HAMBURG. Kurz vor dem Schulstart in Hamburg zeigen aktuelle Krankenkassendaten, wie viele Kinder in der Hansestadt bereits vor der Einschulung mit Entwicklungsproblemen zu kämpfen haben. Besonders auffällig ist die Sprachentwicklung: Bei fast jedem vierten Vorschulkind wurde 2024 eine Sprach- oder Sprechstörung ärztlich dokumentiert. Der Anteil hat sich damit innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Auch motorische Entwicklungsstörungen werden heute wesentlich häufiger diagnostiziert als 2005 – und Jungen sind deutlich stärker betroffen als Mädchen.

Rund 22,8 Prozent der Hamburger Kinder im Vorschulalter hatten 2024 eine ärztlich dokumentierte Sprach- oder Sprechstörung. Hochgerechnet entspricht das mehr als 16.500 Kindern. Das geht aus aktuellen Daten der Barmer hervor. Der Befund erhält mit Blick auf die langfristige Entwicklung zusätzliches Gewicht. 2005 lag der Anteil der betroffenen Kinder in Hamburg noch bei 7,4 Prozent. Innerhalb von 19 Jahren hat sich die Quote damit mehr als verdreifacht.
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei der Motorik. Bei 6,7 Prozent der Kinder unter sechs Jahren wurden 2024 motorische Entwicklungsstörungen festgestellt. Das entspricht hochgerechnet rund 7.200 Kindern. 2005 hatte der Anteil noch bei 2,2 Prozent gelegen – auch hier hat er sich also mehr als verdreifacht.
Was hinter dem starken langfristigen Anstieg steckt, lässt sich aus den vorgelegten Daten allerdings nicht ablesen. Die Barmer-Auswertung dokumentiert gesicherte ambulante Diagnosen, untersucht aber keine Ursachen für deren Zunahme. Damit bleibt auch offen, in welchem Umfang sich die Entwicklung der Kinder selbst verändert hat und welchen Anteil beispielsweise Veränderungen bei Diagnostik und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen haben könnten.
Deutlich ist dagegen ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Bei 27,1 Prozent der Hamburger Jungen im Vorschulalter war 2024 eine Sprach- oder Sprechstörung dokumentiert. Unter den Mädchen waren es 18,1 Prozent. Damit betrifft eine entsprechende Diagnose mehr als jeden vierten Jungen, aber weniger als jedes fünfte Mädchen.
Auch bei motorischen Entwicklungsstörungen zeigt sich dieser Abstand. Betroffen waren 8,1 Prozent der Jungen und 5,1 Prozent der Mädchen.
„Sprach- und Bewegungsentwicklung fallen nicht vom Himmel. Kinder brauchen Anregungen im Alltag, Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und ausreichend Bewegung“
„Kinder brauchen von Anfang an Gelegenheiten zum Sprechen, Spielen und Bewegen, um sich gesund zu entwickeln. Gerade mit Blick auf den Schulstart zeigt sich, wie wichtig diese Fähigkeiten für die Teilnahme am Unterricht, das Lernen und soziale Kontakte sind“, erklärt Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Hamburg.
Sprachprobleme können sich nach Angaben der Krankenkasse unter anderem durch Schwierigkeiten bei der Lautbildung, einen geringen Wortschatz oder einen fehlerhaften Satzbau zeigen. Bei motorischen Entwicklungsproblemen können beispielsweise Unsicherheiten beim Gehen und Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht auftreten. Auch feinmotorische Tätigkeiten wie Malen und Basteln können betroffen sein.
Die Krankenkasse richtet den Blick deshalb auf die frühe Förderung und Erkennung möglicher Auffälligkeiten. Kinder benötigten im Alltag Gespräche und gemeinsame Erlebnisse sowie ausreichend Möglichkeiten, sich zu bewegen. Klein rät Eltern, Entwicklungsauffälligkeiten frühzeitig kinderärztlich abklären zu lassen. „Sprach- und Bewegungsentwicklung fallen nicht vom Himmel. Kinder brauchen Anregungen im Alltag, Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und ausreichend Bewegung. Eltern sollten mögliche Auffälligkeiten deshalb frühzeitig kinderärztlich abklären lassen. Je früher Unterstützung beginnt, desto besser sind die Entwicklungschancen der Kinder“, sagt Klein.
