Wie viele Stunden fließen tatsächlich in Unterricht, Korrekturen, Konferenzen und Elterngespräche? Die meisten Lehrkräfte können diese Frage kaum beantworten. Die hessische Grundschullehrerin Stephanie Horing wollte sich damit nicht länger abfinden – und entwickelte gemeinsam mit ihrem Mann, einem IT-Profi, eine Arbeitszeiterfassung, die den Schulalltag abbildet. Zusammen mit der GEW Hessen entstand daraus LehrZeit. Nun wird die App in Partnerschaft mit 4teachers und News4teachers allen Lehrkräften angeboten.

Wer als Lehrkraft arbeitet, kennt die Rechnung: Die Zahl der Unterrichtsstunden steht fest. Wie viel Zeit zusätzlich für Vorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen, Klassenfahrten oder Schulentwicklung anfällt, wird dagegen meist nicht systematisch erfasst. Am Ende bleibt häufig nur das Gefühl, sehr viel gearbeitet zu haben.
Auch Stephanie Horing kannte dieses Gefühl. Die hessische Grundschullehrerin arbeitet seit fast 20 Jahren im Schuldienst und ist in Teilzeit beschäftigt. Trotzdem hatte sie immer wieder den Eindruck, dass ihre tatsächliche Arbeitszeit weit über dem vorgesehenen Umfang lag. Belegen konnte sie es nicht.
Als der Europäische Gerichtshof 2019 entschied, dass Arbeitgeber ein objektives, verlässliches und zugängliches System zur Erfassung der täglichen Arbeitszeit bereitstellen müssen, fragte Horing an ihrer Schule nach, was daraus für Lehrkräfte folgen würde. Ihr Schulleiter rechnete nicht mit schnellen Konsequenzen.
Also nahm sie die Sache selbst in die Hand.
Gemeinsam mit der GEW entwickelt
Gemeinsam mit ihrem Mann Jens Horing, Geschäftsführer eines Software-Unternehmens, entwickelte sie 2020 eine erste Anwendung zur Erfassung ihrer eigenen Arbeitszeit. Das Ergebnis bestätigte ihren Verdacht: Sie arbeitete deutlich mehr, als es ihrem Beschäftigungsumfang entsprach.
Mindestens ebenso wichtig war für Stephanie Horing allerdings eine zweite Erkenntnis. Die Erfassung veränderte ihren Umgang mit der eigenen Arbeit. „Wie viel ich überhaupt arbeiten muss, war mir vorher nicht klar“, berichtet sie. „Ich habe einfach so lange gearbeitet, bis ich fertig war. Das hat sich geändert – sehr erleichternd.“
Den entscheidenden Impuls für die Weiterentwicklung gab eine Fachtagung der GEW Hessen zur Arbeitszeiterfassung im Februar 2026. Dort wurde der Wunsch laut, die Gewerkschaft möge ihren Mitgliedern ein geeignetes Instrument zur Verfügung stellen. Stephanie Horing meldete sich zu Wort: Eine solche Anwendung gab es bereits.
Gemeinsam mit der GEW Hessen entwickelten Stephanie und Jens Horing die private Lösung daraufhin zu LehrZeit weiter. Die Gewerkschaft brachte ihre fachliche Expertise und Erfahrungen aus der schulischen Praxis ein. Seit August stellt sie die App ihren Mitgliedern zur Verfügung.
Nun wird LehrZeit in Partnerschaft mit 4teachers und News4teachers allen Lehrkräften angeboten: für vier Euro im Monat, mit besonders günstigen Tarifen für Gruppen und ganze Schulen. Aktuell erfassen bereits mehr als 5.000 Nutzerinnen und Nutzer ihre Arbeitszeit mit der Anwendung.
Keine gewöhnliche Stempeluhr
LehrZeit ist keine auf Schulen übertragene Stempeluhr, sondern eine passgenaue Arbeitszeiterfassung für den Lehrerberuf. Denn Lehrkräfte arbeiten nicht einfach von morgens bis nachmittags an einem festen Ort. Unterricht, Vorbereitungszeit, Korrekturen und Gespräche verteilen sich über den Tag – und teilweise über Abende, Wochenenden und unterrichtsfreie Zeiten.
