möglichst schnell Antworten zu finden.
Bildung beginnt dort, wo Menschen lernen, selbst Fragen zu stellen. Die Philosophin Hannah Arendt beschreibt Denken nicht als das bloße Ansammeln von Wissen. Denken ist für sie ein innerer Dialog des Menschen mit sich selbst. Wer denkt, prüft, verwirft, beginnt neu, betrachtet eine Sache von verschiedenen Seiten und ringt um ein eigenes Urteil.
Gerade dieses Ringen macht Bildung aus. Urteile entstehen nicht dadurch, dass wir möglichst viele Informationen besitzen. Sie entstehen, indem wir Informationen prüfen, Erfahrungen miteinander verbinden und eine eigene Position entwickeln.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Herausforderung der Künstlichen Intelligenz: Nicht, dass sie Antworten liefert. Sondern dass sie uns dazu verleitet, den oft mühsamen Weg des eigenen Denkens zu überspringen.
Wer jede Schwierigkeit sofort an eine Maschine delegiert, spart zunächst Zeit. Gleichzeitig verzichtet er aber auf die Erfahrung, ein Problem selbst durchdrungen zu haben. Doch genau in dieser Erfahrung liegt der eigentliche Bildungswert. Denn Denken verändert nicht nur unser Wissen. Durch eigenes Denken verändern wir uns selbst.
Was ich in mehr als dreißig Jahren Schule gelernt habe
In mehr als dreißig Jahren als Lehrer und Schulleiter habe ich unzählige Hausaufgaben gesehen. Manche waren nach wenigen Minuten erledigt. Andere wurden aus dem Internet abgeschrieben. Heute übernimmt das häufig die KI.
Ganz ehrlich: Viele dieser Aufgaben waren schon lange vor ChatGPT keine guten Hausaufgaben. Sie überprüften hauptsächlich, ob Schülerinnen und Schüler Informationen wiedergeben konnten. Sie forderten selten eigenes Denken. Die besten Hausaufgaben, die ich erlebt habe, waren meist erstaunlich einfach. Sie führten dazu, dass junge Menschen aufmerksam wurden. Sie beobachteten ihre Umwelt. Sie stellten Fragen. Sie kamen mit ihren Eltern oder Großeltern ins Gespräch. Sie übten. Sie machten Fehler. Sie dachten weiter …
Mit einem Satz: Sie arbeiteten an sich selbst. Deshalb glaube ich, dass wir Hausaufgaben heute nicht abschaffen, sondern neu denken sollten. Nicht jede Hausaufgabe verdient ihren Namen. Aber jede gute Hausaufgabe hat ein gemeinsames Ziel: Sie unterstützt junge Menschen dabei, selbstständig zu denken, verantwortlich zu entscheiden und mutig zu handeln. Vielleicht besteht gerade darin ihre wichtigste Aufgabe im Zeitalter der KI.
Eine neue Kultur der Hausaufgaben
Wie können gute Hausaufgaben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz konkret aussehen? Ich möchte darauf keine theoretische Antwort geben, sondern einige Beispiele aus meiner eigenen Schulpraxis vorstellen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber sie zeigen eine Richtung. Allen gemeinsam ist ein Gedanke: Sie kontrollieren nicht in erster Linie Ergebnisse. Sie fördern Lernprozesse.
Und genau darin liegt ihr Unterschied zu vielen traditionellen Hausaufgaben.
Gute Hausaufgaben fördern Urteilskraft
Eine einfache Hausaufgaben könnte lauten: „Schreibe nach der heutigen Unterrichtsstunde die drei wichtigsten Gedanken/Fragen auf, die du mit nach Hause nimmst.“ Nicht: Was stand an der Tafel? Nicht: Welche Definition wurde gelernt? Sondern: Was ist dir wichtig geworden? Was hat dich überrascht? Welche Frage beschäftigt dich noch? Diese Aufgabe funktioniert in Mathematik ebenso wie in Deutsch, Geschichte, Musik oder Biologie.

Sie zwingt nicht zum Wiederholen. Sie lädt zum Nachdenken ein. Und sie knüpft unmittelbar an die gemeinsame Unterrichtsstunde an. Eine KI kann den Unterrichtsstoff zusammenfassen. Sie weiß jedoch nicht, welche Gedanken gerade in diesem Unterricht bei einer Schülerin oder einem Schüler entstanden sind.
Ein weiteres Beispiel: „Lass dir von einer KI einen Aufsatz zum heutigen Thema schreiben. Suche anschließend fünf Stellen, die oberflächlich, ungenau oder unpersönlich wirken. Verbessere sie und begründe deine Entscheidungen.“
Plötzlich wird die KI nicht mehr zum Ersatz des Denkens. Sondern zu seinem Gegenüber. Nicht die Antwort steht im Mittelpunkt. Sondern die Urteilskraft.
Gute Hausaufgaben stärken Beziehungsfähigkeit
Bildung entsteht nie nur im Kopf. Sie entsteht immer auch im Gespräch. Deshalb gehören für mich Hausaufgaben dazu, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Zum Beispiel: Frage deine Eltern, Nachbarn oder Großeltern, welche Erfahrungen sie mit dem heutigen Unterrichtsthema verbinden.
Ein Gespräch über Demokratie. Über Musik. Über Migration. Über Kindheit. Über Krieg und Frieden. Plötzlich wird Unterricht persönlich. Geschichte erhält Gesichter. Musik Erinnerungen. Politik Biografien. Keine KI kann Familiengeschichte erzählen. Sie kann Informationen liefern. Aber keine gemeinsamen Erinnerungen.
Ebenso wertvoll sind Beobachtungsaufgaben: Suche in deinem Alltag drei Beispiele für das Thema der heutigen Unterrichtsstunde. Mathematik auf dem Fußballplatz. Physik auf dem Fahrrad. Biologie im Park. Musik auf dem Bahnhof. – Schule verlässt das Klassenzimmer. Und die Welt wird zum Lernort.
Gute Hausaufgaben fördern Selbstverantwortung
Es gibt Fähigkeiten, die man nicht herunterladen kann. Man muss sie erwerben. Durch eigenes Tun. Ein Instrument spielen. Eine Sprache sprechen. Eine Rede halten. Ein Experiment durchführen. Eine Zeichnung anfertigen. Kurz: Üben.
Ich habe noch nie jemanden sagen hören: „Mein Klavier hat heute zwei Stunden geübt.“ Dieser Satz bringt etwas Wesentliches auf den Punkt: Lernen lässt sich unterstützen, aber nicht delegieren. Eine gute Hausaufgabe gibt Schülerinnen und Schülern deshalb die Möglichkeit, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen.
Sie erfahren: „Das habe ich selbst geschafft.“ Genau dieses Erleben nennen Pädagogik und Psychologie heute Selbstwirksamkeit.
Es stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und fördert Ausdauer. Es macht Mut, Schwierigkeiten nicht aus dem Weg zu gehen, sondern sie zu bewältigen. Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz wird diese Erfahrung kostbarer denn je.
Selbstwirksamkeit – eine vergessene Dimension der Hausaufgaben
In der öffentlichen Diskussion über Hausaufgaben geht es meist um Organisation: Um Arbeitsbelastung. Um Chancengerechtigkeit. Um Ganztagsschulen. Um Künstliche Intelligenz. Diese Fragen sind wichtig.
Sie verdecken jedoch leicht einen Aspekt, der für die Entwicklung junger Menschen vielleicht noch bedeutsamer ist. Die Erfahrung: „Ich habe das selbst geschafft.“
Kinder und Jugendliche erleben, dass sie Schwierigkeiten überwinden, Probleme lösen und Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen können. Diese Erfahrung stärkt weit mehr als fachliches Lernen: Sie stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie fördert Ausdauer. Sie hilft, Rückschläge auszuhalten. Sie bildet eine wichtige Grundlage für mentale Widerstandskraft.
Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gewinnt diese Erfahrung an Bedeutung. Denn je mehr technische Systeme Aufgaben übernehmen, desto wichtiger wird die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Vielleicht liegt hier sogar eine der wichtigsten Aufgaben der Schule.