Als wichtig nennt die Barmer neben regelmäßiger Bewegung und gemeinsamer Aktivität insbesondere viel Kommunikation im Alltag und einen altersgerechten Umgang mit Medien. Vorsorgeuntersuchungen könnten zudem dazu beitragen, Entwicklungsprobleme frühzeitig zu erkennen. News4teachers
Sprachförderung beginnt im Kita-Alltag (und steht und fällt mit genügend Fachkräften)










Nun, das passt auf jeden Fall gut zu den Entwicklungen die sich beim Meidericher Sprachstandstest für 5-Klässler in NRW zeigen.
Wenn ich Eltern sehe, die ihrem Kleinkind im Buggy schon ein Tablet in die Hand drücken, damit sie ungestört shoppen oder selbst ins Handy glotzen können, dann ist mir völlig klar, warum bei den Kindern diese Fähigkeiten, die so dringend nötig sind, verkümmern. Die wichtigsten Bezugspersonen sind nun mal die Eltern, nicht die Kita-Angestelten. Aber immer weniger Eltern sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Konsum und Hypes, Influencer und Social Media sind wichtiger als das eigene Kind, das dann auch noch mit diesem Schrott bombardiert wird.
Vielleicht sind die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern ja umgekehrt proportional zur Nutzung digitaler Geräte durch diese Kinder. Und die letztere hat in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen. 🙂
Unverständlich, dass in unserem heutigen Informationszeitalter, so viele Eltern unwissend sind!
Einfachstes Wissen über Kindererziehung und Entwicklungsstadien der Kinder ist nicht vorhanden.
Wissen bedeutet nicht, dass dieses Wissen auch umgesetzt bzw. angewandt wird. Viele Eltern wissen, dass übermäßige Nutzung von digitalen Medien ihren Kindern schadet. Trotzdem sind sie nicht in der Lage, die Handynutzung bei ihren Kindern zu regulieren und bei sich häufig auch nicht. Viele Eltern möchten das auch gar nicht, denn dann müssten sie a) in die Konfrontation mit ihren Kindern gehen und sie auch aushalten und b) mit gutem Beispiel vorangehen.
Außerdem können sie eventuell auch ihren eigenen Umgang mit den Geräten nicht wirklich regulieren. Als wenn ein Süchtiger versuchen würde jemand anderen von einem Suchtmittel fernzuhalten, während er gerade selbst Entzugssymptome fühlt.
Bin gespannt, jetzt schießen garantiert die Logo-Praxen aus dem Boden (und werden finanziert), als dass stumpfsinnig nach „der Schuld“ bei den Müttern zu suchen, um bloß nichts an der Situation ändern zu müssen -___-
Aber bestimmt bin ich zu negativ, sicherlich werden alle Politiker*innen und Medien von den Vorzügen der Sprachkitas sprechen und geloben, diese auszubauen – ungeachtet der Kassenlage 🙂
Schön wär’s! Logo ist noch immer ein Mangel-/Engpassberuf… Ich fände es auch schöner, wenn meine Warteliste kürzer würde – ist aber unwahrscheinlich, wenn wir bei den Kindern mittlerweile mit 90 Prozent Großbaustellenpatienten arbeiten müssen, die den Therapieplatz für 2-3 Jahre belegen… DAS war vor 20 Jahren definitiv noch anders. Da hatten wir 90 Prozent Kinder, die wir in nur 20-30 Sitzungen auf adäquaten Sprachstand bringen konnten, weil die Grundproblematiken nicht so tiefgreifend und umfassend waren. Auch damals waren die Wartelisten ständig voll, aber wir hatten eine Chance, sie abzuarbeiten. Heute kann ich nicht mal mehr sagen, auf wie viele Monate Wartezeit sich Eltern einstellen müssen und viele Kollegen in der Region haben seit über einem Jahr Aufnahmestopp… Ist bei den Ergos übrigens genau gleich…