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Widerstand aus dem Kollegium: Warum digitale Schulentwicklung so häufig scheitert

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DARMSTADT. Change Management ist ein zentraler Baustein moderner Schulentwicklung – auch bei der Digitalisierung. Unser Gastautor, Dr. Ralf Tenberg, Professor für Technikdidaktik an der TU Darmstadt, zeigt in einer dreiteiligen Reihe auf News4teachers im Rahmen des Themenmonats “Digital lehren und lernen” auf, wie Change Management digitale Schulentwicklung wirksam unterstützt. Im zweiten Teil führt er uns nun dorthin, wo digitale Transformation regelmäßig scheitert: zu den emotionalen, professionellen und strukturellen Barrieren im Kollegium. 

Hier geht es zurück zu Teil eins der Reihe.

Nein, danke (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Change Management gestützte digitale Schulentwicklung

Im ersten Aufsatz dieser Reihe wurde beschrieben, woher Change Management (CM) kommt, welche Ideen diesem Entwicklungsinstrument zugrunde liegen und wie es in den Kontext schulischen Qualitätsmanagements übertragen wurde. Im Folgenden wird CM konzeptionell konkretisiert und in Zusammenhang mit digitaler Schulentwicklung gebracht.

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Inzwischen ist CM weitläufig bekannt, trotzdem sollen hier kurz dessen theoretisches Fundament und die sich daraus ergebenden Grund-Prämissen erläutert werden. Die Idee von CM ist psychologisch fundiert und geht auf die Bewältigung menschlicher Trauer zurück. Veränderungen im Arbeitsumfeld lösen – je nachdem wie substanziell sie wahrgenommen werden – emotionale Reaktionen aus, die jenen der Trauer ähneln.

Elisabeth Kübler-Ross beschrieb ursprünglich die psychischen Phasen trauernder Menschen. Ihr berühmtes Modell „Five Stages of Grief“ (1973) wurde von den ursprünglichen Change-Forschern wie John P. Kotter, William Bridges, Rick Maurer, etc. auf betriebliche Veränderungen übertragen. Zentral für CM ist die Wahrnehmung der Menschen von Sinn und Notwendigkeit in einer Veränderung: „Menschen haben eine Sehnsucht nach dem ‘Warum?’ und ‘Wozu?’. Am Anfang eines Veränderungsvorhabens sollte daher […] die Schaffung eines gemeinsamen Problembewusstseins bzw. die Vermittlung von Sinn- und Notwendigkeit der Veränderung stehen“ (Frey & Gerkhardt, 2006, 54).

Ebenso zentral sind Transparenz und Vorhersehbarkeit: „Menschen haben ein Bedürfnis nach Transparenz und Vorhersehbarkeit, welches zentral ist, solange sie adaptiv auf komplexe und unsichere Informationen reagieren können“ (55). Hinzu kommt der Wunsch nach Beeinflussbarkeit und Kontrolle. „Die erlebte Kontrolle ist dabei die Überzeugung einer Person, dass sie selbst über Handlungsmöglichkeiten verfügt, unangenehme Ereignisse reduzieren zu können“ (56). Schließlich geht es auch um Fairness und Vertrauen: „Dabei übt die wahrgenommene Gerechtigkeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Emotionen und das Verhalten der Betroffenen in Veränderungsprozessen aus“ (56). „In dem Maße, in dem die Mitarbeiter der eigenen Unternehmensführung vertrauen, akzeptieren sie auch deren Wege und Vorschläge“ (57).

CM ist immer dann relevant bzw. hilfreich, wenn im Zuge geplanter Veränderungen im Arbeitskontext bei den Betroffenen emotional bedingte Reaktanz zu erwarten ist. Dies trifft bei Schulentwicklung nicht in jedem Falle zu, aber generell dann, wenn der Unterricht involviert wird. Im Rahmen schulbezogener Governance-Forschung stellte Herbert Altrichter (Uni Graz) vor über 20 Jahren das Autonomie-Paritäts-Muster als zentrale Barriere substanzieller Schulentwicklung fest.