Die App berücksichtigt unter anderem Bundesland, Deputat, Beschäftigungsumfang, Ferien und Feiertage. Daraus berechnet sie die individuelle Soll-Arbeitszeit für einzelne Tage, Wochen, Halbjahre und das gesamte Schuljahr.
Der Stundenplan wird einmal hinterlegt. Regelmäßige Unterrichtszeiten übernimmt das System anschließend automatisch. Weitere Tätigkeiten lassen sich acht praxiserprobten Kategorien zuordnen. Für spontan anfallende Arbeit gibt es eine Schnellerfassung, längere Aufgaben können mit einem Timer dokumentiert werden. Vergessene Einträge lassen sich nachtragen.
Damit verursacht die Zeiterfassung selbst nur wenig zusätzliche Arbeit. LehrZeit läuft ohne Installation im Browser und kann am Computer, auf dem Tablet oder auf dem Smartphone genutzt werden.
Wissen, wann genug ist
Wer lediglich spürt, dass es „zu viel“ wird, weiß noch nicht unbedingt, wo die Zeit bleibt – und an welcher Stelle sich etwas verändern lässt. LehrZeit macht aus gefühlter Belastung nachvollziehbare Zahlen.
Die Auswertung zeigt beispielsweise, wie viel Zeit tatsächlich für Korrekturen, Unterrichtsvorbereitung, Organisation oder Elternkontakte anfällt. Wer seine Arbeitszeit kennt, kann Aufgaben, Routinen und Grenzen bewusster steuern. Die Dokumentation hilft außerdem, Warnsignale früh zu erkennen, Feierabend zuzulassen und eine mögliche Überlastung gegenüber Schulleitung oder Dienstherrn sachlich zu belegen.
„Seit ich meine Zeit erfasse, erlaube ich mir auch mal Feierabend zu machen, obwohl das Arbeitsblatt für morgen noch nicht perfekt ist“, berichtet eine Gymnasiallehrerin aus Hessen. „Das entlastet mich psychisch sehr.“
Dabei muss die Bilanz nicht zwangsläufig eine massive Überlastung ergeben. Eine teilzeitbeschäftigte Grundschullehrerin stellte fest, dass sie zwar mehr als vorgesehen arbeitete – aber weniger, als sie zuvor befürchtet hatte. Auch das gab ihr Sicherheit: „Das hat mir meine innere Zufriedenheit zurückgegeben.“
Die Daten gehören allein der Lehrkraft
Die persönlichen Daten werden verschlüsselt auf Servern in Deutschland gespeichert. Einsehen kann sie ausschließlich die jeweilige Lehrkraft. Weder Schulleitung noch Schulträger oder Bildungsverwaltung haben Zugriff.
Die Nutzung bleibt freiwillig. „Unser Dienstherr ist verpflichtet, uns eine Möglichkeit zur Zeiterfassung anzubieten. Da er es nicht tut, haben wir es selbst in die Hand genommen“, erklärt Stephanie Horing. „Wer seine Zeit nicht erfassen möchte, lässt es bleiben. Aber wer möchte, kann es ab sofort tun.“
LehrZeit dient damit nicht der Kontrolle durch andere. Die Anwendung gibt Lehrkräften vielmehr die Möglichkeit, selbst Klarheit über ihre Arbeitszeit zu gewinnen – und mit dieser Klarheit zu handeln.
Viele Einzeldaten ergeben ein Bild der Wirklichkeit
Der Nutzen von LehrZeit reicht über den einzelnen Schreibtisch hinaus. Ausschließlich anonymisierte und zusammengefasste Auswertungen werden regelmäßig veröffentlicht. So entsteht nach und nach ein realistisches Bild davon, wie viel Arbeit tatsächlich im Lehrerberuf steckt und für welche Aufgaben Lehrkräfte ihre Zeit aufwenden.