Nicht möglichst viele Antworten zu vermitteln. Sondern junge Menschen darin zu unterstützen, Vertrauen in das eigene Denken, Urteilen und Handeln zu entwickeln.
Für eine neue Kultur der Hausaufgaben
Ich glaube deshalb nicht, dass wir im Zeitalter der KI weniger Hausaufgaben brauchen. Wir brauchen bessere. Hausaufgaben, die nicht in erster Linie Ergebnisse kontrollieren, sondern Lernprozesse anregen. Wir brauchen Hausaufgaben, die Urteilskraft fördern, die Beziehungen stärken, die Verantwortung für das eigene Lernen wachsen lassen.
Kurz: Hausaufgaben, die Menschen bilden. Vielleicht besteht gerade darin die eigentliche Herausforderung der Künstlichen Intelligenz. Nicht darin, dass sie immer bessere Antworten liefert, sondern darin, dass sie uns zwingt, über den Sinn von Bildung neu nachzudenken.
Goethes Satz erhält dadurch eine überraschende Aktualität. „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie.“ Goethe formulierte diesen Gedanken ursprünglich als Prinzip der Entwicklung und des Wandels. Überträgt man ihn auf die Pädagogik, wird daraus eine ebenso einfache wie anspruchsvolle Aufgabe. Gute Hausaufgaben entstehen dort, wo Didaktik und Methodik zusammenfinden: wo ein sinnvoller Inhalt auf einen Lernweg trifft, der Urteilskraft, Beziehungsfähigkeit und Selbstverantwortung fördert.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Hausaufgaben im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch sinnvoll sind. Sondern, welche Hausaufgaben junge Menschen dabei unterstützen, selbstständig zu denken, eigene Urteile zu entwickeln, Beziehungen zu gestalten und Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen.
Die KI ist deshalb kein Argument gegen gute Hausaufgaben: Sie ist ein Prüfstein für guten Unterricht. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz verlangt deshalb nicht weniger Hausaufgaben, sondern eine neue Kultur der Hausaufgaben. News4teachers / Axel Weinstein
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung.
Quellen und weiterführende Literatur
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil, 2. Akt (Homunculus: „Das Was bedenke, mehr bedenke Wie.“)
- Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes (The Life of the Mind), Denken ohne Geländer
Lernforschung
- John Hattie: Visible Learning
- John Dunlosky et al.: Improving Students’ Learning with Effective Learning Techniques (2013)
- OECD: Future of Education and Skills 2030
Aktuelle Debatte
- Tagesschau: Hausaufgaben – Was sagt die Wissenschaft?
- Frankfurter Rundschau: „Witzlos geworden?“ – Hausaufgaben im Zeitalter der KI (2026)
News4teachers-Themenmonat „Beruf Schulleitung“: Wie Schulen erfolgreich ins neue Schuljahr starten










Neue Kultur, ok.
Ich gebe klein Erna künftig keine banalen Schreib/, Rechen- oder Leseaufgaben mehr auf.
Stattdessen soll sie die KI fragen oder über Demokratie nachdenken.
Hab ich soweit notiert, etwaige Beschwerden seitens der Eltern leite ich direkt weiter 😉
Das ist der Weg.
Gebt den Leuten, was sie wollen.
Es grüsst,
die Bildungsinitiative ‚Schland-2035 (nur echt mit Apostroph)
Wenn es darum geht, geistige Anstrengung zu vermeiden, dann braucht man im KI-Zeitalter gar nichts mehr machen. KI kann alles besser. Jedes Fach ist überflüssig. KI kann besser malen, Musik machen, Mathe, Texte verfassen, Sprachen …
Schule muss im KI-Zeitalter das fürs Gehirn werden, was Sport für den Körper ist – Training. Da sind erst mal Gehirnforscher gefragt. Wie muss ein Kindergehirn trainiert werden, dass am Ende, wenn das Gehirn ausgereift ist, denkfähige Menschen herauskommen.
KI für die Schule zu verwenden ist wie E-Roller fahren, um etwas für die Fitness zu tun.
Somit fallen zu 80 Prozent die Hausaufgaben flach. Muss ich mir jetzt wirklich in Chemie/Bio so einen Quark ausdenken? Ich werde den Schülern eintrichtern, dass sie eben die Unterrichtsstunden nachbereiten und sich auf meine Unterrichtsstunden vorbereiten sollen. Das Argumente „Ich habe es nicht verstsanden.“, „Ich hatte keine Übungsaufgaben.“ etc, fallen also flach. Am Besten wäre es, unangekündigt und stichprobenartig zu benoten. Aber das fliegt mir ja um die Ohren und ist nicht mehr gewünscht. Die armen, armen Schüler.
Wieso fliegt das um die Ohren?
Einfach machen.
Warum zum Teufel gibt es immer noch Lehrkräfte, die unangekündigte Tests schreiben?!
Das ist ein Instrument, um Angst zu erzeugen.
Wenn man einer Klasse sagt, dass sie in der nächsten Woche mit einem Test zu XY rechnen müssen, ist das transparent und führt in der Regel auch zu einem Lernerfolg.
Alles andere ist Schikane.
Wenn klar ist, dass in Mathe jeden Montag ein Kurztest/Testat erfolgt, ist das natürlich vielleicht ein Stück weit „unangekündigt“, weil vielleicht nicht die Tests aller Schüler eingesammelt werden, sondern nur von bestimmten Schülern. Gerade in Chemie mit vielleicht 1 oder 2 Stunden muss es, um voran zu kommen, eigentlich mindestens alle 2 Wochen eine Note geben. D.h., Eigeninitiative der Schüler! Dass das dann Schikane soll…ich weiß nicht… Unangekündigt Tests schreiben ist sowieso nicht so gut, weil die Tests katastrophal ausfallen und man sie meist nochmal nachschreiben muss. Und man vergrault natürlich dann seine Schüler für die Oberstufe.
Test führen immer zu einem Lernerfolg.
Zu lesen im Buch: „Psychologie im Klassenzimmer – 35 Studien, die jede Lehrerin und jeder Lehrer kennen sollte“
Sie haben ein interessantes Lehrerbild, wenn Sie wirklich glauben, jemand konzipiert und korrigiert einen Test, nur um Schülern Angst zu machen oder sie zu schikanieren.
Unangekündigte Test sind eine extrinsische Motivation zu kontinuierlichem Lernen. Alles andere fördert nur eine Learning-For-Tests-Kultur. Sinnvoll ist das vor allem in Fächern, in denen diese Kontinuität zwingend notwendig ist, z. B. Fremdsprachen (Vokabeln etc.).
Ich behaupte, Schülern abzuverlangen, dass sie intrinsisch motiviert sind, regelmäßig Französisch-Vokabeln zu lernen, bedeutet, seine Hände in pädagogischer Unschuld zu waschen und die Kinder, die damit vollkommen überfordert sind, damit im Stich zu lassen.
Damit stellt man nämlich eine viel höhere Anforderung an die Kinder als „lern das!“, nämlich „wolle das lernen!“ und zusätzlich noch „lern das!“.
Natürlich kann ich als Lehrer versuchen, den Kindern dieses „Wollen“ schmackhaft zu machen und sie dafür zu interessieren. Aber ich habe genau *einen* spezifisch vorgeschriebenen Lerngegenstand, den die Kinder interessant finden sollen und konkurriere dabei mit einer internationalen Billionen-Dollar-Industrie (social media & Co.), die nichts anderes tut als zu versuchen, die Kinder für *irgendein* Thema zu interessieren.
Ich bin nicht selbstbewusst genug, um ernsthaft zu glauben, ich könnte diesen Kampf bei der Mehrzahl der SuS gewinnen. Sie?