Als weltweit tradiertes Berufsmuster von Lehrpersonen entspricht es einem informellen Codex, nachdem Schulen keine zu enge Einmischung in Unterricht vollziehen und die Schulaufsicht pädagogische Eigenverantwortung respektiert, solange das System im Gleichgewicht bleibt. Wenn Schulentwicklung Unterricht fokussiert, wird dieser Codex aufgehoben, was aus Lehrpersonenperspektive einem Bruch mit dem Codex gleichkommt.

Zahlreiche empirische Studien (z. B. Eickelmann et al., 2024; KMK-Monitor Digitale Bildung, 2023) zeigen, dass digitale Schulentwicklung oft hinter ihren Erwartungen zurückbleibt. Digitale Innovation bleibt auf Ebene einzelner Lehrkräfte, strukturelle Verankerung findet selten statt. Warum dies so ist, liegt angesichts der vorausgehenden Ausführungen auf der Hand, denn digitale Schulentwicklung ist in hohem Maße unterrichtsbezogen. Die vielfältigen Gründe, warum Lehrpersonen sich mit der Digitalisierung ihres Unterrichts schwertun, zeigen, dass es hier gilt, eine große Bandbreite an Barrieren anzugehen:

  1. Persönliche Überzeugungen / Werte: Ein Teil der Lehrkräfte steht digitalen Lernkulturen grundsätzlich kritisch gegenüber (Tondeur et al. 2017)
  2. Fehlende pädagogische Sinnhaftigkeit / Nutzenzweifel: Viele Lehrkräfte bezweifeln den didaktischen Mehrwert digitaler Methoden (Howard 2013, Wampfler 2021)
  3. Emotionale Widerstände und Kontrollverlust: Digitalisierung wird mit Unsicherheit, Angst oder Kontrollverlust assoziiert (Howard 2013, HIIG 2024)
  4. Fehlende pädagogische und technologische Kompetenz: Lehrkräfte fühlen sich nicht ausreichend qualifiziert, digitale Medien sinnvoll einzusetzen (KMK & DLR 2021),
  5. Defizitäre technische Infrastruktur / Unterstützung: Mangelhafte Ausstattung und fehlender technischer Support verhindern stabile Nutzung (ICILS 2018 & 2023, Eickelmann et al. 2024)
  6. Zeitmangel und Arbeitsbelastung: Lehrpersonen antizipieren die Digitalisierung als Zusatzbelastung (OECD TALIS,2018)
  7. Fehlende institutionelle oder curriculare Einbettung: Lehrkräfte nehmen Digitalisierung oft nicht als Teil des Curriculums wahr, sondern als Zusatzaufgabe (KMK, 2020)
  8. Fehlende Anreize / Anerkennung: Unterrichtsentwicklung wird selten „gesehen“ und als Leistung oder Innovation honoriert

Die hier angeführten, empirisch abgestützten Aspekte wirken absehbar nicht singulär und unabhängig, sondern sind – gegenteilig – generell vielfältig ineinander verschränkt und in gegenseitigem Bezug. Effektive und vor allem schulverträgliche Digitale Schulentwicklung ohne CM ist daher kaum vorstellbar, umgekehrt ist sie ein typisches Veränderungsszenario, in welchem sich CM seit Jahrzehnten bewährt hat.

Die von Frey & Gerkhardt ermittelten zentralen Erfolgsfaktoren für CM (2006, 53f) deuten an, wie hier nun vorzugehen ist: Ist-Situation diagnostizieren – Ziele definieren – Problembewusstsein schaffen – Führung aktivieren – Kommunikation aufbauen – Zeitmanagement handhaben – Verantwortlichkeiten konkretisieren – qualifizieren und Ressourcen bereitstellen – motivieren und Monitoring. Das klingt zunächst einfach, in der unmittelbaren Schulentwicklungspraxis ergeben sich jedoch für Schulleitung und Change-Beratung vielfältige Herausforderungen. Dazu mehr im folgenden dritten Aufsatz dieser Reihe.