Diese Daten können der politischen Debatte eine neue Grundlage geben. Denn Diskussionen über die Belastung von Lehrkräften beruhen noch immer häufig auf persönlichen Erfahrungen, einzelnen Untersuchungen oder Hochrechnungen. Die kontinuierliche Erfassung durch viele Lehrkräfte zeigt dagegen, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussieht.
Damit gerät auch das traditionelle Deputatsmodell in den Blick. Es orientiert sich im Wesentlichen an der Zahl der zu erteilenden Unterrichtsstunden – obwohl ein erheblicher Teil der Arbeit außerhalb des Klassenzimmers anfällt.
„Wenn Lehrkräfte ihre unzähligen, bisher unsichtbaren Überstunden endlich nachweisen können, kann die Politik sich nicht mehr damit herausreden, Zeiterfassung sei bei Lehrkräften zu kompliziert“, sagt Stephanie Horing.
LehrZeit schafft damit Nutzen auf zwei Ebenen: unmittelbar für jede einzelne Lehrkraft und langfristig für den gesamten Berufsstand. Denn was nicht erfasst wird, bleibt unsichtbar.
LehrZeit – kurz und knackig
LehrZeit ist eine gemeinsam mit der GEW Hessen entwickelte Arbeitszeiterfassung von Lehrkräften und IT-Profis für Lehrkräfte. Die Anwendung wird nun in Partnerschaft mit 4teachers und News4teachers allen Lehrkräften angeboten. Sie kostet vier Euro im Monat; für Gruppen und ganze Schulen gelten besonders günstige Tarife. LehrZeit läuft ohne Installation auf Computer, Tablet und Smartphone. Die persönlichen Daten werden verschlüsselt auf Servern in Deutschland gespeichert und sind ausschließlich für die jeweilige Lehrkraft einsehbar.
Dies ist ein Advertorial von News4teachers und 4teachers.









Unsere Schule ist gerade wegen Problemen geschlossen und der Unterricht findet online statt
Was ich nur, obwohl wir erprobt sind, an E-Mails und Nachrichten über andere Kanäle beantworten musste und um was ich mich noch bis tief in die Nacht kümmern müsste
Die meisten Mails und sdui Nachrichten auch an normalen Tagen, würde ich nie und nimmer erfasst bekommen, dann müsste ich das ja alles ständig notieren
Und wie soll ich meine Arbeit in der mir rechtlich zustehenden Pause erfassen.
Die habe ich nämlich so gut wie nie
Ich bin daher gegen die Erfassung
Am Ende wurde es noch heißen, ich hätte nicht genug gearbeitet , nur weil ich nicht alles erfassen kann
Ich setze auf Vertrauensarbeitszeit, da kann ich nämlich den Ausgleich nehmen, wann ich ihn für angemessen halte und muss mich nicht rechtfertigen
Nervt es nur mich, dass Lehrer wieder für etwas selbst zahlen sollen, was für andere Berufe selbstverständlich bzw. verpflichtend vom Arbeitgeber bereitzustellen ist?
Es geht um die Durchsetzung eines Anspruchs, der von den (meisten) Kultusministern nicht anerkannt wird. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2026/08/bildungsverwaltung-bestreitet-allen-ernstes-pflicht-zur-arbeitszeiterfassung-fuer-lehrkraefte/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Warum kriegt es eigentlich die Bundeswehr, mit ihren Einsätzen, Übungsplatzaufenthalten und anderen unregelmäßigen Dienstzeiten, hin, Arbeitszeiten zu erfassen? Und Schulen nicht? Wie begründet sich das?
Bundeszuständigkeit halt. Klappt übrigens auf der Ebene der Länder auch bei den Landespolizeien, nur halt nicht bei faulen Säcken.
Ganz wichtig finde ich, dass in einer App oder jeglicher Arbeitszeiterfassung die Wochenenden gesperrt sind. Damit in dieser Zeit gar keine Arbeit möglich ist. Ohnehin ist Arbeit am Wochenende verboten. In Ausnahmefällen kann es natürlich nötig sein, muss dann aber von oberer Stelle geprüft und genehmigt werden.