„„Lass dir von einer KI einen Aufsatz zum heutigen Thema schreiben. Suche anschließend fünf Stellen, die oberflächlich, ungenau oder unpersönlich wirken. Verbessere sie und begründe deine Entscheidungen.“
Da Schüler nicht blöd sind, lassen sie ChatGPT den ersten Teil der Aufgabe lösen und Claude den zweiten…
Außerdem:
„Genau darin liegt übrigens eine Grenze jeder Künstlichen Intelligenz: Sie kennt den Lehrplan. Sie kennt das Fachwissen. Sie kennt Millionen Texte. Aber sie kennt nicht diese Unterrichtsstunde. Sie war nicht dabei.“
Metas AI Glasses und die verbesserten Nachfolger werden dieses Problem mittelfrisitg lösen. Oder verbieten wir demnächst Brillen und führen zu Beginn jeder Stunde eine Brillenkontrolle ein? Brillen nur noch mit ärztlichem Attest erlaubt? Und komme mir keiner mit komischen roten Punkten, die dann leuchten sollen…
Mein Schulleiter würde da direkt mindestens einen Verweis aussprechen, wenn ich ihm das melde, und das konsequent durch alle Instanzen verteidigen. Vielleicht gewinnt er am Ende nicht, aber es wären doch genug Eltern abgeschreckt und würden ihren Kindern sowas erst gar nicht kaufen.
Wenn der Schulleiter am Ende nicht gewinnt, könnte das im Umkehrschluss aber auch einen Kaufboom auslösen.
Tätärätää! Die Schule des neuen KI-Normal präsentiert stolz: die neue Kultur der Hausaufgaben.
Hausaufgaben sollen im KI-Zeitalter natürlich nicht verschwinden – sie müssen nur „anders“ werden. Schließlich glaubt man unerschütterlich an den intrinsisch motivierten Schüler, der nach Unterrichtsschluss förmlich darauf brennt, seine Gedanken aus dem Unterricht weiterzuentwickeln. Willkommen im pädagogischen Wolkenkuckucksheim.
Empfehlung für die Hausaufgabe der neuen Generation: „Schreibe nach der heutigen Unterrichtsstunde die drei wichtigsten Gedanken oder Fragen auf, die du mit nach Hause nimmst.“ Nicht: „Was stand an der Tafel?“ Sondern: „Was ist dir wichtig geworden? Was hat dich überrascht? Welche Frage beschäftigt dich noch?“ Denn diese Hausaufgabe „zwingt nicht zum Wiederholen. Sie lädt zum Nachdenken ein.“
Klaro. Selbstverständlich verlässt die Mehrheit der Schüler das Klassenzimmer mit einem Kopf voller philosophischer Gedanken und tiefschürfender Fragen. „Welche Erkenntnis über den Atombau hat heute mein Weltbild erschüttert?“ – „Welche tiefe Beziehung habe ich heute zum Periodensystem aufgebaut?“ – „Warum lässt mich die Elektronenkonfiguration emotional nicht mehr los?“ Und erst Biologie! „Hat die Mitose meinem Leben eine neue Richtung gegeben?“ – „Bin ich nach der Zellteilung eigentlich noch derselbe Mensch wie vor der Prophase?“ Gerade in den MINT-Fächern brennen Schülerinnen und Schüler bekanntlich darauf, solche Fragen nach Schulschluss freiwillig weiterzudenken.
Bleibt diese Begeisterung für derartige Hausaufgaben und der erwartete Erkenntnisrausch wider Erwarten aus, ist die Diagnose schnell gestellt: Der Unterricht hat eben nicht genügend „überrascht“, „berührt“ oder „motiviert“.
Ich würde die Hausaufgabe deshalb ehrlicher formulieren: „Beschreibe in drei Sätzen, warum dich der Atombau heute nicht im Geringsten beschäftigt hat.“ Das wäre wenigstens authentisch – und vermutlich die erste Hausaufgabe seit Langem, die tatsächlich von den Schülerinnen und Schülern selbst stammt.
Im KI-Zeitalter genügt dagegen ein einziger Prompt: „Nenne drei tiefgründige Gedanken eines interessierten Zehntklässlers zum Atombau.“ Sekunden später liefert ChatGPT zuverlässig: „Mich fasziniert, dass die gesamte Vielfalt der Stoffe letztlich auf der Anordnung weniger Elementarteilchen beruht.“ – „Mich überrascht, dass leere Räume den größten Teil eines Atoms ausmachen.“ – „Ich frage mich, ob unser Weltbild ohne das Atommodell heute völlig anders wäre.“
Dazu noch zwei existenzielle Fragen zur Mitose: „Wenn sich eine Zelle teilt, was macht dann eigentlich meine Identität aus?“ und „Ist das Leben vielleicht nichts anderes als eine unendlich oft wiederholte Zellteilung?“
Fertig ist die angeblich höchst persönliche Reflexion – tiefgründig, individuell und selbstverständlich völlig intrinsisch motiviert. Und damit wäre bewiesen: Auch im KI-Zeitalter bleibt der wichtigste Bestandteil von Hausaufgaben erhalten – der Glaube daran, dass sie funktionieren.
Gerne auch mal konstruktiv äußern: Was schlagen Sie vor, um Hausaufgaben im KI-Zeitalter einen Sinn zu geben – Störsender über ganz Deutschland verteilen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Herzlichen Dank für den konstruktiven Hinweis mit den Störsendern. Es beruhigt ungemein zu wissen, dass zwischen pädagogischer Innovation und flächendeckender Funkabschaltung offenbar nur ein kleiner Schritt liegt.
Mein Vorschlag wäre etwas weniger spektakulär: Hausaufgaben könnten wieder das tun, wofür sie einmal gedacht waren – den Unterricht nach- und vorbereiten. Also üben, wiederholen, Fachtexte tatsächlich lesen und verstehen sowie Faktenwissen sichern. Diese altmodischen Tätigkeiten haben nämlich einen kleinen Nachteil: Sie erfordern noch die Mitarbeit des Schülers und lassen sich nicht an die KI auslagern.
Und ganz nebenbei wäre man dann auch vorbereitet, falls der böse Lehrer tatsächlich einmal auf die Idee kommt, eine unangekündigte „Ex“ in petto zu haben.
Und inwieweit widerspricht das den Ausführungen von Herrn Weinstein? Nochmal zur Erinnerung: „Eine gute Hausaufgabe führt den gemeinsamen Lernprozess weiter. Sie verlängert den Unterricht – nicht zeitlich, sondern gedanklich und aktivierend.“
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Genau das ist doch der Punkt: Wenn Herr Weinstein letztlich beschreibt, dass Hausaufgaben den Lernprozess sinnvoll weiterführen sollen, dann braucht man aus derartigen Hausaufgaben kein „Auslaufmodell“ zu fabulieren. Man könnte genau das auch weiter als gute Hausaufgaben laufen lassen.
Haben Sie den Beitrag, den Sie kommentieren, auch gelesen?
Tut er doch: „Nicht die Existenz von Hausaufgaben steht auf dem Prüfstand, sondern ihre Qualität. Die KI entlarvt nämlich nicht die Idee der Hausaufgabe. Sie entlarvt schlechte Hausaufgaben.“
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ja, genau, mehrfach geprüft.
Was wären gute Hausaufgaben zum Thema Kopfrechnen? Mir fällt da außer minimum 20 Kopfrechenaufgaben nichts ein. Blöderweise kann die ki das auch. Alternativ auch zum Thema Vokabeln.
Die gibt man als „Lernaufgabe“ – muss man nicht kontrollieren. Schon steht da was im Fensterchen bei „Hausaufgaben“ und Arbeit damit hat niemand der es nicht will.