Der erscheint in den nächsten Tagen auf News4teachers. 

Hier geht es zu allen Teilen der Reihe.

Literatur

  • Eickelmann, B., Fröhlich, N., Bos, W., Gerick, J., Goldhammer, F., Schaumburg, H., Schwippert, K., Senkbeil, M., & Vahrenhold, J. (Hrsg.). (2024). ICILS 2023 Deutschland: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking von Schülerinnen im internationalen Vergleich*. Münster; New York: Waxmann
  • Frey, D., & Gerkhardt, M. (2006). Erfolgsfaktoren und psychologische Hintergründe in Veränderungsprozessen: Entwicklung eines integrativen psychologischen Modells. Zeitschrift für Organisationsentwicklung, (4), 48–59.
  • Howard, S. K. (2013). Risk-aversion: Understanding teachers’ resistance to technology integration. Technology, Pedagogy and Education, 22(3), 357–372
  • Kultusministerkonferenz (KMK). (2020). Bildung in der digitalen Welt – Strategie der Kultusministerkonferenz. Berlin: KMK.
  • Kübler-Ross, E. (1973). On death and dying (1st ed.). Routledge.

Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Digital lehren und lernen”. 

News4teachers bleibt auf Rekordkurs – über zwei Millionen Leser*innen im dritten Monat in Folge

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Thomas
2 Monate zuvor

Schule ist überhaupt nicht digital. LEIDER
Es fehlen tablets und Computer, es fehlt der Digitalunterricht.
Wenn selbst die DB noch nicht digital ist. Wie passt das zusammen, dass ganze Unternehmen zwischen Tokio und Frankfurt digital kommunizieren und Gespräche oder Treffen online abhalten?

Tinchen
2 Monate zuvor
Antwortet  Thomas

stimmt!

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  Thomas

Und der neue Airbus A320 ist so digital, dass Softwareprobleme den Flugplan durcheinanderbringen:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/airbus-a320-rueckruf-102.html
Man soll nur nicht denken, dass immer alles reibungslos funktioniert.

DienstnachVorschrift
2 Monate zuvor

Die Hauptprobleme bei uns sind:
a) meistens haben die Sachen noch “Kinderkrankheiten”. Das heißt, am Anfang funktioniert vieles nicht richtig.
b) Es gibt keinen Support bzw. nur schulintern vom überlasteten Kollegen.
c) vieles wird zu schnell und gleichzeitig umgesetzt, was zur Überlastung der Kollegen führt, da diese sowieso schon sehr stark belastet sind.
d) es gibt keinen/kaum Ersatz für beschädigte Produkte. Ist das digitale Produkt nicht mehr nutzbar und das analoge Produkt abgebaut, haben wir ein Problem.
Gelegentlich gehen ja auch Anbieter mal in die Insolvenz.
e) Die Schule hat keine ausreichende Infrastruktur.
f) analoge Produkte sind zwar ggf. zeitaufwändiger etc., aber haben sich über die Jahre bewährt.
Nur weil etwas digital ist, heißt es nicht, dass die Schüler dadurch besser und schneller lernen und es weniger zeitaufwändig für den Lehrer ist.

Tinchen
2 Monate zuvor

Wenn sie es noch nicht mal schaffen, die Dienstbesprechung online durchzuführen ^
oder mal 2 Stunden mit der Oberstufe?

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Tinchen

@DienstnachVorschrift hat noch Datenschutz vergessen.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor
Antwortet  Tinchen

Welchen pädagogischen Mehrwert bringen denn 2 Stunden online in der Oberstufe?

Realist
2 Monate zuvor

Richtig. Jedes Unternehmen, jede Behörde mit hundert Beschäftigten (über Tausend, wenn man die Schüler mitzählt) hat eine IT-Abteilung mit mehreren Vollzeitangestellten, die sich NUR um die IT kümmern. Lehrer sollen das so “nebenbei” mit erledigen. Wenn man Glück hat, kommt irgendwann jemand vom Schulträger vorbei, sofern er Zeit hat (also in ein paar Wochen oder so).