Sehr witzig. Die Wochenenden sind wahrscheinlich deshalb gesperrt, damit man trotzdem arbeitet und keine Zeit eintragen kann. Oder man arbeitet halt trotzdem und trägt die Zeit irgendwo anders ein. Das soll wahrscheinlich suggerieren, dass man tatsächlich ein Wochenende hat. Laut meine Erfahrungen (und den Rückmeldungen anderer KuK) wird zwischen Herbst- und Weihnachtsferien wieder kein einziges Wochenende frei sein. Es sei denn, man korrigiert halt jeden Tag bis nachts um 12. Was zugegeben oft eher ineffizient ist, weil man kaum noch konzentriert lesen kann, nach einem ewig langen Tag.
Alles falsch! Wochenendarbeit ist schlicht und einfach verboten. Ausser sie wird rechtzeitig und mit guten Gründen beantragt. Genehmigt wird das nicht von der Schulleitung und ganz sicher nicht von Ihnen selbst. Korrigieren bis um 12 geht sicher auch nicht, denn es gilt 11 Stunden Ruhezeit bis zum neuen Arbeitstag. Und wie wollen Sie die Nachtarbeit rechtfertigen, denn da gibt es hohe Zuschläge? Diese Gesetze haben schon einen Grund und darüber dürfen Sie sich nicht hinwegsetzen. Keine Zeiterfassung in der die gesetzlichen Regeln hinterlegt sind wird solche Versuche zu betrügen annehmen.
Ach was. Verboten? ich nehme an 5×24 h Dienst am Stück, wie auf Klassenfahrt sind für alle anderen auch verboten. Soll ich mich dann bei Problemen, z.B. kranken SuS in meinem Zimmer einschließen und sagen, sorry, halte jetzt meine Arbeitszeit ein, kümmert euch einfach um euch selbst?
Ach ja, Elternsprechtag ist Samstag, geh ich einfach mal nicht hin? Elternabend ist Abends, nachdem ich schon 8h gearbeitet habe, geh ich auch nicht hin? Wenn Donnerstag meine Arbeitszeit voll ist, wegen Konferenzen, Aktionstagen usw. z.B., dann geh ich halt Freitag nicht mehr zum Unterricht? Und wenn keine Zeit mehr für sie Korrekturen bleibt, dann gibt es die Arbeit halt irgendwann mal zurück? Und bei Vorfällen die ein Elterngespräch bedürfen, da sage ich dann eben, wir können mal in vier Wochen drüber reden, da hab ich glaube ich Dienstag um 9.30 Uhr noch 20 Min. Zeit. Ach ja, wenn es um die Versetzung geht ebenfalls, dann sind wenigstens alle Fristen abgelaufen und man spart sich den Papierkram. echt jetzt? Macht total Sinn. Sie haben wohl so gar keine Ahnung, wie das in der Schule läuft. Klar haben diese Gesetze einen Grund, interessiert in der Schule nur überhaupt niemanden und im Kultusministerium schon gar nicht. Da wird sich ja nicht ohne Grund mit Händen und Füßen gegen die Arbeitszeiterfassung gesträubt. Es gibt auch Vorschriften zum Lärmschutz, Wärmeschutz etc. interessiert ebenfalls niemanden in der Schule. Man soll sich nicht so anstellen und die Sachen irgendwie kreativ lösen.
Erfasse seit ein paar Jahren meine Arbeitszeit mit einer Excel-Tabelle. Dort habe ich – für mich wichtige Rubriken (Klausuren erstellen und korrigieren, Versuche für Physik auf und abbauen usw.) eingebaut. Meine Unterrichtszeit ist stabil bei 20% bis 25% der gesamten Arbeitszeit.
Also muss die Deputatsverpflichtung erhöht werden, damit das Verhältnis von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Tätigkeiten sich verändert:)
Naja, wie man es sieht:
Unterrichtsvorbereitung 38 %, Versuche auf und abbauen 10%, Tests erstellen und korrigieren 11 %, Unterricht 21 %.
Soviel außerunterrichtliches ist da nicht dabei.