Immer an das heilige Pädagogenmantra denken; „Kinder WOLLEN lernen.“
„Nicht die Existenz von Hausaufgaben steht auf dem Prüfstand, sondern ihre Qualität. Die KI entlarvt nämlich nicht die Idee der Hausaufgabe. Sie entlarvt schlechte Hausaufgaben.“
Stimme nicht zu. Es gibt Hausaufgaben, die den Sinn haben, Gelerntes zu üben. Das kann Kopfrechnen in Mathe sein, Vokabeln in Fremdsprachen oder Übersetzen im Lateinunterricht. Da geht es im Grunde darum, die „Denkmuskulatur“ durch Wiederholungen zu trainieren. Diese Übungen sind unersetzbar und überhaupt nicht schlecht oder sinnlos, obwohl sie von jeder KI in Nullkommanix gelöst werden. Genausowenig wie Fingerübungen sinnlos sind, wenn man irgendwann Chopin spielen will. Schlecht (für die Schüler) ist es nur, wenn sie mit KI gelöst werden. Deshalb sollte man bei Hausaufgaben m. E. prinzipiell eine andere Strategie fahren:
Überhaupt nicht mehr bewerten, *ob* jemand die Hausaufgaben gemacht hat (die „Hausaufgabenstriche“ sind ja das, was zum Schummeln verleitet) , sondern auch hier nur überprüfen, ob der Inhalt der HA gelernt wurde. Das ist natürlich ein elender Aufwand, aber eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.
Und ich sehe eigentlich nur eine Möglichkeit, das so zu überprüfen, dass es für die Lehrkraft stemmbar ist (ich weiß, ich mache mich unbeliebt): Unangekündigte und ggf. stichpunktartige Überprüfungen.
Warum ist denn laut Herrn Weinstein eine Aufgabe, die von KI übernommen werden kann, eine schlechte Hausaufgabe?
Wenn ein Schüler an einem neuen Beispiel die Nutzung des Prinzips von Le Chatelier erklären soll, kann ein Schüler diesen Impuls nutzen, das Gelernte anzuwenden und zu festigen, vielleicht ernsthaft fürs Abitur lernen und mit dem Text eine Grundlage für weitere Besprechung liefern. Der Schüler könnte aber auch selbst rinen Text schreiben und sich ein feedback durch KI geben lassen. Oder der Schüler lässt sich die Antwort direkt von einer KI liefern und lernt nichts. Das liegt aber in seiner Verantwortung…
Eine metakognitive Frage wie „was habe ich heute gelernt?“ gehört m.E. auch eher ans Ende einer Stunde und sollte nicht zeitversetzt mehrere Stunden später erfolgen.
Die Vorschläge von Herrn Weinstein sind für mich, und offenbar auch für die Katze, eher geisteswissenschaftliche Laberei. Worüber soll sich der Schüler meines Chemie-Leistungskurses mit seinen Eltern unterhalten? Etwa, wie ihnen im Leben die Unterscheidung zwischen Brennwert, Heizwert und Molarer Verbrennungsenthalpie durch den Winter geholfen hat?
Mich würden die Antworten der Eltern tatsächlich interessieren
Ich spoiler mal:
„Häähhh?!“
@Katze
>>Denn diese Hausaufgabe „zwingt nicht zum Wiederholen. Sie lädt zum Nachdenken ein.“<<
Und Schüler so: „Meine Mama sagt, ich darf Einladungen von Fremden nicht annehmen!“
😉
Als Vertretungssprecher von Präsidialdrohne 1661 (dessen Token für heute aufgebraucht sind) biete ich folgende aktivierenden, schüler- und kompetenz-kompetenzenorientierte Hausaufgaben an:
– „Die Lesetexte der heutigen Stunde zu Hause einmal lesen, zweimal lesen mit Unterstreichen wichtiger Stellen wenn man sich noch unsicher fühlt, feedback zum Unterstreichen gibt es freiwillig von 447 in der nächsten Feedbackphase, wenn man möchte.“
– „Wer fertig ist und alle Aufgaben mut Zusatzaufgabe erledigt hat, hat keine Hausaufgaben.“
– „Seine eigene Lösung mit den Musterlösungen vergleichen und dazu nächste Stunde mündlich Stellung beziehen können, freiwillig.“
Diese sehr kompetenzigen Hausaufgaben haben viele Vorteile – unter anderem natürlich den, dass die Lehrkraft autoritäre Hausaufgabenkontrolliererei vollständig vermeidet.
Dies ist sehr schülerorientiert und vir allem auch konform zum Hausaufgabenerlass NRW. 🙂
Gute Hausaufgaben können mit der KI nichts anfangen.
Falsch. Entscheidend sind die richtigen Prompts.
Wer KI als Tutor betrachtet, kann sehr stark davon profitieren, weil sie in der Lage ist, viele Dinge genauer, verständlicher und geduldiger zu erklären als manche Lehrkräfte. Wer KI dagegen nur als Abschreibmaschine benutzt, wird daraus kaum einen wirklichen Nutzen ziehen.
Gerade an solchen Aussagen sieht man, wie viele Lehrkräfte mit dieser Entwicklung noch nicht Schritt halten. Umso deutlicher wird, wie dringend wir an Schulen ein eigenes Fach zum Thema Künstliche Intelligenz brauchen.
Denn ob Sie, liebe Lehrkräfte, es wahrhaben wollen oder nicht. KI ist die Zukunft. Selbst das klassische Berufsbild des Programmierers oder Informatikers, auf das wir Kinder bisher vorbereitet haben, wird sich grundlegend verändern und in seiner bisherigen Form vermutlich nicht mehr existieren.
Eine neue Zeit hat begonnen, meine Lieben, ob es Ihnen gefällt oder nicht.
Aber deswegen müssen auch noch Gehirne geschult werden – und das geht mit KI sicher nicht sehr gut.
Zu prompten muss auch niemand mehr lernen. Man kann mit der KI reden und wenn einem das Ergebnis nicht gefällt, dann sagt man es der KI. Außerdem bietet die KI selbst weitere Optionen an.
Niemand bezweifelt, dass KI nicht mehr weggeht.
Und natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen „Wer KI als Tutor betrachtet, kann sehr stark davon profitieren, … Wer KI dagegen nur als Abschreibmaschine benutzt, wird daraus kaum einen wirklichen Nutzen ziehen.“
Der springende Punkt ist allerdings, dass es KI eben von den meisten Heranwachsenden eben nicht als Tutor genutzt wird, weil die meisten Menschen so nicht ticken. Es geht darum, mit möglichst wenig Mühe und Zeitaufwand das beste Resultat zu erreichen.
Man nimmt die Abkürzung und wird dadurch hirntechnisch zwangsläufig – vereinfacht ausgedrückt – dümmer.
Ja, ein Fach „Umgang mit KI“ wäre sinnvoll, aber zu erwarten, dass dadurch alle S*S plötzlich KI nur noch sinnvoll nutzen, ist komplett weltfremd. Wer so etwas annimmt, hat sehr wenig mit Menschen zu tun und lebt in einer Art Blase.
Stimmt, eine neue Ära bricht an. Wenn die Menschheit durch soziale Medien noch nicht komplett stumpf gemacht wurde, wird KI ihr jetzt den Rest geben. Elon Musk schwadronierte jüngst davon, dass dank der KI in zehn Jahren niemand mehr arbeiten muss und nur noch freiwillig gearbeitet werden wird. Wenn das Gehirn verkümmert und das Nachdenken verlernt wird, werden wir in einer Dystopie erwachen, in denen Hausaufgaben unser geringstes Problem sein werden.
Das kommt alles darauf an, ob der Schüler überhaupt Energie für die Schule aufbringen will. Wenn ja, so hat er mit KI eine großartige persönliche Lernassistentin. Wenn nein, dann nimmt ihm KI jegliche Anstrengung ab. Viele Schüler interessieren die Inhalte ihrer Hausaufgaben nicht sonderlich, sie wollen sie nur irgendwie gemacht haben, um einem Tadel zu entgehen.
In bestimmten Fächern wie z.B. Musik tut sich die KI sehr schwer. Und damit meine ich jetzt nicht billige KI-Songs, die von Suno generiert werden.
„…An überraschende Gedanken. An Irrtümer, die gemeinsam entdeckt wurden. An Diskussionen, die in dieser Klasse entstanden sind.. “ Ein traumhaftes Bild, das aber seltener vorkommt, wenn es mehr und mehr selbstorganisiertes Lernen praktiziert wird. Input-Phasen oder Diskussionen in kleinen Gruppen sind nicht immer genug, besonders für introvertierte Kinder.