DienstnachVorschrift
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Außerdem heißt es nicht, dass dann einem auch geholfen wird. Die Leute vom Schulträger fand ich bisher wenig kompetent, vor allem im Vergleich mit Leuten, die den Support in Unternehmen machen.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Monate zuvor

Das hat ganz einfache Gründe: Die wirklich guten ITler arbeiten bei großen Unternehmen und verdienen dort entsprechend viel Geld. Wer dort keine Stelle bekommen hat, landet bei der IT der Stadt – minderbezahlt und wahrscheinlich wenig motiviert.

unfassbar
2 Monate zuvor

g) Umstellung auf ein digitales Produkt macht beim ersten Durchgang eventuell immens viel Arbeit bei der Neuerstellung des Unterrichtsmaterials. Ob das beim zweiten Durchgang zeitlich effizient wiederholbar ist (Prinzip “Copy & Paste” von Klasse A in Klasse B), hängt vom Produkt und den eigenen Fähigkeiten ab.

GriasDi
2 Monate zuvor

Also bei uns funktioniert seit 3 Wochen das Internet nicht. Der IT-Dienstleister lässt sich Zeit.

dickebank
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Die Daten im Netz haben aber den Anspruch auf Nicht-Vergessen, die sind nächstes Jahr doch auch noch da.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Vermutlich, weil sich die Stadt mit der Bezahlung ebenfalls Zeit lässt. Oder man nahm den billigsten, der wenig Personal beschäftigt und Termine vor sich herschieben kann/muss.

laromir
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Wenn ein Dienstgerät kaputt geht, bekommt man keinen Ersatz. Gibt kein Geld, ist Pech.
In einer Firma gäbe es da schnell Ersatz, damit man weiter arbeiten kann.
Wie soll unter diesen Umständen digital arbeiten funktionieren? Internet läuft seit drei Wochen instabil. Ständig fliegt mein Gerät raus. Ursache noch unklar. Ander LuL können sich teils gar nicht anmelden..in manchen Fällen fehlt zeitweise jedes Netz. Wie soll ich so vorbereiten und arbeiten? Ständig brauche ich Plan B. Heißt also doppelte Arbeit in der Planung. Kann man den LuL da echt versenken, wenn man da keinen Bock mehr hat auf die Dauer?

DienstnachVorschrift
1 Monat zuvor
Antwortet  laromir

Ich nutze tatsächlich mein Handy als Hotspot. Benutze aber sowieso nur Office365 bzw. WebUntis für den Unterricht. Das zieht wenig Datenvolumen.

Radrenner-Heiko
1 Monat zuvor
Antwortet  laromir

Ich habe 2011 iPad-Klassen beantragt. SL:“Hat keine Zukunft-brauchen wir nicht!“ 2015 Die selbe SL „Du bist der einzige Kollege, der WLan will!“ Habe 10 Jahre privat das iPad 3 9“ gehabt und 2020 vor der Pandemie mir ein 12“ privat geholt. Dann wurden plötzlich Dienst-iPad auf den Markt geworfen. Ich kam mir vor, als sollte ich nicht mit dem Benz mehr arbeiten dürfen, sondern mit dem „Leiterwagen“ rumhantieren. Jetzt bin ich durch diese Großmäuler (Bildungsminister aller Fraktionen, Bundes und landesverantwortliche und Schulträger…)krank geworden und kann nicht mehr arbeiten. Ich habe es nicht verstanden, warum man die hochstudierten Lehrer nicht gezwungen hat zur Jahrtausendwende sich mit Digitalisierung zu befassen. Anstatt die SINNLOSEN Projektwochen zu möglichen und unmöglichen Themen durchzuprügeln, wäre man besser beraten, sich mit Digitalisierung zu befassen. Auch die Pandemie hat es nicht geschafft, sich intensiv mit Digitalsierung zu beschäftigen. Das zeigen mir solche Beiträge, aber auch die Realität an Schulen. Da werden beispielsweise Digitale Tafeln in die Klassenräume reingebaut bis hin ins Lehrerzimmer und dann nutzen die meisten nur die Klapptafeln bzw. Es wird YouTube angestellt. Übrigens treffen alle 8-Punkte zu und dann noch die 100 verschiedenen Bundesländer, Schulämter, Schulträger, die alle immer tun, als ob sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und so entscheiden, wie sie es für richtig halten. Egal-ich bin zum Glück nur noch stiller Beobachter. VG

