Start Nachrichten Strandbad belohnt (zur Abwechlung mal) Sechser-Schüler mit Gratis-Snacks

Strandbad belohnt (zur Abwechlung mal) Sechser-Schüler mit Gratis-Snacks

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UTTING. In einem Schulfach richtig daneben gelangt? Kein Problem, findet ein Strandbad-Betreiber in Bayern. Bei ihm gibt es als Trost Eis und Salzstangen umsonst – für alle mit einer Sechs im Zeugnis.

Auch ’ne Leistung. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Martin «Miene» Gruber sitzt in seiner Badehose am Ufer und stopft sich ein Sandwich-Eis und Salzstangen in den Mund – gleichzeitig. «Schmeckt toll», kommentiert er. Diese Mischung gibt es bei ihm während der bayerischen Sommerferien im Bad geschenkt für alle Kinder und Jugendlichen, die eine Sechs in ihrem Zeugnis bekommen haben. Mehrere Medien hatten über die Aktion berichtet.

Gruber betreibt das Strandbad am Ammersee im oberbayerischen Utting und er hat ein Herz für «die Nieten und Loser, die ja eigentlich viel mehr Trost brauchen» als Einserschüler, wie er sagt. Sich selbst zählt er auch dazu: Er sei «eine totale Niete» in der Schule gewesen. Er mache das, «weil das bayerische Schulsystem meiner Ansicht nach nur die Gewinner belohnt».

Auch mal die anderen feiern

So sehen das auch Badegäste. Doreen, eine Mutter, findet die Aktion «mega». «Es ist irgendwie total lustig. Zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Und warum nicht mal die feiern, die nicht nur Einsen haben?»

Stefan, ein anderer Badegast, der nicht nur Vater, sondern auch Opa ist, meint: «Grundsätzlich finde ich gut, dass wir nicht nur immer diese Leistungsgesellschaft haben, und nicht immer nur die besonders guten, sondern auch mal nicht so gute Dinge belohnen.» Er selbst habe auch schlechte Noten gehabt.

Denn abgesehen von der Freude über ein gutes Zeugnis, gebe es allerlei Aktionen, die Einser im Zeugnis belohnen, sagt Strandbad-Pächter Gruber. In Sichtweite des Bads etwa fährt ein Dampfer über den Ammersee, mit dem Einserschüler umsonst fahren dürfen. Auch bei der Bahn gibt es eine Freifahrt im bayerischen Regionalverkehr – zumindest am ersten Ferientag.

Gruber findet, diese Schüler brauchen keine Extra-Belohnung – Sechserschüler aber schon: «Bei einem Sechser im Zeugnis ist ja eigentlich bei ganz vielen Fächern auch schon gegeben, dass du das Jahr wiederholst. Und ich finde, wenn man das Jahr wiederholen muss, da hat man sich auf jeden Fall schon mal ein Eis verdient.»

Schlechtes Zeugnis? «Scheiß drauf»

Und wo hagelt es die meisten schlechten Noten? «Latein-Sechser ist unser häufigstes Eisausgabeargument», so Gruber. An Schüler mit schlechten Zeugnissen hat er noch eine Nachricht: «Scheiß drauf. Aus mir ist auch was geworden.» Zufrieden blickt er sich um. «Mein Leben ist großartig trotz scheiß Noten», sagt Gruber. News4teachers / mit Material der dpa

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4 Kommentare
Rainer Zufall
11 Tage zuvor

Man muss auch gönnen können: Freue mich für die SuS 😀

Bei uns gab es die – meiner Meinung nach großartige Aktion des lokalen Kinos, dass die Mathenote dem Eintrittspreis entspricht, wo sich viele still freuen und niemand grämen musste

Ich_bin_neu_hier
11 Tage zuvor

«…dass wir … nicht immer nur die besonders guten, sondern auch mal nicht so gute Dinge belohnen.»

Also, Zweier-Schüler:innen hätten in meinen Augen auch eine Belohnung verdient – besonders in Latein.

Aber was ist der pädagogische Zweck dahinter, SECHSEN feiern zu wollen?
Noten sind egal für das spätere Leben, und wer kein Latein kann, kann halt später was anderes?

Stimmt schon, Noten sind nicht alles, und auch nicht sonderlich aussagekräftig für die Gesamtpersönlichkeit oder die spätere Zukunft des Individuums. Trotzdem nehme ich persönlich lieber die Latein-Eins und die Mathe-Eins mit (oder eben Zweien, oder auch Dreien) und strenge mich jedenfalls an – das gibt mir mehr Möglichkeiten später. Aber das bin (war) halt ich (als Schüler:in).

Was haben diese Sechser-Schüler durch diese Aktion eigentlich gelernt? Bitte auswählen:

a) Noten sind nicht alles und bestimmen nicht deine Zukunft.

b) Anstrengung ist egal – belohnt wirst du trotzdem (zumindest als Kind, und als Erwachsener…).

c) Deine Noten sind miserabel, aber du taugst wenigstens noch für diesen PR-Stunt (und ansonsten für…?).

d) Eis und Salzstangen gemeinsam zu essen ist gewöhnungsbedürftig – nie wieder!

Das Problem ist, als Lehrkraft habe ich ein pädagogisches Problem damit, immer nur Einsen, Einsen, Einsen als erstrebens- und belohnenswert zu sehen: Viele andere anständig erarbeitete Noten sind genauso hilfreich und zukunftsfest für das spätere Leben.
Aber fehlende Anstrengungsbereitschaft zu belohnen und zu verherrlichen?
Denn wie anders erreicht man es, im heutigen Schulsystem eine Sechs zu erhalten? Oder ist das in Bayern immer noch anders als in den fünfzehn auswärtigen Bundesländern?

Unfassbar
11 Tage zuvor

Schade, dass keine Aussagen von Schülern genannt wurden. Bezogen auf die Erfahrungen an meiner Schule sind das nur sehr wenige und selbst von denen liegt das überwiegend an Fehlzeiten, die auch noch oft mit Krankheit erklärbar sind.

S.B.
11 Tage zuvor

Bitte kein „Scheiß drauf“, sonst müssen die anderen den Kothaufen wegräumen.