„Frage deine Eltern, Nachbarn oder Großeltern, welche Erfahrungen sie mit dem heutigen Unterrichtsthema verbinden.“ Bringt es nicht noch mehr Bildungsungerechtigkeit? Falls das Kind nur spät nach Hause kommt und seine Umfeld wenig sieht, schlecht gebildete Familie hat, die ihm nichts erzählen können oder gar nicht über das Thema reden können/möchten oder sehr kritisch über einige Themen denken? Wie werden die Resultate von solchen Gesprächen bearbeitet, wenn schon heute Lehrer nicht genug Zeit haben? Und die Bearbeitung bei solchen Aufgaben wäre wichtig. Ob die Motivation dann steigen würde.
Ich hätte noch eine Frage über KI insgesamt. Heute wird die Frage von Klimawandel und ökologischem Handeln immer wichtiger. Autofahren, Fliegen, Fleischkonsum, selbst das Heizen im Winter stehen öfter unter Kritik. Wird die Frage über Auswirkungen von KI aufs Klima nicht gestellt? Die verbraucht doch Unmengen an Energie und Wasser? Was wenn die Ressourcen rationiert werden müssen, was Ulrike Herrmann immer wieder propagiert?
Und noch ein Punkt. In meiner Heimat war das Abchreiben von HA nicht ungewöhnlich. Wer aber selber was lernen wollte, machte HA selbständig. Ist es nicht das gleiche mit HA und KI?
In Mathematik ist es nicht immer wichtig, die Antwort zu finden, sondern den Rechenweg oder Beweisweg, in Geschichte – nicht die Daten, sondern das Verständnis für Prozesse und ihren Zusammenhang usw. Wenn ein Schüler das mithilfe KI verstanden hat und selbständig reproduzieren und weiterdenken kann – wunderschön. Wenn nicht – wird es absolut klar beim Gespräch und in Klausuren. Ich bin mir nicht sicher, ob andere HA mehr Wirkung hätten.
Ich bin vermutlich zu alt, ich denke aber, dass ohne guten Basiswissen geht es trotzdem nicht, auch im KI-Zeitalter.
Die Ideen für HA „mal anders“ sind aber gut. Vielen Dank.
„Ich hätte noch eine Frage über KI insgesamt. Heute wird die Frage von Klimawandel und ökologischem Handeln immer wichtiger. Autofahren, Fliegen, Fleischkonsum, selbst das Heizen im Winter stehen öfter unter Kritik. Wird die Frage über Auswirkungen von KI aufs Klima nicht gestellt? Die verbraucht doch Unmengen an Energie und Wasser? Was wenn die Ressourcen rationiert werden müssen, was Ulrike Herrmann immer wieder propagiert“
Ich habe einmal Gemini genau diese Frage gestellt. Sie meinte, dass das menschliche Gehirn ja auch mit relativ wenig Energie sehr große Leistungen vollbringt und dass KI sich in der Zukunft dessen Arbeitsweise immer mehr annähern wird.
Das Gehirn benutzt aber bis 20% der ganzen Körperenergie, das ist nicht wenig für ein kleines Organ. Wenn das Gehirn circa 20 Watt Strom verbraucht, verbraucht KI heute Megawatte bis Gigawatte.
Selbst wenn es energieeffizienter wird, wird der gesamte Verbrauch bei mehr Anwendungen und Komplexität der Aufgaben steigen.
Dazu ein direkter und indirekter Wasserverbrauch zur Abkühlung, wo schon heute in DE (München) Wasserprobleme behauptet werden und das Wasserverbrauch eingeschränkt wird.
Ich finde, dass diese Fragen sollten auch aktiv besprochen werden, wenn es um Klimawandel geht.
Finde ich super.
Die BRD sollte daher zum Zwecke des Gliemah die Verwendung von „KI“ verbieten.
Oder noch besser:
Wir verwenden LLMs nur noch im Dommer tagsüber, wenn genug Solarstrom das Netz flutet.
Denn: Gliiiieeeemahhh!
Ich möchte das mal weiterspinnen: Wenn Lehrkräfte nur noch Lerncoaches sind und jedes Kind in den Schulen neuer Denkart individuell im Lernatelier am Tablet werkelt – wie will man da den Einsatz von KI beim Lösen von Aufgaben kontrollieren?
KI lagert das Lernen aus. Schlauer werden am Ende nur die Großrechenzentren.
Ehrlich gesagt frage ich mich, wozu diese ganze Dramatisierung rund um Leistungen und Noten überhaupt dient. Noten werden ohnehin viel zu oft nach Sympathie, Antipathie oder anderen kaum nachvollziehbaren Kriterien vergeben. Das ist inzwischen sogar für die Kinder offensichtlich, die solche Situationen jedes Jahr aufs Neue beobachten, sei es während des Schuljahres oder besonders am Ende. Es entstehen immer wieder absurde Situationen, in denen diejenigen belohnt werden, die wenig geleistet haben, während die Fleißigen benachteiligt werden. Das ist wirklich erschreckend.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Was ist eigentlich Schulbildung? Was bedeutet Bildung überhaupt? Gibt es wirklich genau festgelegte Werkzeuge und Normen, anhand derer entschieden werden kann, ob ein Mensch gebildet ist oder nicht? Und spielt es dabei eine Rolle, auf welchem Weg jemand zu diesem Wissen gekommen ist?
Es wirkt diese Diskussion eher wie ein schwacher, sehr schwacher Versuch mancher Lehrkräfte, ihre eigene Existenz und das Gehalt, das sie dafür bekommen, zu rechtfertigen.
„Es entstehen immer wieder absurde Situationen, in denen diejenigen belohnt werden, die wenig geleistet haben, während die Fleißigen benachteiligt werden. Das ist wirklich erschreckend.“
In dem Punkt muss ich Ihnen ausnahmsweise mal recht geben. Zumindest hat man den Eindruck, dass viele Lehrkräfte davor zurückschrecken, die verdiente Note 5 auch wirklich zu vergeben. Schlussendlich bin ich dennoch gegen eine Abschaffung von Noten, da sie gerade den fleißigen Schülern zeigen, dass sich Anstrengung lohnt. Am Ende sind Noten nach wie vor ein Gradmesser für künftige Arbeitgeber und sie bestimmen über eine Zulassung zum Studium. Und ehrlich gesagt sind es eher die faulen und wenig anstrengungsbereiten Schüler, die Noten gerne abschaffen möchten.
„Es wirkt diese Diskussion eher wie ein schwacher, sehr schwacher Versuch mancher Lehrkräfte, ihre eigene Existenz und das Gehalt, das sie dafür bekommen, zu rechtfertigen.“
Diesen Satz hätten Sie sich hingegen sparen können. Wollten Sie den Job denn machen?
Klar, in Landesschülerräten sitzen die faulen Schüler, die sich lieber mit Bimbes wie Mitbestimmung beschäftigen und die Abschaffung von Noten fordern – statt ordentlich zu pauken und ehrenamtlich den Schulhof zu fegen.
Sind Elternvertreter, die ebenfalls die Abschaffung von Noten fordern, dann eigentlich auch faul, arbeitslos und arbeitsscheu – und wollen ihrer Brut nur ein ähnlich bequemes Leben ermöglichen? Gerne hier nachlesen: https://www.dnn.de/politik/regional/schueler-und-eltern-fordern-abschaffung-der-zensuren-in-sachsen-OIML42UHQRCPVDVBBZV37WQ7VE.html
Manchen ist nichts zu dumm, um es in die Öffentlichkeit zu tröten, sorry.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich schrieb „es sind eher die faulen Schüler“ – ich schrieb nicht „ausschließlich“. Natürlich bekomme ich mit, dass auch andere Stellen die Abschaffung fordern und z.B. auf Lernentwicklungsberichte setzen. Diese gibt es bereits an baden-württembergischen Gemeinschaftsschulen. Die ersten Tage nach Zeugnisvergabe verbringen wir in einigen Familien unter anderem damit, diese langen Texte für Eltern etwas verständlicher rüberzubringen und stichpunktartig aufzulisten, was denn nun gemeint ist. Wenn keine Note dabeisteht, ist die Frage danach oft die erste Frage, die von Elternseite gestellt wird. Wir verweisen da natürlich an die Schule, doch die ist jetzt erst einmal sechs Wochen geschlossen.