Lehrer Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  Radrenner-Heiko

Das habe ich exakt genauso erlebt wie Sie! Im Jahr 2015 habe ich zu jeder Unterrichtsstunde einen mobilen Beamer ins Klassenzimmer geschleppt und aufgebaut, damit ich meinen Laptop nutzen konnte. Noch weit nach der Pandemie musste ich mein IPad per Kabel verbinden, weil die Funkverbindung nur mit Windows-Geräten funktioniert hat. Damals hat man mir an der Schule erklärt, dass NIEMAND außer mir Apple Produkte verwendet. Zu dieser Zeit hatten aber schon viele Schüler IPads und Apple war das wertvollste Unternehmen der Welt. Mittlerweile dominiert Apple auch im Lehrerzimmer, aber selbst jetzt funktioniert die IPad Anbindung in meiner Schule nicht perfekt.

Die Geschichte mit den Dienstgeräten habe ich auch nicht verstanden. Ich habe ein 13 Zoll IPad Pro und mein Arbeitgeber verlangt von mir, dass ich zukünftig das billigste 10 Zoll IPad verwenden soll. Gleichzeitig haben viele Schüler die 13 Zoll Variante. Offenbar möchte man zeigen, dass Lehrer Underperformer sind, die sich keine gute Technik leisten können. Bei einem 8 Stunden Unterrichtstag lädt man sein billig IPad dann zwischendurch auf – man hat ja sonst nichts zu tun.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Radrenner-Heiko

Ähnliche Erfahrung(en) meinerseits.

Da nicht mal die primitivste unterste Basis funktioniert (–> WLAN, genug Bandbreite am Anschluss), habe ich mein Tablet nach der steuerlichen Abschreibungsfrist verkauft und mir einen wirklich exzellenten, gut in der Hand liegenden Kreidehalter gekauft.

Auch in einen formschönen Füller habe ich investiert, Schüler finden den “cool” (k.A. warum, ihre Stifte behandeln sie wie Schmutz), da wird das Rausholen schon zum kleinen Ritual.

Geld für Tablets und Co. investiere ich lieber in mein privates kleines “Rechenzentrum”, wo ich mit Hasischnucki (© PetraOWL) jeden Film in jeder Sprache sehen und jedes Arbeitsblatt digital erstellen lassen sowie in benötigter Stückzahl ausdrucken lassen kann.

Bei Betreten des Schulgeländes schiesst jedes Wissen über Computer in Form pixeliger Dampfwolken zu meinen Ohren raus.

Geliefert wie bestellt.

unfassbar
2 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Aus dem Grund plane ich meinen Unterricht so, dass er notfalls auch analog funktioniert. Ist zwar rückständig, aber funktioniert.

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Jaaawolll! Genauso! Spart meistens Nerven 🙂

Lehrer Heinz
2 Monate zuvor

Bei uns an der Schule gibt es digitale Tafeln. Im Unterricht gibt es die folgenden Szenarien:
a) Die Sonne scheint und man kann die Inhalte auf der Tafel kaum erkennen. Gardinen sind aus Brandschutzgründen natürlich verboten.
b) Ich möchte etwas schreiben, aber der Stift geht nicht, ist nicht kalibriert oder man muss zehnmal auf “blau” klicken, bevor der Stift auch in blau schreibt.
c) Da die Tafel nicht höhenverstellbar ist, muss ich regelmäßig auf Zehenspitzen stehen oder zum Schreiben in die Hocke gehen.
d) Die Komplung mit dem IPad oder dem Laptop klappt mal wieder nicht und man probiert fünf Minuten herum bis es dann plötzlich doch geht.

