Website-Icon News4teachers

Wirtschaft kritisiert Ganztag an Grundschulen

Anzeige

BERLIN. “Großen Nachholbedarf” offenbart nach Worten von Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), eine aktuelle Untersuchung, in der der DIHK die Nachmittagsbetreuung deutscher Grundschulen analysiert hat. Fast 5.000 Schulen beteiligten sich im Frühjahr am DIHK-“Grundschulcheck 2011”.

Nur sechs Prozent der Grundschulen betreuen laut DIHK-Studie Schüler nach 17 Uhr. Foto. Metropolitan School / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)
Wichtige Ergebnisse der Studie sind:

Driftmann: “Wer Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, für den ist die Kinderbetreuung das A und O – und zwar nicht nur bis zur Einschulung.” Damit es nicht zu Brüchen im Erwerbsleben der Beschäftigten komme, müsse auch die Betreuung der Grundschulkinder verlässlich sein.

Anzeige

460.000 Mütter können nicht arbeiten

Viele Frauen würden bei einem besseren Betreuungsangebot ihre Berufstätigkeit ausweiten, heißt es laut “Welt online” in einer Studie, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit gemeinsam mit der Hamburger Universität im Auftrag des Bundesfamilienministeriums verfasst hat. Nach den Berechnungen der Ökonomen würde der flächendeckende Ausbau der Ganztagsbetreuung bis zu 460.000 bislang nicht erwerbstätige Mütter von Schulkindern auf den deutschen Arbeitsmarkt bringen. Von den 3,1 Millionen Müttern mit Schulkindern, die bereits berufstätig sind, würde zudem jede dritte ihre Arbeitszeit gern ausdehnen.

Bayern: Streit um die Studie

In Bayern ist bereits ein Streit um die Studie ausgebrochen. Kultusminister Ludwig Spaenle freute sich in einer Pressemitteilung,  der DIHK habe “dem Freistaat Bayern bescheinigt, dass die Quote der Nachmittagsbetreuung an Grundschulen mit 92 Prozent aller Grundschulen deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt liegt”. Dass in der Studie allerdings noch Bedarf am Ausbau der Ferienbetreuung festgestellt wurde, nahm Spaenle zum Anlass, Gespräche darüber zwischen Sozial- und Kultusministerium sowie den kommunalen Spitzenverbänden anzukündigen. “Wenn wir notieren, dass es einen zusätzlichen Bedarf gerade in der Ferienbetreuung gibt, müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Eltern in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade in den Ferien besser unterstützen können”, sagte der bayerische Kultusminister.

Der Bayerische Elternverband  (BEV) äußerte sich hingegen kritisch zu dem Befund,  dass 92 Prozent der bayerischen Grundschulen die Schulkinder nachmittags betreuen. “Diese Behauptung ist falsch, denn die Befragung war nicht repräsentativ. Wie die Autoren der Veröffentlichung ausdrücklich schreiben, haben fast nur die Engagierten geantwortet, also die Schulen, die bereits eine Nachmittagsbetreuung haben. Im März 2010 hatten erst 70 Prozent der bayerischen Grundschulen eine Mittagsbetreuung. Das geht aus einem Schreiben des Kultusministeriums hervor, das dem BEV vorliegt. Da Mittagsbetreuungen häufig nur bis 14 Uhr gehen und seit März 2010 nicht 500 neue Mittagsbetreuungen eingerichtet worden seien, kann von einer ausreichenden Betreuung an den Grundschulen nicht die Rede sein”, erklärt der BEV.

Anzeige
Die mobile Version verlassen