Und was hat das mit „eher faulen Schülern“ zu tun? Herzliche Grüße Die Redaktion
Wer wenig Lust auf Anstrengungsbereitschaft hat, freut sich auch, wenn er nicht mehr entsprechend bewertet wird. Das klassische Sitzenbleiben wurde ebenfalls entschärft. Wer es auf Realschulniveau nicht schafft, rutscht in die nächste Klasse und macht auf Hauptschulniveau weiter. Nach unseren Beobachtungen führte das dazu, dass sich viele Schüler lieber einen „lauen Lenz“ machen. Ich habe persönlich auch noch keinen Jugendlichen kennengelernt, der in der Schule gute Noten schreibt und diese abschaffen will. Wohl gemerkt, ich treffe im Rahmen meiner Arbeit nun auch eher selten Schüler mit top Noten in der Schule.
Dass Landesschülerräte sich für eine Abschaffung aussprechen, ist legitim. Immerhin agiert man im Sinne der ganzen Schülerschaft. Und was könnte schöner sein als eine Schule, in der man sich nicht mehr anstrengen muss?
Wer „wenig Lust auf Anstrengungsbereitschaft“ hat – wird sich kaum in einer Schüler- oder Elternvertretung engagieren.
Herzliche Grüße
die Redaktion
Richtig. Ich rede von Schülern, die sich an keinerlei Aktivitäten beteiligen und es begrüßen würden, auch im Unterricht nichts mehr leisten zu müssen. Denen käme eine Abschaffung von Noten sehr recht.
Und die engagieren sich politisch für eine Abschaffung von Noten?
Sie imaginieren sich etwas zusammen, um ihr Lieblingsetikett „faul“ auf irgendwen pappen zu können.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Können oder wollen Sie mich nicht verstehen? Natürlich würden insbesondere die faulen Schüler davon profitieren, wenn Noten abgeschafft werden. Diese engagieren sich nirgends, würden es aber begrüßen. Und ja, es gibt faule Schüler, genauso wie es faule Lehrer, faule Sozialarbeiter, faule Gärtner und faule Redakteure gibt, die allenfalls das Minimum leisten. Nur in Ihrer Welt scheint es rein intrinsisch motivierte Menschen zu geben, die allenfalls von System und Gesellschaft gehemmt werden. Ihre Weltsicht ist und bleibt arg naiv.
„Diese engagieren sich nirgends, würden es aber begrüßen.“
Was ist dafür Ihre Quelle – Ihre Imagination?
„Und ja, es gibt faule Schüler, genauso wie es faule Lehrer, faule Sozialarbeiter, faule Gärtner und faule Redakteure gibt, die allenfalls das Minimum leisten.“
Überall faule Leute… es gibt übrigens auch gedankenfaule Menschen, die sich mit sehr schlichten Etiketten für andere zufrieden geben. Was spricht eigentlich dagegen, wenn Schülerinnen und Schüler nur das Minimum leisten? Im Notensystem nichts: ist ja „ausreichend“.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Quelle sind Gespräche, liebe Redaktion, jeden Tag. Mein Sohn hätte es übrigens auch toll gefunden, die Schule komplett ohne Noten abzuschließen. Er war mitunter auch einfach nur „faul“ und hatte keinen Bock etwas für die Schule zu tun. Er hat eine ganz ordentliche mittlere Reife gemacht, wir hoffen dennoch, dass er seine Ausbildung etwas ernster nehmen wird.
Es spricht im Übrigen überhaupt nichts dagegen, nur ein Minimum zu leisten. Dann darf man sich aber nicht beschweren, wenn man mit dem Minimum nicht nach den Sternen greifen kann. Begehrte Ausbildungsbetriebe suchen sich nicht unbedingt die absoluten Minderleister aus.
„Dann darf man sich aber nicht beschweren, wenn man mit dem Minimum nicht nach den Sternen greifen kann.“
Dummerweise kann man mit dem Minimum aus Schülersicht nach den Sternen greifen – welcher Influencer, welcher Reality-Star baut denn auf gute Schulnoten?
Genau das ist doch der Punkt: Noten sind nicht Bildung – und für den, der nicht gerade Medizin studieren will, sind Noten (wenn sie nicht ganz schlecht sind) ziemlich egal. Das wissen auch die Unternehmen, für die meist Kompetenzen zählen, die Schulnoten eben nicht abbilden, Teamfähigkeit zum Beispiel.
Schule muss sich heutzutage anders legitmieren als mit Notendruck. Wie wäre es, stattdessen mal den Wert von Bildung zu vermitteln – nämlich ein geistig freies, selbstbestimmtes und -wirksames Leben führen zu können (wozu Bildung ermächtigt). Das lässt sich Kindern und Jugendlichen aber nicht autoritär einbimsen, weil sich erzwungen nunmal schlecht Freiheit lernen lässt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Selbst wenn eine deutsche Staatsbürgerin, ein deutscher Staatsbürger des Lesens nicht mächtig sein sollte, hat sie oder er alle Möglichkeiten, auch in diesem Deutschen Bundestag zu sein.“ (Franziska Brantner, die Grünen).
Bei uns wird gesagt, man müsse mit Schülern, die schlechte Noten bekommen, Freunde sein, da sie die zukünftige Arbeitgeber der Schüler mit guten Noten würden 🙂
Ich stimme zu, dass Noten und Bildung nicht gleich sind. Ich nehme Noten aber als Mittel zu messen, inwiefern die Lernziele und Kompetenzen des Schulplans erreicht sind, wahr. Nicht mehr. Wie bei Arbeitsaufgaben: am Ende ist es nur interessant, ob die gestellte Probleme gelöst wurden (zu den minimalen Preis).
Selbstständigkeit, soziale Kompetenzen, Kreativität lassen sich nur schwer messen und könnten und müssten auf den anderen Weg zusätzlich bewertet werden.
Ich finde aber, dass ganz ohne autoritäre Mitteln klappt Bildung nicht immer. Grenzen, Regeln, Leistungsanforderungen werden mal gebraucht, damit Kinder ihren Weg auch hinter diese Grenzen finden könnten und Verantwortung übernehmen.
Autoritär – oder autoritativ? Das ist ein Unterschied: https://de.wikipedia.org/wiki/Autoritative_Erziehung
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Autoritativ, danke.
Das ändert aber nichts daran, dass Noten zum bestimmen Niveau hilfreich sind, das Resultat vom Lernen mit dem gewünschte Resultat zu vergleichen. Sprachliche Bewertungen sind komplizierter zu analysieren.
Doch, gerade die.
Kennt jeder Lehrer im Kleinen von den Eltern, die so rein zufällig immer freiwillig Pflegschaft, Schulkonferenz und ähnliches machen wollen:
20-30% engagierte „Bildungsbürger“ in dem Sinne, dass sie sich wirklich konstruktiv einbringen wollen und sich sinnvoll für das Schulgeschehen interessieren (wir haben wirklich großes Glück und haben bisher durchgehend solche Elternvertreter) – der Rest erhofft sich Einflussmöglichkeiten für ihre Kinder … und weiß schon warum.
Alles menschlich, alles legitim – man kann niemandem einen persönlichen Vorwurf daraus machen, Angebote auch zu nutzen.
Würden wir alle machen.
Und,nur um es noch mal ausdrücklich zu sagen: An „meiner“ Schule sind die Elternvertreter bisher immer super gewesen.
Meine Erfahrung ist eher, dass nachdenkliche und reflektierte Schüler Lust auf Experimente haben, während die eher schlichteren Gemüter sehr am Status Quo kleben. Dazu gehören Noten.