Digitalisierung ist wirklich toll, vor allem wenn Sie von den Profis in den Schulämtern geplant und durchgeführt wird.

Küstenfuchs
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrer Heinz

Das liegt dann aber auch am Schulträger, der veralteten Elektroschrott in den Klassenraum stellt. Auf neueren Geräten (also unseren, die wir ab 2021 haben) braucht man nichts kalibrieren, kann natürlich die Tafel nach oben/unten fahren und wir haben auch Verdunkelung. Kopplung machen wir allerdings weiterhin fast nur mit Kabel (was in jedem Klassenraum bereitliegt).

Lehrer Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Unsere Boards sind nagelneu und wurden in den letzten beiden Jahren angeschafft! Ohne Höhenverstellung ist so ein Board natürlich günstiger und deshalb wird sowas auch aktuell noch verbaut.

Kleopas
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrer Heinz

Genau aus den genannten Gründen könnte es sein, dass nur etwa ein Viertel der Schulleiter digitalisierungsbegeistert ist (das wurde hier dieser Tage zum Thema Schulleitungskongress mitgeteilt). Und die Schulleiter repräsentieren eher die Zivilgesellschaft als das die IT-Unternehmen mit ihren Eigeninteressen tun.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrer Heinz

Bei uns an der Schule gibt es Beamer.

Die sind so schrottig, dass bei drei Einbrüchen noch keiner gestohlen wurde. 😀

Aber “””””digitaler Unterricht”””” geht (wenn WLAN da ist) durchaus:
– Vom “””Beamer”””” das Kabel zur Wandbox
– von der Wandbox das Kabel zum Lehrertisch legen
– von dem Kabel den (privat anzuschaffenden) Adapter einstecken
– von da zum port des Tablets
– wenn kein Apfeltablet: Münzwurf, ob ohne mehrfachen Neustart ein Bild kommt

—> dIgItAlMilLiArDÄhN bei der Arbeit.

Fun fact:
Ich habe mal den städtischen IT-Fritzen gefragt, ob…
– paar Eurodollar pro Monat locker machen
– zwei Starlink ins Dachfeschoß stellen
– Kabel von denen ins schulische Netz
nicht weniger pro Monat kosten würden als die Arbeits- und Wegkosten von ihm und seinen “IT”-(lol)-Kollegen…nur ohne, dass sie Arbeit damit hätten.

Wutroter Kopf, sowas “ginge ja schon garnicht, alles Quatsch”.

Hat wahrscheinlich Starlink und Star Wars verwechselt.

Rheinland-Pfalz- Junkie
1 Monat zuvor

5 und 6 und die Tatsache, dass man für das Equipment mal wieder vor allem selbst zahlt.

blau
1 Monat zuvor

Ja. Ist so. Ich zweifle auch am Nutzen. Schüler sind so viel am Bildschirm außerhalb der Schule. Bei den hohen Bildschirmzeiten müssen einige durchgehend danach am Handy sein, v.a. bei meinen Schülerinnen sehe ich sehr hohe Bildschirmzeiten von bis zu 11 Std am Tag am Wochenende. Wir müssen die Schüler davor schützen und digitale Medien nur einsetzen, wenn es sinnvoll ist, nicht als Selbstzweck.
Ja, es kostet Zeit, Neues in den Unterricht einzubauen. Dafür hat man keine Zeit, außer man tut es in der Freizeit, also unbezahlt.
Ja, die Ausstattung der Schulen lässt zu wünschen übrig. Jeder Einsatz ist mit Zusatzaufwand verbunden.
Und dann noch die Erfahrung mit den digitalen Tafeln. Unterricht ist zum Glücksspiel geworden. Funktioniert das Gerät oder nicht? In der Planung brauchst du jetzt immer Plan B und C. Noch mehr Arbeitszeit, die man nicht hat. Wer nicht in der Freizeit arbeitet, kann eigentlich gar nicht mehr unterrichten.