Ja, Texte sind blödsinnig, aber Kompetenzraster mit verständlichen Formulierungen funktionieren gut. Und sie geben dezidiert darüber Auskunft, was ein Kind schon gut kann und wo es noch unsicher ist.
Solche Zeugnisse gibt es in SH. Zusätzlich kann man zu jedem Fach noch Zusatzbemerkungen schreiben. Z.B. kann ich in Englisch dazu schreiben, dass Fritzi Vokabeln nicht gut genug lernt, so dass klar wird, dass Fritzi gewissenhafter lernen muss.
Leider setzen die uns bekannten Gemeinschaftsschulen in ihren Lernentwicklungsberichten auf Fließtexte. Nicht alle Eltern können mit den Formulierungen etwas anfangen.
Ich wurde auch von den Eltern gefragt, ob das jetzt so ist wie in den Arbeitszeugnissen und ob es da bestimmte Verklauselierungen gäbe.
Aber wehe, Sie verraten den Code
Und? Konnten Sie Auskunft geben? Mit Arbeitszeugnissen kennen sich Lehrer ja auch aus. Wie mit allem.
Stets zur vollsten Zufriedenheit.
Sie werden es vermutlich kaum glauben, meine AG haben mir welche erteilt und ich selbst habe etliche geschrieben, bevor ich Lehrkraft geworden bin.
Ich habe 2000 auch an einer Schule angefangen, die Fließtexte zur Rückmeldung verwendete. Das war furchtbar. Und da jede Lehrkraft einen anderen Stil hatte, nicht einheitlich und somit auch nicht vergleichbar.
Jetzt stellt das Land ein Programm mit Kompetenzrastern.
Das sollte man zwar in einigen Fächern noch überarbeiten, weil die Formulierungen zu wissenschaftlich sind, in Englisch z.B. kann man das gut verstehen und nachvollziehen, finde ich.
Machen Sie das? Also ich habe ein Bewertungsraster und vergebe bestimmt nicht ausufernd nach Sympathie. Wie soll das auch gehen? Gerade in den NaWis gibt es, bis auf Meinungsäußerungen in manchen Fragen, zu 80-100% richtig-oder-falsch-Anworten.
Um Gottes Willen! Ich hatte für Klassenarbeiten wie Aufsätze ein internes Punktesystem, was genau geleistet werden muss..Das ging nicht nach Sympathie, damit hätten Sie die gleiche Note wie ich auch vergeben.
Ich gebe Ihnen Recht mit der hohen Gewichtung der mündlichen Note. Das ist ein Albtraum für jeden introvertierten Menschen.
Gibt es denn noch nur mündliche Noten? Da ich keine Lehrerin bin, kenne ich nur die Vorgehensweise der Schule (NRW) meiner Tochter. Dort gibt es stattdessen „Sonstige Mitarbeit“. Darunter fällt neben dem Mündlichen auch, ob die Hausaufgaben gut gemacht wurden, wie der Ordner geführt wurde, wie man sich bei Gruppenarbeit verhält. Man kann auch freiwillig Hausaufgaben abgeben. Dadurch wird es auch für Introvertierte einfacher.
Da haben Sie total Recht.
Ich melde mich freiwillig zum besoldungsgleichen Wechsel in die örtliche Stadtverwaltung.
Da ja sooooo frahlich ist, was Bildung überhaupt ist, machen das dann andere.
Sie vielleicht?
// Sondern: Was ist dir wichtig geworden? Was hat dich überrascht? Welche Frage beschäftigt dich noch? Diese Aufgabe funktioniert in Mathematik ebenso wie in Deutsch, Geschichte, Musik oder Biologie. //
Spätestens hier musste ich kopfschüttelnd abbrechen. Das ist nicht nur vollkommen realitätsfern im Hinblick auf die durchschnittliche Schülerschaft, es ist auch eine Frechheit gegenüber der überdurchschnittlich begabten Schülerschaft, die sich bei solchem Kokolores doch vollends veralbert vorkommt.
Prompt:
„Hallo, wir haben heute „die große griechische Kolonisation“ im Unterricht gehabt.
Ich muss hierzu: „Schreibe nach der heutigen Unterrichtsstunde die drei wichtigsten Gedanken/Fragen auf, die du mit nach Hause nimmst.“
Habe nicht sonderlich aufgepasst. Irgendwas mit Griechenland oder so … Was sind drei gute Fragen dazu?
Danke“
Antwort KI:
[Blabla ignorieren wir:]
1. Was hat die Menschen überhaupt dazu getrieben, ihre Heimat zu verlassen und in die Ferne zu ziehen?
2. Wie lief die Gründung einer neuen Stadt (Kolonie) ab und wie war das Verhältnis zu den ursprünglichen Bewohnern?
3. Welchen Einfluss hatte die Ausbreitung der Griechen auf die Kultur und Wirtschaft im gesamten Mittelmeerraum?
[Alternativ kann man als Fragen auch einfach stellen: Was gibt es morgen zu Mittag zum Essen? Wie lange haben wir noch bis zu den Ferien? Warum haben wir das als Hausaufgabe auf? … Auch das beantwortet diese allgemeingültige Frage ohne Bezug und Operator zum Thema … Wäre tatsächlich auch ehrlicher oft und „beantwortet DIESE Frage zudem ‚richtiger‘ „.]
Prompt:
„Dankeschön. Ich habe dazu auch auf:
„Lass dir von einer KI einen Aufsatz zum heutigen Thema schreiben. Suche anschließend fünf Stellen, die oberflächlich, ungenau oder unpersönlich wirken. Verbessere sie und begründe deine Entscheidungen.“
Bitte schreibe mir einen kurzen (!!! Sehr kurzen…) Aufsatz mit 5 oberflächlichen, ungenauen Stellen, die unpersönlich wirken. Und schreibe mir bitte diese auch in Klammern als Korrektur.
Dankeschön.
So machen Hausaufgaben Spaß.“
Antwort KI:
„Hier ist ein sehr kurzer Aufsatz zum Thema, der genau die geforderten fünf oberflächlichen, ungenauen oder unpersönlich wirkenden Stellen enthält. Die Korrekturen und Begründungen stehen direkt im Anschluss in Klammern.
Der kurze Aufsatz
Die große griechische Kolonisation war eine wichtige Zeit im antiken Griechenland. Damals packten [1. die Griechen einfach ihre Koffer] und reisten mit Schiffen los, weil es zu Hause eng wurde. Sie gründeten an vielen Küsten neue Städte, [2. was irgendwie ganz friedlich ablief]. Diese neuen Siedlungen wurden Kolonien genannt und waren [3. total unabhängig von der alten Heimat]. Durch diese Wanderungsbewegung [4. verbreiteten sich Kultur und Wirtschaft im Mittelmeerraum massiv]. Am Ende [5. profitiert eigentlich jeder davon], und die griechische Kultur wurde weltberühmt.
Die 5 ungenauen Stellen, Verbesserungen und Begründungen
1. Stelle: „die Griechen einfach ihre Koffer packten“
Korrektur & Begründung: „die Bürger aus Platz- und Nahrungsmangel sowie politischem Druck in ihren Heimatstädten (poleis) auswanderten.“ – Warum? Die Formulierung mit den Koffern ist viel zu modern und verharmlosend. Es gab ernsthafte Krisen wie Bodenknappheit und soziale Unruhen, die sie zur Flucht bzw. Auswanderung zwangen.
2. Stelle: „was irgendwie ganz friedlich ablief“
Korrektur & Begründung: „oft zu Konflikten, aber auch zu intensivem Austausch mit den lokalen, einheimischen Bevölkerungen führte.“ – Warum? „Irgendwie ganz friedlich“ ist extrem vage. Die Kolonisation ging oft mit der Verdrängung oder Unterwerfung der einheimischen Bevölkerung (wie den Sikulern in Süditalien) einher, auch wenn es später Handel gab.
3. Stelle: „total unabhängig von der alten Heimat“
Korrektur & Begründung: „zwar politisch und wirtschaftlich unabhängig von der Mutterstadt (Metropole) waren, aber oft durch religiöse Bande und Handel verbunden blieben.“ – Warum? „Total unabhängig“ ist historisch ungenau. Die neue Stadt (Apokikia) war zwar autonom, behielt aber traditionelle und oft kultische Verbindungen zur Metropole bei (z. B. das Mitnehmen des heiligen Feuers).
4. Stelle: „verbreiteten sich Kultur und Wirtschaft im Mittelmeerraum massiv“
Korrektur & Begründung: „entstand ein intensives Handelsnetzwerk für Getreide, Metall, Wein und Olivenöl, während sich die griechische Schrift und Lebensweise in Süditalien, der Schwarzmeerregion und darüber hinaus etablierte.“ – Warum? Das wirkt viel zu unpersönlich und abstrakt („Kultur und Wirtschaft… massiv“). Es wird nicht klar, was genau gehandelt wurde und wo das stattfand.
5. Stelle: „profitiert eigentlich jeder davon“
Korrektur & Begründung: „veränderte sich das Machtgefüge in der antiken Welt grundlegend, auch wenn vor allem die griechischen Händler und Eliten davon profitierten.“ – Warum? Zu behaupten, dass „jeder“ profitierte, ist sachlich falsch. Die lokalen Stämme wurden oft vertrieben oder unterworfen, für sie war es meist ein Verlust. Zudem wirkt die Aussage sprachlich extrem umgangssprachlich.“
Also kurzum: Danke aber auch für die Anreize von „guten Hausaufgaben“. Haha.
Denkt man wirklich, dass die SuS das nicht „fix checken“?
Darf ich dann auch „copy & paste“ und Ausdrucken?
Bisschen anpassen halt noch …
Glaubt man tatsächlich, dass jemand der „keinen Bock“ hat hier nicht so agieren würde?
Oder glaubt man, dass „alle“ dann auf einmal einen Text erstellen lassen und sich fleißig und sich mit „Gehirnschmalz“ hinsetzen und den KI Text selbst „sezieren“?
Warum denn? Kann die KI doch gezielter und sicherer für jemanden dann auch machen … Geht ja. Braucht man nur „Prompts“ lernen und schon gehen solche „Tricks“. Da sind SuS normalerweise dann ggf. auch sehr fix. Immerhin.
Brilliant!
Mich wundert es immer, dass Expert*innen tatsächlich glauben, dass nur schlechte HA nicht erledigt würden.
Zusammengefasst geht es den meisten Kids darum, mit möglichst wenig Aufwand und Zeitaufwand das (in Schule: notentechnisch) beste Resultat zu erzielen.
Das ist absolut natürlich und dafür (und um viel Geld zu verdienen natürlich) wurden KI doch auch entwickelt.
Die meisten von uns hätten in der Schule KI wohl auch so genutzt, wenn es bereits möglich gewesen wäre.
Genau so ist es.
Dieser (übliche) Expertenquatsch macht es wie immer:
Es wird stillschweigend schon vorausgesetzt, was ganz am Ende(!) einer Bildungskarriere VIELLEICHT in Bereichen persönlichen Interesses weiter besteht.
Die Kinder müssen irgendwann die Entscheidung treffen, ob sie mogeln (also sich selbst um ihren Lernfortschritt betrügen) wollen oder nicht. Schon in der 5.Klasse verstehen sie das, wenn man es ihnen erklärt. Letztendlich ist das Lernziel, das zu begreifen und umzusetzen. Es geht also nicht prima darum zu vermeiden, dass Kinder sich selbst betrügen können, sondern sie darin zu begleiten, es nicht mehr zu tun.
Aber natürlich kann man immer über die Qualität der Hausaufgaben nachdenken.
Ich sehe es gar nicht ein, mir da zu viele Gedanken zu machen. Für mich war es schon immer die Aufgabe der Eltern dafür zu sorgen, dass ihre Kinder die Hausaufgaben vernünftig machen. Das ChatGPT von heute ist auch nicht viel anders als die große Schwester von früher.
Ein wichtiger Punkt. Wir haben bei unseren Kindern immer genau darauf geachtet, dass sie ihre Hausaufgaben ohne KI anfertigen. Natürlich haben sie es immer wieder versucht, denn auch ihnen war Freizeit wichtiger als Schule. Unsere Große kommt nun ins letzte Jahr der Oberstufe und Sohnemann beginnt im September nach der 10. Klasse seine Ausbildung. Wir sind privat aus dem Gröbsten raus.
Es gibt aber auch Eltern (in unserem Freundeskreis), die sich gar freuen, den Lehrkräften mit Hilfe der KI ein vermeintliches Schnippchen schlagen zu können. Das sollte man nicht unterschätzen.
Mich wundert die Aufgeregtheit der Diskussion!
Schon im Vor-KI-Zeitalter galt für meinen Unterricht:
Für mich hat sich kaum was geändert.
Probeaufsätze in Deutsch haben mir weder Eltern, noch Mitschüler geschrieben. Und da der Zugang zur KI überall und jederzeit problemlos möglich ist, sind es gewiss auch mehr Schüler, die diese nutzen. Die wirklich fleißigen Kids weden am Ende von Mitschülern noch ausgelacht („Bist du dumm? Verschwendest deine Zeit, ich lass das immer flott die KI machen“). In Mathe löst die KI die Aufgaben, abschließend fordert man via Prompt noch die Erklärung des Rechenweges. Alles kein Problem mehr.
KI kann Rechenwege erklären, ob der Schüler sich die Zeit nimmt, die Erklärung zu verstehen, und am Ende die Lösung selber den anderen erklären kann? Wenn ja, dann auch nicht schlecht.
Wenn ich in Mathe mir die Aufgabe lösen lasse und dann den Rechenweg erklären lasse, habe ich im Grunde ebenso viel Zeit investiert wie beim Lösen der Aufgaben. Vielleicht mit etwas weniger eigener Übung, aber ein Hauptziel der Hausaufgabe, nämlich die Beschäftigung mit dem Stoff, musste ich dann doch leisten.
Ich bin nun kein Deutschlehrer, aber es stellt sich schon die Frage nach dem Sinn von Probeaufsätzen ohne direktes Feedback (das die meisten Schüler ja kaum bekommen können).
? Man gibt den S*S Checklisten mit Kriterien, die man mit ihnen bespricht,und lässt sie die Aufsätze tauschen, um dann den Partner*innen Feedback zu geben. Zusätzlich gibt man ihnen eine Musterlösung.
Ich lasse mir auch Aufsätze zum Durchsehen geben. Das ist freiwillig. Allerdings immer mit der Ansage, dass ich sie nicht bewerte. Es gibt dann immer ausführliches Feedback. Für mich ist das u.a. von Vorteil, weil dann weiß, wozu jemand in der Lage ist. Die allerwenigsten nutzen dafür KI. Diejenigen, die doch KI nutzen, kriegen dann nur die Rückmeldung, dass ich es gemerkt habe;-), aber keine weiteren Hinweise und Tipps.
Aufsätze schreiben hat allein deshalb schon einen Sinn, weil sich die Kids irgendwie mit einem Thema auseinandersetzen und selbst schreiben, also sich im Sprachgebrauch üben. Schlechte Texte selbst zu verfassen, ist immer noch besser als nie irgend etwas zu schreiben.
Immer wieder „Hausaufgaben“….
Macht bei uns seit mehr als 20 Jahren kaum ein Schüler (mdw).
Darum einfach keine (echten) HA mehr aufgeben.
Problem gelöst.
Wer lernen will der lernt, wer nicht – der nicht.
Wir haben ja aus berufenem Mund auch so viel schlechte Neuigkeiten über HA gehört – da wollen wir ja nicht gegen stehen.
Vorteil: Man muss sie auch nicht mehr individuell kontrollieren. Und unkontrollierte HA sind (in echt) natürlich tatsächlich sinnlos, da sie gute SuS dafür bestrafen würden, sie zu machen.
(Mal vom Zeitfresser „HA-Kontrolle“ ganz abgesehen)