Unfassbar
1 Monat zuvor

Die Punkte 2, 5, 6 unterschreibe ich sofort, etwas abgestuft noch 7, 8. vom Ministerium kommen mit Glück Hardware und die Anweisung „Macht mal“. Ähnlich wie bei den schulinternen Lehrplänen, die aber ohne Hardware.

leerstunde_de
1 Monat zuvor

Die Punkte 1-3 wurden nunmal bislang auch nicht valide ausgeräumt. Die meisten Erfahrungen mit „digitalisiertem“ Unterricht sind: Verstärktes Ablenkungspotential – übertriebene Produktorientierung bei fehlenden Qualitätsstandards – geringer Mehrwert bei massivem Mehraufwand – im Output stetig sinkende Sprach- und Schreibkompetenz bis ins Abitur.

Da kann man sich das natürlich Zurechtphantasieren von wegen „Naja, dann sind jetzt alle oral unterwegs und influencen Blödsinn in die Welt heraus“ und sich weiter hinter seinem Bildschirm verstecken, statt in echte Interaktion mit Schüler:innen zu gehen, oder man sieht es als pädagogischen Auftrag, bildungswirksam zu sein und analoge Schule als Ort der konzentrierten, menschenbezogenen Kommunikation zu verstehen.

dickebank
1 Monat zuvor

Für die einen ist die Digitalisierung auf Platz 1,
die anderen haben 0 Bock auf den Quatsch.

Das ist der binäre Code der Digitalisierung von Schule – yeah!

Susanne M.
1 Monat zuvor

Man muss auch unterscheiden zwischen Digitalisierung und digitalisierter Datenerfassung. Letzteres bedeutet, dass man den ganzen Papierkram, den man schon hat, nochmal in den PC einspeist. Ist also eher mehr Arbeit als weniger. Leider findet häufiger digitalisierte Datenerfassung statt.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

Weil die Ministerien und die Schulträger ihrer eigenen Murks-IT nicht trauen. Es gab ja genug Fälle, wo Server von Schulträgern gehackt wurden, es keine vernünftige Möglichkeit der Datenwiderherstellung gab und deshalb die Anweisung an die Schulen lautete:

“Alle Daten noch einmal eingeben!”

Kleopas
1 Monat zuvor

Bleibt noch nachzutragen, dass es längst Studiengänge mit dem Titel “Change Management” gibt. Da wird u.a. die Psychologie der Sache gelehrt, vermutlich auch ein paar Tricks.

TaMu
1 Monat zuvor

Den Ansatz, die Ablehnung einer Technik über das Trauermodell von Kübler-Ross psychologisieren zu wollen, halte ich für an den Haaren herbeigezogen und für gefährlich in einer Demokratie.
Schwer Erkrankte und Trauernde befinden sich in einem psychischen Ausnahmezustand, der sie schutzbedürftig macht.
Lehrer und Lehrerinnen, die vielfach und auch hier unter dem Artikel beschreiben, wie schlecht die Technik funktioniert und dass sie zum Teil Unterricht digital und für den Notfall herkömmlich vorbereiten, haben gute Gründe für ihre Ablehnung. Wie viele hier schreiben, haben große Firmen IT Fachkräfte, nur in den Schulen soll es nebenbei laufen wie so Vieles andere.
Da kann eine psychische Pathologisierung wie ein Totschlagargument wirken. Die sind halt alle krank. Die brauchen nur ein bisschen Gruppentherapie und schon sind die wieder auf der Spur.
Von echten Lösungen, wie sie in Wirtschaft und Wissenschaft längst vorhanden sind, keine Spur.
Ich habe alle Antworten der Lehrerinnen und Lehrer hier durchgelesen und wundere mich, dass sich niemand wütend geäußert hat über den Vergleich mit Kübler-Ross, die sich vermutlich selbst gegen diesen Missbrauch ihrer Forschungsarbeit wenden würde. Schließlich hat sie über die Verarbeitung von Endgültigem geschrieben und nicht über Überforderung durch menschgemachtem Chaos, das tatsächlich vermeidbar wäre. Kübler-Ross würde auch ärztliche Fehler nicht bagatellisieren, nur weil im schlimmsten Fall ihr Trauermodell greift.
Ich möchte nicht erleben, dass Demokratie so verdreht werden kann, dass eine gute und stichhaltige Gegenargumentation pathologisiert und die Menschen in eine psychisch labile Ecke gedrängt werden können, wo sie nur über Inklusion noch eine Stimme haben, die aber eher nicht mehr gehört wird.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

In einem Land, in welchem Steuerfahnder per psychiatrischem Gutachten zwangspensioniert werden, nur weil sie ihren Job machen:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/psychiatrisches-gutachten-zu-unrecht-pensionierte-steuerfahnder-bekommen-schadenersatz-1.2782071

wundert einen doch gar nichts mehr…

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Das ist ja schlimm. Danke für den link.

Müller
1 Monat zuvor

Es gibt genügend Hinweise durch Studien, dass mit analogen Mitteln besser gelernt wird. Es gibt also keinen Grund, digitalen Unterricht für die Schülerinnen und Schüler anzubieten. Der Vorwurf, Lehrer würden nicht mit der Zeit gehen, ist inhaltsleer, da er letztlich nichts über die Qualität aussagt.

Wer kann ernsthaft annehmen, dass Schüler mehr digitale Endgeräte in ihrem Leben brauchen? Wessen Beobachtungsgabe kann so getrübt sein?

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Müller

Der (Klein-)Shareholder in mir jubelt ein bisschen (Apple hab ich nur ganz wenig).

Der Lehrer in mir macht ein neutrales Dienstgesicht, da er bescheid weiß.

Hans Malz
1 Monat zuvor

In NRW sieht man doch genau, warum das nichts wird.
Schild läuft zwar mittlerweile leidlich ist aber völlig überfrachtet und leidet immer noch darunter, dass Access jahrelang die Basis war. Aber Access ist eben keine Datenbank für große Anwendungen. Weiß eigentlich jeder.
Dann kamen LoginoeNRW und der Messenger – totale Katastrophe bis heute. Völlig unbenutzbar und wird von absoluten Dilettanten entwickelt. Letztens Totalausfall, weil das Webzertifiktat anscheinend nicht verlängert wurde – ohne Wort. SingleSignOn? Absolute Fehlanzeite.

Gilt auch für LogineoLMS. Eigentlich ist das nicht schlecht und es ist auch kein Hexenwerk die Optik und den Workflow anzupassen. Dann könnte es von den Funktionen locker mit den kommerziellen Lösungen mithalten. Aber auch hier wird nichts investiert und so sieht das Ding out of the Box aus, wie aus den 90ern. SingleSignOn? – Ach lassen wir das.

Dann nimmt man als Schule Geld in die Hand, um funktionierende Tools zu kaufen und bekommt dann Null Unterstützung. Prima wäre es, wenn die Authentifizierung von LogineoLMS über Webuntis laufen würde. Rein technisch kein Problem, wäre aber die “Bevorzugung eines privaten Unternehmens” und wird deshalb nicht gemacht. Selber kann ich das Plugin (das es ja gibt) nicht installieren. Ich könnte kotzen.

Und so zieht sich das durchgehend durch alle Anwendungsbereiche. Verschiedenste MDM’s laufen nebeneinander. Apple kocht sein eigenes Süppchen und verweigert sich allen anderen. Microsoft drückt einem an allen Ecken und Enden Anmeldungs- und Cloudzwang auf. Die Projektionsgeräte haben dann auch noch Android als Basis. Linux kann keiner…

Solange es keine übergeordnete Strategie gibt, die auch läuft und von Fachleuten entwickelt und gewartet wird. Vielleicht auch mal mit Absprache von Ministerium und Schulträger – total Crazy, ich weiß. Gibt es aber leider nicht und deshalb kann ich jeden Kollegen verstehen, der seine Kreidetafel nicht hergeben will.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Danke!!
Volle Zustimmung!

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